STUTTGART. In Baden-Württemberg verschärft sich die Debatte um die künftige Schulstruktur. Während eine unabhängige, von der Robert Bosch Stiftung unterstützte Arbeitsgruppe für die Zusammenführung mehrerer Schularten zu einer neuen Sekundarschule neben dem Gymnasium plädiert, weisen der Realschullehrerverband und der Philologenverband dieses Modell entschieden zurück. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht auch die Frage, wie die Befunde des Bildungsforschers Prof. John Hattie zu interpretieren sind.

Eine unabhängige Arbeitsgruppe aus 14 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Forschung und Schulpraxis hat im Juni 2024 ein Konzept für eine grundlegende Reform der Schulstruktur in Baden-Württemberg vorgelegt. Mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung schlagen die Fachleute vor, Hauptschule, Werkrealschule, Realschule und Gemeinschaftsschule in einer neuen Sekundarschule zusammenzuführen. Ziel sei es, die „steigende Unwucht im Schulsystem von Baden-Württemberg“ aufzufangen, die sich unter anderem durch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium verstärke.
Mit der Entscheidung für G9 werde das Gymnasium weiter aufgewertet und attraktiver gemacht. Gleichzeitig litten die anderen Schularten stärker unter sozialen und pädagogischen Herausforderungen, etwa durch Flucht und Migration sowie durch den Lehrkräftemangel. Um diese bestehende Schieflage auszugleichen, solle es künftig nur noch zwei Säulen geben: das Gymnasium und eine neue, starke Sekundarschule.
“Der Ressourceneinsatz könnte optimiert werden. Dadurch würden die pädagogischen Möglichkeiten dieser Säule wachsen”
In diesem zweigliedrigen System (das es so ähnlich beispielsweise in Hamburg gibt) könnten soziale Herausforderungen leichter ausgeglichen und Ressourcen gezielter eingesetzt werden, argumentiert die Arbeitsgruppe. Die neue Sekundarschule solle inklusiv arbeiten und alle bisher anerkannten Abschlüsse anbieten – vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur. Sie sei verbindlich als Ganztagsschule zu organisieren und solle mit multiprofessionellen Teams arbeiten. Ein Schwerpunkt liege auf dem professionellen Umgang mit der Heterogenität der Schülerschaft. Berufs- und arbeitsweltbezogene Angebote sollten bereits ab Klasse 5 beginnen; eine Differenzierung nach angestrebten Abschlüssen sei erst ab Klasse 7 vorgesehen. Für die Umsetzung rechnen die Expertinnen und Experten mit einer Vorbereitungszeit von etwa vier Jahren.
Unterstützung erhält der Vorschlag aus dem kommunalen Bereich. Norbert Brugger, Dezernent des Städtetags Baden-Württemberg, erklärt: „Die Weiterentwicklung des Schulsystems durch ein Zusammenwachsen der Schularten Realschule, Gemeinschaftsschule, Werkrealschule und Hauptschule würde zu einer annähernd gleich großen zweiten Säule neben den Gymnasien im dann nur noch zweigliedrigen Schulsystem führen. Innerhalb dieser zweiten starken Säule könnten deren Schüler*innen weiterhin differenziert unterrichtet und gefördert werden. Der Ressourceneinsatz könnte optimiert werden. Dadurch würden die pädagogischen Möglichkeiten dieser Säule wachsen. Dies würde ihre Attraktivität als Schulort für viele Erziehungsberechtigte aller Voraussicht nach erhöhen. Die Bildung der zweiten Säule wäre nicht mit der Aufgabe von Schulstandorten gleichzusetzen. Die meisten Standorte würden weiter benötigt. Personelle und sächliche Ressourcen könnten allerdings effektiver eingesetzt werden.“
Demgegenüber haben sich der Realschullehrerverband (RLV) und der Philologenverband (PhV) Baden-Württemberg entschieden gegen die Einführung einer solchen Sekundarschule ausgesprochen. In ihrer Pressemitteilung fordern sie die „Anerkennung und Stärkung der Arbeit an den bewährten, profilierten Schularten des gegliederten Schulsystems“.
„Extreme Heterogenität, wie sie in Sekundarschulen angelegt ist, erschwert oder verhindert ihren Einsatz und verwehrt Kindern tatsächliche Lernerfolge“
Die vorgeschlagene Sekundarschule sei „kein pädagogischer Fortschritt, sondern der erneute Versuch eines kostensparenden Vereinheitlichungsmodells“. Bewährte Schularten wie Gymnasium, Realschule und Werkrealschule müssten gestärkt und nicht durch „experimentelle neue Schulformen“ ersetzt werden. Die Gemeinschaftsschule habe sich „nicht als Erfolgsmodell erwiesen“.
Martina Scherer, Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, erklärt, nach der Gemeinschaftsschule solle nun „mit der Sekundarschule erneut ein Versuch zur Vereinheitlichung gestartet werden“. Karin Broszat, Vorsitzende des Realschullehrerverbands Baden-Württemberg, bezeichnet das Konstrukt als „Ergebnis ideologisch eingefärbter, starrer Organisationsmaßnahmen“ und warnt: „Bildungspolitik vom Reißbrett schadet jeder Qualitätsentwicklung“.
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht auch die Rezeption der Forschung des neuseeländischen Bildungswissenschaftlers John Hattie. Die Verbände erklären, Hattie werde „systematisch falsch interpretiert“. Ihm werde unterstellt, er habe nachgewiesen, „dass leistungsdifferenzierte Schulsysteme wirkungslos seien“. Diese Lesart sei „sachlich falsch“.
Eine differenzierte Betrachtung der „Visible Learning“-Studien zeige vielmehr, dass Hatties Daten nicht gegen das gegliederte System sprächen, sondern belegten, „dass bloße äußere Differenzierung allein noch keinen Lernerfolg garantiert“ . Daraus die Abschaffung differenzierter Schularten abzuleiten, sei ein „folgenschwerer Trugschluss“ .
Zur Begründung führen RLV und PhV an, besonders wirksame Unterrichtsmethoden benötigten strukturierte Lernsettings und leistungsgerechte Lerngruppen. „Diese hochwirksamen pädagogischen Instrumente benötigen einen geschützten Rahmen“, erklärt Broszat . „Extreme Heterogenität, wie sie in Sekundarschulen angelegt ist, erschwert oder verhindert ihren Einsatz und verwehrt Kindern tatsächliche Lernerfolge“.
Vor gut einem Jahr hatte Hattie allerdings selbst das deutsche Schulsystem scharf kritisiert und die frühe Aufteilung der Kinder in verschiedene Schulformen als problematisch für die Chancengerechtigkeit bezeichnet (News4teachers berichtete). Er sprach von einer „Verschwendung von Potenzial“ und erklärte, die „frühzeitige Trennung“ sei „nicht im Interesse der Schülerinnen und Schüler“. Kinder benötigten oft mehrere Anläufe, um Inhalte zu verstehen – auch über die Grundschule hinaus. Das deutsche gegliederte Schulsystem sei „das ungerechteste Schulsystem, das ich kenne“. Und weiter: „Ich kann nicht verstehen, wie man so viel Talent vergeuden kann.“ News4teachers
Hier lässt sich das Konzept der “Neuen Sekundarschule” herunterladen.









