WÜRZBURG. Der Einstieg in eine duale Berufsausbildung entscheidet oft darüber, ob Auszubildende im System ankommen oder frühzeitig scheitern. Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel, steigender Heterogenität unter den Auszubildenden und zunehmender Belastungen an den Lernorten rückt das Thema Onboarding stärker in den Fokus der Wissenschaft. An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg arbeiten Forschende deshalb im Projekt „DualON – Duales Onboarding in der Berufsausbildung“ an neuen Konzepten für einen strukturierten, systematischen Ausbildungsstart. Erste Ergebnisse liegen nun vor – und sie zeigen bereits, wo die zentralen Probleme liegen.

Ziel des Projekts DualON ist die Entwicklung eines webbasierten, modular aufgebauten Trainings, das sich an Ausbildende in Betrieben und an Lehrkräfte an Berufsschulen richtet. Mit praxisnahen Lernmodulen soll ein handlungsorientiertes Onboarding ermöglicht werden, das Auszubildenden am Übergang von Schule in Beruf Orientierung gibt, Motivation stärkt und Integration erleichtert. Dabei geht es ausdrücklich nicht um punktuelle Maßnahmen, sondern um klar strukturierte Prozesse, die an beiden Lernorten greifen und aufeinander abgestimmt sind.
Die bisherigen Arbeitsergebnisse zeigen, dass genau diese Abstimmung bislang häufig fehlt. Effektives Onboarding gelingt nach Einschätzung des Projektteams nur dort, wo strukturelle Unterstützung vorhanden ist, Prozesse klar definiert sind und Berufsschulen und Betriebe eng zusammenarbeiten. In der Praxis jedoch stoßen Onboarding-Konzepte auf vielfältige Hürden. Professor Roland Stein beschreibt zentrale Problemlagen so: „Herausforderungen sind kommunikative Brüche, zeitliche Ressourcenengpässe und die Heterogenität der Zielgruppen. Das erfordert gezielte Strategien, und genau hier setzt DualON an.“
Ein zentrales Problem sehen die Forschenden in Haltungen und Einstellungen, die systematisches Onboarding ausbremsen. In vielen Betrieben und Schulen wird nicht ausreichend reflektiert, welchen Stellenwert ein strukturierter Ausbildungsstart tatsächlich hat. Zwar wird Onboarding häufig auf Leitungsebene thematisiert, doch erreicht es den Alltag der Ausbildenden und Lehrkräfte nicht immer. Informationen werden nur teilweise weitergegeben, Maßnahmen versanden – mit der Folge von Kommunikationsbrüchen und unklaren Zuständigkeiten.
Hinzu kommen strukturelle Unterschiede zwischen den Lernorten. Berufsschule und Betrieb stellen unterschiedliche Anforderungen an Auszubildende, was lernortsspezifische Anpassungen notwendig macht. Gleichzeitig ist die Kooperation zwischen den beiden Lernorten vielerorts ausbaufähig. Die Zusammenarbeit erfolgt häufig punktuell und wenig systematisch, obwohl gerade in der Startphase der Ausbildung eine enge Abstimmung entscheidend wäre. Verschärft wird dies durch die zunehmende Heterogenität der Auszubildenden. Unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen, soziale Lagen und berufliche Kontexte erschweren es, einheitliche Onboarding-Formate zu etablieren, die allen gerecht werden.
„Onboarding gelingt nur, wenn die Leitungspersonen es ausdrücklich wünschen und unterstützen“
Aus den bisherigen Analysen leitet das Projektteam klare Gelingensbedingungen ab. Persönlicher Austausch in Präsenz erweist sich als zentrale Voraussetzung für Vertrauen und funktionierende Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen und Betrieben. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen, dass offene oder rein kreative Ansätze ohne klare Struktur in der Praxis wenig Wirkung entfalten. Erfolgreiches Onboarding braucht eine klare Rahmung, feste Zuständigkeiten und nachvollziehbare Abläufe. Entscheidend ist zudem die Verankerung auf Leitungsebene. „Onboarding gelingt nur, wenn die Leitungspersonen es ausdrücklich wünschen und unterstützen. Ziel ist es, Mitarbeitende zu begeistern, strukturelle Hürden abzubauen und mit realistischen Zielen zu arbeiten“, so heißt es. Eine weitere zentrale Rolle spielt die integrierte Evaluation. Reflexionen müssen begleitend erfolgen, da nachgelagerte Evaluationsphasen im Alltag häufig scheitern und wertvolle Rückmeldungen verloren gehen.
