Nicht erst seit Corona: Krankhaftes Übergewicht bei Kindern nimmt zu

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HANNOVER. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind zu dick – sogar krankhaft dick. Vermutlich ist das nicht einmal überraschend: Wer im Lockdown zuhause hockte und zu Schokolade und Softdrinks griff, nahm zu. Nur: Bleibt es dabei? Eine Expertin hat eine klare Meinung dazu.

Die Corona-Krise hat ungesunde Trends verstärkt. Foto: Shutterstock

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit krankhaftem Übergewicht steigt einer neuen Untersuchung zufolge bundesweit seit Jahren deutlich – besonders während der Corona-Pandemie. Zwischen 2011 und 2021 wuchs die Zahl der von Adipositas betroffenen 6- bis 18-Jährigen um 33,5 Prozent. Bei der Teilgruppe der 15- bis 18-Jährigen erhöhte sie sich sogar um 42,5 Prozent und bei Jungen von 15 bis 18 Jahren gar um 54,5 Prozent. Das geht aus Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Hannover hervor. Nach Angaben von Christine Joisten, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindesalter, gibt es vor allem in sozialen Brennpunkten einen massiven Anstieg.

Die Lockdown-Phasen in der Pandemie hätten die Lage noch verschärft, warnte die Krankenkasse. So sei die Zahl der Adipositas-Fälle allein vom Vor-Corona-Jahr 2019 bis 2021 bei den 6- bis 18-Jährigen um 10,7 Prozent gestiegen, bei 15- bis 18-jährigen Jungen sogar um 18,7 Prozent und bei den gleichaltrigen Mädchen um gut 12 Prozent. Die KKH hat nach eigenen Angaben rund 1,6 Millionen Versicherte.

«Die Pandemie mit all ihren Kontaktbeschränkungen hat das Leben vieler Kinder und Jugendlicher lange Zeit aus dem Lot gebracht und Inaktivität gefördert»

Adipositas zählt laut KKH zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Für die Untersuchung erhob die Kasse anonymisierte Daten ihrer Versicherten von 6 bis 18 Jahren mit der entsprechenden Diagnose. 2021 waren im Schnitt 6,0 Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen, 2011 waren es 4,5 Prozent.

«Homeschooling mit stundenlangem Sitzen vor dem PC, fehlender Sportunterricht, kaum Treffen mit Freunden, geschlossene Sportstätten – die Pandemie mit all ihren Kontaktbeschränkungen hat das Leben vieler Kinder und Jugendlicher lange Zeit aus dem Lot gebracht und Inaktivität gefördert», urteilte Aileen Könitz, Ärztin und Expertin für psychiatrische Fragen bei der Krankenkasse. «Das war ein Einfallstor für Ersatzhandlungen, um Frust, Stress und Einsamkeitsgefühle zu kompensieren.» Mit Ersatzhandlungen spielt Könitz auf den Griff zu Dickmachern wie Softdrinks, Schokolade oder Chips an – oder auf stundenlanges Hocken vor dem Bildschirm.

Könitz betonte: «Dieser Trend ist dramatisch, denn im Kindesalter werden die Grundsteine für eine gute Gesundheit im Erwachsenenalter gelegt.» Sei Übergewicht schon in jungen Jahren extrem, drohten gesundheitliche Folgen wie Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder auch Gelenkverschleiß und geringere Lebenserwartung. Die Folgen von Adipositas könnten bei Kindern und Jugendlichen aber auch die psychische Balance ins Wanken bringen: «Diskriminierung und Mobbing wegen ihres Körpergewichts gehören für viele von ihnen zum Alltag», sagte sie. «Ausgrenzung zu erfahren, schwächt nicht nur das Selbstwertgefühl und mindert die Lebensqualität, sondern kann zu psychischen Erkrankungen wie Ängsten oder einer Depression führen.»