Schule ist einer der wenigen Orte, der sich noch nicht verändert hat.
Weder die Fächer, noch die Struktur oder die Arbeitsbedingungen.
Während viele Akademiker Homeoffice, Gleitzeit, 7 Stunden Tage mit ihrer 35 Stunden Woche erleben, heißt Schule noch 5 Tage vollste Präsenz bis zum Abend.
Wenn sich da nichts ändert, wird es zunehmend unattraktiv.
Hasi sitzt bereits auf unserer Terrasse und spart sich die 40 Minuten im Auto.
@Petra OWL
“Hasi sitzt bereits auf unserer Terrasse und spart sich die 40 Minuten im Auto.”
Hey, Peti – du hast doch schon einige Male geschrieben, dass Hasi auch einen tollen Dienstwagen hat!
Fährt er damit nur auf der Blümchenterrasse im Kreis oder darf er den auch für Privatfahrten (z.B. nach Feierabend vom Kamin zum WC) nutzen?
Bobbycar als Dienstwagen oder doch schon Gokart?
Mit g9 wird das Gymnasium abgewertet durch höhere Attraktivität. Den Rest erledigen die bundesweiten Bildungsstandards.
Und mit G95 militarisiert.
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Mein Sohn ist im Saarland im ersten neuen G9-Jahrgang. Die Klasse fünf haben sie fast ausschließlich damit verbracht, den Stoff der Grundschule zu wiederholen. Das „Mehr“ an Zeit für die naturwissenschaftlichen Fächer sollte eigentlich mit mir Experimenten gefüllt werden, um den Praxisbezug zu gewährleisten. In der Realität sieht es aber so aus, dass sie mehr Zeit für Wiederholungen aufwenden damit auch wirklich jeder mitkommt. Dann Fakt ist, dass die Jahrgänge am Gymnasium immer stärker werden, seit es wieder G9 gibt. Und ein Großteil der Kinder gehört nicht dorthin. Für sehr gute Schülerinnen und Schüler ist dieses neue G9 ein Graus. Sie lernen faktisch nicht mehr, sondern gleich viel bis weniger als in G8.
In der Grundschule – eine Gemeinschaftsschule – wird hier auch ganz viel Talent vergeudet. Trotz Montessori, Wochenplänen und Jahrgangsmischung 1-4, werden meine Kinder dort nicht gefordert. Die Lehrerinnen müssen sich vorrangig um die Lernschwachen, Lernunwilligen, Lauten oder Inklusionsschüler kümmern.
Statt dass man die Talente fördert, wird gefördert und ausgebremst.
Kann nicht sagen, dass es an meiner Gesamtschule viel besser ist
Trotz oder weil Montessori, Wochenplänen, JÜL … ?
Tja nun, an der Gesamtschule wurde ich auch nicht gefordert trotz traditionellem Unterricht. Allerdings gebe ich stärkeren Schülern in meinem Gesamtschul-Unterricht schwierigere Aufgaben, einige wollen aber nicht mehr machen als sie müssen und ruhen sich entspannt auf dem niedrigen Niveau der anderen aus
auch dieses Phänomen ist bekannt und spricht dafür, dass leistungsstarke Schüler in einer homogenen Gruppe stärker gefordert sind und daher auch bessere Leistungen erzielen.
Die Einführung einer Gesamtschule für alle – neben den Gymnasiasten – wäre fatal für diese Schulgruppe. Siehe Grundschulen.
Welche Bundesländer machen es dann richtig?
Fällt irgendwie schwer zu glauben, wenn man bedenkt, dass sich der Punktevorsprung der IQB-Werte in BL mit gegliedertem Schulsystem im Vergleich zu BL mit Gym/GEM bei SuS mit Migrationshintergrund und bei SuS aus der unteren Schicht im Bereich Lernfortschritt 1 Schuljahr bewegt.
Bitte informieren auch Sie sich über Montessori Pädagogik.
Freiarbeit ist bei den nicht so leistungswilligen Schülern schnell frei von Arbeit. An der Grundschule vielleicht noch nicht so, an der weiterführenden Schule definitiv.
Auch an der Grundschule gibt es das Problem schon
Hier auch. Furchtbar. Bei uns gibt es keine Jahrgangsmischung, ich habe aber leider das Gefühl, der Lernstand ist eh bei allen gleich… früher mussten die Wochenpläne auch mal zuhause abgearbeitet werden, jetzt ist das ja auch fein irgendwie, wenn es nicht passiert…. nur noch zum Gruseln
Warum lassen Sie Ihre Kinder an einer Schule, mit der Sie unzufrieden sind und Ihr Nachwuchs angeblich nichts/ zu wenig lernt?
Nur damit Sie deren Beispiele fürs n4t-Forum ausgraben können?
Warum lassen Sie Ihre Kinder an dieser Schule??
Vielleicht deshalb, weil es die einzige GS vor Ort ist, die das Kind selbstständig (zu Fuß, per Fahrrad) erreichen kann und weil das vielleicht die Stadtteilschule ist, in die die Nachbar-und Stadtteilkinder sind? Was in meinen Augen sehr vernünftig zu sein scheint…
Da geografische Bequemlichkeit zu unterstellen, finde ich ein wenig schwach, warten wir lieber Blaus Antwort ab
Grün-rot hat unter Herrn Stoch als Kultusminister in BW vor gut 12 Jahren die Gemeinschaftsschulen eingeführt und bis auf ein paar Ausreißer stellen sie definitiv nicht das versprochene Erfolgsmodell dar. Es ist schon bezeichnend, dass Herr Stoch seine eigenen Kinder allesamt auf Privatschulen schickte und nicht in den „tollen“ Gemeinschaftsschulen unterbrachte.
Zweigliedrigkeit ist gleichzusetzen mit Gymnasium oder „Resteschule“ – weitere Stigmata wären die Folge. Den starken Realschulen wurden Ressourcen genommen, dabei sind sie nachweislich immer ein Erfolgsmodell gewesen, bis sie – ebenfalls unter den Grünen mit der SPD – völlig geschwächt und verwässert wurden. Ideologie vor jeglicher Vernunft.
Zweigliedrigkeit ist definitiv abzulehnen, wenn überhaupt müssten auch die Gymnasien abgeschafft werden und wir hätten sozusagen ein amerikanisches High School-Modell (das aber auch nicht viel erfolgversprechender ist). Den Schuh möchte sich jedoch keine Partei anziehen, was wiederum zeigt, dass es bei der Zusammenlegung der Schularten wohl eher ums Geld sparen geht.
