Ausbildung: Handwerk beklagt „eklatanten Bewerbermangel“, GEW empfiehlt Hauptschüler

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Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend nach Azubis. Es gebe einen «eklatanten Bewerbermangel», heißt es in einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks zur Ausbildungssituation. Der neue Handwerkspräsident Jörg Dittrich sagte, die Handwerksbetriebe hätten weiter einen großen Ausbildungswillen. «Doch es fehlen die Bewerberinnen und Bewerber für die offenen Lehrstellen.»

Dem Handwerk fehlt Nachwuchs. Foto: Shutterstock

Dabei seien die Berufschancen derzeit so gut wie kaum jemals zuvor. «Für alle Modernisierungsaufgaben der Zukunft werden qualifizierte Fach- und Führungskräfte im Handwerk gebraucht», so Dittrich.

In einem Papier des Verbandes heißt es, die Suche nach Auszubildenden gestalte sich zunehmend schwierig. Als Gründe werden die demografische Entwicklung, der Trend zu höheren Schulabschlüssen sowie die gestiegene Studierneigung sowie ein wachsendes Interesse an einer Ausbildung im Pflege- und Erziehungsbereich genannt.

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In der Umfrage gaben 27 Prozent der Betriebe im Handwerk an auszubilden. Dieser Anteil würde allerdings ohne den aktuell eklatanten Bewerbermangel deutlich höher liegen, hieß es. Jeder zweite Handwerksbetrieb gab an, keine passenden Bewerber für offene Ausbildungsplätze zu finden. Es hätten sich etwa die Lese-, Schreib- und Rechenfertigkeiten von Ausbildungsanfängern in den vergangenen zehn Jahren spürbar verschlechtert.

«Wie digital, jobsicher und vor allem sinnstiftend das Handwerk ist, davon erfahren Jugendliche in den Schulen und besonders in Gymnasien bislang nur unzureichend»

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte am Mittwoch: «Gerade im Handwerk sollte man endlich weg von der Bestenauslese. Auch Jugendliche mit Hauptschulabschluss haben eine Chance auf einen Ausbildungsplatz verdient.» Die Potenziale, um Ausbildungsstellen zu besetzen, seien durchaus vorhanden, sie müssten von den Betrieben aber auch genutzt werden. Im vergangenen Jahr seien rund 240.000 junge Menschen in Maßnahmen des Übergangsbereichs hängen geblieben, was keine Aussicht auf einen Berufsabschluss biete. «Dazu kommen 2,3 Millionen junge Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren, die keinen Berufsabschluss haben.»

Dem Handwerk fehlten bereits aktuell mehrere Hunderttausend Fachkräfte, so der Handwerksverband. Diese Lücke drohe sich in den nächsten Jahren noch einmal zu vergrößern. Dittrich kritisierte: «Wie digital, jobsicher und vor allem sinnstiftend das Handwerk ist, davon erfahren Jugendliche in den Schulen und besonders in Gymnasien bislang nur unzureichend, weil es noch keine bundesweit flächendeckende Berufsorientierung zu den Möglichkeiten der beruflichen Aus- und Fortbildung gibt.» News4teachers / mit Material der dpa

„Überakademisierung ist ein Irrweg!“ Handwerkspräsident fordert Wende in der Bildung

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8 Kommentare
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Digo
12 Tage zuvor

Die Kinder derer sind keine Handwerker, aber andere sollen es tun.