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die Lebensmittelindustrie: «Kinder und Jugendliche essen mehr als doppelt so viel Süßigkeiten und nicht mal halb so viel Obst und Gemüse wie empfohlen – daran trägt die Lebensmittelindustrie eine Mitschuld», sagte Foodwatch-Sprecher Dario Sarmadi. «Sie vermarktet über beliebte Social-Media-Influencer und bunte TV-Spots fast ausschließlich Zuckerbomben und fettige Snacks.» Er forderte die Politik auf, die Industrie mit umfassenden Schranken für Junkfood-Werbung, einer Nährwert-Ampel und einer Steuer auf überzuckerte Getränke in die Pflicht zu nehmen.

«Schaffen Sie bei Ihrem Kind ein Bewusstsein für die Risiken von Übergewicht und die persönliche Verantwortung für die eigene Gesundheit!»

Dabei sei niemand den Risiken für Fettsucht wie falscher, fett- und kalorienreicher Ernährung, Bewegungsarmut und übermäßiger Nutzung von Fernsehen oder Smartphone hilflos ausgeliefert, urteilte die KKH. Zentral bei der Vorbeugung sei das Vorbild der Eltern. Könitz riet Eltern: «Schaffen Sie bei Ihrem Kind ein Bewusstsein für die Risiken von Übergewicht und die persönliche Verantwortung für die eigene Gesundheit.» Im Kampf gegen unliebsame Pfunde komme es vor allem darauf an, dass Kinder ihren Lebensstil und ihr Verhalten ändern wollen, motiviert mitarbeiten und psychisch gestärkt werden – was Eltern «viel Kraft, Geduld und Durchhaltevermögen» abverlange.

Joisten geht dagegen von einem dauerhaften Effekt aus: «Die Welt ändert sich ja nicht», sagte sie. Zwar habe die Pandemie die Rolle der digitalen Beschäftigung «hochgespült», aber schon vorher sei die Bewegungszeit von Kindern schlecht gewesen, auch hochkalorische Lebensmittel habe es bereits gegeben. Laut einer Untersuchung im Kölner Raum habe Übergewicht von Kindern und Jugendlichen im Vergleich mit 2016 vor allem in sozialen Brennpunkten zugenommen, in wirtschaftlich starken Stadtteilen sei es gleich geblieben.

Gleichzeitig beklagte sie den Rückgang bei ambulanten Therapiezentren: «Wir kriegen diese Kinder nicht versorgt.» Sie forderte, die richtigen Schlüsse aus der Untersuchung zu ziehen und ein einheitliches System der Kostenübernahme einzurichten – bislang könnten Krankenkassen die Kosten übernehmen, müssten es aber nicht. Von Thomas Strünkelnberg, dpa

Kinder in der Corona-Krise: „Eine solche Gewichtszunahme hatten wir noch nie“

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45 Kommentare
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Andre Hog
1 Monat zuvor

….als was kann man diese Entwicklung umschreiben….

„Daddeln im Speckmantel?“

Klingt irgendwie lecker.

Schattenläufer
1 Monat zuvor

Übergewicht hat nach ärztlicher Meinung eigentlich nichts mit Schule zu tun.
Zu hohe Kalorienzufuhr und zu wenig Bewegung sorgen für Übergewicht.

Glauben sie mir ruhig, davon habe ich Ahnung 🙂

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Viele zuckerhaltige Getränke und dann viel Digitalisierung. Zur Stadtbibliothek zu gehen wäre ja schon mal ein Spaziergang, ist jetzt aber überflüssig geworden. Die Welt existiert mehr und mehr nur noch am heimischen Bildschirm, und das auch ohne Corona. Selbst Fußball spielt man mit der Spielekonsole.

Realo
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Uiuiui, Übergewicht ist Risikofaktor für so manche schlimme Krankheit. Könnte vermieden werden.

gehtsnoch
1 Monat zuvor

Gesundheitsrisiko Sitzen!?

