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Wenn immer mehr Schüler in psychische Krisen stürzen – und Lehrkräfte hilflos zusehen müssen

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DRESDEN. Immer häufiger geraten Schulen an ihre Grenzen. Schülerinnen und Schüler fehlen monatelang, brechen im Unterricht zusammen oder ziehen sich vollständig zurück. Lehrkräfte schlagen Alarm, Schulleitungen suchen Hilfe – und stoßen doch oft auf ein System, in dem Zuständigkeiten unklar sind und Hilfen nicht ineinandergreifen. Die psychische Krise junger Menschen ist längst im Schulalltag angekommen. In Sachsen startet nun ein Projekt, das Orientierung geben soll. Es zeigt, wie groß der Handlungsdruck ist – und wie sehr es bislang an einer übergreifenden Strategie fehlt.

Hilflos. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Wenn Prof. Dr. med. Veit Roessner von „fehlenden abgestimmten Abläufen“ spricht, geht es nicht um abstrakte Zuständigkeiten. Es geht um Kinder, die nicht mehr in die Schule kommen. Um Lehrkräfte, die Alarm schlagen, ohne zu wissen, wen sie zuerst anrufen sollen. Und um Eltern, die sich zwischen Schulpflicht, Jugendamt und medizinischem System verlieren. Der Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Dresden beschreibt einen Zustand, der sich im Alltag vieler Schulen längst normalisiert hat. Psychische Auffälligkeiten nehmen zu, gleichzeitig fehlt es an klaren Verfahren, wer wann handelt und welche Hilfe greift.

In Sachsen soll nun ein Projekt Abhilfe schaffen. Kultusministerium, Universitätsklinikum Dresden und das Landeskrankenhaus Arnsdorf haben sich zusammengetan, finanziell unterstützt von der Otto-Beisheim-Stiftung. Herzstück ist ein sogenannter „Verfahrensnavigator“, eine digitale Orientierungshilfe, die Schulleitungen und Lehrkräften Schritt für Schritt zeigen soll, wie bei psychischen Belastungen von Schülerinnen und Schülern vorzugehen ist. Ergänzt wird das Angebot durch Fortbildungen und sogenannte Transferwerkstätten, in denen konkrete Fälle gemeinsam mit Fachleuten bearbeitet werden.

„Psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen stellen Schulen zunehmend vor komplexe Aufgaben“

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) unterstreicht die Bedeutung des Modells. „Psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen stellen Schulen zunehmend vor komplexe Aufgaben. Entscheidend ist, dass Schulleitungen wissen, welche Schritte wann notwendig sind“, sagt er. Die Verbindung von schulischer Praxis und medizinischem Fachwissen solle Handlungssicherheit schaffen – und damit entlasten.

Dass ein solches Projekt überhaupt notwendig ist, verweist auf eine Entwicklung, die weit über Sachsen hinausreicht. Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Das zeigen inzwischen nicht mehr nur Befragungen, sondern auch harte Versorgungsdaten.

Nach Recherchen von Correctiv, die sich auf Zahlen der Deutschen Krankenhausgesellschaft stützen, mussten im vergangenen Jahr bundesweit 44.381 Minderjährige wegen der fünf häufigsten psychischen Diagnosen stationär behandelt werden. Vier Jahre zuvor waren es noch 34.499. Psychische Erkrankungen sind damit zur häufigsten Ursache für Krankenhausaufenthalte bei 10- bis 19-Jährigen geworden.

Besonders dramatisch ist die Situation in der Versorgung. Minderjährige warten inzwischen vier bis sechs Monate auf einen Platz in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik. „Diese lange Wartezeit ist natürlich gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie hochproblematisch“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, gegenüber Correctiv. Für viele Betroffene bedeutet das Monate ohne angemessene Behandlung – in einer Lebensphase, in der sich Probleme oft zuspitzen.

Die stationären Zahlen sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Krankenkassendaten zeigen, dass auch ambulant immer mehr Kinder und Jugendliche mit Angststörungen, Essstörungen oder Depressionen diagnostiziert werden. Besonders betroffen sind Mädchen. Bei den 15- bis 17-Jährigen leiden laut DAK inzwischen 66 von 1.000 Mädchen an einer Angststörung, ein Anstieg um mehr als die Hälfte innerhalb von fünf Jahren. Auch Depressionen nehmen deutlich zu. Im Jahr 2024 waren bei der DAK 73 von 1.000 Mädchen dieser Altersgruppe betroffen.

Schon früh hatte sich diese Entwicklung in Studien angedeutet. Die Copsy-Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, die regelmäßig Selbstauskünfte von Kindern und Jugendlichen erhebt, kommt seit Jahren zu dem Befund, dass fast jeder vierte Heranwachsende als psychisch auffällig gilt. Pandemie, Kriege, Klimakrise, gesellschaftlicher Druck und Zukunftsängste werden immer wieder als Belastungsfaktoren genannt. Der Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK hatte diese Gemengelage zuletzt noch einmal bestätigt (News4teachers berichtete).