Derzeit werden die entwickelten Module gemeinsam mit ausgewählten Betrieben und Schulen erprobt und evaluiert. Die Ergebnisse sollen in der Handreichung „HOP – Handlungsorientierte Onboarding-Praxis“ gebündelt werden. Eine Veröffentlichung auf der Projektwebseite ist für das Frühjahr 2026 geplant.
Parallel dazu hat das Projektteam einen zweiten wichtigen Meilenstein erreicht. In den vergangenen Monaten wurden 168 Auszubildende, 75 Ausbildende und 78 Lehrkräfte an Berufsschulen zu ihren Erfahrungen mit Onboarding-Prozessen befragt, jeweils getrennt nach den Lernorten Betrieb und Schule. Die Auswertung läuft derzeit, die Ergebnisse sollen ebenfalls im Frühjahr 2026 veröffentlicht werden. Ziel ist es, ein möglichst differenziertes Bild aus verschiedenen Perspektiven zu gewinnen und die Module weiter an den tatsächlichen Bedarfen der Praxis auszurichten.
Hintergrund des Projekts: „Angesichts des aktuellen Fachkräftemangels stellt das Duale System der Berufsausbildung mit Betrieben und Berufsschulen ein zunehmend bedeutendes Feld dar.“ Gleichzeitig habe sich die Zusammensetzung der Auszubildenden in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Die zunehmende Diversität bringt individuelle Problemkonstellationen mit sich, etwa erhöhtes Belastungserleben, berufliche Desintegration, mangelnden Ausbildungserfolg oder Ausbildungsabbrüche. Daraus ergeben sich erweiterte Anforderungen an beide Lernorte, insbesondere aber an die Berufsschulen. Aufgabe aller Bildungsverantwortlichen sei es, Ausbildungsstarterinnen und -starter in das Lernsetting mitzunehmen, ihre Ausgangslagen zu berücksichtigen und sie bei Bedarf mit zusätzlichen Unterstützungsangeboten zum Berufserfolg zu führen.
DualON setzt hier an. Ein aus der Personalentwicklung bekanntes Instrument wird pädagogisch adaptiert, systematisch als Baukastensystem weiterentwickelt und parallel an Betrieb und Berufsschule eingesetzt. Exemplarisch wird die Region Mainfranken in den Blick genommen, mit dem Ziel, über konkrete Erprobungen vor Ort ein bundesweit nutzbares Angebot für verbessertes Onboarding und eine nachhaltige Willkommenskultur in der beruflichen Bildung zu schaffen.
Das Projekt läuft seit Anfang 2025 und wird vom Lehrstuhl für Pädagogik bei Verhaltensstörungen der Universität Würzburg geleitet. Verantwortlich sind Lehrstuhlleiter Professor Roland Stein und Dr. Philipp Abelein, unterstützt von den wissenschaftlichen Mitarbeitern Arthur Rein und Martin Sedlmeier.
Das Projekt ist eng mit der Praxis verzahnt: Beteiligt sind unter anderem die Handwerkskammer für Unterfranken, die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt, mehrere Berufsschulen in Mainfranken sowie die Agentur für Arbeit Würzburg. Unterstützung kommt zudem vom Bayerischen Kultusministerium. Finanziert wird DualON durch das Bundesbildungsministerium.
Hier geht es zur Website des Projekts.
Hier geht es zu allen Beiträgen des Themenmonats “Berufsorientierung & Berufliche Bildung”.
Warum es an der Zeit ist, die Vorurteile über Berufsausbildung endlich zu überwinden – ein Kommentar









Was meint der denn mit “Onoboarding”. Wollen die Azubis fliegen? Meint das die Anmeldung? Den Übergang? Die Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Schulen? Dieses Denglisch Gequatsche ist ja furchtbar.
Das “Anbordnehmen” entspricht aber dem geläufigen Wording von HR-Abteilungen.
Entweder gehste mit der Zeit oder du gehst mit der Zeit:)
Tempores mutantur – folglich kannst du nicht zweimal in den gleichen Fluss springen.
Zum Glück ist mein Job sicher bis zur Rente … ähm zur Pension.
Nur die Rende is sicher – Sie erinnern sich an den kleinen Volkstribunen der CDU unter Birnes Ägide.