“Zweigliedrigkeit ist definitiv abzulehnen” – warum? Mit die bildungsmäßig erfolgreichsten Bundesländer haben eine zweigliedrige Schulstruktur (auch CDU-regierte). Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2023/09/132413/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Stadtstaaten sind aus mehreren Gründen nicht mit Flächenländern vergleichbar. Weiterhin liegt Hamburg im Bildungsmonitor hinter Bayern mit klar gegliedertem Schulsystem. Ergo: Warum ein „running system“ zwingend ersetzen? BW rauschte nach den grün-roten Bildungsreformen erwiesen in den Keller. Jetzt auf Platz 4 zu stehen, liegt doch daran, ein gegliedertes System etabliert zu haben.
“Stadtstaaten sind aus mehreren Gründen nicht mit Flächenländern vergleichbar. Weiterhin liegt Hamburg im Bildungsmonitor hinter Bayern mit klar gegliedertem Schulsystem.”
Fällt Ihnen Ihr Widerspruch auf?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Da gibt es keinen Widerspruch:
Bayern+Baden-Württemberg = Flächenländer = gegliedertes Schulsystem = bessere Ergebnisse, mit dem Unterscheid, dass sich Bayern glücklicherweise nicht auf das Experiment “Gemeinschaftsschule” eingelassen hat und noch immer auf klare Regeln und klare Trennungen setzt. BW dient hier mehr als abschreckendes Beispiel, wie man von den vorderen Plätzen des Bildungsmonitors auf die hinteren abrutscht, wenn man ohne jede Not das Schulsystem umkrempeln möchte.
Baden-Württemberg hat wieder Anschluss gefunden. Bundesländervergleich IQB-Bildungstrend – Platz 4. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2025/10/iqb-bildungstrend-2024-das-ranking-so-schneiden-die-einzelnen-bundeslaender-ab/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wohoo, beim Absacken langsamer als andere + das Erfolgsrezept, Eltern in mehr “Eigenverantwortung” zu nehmen…
Mit Blick auf die Landtagswahl Danke für diese Perle von Frau Schopper 😀
Korrekt. Das verdanken wir Frau Eisenmann (CDU), die den Irrweg verließ und als Kultusministerin wieder Lehrerstunden in die Realschulen gab, anstatt diese zu Gunsten von Gemeinschaftsschulen ausbluten zu lassen. Die grün-schwarze Regierung wurde fein mit der vorhandenen Vielfalt an Schulen (den genannten fünf) und führte immerhin eine verbindlichere Grundschulempfehlung wieder ein. Realität schlug Ideologie.
Frau Eisenmann ist seit fünf Jahren als Politikerin Geschichte. Irgendwie drängt sich der Eindruck auf, als würden Sie hier Wahlwerbung betreiben wollen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Sie war es nunmal, die den Weg von Herrn Stoch nicht weiterging. Auch Frau Schopper als grüne Kultusministerin strebte nicht weiter die Zweigliedrigkeit an. Das sind nunmal die Fakten. Wenn Sie dahinter Wahlwerbung vermuten, dann ist das Ihre Interpretation.
Und was macht hier die Redaktion? Sehr klare Tendenz und Fakten anderer Seite werden nicht gesehen. Professor Esser hat auch klar dargelegt, dass das gegliederte System überlegen ist. Aber man blendet es halt einfach aus. Der Herr hat doch recht und es wird nicht darauf eingegangen. Die Argumentation mit Flächenland ist richtig und selbst in der sozialen Gerechtigkeit ist Hamburg, dieses glänzende Beispiel, deutlich schlechter als BW oder Bayern.
Stimmt.
Den mit 51 bundesweit höchsten sozialen Gradienten bei IQB-2024 findet man in HH.
BW und und Bayern lagen nur bei 44.
Ich mach mal ein bisschen Wahlwerbung für die Grünen:
Die Realo-Grünen in BW waren und sind vernünftig und pragmatisch genug, das gegliederte Schulsystem in BW nicht zugunsten einer Sekundarschule oder “einer Schule für alle” abschaffen zu wollen, da dies in BW ganz offensichtlich nicht mehrheitsfähig wäre.
Auch deshalb erreichen sie bei uns Wahlergebnisse, von denen linke Bildungsideologen nur feucht träumen können (und stellen mit Cem hoffentlich den nächsten MP :-)).
Erfolg, Dein Name ist Eisenmann
https://www.news4teachers.de/2021/04/geisterschiff-kultusministerium-eisenmann-ist-abgetaucht-schulen-sind-im-chaos/
“Realität schlug Ideologie.”
Warum beschweren Sie sich dann noch bei uneingschränkt jeder Gelegenheit darüber wie schlecht alles sei? 😀
“hat wieder Anschluss gefunden“
Kann man vermutlich so sagen.
Bei IQB-2024-Mathematik lagen die Punktzahlen in BW bei den SuS aus der unteren Schicht zwar 31 Punkte unter dem Spitzenwert, aber immerhin z.B. auf dem Level von den Pendants in Sachsen Anhalt , MVP, Thüringen oder Schleswig Holstein.
Grade am Beispiel Hamburg kann man deutlich sehen, dass es nicht vorrangig am zweigliedrigen Schulsystem liegt. Man kann von Hamburg lernen, wie man es richtig macht. Was also hat Hamburg gemacht? 1.) Ausbau von Ganztag und Kitas mit Rechtsanspruch. 2.) Steigerung der Bildungsausgaben für z.B. mehr/ besseres Personal. 3.) Fokus auf Basiskompetenzen und Förderung (z.B. Biss-Transfer) 4.) Sprachförderung mit frühen Überprüfungen und verpflichtenden Maßnahmen. Baden-Württemberg geht genau diesen Weg nun auch; ich bin gespannt, was dabei rauskommt — Und wenn man das alles umgesetzt und evaluiert hat, dann kann man gerne auch noch über das Schulsystem diskutieren! Meiner Meinung nach ist der Grund, diese Frage immer vor allen anderen zu stellen, v.a. ideologisch begründet und nicht an den tatsächlichen Problemen orientiert!
” Man kann von Hamburg lernen, wie man es richtig macht. “
Wer soll was von wem lernen?
Bei IQB-2024-Mathematik lagen die Ergebnisse der unteren Schicht in Hamburg – 7 Punkte unter dem Bundesschnitt, in Physik – 20 Pkt schlechter.
Im Bundesland an der Spitze lagen die Werte bei der unteren Schicht in Mathe +44 Pkt , in Physik + 55 Pkt höher als in HH.
Die SuS mit Migrationshintergrund aus HH performten in Mathematik und Physik sogar schlechter als die Pendants aus NRW oder Berlin.
Der Abstand der SuS mit Migrationshintergrund aus Hamburg zu denen im BL an der Spitze betrug 50 Punkte in Mathe und 44 Pkt in Physik.