Was all diese Befunde eint, ist ein Missverhältnis zwischen Problemlage und politischer Reaktion. Zwar gibt es Einzelprogramme, Modellversuche und befristete Förderlinien. Doch eine übergreifende Strategie, die Schule, Jugendhilfe und Gesundheitssystem systematisch verzahnt, ist nicht erkennbar. Genau darauf zielt die Kritik von Mediziner Roessner.

Er beschreibt ein strukturelles Defizit. Bundesweit fehle bislang eine einheitliche Linie im Umgang mit psychisch auffälligen Kindern und Jugendlichen. Es gebe keine klar definierten Verfahren, die festlegten, wer wann eingebunden werden müsse und auf welcher fachlichen Grundlage Entscheidungen zu treffen seien.

Ausgangspunkt müsse aus seiner Sicht eine verlässliche Diagnostik sein. „Wir brauchen zunächst eine saubere Diagnostik“, sagt Roessner. Diese könne weder von Hausärzten noch von Schulsozialarbeitern geleistet werden, sondern nur durch Kinder- und Jugendpsychiater. Erst auf dieser Basis lasse sich sinnvoll entscheiden, welche Hilfen notwendig seien, welche Stellen Verantwortung übernehmen und wie Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden müssten. Aber daran mangelt es eben.

Die Folgen fehlender Abstimmung zeigen sich exemplarisch beim Schulabsentismus. Bleibt ein Kind dem Unterricht fern, werde häufig pädagogisch oder ordnungsrechtlich reagiert, ohne dass eine kinder- und jugendpsychiatrische Einschätzung erfolge, schildert Roessner. Oft werde zunächst darüber beraten, ob ein Bußgeld gegen die Eltern verhängt oder welche schulische Maßnahme ergriffen werden solle. Eine mögliche psychische Erkrankung – etwa eine Angst- oder Zwangsstörung – bleibe dabei unentdeckt. Hilfen liefen nebeneinander her, griffen nicht oder kämen zu spät.

„Ich habe danach in der Schule so viel Hilflosigkeit erlebt. Keiner wusste damit umzugehen, nichts wurde besprochen“

Auch Schülerinnen und Schüler selbst berichten von dieser Hilflosigkeit. Marie Hacker, 16 Jahre alt, Gymnasiastin aus Köln und Vorstandsmitglied der Bezirksschülervertretung, beschreibt gegenüber Correctiv Situationen, in denen Lehrkräfte und Mitschülerinnen überfordert zurückbleiben. „Ich habe danach in der Schule so viel Hilflosigkeit erlebt. Keiner wusste damit umzugehen, nichts wurde besprochen“, sagt sie mit Blick auf den Suizidversuch einer Mitschülerin. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen hat sie deshalb ein eigenes Präventionsprojekt aufgebaut: Mental-Health-Workshops für Kölner Schulen, finanziert mit 50.000 Euro jährlich aus dem städtischen Haushalt, politisch erstritten und ehrenamtlich organisiert. „Weil es eben keiner macht, wenn wir es nicht selbst machen.“

Correctiv zieht aus seinen Recherchen eine ernüchternde Bilanz. Während Diagnosen und Klinikaufenthalte deutlich steigen, stellt die Bundesregierung ausgerechnet das präventive Programm „Mental Health Coaches an Schulen“ ein. Der Titel des Berichts ist entsprechend drastisch gewählt: „Wir verlieren einen Teil der jungen Generation“. Er beschreibt eine Entwicklung, die längst nicht mehr nur individuelle Schicksale betrifft, sondern strukturelle Folgen hat – für Bildungschancen, gesellschaftliche Teilhabe und langfristig auch für den Arbeitsmarkt.

Vor diesem Hintergrund wirkt das sächsische Projekt zugleich ambitioniert und begrenzt. Es ist ein Versuch, Ordnung in ein System zu bringen, das vielerorts unübersichtlich geworden ist. Es setzt auf klare Abläufe, frühe Diagnostik und die Zusammenarbeit von Schule und Medizin. Doch es bleibt ein Projekt. Regional begrenzt, zeitlich befristet, abhängig von Stiftungsmitteln. Eine Antwort auf die Frage, wie Bund und Länder gemeinsam der wachsenden psychischen Belastung junger Menschen begegnen wollen, gibt es damit nicht. News4teachers / mit Material der dpa 

COPSY-Studie: Krisen setzen Schülern massiv zu – die Folgen: Leistungsabfälle und mehr Konflikte in der Schule

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Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Das sind die viel zu langen Schultage. Nach 13 Uhr sind die Schüler einfach erschöpft. Und nach Unterrichtsende müssen sie noch Hausaufgaben erledigen oder Referate anfertigen. Und Berichte darüber, dass die KI bis zu 90 Prozent der Arbeitsplätze vernichten soll, sind eher demotivierend.