KARIN
12 Tage zuvor

Die Betriebe sind teils selber schuld!
Es gab Jahrzehnte, in denen die einfachsten Ausbildungsberufe mindestens eine sehr gute Mittlere Reife, wenn nicht sogar Abi als Voraussetzung der Bewerbung ansetzten!
Viele Hauptschüler haben aus diesem Grund diese Ausbildungsberufe nicht mehr auf dem Schirm, mit Grund natürlich!
Als ich vor 50 Jahren so langsam mich mit meinem Berufswunsch befasste, wurden sehr gerne auch gute Abgänger der Hauptschule genommen.
Damals musste aber durchgängig in jeder Schulform noch wesentlich mehr geleistet werden!
Das Leistungsniveau ist in den letzten Jahrzehnten enorm gesenkt worden!
Also, bessere Bildung in der Grundschule und auch in der Hauptschule, mehr Lehrkräfte, Förderunterricht, kleinere Klassen, Sprachunterricht ( Deutsch als Zweitsprache), das kostet natürlich und braucht Personal! Politik hat dafür aber kein Geld eingeplant, dies schon seit mehreren Jahrzehnten!
Das Gejammer von dort ist groß aber egal wo Politiker in Gesprächsrunden eingeladen werden, dieses Thema wird gemieden wie die Pest oder schnell abgelenkt !
Auch jetzt wieder mit den Vorfällen zu Silvester! Alles mögliche wurde genannt aber das Grundproblem kam verbal nicht auf den Tisch! Frustriert habe ich einige dieser Talkrunden verfolgt!
Blind können diese Politiker nicht sein, dieses heiße Eisen wird ignoriert, nicht angefasst!
Es könnte sich die Dose der Pandora öffnen!!

GS in SH
12 Tage zuvor
Antwortet  KARIN

Ob früher an den HS mehr gelernt würde, stelle ich mal in Frage. Tatsache ist aber, dass anders unterrichtet wurde. Es wurde viel Wert auf konkreten praktischen Bezug gelegt. Außerdem gab es die Werklehrer (meist Handwerksmeister) die die Holz- Metallwerkstatt leiteten. Mathe (Prozentrechnung, Dreisatz, Geometrie….) sitzt besser, wenn man weiß, warum sie gebraucht wird. Das gilt auch für Deutsch (Anleitung schreiben und danach handeln….). Zur Zeit lernen alle in den Gemeinschaftsschulen eher theoretisch „akademisch“.
Auch gab es in den HS-Klassen klassenbeste SuS. Das war motivierender, als immer zum „unteren Drittel“ zu gehören.

Against Fremdbetreuung
12 Tage zuvor

Aha- wie gehabt: Die kognitiv weniger Begabten sollen ins Handwerk, „mal was schaffen“!?

447
11 Tage zuvor

Und dort kann man sie nicht brauchen, EGAL WIE GROSS DER MANGEL ist…denn:
– wenn der Elektriker zu schlecht arbeitet, fackelt das Haus ab
– wenn der Klempner zu schlecht ist, steht es unter Wasser und ********.
– wenn der Dachdecker lieber Candy crusht als den Dachstuhl zu berechnen wird es auch für alle gefährlich

Irgendwie haben ganz viele Menschen ein schweres Problem damit, das zu verstehen:

In der REALITÄT außerhalb der Schule gelten die Gesetze von Ursache und Wirkung.
Und das bedeutet: Egal wie groß der Mangel ist, es gibt ***nicht verhandelbare Untergrenzen*** an Leistungsfähigkeit. Schulideen wie „Klassenschnitt anheben“ oder von Benachteiligung reden sind egal.

marc
10 Tage zuvor

Was ist daran jetzt so schlecht ins Handwerk zu gehen? Wir müssen dringend mal wieder davon weg dass nur kognitive Begabung die einzig wertvolle Begabung ist. Der Markt hat sich hier ja schon lange gedreht. Im Handwerkermangel verdient der Elektriker schon lange mindestens so viel wie mancher Akademiker. Einzig und allein die Geisteshaltung der Gesellschaft sorgt noch für Mangel. Dieses „Du musst studieren, sonst bist du ein Nichts“ ist einfach nur lächerlich und eines unserer Hauptursachen von Handwerkermangel.

potschemutschka
10 Tage zuvor

„…sollen ins Handwerk…“ – was ist daran schlecht? Studieren geht ja nicht, wenn kognitiv weniger begabt. Die andere Alternative wäre/ist dann nur HartzIV bzw. Bürgereld. Oder was meinen Sie mit Ihrem Kommentar?

GriasDi
6 Tage zuvor

Fachkräftemangel? Bildet sie halt aus, holt die Kinder da ab wo sie sind! Schafft attraktive Bedingungen.