“Stress und Bindungsirritationen”: Warum die aktuelle Kita-Pädagogik Risiken für Kinder birgt – Bildungsforscherin legt nach

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MANNHEIM. Mit ihrem Aufruf „Kita-Kindeswohl-im-Blick“ löste Veronika Verbeek – Psychologin und Professorin an der Internationalen Hochschule Mannheim – eine heftige fachliche Debatte aus. Sie warnte darin: „Die aktuelle Kita-Pädagogik birgt Risiken für Kinder.“ Nun legt sie mit einem wissenschaftlichen Papier nach. Darin begründet sie ihre fünf Thesen systematisch – und zwar mit entwicklungspsychologischer, lernpsychologischer und klinisch-psychologischer Evidenz. Dass sie damit aufrütteln will, daraus macht die Professorin keinen Hehl: Ihr Beitrag sei bewusst „nicht ausgewogen“.

Unter Stress. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Verbeek schreibt, die aktuelle Debatte sei geprägt von einer „Konsens-Rhetorik“, die Risiken frühkindlicher Bildungspolitik eher verdecke als kläre. Sie wolle deshalb „die psychologische Expertise, die derzeit unterrepräsentiert ist, wieder stärker in den Diskurs einbringen“. Deshalb legt sie nun mit einem 24-seitigen Papier nach (hier geht es zum News4teachers Bericht über ihre ursprüngliche Stellungnahme).

These 1: U2-Betreuung – gut für den Arbeitsmarkt, aber nicht automatisch gut für Kinder

Verbeek formuliert ihre These klar: Sehr frühe und sehr lange Krippenbetreuung kann Kinder messbar stressen – und dieser Stress kann entwicklungspsychologische Risiken nach sich ziehen. Die politische Rahmung suggeriere jedoch, „als sei frühe Betreuung automatisch frühe Bildung“, während gleichzeitig ausgeblendet werde, „dass Kinder im U2-Alter besonders vulnerabel für Stress und Bindungsirritationen sind“.

Zur Begründung zieht sie bindungs- und stresspsychologische Forschung heran. Die Fachkraft-Kind-Beziehung sei „professionell, gruppenbezogen und nicht von Dauer“, während die elterliche Bindung ein „exklusives, körpernahes, lebenslanges Band“ darstelle. Unter Bedingungen großer Gruppen und hoher Belastung könne die pädagogische Beziehung diese Funktion nicht stabil ersetzen.

Als empirischen Beleg nennt Verbeek u. a. das Berliner Projekt „Stimulation oder Stress?“. Dort habe sich gezeigt: „36 Prozent der beobachteten Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr haben eine unsichere Bindung zur pädagogischen Fachkraft aufgebaut.“

Die Professorin verweist zudem auf die Meta-Analyse von Vermeer & van IJzendoorn (2006), wonach „Kinder erhöhte Cortisollevels im Tagesbetreuungssetting zeigen“. Ergänzend benennt sie Studien von Ahnert et al., die „Protestverhalten, Stressreaktionen und geringe Involviertheit“ während der Eingewöhnung dokumentieren. Verbeeks Schlussfolgerung: Man müsse „die Risiken extensiver U2-Betreuung gegenüber Eltern deutlicher kommunizieren“ und familienpolitisch stärker auf „längere, geschlechteregalitäre Elternzeiten“ setzen.

These 2: Das Selbstbildungsparadigma – ein Leitbild ohne solide Begründung

Im Zentrum steht die Kritik am derzeit dominanten Selbstbildungsparadigma. Gemeint ist die Idee, dass Kinder ihre Bildungsprozesse primär selbst steuern, während Erwachsene moderierend im Hintergrund bleiben. Verbeek erklärt: „Bildung kann nicht mit Selbstbildung gleichgesetzt werden.“ Vielmehr bestehe Bildung immer aus „Konstruktion, Ko-Konstruktion und Instruktion“. Zentral ist für sie der Begriff der Selbstregulation – die Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu steuern, Impulse zu kontrollieren, Frust auszuhalten und Aufgaben zu planen. Genau diese Kompetenzen würden vor allem durch strukturierte und angeleitete Lernprozesse gefördert.

Im O-Ton schreibt sie: „Es fehlt eine solide wissenschaftliche Begründung für die Reduktion auf Selbstbildung.“ Verbeek stellt dem Folgen für die Bildungsbenachteiligung entgegen: „Häuslich bedingte Bildungsunterschiede werden in offenen Lernumgebungen vergrößert statt verringert.“ Kinder mit geringer Selbstregulation oder ohne familiäre Förderung seien hier „strukturell benachteiligt“.