Lothar Möllmann
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Glauben Sie eigentlich, was Sie hier (regelmäßig) von sich geben?

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor
Antwortet  Lothar Möllmann

Ja klar, ging mir und meinen Klassenkameraden ja auch nicht anders. Die Dokus von der Umstellung auf G8 habe ich auch nicht vergessen.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Trotz g8 wurden die Abiturschnitte tendenziell besser bei stets wachsender Abiturquote. Insofern kann ich Ihre Aussage nicht nachvollziehen.

Walter Hasenbrot
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Es geht doch gar nicht um Noten, sondern um die psychische Gesundheit.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Lothar Möllmann

Sie können kein Lehrer an einer Ganztagsschule sein. Nach der Mittagspause sind die Kinder durch. Das mit den gemeint viel zu vielen Hausaufgaben und andauernd vorzubereitenden Referaten bezweifle ich, 90% Arbeitsplatzabbau wegen ki erwarte ich nur für einige Branchen.

laromir
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Sorry, das haben wir damals auch machen müssen und waren mental nicht am Ende. Und Samstags gab es noch Unterricht und nachmittags ebenfalls. Daran kann es nun nicht liegen.

blau
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Bitte wo gibt es Ganztagsschulen mit Hausaufgaben an Langtagen?

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

In nrw. Sind auch zulässig, wenn nicht für den Folgetag.

blau
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Offizielle schulrechtliche Regelung in NRW
Nach den aktuellen Erlassen des Ministeriums für Schule und Bildung NRW tritt an Ganztagsschulen nach § 9 SchulG NRW (Offener und gebundener Ganztag) in der Sekundarstufe I das Konzept der Lernzeiten an die Stelle klassischer Hausaufgaben. Diese Lernzeiten sind in das Ganztagsangebot integriert, sodass es in der Regel keine schriftlichen Aufgaben gibt, die zu Hause erledigt werden müssen. Das heißt: Es ist schulrechtlicher Grundsatz, dass klassische Hausaufgaben außerhalb der Anwesenszeit der Schüler*innen normalerweise nicht vorgesehen sind.

Steißtrommler
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Das funktioniert aber nicht, wenn diese Stunden monatelang durch Sonderprojekte a la “Entdecke die Vorzüge des Lesen von ‘nem Buch aus Papier” blockiert werden.
Außerdem können an vielen Schulen Schüler z. B. durch die Eltern von derartigen Lernzeiten abgemeldet werden, die Arbeit verlagert sich nach Hause.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Der Glaubengrundsatz der Unbelehrbaren. Und wofür sind dann die mindestens 3 Stunden Lernzeit, selbst gesteuertes Lernen, Wochenplan- und Freiarbeit oder wie auch immer sie genannt werden.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Das frag ich mich auch die gesamte Zeit. Üblich sind drei Langtage, außer dem Konferenztag und dem Freitag. Stundenraster 3 mal 8 Stunden plus 2 mal 6 Stunden. Der Langtag schließt eine mind. 60-minütige Mittagspause ein.
Abweichendes Modell:
4 Langtage a 7 Stunden plus ein Tag mit 6 Stunden.

Die Wochenstundenzahl der suS liegt zwischen 32 und 34 Wochenstunden, was beide Modelle hergeben.

Walter Hasenbrot
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Bei uns haben die Schülerinnen der Oberstufe zum Teil bis um 18:00 Uhr Unterricht. Hausaufgaben git es trotzdem, schließlich kennen die unterrichtenden Lehrkräfte ja nicht den Stundenplan aller Schüler.

Ale
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Das mit den ausgedehnten Schulzeiten entspricht auch meiner Wahrnehmung. Gerade in der GS sind Kinder teils von 07:15 bis 16:00 Uhr in der Schule und müssen daheim noch Lesen, Rechnen usw. dazu noch die nicht geschafften Hausaufgaben und das Üben auf Leistungsfeststellungen. Aber Achtung: mit dieser Ansicht macht man sich keine Freunde. Wir haben ja bei Corona gelernt, dass Schulen nur offen sein müssen um die Probleme zu lösen. Und viele haben einen verklärten Blick auf die eigene Schulzeit.

Achin
1 Monat zuvor

Eine Lehrer ist ein Lehrer ist ein Lehrer, Schulen sind Orte der Vermittlung von Wissen und Bildung, wir sind weder Psychologen noch Heimerzieher oder Sozialarbeiter (m/w/d), die allen einen ebenso ehrenwerten Beruf ausüben.

