Krieg in Israel: Schulen sollen Migrationsperspektive ihrer Schüler berücksichtigen

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BERLIN. Die Berliner Integrationsbeauftragte, Katarina Niewiedzial, warnt vor einem wachsenden antimuslimischen Rassismus in der Hauptstadt aufgrund des Kriegs in Israel. „Ich habe die Sorge, dass die aktuelle Debatte ein Verstärker für den antimuslimischen Rassismus ist“, sagte sie dem „Tagesspiegel“. „Ich wünsche mir, dass man das Leid der zivilen Bevölkerung auf beiden Seiten anerkennt, auch auf der palästinensischen Seite. Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht spalten lassen.“ Niewiedzial sprach sich für Sonderschulstunden aus, in denen der Nahost-Konflikt „aktiv aufgegriffen und diskutiert wird“.

Die Berliner Integrationsbeauftragte, Katarina Niewiedzial, wünscht sich Sonderschulstunden zum Nahost-Konflikt, in denen Lehrkräfte auch die Migrationsperspektive ihrer Schülerinnen und Schüler berücksichtigen. Symbolbild: shutterstock

In solchen Sonderschulstunden müsse, so Niewiedzial, vor allem die Migrationsperspektive berücksichtigt werden, die viele Schülerinnen und Schüler mitbrächten. „Wenn mehr als die Hälfte der Schulkinder eine Migrationsgeschichte hat, dann haben sie vermutlich auch einen ganz anderen Bezug zum Holocaust oder zum Zweiten Weltkrieg.“ Ihr Blickwinkel müsse im Curriculum mehr Beachtung finden. „Das gilt auch für die Kolonialgeschichte oder die Lebensrealität der staatenlosen palästinensischen Kinder, die auch in Berliner Klassen sitzen.“

Gleichzeitig bezeichnete die Integrationsbeauftragte es als „furchtbar, dass sich Menschen israelischer Herkunft in Berlin nicht mehr sicher fühlen und Polizeischutz brauchen“. Demonstrationen, die klar antisemitisch motiviert seien und Israel das Existenzrecht absprächen, gehörten verboten. Sie erwarte, dass sich Demonstrierende „klar von der Terrororganisation Hamas distanzieren“. News4teachers / mit Material der dpa

Lehrkräfte sollen Krieg im Unterricht thematisieren – ein Lehrer tätlich angegriffen

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18 Kommentare
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Every....
8 Monate zuvor

Vielleicht sollte man Stundenpläne mit Zeitslots erstellen, wann genau Schulen- respektive die Lehrkräfte- genau was sollen. Zum Teil widersprechen sich die Dinge, aber was soll`s?!

vhh
8 Monate zuvor

Es braucht weder Bezug zum Holocaust noch zum zweiten Weltkrieg, um terroristische, hasserfüllte Mordanschläge als solche zu begreifen (und zu bezeichnen). Erlaubt eine eigene Familiengeschichte aus Flucht und Vertreibung ein klein wenig Antisemitismus? Dann mal los, berücksichtigen wir die jeweilige Lebensrealität: „Antisemitismus geht nicht, aber man muss auch sehen, was in Palästina passiert.“ Führt in den Schülerköpfen direkt zur Rechtfertigung der Hamas-Gewalt, die rechnen nämlich gerne und immer alles gegeneinander auf.
Das Abgrenzen bei Demonstrationen hat ja schon bei den Corona-Demos perfekt funktioniert. Wie naiv kann man eigentlich sein?

Every....
8 Monate zuvor
Antwortet  vhh

Bravo!

Wombatlover
8 Monate zuvor
Antwortet  vhh

Zur Migrationsperspektive meines Schülers mit palästinensischen Wurzeln, seit ein paar Jahren in Deutschland, der laut verkündet, lieber sollen alles Palästinenser getötet werden, bevor auch nur ein Stückchen Land an Israel fällt, und in der Woche vorher dringend während des Unterrichts telefonieren musste wegen seiner Einbürgerung in Deutschland, fehlen mir einfach die Worte.

