„Entäuschend“: Lehrerausbilder verreißen Stark-Watzingers Lehrerausbildungsprojekt

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BERLIN. Das Bundesbildungsministerium will die digitale Bildung voranbringen – und fördert deshalb die Entwicklung sogenannter Kompetenzzentren für digital gestützten Unterricht, die Lehrkräfte aus- und weiterbilden sollen. Die Expertise von Hochschulen und Studienseminaren soll darin zusammenfließen. Klingt gut. Das Problem: Das Geld dafür fließt nur an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Der bak Lehrerbildung hält das Projekt deshalb vom Start weg für einen Rohrkrepierer.

„Moderne Schulen brauchen Lehrinnen und Lehrer mit bester Digitalitätskompetenz“: Bettina Stark-Watzinger. Foto: privat

„Eine Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern auf höchstem Niveau ist elementar für ein agiles und resilientes Bildungssystem. Dies gilt im Besonderen für den hochdynamischen Bereich der Digitalisierung“, so heißt es beim Bundesbildungsministerium.

Und weiter: „Digitales Unterrichten und der Einsatz digitaler Methoden im Unterricht sind dabei weder Selbstzweck noch Zusatzaufgabe. Digitaler Unterricht kann ein wertvolles Instrument sein, um Präsenzunterricht zu ergänzen, beim Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht oder begleitend in Praxisphasen. Der Einsatz digitaler Methoden kann durch Effizienzsteigerungen des Unterrichtsgeschehens und damit verbundenen Zeitgewinnen für die eigentlichen Lernprozesse, durch eine Qualitätsentwicklung des Unterrichts – und damit verbunden einer stärkeren Motivation und kognitiven Aktivierung von Schülerinnen und Schülern – sowie einer verbesserten Unterstützung individueller Lernfortschritte einen Beitrag zur Steigerung der Prozessqualität von Unterricht leisten.“

Anlass der Eloge: Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hat die Förderung von Kompetenzzentren für digitalen und digital gestützten Unterricht auf den Weg gebracht. „Wir müssen unsere Lehrerinnen und Lehrer als Dreh- und Angelpunkte der digitalen Bildung mit Fortbildungsangeboten in diesem Bereich stärken“, sagt sie dazu. Den Anfang mache ein Kompetenzzentrum für MINT-Fächer, drei weitere (Sprache, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaft; musisch-kreative Fächer und Sport; digitale Schulentwicklung) würden folgen. Eine Ausschreibung dazu wurde nun veröffentlicht.

„Es entstehen wieder nur lokal gedachte Entwicklungen, welche in unkontrolliertem Aktionismus enden“

Ziel des Projekt: „fachlich einschlägige außeruniversitäre Forschungs­institute, lehrerbildende Hochschulen, Studienseminare und Einrichtungen der zweiten Phase und Lehrerfortbildungseinrichtungen zu verzahnen sowie Netzwerke aller beteiligten Akteure zu etablieren und zu stärken“.

Stark-Watzinger: „Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag, um die Fortbildungslandschaft für Lehrerinnen und Lehrer zukunftsfit zu machen. Die Leitidee der Kompetenzzentren ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Lehrkräftefortbildung. Denn moderne Schulen brauchen Lehrinnen und Lehrer mit bester Digitalitätskompetenz. Gleichzeitig treiben wir so die Digitalisierung der Bildung weiter voran.“ Eine bundesweite Vernetzungs- und Transferstelle soll dann laut Pressemitteilung als Dach fungieren, übergreifenden Forschungsaktivitäten nachgehen und wissenschaftliche Standards digitaler Lehrkräftefortbildung entwickeln.