Beim Vergleich der Ergebnisse IQB-Mathematik der Jahre 2012 mit 2024 fällt auf, dass die SuS mit Migrationshintergrund aus Bayern 2012 noch +14 Pkt über dem Bundesschnitt lagen, die aus HH +2 Pkt.
Im Jahr 2024 lag der Wert in Bayern dann +21 Pkt über dem Bundesschnitt, der in HH – 8 Pkt darunter.
Die Entwicklung bei SuS mit Migrationshintergrund in Physik zum Bundesschnitt :
HH von – 4 auf -12, BY von +22 Pkt auf + 20 Pkt.
Im Jahr 2012 konnten die SuS in HH übrigens noch nicht von dem Konzept der Stadtteilschulen profitieren, wo sie in einem ganzheitlichen Lernkonzept ihr individuelles Leistungspotential optimal nutzen und durch zusätzliche Lernangebote im Tagesablauf Lernrückstände vermeiden können.
Dabei haben Berlin und Brandenburg doch ein zweigliedriges Schulsystem? Dann müssten die doch mit HH an der Spitze liegen?
Mir deucht, der Erfolg liegt nicht an der Gliedrigkeit…
Brandenburg liegt bei IQB-2024-Mathematik in der Gruppe der SuS mit Migrationshintergrund 2. Generation bundesweit auf Rang 2, knapp vor Bayern. Die erzielten in BB sogar höhere Werte als die Gruppe ohne Migrationshintergrund.
Allerdings wird dieses Ergebnis durch die Punktzahlen der anderen SuS überkompensiert, so dass die Punktzahl der SuS mit Migratioinshintergrund-gesamt in BB unter dem Bundeschnitt liegt.
Ohne die Reformen von grün/rot um 2014 wäre BW auch jetzt noch an der bundesweiten Spitze.
“wenn überhaupt müssten auch die Gymnasien abgeschafft werden”
Ich meine, das geht rechtlich nicht. Darum kann aber die zweite Säule das Abitur anbieten.
…was sie aber nicht tut. Von über 300 Gemeinschaftsschulen im Land BW bieten gerade mal 14 eine gymnasiale Oberstufe an. Übrigens: Was rechtlich geht und was nicht, ist an Entscheidungen der Politik gekoppelt. Die Lobby der Gymnasien ist einfach größer als die der Realschulen, weshalb man diese abwickeln kann, wie man möchte. Als Herr Stoch Kultusminister war, schickte er seine Kinder auch lieber an Privatschulen, anstatt an eine Gemeinschaftsschule. Aber warum nur? Gemeinschaftsschulen sind doch eine starke Schulart?
“…was sie aber nicht tut.”
Ich glaube, Sie haben die Antwort der Redaktion an Sie noch nicht gelesen, da wird dies aufgegriffen: https://www.news4teachers.de/2026/02/aus-fuenf-mach-zwei-streit-um-neuordnung-der-schulstruktur-schlaegt-wellen/#comment-784333
Und Sie sollten meine Antwort darauf lesen.
https://www.news4teachers.de/2026/02/aus-fuenf-mach-zwei-streit-um-neuordnung-der-schulstruktur-schlaegt-wellen/#comment-784368
Danke für die Antwort.
Warum meinen Sie, der Ansatz bei Hamburg wäre nicht vergleichbar? Faulheit der Landesregierungen?
Sollte man denn in BW anstreben, dass die SuS aus der unteren Schicht und mit Migrationshintergrund nicht mehr über dem Schnitt abschneiden, sondern ähnlich schlecht wie in Hamburg, wo diese Gruppen bei IQB-Mathematik 7 und 8 Punkte unter dem Bundeschnitt lagen, in Physik 20 und 12 Punkte unter dem Bundesschnitt ?
Warten wir ab, ob Vehrenkamp dies meinte
Die Kinder waren an der Privatschule, weil seine Frau das so bestimmte. Herr Stoch wollte ihr da nicht reinfunken, sagte er. Weil klare Aufteilung: die Frau bedient die drei K, der Mann kümmert sich um die Politik und ums Geldverdienen. Also ein typisch sozialdemokratisches Familienkonzept….
Schön, wenn man sich diese Sause leisten kann, sag ich da nur.
Was mich am meisten stört an dieser Geschichte ist der bildungsbürgertümliche Habitus: „Ich weiß, was für die anderen gut ist.“
War das nicht ähnlich bei Frau Schwesig?
Exakt genauso…
Solange 10% aller Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg auf eine kostenpflichtige Privatschule gehen und dies in Experten-Publikationen wie der oberen ignoriert wird bleiben obige Forderungen wohlfeil.
Was ist das Interesse der Robert-Bosch-Stiftung am Erhalt von Privatschulen und Gymnasien?
Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit gehört sicherlich nicht hinzu.
Haben Sie eine Quelle für die 10%? 10% insgesamt an Privatschulen würde ich gelten lassen, wenn sie die an sich kostenfreien kirchlichen Schulen mitzählen.
Die Zahlen stammen vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.
Könnten Sie mir bitte nennen, welche kirchlichen Schulen sind in Baden-Württemberg kostenfrei sind?
Vielleicht will sich die Robert-Bosch-Stiftung im Privatschulbereich breit aufstellen: Die Robert-Bosch-Privatschulen?
Also frühes Aufteilen ist ganz gemein, außer natürlich beim Gymnasium. Da ist dann irgendwie doch ein bisschen weniger Heterogenität erwünscht, die ja sonst so toll ist.
Und jeder, der es auf dem Gymnasium nicht schafft, müsste verpflichtend eine Ganztagsschule besuchen. Das wäre für viele Schüler aus dem ländlichen Raum eine ziemliche Einschränkung.
Die „Neue Sekundarschule“ ist geplant eine Ganztagsschule.
Stimmt, da hat man andere Probleme:
“Schüler ohne Abschluss: Neuer Höchststand in Schleswig-Holstein erreicht“
“Kritische Fehlzeiten in SH: So oft vermeiden Neuntklässler den Schulbesuch“
“Jugendliche mit Migrationshintergrund in SH scheitern dreimal so oft am Schulabschluss“
Selbes Bundesland, andere Erfahrungen.
Die Einschränkungen ergeben sich u.a. durch die (nicht) vorhandenen Öffis und die weiten Wege.
Die Kids sind bis zu einer Stunde hin und einer Stunde zurück unterwegs…..
Da wird massiv die Erholungszeit reduziert, die Zeit (Kraft, Energie, …) für Vereinssport … und Lernen zu Hause.
Zumindest in unserer Gegend ist das so….
Erinnert an Meldungen wie :
“Kein Bus, kein Anschluss: Warum sich manche Dörfer im Kreis Pinneberg vom ÖPNV abgehängt fühlen“
“Fahrplan bleibt ausgedünnt: Bahn-Kürzungen in SH sind ein unglückliches Signal”
usw. usw.
Die neuen Haupt-und Realschulabschlussprüfungen (Musterprüfungen) liegen vor: Die RS hat Hauptschulniveau, zumindest im Fach Deutsch und die SuS brauchen nichts mehr zu lernen. Geschenkt! Es ist erschreckend!
