Tarifverhandlungen: Verdi strebt bessere Arbeitsbedingungen für ErzieherInnen an

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STUTTGART. Die Arbeit von pädagogischen Fachkräften ist nicht ohne. Oft fallen Tätigkeiten an, die außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit erledigt werden. Das will Verdi ändern.

Erzieherinnen und Erzieher arbeiten unter hohem Druck. Foto: Shutterstock

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will bessere Arbeitsbedingungen für pädagogische Fachkräfte durchsetzen. Der baden-württembergische Verdi-Landeschef Martin Gross sagte in Stuttgart, ErzieherIn sei ein Beruf mit Zukunft. Die Arbeitsbedingungen seien aber teilweise immer noch aus der Vergangenheit. «Das wollen wir 2022 endgültig ändern.» Dann stehen bundesweit geführte Tarifgespräche für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst an. Sie starten am 25. Februar. Allein in Baden-Württemberg sind rund 100.000 Beschäftigte betroffen.

So hält Verdi eine verbindliche Regelung zum Thema Verfügungszeit für notwendig. Denn bisher werden oft Dinge außerhalb der Arbeitszeit erledigt. Als Beispiel wurden die Vorbereitung eines Gesprächs mit Eltern in der Kita oder die Nachbereitung eines Samstagabends in der mobilen Jugendarbeit genannt. Gross sagte weiter: «Bei den Tarifgesprächen geht es letztlich um die Bewertung der Arbeit, wie pädagogische Fachkräfte eingestuft werden. Von der Einstufung hängt der Verdienst ab.»

Der Kommunale Arbeitgeberverband Baden-Württemberg (KAV) erklärte, der Südwesten zähle zu den Bundesländern mit dem besten Personalschlüssel. Es gebe gute Arbeitsbedingungen, sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Wollensak. Gewerkschaften und Arbeitgeber hätten in den vergangenen Jahren die Attraktivität der pädagogischen Berufe gesteigert.

Der Verdi-Landeschef kritisierte das bisherige Verhalten der Arbeitgeber: «Sonntags singen auch die Arbeitgeber ein Loblied auf die frühkindliche Bildung. Ab Montag sind sie dann wieder nur noch als Sparkommissare unterwegs.» Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März plant Verdi einen großen Aktionstag. Flächendeckende Protestaktionen während der Tarifgespräche wurden nicht ausgeschlossen. «In den letzten beiden großen Tarifrunden zu diesem Thema haben wir uns jeden Millimeter leider erkämpfen müssen.»

Gross sagte, die Eltern spürten den Fachkräftemangel schon jetzt, weil ausreichend Plätze zur Betreuung für ihre Kinder fehlten, weil Öffnungszeiten eingeschränkt würden. News4teachers / mit Material der dpa

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9 KOMMENTARE

  1. Durchseuchung läuft, Persoalmangel ist zur Gewohnheit geworden, die Betreuungszeit wird in der Einrichtung verkürzt, nur eine geringe von Kindern darf die Einrichtung besuchen, der Monatbeitrag bleibt trotz verkürzter Betreuungszeit gleich, oft wechselnde Betreuungspersonen usw.https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-12/corona-kita-schutz-eltern-umfrage?utm_term=facebook_zonaudev_int&wt_zmc=sm.int.zonaudev.facebook.ref.zeitde.redpost_zon.link.sf&utm_content=zeitde_redpost_zon_link_sf&utm_referrer=facebook&utm_medium=sm&utm_campaign=ref&utm_source=facebook_zonaudev_int&fbclid=IwAR0lM6fhDaHFFcjZxq5ZkS3LYKCfwX6kPlcGmRM19Ha11PfBsteSHJSEYaY

  2. „Gewerkschaften und Arbeitgeber hätten in den vergangenen Jahren die Attraktivität der pädagogischen Berufe gesteigert.“

    Wie bitte?!!! Bei den letzten Tarifverhandlungen zum TVöD SuE haben sich die Arbeitgeber durchgesetzt und es blieb dabei, dass die von Erzieherinnen erworbene Berufserfahrung bei einem Trägerwechsel nicht anerkannt werden musste.

    Wer also während der Pandemie lieber in einem nahe gelegenen, ohne Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichenden Kindergarten eines anderen Trägers gearbeitet hätte, hätte über die mögliche Nichtanerkennung bereits erreichter Gehaltsstufen weniger Geld bekommen.

    Wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber die Attraktivität des Berufs – gemeinsam? – gesteigert hätten, dann hätten sie schon vor der Wiederaufnahme der wegen der Pandemie ausgesetzten Tarifverhandlungen die Berufserfahrung der Fachkräfte anerkennen können. (Erzieherinnen sollten sich auf jeden Fall überlegen, ob sie ein ausgehandeltes Ergebnis wirklich annehmen wollen.)