Selbstverständlich kümmere ich mich wie die allermeisten meiner Kolleginnen und Kollegen um Schülerinnen und Schüler im Rahmen meiner Möglichkeiten und vor dem Hintergrund der Summe meiner Dienstpflichten sowie meiner Arbeitszeit.

Ob Herr Prof. Dr. med. Veit Roessner mit seinen Studierenden und seinen Patienten das Mittagessen einnimmt, sich um die Probleme eines jeden auch am Abend und am Wochenende kümmert, streng und verständnisvoll zugleich ist, immer wieder mit ihnen mit großer Methodenvielfalt übt…?

Sicherlich macht er das auch alleine, er hat bestimmt keine Doktoranden, Tutoren, HiWis oder eigene Verwaltungskräfte.

Katze
1 Monat zuvor

Lehrkräfte sehen seit Jahren, wie Jugendliche in Angststörungen, Essstörungen und Depressionen abrutschen – dürfen aber kaum eingreifen, weil sie im System als zahnlose Tiger herumlaufen. Mobber werden „begleitet“, Gewalttäter „reflektieren“, und echte Grenzen gelten als Oldschool.
Währenddessen verbringen viele Jugendliche ihre Nächte im digitalen Dauerfeuer: Zocken, Scrollen, TikTok‑Vergleiche, Pornos. Die Entwicklungspsychologie beschreibt seit Jahren, wie diese Wisch‑und‑Weg‑Daddelei das jugendliche Gehirn auf Dopamin-Sofortkick programmiert – schnelle Reize, null Frustrationstoleranz, zerstörte Ausdauer. Mädchen hungern sich nach Filterkörpern in Essstörungen und Depressionen, Jungen rutschen durch Schlafmangel und Selbstabwertung in Schulangst und Erschöpfung.
Und dann kommen sie morgens in die Schule – überreizt, übermüdet, innerlich leer.
Genau deshalb braucht es ein konsequentes Handyverbot an allen Schularten – bis in die Oberstufe, auch in den Pausen.
Wenn die Nächte schon im digitalen Overdrive verbrennen, muss wenigstens der Vormittag ein Schutzraum sein: ein Ort ohne TikTok‑Körperwahn, ohne Pornoflut, ohne Dauervergleich, ohne den nächsten Dopamin-Kick.
Denn die Folgen sind absehbar:

  • vermeintliche Unterforderung, weil reale Aufgaben in Schule und Alltag im Vergleich zu Games und TikTok wie graue Pappe wirken
  • Überforderung, weil das Gehirn keine Ausdauer mehr hat
  • Schulangst, weil man spürt, dass man nicht mehr leistungsfähig ist
  • Depression, weil Schlafmangel, sozialer Rückzug und ständige Selbstabwertung („Ich schaffe das alles nicht mehr“ “Ich kann nicht mithalten”) eine perfekte Spirale bilden

Dass Schüler zusammenbrechen, monatelang fehlen oder sich komplett zurückziehen, überrascht dann niemanden mehr. Wer digital überreizt ist und gleichzeitig in einer Schule sitzt, die kaum noch Forderungen stellen und Ansprüche formulieren darf, landet zwangsläufig in einer Mischung aus Langeweile, Selbstzweifeln und innerer Erschöpfung.
Doch statt Grenzen zu setzen, startet man ein „Projekt zur Orientierung“.
Wie beruhigend. Ein weiteres Projekt in einem System, das nicht einmal ein simples Handyverbot durchsetzen kann (will).

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Vor 35 Jahren gab es Gameboys und PCs. Und die Mädchen haben Bravo etc. wie verrrückt gelesen. Früher gab es auch genug Ablenkung.

laromir
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Scheint mit der Schule und Gesundheit überwiegend trotzdem geklappt zu haben.

pfk
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Die Bravo kam aber nur 1 x Mal die Woche raus, die wurde weitergereicht hatte keine Zugangscode etc.. Gameboys und PC, ja, die starteten grün mit Tetris und Zwiebeltürmchen und mit Pong oder Wolfenstein (!) Always the same shit for the guys and the girls. Und dann ging das erst Ende der 90er Anfang der 00er Jahre so richtig los. Ich mach ma Modem! Smartphone gibt es erst seit 2008! (Jetzt bebildern Sie algorhythmen instant, wenn sie nur 3 Sekunden ihren Blick haben schweifen lassen, dass merken sie doch schon wenn sie im Internet einen Stift oder ne Unterbuchse bestellen: nur gesucht reicht schon, nicht mal gekauft und dann: ein halbes Jahr von Stiften und Schlüppern heimgesucht…, die Preise werden dann direkt mit ihrem Kontostand abgeglichen, das ist die paybacksche Konfetti Klatsche)
Das ist doch mit ner Bravo, wo es ja noch nen Bastel- und Sammelauftrag für den Starschnitt gab, überhaupt nicht zu vergleichen.
Und schon Ende der 90er waren die Schule vielerorts so richtig runter und/oder überfüllt oder man ist gerannt weil, falsche Hautfarbe, falsche politische Einstellung, falsche Herkunft, falsche Meinung oder der Volldepp oder der Streber. Heute sind die Leute so gestört, dass sie andere Mit-SuS oder die Lehrys beim defäkieren filmen, auf dem Schulweg verfolgen, in Social Media beschämen und sich persönlich, für welche Hirnverkrösten auch immer, à la Squidgame als Heimsuchung in Szene setzen.