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  gehtsnoch

Betriebliches Gesundheitsmanagement:

„Die nächste Position ist immer die gesündeste“

Rike
1 Monat zuvor
Antwortet  gehtsnoch

Sitzen ist das neue Rauchen – weiß man doch. Dazu passen die Ganztagsschulen….

Kynnefjäll
1 Monat zuvor

Ich verstehe nicht, warum die Eltern es zulassen, dass ihre Kinder dick werden, ich hätte das niemals toleriert. Auch während des Lockdown hätte jedes Kind sich draußen bewegen können, das war nicht verboten, aber wenn die Eltern selber zu faul sind rauszugehen, naja, was soll man dazu sagen.
Aber es ist ja immer einfacher, anderen die Schuld zu geben anstatt endlich mal selbst Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Kynnefjäll

Das hat viele Gründe.

Was dem Wohlstandsverwahrloser sein Tablet für Kinderhände… ist dem anderen die Chipstüte und Konsole, damit Kevin ruhig bleibt – Erziehung durch Material.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Kynnefjäll

Ich bin immer an Konzepten interessiert. Erläutern Sie bitte näher
( mit und ohne Berufstätigkeit der Eltern – wär wichtig )

Kynnefjäll
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Z.B. gemeinsame Mahlzeiten, das Essen genießen, kein Fastfood kaufen, über Ernährung sprechen, Gewicht des Kindes im Auge behalten und selbst Vorbild sein, ab und zu aber auch mal „sündigen“. Mit Berufstätigkeit hat das nichts zu tun, es gibt auch einfache Gerichte, die gesund und schnell zubereitet sind. Mein Sohn wird jetzt 17 und ich staune, dass in seiner Jahrgangsstufe die Jungs sich alle bemühen, gut auszusehen und einen muskulösen Körper zu bekommen, solange die das alle nicht übertreiben und das Lernen nicht vergessen, finde ich das gar nicht schlecht.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Kynnefjäll

Ok, jetzt verstehe ich.
Im Artikel geht es um Kinder mit krankhaftem Übergewicht, chronischer Adipositas (berufstätige Eltern haben dann z
B, wenn bilanzierte Kost nötig wird, häufig Probleme).
Sie sprechen von der Vermeidung von beginnendem Übergewicht,
Danke trotzdem für die Antwort.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Sie irren sich, „krankhaft“ heißt nicht „chronisch“ oder „krankheits- bzw. genetisch bedingtes“ Übergewicht, sondern gefährliches Übergewicht, das ab einer gewissen Höhe zu Kankheiten (Herzkreislauf, Stoffwechsel etc.) führt, auch gleichzusetzen mit „Adipositas“. Dies ist ein Zustand, auf den man durchaus Einfluss nehmen kann, wie Kynnefjäll ja bereits anklingen ließ, Ich würde das Ganze noch ergänhzen:
Elterntaxis: das Kind „lernt“ dadurch, dass es keine Strecke zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen muss. Die Eltern sind selbst geneigt, jeden Meter mit dem Auto zu fahren, schlechtes Vorbild.
Milchschnitte und Co.: das schnelle Pausenbrot, oder 5 Euro für Chips ud Pommes.Solche „Leckereien“ sollten die Ausnahme, nicht die Regel sein.
Digitaler Schnickschnack muss jetzt schon im Kindergartenalter herhalten. Man ist ja so stolz, wenn die Kids schon daddeln können und übersieht dabei völlig, dass sie sich immer weniger bewegen, da sie natürlich vom Display fasziniert sind.
Bewegung läuft ab dem Babyalter schon professionell: Pekip, Babydance, Tragetuchfitness, Kinderwagenfitness, Yoga für Kinder, Entspannungsreise, Entdeckungsreise und wie die Kurse alle heißen. Das Kind wird sich immer nur unter professioneller Anleitung bewegen, wenn damit das Bewegungspensum erledigt ist.
Elektroautos und E-Roller, E-Bikes schon für die Kleinsten. Wie schräg ist das denn? Man muss sich schon gar nicht mehr anstrengen.
Die Spielplätze sind oft verwaist, Waldspaziergänge nicht mehr „in“, Kindergeburtstage werden nicht mehr mit Wettrennen und Topfschlagen gestaltet, sondern bei McDonalds oder in Freizeitparks. alles andere ist zu aufwändig vorzubereiten. Geldbeutel auf und los geht das Vergnügen.
Brauchen Sie noch mehr Impulse?
Wir sind eine bequeme Gesellschaft geworden, deshalb auch die vermehrte Fettleibigkeit. Nicht Corona ist schuld, sondern eher eine beliebte Rechtferigungsmöglichkeit. Ein Gegensteuern gegen diese bewegungsarme und ernährungstechnisch schlechte Haltung ist bitter nötig. „Weniger ist mehr“ gilt auch für diesen Bereich. Man sollte überdies nicht vergessen, dass auf die Krankenkassen immense Kosten zukommen. Es gibt bereits Abnehmkuren für Kinder, schon im Vorschulalter. So weit sollte es doch wahrhaftig nicht kommen.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Ich empfehle den UGB Artikel, unten verlinkt, bez Ihres ersten Absatzes.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Hab ich gelesen, siehe meine Antwort weiter unten.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Kurz und schmerzlos: Laut diabinfo ist Adipositas immer noch eine chronische Erkrankung.
Deren Zusammenhang mit der Genetik liegt bei 50 – 90 %.
Es lohnt sich zudem z.B. an Hypothyreose und Darmgesundheit zu denken.