    • Die Nichtanerkennung der Berufserfahrung zeigt die Geringschätzung dieses wertvollen Berufs. In anderen Branchen sieht das anders. Ebenso verhält es sich mit der Anerkennung von Weiterbildungen und Zusatzqualifikation. Aufstiegsmöglichkeiten sind ebenfalls nicht gegeben. Was motiviert noch für diesen Beruf, außer die tiefe Zuneigung zu Kindern. Dafür müssen die Rahmenbedingungen großzügig ignoriert werden. Ein Wechsel ist mit finanziellen Nachteilen und Aberkennung der Berufserfahrung verbunden. Das ist demütigend. Es gibt sicher nicht wenige erschöpfte Erzieherinnen, die einfach nur ausharren, weil sie Sorge um die finanzielle Schlechterstellung haben. Erzieherinnen, die neugierig sind, vielleicht auch verschiedene pädagogische Bereiche ausprobieren wollen und somit Erfahrung sammeln sind eine Berreicherung für jede Einrichtung, aber für den Träger zählen nur die Kosten.

  3. Naja bessere Arbeitsbedingungen lassen sich erst erkämpfen, wenn die Anerkennung in der Gesellschaft stimmt. Und leider sind wir da noch weit entfernt! Und was die Verfügungszeit betrifft- die haben wir. Allerdings kann diese bei Personalausfall nicht stattfinden. Und wir haben die in der Einrichtung zu leisten, naja der Einkauf vom Kindeegarten z.B Koch- und Backzutaten etc. ist dann halt eben doch Privatsache. Und so könnten wir die Liste der guten Bedingungen fortsetzen. Ich liebe die Arbeit mit Kindern, sonst wär ich schon lange raus.

    • Bevor Erzieherinnen vom eigenen Geld Backzutaten – oder vor dem Jahresende, wenn die Mittel knapp sind, vom eigenen Geld Kleber!!!!!!! kaufen, könnten sie selbstverständlich beim Träger nachfragen, am besten mit dem Hinweis „Was sollen sonst die Eltern denken!“

      Sorry, aber unter den Erzieherinnen gibt es immer noch zu viele, die FREIWILLIG daheim die Bildungsdokus mit Glitzer bestreuen oder Herzchenketten ausschneiden, weil die Krippenkinder das ja nicht so schön hinbekommen.

      Ich bin nicht davon überzeugt, dass es entscheidend auf die Anerkennung des Berufs in der Gesellschaft ankäme. Die ist gar nicht so gering wie viele meinen. Durch das ständige Lamento um mehr Wertschätzung vielmehr sorgen Erzieherinnen doch selbst dafür, dass sie weniger ernst genommen werden. Forderungen müssen konkret und unmissverständlich sein. Die Verfügungszeit zu erwähnen ist eine Farce! Es gibt sie schon und wenn sie nicht eingehalten wird, weil das Personal zu knapp ist, dann haben die Erzieherinnen nicht genug Mumm gehabt, sie für sich einzufordern.

  4. Können Kindergartenleitungen bitte mal angeben, welche Summen für die Zertifizierungen und Rezertifizierungen von Kitas ausgegeben werden? Nur damit wir mal eine Vorstellung darüber entwickeln, wie lukrativ das Berater- und Beurteilerwesen ist.

    • @ Angelika:
      Ich finde sie machen es sich da etwas einfach zu sagen, dass die Erzieher selber Schuld sind, weil sie nicht genug Mumm haben, die Verfügungszeit einzufordern.

      Wir haben nach ewiger Zeit erst mal Verfügungszeit eingeraumt bekommen und waren aber Krankheitsbedingt seit 3 Monaten ( Ende war noch lange nicht in Sicht) nur noch zu zweit in der Gruppe. Ich als Ganztagskraft und meine Kollegin mit 19,5 Stunden. Ich hätte meine Verfügungszeit natürlich durchziehen können allerdings auf Kosten meiner Kollegin, die dann allein mit 25 Kindern gewesen wäre. Glaube nicht das das Durchsetzen wirklich zum Kindeswohl beiträgt. Selbst als wir versucht haben unsere Rechte durchzusetzen ist nach 2 Überlastungsanzeigen immer noch nichts passiert. Im Gegenteil, man hat einfach Dienstanweisung vom Träger bekommen alles weiter machen zu müssen (Eingewöhnungen, Umgewöhnungen, Vorschularbeit etc.) .

      Und auch das Bild was sie darstellen man sitze zuhause und streue Glitzer auf Dokuordner drauf finde ich falsch dargestellt. Natürlich gibt es diese Erzieher auch aber das ist nicht die Regel. Ich mache die Dokuordner grundsätzlich mit den Kindern zusammen, auch mit den 2 Jährigen. Sie sehen dann so aus wie Kinder es in dem Alter können und auch möchten. Sie können da nicht einfach alle über einen Kamm scheren. Dennoch habe ich Aufgaben zuhause erledigen müssen. Teilweise auch gemeinsam mit meiner Kollegin (z.B. Berichte Spz, Jugendamt), weil wir in der Einrichtung einfach keine Zeit dafür bekommen haben und die Dringlichkeit es nicht zuließ diese aufzuschreiben ( Kindeswohl!).