Schon mal hiervon gehört? Bestimmt… Die waren auch schon abgelenkt https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/tulpenmanie-wie-die-gier-nach-tulpen-zur-ersten-spekulationsblase-der-30180262.html

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

“(…)die Mädchen haben Bravo etc. wie verrrückt gelesen.”

Sie haben gelesen.
Wie verrückt gelesen.
LESEN!!!!!

Sie sind da etwas Heißem auf der Spur…

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

PS: PCs und Gameboys gibt es heute ebenfalls noch – mit dem Unterschied, dass man sie in Form des Smartphones 24/7 in der Tasche mit dabei hat, aber weder produktiv damit spielt, noch recherchiert. Stattdessen werden all jene Dinge getan, die “Katze” bereits aufgelistet hat.

Hatten Sie vor 35 Jahren jederzeit Zugang zu Pornos und Gewaltvideos? Oder mussten Sie zuhause weltweit zugängliche Hatekommentare über sich lesen? Verbrachten Sie bis zu 8 Stunden täglich vor PC, Gameboy oder meinetwegen auch der Bravo? Ablenkung gab es, sie fand eben nur selten digital statt.

Mariechen
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Es gab deutlich weniger Ablenkung!

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Steißtrommler
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Die Bravo wurde in Papierform (!) gelesen und dem Gameboy mangelte es am Internetzugang.
Derartige Utensilien wären heute klare Attribute gehobenen Bildungsbürgertums!

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Erneut bin ich zu 100% bei Ihnen. Sie beschreiben den Status Quo sehr adäquat. Danke.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Die ausufernde Handynutzung ist sicherlich ein Grund, aber nicht der einzige. Psychische Erkrankungen entstehen ganz ohne Handy, auch wenn viele psychisch erkrankte Menschen als „Flucht“ nur noch am Handy oder an der Spielekonsole sind.
Es wäre psychisch Erkrankten gegenüber falsch, erschwerend und diskriminierend, ihre Krankheit auf ihre Mediennutzung zu schieben. Dadurch werden sie nicht geheilt und die tiefer liegende Ursache wird nicht erkannt.
Ich bin unabhängig davon für die Einschränkung oder das Verbot von ungeregelter Mediennutzung von jungen Menschen.
Ich bin aber auch dafür, Depression, Zwangs- und Angsterkrankungen als Erkrankung zu betrachten und nicht als Folge eines Lebenswandels. Psychische Erkrankungen sind noch immer stark stigmatisiert und werden vom Umfeld häufig unterschätzt und missverstanden, was die Betroffenen ebenfalls in den Rückzug, die Resignation und eventuell in eine Sucht wie die Mediensucht treiben kann.

Alese20
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Ja, mir ist das auch zu einseitig. Es gibt noch viele andere Hintergründe, die Depressionen oder Burnout durch Reizüberflutung befördern und das sind Neurodivergenzen. Menschen mit diesen haben im Schulsystem erhebliche Nachteile (Lärm, zu wenige ruhige Pausen, Masking….) und sehr häufig führt das dann in der Pubertät zu psychischen Erkrankungen. Auch, wenn es schwer ist Statistiken zu finden, liest man doch oft, dass 15-20% der Bevölkerung als hochsensibel geschätzt werden (z. B. https://www.oberbergkliniken.de/artikel/hochsensibilitaet-zwischen-intensiver-wahrnehmung-und-alltaeglichen-herausforderungen) und die anderen Neurodivergenzen, die als Erkrankung angesehen werden wie Autismus 0,6- 1% der Kinder und Jugendlichen (https://www.hkk.de/presse/pressemitteilungen/2023-07-18-hkk-datenanalyse-autismus) , ADHS 5% (https://adhs-deutschland.de/adhs-adhs-ads/haeufigkeit). Das sind nur 2 Angaben von vielen verschiedenen Neurudivergenzen, die zeigen, dass es viele SuS gibt, die Problrme in der Schulzeit bekommen können. Es gibt sogar schon den Begriff vom autistischen Burnout (https://de.wikipedia.org/wiki/Autistischer_Burnout).
Das sind auch Hintergründe für steigende psychische Erkrankungen – nicht immer nur Social Media.