These 3: Partizipation – sinnvoll, aber oft missverstanden

Verbeek bekennt sich klar zur Beteiligung von Kindern. Ihre Kritik richtet sich nicht gegen das Prinzip, sondern gegen dessen Umsetzung. Es werde zunehmend gefordert, Kinder an Entscheidungen zu beteiligen, „ohne entwicklungspsychologische Grenzen zu beachten“. Sie warnt vor einem häufig zu beobachtenden „permissiven Erziehungsstil“. Gemeint ist eine nachgiebige Haltung, bei der Erwachsene Kindern zu viel Entscheidungsspielraum lassen, aber zu wenig Halt geben. Verbeek schreibt: „Haltgebende Autorität muss als bedeutsam für die kindliche Entwicklung gewürdigt werden.“

In einem längeren O-Ton formuliert sie: „Partizipation darf nicht bedeuten, dass Erwachsene ihre strukturgebende Rolle aufgeben. Kinder werden überfordert, wenn sie Entscheidungen treffen sollen, für die ihnen die kognitive Reife fehlt.“

These 4: Einseitige Stärkenorientierung – wenn Stärkenblätter Diagnostik ersetzen

Verbeek stellt ausdrücklich klar, dass Stärkenorientierung grundsätzlich ein wichtiges pädagogisches Prinzip ist. Sie schreibt: „Stärkenorientierung verdeutlicht einen wichtigen unterstützenden Umgang mit dem Kind.“ Gemeint ist damit: Kinder sollen erleben, was sie können – nicht nur, wo sie Förderbedarf haben.

Problematisch wird es aus ihrer Sicht aber dann, wenn Stärkenorientierung so interpretiert wird, als dürfe man über Entwicklungsrisiken nicht mehr sprechen. Genau diese Fehlinterpretation beobachtet sie in vielen pädagogischen Konzepten: „Die Kritik richtet sich gegen die irrtümlich mit der Stärkenorientierung verbundene Abwertung der frühzeitigen Ermittlung von Lern- und Entwicklungsbedarfen.“

Diese Verschiebung führt laut Verbeek zu einer konkreten diagnostischen Lücke. Anstelle verlässlicher, wissenschaftlich fundierter Verfahren werde in vielen Einrichtungen zunehmend auf narrative Beobachtungsformen gesetzt: „Statt eines Entwicklungsscreenings […] wird zunehmend die Bildungsdokumentation genutzt.“ Diese Form der Dokumentation hält zwar Lernfortschritte fest, ersetzt aber keine Diagnostik – weil sie keine Vergleichsnormen, keine Screening-Logik und keine Sensitivität für Risikofaktoren besitzt. Genau deshalb weist Verbeek warnend darauf hin: „Fehlen wissenschaftlich fundierte Entwicklungsscreenings, ist die Prävention von Verhaltensstörungen erschwert.“

Die Konsequenz: Entwicklungs- und Verhaltensprobleme werden häufig erst spät erkannt – oft erst im Schulalter. Was im Kita-Alter leicht zu fördern gewesen wäre, erscheint dann plötzlich als gravierendes Problem.

These 5: Psychiatrisierung – wenn pädagogische Probleme zu Störungen werden

Verbeeks fünfte These lautet, dass pädagogische Probleme in der Kita zunehmend psychiatrisiert und medikalisiert werden – also zu schnell als psychische Störungen gedeutet und an Psychologie oder Psychiatrie weitergereicht werden, obwohl sie häufig pädagogisch lösbar wären.

Zur Begründung führt sie mehrere empirische Befunde an. Zentral zitiert sie Mauz et al. (2020): „18 Prozent der Kita-Kinder zeigen ernsthafte emotionale Probleme, Probleme mit Gleichaltrigen, Verhaltensprobleme und Hyperaktivität“ – bei Kindern aus belasteten Familien seien es sogar 31 Prozent.

Der entscheidende Punkt für Verbeek: Viele dieser Auffälligkeiten sind keine klinischen Störungen, sondern entwicklungsbedingte oder umfeldbedingte Probleme, die sich pädagogisch auffangen ließen. Deshalb verweist sie auf „höchst effektive“ Programme der frühen Förderung, etwa im Bereich Selbstregulation, Sozialkompetenz und Verhaltenssteuerung. Ihre Kritik richtet sich gegen einen Mechanismus, der nach ihrer Beobachtung in der Praxis häufig vorkommt: „Erziehungsprobleme, die nicht mit erzieherischen Mitteln […] angegangen werden, werden häufig vorschnell als ‚Störungen‘ an Psychologie oder Psychiatrie delegiert.“

Als Beispiel nennt sie ADHS – eine Diagnose, die in der Literaturevidenz „als Beispiel für Überdiagnostik und medikamentöse Übertherapie“ geführt werde.