Nicht meine Behauptung, sondern die weit größerer Lichter.

https://www.diabinfo.de/leben/typ-2-diabetes/grundlagen/adipositas.html

https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/uebergewicht-fettsuchtadipositas/ursachen/

…….man muss halt eben manchmal genauer auf die Ursachen schauen.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Tja, wie @ Reaktion an anderer Stelle schrieb: Hier können viele nicht mehr zwischen Meinung und belegbaren Fakten unterscheiden.
Kein Wort, dafür hier und unten rote Daumen, niveaulos.
So manche SuS sind da deutlich besser drauf.
Zeitgeist! So what 🙂
Auf geht’s, zum Rotdäumeln wirds schon noch reichen

Teacher Andi
29 Tage zuvor
Antwortet  Sissi

Wie wahr, da haben Sie ganz richtig sich selbst geantwortet.

Sissi
29 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Für mich wars das.
Ich gebe den interessanten threat an den Berufsverband, an diabinfo und weitere Quellengeber weiter, deren Veröffentlichungen Sie ja bezweifeln.( und bitte um Ausschluss wegen Unwissen )
Ein interessantes Gesamtbild mehr zum Ernährungswissen.

Teacher Andi
28 Tage zuvor
Antwortet  Sissi

Tja, Kritik und andere Meinungen muss man ertragen können. Sie sollten nur aufpassen, dass Sie hier keine falschen Behauptungen aufstellen (denn ich habe nur Veröffentlichungen genau gelesen und interpretiert). Aber nur zu, wenn Sie jetzt unbedingt galoppieren wollen. Deshalb werden Sie und auch ich die jeweilige Meinung nicht ändern.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

– 2
Vlt helfen Ihnen ja auch die neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnisse.
Bei jedem fünften adipositären Kind können Sie nicht
“ durchaus Einfluss nehmen „,“ wie Kynnefjäll dies anklingen…“
(Auch Ihre Aussage zum Sättigungsgefühl passt leider nicht)
Wie man an den Daumen sieht, irren da aber …..einige 🙂 viele.
Tagesgeschäft, kein Problem, – leider.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/134173/Bei-jedem-fuenften-stark-uebergewichtigem-Kind-liegt-wahrscheinlich-eine-genetische-Adipositas-vor

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Genetische Adipositas betrifft ungefähr 100.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland, das sind nicht mal 1 Prozent dieser Altersgruppe, aber 6 Prozent sind stark übergewichtig, Tendenz steigend. Was wolledn Sie mit Ihren Belehrungen bezwecken? Die Mehrheit ist nun mal durch die Erziehung zur Bequemlichkeit (bewegungs- wie ernährungstechnisch) dick geworden, das ist Fakt. Keiner streitet ab, dass es „Ihre“ Fälle auch gibt, aber die sind nun mal nicht die Regel. Und die Süddaumen sind auch nicht blöder!