Omg
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

In Hessen haben wir zwar keine Jugendämter, die das bereits wären sich ins Zeug zu legen (ist Sache der Schule, wir haben zu viel zu tun), keine Schulämter, die sich dafür interessieren (ist Sache der Einzelschule). Aber für jeden Blödsinn bunte Broschüren.

Schotti
1 Monat zuvor

Im Artikel steht, Bund und Länder sollten gemeinsam diesem Problem begegnen. Das wird niemals geschehen, Bund und Länder sind Feinde. Klinikschulen der selben Trägerschaft dürfen in NRW noch nicht einmal Personal untereinander austauschen, weil die Standorte zufällig in den Herrschaftsgebieten verschiedener Bezirksregierungen liegen.
Es gibt keine Zusammenarbeit im Föderalismus, jeder kämpft gegeneinander und nur für sich selbst.

Davon einmal abgesehen, kann ich jedem Kollegen empfehlen, einmal in einer Klinikschule zu hospitieren. Am besten innerhalb des eigenen Einzugsbereiches. So bekommt man einen Einblick über die Arbeit und Krankenbilder sowie eventuell direkt auch Kontakte, falls eigene Schüler dort betroffen sein sollten.

Katrin Müller
1 Monat zuvor
Antwortet  Schotti

Das stimmt leider. Dennoch halte ich eine Initiative, wie oben beschrieben, für richtig: sie soll es ja allen Betroffenen (Lehrern, Eltern, Erkrankten Schülern) leichter machen, an Hilfen zu kommen und allen ein Werkzeug in die Hand geben um nicht nur hilflos danebenzustehen.
Solange es keine bundeseinheitliche Linie gibt (aus von Ihnen benannten Gründen), ist das die einzige Möglichkeit für Betroffene.
Wir dürfen ja nicht vergessen, dass erkrankte Kinder/Jugendliche, die in ihrer Situation keine Hilfe erfahren, im Verlauf zu (bestenfalls) chronisch erkrankten Erwachsenen werden! Im schlechtesten Falle werden sie zu bloßen Zahlen in der Suizidstatistik. Und beides ist nicht erstrebenswert.
Ich jedenfalls tu alles, um meinen Söhnen zu helfen, eine Perspektive zu bieten und ihre Bedürfnissen nach Behandlung/Versorgung/Unterstützung nachzukommen. Ich kann das aber auch nur, weil ich das nötige Wissen dazu habe, bzw Menschen kenne, die das Wissen dazu haben.

blau
1 Monat zuvor

Wundert doch niemanden. Früher hat man dafür gesorgt, dass Kinder sorgenfrei aufwachsen ohne Ängste durch Nachrichten und Co. Heutzutage habe ich einen Vater beruhigend auf seinen Sohn, 1. Klasse, einreden gehört, er solle sich keine Sorgen machen wegen eines Wirbelsturms bei Florida! Nehmt den Kids die Handys weg. Ganz einfach. Kein Zugang zu Nachrichten und Social Media ohne Elternkontrolle bis zur 8. Klasse mindestens. Und auch dann nicht unbegrenzt sich Krisen reinziehen lassen. Da gehen sogar Erwachsene dran kaputt!

Muxi
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Nicht nur den Kindern die Handys wegnehmen, auch die Erwachsenen müssen aus dem Dauerhysteriemodus raus.
Solange jede Bubble ihren eigenen Weltuntergangsglauben hat, solange übernehmen Kinder die Panik. Und spätestens seit Fukushima ist die Medienwelt im Dauerpanikmodus unterwegs.

Steißtrommler
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Sie werden halt immer verrückter, und wir sind machtlos.

Blabl
1 Monat zuvor

Dies sollte auch für die Schulen selbst ein Alarmsignal sein und sich als ein Teilnehmer als Ursache der Probleme sehen.
Umgang ist das eine, überlegen welche Beitrag am Problem auch das Schulsystem trägt muss ehrlich benannt werden.

blau
1 Monat zuvor
Antwortet  Blabl

Wie hat sich denn das Schulsystem entwickelt, dass es immer mehr psychisch Kranke produzieren soll? Ich sehe da keine Verschlechterung. Zumindest ist der Anspruch nicht gestiegen…

Blabl
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Nur ein Denkansatz (gerade geht nicht mehr)?
Leistungsniveau als vorrangiges Ziel zu nehmen ist ein Ziel, aber nur eins. Am Schluß müssen Fähigkeiten rauskommen die gebraucht werden. Individuen mit einem guten Skill Set. Und vor Allem psychischen Gerüst um Erfolgreich zu sein.
Der Artikel und zum Beispiel die Probleme die unsere Industrie hat mit einigen Ländern im selben Tempo Lösungen zu finden (1/2 Entwicklungszeit). Und bei dem klassischen Leistungsniveau halt auch.