Fazit: Eine Einladung, Grundannahmen neu zu prüfen

Im Schlusskapitel betont Verbeek, ihr Beitrag sei bewusst „nicht ausgewogen“, sondern wolle die derzeit verdrängte psychologische Perspektive sichtbar machen. Bildung müsse „differenziert betrachtet werden“, da Kinder sehr unterschiedliche Voraussetzungen hätten. Ihre zentrale Forderung lautet: „Bildung umfasst Konstruktion, Ko-Konstruktion und Instruktion, die wieder in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden sollten.“

Damit ist gemeint: Kita-Pädagogik darf nicht fast ausschließlich auf Selbstbildung beruhen. Kinder lernen durch freies Spiel (Konstruktion) – aber ebenso durch gemeinsames Denken im Dialog mit Erwachsenen (Ko-Konstruktion) und durch gezielte, angeleitete Förderung (Instruktion). Diese Balance sei vielerorts verloren gegangen und müsse wiederhergestellt werden, damit Kinder – gerade belastete oder jüngere – tatsächlich alle notwendigen Entwicklungsschritte machen können. News4teachers 

Hier lässt sich Verbeeks vollständige Stellungnahme herunterladen. 

Kritik an Verbeek

Mehrere wissenschaftliche Fachverbände der frühen Kindheit hatten den ursprünglichen Aufruf „Kita-Kindeswohl-im-Blick“ von Professorin Veronika Verbeek scharf kritisiert. Die Stellungnahme nutze verkürzte, irreführende, wissenschaftlich unhaltbare und falsche Darstellungen, die Verunsicherung bei Fachkräften und Eltern schüren.

„In der Begleitung von Kitas erleben wir, wie pädagogische Teams auf wissenschaftlicher Basis qualitätsvolle Kita-Praxis gestalten und sich weiterentwickeln – unbelegte Pauschalkritik wie der Aufruf von Frau Verbeek verunsichert Eltern, entwertet die Arbeit der Fachkräfte und behindert eine konstruktive Weiterentwicklung der frühen Bildung“, sagte Anne-Katrin Pietra, 2. Vorsitzende des Bundesnetzwerks Fortbildung und Beratung in der Frühpädagogik e. V.. Durch pauschalisierende Kritik an Krippenbesuchen und der undifferenzierten Forderung nach „mehr Anleitung von Kindern“ in Kindertageseinrichtungen biete er rechten Strömungen eine Plattform für autoritäre Pädagogik. Die vollständige Kritik ist hier nachzulesen.

Verloren im Kita-Stress: Warum immer mehr Kinder schon überfordert in der Grundschule ankommen

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41 Kommentare
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GriasDi
1 Monat zuvor

Danke Frau Verbeek.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  GriasDi

Das wollte ich auch gerade schreiben

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  GriasDi

Ich schließe mich an. Gut das Frau Verbeek da so hartnäckig dran bleibt.

Canishine
1 Monat zuvor
Antwortet  GriasDi

@GriasDi: Lange Zeit war Ihr „Danke“ der einzige Beitrag, der zu lesen war, dabei mit stetig steigenden Daumenzahlen. Mehr Statement brauchte es eigentlich nicht.

Mara
1 Monat zuvor

Ich stimme allen Thesen voll zu. Gesellschaftlich müssen wir etwas verändern. So geht es jedenfalls nicht weiter! Viele Grüße aus der Grundschule.

GBS-Mensch
1 Monat zuvor

Ich denke, ich kann mich im Wesentlichen anschließen. Die Mehrheit der Kollegen und Kolleginnen aus dem Bildungs- und Betreuungssektor sprechen sich gegen eine extensive Fremdbetreuung aus. Extensiv heißt hier üner das Maß hinaus, was früher üblich war: vormittags ab drei Jahren. Sowohl im Kitabereich als auch in der Grundschule. Alles andere, alles darüber hinaus wird nach meiner Erfahrung, nach den Gesprächen, die ich geführt habe, als notwendiges Übel oder Schadensbegrenzung betrachtet.

Was die “Diagnostikwut” betrifft, gehe ich inhaltlich mit. In der Praxis ist es allerdings so, dass es ohne Diagnose keine Förderung und keine Entlastung gibt.
Insofern ist das ein systemimmanent es Problem. Für Fehlerziehung gibt es keine Mittel und Ressourcen, jedenfalls keine, die man erzwingen kann, durchsetzen kann.