Denn, so heißt es in der Projektbeschreibung: „Um Deutschland bei der Digitalisierung der Bildung international weiter wettbewerbsfähig zu halten, müssen Anstrengungen auf mehreren, miteinander vernetzten Ebenen erfolgen. Und es ist notwendig, Lehrkräften eine qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen, die sie in die Lage versetzt, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, und sie befähigt, spezifisch an der jeweiligen Fachwissenschaft, den Bildungswissenschaften, Medienwissenschaften und den Didaktiken ausgerichtete digitale Methoden entsprechend den Bedürfnissen der konkreten Unterrichtssituation sowie den Schülerinnen und Schülern einzusetzen.“

Klingt gut – ist es aber nicht. Sagt jedenfalls der Bundesarbeitskreis (bak) Lehrerbildung, in dem bundesweit Lehrerausbilderinnen und Lehrerausbilder organisiert sind. Denn: Antragsberechtigt sind lediglich Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Von einer „engen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Lehrkräftefortbildung“, wie sie Stark-Watzinger nach eigenem Bekunden anstrebt, ist also de facto nichts zu erkennen.

bak-Vorsitzender Helmut Klaßen meint: „Die Förderung zeigt sich für uns als große Enttäuschung. Es ist leider nach wie vor nicht verstanden worden, dass eine phasenübergreifende Lehrkräftebildung nur dann nachhaltig entwickelt werden kann, wenn alle Phasen bei der Förderung berücksichtigt werden, was hier wieder nicht der Fall ist. Genau dieser so bedeutende Ansatz wird so an den Problemen des Bildungsföderalismus scheitern.“

Konsequenz, so Klaßen: „Es entstehen wieder nur lokal gedachte Entwicklungen, welche in unkontrolliertem Aktionismus enden.“ News4teachers

Perspektiven der Lehrerausbildung: Wie bringen angehende Lehrkräfte das, was sie an den Unis lernen, in den Unterricht?

 

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10 Kommentare
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Mika
1 Monat zuvor

„…Denn moderne Schulen brauchen Lehrinnen und Lehrer mit bester Digitalitätskompetenz.“
Ganz ehrlich, in meiner Rangliste stehen Lehrkräfte mit BESTER Digitalkompetenz weit hinten. Wichtiger fände ich überhaupt erst mal genügend fachlich und pädagogisch qualifizierte Lehrkräfte in den Schulen zu haben, sanierte Schulgebäude mit ausreichend vielen und großen Räumen und Möbeln, die erkennen lassen, dass für Schüler (und Lehrer) nicht das allerälteste Mobiliar immer noch gut genug ist, Schulhöfe, die zum Aufenthalt einladen und genügend Bewegungsmöglichkeiten bieten, gesundes Schulessen, eine Schulkrankenschwester (m/w/d), Experimentiersätze, die deutlich jünger sind als ich, eine vernünftige Internetanbindung der Schulen, eine solide Geräteausstattung. Bis dahin reicht mir die tatsächlich vorhandene Digitalkompetenz meiner KollegInnen, die ich als überwiegend gut bezeichnen würde.

Klaus Lehmkuhl
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Die übliche Dummschwafelei von FDP – Politikern , die mit einem Amt versorgt werden müssen , für das sie nicht die geringste Eignung haben . Mangelnde Kompetenz wird dann durch forsches Reden getarnt . Dabei darf ˋ digitaler Unterricht ´ nicht einmal auf dem Höhepunkt einer lebensbedrohlichen Seuche stattfinden . Was soll also dieser Unsinn ?

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Klaus Lehmkuhl

Die FDP ist für einen „digitalen Quantensprung“, was immer das genau bedeutet:
https://www.fdp.de/chancengerechtigkeit

M.I. "Green"
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

„…Denn moderne Schulen brauchen Lehrinnen und Lehrer mit bester Digitalitätskompetenz.“

Es hört sich einfach nur nach einer Jungsmutter an, die umgefallen ist und ein bisschen kompetenzsprech aufgeschnappt hat.
Wenn es schick und modern aussieht und man auf Tasten drücken oder auf einem Screen entlangwischen kann, interessieren sich oberflächliche Menschen für etwas, egal ob es inhaltlich etwas hergibt oder nicht, damit man ihnen nicht zumuten muss sich dafür wirklich anzustrengen – so ist das doch wohl eigentlich gemeint, oder?