………
Teaser: Denkansatz: Technik ersetzt nicht sondern unterstützt, kann manches besser und erleichtert viel. Auf geht nutzen wirs bestmöglich….oder die lernen dann nix mehr. Und das wird schlechter……

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Ein Punkt, der mMn. eine Rolle spielen könnte – Schulen werden immer größer (Schul-Campus). Dadurch nimmt die Anonymität in den Schulen immer mehr zu. An kleineren, überschaubareren Schulen kennt fast jeder jeden (Schüler, wie Lehrer). Kein Schüler fühlt sich dort unsichtbar/unbeachtet und kann nur schwer unter dem Radar schwimmen. Lehrer erkennen schneller, wenn es Probleme gibt und können sich untereinander besser absprechen und schneller reagieren. Auch der Kontakt zu den Eltern ist oft besser und umgekehrt, Eltern “finden” bei Bedarf auch schneller den entsprechenden Lehrer.
Das Problem trifft auch auf Konflikte zu, die in den Hofpausen auftreten. Als Hofaufsicht ist es einfacher und wirkungsvoler auf Verstöße zu reagieren, wenn man die Schüler persönlich kennt und nicht noch ewig nachforschen muss, zu welchem Kollegen, welcher Klasse sie gehören und was evtl. die Hintergründe für den Vorfall waren. Da verpufft dann mangels Zeit vieles ganz wirkungslos.
Aber das sind nur meine persönlichen Gedanken/Erfahrungen dazu.

dickebank
1 Monat zuvor

Und dann haben wir ja noch das Problem, wenn Eltern Hilfsangebote ablehnen, um das “arme Kind” nicht zu traumatisieren bzw. zu stigmatisieren. Ja, dann kommt man eben dem Willen der Eltern nach und es passiert eben nix. Dann ist das psychisch erkrankte Kind bzw. der Jugendliche eben ein sozial auffälliges Kind und statt der erforderlichen Therapie gibt’s Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen.
Dann bekommen eben die, die sich ritzen, Wundschnellverbände von den Schulsanis oder im Sekretariat. So geht Schule halt. – Und was Jahrhunderte lang geklappt hat, muss heute ja nicht schlecht sein.
Hat ja auch Vorteile, die unbehandelte psychische Störung kann ja später auch in möglichen Strafprozessen zu verminderter Schuldfähigkeit bzw. Strafminderung führen. Man weiß halt nicht, wofür es gut ist.

Wr Spuren von Zynismus findet, darf sie behalten. Ich habe davon noch einen nahezu unerschöpflichen Vorrat:(

Blabl
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Wenn man den Kollaps nicht erkennen will, sondern sich oder das System verteidigen will (ist ja menschlich), wird aber die wirkliche Ursache um ganz viele der Probleme zu verbessern, immer unberührt bleiben.

Die Lehrer sind ja im selben Boot wie Schüler und Eltern.

Wir müssten ja nix neu erfinden. Den Status quo ohne Vorwürfe feststellen und aktzeptieren. Bildung finanziell den Stellenwert geben, den Sie verdient. Und dann schauen wo überall warum was besser läuft und loslegen. Korrigieren kann man erst wenn Fehler auftreten. Fehlertoleranz und der Umgang werden wir durch unser System ausgetrieben. Ist aber in der rasanten heutigen Welt unabdingbar um Wettbewerbsfähig zu sein. Umerziehung machen gerade die großen Konzerne.

Katrin Müller
1 Monat zuvor

Diese Situation ist tragisch und in dieser Größenordnung neu.
Als Mutter von zwei schwerbehinderten Kindern hab ich das selbst immer wieder erlebt. Zwar bin ich aus der Pflege, kenne Anlaufpunkte und mögliche Hilfen, trotzdem scheitert psychische Versorgung ständig: an fehlenden ambulanten und stationären Behandlungskapazitäten, an Wissen und Möglichkeiten seitens der Schule, an Kompetenzen bei Schulbehörden und Jugendämtern, am Geld dafür. Und oft genug auch am schlichten Willen der Beteiligten.
Dazwischen sitzen hilfebedürftige Familien, denen zur Last der Erkrankung dann auch noch die Last zur Suche, Koordination und Organisation von möglichen Hilfen aufgebürdet wird. Unter Androhung von Strafen, wenn sie es nicht schnell genug schaffen. Hat man endlich einen Therapieplatz gefunden, heißt das aber mitnichten, dass die Therapie dann schnell starten kann: mein jüngerer Sohn hat nach seiner Diagnose 2Jahre(!!!) auf den Start seiner Therapie warten müssen. Die Genehmigung und Finanzierung dieser wäre in der Zeit beinahe widerrufen worden!
Die Folgen erleben wir nun seit 1,5Jahren in voller Härte: Klinikaufenthalte, Medikation, Schulabbruch, eine Karriere die mit noch größeren Hürden startet, als ohnehin schon. Wenn sie denn startet. Denn aufgrund der Behinderung und nun zusätzlich psychischen Erkrankung, sind die eh schon wählerischen Arbeitgeber noch rarer gesät…