Letztlich sind es alles Dinge, die auch ohne wissenschaftliche Basis, aus Erfahrung heraus, Nobrainer sind.

conni
1 Monat zuvor

Endlich mal ein Artikel, der zumindest wagt, am Prinzip “Lernen nach Lust und Laune” – oder hochtrabernder ausgedrückt: “Lernen nach Selbstorientierung und Selbstbestimmung” – zu rütteln und auf seine Risiken für Kinder und deren frühkindliche Bildung hinzuweisen!
Ausschließlich auf Selbstbildung zu setzen sei fasch, sagt Frau Verbeek, denn Kinder lernten auch durch Denken und Sprechen mit Erwachsenen sowie deren gezielte Anleitungen. Mit ihren Worten spricht mir Veronika Verbeek aus der Seele.

Andrea Zimmermann
1 Monat zuvor

…die Dame spricht mir aus dem Herzen. Seit 1 Jahr bin ich nach 45 Kita Jahren im Ruhestand. Das Schlimmste in den letzten Jahren war, mit Kindern die einen erhöhten Förderbrdarf hatten, nicht arbeiten zu dürfen. Fortbildungen diesbezüglich wurden von der Verbundleitung nicht anerkannt, da wir nach ihren Aussagen nicht mehr arbeiteten wie 1980. Diese Kinder hatten keine Chance eine normale Schullaufbahn
.zu durchlaufen. Fazit für die Gesellschaft: Im Erwachsenenalter sind sie auf staatliche Unterstützung angewiesen und tragen somit nicht zum Bruttosozialprodukt bei….Die Kinder tun mir leid.

blau
1 Monat zuvor

” „Bildung kann nicht mit Selbstbildung gleichgesetzt werden.“ Vielmehr bestehe Bildung immer aus „Konstruktion, Ko-Konstruktion und Instruktion“. Zentral ist für sie der Begriff der Selbstregulation – die Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu steuern, Impulse zu kontrollieren, Frust auszuhalten und Aufgaben zu planen. Genau diese Kompetenzen würden vor allem durch strukturierte und angeleitete Lernprozesse gefördert.„

Soooooo. Da haben wir es wieder. Meine Rede. Denn das gilt ganz ebenso für die Grundschule und die Sek1. Doug Lemov lässt grüßen. Ich unterrichte nicht nach dem Motto “Bildet euch selbst, hier Guck dir das Lernvideo alleine an oder hier ließ dir das alleine durch”. Ich bin der Vermittler zwischen Kind und Stoff, ich bin der Experte, ich sehe das große Ganze, ich muss den Lernprozess organisieren. Das ist kein Widerspruch zu Individualisierung. Bei mir kann man auf vielen Niveaus lernen und man bekommt Hilfe, wenn man sie benötigt – von mir oder Mitschülern. Aber alleine lernen, nein, das schaffen nur die wenigsten und der Rest fällt hinten runter.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

“Sehr frühe und sehr lange Krippenbetreuung kann Kinder messbar stressen – und dieser Stress kann entwicklungspsychologische Risiken nach sich ziehen.”
Daumendrück, dass die Politik sich dies zu Herzen nimmt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert – auf Arbeitskräfte ganz zu verzichten, kann sich Deutschland nicht mehr leisten.

“Haltgebende Autorität muss als bedeutsam für die kindliche Entwicklung gewürdigt werden.”
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Erzieher*innen da groß widersprechen würden. Klingt weniger nach Lernateliers und mehr nach Forumsbeiträgen, dass Kinder dafür stummen, nur noch Eis zu essen, was dann der Phantasie nach abgenickt würde ^^

“Problematisch wird es aus ihrer Sicht aber dann, wenn Stärkenorientierung so interpretiert wird, als dürfe man über Entwicklungsrisiken nicht mehr sprechen. ”
War bisher noch an keiner Kita, welche nicht die Entwicklung der Kinder im Blick hatte – war zugegebenermaßen aber auch im Rahmen des Sonderpädagogischen Dienstes.
Aber wenn Frau Verbeek sich dem Thema widmen will und wissenschaftlich erheben möchte, ob und wo diese Sorge zutrifft, können – meine ich – alle nur profitieren 🙂

“Deshalb verweist sie auf „höchst effektive“ Programme der frühen Förderung, etwa im Bereich Selbstregulation, Sozialkompetenz und Verhaltenssteuerung.”
Mehr Personal, um Förderung umzusetzen, statt am Ende Scherben aufzusammeln? Klingt töfte.

Insgesamt sehr lesenswert, ich drücke Frau Verbeek die Daumen, dass Sie mit Ihrem Beitrag Fördergelder gewinnen kann, um die beschriebenen Sorgen wissenschaftlich aufzuarbeiten und den Druck auf die Politik weiter zu erhöhen, sich den Kitas zu widmen, anstatt von sinkenden Zahlen zu träumen!