Es gibt, soweit ich mitbekommen habe, schon lange gute Fortbildungseinrichtungen für Pädagoginnen und Pädagogen und Medienvereine, die sich an Schülerinnen und Schüler richten, die nicht nur die technische Seite beleuchten, sondern eben auch mal ethische und qualitative Fragen daran knüpfen und die deshalb angenommen werden, weil sie auf intelligente Weise mit richtigen Inhalten und wirklich an Diskursen arbeiten, die im Vordergrund stehen. Wenn es nur darum geht, ob die Arbeitsoberfläche gut aussieht und man frühzeitig „corporate“ spielen darf, läuft irgendwo etwas falsch.
Wenn Bildung die Supermacht des 21. Jhts. (FDP) sein soll, dann müsste digitale Bildung mehr leisten als nur spielerische Vorbereitung auf Textformatierung und Excel-Tabellen. Dafür bedarf es aber auch der Beherrschung von Kulturtechniken, die den sicheren Umgang mit Texten und Sprache(n), wie auch analytische Fähigkeiten im Umgang mit Bildern voraussetzen!

Als nicht-berufstätige Außenstehende ist mir natürlich nicht ganz klar, warum diese ganze digitale Organisation des Unterrichtsersatzes in der Corona-Pandemie so wahnsinnig schwierig war und in keinster Weise der Intelligenz, der digitalen Kompetenz und der anspruchsvollen akademischen Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern entsprochen hat!
‚Die Eltern‘ werden es dadurch wohl endlich ‚begriffen‘ haben, dass es einfach stört sich ständig irgendwo neu einfuchsen zu müssen, wenn man so viel zu beachten hat.
Von Politikern und Politikerinnen und anderen an schulischen Belangen interessieren Personen, die mir digitales Mansplaining aufdrängen, würde ich mir auch nicht gerne etwas sagen lassen! Da warte ich lieber auf Stromsparzeiten…

Die FDP kämpft um ihr Überleben und versucht „Piraten“ zu spielen.
Mit Bildung sind eben keine Erfolgsgeschichten zu machen, die man verkaufen könnte. Anders kann man sich das Projekt nicht erklären.

lehrer002
1 Monat zuvor

„Moderne Schulen brauchen Lehrinnen und Lehrer mit bester Digitalitätskompetenz“
Das fasst den Text eigentlich schon zusammen. Es geht fast nur um Digitalisierung. Das zeigt, dass Frau Stark-Watzinger die wirklichen, eklatanteren Probleme nicht kennt.

Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

… tipp, tipp, tipp …
Ob sich die Digitalisierung überhaupt lohnt? In zwei Jahren wird eh keiner mehr mit Computern arbeiten … dann arbeiten SIE mit uns, harharhar! Sterbliche, ihr werdet einfach über-patched: „Es wurden 7,9 Milliarden Fehler behoben. Yours, AI and goodbye.“

Boah, volle cool geworden! :o)
Dil?
Ja Mama?
PC aus und ins Bett, sofort!
Ok, Hausi ist grad fertig. Gute Na-acht!