Lisa
8 Monate zuvor
Antwortet  vhh

Sie begreifen nicht, dass man die Dinge auch ganz anders sehen kann als durch die Brille von Aufklärung und politischer Erfahrung. Dabei braucht man in unserer Geschichte nicht weit zurück gehen. Auch wir haben einst Postkarten verschickt mit der Aufschrift “ Jeder Stoß ein Franzos, jeder Schuss ein Russ“ Jeder tote Feind ist gut. Punkt. Diese Haltung muss man aufbrechen. Aber sie ist eben nicht selbstverständlich, wenn man sich die Menschheitsgeschichte anschaut, sondern das Ergebnis längerer zivilisatorischer Prozesse. Könnten wir uns heute noch Krieg mit Frankreich vorstellen? Schwerlich. Es ist zu schaffen, doch selbstverständlich ist da gar nichts.

vhh
8 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Etwas daneben, ’sie begreifen nicht’…
Begreifen kann ich das sehr wohl, allerdings muss und will ich nicht akzeptieren, dass erst ein bestimmter Stand von ‚Aufklärung und politischer Erfahrung‘ einer Person dazu berechtigt, von diesem Menschen Einhaltung und Beachtung grundlegender ethischer Standards zu verlangen. Die Achtung des Lebens ist ein universelles moralisches Prinzip, ob rechtlich (Art1 GG), religiös (alle Weltreligionen, jedenfalls in ihren wesentlichen Auslegungen) oder humanistisch (Kant) begründet. Richtig, in Deutschland hat man diese Sichtweise auch erst erlernt, aber warum sollten nach diesem Lernprozess für manche Menschen, die hier leben, andere Maßstäbe gelten. Kinderehen sind auch in anderen Gegenden nicht unüblich, akzeptieren wir sie als weil das so ist? Um wieviel weniger kann ich dann Morde bzw. den Jubel darüber als gerechtfertigte Reaktion ansehen oder über irgendeine Rechtfertigung diskutieren?
Sind islamistische Anschläge in Europa verständlich, weil es sonst kaum Gegenwehr gegen Drohnenangriffe gibt? Die Relativierung ethischer Maßstäbe ist eine sehr rutschige Bahn in den Abgrund und gerade in der Schule sollten wir sie nicht betreten.

Canishine
8 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

längerer zivilisatorischer Prozesse“ einschließlich zweier furchtbarer Kriege. Ich hoffe, man kann auch schneller lernen.

Unfassbar
8 Monate zuvor

Sollen wir uns jetzt gegen den Antisemitismus stellen oder die Migrationsperspektive wohlwollend berücksichtigen? Wenn letztere pro Palästina und damit contra Israel ist, kann ich nicht beides gleichzeitig. Ich bitte um konkret umsetzbare Handlungsanweisungen für dieses Dilemma.

Wombatlover
8 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Mal auf der Seite des Hessischen Kultusministeriums nachgucken, da gibt es Handreichungen: zwei Links zu den Logo-Nachrichten und ein Text vom Bildungsserver aus Baden-Württemberg. Damit dürfte das Problem doch gelöst sein. *Ironie aus*

GS in SH
8 Monate zuvor

Sehr geehrte Frau Niewiedzial,

Wenn die jetzige Debatte den „antimuslimischen Rassismus“ verstärkt, so liegt das auch an Relativieren wie Ihnen!
„Der Angriff der Hamas war schlimm, ABER….“ und dann natürlich irgendwas mit Kolonialismus.
NEIN, der Angriff der Hamas war Barbarei, PUNKT!“

Die Hamas ist das wahre Übel im Gaza! Wohl wissend, das Israel einen solchen Terrorakt nicht unwidersprochen hinnehmen wird, versteckt sich die Hamas feige unter der Zivilbevölkerung, in Schulen, Krankenhäusern und Wohngebäuden. Die Hamas ist Schuld am Tod von Frauen, Kindern und anderen Zivilisten!