Anna Bunse
1 Monat zuvor

Also ich als Praktikerin (Kita, Familiengruppe) gehe absolut mit Verbeek. Ich würde jeden Punkt hier unterschreiben. Viele Kinder bekommen zu Hause keine ausreichende Zuwendung in Form von Gesprächen. Dinge werden erlaubt oder verboten, aber Begründungen Fehlanzeige! Dabei wären sie schon aus sprachlicher Sicht geboten. Ganze Sätze, Grammatik, Wortschatz. Bleiben den Kindern verwehrt. Auch die Perspektive des Gegenübers, wie er was wahrnimmt, empfindet wird vermittelt. Gerade Konfliktsituationen sind wunderbar für die Weiterentwicklung eines Kindes! Wir sollten die Kinder auf die echte Welt da draußen vorbereiten und nicht auf eine rosarote Ponywelt und das ist eine politisch linke und nicht rechte Einstellung!!!!!!!!!!! Begründung: Weil sie die Selbstständigkeit von Kindern fördert.

blau
1 Monat zuvor
Antwortet  Anna Bunse

Wieso sollte das politisch links sein?

Harald
1 Monat zuvor

Lieben Dank! Und: Ja, genau.
Ein Vater & Kinder-& Jugendlichentherapeut

Hellen
1 Monat zuvor

Dankeschön, das sage ich seit Jahren.
Jeder will sein Kind in die Krippe stecken.
Einige aus Gruppenzwang … weil es würde den Kind schafen wenn nicht …. blubbert blubb

Bin selbst Erzieherin.
Das schlimme ist das die jungen Erzieherinen die jetzt aus dem Studium kommen genau das machen.
Kinder dürfen ALLES mitbestimmen.

Dabei hat sich gezeigt das ein fester Rahmen Sicherheit und Stabilität bringt.

Natürlich darf ein Kind auch entscheiden aber der Rahmen und Regeln bieten den Grundstock.
Das schlimme ist das wir in der Kita schon gar nicht mehr Arbeiten können wie wir wollen sondern uns paradoxerweise die Eltern “Bestimmen” was wir machen sollen.
Aber bei den eigenen Kindern sind sie nicht konsequent.

Jede Erzieherin die ich kenne in meinem Alter, bin mitte 40 sagt das selbe.

Götz
1 Monat zuvor

Frau Prof. Verbeek hat Vernunft und Ergebnisse der Bindungsforschung auf ihrer Seite, allein, man wird sie nicht hören wollen, weil diese Einsichten marktwirtschaftlichen Interessen entgegenstehen.

Petra Burkhardt
1 Monat zuvor

Die Ansichten von PR. Verbeek teile ich voll und ganz. Ich bin selbst Pädagogin und beobachte genau dasselbe. Die Folgen für die weitere Laufbahn der Kinder sind gravierend, was wohl jeder Grundschulpädagoge bestens kennt.

M. Offel
1 Monat zuvor

Warum wird von Frau Pietra und wohl anderen auf hinweisende Kritik gleich wieder extrem draufgehauen? Ich habe den Beitrag wohlwollend empfunden und habe die Punkte ebenfalls v.a. bei Eltern zunehmend wahrgenommen. Wie oft werden Kinder, ja auch schon u2, mit zweit-Handys und Videos “bespielt” und selbst das erst-handy benutzt? Und das ist nur 1 Beispiel. Es ist gut, wenn warnend auf mögliche Folgen hingewiesen wird. Und auch Kita Mitarbeiterinnen dürfen daran und an die weiteren Punkte ausdrücklich erinnert werden. Es könnte einer Kurz-Weiterbildung gleichkommen. Was ist daran schädlich?
Was ich gelesen hatte sind mM.weder undifferenzierte Forderungen noch pauschalisierende Kritik. Das hat evtl nur Frau Pietra so empfunden. (getroffene Hunde bellen?) Es sind für mich allgemein wichtige Hinweise, die gesagt werden sollten. Danke Frau Verbeek!!

Kerstin Weise
1 Monat zuvor

Ich stimme Frau Verbeek zu. Danke für diese Ausführungen. Leider leben wir in einer Gesellschaft in der der Wert und die Bedeutung der Familie für die Kinder immer weiter in den Hintergrund treten. Familie legt den Grundstein für eine gute emotionale und soziale Entwicklung der Kinder. Aber heutzutage ist es wichtig, das die Eltern der Wirtschaft zu Verfügung stehen, nach Möglichkeit Vollzeit arbeiten. Die Kinder gehen meistens mit einem Jahr in die Kita und niemand sieht die Risiken, die dahinter stecken. Mich wundert es nicht, das immer mehr Kinder Probleme in vielen Entwicklungsbereichen zeigen.