      Vielleicht liegt es auch an Menschen wie Ihnen, dass der Erzieherberuf so Klischeehaft in der Gesellschaft gesehen wird. Und die Verfügungszeit gibt es eben noch nicht überall. Sie können sich glücklich schätzen, wenn das bei ihnen der Fall ist. Bei uns wird erst seit 1 Jahr versucht diese irgendwie fest in den Dienstplan zu integrieren, steht aber bei weitem nicht an oberster Stelle. Und ich finde es wichtig bessere Arbeitsbedingungen/ Rahmenbedingungen einzufordern damit die Kitas wieder ordentliche Bildungsarbeit leisten können und nicht nur als Verwahranstalten fungieren.

      Liebe Grüße

  5. Hallo Melanie,

    „Vielleicht liegt es auch an Menschen wie Ihnen, dass der Erzieherberuf so Klischeehaft in der Gesellschaft gesehen wird.“ – Das könnten bestimmt noch einige Erzieherinnen denken. Aber weil ich als Springerin über viele Jahre in Kitas und seltener auch in Schulen unterwegs war, muss ich aus meiner Warte sagen, dass wirklich nicht wenige Erzieherinnen höchstpersönlich zu den Klischees beitragen. – Die altbackenen Klischees sind meiner Biobachtung nach allerdings längst nicht so weit verbreitet, wie die „Kollektivangst“ 😉 unserer Berufsgruppe, man würde als als Bastel- und Kaffeetante angesehen werden.

    Aufgrund meines Alterns kann ich jüngeren Erzieherinnen nur davon abraten, in gebückter Haltung mit Kleinkindern an Tischen diese Dokus zu erstellen. Ihr ruiniert ich euch höchstwahrscheinlich den Rücken! (Ich war noch in keiner Kita, in der Möbel für Erwachsene im Gruppenraum ein rückenschonendes Arbeiten ermöglicht hätten.)

    Wäre es nicht kindgerechter, andere Gelegenheiten zu schaffen, um Kindern mehr intensive, persönliche Zuwendung zu schenken? Weil wir sonst meist zu wenig Zeit für einzelne Kinder haben, wird die Zeit an den Ich-Büchern natürlich von den Kindern gemocht. – So wie früher das gemeinsame Basteln, Singen, Toben oder Quatsch machen mit einer Erzieherin. Es würde zu weit führen, wenn ich hier meinen Unmut über die Dokumentationspflichten ausführlicher begründen würde. Vielleicht mache ich das mal in einem Artikel für erzieherin.de. Aber um wenigstens den Eindruck zu korrigieren, Erzieherinnen wären überangepasst und schafften es nicht, dem weisungsgebundenen Arbeiten etwas entgegenzusetzen. kann ich versichern, dass es durchaus einzelne Kitagruppen gibt, in denen einfach nicht ständig und durchgehend über alle Kinder dokumentiert wird. Es wird nicht rausposaunt, aber es gibt Eltern, die es gut finden, dass die Erziegerinnen mehr Zeit für die Kinder oder – auch wichtig! – für die Auszubildeden haben. Letztere haben beispielsweise das Nachsehen, wenn eine Praxisausbilderin sich übermäßig lange aus dem Gruppenalltag zurückzieht…

    „Ich hätte meine Verfügungszeit natürlich durchziehen können allerdings auf Kosten meiner Kollegin, die dann allein mit 25 Kindern gewesen wäre. Glaube nicht das das Durchsetzen wirklich zum Kindeswohl beiträgt.“ – Das sehe ich auch so und finde es darüber hinaus unverantwortlich, dass immer wieder Fachkräfte oder auch Ungelernte länger mit der Gesamtgruppe allein gelassen werden.

    Wäre ich in eurer Situation würde ich den Arbeitgeber um ein Zwischenzeugnis bitten. Dann verstehen die meisten, dass eine Grenze überschritten wurde, die nicht tolerierbar ist. Fachkräfte, die alles mit sich machen lassen, will man natürlich behalten, aber in Zeiten des Fachkräftemangels will man auch keine gehen lassen und dann wird manches auf einmal möglich, was zuvor rigoros abgelehnt wurde.

    Ich kann mir gut vorstellen, wie enorm anstrengend der Alltag unter den Corona-Bedingungen war und kann verstehen, dass in den beiden vergangenen Jahren die Energie fehlte, sich für bessere Betreungs- und bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. – Aber vor der Pandemie und zu Beginn der Coronaschließzeit hätte man doch mehr tun können, denke ich. – Und stattdessen haben Erzieherinnen Osterkörbchen für die Kinder gebastelt… So was ging durch einoge Lokalzeitungen und Anzeigenblätter.

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