Die letztjährige Technikprüfung: lachhaft! Jeder Volltrottel kann mindestens eine 4- schaffen ohne je den Unterricht besucht zu haben.
Die Hauptschule….tja, da könnte ich mit einer Flüstertüte in irgendeinem Bahnhof irgendwelche Vorschüler oder andere Menschen ohne Schulabschluss und Deutschkenntnisse zusammenrufen….sie würden die Aufgaben bewältigen können. Das Niveau ist unter der untersten Schublade.
Das Ganze wird schlimm enden!
Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass die Verdummung der Menschen politisch gewollt ist.
Mit immer leichterem Niveau bekommen immer mehr Menschen ohne Mühe ihren Abschluss. Die Schüler von Gemeinschaftsschulen, die ohne Notendruck immer arbeiten wann, wie und an was sie wollen, sollen schließlich auch die Prüfungen bestehen können. Nicht umsonst machen viele große Firmen Einstellungstests, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Man vertraut nicht mehr auf die Qualität der Abschlüsse, was mich angesichts der ganzen falschen Reformen der letzten Jahre aber auch nicht wundert.
“viele große Firmen Einstellungstests“
Oder Polizei, Bundeswehr, Berufsfeuerwehr etc.
Wenn man die Durchfallquoten betrachtet, scheinen Anspruch und Wirklichkeit der Bewerber*innen oft nicht gerade nah beieinander zu liegen.
Des Weiteren müssen viele Firmen trotz Einstellungstets – zumindest in unserer Region in BW – mit kostpieligen und zeitraubenden Nachholkursen im ersten Lehrjahr die nicht vorhandenen Grundfertigkeiten in Deutsch, Mathematik und EDV ausgleichen.
Wenn ich mit personalverantwortlichen im Gespräch bin wird mit erklärt, dass diese Entwicklung in den letzten 10 Jahren stetig zunimmt.
Dass kurz zuvor gravierende Änderungen am bis dahin gut funktionierenden Schulsystem vorgenommen wurden, ist den meisten (noch) gar nicht bekannt, wird neben der starken Zuwanderung seit 2015 jedoch ganz klar als Erklärung gesehen.
Stimmt leider – auch bei uns (GemS in SH).
Allein die Voraussetzungen für “Bestehen” sind schon,…. interessant.
Und dennoch fallen SuS durch.
Und so kommen die “Bahnhofsflüsterer” (s.o.) in die 10.
Dass sie völlig überfordert sind, ist klar. Also muss auch hier das Niewo runter….
Und für diejenigen, die die Abschlüsse mit Können, Wissen und – huch! – Lernen! geschafft haben, bleibt trotz der vielen Einsen die echte – weil richtige! – Wertschätzung auf der Strecke…..
Dennoch: Es gab noch nie so viele Einser-Abschlüsse wie in den letzten und kommenden Jahren.
Kein Wunder, dass viele SuS sich selbst nicht die Bohne mehr einschätzen können.
Dazu zähle ich auch die Nicht-Lerner und Zeitabsitzer (es wird ja aufgestiegen und nicht versetzt, also Klassenziel “nein danke”).
Sie wissen gar nicht, was sie können, weil sie nicht tun.
Selbstwert gleich Null….. oder völlige Selbstüberschätzung.
Über Hattie streiten, aber die Grundschule umfasst weiterhin vier Schulbesuchsjahre, hm? …
Ich meine, in Hamburg gibt es schon dieses Modell? Lassen sich da Erkenntnisse gewinnen?
Ich will die Kritik nicht ausschließen, aber gewürdigt wird die Arbeit der Kolleg*innen in jedem Fall, deren Arbeit soll ja unter anderen Rahmenbedingungen fortgesetzt werden.
(Oder fühlten die sich in letzter Zeut außerordentlich gewürdigt? Las da anderes in Forum…)
In Hamburg gibt es wenige Modellschulen mit 6 Jahren Grundschule. Ein Wechsel zu Klasse 7 ist dann extrem unschön. Zum einen, weil fast alle eben in Klasse 5 wechseln und gerade Gymnasien den Einstieg in Klasse 7 nicht vorsehen, was es extrem anstrengend macht, einen Platz zu finden. Zum anderen, weil das Niveau in Klasse 5 und 6 häufig auf dem Niveau der Gesamtschule ist und damit der Weg auch gleich schon vorgezeichnet ist. Dann wechselt man doch besser gleich mit seinen Freunden. Echte Ergebnisse könnte man wohl nur finden, wenn es mehr als eine Handvoll Schulen bieten würden.
Der schlechte Ist-Zustand ist – außerhalb dieses Forums 😉 – kein Grund, an Schlechterem festzuhalten, und kein Argument gegen Verbesserungen
Es fehlt jedoch jegliche Evidenz, dass angedachte Verbesserungen auch wirklich Verbesserungen sind – oder nur Veränderungen, die am Ende zu noch schlechteren Ergebnissen führen.
Das macht aus Ihrer Sicht bestimmt Sinn, da Sie ja mit “dem Elfenbeinturm” nichts am Hut haben wollen, was Sie ungekehrt nicht davon abhält, Gegenteiliges zu behaupten.
Wie wäre es also damit: die Landespolitik setzt auf wissenschaftlich fundierte Ansätze für die Bildung, anstatt an einem Status Quo festzuhalten, mit dem alle – auch Sie – doch ach so unzufrieden sind,
und Sie nehmen im Rahmen Ihrer wissenschaftsunabhängigen Anti-Elfenbeinturm-Sozialarbeit alle Eltern in “Eigenverantwortung” die Sie in die Finger bekommen.
Dann kommen Sie und die Bildungswissenschaft sich nicht mehr in die Quere 🙂
In Berlin und Brandenburg ist die Grundschule in Allgemeinen 6-jährig, nur wenige Schüler mit guten Leistungen gehen an die wenigen grundständigen Gymnasien ab Kl. 5. Die Masse “lernt gemeinsam” bis Kl. 6 einschließlich und wechselt erst dann auf die weiterführenden Schularten – und wo steht Berlin, das dieses “längere gemeinsame Lernen”,schon jahrelang praktiziert, das gewisse links-rot-grüne Politiker und die GEW als Nonplusultra der “zeitgemäßen Pädagogik” verkaufen? Teilt sich die rote Laterne mit Bremen, das ebenfalls möglichst heterogene Lerngruppen favorisiert. Aber bei den entsprechenden Ideologen ist trotzdem noch keinerlei Einsicht in das Scheitern erfolgt, nein: Noch mehr von diesen Versuchen, irgendwann muss es ja schließlich klappen.. arme Schüler-Versuchskaninchen. Und in BW gibt es halt auch Parteien wie insbesondere die SPD und erst recht die SED-Nachfolgepartei Linke, die diesen Irrweg in der neu erdachten “Sekundarschule” schon wieder propagieren, obwohl noch nie die GMS, von der Grün-roten Koalition vor über 10 Jahren eingeführt, bezüglich der Lernleistung der Schüler extern evaluiert wurde. Warum drückt man sich da? Der einzige Vergleich findet sich in den VERA-Ergebnissen (https://www.phv-bw.de/pressemitteilung-des-phv-bw-zu-den-ergebnissen-von-vera-8/ ), die die GMS-“Niveaus” den tradierten gegliederten Schularten gegenüberstellen – mit einer verheerenden Bilanz. Es lohnt sich wirklich, die Grafiken im Link detailliert zu betrachten.