Pädagogische Fachkraft
1 Monat zuvor
Antwortet  Kerstin Weise

Wie war das noch mit der “Lufthoheit über den Kinderbetten”?(https://www.deutschlandfunk.de/scholz-100.html)
Das, was gerade kleine Kinder unter 2 Jahren brauchen, ist Nähe, Bindung, Liebe, um ein Urvertrauen herzustellen und die beste Grundlage für das spätere Selbstvertrauen der Kinder zu legen. Das kann selbst die beste “Gruppenhaltung” nicht leisten, dazu gehören Bezugspersonen, die das Kind lieben. Ob das Eltern sind oder Großeltern oder evtl. eine sonstige FESTE und dauerhaft verfügbare erwachsene Person, die sich speziell auf dieses Kind einstellt, das ist am Ende nicht wirklich wesentlich. Eltern sind natürlicherweise zunächst die Verantwortlichen, zuständig für ihre eigenen Kinder, das sind sie ihnen schuldig. Und eine Politik, die Mütter oder Väter dazu bewegen will, ihr Kind möglichst früh in Fremdbetreuung zu geben, hat nichts Gutes für die Kinder im Sinn…

Riesenzwerg
1 Monat zuvor

Wissen wir das nicht alle längst?

Hoffentlich findet Frau Verbeek Gehör an den richtigen Stellen.

Ansonsten vermurksen wir weiterhin unmunter die Kinder….

GriasDi
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Ja, aber uns LehrerInnen glaubt man nicht. Wir sind ja nur doof und faul.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  GriasDi

Nicht zu vergessen – wir jammern ohne Grund auf hohem Niveau….

Nadine
1 Monat zuvor

Das ist genau das was ich täglich beobachte in meiner Arbeit als Erzieherin in einer Kindertagesstätte mit 160 Kindern. Bitte, gehen Sie damit zu Markus Lanz, und erzählen Sie es der Welt in Deutschland und vor allem der neuen Bildungsministerin.

Mekieh
1 Monat zuvor

Endlich mal jemand der das anspricht was ich in meinem Beruf seit Jahren erlebe, jedoch auf Grund der gesetzlichen Grundlagen unseres ” Bildungsprogrammes” nicht aussprechen darf!!!

blau
1 Monat zuvor
Antwortet  Mekieh

In Schule genauso

Michael Felten
1 Monat zuvor

Das Problem ist seit langem bekannt – ich selbst verfolge die ‘Debatte’ seit 2008.

Als ich damals ein Feature zum Thema für den SWR produzierte, dachte die Redakteurin zunächst, ich würde faken …

Hier habe ich einiges gesammelt: https://www.eltern-lehrer-fragen.de/Themenfeld-ELTERN/Fruehe-Kita/

Großer Dank an die Hartnäckigkeit und Fundiertheit von Frau Prof. Verbeek.

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Michael Felten

Da schließe ich mich an. Habe die Debatte sogar noch länger verfolgt.
Und Frau Dr. Verbeek darf gerne die erste These noch vehementer vertreten. Wenn Kinder u2 zu früh, zu lange und mit wechselnden Bezugspersonen (lässt sich letzteres überhaupt zuverlässig vermeiden?) fremd betreut werden, wirkt sich das sehr auf die Affektregulierung aus. Die Kinder sind heftigen Affekten ausgeliefert, die vom Umfeld oft gar nicht richtig erkannt oder interpretiert werden. Das lässt sich später kaum therapieren.

Frau Schmidt
1 Monat zuvor

Ich bin dankbar für diesen Artikel. Als Fachkraft in der Erzieherausbildung sehe ich täglich, was ich lehren soll und wie sich diese Pädagogik in der Praxis auswirkt. Junge Menschen in der Ausbildung, nicht wenige mit selbst schwierigem Hintergrund, schnell überfordert, unmotiviert und schwer lernend, lernen eine Haltung und eine pädagogische Arbeitsweise, die weder sie weiterbringt, da sie kaum noch Angebote sehen, noch wertvoll für die Arbeit am Kind ist.

Wir lehren und erleben nicht nur eine Pädagogik, die aus Kindern retardierte Grundschüler macht, sondern wir bilden durchaus auch die falschen aus. Kaum Abiturienten sind auffindbar, bei denen die Lesekompetenz und Auffassungsgabe höher ist als das stets gefühlte Überforderungsniveau meiner Schüler. Und nein, das Gehalt allein erklärt dies nicht. Und ich unterrichte auch Abiturienten, weshalb der Vergleich standhält.