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Kynnefjäll

“ Warum die Eltern es zulassen, dass ihre Kinder dick werden“
> Leider zB bei erblicher Veranlagung und genetischer Prädisposition (Gendefekte) ein nicht gerechtfertigter Vorwurf, den Betroffene Eltern oft zu hören kriegen – sorry, häufig von Leuten, die die Komplexität der Thematik nicht sehen.
Es ist da leider mit Rausgehen allein nicht getan und ich knickse häufig vor der jeden Tag gelebten Verantwortung betroffener Eltern.
Genauso habe ich, selten -so doch, weitere Beratung bei absolut Unkooperativen abgelehnt, also bitte:

Sachte, sachte, bitte differenzieren, komplexes Gebiet – erfordert komplexe unpolemische Lösungen – nicht Rundumschlag.
Kleine Einführung

https://www.ugb.de/exklusiv/ernaehrung-therapie/uebergewicht-adipositas/?adipositas-ernaehrungsgewohnheiten#:~:text=Noch%20immer%20ist%20nicht%20ganz,treten%20mehrere%20Gendefekte%20gleichzeitig%20auf.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Der Artikel gibt aber Kynnefjäll durchaus Recht, wenn Sie ihn vollständig lesen. Genetisch bedingte Adipositas heißt nicht, dass man dagegen keine Chance hat und sich abfinden muss. Es ist nur das Sättigungsgefühl, das durch ein bestimmtes Gen beeinflusst wird. Und dem wird durch Bewegung und Ernährung gegengesteuert, denn der Körper ist „lernfähig“. Dazu braucht es natürlich einen starken Willen (ähnlich wie bei der Abgewöhnung des Rauchens) und eine feste Überzeugung, die man den Kindern vermitteln muss. Wenn die Psyche da nicht stimmt, und Probleme mit Futtern statt bewegungsreicher Ablenkung (gemeinsam Sport treiben wirkt oft Wunder, sowohl physisch als auch psychisch) kompensiert werden, dann funktioniert nichts. Genetisch zum Dicksein verdammt ist keiner. Das ist ein Trugschluss. Es ist nur so, dass manche Leute mehr, manche weniger dem Sättigungsgefühl/der Versuchung erliegen. Und Fetteinlagerungen aufgrund von Hormonen oder medikamentöser Behandlung sind Ausnahmen uind nicht unter dieser Kategorie zu sehen.
Man muss lernen, an herrlich duftenden Fressständen vorbeizugehen und der Versuchung zu widerstehen. Denn „Appetit“ hat wenig mit „Hunger“ zu tun. Das ist eine rein psychische Angelegenheit, die mit Eigendisziplin zu meistern ist. Bei Kindern müssen die Eltern, und in Teilen kann die Schule auch dazu beitragen, diese Einstellung schulen.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Ich danke für die Nachschulung.
Ihre Theorie ist mir bekannt.
Aus der Praxis heraus gehe ich trotzdem lieber dem bewährten Ansatz von Prof Leitzmann und vieler Dipl.Oec.trophs und Ernährungsmediziner nach.
Bei gravierender Adipositas Ursachen abklären – Maßnahmen auf die Person/ Werte bezogen festlegen – Plan erstellen- Plan begleiten/ korrigieren. Fehler können lebensbedrohliche Folgen haben

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Lebensbedrohlich ist vor allem ein lebenslanges starkes Übergewicht.