Last edited 1 Monat zuvor by Dil Uhlenspiegel
Mika
1 Monat zuvor

Sie empfinden (als Fortbildner) Fortbildungen im Bereich digitaler Medien als wenig effektiv, und bemängeln gleichzeitig, dass ‚viele’ Lehrkräfte keine Fortbildungen in diesem Bereich besuchen. Vielleicht hängt das Eine ja mit dem Anderen zusammen? Die gewöhnliche Lehrkraft hat im Regelfall keine freien Kapazitäten für ineffektive Veranstaltungen!
Des Weiteren beschränken sich im Regelfall die „digitalen Medien“, auf die fast jeder Schüler Zugriff hat, auf dessen eigenes Handy. Das können Sie allerdings schwerlich der zentralen Administration unterwerfen – soweit ich weiß, sind die wenigen BYOD – Experimente immer wieder an rechtlichen Fragen gescheitert (Karls Handy ist runtergefallen, während er im schulischen Auftrag gegoogelt hat – wer zahlt? Paula hat, statt sich zum alten Rom zu informieren, lieber auf nicht jugendschutzkonformen Seiten rumgetrieben, was die Lehrkraft erst nach 10 Minuten bemerkt hat – wird ja nicht zentral administriert, … ). Die Schulen, in denen jeder Schüler und jede Lehrkraft jederzeit Zugriff auf digitale Endgeräte, ein stabiles WLAN und eine vernünftige Classroom-Software hat, kann man in D vermutlich auf unter 100 schätzen.
Letztlich gilt hier wie überall: macht eine Methode Sinn, setzt sie sich durch. Macht sie keinen Sinn, läuft sie sich tot. Ich habe (u.a. Informatik unterrichtend und auf diesem Gebiet ziemlich fortgebildet) eher den Eindruck, dass das Wort „digital“ einfach nur ein Buzzword ist, um möglichst hipp rüberzukommen. Man klingt damit so zukunftsorientiert, und wenn jemand Kritik daran äußert, kann man denjenigen als Fossil beschimpfen.
Als leidenschaftlicher Coder finde ich immer noch: die besten Medien, um strukturiertes Denken zu erlernen, sind schwarzer Stift auf weißem Papier oder alternativ weiße Kreide auf grüner Tafel. Fördern die Kooperation bzw. Kommunikation in der Gruppe ungemein und sind absolut digital.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Sie selbst sprachen von ineffektiv – kommt wohl immer auf den Fortbildner an. Und es bleibt dabei: ist die Methode sinnvoll, setzt sie sich durch, ansonsten läuft sie sich tot. Ob ich Feedback digital oder analog einfordere bzw. gebe (z.B. über qwiqr) kommt auf die Klientel und die Situation drauf an, ob die SuS Filme (gern unter Verwendung von H5P) drehen, Podcasts, Blogs, Präsentationen mittels ppt (kann man auch vertonen und als Video gestalten) oder Wikis zum Thema erstellen, überlasse ich ihnen selbst – da kommen die schönsten Dinge bei raus. Ich selbst drehe keine Filme und mache auch keine ppts, die ich dann jährlich vorführe – ich entdecke die Dinge lieber mit meinen Schülern gemeinsam und jedes Mal aufs Neue. Ging sogar während des DU – wenn meine SuS mit Geräten und stabilem WLAN versorgt waren. Wie gesagt, meine KollegInnen sind zum allergrößten Teil ziemlich fit darin – Ihre Anmerkungen bezüglich des Desinteresses des größten Teils der Lehrkräfte kann ich weder nachvollziehen noch finde ich sie angemessen.

dauerlüfterin
1 Monat zuvor

Die Realität ist doch so: kein W-LAN, veraltete kaputte Geräte, uralte Software, kein nennenswerter Support.
Da kann sich der geneigte Kollege die digitalen Methoden von vorne herein in die Haare schmieren.
Dann besser ein herkömmliches Unterrichtsarrangement, das funktioniert als 45 Minuten erfolglose Versuche das Equipment in Gang zu bringen.

Schattenläufer
1 Monat zuvor

Mensch Leute, die Frau ist von der FDP und hat ein Amt erhalten, dass so sinnvoll ist wie das Doppelbett im Schlafzimmer des Papstes.
Bildung ist Ländersache.
Jetzt verdient eine Bundesministerin ja mehr als 3,50€.
Da muss man ab und an was ablassen um das Gehalt zu rechtfertigen.
Also mal was zusammen gebastelt. FDP Wort-Hülsen wie Digitalisierung und Freiheit bieten sich da natürlich an.
Wer konnte den damit rechnen, dass das Gelaber wirklich jemand liest, geschweige denn ernst nimmt?