Ich sehe durchaus Verwahrung und sich Zurückziehen bei echter Arbeit in Kitas, was wunderbar als Modelllernen für junge Schüler funktioniert. „Wenn schon die „richtigen“ Fachkräfte nicht arbeiten, warum soll ich das tun?“
Engagierte Praxisanleiter berichten unter der Hand, dass Erzieher keinen Stress haben, sonst würde mehr gehen. Wie fühlen die sich? Als Nestbeschmutzer?
Trotz dieser Haltung, ist und war die Arbeit am Kind schon immer Sache der Fachkraft. Es darf also auch gearbeitet werden.Förderung steht in jedem Landesbildungsplan für Kitas. Und nein, der Fachkräftemangel macht dies nicht völlig unmöglich.

Inna Müller
1 Monat zuvor

Die Autorin hat alles richtig erkannt.
Die Früchte der Pädagogik ” lass Kinder alles entscheiden und lass mich in Ruhe” hat die Folgen, die wir aktuell überall in Deutschland beobachten.
Absolut wilde und unerziehbare Kinder mit Lern- und Manierendefiziten. Kinder lernen viel zu wenig, sind auffällig und dann werden gerne klinischen Diagnosen verteilt.

A.J. Wiedenhammer
1 Monat zuvor

Ich habe jetzt alle bisherigen Kommentare durchgelesen.
Soweit ich das überblicken kann, liegt die Zustimmung zu allen im Beitrag erwähnten Aussagen von Prof. Verbeek bei nahezu 100%. Das habe ich so noch bei keinem Artikel hier erlebt!
(Ich stimme übrigens ebenfalls voll und ganz Prof. Vorbeek zu.)

Jetzt könnte man vermuten, dass diese Aussagen eben allgemein als gültig angesehene Aussagen wären, ja, fast schon Gemeinplätze.
Doch die im unteren Kasten ausgeführten Bedenken “wissenschaftlicher Fachverbände der frühen Kindheit” zu – zugegeben früheren – Meldungen von Prof. Verbeek zeigen, dass dem nicht so ist.

Was in meinen Augen sehr bedenklich ist.
Es zeigt die von vielen hier oft monierte Diskrepanz in der Beurteilung der Materie zwischen (mehr oder minder wissenschaftlich arbeitenden) Bildungsexperten und dem Fussvolk in der Praxis. Egal, ob das nun Lehrer, Erzieher oder Eltern sind.

A.J. Wiedenhammer
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Dass Frau Prof. Verbeek selbst Bildungsexpertin ist , habe ich durchaus im Hinterkopf. (Und im Gegensatz zu so manch anderem gestehe ich ihr das Expertentum auch vollumfänglich zu.) Ich bin keinesfalls so tump zu meinen, dass irgendeine Gruppierung in ihren Meinungen absolut homogen ist, und das betrifft selbstverständlich die sogenannten Experten wie auch pädagogisches Personal oder Eltern. Eventuell fehlende Differenzierung ist meist ein Zugeständnis an das Bemühen, einen Text lesbar und in halbwegs überschaubarer Länge zu verfassen.

Kaum etwas liegt mir ferner als Wissenschaftsfeindlichkeit! Allerdings hält das, was manchmal als “wissenschaftlich” deklariert wird, nicht immer der Prüfung auf eben diese Wissenschaftlichkeit stand. Es kann manchmal sehr interessant werden, wenn man tiefer gräbt und z.B. Probandenzahl oder Versuchsanordnung genauer betrachtet. (Oder – noch problematischer – diese Informationen partout nicht finden kann.) Skepsis ist nicht notwendigerweise ein Zeichen von wissenschaftsfeindlichkeit, sondern geradezu Voraussetzung für wissenschaftliches Denken.

A.J. Wiedenhammer
1 Monat zuvor

Nachtrag:

“Durch pauschalisierende Kritik an Krippenbesuchen und der undifferenzierten Forderung nach „mehr Anleitung von Kindern“ in Kindertageseinrichtungen biete er rechten Strömungen eine Plattform für autoritäre Pädagogik. ”

Manche Menschen schaffen es tatsächlich, quasi aus jeder Position heraus die besagte Keule Leuten, die nicht komplett ihrer Meinung sind, zwischen die Beine zu werfen.
Das ist KEINE Argumentation auf Sachebene, das ist pauschale Verunglimpfung aufgrund fragwürdiger Zuschreibungen.

(Habe mich sehr geärgert. Aber ich will den Kritikern Recht geschehen lassen und werde nun die vollständige Kritik durchlesen …)

Bettina
1 Monat zuvor

Über die Keule “rechts” für alles, was manchen Menschen an Aussagen nicht passt, ärgere ich mich auch immer wieder.