Mary-Ellen
1 Monat zuvor

Heut Mittag beim Bäcker mit Außenbewirtschaftung:
Adipöse Mutter mit adipösem Nachwuchs.
Beide dickes Stück Kuchen mit Zuckerguss, Kind mit bekanntem Getränk in blauer Alutüte mit Sonnenaufdruck und Strohhalm (keine Schleichwerbung, jawohl).

Wie kann das sein???
Haben wir Lockdown?
Hab ich was verpasst?

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

Ne, liebe @ Mary-Ellen, vor dem lockdown wurden die Klößchen bei uns nur nicht als sooo schlimm erachtet.
Übergewichtig war man doch v.a. In Amerika.
Jetzt passts halt gut als böse völlig neue Lockdownfolge. 🙂

Btw: Ich hoffe, Du hast die Vollkornkarottenschnitten ohne ‚gesunden‘ Süßstoff und inzwischen erwiesenermaßen gesunden Kaffee
( fairtrade- schadstofffrei) statt manch pilzbelastetem Tee gewählt.
Btw, bitte, ernst gemeint: keinen Süßstoff für gesunde Kinder !
Ernährung ist schon was Interessantes…

Mary-Ellen
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Ich bin fairtrade-Kaffeetrinkerin.
Lese soeben im Internet an verschiedenen Stellen, dass Kaffee möglicherweise hilfreich gegen Coronaviren sein kann.
Weißt du da Genaueres?

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

Hab Dir nachfolgend das Exzerpt des forschenden Profs an der Jacobs University ( total interessantes Institut ) verlinkt.

https://www.jacobs-university.de/news/research-jacobs-university-coffee-could-offer-protection-catching-covid-19

Jetzt will Schatzi – fachlich fundiert – begründet haben, warums uns trotz ordentlich Kaffeekonsums mehrmals erwischt hat. 🙂 I’ll do my very best.
Übrigens: Wenn ich mit fairtrade, Vollkorn, nichtgesundem Süßstoff herumölbere, kommt das von der Arbeit: Du trinkst ja schon wieder ungesunden Kaffee 🙂 etc.
Oft eindeutig zweideutig die Ernährerei.
Allerdings gibt es auch eindeutige klare Vorgaben ( s. Unnötige Debattiererei oben )

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

Ja, die Maskenverweigerer trifft man mittlerweile überall…auch beim Bäcker.

Oder worum geht es?

Julia
1 Monat zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

Also muss das Kind in Schule oder Fremdbetreuung…

447
1 Monat zuvor

Ich glaube nicht, dass das unbedingt direkt und unmittelbar etwas mit den Corona-Maßnahmen zu tun hat – eher mit der Gesamtlage:

1. Eine echte (physikalisch konkret werdende, nicht was wir in EU/BRD „Krise“ nennen) droht mindestens, Stichwort „Blackoutberichte“ in Mainstreamnews (gestern noch „böser Prepper“, heute Vorbildbürger falls man vorsorgt 🙂 )

Da kann man in der Politik den Monopaniker Lauterbach nicht gebrauchen und er wird runtergedreht.
Medial gab es nur Corona, das rächt sich jetzt.

2. Merkmalshäufung, das große Tabu der SoWi, besteht weiterhin und verstärkt sich: Wer eh schon ungebildet, arm, ungesund is(s)t, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch seine Kinder so verpflegen.

Flankiert wird das medial von Unfug wie „body positivity“ und Co, auch im öffentlichen Rundfunk.

3. Inflation verstärkt beides: Wer arm, ungebildet usw. ist (und dadurch eh verstärkt gefährdet)… welchen Luxus oder Kompensationskonsum kann der sich noch leisten?

Na ja, wenigstens ordentlich Zucker und Fett gibts noch billig.