Die Hamas sorgt dafür, dass es den Menschen im Gaza schlecht geht! Sehr schön in einem von der Hamas veröffentlichten Video zu sehen, wo sie Wasserleitungen ausgraben um daraus Bomben zu bauen und sich noch dafür feiern. Baustoffe, die ins Land gebracht werden um den Wohnungsbau zu unterstützen, nimmt sich die Hamas, um Tunnel zu bauen, durch die Attentäter nach Israel gelangen, um den Kreislauf aus Rache und Vergeltung in Gang zu halten!
Die Hamas hält die Bevölkerung bewusst arm, um ihre Machtposition zu stärken!

Die Hamas rekrutiert Kindersoldaten, deren Leben sie ohne Gnade aufs Spiel setzt.

Die Hamas setzt das Leben der eigenen Bevölkerung genauso aufs Spiel wie das der Juden, um ihr Ziel, einen islamischen Staat unter Scharia-Recht, durchzusetzen!

Warum bietet sich kein einziger arabischer Staat an, Flüchtlinge aus Palästina aufzunehmen? Weil sie nämlich genau wissen, dass die Hamas das feige nutzen wird, um selbst außer Landes zu kommen. Die Zivilbevölkerung ist der Hamas nämlich völlig egal!

Hören Sie, Frau Niewiedzial, endlich auf, die Hamas, die Palästinenser, die Muslime in einen Topf zu werfen! Dann ist die Gefahr für „antimuslimischen Rassismus“ deutlich geringer!
Beziehen Sie klare Stellung gegen die Terrororganisation der Hamas!
Und hören Sie, verdammt nochmal, auf zu relativieren!

TaMu
8 Monate zuvor
Antwortet  GS in SH

Ja genau! Danke!

A.J. Wiedenhammer
8 Monate zuvor

Mal ganz abgesehen von dem unerträglichen Relativismus: Liebe Integrationsbeauftragte, der Islam ist mitnichten fest verbandelt mit irgendwelchen ethnischen Gruppierungen, von „Rassen“ ganz zu schweigen. Sie können allerdings gerne von Vorbehalten gegenüber Menschen , die sich zum Islam bekennen, sprechen. Ob diese Vorbehalte nun komplett aus der Luft gegriffen sind oder sich auf feststellbare, signifikante Meinungs- und Handlungstendenzen in dieser Gruppierung stützen, kann gerne diskutiert werden.
Und sollte es vielleicht auch.

uwe
8 Monate zuvor

 Sie können allerdings gerne von Vorbehalten gegenüber Menschen , die sich zum Islam bekennen, sprechen.“

Nennt man halt gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/214192/gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit/

Und ist halt eine Form von Rassismus und Kulturalismus. Und klar gibt es keine moslemische Rasse (einfach deswegen weil es überhaupt keine Rassen gibt) aber so etwas ist Rassisten eben egal. Die scheren sich nicht um Fakten.

Unfassbar
8 Monate zuvor

Bemerkenswert, wie schnell und wie weit der politische Diskurs auf einmal wieder in die ehemalige Mitte rücken kann. Sieht man auch an den sinkenden Zustimmungswerten für die AfD und den steigenden für die CDU. Gleichzeitig sehr bedauerlich, dass die nationalen Probleme dafür nicht ausgereicht haben.