Patty Grünschn WG
1 Monat zuvor

Typisch Pädagogik. Man fällt von einem Extrem ins andere Extrem. Wir brauchen keine neue rückwärtsgewandte Strömung. Auch wenn ich hier die einzige bin und hier alle Frau Verbeek zustimmen. Ich erlebe die Kitas seit 1984. Immer wurden neue Wege in der Pädagogik gegangen. Immer waren die Fachkräfte motiviert dabei, haben sich weitergebildet und stetig neues Wissen angeeignet.
Ich mag diesen Wegabschnitt, in dem wir jetzt gelandet sind sehr. Selbstbildung geschieht ja immer immer, bei Klein und Groß. Wenn wir pädagogischen Fachkräfte, die Selbstbildungsprozesse gut beobachten und begleiten und weiter befeuern durch gezielte Aktivitäten, dann ist das win win für alle Beteiligten. So macht Bildung Spaß. Ich gehe daher eher mit der Kritik an den neuen Erkenntnissen überein. Mögen wahre Aspekte dabei sein, aber die kann man ja in die Arbeit miteinbeziehen. Deswegen brauchen wir nicht wieder total umschwenken und Rückschritte machen.
Außerdem sind Kitas wunderbare Orte für Kinder, wenn sie gute Arbeit machen. Auch für Krippenkinder.
Der Zeitgeist stellt die Kitas gerade so als schädliche Orte des Schreckens dar. Lasst uns darum lieber um die Qualitätssicherung kümmern als Verunsicherung verbreiten.

Freiya
1 Monat zuvor

Das Problem ist nur: Was kommt raus bei dieser ach so wunderbaren Massenkindhaltung? Aus den überforderten Kleinkindern werden rabiate Schulkinder und “sich nicht so gut fühlende” oder schlichtweg sich verweigernde Teenager! Es klappt doch nicht! So desolat wie die jetzige Sekundarstufengeneration habe ich noch keine Generation erlebt! Wir versündigen uns! In vielerlei Hinsicht!

Kirsty
1 Monat zuvor

Ich kann die beschriebenen Punkte der aktuellen Gesamtpädagogik nur bestätigen und befürworte die Veröffentlichung dieser Zustände sehr.
Leider geht es noch weit darüber hinaus.
Egal ob Krabbelstube, Kita, Hort oder Schule. Es betrifft alle gleichermaßen.

Es existieren nur noch wenige Einrichtungen, die sich mit gesunden, ethisch/moralischen Werten, kleinen und großen Menschen gegenüber, vereinbaren lassen.
Angefangen beim Qualitätsmanagement von Träger und Leitung, mit deren Engagement alles steht oder fällt, bis hin zur mangelnden Ästhetik vieler Objekte bzw. wenig inspirierende Räumlichkeiten, ungelöster, interner Konflikte innerhalb der Teams (welche sich widerum auf die Kinder auswirken), Frust und konstanter Personal,- und Fachkräftemangel (häufig kompensiert mit Quereinsteiger Personal, das keine Ahnung hat oder selbst sozio-emotional verarmt ist), eine hohe Überforderung gegenüber Kindern und Eltern, die herausfordernde Verhaltensmechanismen haben, Ernährungsweise etc.

Die Liste ist unendlich……
Das politische Verbrechen ist unendlich……

Die größte Prüfung der gesamten Menschheit steht allerdings bevor….
Danach wird NICHTS mehr so sein, wie es mal war….

Das Militär hat ALLES!

Danke für ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit!

Gute Reise…………..!

Heike Thiele
1 Monat zuvor

Endlich! Ich habe mich schon sehr lange gefragt, wieso an diesem Wahnsinn festgehalten wird! Obwohl seit langem und in der Kita täglich die Folgen klar zu erkennen sind!

Gabriele
1 Monat zuvor

Ein fantastisch treffender Artikel. Als langjährige Teilhabeassistenz in Schulen habe ich genau diese Kinder zu betreuen, meist mit ADHS oder sozial- emotionaler Störung.
Hoffentlich lesen diesem Artikel die “richtigen” Leute, damit sich etwas ändert

Freiya
1 Monat zuvor
Antwortet  Gabriele

Werden sie nicht! Leider.
Und auch die Eltern derjenigen Kinder, die es noch schaffen, mit Mühe den Kopf oben zu halten werden nicht auf die Barrikaden gehen! Schule ist eine Mühle geworden, in der die lauten, groben Brocken alles Feine, Zarte, Hoffnungsvolle zermalmen! Mit voller Billigung der “Experten”!

Pippi langstrumpf
29 Tage zuvor

Danke. Danke.Bitte-Ich finde, dass auch Erziehende ein Recht auf körperliche Unversehrtheit haben.Bitte wir sind alle Menschen.