Ich habe keine Lösung, nur ein Beispiel:

Über den Feiertag war ich mit zwei Freunden zwei Tage draußen (also 24/7), bewaldete Randregion in NRW. Uns begegneten ca. 50 Menschen insgesamt. Davon waren erkennbar (Habitus, Sprache, Kleidung) exakt null Personen untere Mittelschicht oder drunter.
Klar – kein Beweis für irgendwas… aber ein Hinweis auf vieles. Die anderen haben halt den einen oder anderen Snickers mehr vor der „Playsi“ verdrückt…

PaPo
1 Monat zuvor

… dieses grauenhafte Symbolfoto bedient (i.V.m. der Überschrift des Artikels und der Bildunterschrift) leider auch wieder atavistische Ressentiments ggü. Computerspieln bzw. spielenden Kindern und Jugendlichen… und scheint nicht verwurzelt im eigtl. Artikeltext.

Realo
1 Monat zuvor
Antwortet  PaPo

Homeschooling mit stundenlangem Sitzen vor dem PC …“

Bin mir ziemlich sicher, dass mein Onlineunterricht in manchen Zimmern genau so ausgesehen hat.

Schattenläufer
1 Monat zuvor
Antwortet  Realo

Wo liegt bitte der Unterschied ob ein Kind beim Onlineunterricht vor seinem PC sitzt oder ob es in der Schule 8 Stunde im Klassenraum sitzt?

Rein von der Bewegung gesehen!

In der Schule bewegen sich die SuS in den 3 Pausen bis zum Schulhof. Entfernung 30 Meter, mit Glück mit einer Treppe mit 10 Stufen darin.
Bevorzugtes Ziel: Lebensmittelverkauf mit Schokoriegeln, stark gesüßten Getränken und Brötchen mit warmem Fleischkäse.

Es sei den ihr Präsenz Unterricht beinhaltet Unterrichtseinheiten mit Waldspaziergängen und Dauerlauf im Klassenraum.

Realo
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Der Kommentar bezieht sich auf das Symbolfoto.

PaPo
1 Monat zuvor
Antwortet  Realo

„Homeschooling mit stundenlangem Sitzen vor dem PC“ ≠ Spielen von Computerspielen… abgesehen davon, dass das Kind im Symbolfoto offenbar vor einer PS3 (kabelgebundener DualShock 3-Controller) auf einem Sofa, also mutmaßlich vor dem Fernseher im Wohzimmer sitzt (nicht sehr realistisch, hat die PS4 doch bereits über 9 Jahre auf dem Buckel und gibt es seit 2020 die PS5).

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Durch das G8-Gymnasium und Ganztagsschulangebote bewegen sich viele sehr viel weniger. Da ist es kein Wunder, dass der Anteil Übergewichtiger steigt.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Mit den g8 Gymnasien hat das nichts zu tun. Andernfalls würden diese nach dem Wechsel zu g9 wieder auf den Halbtag wechseln. Ganztagsschule, daddeln, Bequemlichkeit, Bequemlichkeit der Eltern sind viel gravierender.

Oder kurz: Wohlstandsverwahrlosung. Ja, auch in der finanziellen Unterschicht, weil es sich mit Hartz IV und etwas Schwarzarbeit gut leben lässt.

Last edited 1 Monat zuvor by Georg
Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Durch das G8-Gymnasium wurden die Schultage länger, an manchen gibt es Tage mit 11 Unterrichtsstunden. Da ist zwangsläufig weniger Zeit für Bewegung.

Maja
29 Tage zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Sorry, es ist ja nicht so, dass alle G8ler unsportlich und übergewichtig sind. Zumindest ist das in „meiner“ Schule nicht so.

