Zahl der Promovierenden etwas gestiegen – große Geschlechterunterschiede, worin

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WIESBADEN. Die Zahl der Promovierenden an deutschen Hochschulen ist leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr befanden sich 212.400 Menschen in einem laufenden Promotionsverfahren. Das waren vier Prozent mehr als 2023, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Männer und Frauen waren dabei insgesamt annähernd gleich verteilt – aber nicht in den Fächern. 

“Deutliche Unterschiede”: Berliner Humboldt Universität. Foto: Shutterstock

Im Schnitt waren die Promovierenden demnach 31 Jahre alt. Der Frauenanteil blieb mit 49 Prozent nahezu unverändert. Jeder vierte Promovierende hatte eine ausländische Staatsangehörigkeit. Laut den Angaben strebten gut ein Viertel (28 Prozent) der Promovierenden ihren Doktorgrad in der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften an. Dahinter folgten die Fächergruppen Mathematik/Naturwissenschaften mit 22 Prozent und Ingenieurwissenschaften mit 18 Prozent.

«In den einzelnen Fächergruppen zeigten sich deutliche Unterschiede in der Geschlechterverteilung», erklärten die Statistiker. Einen hohen Männeranteil (77 Prozent) gab es in der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften. Dagegen machten in der Fächergruppe Kunst/Kunstwissenschaft Frauen einen Anteil von 67 Prozent aus.

In absoluten Zahlen promovierten Frauen aber am häufigsten in der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften (37.400). Bei den Männern gab es die meisten Promovierenden (30.000) in den Ingenieurwissenschaften.

17 Prozent aller Promovierenden an vier Hochschulen

Im vergangenen Jahr entfielen 17 Prozent aller Promovierenden auf lediglich vier Hochschulen. Mit 9.700 Promovierenden war die Ludwig-Maximilians-Universität in München die Hochschule mit den meisten laufenden Promotionsvorhaben, gefolgt von der Technischen Universität München (9.400 Promovierende). Dahinter lag die Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg (9.300 Promovierende) sowie die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (7.900 Promovierende). News4teachers / mit Material der dpa

Statistisches Bundesamt: Zahl derjenigen, die eine Promotion beginnen, sinkt

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mimü
4 Monate zuvor

Für eine sinnvolle Statistik müsste man die in Medizin „promovierenden“ herausrechnen. Und das Altersmittel (31!) kommt mir arg hoch vor. Der Median wäre interessant.

Unfassbar
4 Monate zuvor
Antwortet  mimü

Sehe ich auch so. Es sollte unmöglich sein, parallel zu den Lehrveranstaltungen und Prüfungen innerhalb von 1-2 Semestern eine Dissertation, die den Namen auch verdient, zu schreiben. In Deutschland werden aber die Begriffe Arzt und Doktor oft synonym behandelt, weshalb auch solche Dissertationen reichen müssen. Zum Glück liest die nach Abschluss des Prüfungsverfahrens niemand mehr.

PaPo
4 Monate zuvor
Antwortet  mimü

Das Altersmittel war mal – zumindest in meinem Bereich zu meiner Zeit – bei 33 Jahren. Geistes- und Sozialwissenschaftler brauchen am Längsten, was auch verständlich ist (Quellenrecherche etc.), Mediziner und diverse MINTler am Kürzesten.

Wenn ich da an ‘nen (ehem.) Bekannten denke, da war die Dissertation in Psychologie im Grunde eine Dokumentation eines eigenen Experiments: 173 Seiten, das Gros theoretische Vorannahmen, Versuchsaufbau, Resultate und Besprechung der Resultate. Quellen: 65, insb. Journalartikel, d.h. Studien von max. (unter) 20 Seiten – angefertigt neben seiner Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter, keine 2 1/2 Jahre nach dem Magister (quasi ein Beiprodukt seiner eigtl. Arbeit). Ist ein ordentliches Teil.

Eine befreundete Physikerin unterbot das alles: Dauer, Umfang und Quellen in erheblichem Ausmaß.

Ich brauchte einiges an Zeit mehr: Drei Mal umfangreichere Arbeit, über 1000 verwendete (und nochmal so viele letztlich nicht verwendete) Quellen (inkl. btw derjenigen, die auch der Bekannte nutzte), unzählige Monographie, aber auch entsprechende Journalartikel, Gerichtsentscheide, Drucksachen des Bundestags etc. etc. etc. – war trotzdem einige Jahre unter dem Altersdurchshcnitt meiner Disziplin.

Ich kenne aber auch Doktoranden, die seit über 10 Jahren an ihren Dissertationen sitzen. Und bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern an meinen Lehrstühlen war das ohnehin der Fall (sog. abgehängtes akademisches Präkariat).

Gesamtwerte im Median finde ich allerdings auf die Schnelle nicht, aber disziplinspezifisch kann man recht unproblematisch fündig werden.

Götz
4 Monate zuvor

Nun müssten die weiblichen Promovierenden in gleicher Prozentzahl zu
Habilitierenden und dann zu Dozierenden werden oder zu Dominierenden in der Wirtschaft. Anderenfalls hätten die Studierenden die Finanzierung durch die Steuerzahlenden vergeudet.

vhh
4 Monate zuvor
Antwortet  Götz

Was hat die Finanzierung der Studierenden mit den Promotionen zu tun? Für die Promotion gibt es kein Bafög. Ressourcen der Universität werden natürlich verwendet, aber kein Professor würde einen Lehrstuhl annehmen, wenn er für alle seine Mitarbeiter irgendwo das Geld auftreiben müsste. Ein Teil wird über solche Drittmittel finanziert, aber das sind eher Stiftungen und Industrie als Steuerzahler. Ein weiterer Teil, besonders in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, läuft über Stellen in der Lehre, meist halbe Stellen (mit deutlich mehr Arbeit) als Assistenten in Vorlesungen, Seminaren und Praktika. Ohne gibt es keinen Studiengang mehr.
Es dauert, aber es ist offenbar keine völlige Verschwendung von Steuergeldern, wenn Frauen promovieren (dürfen):
https://www.innovative-frauen-im-fokus.de/infopool/daten-und-fakten/frauen-in-der-wissenschaft/frauenanteil-in-professuren-zeitreihe/