Die Zahlen sind zwar von 2022, korrespondieren aber mit aktuellen Aussagen verschiedener Lehrkräfte, mit denen wir im Rhein-Neckar-Raum in Kontakt stehen. Die Gemeinschaftsschule als angestrebte “ultimative Schulart, die alle Probleme löst”, sollte doch eigentlich am besten abschneiden. Und Danke, dass Sie Berlin und Bremen ansprechen, wo bereits länger “gemeinsam gelernt” wird und die auf den hinteren Plätzen ihr Bildungsdasein fristen. Dies beweist doch, dass Gemeinschaftsschulen nicht die versprochene Lösung sind.
Wer behauptet denn, die Gemeinschaftsschule sei die “ultimative Schulart, die alle Probleme löst”? Wir kennen das Zitat nicht.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Welche GemS denn? Die kooperative wie im NRW-Schulversuch oder die integrierte wie z.B. in Sh? Letztere heißt in NRW Sekundarschule und ist eine kastrierte GE, also ohne gymnasialen Oberstufe, was sie bei Eltern nicht beliebter macht.
Die Gänsefüßchen hab ich gesetzt, das war kein Zitat, sondern eine Schlussfolgerung aus jenen Dingen, die Reformpädagogen fordern, wenn sie von der “Schule der Zukunft” sprechen. Zu großen Teilen entsprechen Gemeinschaftsschulen (in BW) nämlich diesem Idealbild, bringen aber definitiv nicht die angepriesenen Ergebnisse hervor. Wenn diese Form der “Schule für alle” nicht alle Probleme löst (sondern eher noch weitere erschafft) – warum sollten wir sie dann, die Gymnasien ausgeklammert, flächendeckend für alle einführen?
“… sondern eine Schlussfolgerung aus jenen Dingen, die Reformpädagogen fordern, wenn sie von der ‘Schule der Zukunft’ sprechen.”
Lieber deutlicher: Es ist Ihre Unterstellung. Wir kennen keinen “Reformpädagogen”, der in der Gemeinschaftsschule die Lösung für alle Probleme im Bildungswesen sieht. Wir kennen, andersherum, allerdings etliche Menschen (auch internationale Bildungsforscher wie John Hattie), die einige der Probleme des deutschen Bildungssystems (soziale Schere vor allem) mit dem gegliederten Schulsystem in Zusammenhang bringen und das auch gut begründen können. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2025/01/hattie-vs-deutsches-schulsystem-schueler-nach-leistung-getrennt-voneinander-zu-unterrichten-hat-keinen-effekt-auf-den-lernerfolg/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Hat Herr Hattie denn schon mal in DE geforscht oder zumindest aktuelle Studien aus den 16 deutschen Bundesländern mit ihren unterschiedlichen Schulsystemen auswertet und verglichen ?
So ab ca. 2010 gab es ja in einigen Bundesländern Reformen hin zur Zweigliedrigkeit Gymnasium – Gemeinschaftsschule, in anderen BL nicht.
Das Fazit aus dem oben verlinkten Artikel:
„Es macht unterm Strich keinen Unterschied, ob die Kinder getrennt oder gemeinsam lernen.“
Warum sollte man dann Unsummen in die Etablierung einer Einheitsschule investieren, anstatt das Geld zur Stärkung der vorhandenen Schularten zu verwenden?
Ich kann aus Ihrem Verweis auf Hattie kein Argument für einen Umbau des Schulsystems ableiten.
Die Neuordnung der Schulstruktur ist doch der Aufmacher des Artikels, über den wir hier diskutieren. Folglich sieht man die Gemeinschaftsschule bzw. die Zweigliedrigkeit als problemlösendes Element für Bildungsfragen der Gegenwart und der Zukunft. Offensichtlich sollen so auch soziale Fragen beantwortet werden.
Ich kenne im Übrigen ebenfalls “etliche Menschen” (meist Lehrkräfte), die in der Heterogenität sehr große Probleme und in der Zweigliedrigkeit eine tiefe Spaltung zwischen Gymnasiasten und “dem Rest” sehen.
Im Übrigen: Den verlinkten Artikel habe ich damals schon mit den Worten “Mit meinem laienhaften Blick auf den Artikel redet Herr Hattie viel, ohne etwas zu sagen: Zu viel Faktenwissen ist nichts, zu wenig auch nicht. Hausaufgaben abschaffen, aber halt irgendwo auch doch nicht. Gruppen spielen keine Rolle, aber bilden soll man sie auch nicht. Ja, was denn nun?” kommentiert.
Aber folgt aus: “die Gliedrigkeit des deutschen Schulsystems bringt systemisch Bildungsungerechtigkeit, Chancenungleichheit und andere Probleme mit sich“ denn etwas anderes als: „Deshalb muss es durch ein ungegliedertes ersetzt werden“? Wenn ja: was?
Ich finde, man sollte das gewünschte zweigliedrige Schulsystem konsequent zu Ende denken:
“Kein Brot? Sollen sie doch Kuchen essen!”
Was unterscheidet deutsche Kinder von fast allen anderen Kindern weltweit, dass sie auf verschiedene Schulformen aufgeteilt werden müssen. Zumal alle erfolgreicheren Schulsysteme auf einer Gesamtschule basieren!
So? Welche denn?
Meinen sind asiatische Schulen, die auf Druck und Drill setzen? Okay, Deal: Wenn wir nur noch Gesamtschulen haben, dann mit dem nötigen Druck dahinter.
Er meint wahrscheinlich die “Erfolgsgeschichten” des angeelsächsischen Bildungssystem, vor allem USA (ok, wer dann nicht in die “Gesamtschule” will, der holt sich einen Voucher für die “Charter-School”, geht in die fundamental-christliche Schule oder macht gleich Heimunterricht…)
Was die Position von John Hattie betrifft, empfehle ich, ins Original zu schauen. Hier finden Sie einige Quellenhinweise zum Thema Chancengerechtigkeit in seinen beiden neuesten deutschsprachigen Veröffentlichungen: https://chanceplus.ch/john-hatties-impulse-fuer-chancengerechtigkeit/
Hattie definiert m.W. “Bildungsgerechtigkeit” hauptsächlich mit Lernzuwachs.