Indra Rupp
1 Monat zuvor

Meine Tochter kam mit normalem Gewicht zur Welt. Während andere Babys, wie auch mein Sohn, nach der Geburt aber erst einmal abnehmen, nahm meine Tochter sofort und fast beunruhigend zu und war innerhalb von zwei Wochen ein recht kräftiges Baby mit ordentlich Pustebacken – und das nur durch Stillen! Was habe ich falsch gemacht? Da hatten so Manche Ideen bezüglich meiner eigenen Ernährung und meinten, meine Milch wäre wohl zu kalorienlastig. Nichts neues, es wurde auch schon spekuliert, inwiefern ihre geistige Behinderung an mir liegt, nämlich weil ich ambulant entbunden habe und nur eine Nacht im KH war. Gestillt habe ich 10 Monate voll und insgesamt drei Jahre. Meinen Sohn konnte ich noch länger voll stillen, aber meine Tochter wurde mit 10 Monaten immer unruhiger und wollte unbedingt was zum drauf herum kauen haben. Ein kräftiges Kind ist sie immer geblieben. Bei Ärzten, Pädagogen und Co gelten wir sofort als „typische“ Neuzeitverwahrlosungsantisozialarmeleute. Tatsächlich haben wir kein Auto und meine Tochter kannte es schon mit vier Jahren mal 6km mit mir laufen zu müssen, weil kein Bus passend fuhr (ländlich)… und sie reitet…. und wir wohnen direkt am Wald, wo sie sich problemlos 4h am Stück draußen beschäftigen kann…. und wir haben keinen Computer…..
Süßigkeiten isst sie gerne, ja. Und wenn es davon weniger gibt, dann isst sie mehr andere Dinge und kommt auf die gleichen Kalorien. Und wenn sie einfach nicht soviel essen darf, dann hat sie weniger Power und bewegt sich instinktiv weniger, oder legt mehr Aufschnitt aufs Brot, schmiert mehr Butter drauf. Ganz so einfach ist das nicht mit dem schlank werden oder bleiben. Ein bisschen was kann man erreichen, am besten wenn es allgemein wenig psychischen Stress gibt, man wenig Sorgen hat und sich bezüglich Freundschaft/Liebe nicht zu einsam fühlt, aber die Tricks der Natur das Abnehmen zu verhindern sind schon außerordentlich gut! Sechs Wochen hatte ich ne Magenverstimmung, 5kilo weniger, juhu…. und dann…. wie aus dem Nichts Wochen lang das Gefühl nicht satt zu werden, bis alles wieder beim alten war 🙁
Wie sollen Kinder das hinkriegen, wenn schon die allermeisten Erwachsenen es ihr ganzes Leben lang nicht schaffen, von ihrem für sie normalen Gewicht herunter zu kommen, um irgendwelchen Idealen zu entsprechen?
Es gibt Menschen, die sind spindeldürr und essen mehr als andere, die dick sind und diese dünnen Menschen bilden sich etwas darauf ein und halten sich für gemäßigter (und sozialstärker) , was oft garnicht stimmt. Um so dünn und zierlich wie manche Mädchen zu sein, müsste meine Tochter durchweg hungern und somit leiden, während diese dünnen Mädchen dafür überhaupt nicht leiden müssen. Ich, die ich auch ein prima Futterverwerter bin, müsste täglich meine 20km auf dem Fahrrad zurück legen, den Stall ausmisten und nicht mehr als 1.500 kcal zu mir nehmen und würde damit auf Dauer nicht einmal ein Idealgewicht erreichen. Bei anderen rutscht alles einfach so durch, können 3.000kcal sein. Menschen haben auch ganz unterschiedlichen Stuhlgang. Die schlanken eher zwei mal täglich, die dickeren nur zweimal wöchentlich, bei Diät noch seltener mit dem Ergebnis der Verstopfung 🙂
Aber wenn Krieg und Hunger kommt, hurra, dann haben wir die besten Überlebenschancen – dafür wars und ja auch gedacht.

Maike, Niedersachsen, 37
1 Monat zuvor

Bei uns auf dem Land ist für die nächsten 8 Wochen der gesamte Sportunterricht gestrichen. Die Turnhalle wird vom Roten Kreuz genutzt. Die müssen ukrainische Flüchtlinge unterbringen. Das betrifft auch 5 Sportvereine. Die Kirchengemeindesäle, die 2 Hotels nebenan und die Jugendherberge 5 km entfernt waren scheinbar nicht geeignet. Kinder und Jugendliche sind ja sooooo wichtig. Es sei denn, es kostet was.