TaMu
8 Monate zuvor

Aus deutscher Sicht sehe ich Menschen aus palästinensischen Gebieten als Schutzsuchende in Deutschland. Dieser Schutz vor allem, was sie in ihrer Heimat bedroht, wird ihnen hier gewährt. Deutschland und Europa überweisen zusätzlich Millionen Euro für humanitäre Zwecke in ihre Heimatgebiete, ebenso tun das viele Privatpersonen und Firmen, beispielsweise für Kinderhilfswerke. Die Not in ihrer Heimat wird von deutscher Seite sehr wohl gesehen und auch gelindert. Deutsche Politiker aller Regierungsparteien haben die israelischen Regierungen schon immer auf die humanitären Nöte in den palästinensischen Gebieten angesprochen, obwohl von dort aus ebenfalls schon immer Raketen auf Israel abgeschossen werden.
Seit der Gründung des Staates Israel wird versucht, zwischen Bevölkerung und Terrorvereinigungen zu unterscheiden.
Ich bin mittlerweile sprachlos, dass die palästinensische Bevölkerung weder in den Gebieten dort noch in Deutschland sich bewusst ist, in welchem Umfang ihnen und ihren Familien von hier aus geholfen wird und wie groß das deutsche Verständnis für die Not der Bevölkerung ist. Wir wissen spätestens jetzt, dass unsere Spenden an Krankenhäuser dort so umgesetzt wurden, dass die oberen Etagen tatsächlich Krankenhäuser sind, die unterirdischen Räume aber an ein Tunnelsystem der Hamas angeschlossen sind, von wo aus sie ihre Angriffe auf Israel leiten, während ihnen die Patienten oben als Schutzschild dienen. Und während es allen Bewohnern des Gazastreifens und allen Demonstranten hier klar sein muss, dass man die Bevölkerung sehr gut ebenfalls unterirdisch schützen und ernähren könnte, werden sie dem israelischen Beschuss ausgesetzt, der sofort aufhören würde, wenn der Hamas sich ergeben würde.
Israel wird vor der Weltbevölkerung vorgeführt als Volk, das die Not leidende Bevölkerung im Gazastreifen beschiesst, das von der Hamas genau dafür benutzt wird, während sie ebenfalls schiesst. Und in Deutschland, sicher, versorgt, beschützt, demonstrieren diese Menschen eben nicht gegen den Hamas, der der eigenen Bevölkerung Schutz, Nahrung, Wasser und Frieden vorenthält.
Was genau soll ich da immer wieder verstehen? Ich bin dafür, dass Gäste und deutsche Neubürger endlich anfangen zu verstehen. Sie sind aus Gegenden weg gezogen, wo sie niemals die Freiheiten hatten, die sie hier genießen. Müssen wir immer noch mehr tun, oder gibt es dafür auch mal eine Gegenleistung, zum Beispiel der Respekt vor dem Gastrecht und auch der Respekt vor Deutschlands Haltung zu Israel? Müssen wir das in Deutschland immer wieder diskutieren? Sind diese Menschen nicht hierher gekommen, um in Frieden zu leben und ist das mit ein bisschen gutem Willen in Deutschland nicht auch möglich? Muss man ertragen, was an Hass und Fanatismus gerade auf die Straße und in die Schulen getragen wird?
Darf man nicht einfach fragen, gefällt es dir hier in Deutschland? Dann benimm dich friedlich! Gefällt es dir hier nicht? Dann fühle dich frei, dorthin zu gehen, wo du dich besser fühlst.
Aber benimm dich hier nicht in einer Art, für die du anderswo um dein Leben und deine Gesundheit fürchten müsstest. Danke.

Müllerin
7 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

In den Niederlanden passierte folgendes:

  1. Die Regierung zerstritt sich wegen der Migrationspolitik.
  2. Die Sozialdemokraten und die Grünen zerstritten sich wegen der Hamas-Frage.
  3. Bei der Neuwahl scheint die Partei von Wilders die meiste Zustimmung bekommen zu haben.

Dabei sind die Niederländer nicht bekannt für extremistische Neigungen, sie haben keine nationalsozialistische Vergangenheit, hatten keine Diktatur (soweit ich weiß), gelten als tolerant, haben ein populäres Königshaus, ihr Schulsystem gilt als gut, sie haben viele Migranten aus fernen Ländern aufgenommen, besonders viele Türken und Marokkaner.
Aber welche Gründe waren es denn nun?

Sandrina
8 Monate zuvor

Vielleicht sollten sich die Schulen hier in Deutschland aus dieser Sache einfach völlig raushalten und such endlich wieder dem Bildungsauftrag zuwenden, den sie eigentlich haben.

GEW- nee!
7 Monate zuvor
Antwortet  Sandrina

Wenn’s denn so einfach funktionierte!
Ich mach die Augen zu und dann sieht mich niemand, nicht wahr?