Eben deshalb wundert es mich, dass z.B. Bundesländer von vielen Leuten als “gerecht” eingestuft werden, in denen SuS aus der unteren Schicht oder mit Migrationshintergrund bei den Tests in Jahrgangsstufe 9 deutlich schlechter abschneiden als der Bundesschnitt, während BL als “ungerecht” gelten, in denen diese SuS einen Punktevorsprung auf die “gerechten” BL haben, der dem Lernfortschritt von über einem Schuljahr entspräche.
Ähnlich in Hatties Herkunftsland NZL. Dort lag z.B. der Punkteschnitt bei PISA 2022-Mathematik bei 479 Pkt, in der sozial-privilegierten Schicht bei 519 Pkt, deren Anteil in der Stichprobe lag in NZL bei 45%. Dann müsste nach meiner Rechnung die untere Schicht 447 Pkt erzielt haben.
In DE-16 475 Pkt, 534 Pkt obere Schicht , Anteil 31%, dann müsste die untere Schicht bei 448,5 Pkt. liegen.
Dabei ist noch berücksichtigt, dass die Punktzahlen in NZL höchstwahrscheinlich positiv verzerrt sind, da mehrere statistische Anforderungen der OECD nicht eingehalten wurden. Deshalb ist NZL im PISA-Ranking mit einem Stern markiert.
Dass sich die Art der Zuwanderung in NZL ganz wesentlich von der in DE unterscheidet, dürfte sich auch deutlich auf die jeweiligen Werte auswirken.
Sorry, muss bei der positiven Verzerrung natürlich “noch nicht berücksichtigt” heißen.
Die Punktzahl der SuS ohne Migrationshintergrund lag übrigens in NZL 16 Pkt niedriger als die der Pendants in DE-16. Das entspricht einem Rückstand von ca. einem halben Schuljahr.
Wäre mal interessant ob er das auch als Verschwendung von Potenzial ansieht.
Die Verfechter eines zweigliedrigen Schulsystems liegen kurz vor der Landtagswahl in BW zusammen bei unter 15 % (SPD + Linke). Wenn sich das Rennen zwischen Cem und Hagel weiter zuspitzt, werden sie vielleicht sogar Schwierigkeiten haben, in den Landtag zu kommen (was die verdiente Quittung für Herrn Stoch wäre).
Insofern spitzt sich da überhaupt gar nichts zu, außer dass eine nicht mehrheitsfähige Minderheitenposition auf sich aufmerksam macht.
Eine flächendeckende Sekundarschule bis zum Abitur würde de facto die Abschaffung von über 220 Beruflichen Gymnasien (in 3- und an einigen Standorten in 6-jähriger Aufbauform) bedeuten, die sich vorrangig an Absolventen der RS und GMS wenden und die sehr klar als Schulen des sozialen Aufstiegs gelten. Jedes dritte Abitur in BW wird am BG erworben.
Insofern ist das Wehklagen über das ach so ungerechte Bildungssystem (ob mit oder ohne Hattie) für BW nichts als wohlfeiles ideologisches Geschwätz, da es bei der Betrachtung immer das top ausgebaute berufliche Schulwesen ausklammert. Man kann sich nur fragen, ob aus Unkenntnis oder bewusst, um einen milliardenteuren Umbau des Schulsystems zu propagieren, den in BW (fast) niemand möchte.
Wenn man keine Lösungen für die Probleme der Gegenwart und Zukunft hat, bastelt man halt an der “Bildung”. Kostet in der Regel wenig, lässt sich gut verkaufen (“Mehr Bildung!” geht immer als Slogan) und wenn es schief geht, weiß man gleich wer Schuld ist (haben die f… S… an der Basis wieder einmal alles falsch gemacht…)
Die GEW als Gewerkschaft möchte die Zweigliedrigkeit auch gerne durchdrücken. Als Lehrkraft käme ich mir hier nicht gut vertreten vor.
Als Lehrkraft ist mir seit vielen Jahren schleierhaft, wie Kolleginnen und Kolleginnen diesem ideologischen Verein folgen können.
In vielen Fällen stellen sich im Gespräch als alleinige Gründe heraus:
1.) Gewohnheit
2.) Unkenntnis.
Zur Kenntnis aller: https://www.gew.de/inklusion/eine-schule-fuer-alle Das langfristige Ziel der GEW ist die “gerechte” Einheitsschule, alles in einem Topf…!
Richtig, in BW unterstützt die GEW zusammen mit der SPD (und der SED-Nachfolge Linke) massiv die Verfechter der sog. “Neuen Sekundarschule”, die anstelle der faktisch glücklosen GMS treten soll – und nun als Zwang mit verbindlichem Ganztag, getreu dem Motto der SPD: “Und vielleicht kann man das so sagen: Wir wollen die Lufthoheit über den Kinderbetten erobern.” – im Interview mit Karl-Heinz Gehm (Deutschlandfunk) 3.11.2002, siehe https://de.wikiquote.org/wiki/Olaf_Scholz
Diese angedachte Sekundarschule ist ja nur als Zwischenschritt zum Eintopf-Endziel dieser Unbildungsgewerkschaft nützlich, und für eine Lehrkraft mit spezifischer Expertise, die sich für eine Schulart entschieden und ausbilden hat lassen, kann logischerweise die GEW eigentlich keine geeignete Gewerkschaft sein. Soweit denken aber viele nicht. Als Gymnasiallehrer mache ich die Beobachtung, dass die GEW-Mitglieder in den Kollegien ihre eigenen Kinder gar nicht in diese beste und gerechteste aller Leuchtturmschulen schicken, sondern ans Gymnasium, und wenn sie darauf angesprochen werden, weichen sie aus…
Rein statistisch wird nach meinen Informationen an GEM mehr Geld pro Schüler*in und Jahr investiert als an Gymnasien.
Im Bundesschnitt 11.400€ an GEM, 10.500€ an Gymnasien.
Man muss aber dabei bedenken, dass Gymnasiasten vermutlich deutlich häufiger 9 Jahre ein Gymnasium besuchen als GEm-SuS 9 Jahre eine GEM. Bei den meisten GEM ist ja nach der Jahrgangsstufe 10 Schluss.
Ich spreche von BW, da ist die GMS materiell deutlich besser ausgestattet als die Gymnasien, es wird viel mehr Geld hineingesteckt. Aber die Ergebnisse sind schlechter, siehe Link oben.
Und die Diskrepanz zwischen den öffentlich verbreiteten Zielen der GEW und dem Handeln der Lehrkräfte, die dort ihren horrenden Beitrag entrichten, ist riesig. Ich würde für eine Gewerkschaft, die letztendlich meine eigene, von mir gewählte Schulart zugunsten einer Einheitsschule abschaffen will, keinen Cent zahlen. Aber Ideologie vernebelt…
Ganztagszuschlag
Deshalb erreicht die GEW bei Personalratswahlen an beruflichen Schulen in BW auch ziemlich genau den Stimmenanteil, der nun für SPD und Linke vorhergesagt wird.
Es ist leider nicht nur so, dass die GEW die Interessen der Lehrkräfte an beruflichen Schulen nicht vertritt, sie agitiert bewusst gegen diese Interessen.
Es herrsch so viel ideologisch Verblendung in der Bildungspolitik. Vom Abstieg vieler einstiger Vorzeigeländer in den letzten Pisa Studien wird kaum berichtet, auch werden Gegenmeinungen zum Mainstream der Gleichmacherei ungern gehört. Es liegt in der Logik der Sache, dass homogenerer besser funktionieren, ebenso, dass Leistung gefordert werden muss. Leistung und Benotung können auch sehr toll sein. Warum trennt der Sport, die Musik und viele andere Bereiche nach Leistung. Weil es mehr Erfolg verspricht. Warum sollte ein Dorfverein mit dem FC Bayern trainieren, oder die Wiener Philharmoniker mit dem Musikverein Dupfendippelbach? Jeder wüsste, was das Ergebnis wäre, nach einem tollen Event würden nach einigen Tagen die leistungsschwächeren die Lust verlieren und die Leistungsspitze würde sich bestenfalls stagnieren. Warum sollte dies in der Bildung anders sein? Wollen wir wirklich nur noch die Champions.-League und eine Klasse für alle anderen? Wobei, Champions League spielen wir auch in der Bildung schon lange nicht mehr. Auch aus einer sozial, linken Sichtweise kann es doch nicht wahr sein die “Eliteschule” zu wollen und eine Schule für alle anderen, vom Hochbegabten bis zum Behinderten, ich glaube so steht dies in der Studie dieser unabhängigen Kommission. Schaut man mal genauer hin ist diese so gar nicht unabhängig. Parteimitglieder, einschlägig bekannte Wissenschaftler die der Reformpädagogik anhängen und Gewerkschafter der GEW, die schon immer die Einheitsschule als Ziel hatte. Es wurde auch KEINE Person aus der HS oder WRS angehört. Es braucht ein breites Schulsystem. Wie wäre es denn mal mit einem fairen Vergleich. Wie schneiden WRS/HS im Abschluss auf G-Niveau gegen GMS ab, wie RS gegen GMS auf M-Niveau und….naja, E-Niveau ist an der GMS eh weitestgehend eine von mehreren zumindest Teilwahrheiten. .
https://www.phv-bw.de/pressemitteilung-des-phv-bw-zu-den-ergebnissen-von-vera-8/
Hier werden die Ergebnisse der VERA8-Untersuchungen (die das IBBW herusgegeben hat, das nun wirklich neutral arbeitet) einfach nur grafisch dargestellt und miteinander verglichen. Man sieht durch die Bank, dass die Ergebnisse der speziellen Niveaus an GMS nicht mithalten können mit den entsprechenden Ergebnissen der gleichen Stufe in den differenzierten Schularten! Konsequenzen durch das KM? Keine, das Lieblingskind GMS wird weiter gepampert mit deutlich größeren Sachkostenbeiträgen des Landes an die Schulträger, GMS liegen klar höher als Realschulen und Gymnasien, siehe beispielhaft hier auf Seite 2 und 3:
https://fm.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-fm/intern/Dateien_Downloads/Haushalt_Finanzen/Finanzausgleichsgesetz/3_Teilzahlung_FAG_2024.pdf
Nota bene: Bisher, d. h. nach über 10 Jahren, wurden die GMS noch niemals extern auf die Lernleistungen ihrer Schüler evaluiert, trotz z. B. dieser VERA-Ergebnisse. Warum drückt man sich da?
Warum man sich drückt? Wahrscheinlich, weil Ergebnisse herauskommen, die man nicht haben möchte. Stattdessen verweist man zum x-ten mal auf die Alemannenschule Wutöschingen.
Die Sache mit der BW und diesen fundamentalen bildungspolitischen Fehltritten seit 2011/12 ist vielfach behandelt worden, u.a. von mir in einer Stellungnahme zu dem Papier über die “Neue Sekundarstufe”. Und an vielen anderen Stellen, die man sich hätte mal ansehen können. Ich beklage nicht, dass die Politik anderen Positionen folgt, sondern dass sie so total ignorant ist und sich nicht mal kundig macht, wo ws wirklich gut läuft mit der Bildung, etwa seit jeher in Sachen und Bayern, die 2018, dem letzten Vor-Corona-Jahr international an der Spitze lagen – VOR Estland, Finnland, Schweden Kanada, aber auch aktuell zu “Hattie” und der ZEW-Studie. Jetzt kommt die Quittung: So jemand wie Klaus Zierer, kaum verdächtig, dass er keine Ahnung hätte, kommt als Ko-Autor aus der Deckung, mit einer Schrift zur “Tyrannei der Gleichheit”, wo u.a. vieles zerlegt wird, was in diesem “Bürgerrat” so als selbstredend gilt. Zierer ist übrigens der Übersetzer von “Hattie 2.0”, der Neuauflage von Hattie 2009, und er weiß, dass die Behauptung von Hattie, Deutschland hätte das “ungerechteres Bildungssystem der Welt” frei erfunden war, nein, mehr noch: man hat es ihm eingeredet und er hat es als freundlicher Gast gerne wiederholt. Seine eigenen Analysen zum Tracking in Schulen und zum “Visible Learning” sagen was anderes. Aber man greift es, wie anderes, allzu gerne in der ideologischen Schlacht ungeprüft auf, nur um weiter zu überdecken, dass man mit diesen Öffnungen und Lockerungen nach 2012 BW nach unten gezogen hat. Und andere das blind nachmachen. Wird wirklich Zeit, dass man das endlich mal mitkriegt. Wünschte mir persönlich: dass auch Dem es begreift, wenn er denn gewinnen sollte. Ich fürchte: nein! Liebe Grüße. Hartmut Esser
Mich wundert auch, dass beim Vergleich der PISA-Ergebnisse die Unterschiede der Stichproben nicht erwähnt werden.
In z.B. Kanada wäre das wie folgt:
Bei PISA-2022 stammten in CAN 50% der Stichprobe aus der sozial privilegierten Schicht, in DE nur 31%
Vorab aus der Stichprobe aussortiert und nicht mitgerechnet wurden in CAN 5,8% der SuS, in DE 2,5%.
Die Punktzahl der SuS ohne Migrationshintergrund betrug in CAN bei Mathematik 497 Pkt, in DE-16 495 Pkt.
Insgesamt hatte CAN 22 Pkt in Mathematik Vorsprung auf die DE-16, was aber allein an den Ergebnissen der Zuwanderer lag.
Sachsen und Bayern lagen bei IQB-2024-Mathematik 37 und 27 Pkt über dem Bundesschnitt und der Vorsprung resultierte dort aus allen 4 Gruppen, also ohne / mit Migrationshintergrund und obere / untere Schicht , wobei die obere Schicht in der Stichprobe deutlich weniger Anteil hatte als in CAN.