HuGo
1 Monat zuvor

Es ist dieses ein Problem der gesellschaftlichen Transformation, in der vermehrt Kinder/ Jugendliche mit der ihnen zugestandenen Freiheit nicht umzugehen vermögen. Es fehlen die Leitplanken, die über min eine Generation entfernt wurden, da jegliche Autorität verabscheut wurde uns wird. Das Ergebnis liegt nun gesellchaftweit vor. Die betreffenden Politologen und Soziologen hatten Vabanque gespielt. Mal seh n , welche “Verwerfungen” noch sich einstellen werden.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  HuGo

“Es fehlen die Leitplanken”
Welche sollen das sein?

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ach Rainer, eigentlich wollte ich Sie ja ignorieren, aber meine soziale Sonderpädagogen-Seele meint, ich müsste Ihnen helfen, Ihre Bildungslücken und Verständnisprobleme zu beheben:
ORIENTIERUNG DURCH LEITPLANKEN: DIE BEDEUTUNG FÜR DIE ERZIEHUNG UNSERER KINDER – MACH DEIN DING
Gern geschehen! 🙂

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Erstmal Danke.

Sie und HuGo meinen also, dass diese Leitplanken “entfernt” wurden, weil Autorität “verabscheut wird”?
Ich weiß ja nicht. Viele im Forum schreiben ja eher über eine Vernachlässigung der Pflichten, nicht einer antiautoritären Entscheidung.

GraueMaus
1 Monat zuvor

Die Gewalttätigkeit einiger weniger kann bei den potentiellen Opfern (das sind viele) genau solche psychischen Probleme (Angst) nach sich ziehen, besonders wenn die potentiellen Opfer merken, dass sie mit unverbindlichen Sprüchen abgespeist werden und den Tätern nichts passiert:

https://www.news4teachers.de/2026/01/gewalt-an-schulen-bundesland-will-auffaellige-schueler-aus-regelklassen-nehmen-und-migranten-familien-umsiedeln/

GraueMaus
1 Monat zuvor
Antwortet  GraueMaus

Tatsächlich hat sich alles monatelang hingezogen, nachdem bereits über einige auffällige Schüler geklagt wurde, der rbb hat’s berichtet:
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/12/cottbus-sachsendorf-grundschule-gewalt-eltern-brief-hilfe.html

Hans Malz
1 Monat zuvor

Wieder geht es darum, dass sich die Lehrer die (angeblich) vorhandenen Strukturen nicht kennen. Nein – es gibt keine Hilfe!

Jugendamt – meldet sich nach frühestens einem Monat, weil total überlastet. Keine direkte Kindeswohlgefährung? Tja, dann warten Sie doch einfach mal ab.

Schulpsychologischer Dienst – Termin in sechs Wochen, danch alle sechs Wochen wiederkehrend

Erziehungshilfe – kein Geld für da

Tagesklinik – keine Plätze. Bei anderen sozialen Auffangprojekten auch nicht.

Zusammenarbeit mit Haus- und Kinderärzten – keine Entbindung von der Schweigepflich

Schulaufsicht – habt ihr denn schon das ganz bürkratische Prozedere durch? Nein? Dann Pech gehabt.

Erst, wenn es ganz ganz ganz schlimmt wird, bewegen sich die anderen Stellen. Aber irgendjemand wird uns bestimmt gleich wieder einen von “multiprofessionellen Teams” als Lösung vorfaseln.

Salida
1 Monat zuvor

Ist doch viel einfacher und billiger, über die faule Jugend zu klagen. Oder über Social Media Verbot zu diskutieren, statt den Kindern eine stabile Welt zu schaffen.

Steißtrommler
1 Monat zuvor
Antwortet  Salida

Die Welt ist durchaus “stabil” verglichen mit der guten alten Zeit, in der man mal mit einem Atomkrieg rechnete, dann einem Ostblock beim Zerfall zusah, Waldsterben prophezeite und die Wiedervereinigung erlebte. Ozonloch. RAF. Bürgerkriegsähnliche Konflikte in Nordirland. Libyen. Ägypten. Vietnam…
Durch soziale Medien – und nur durch diese! – gelangen heutige Krisen, die früher nur über eine ziemlich neutral berichtende Tagesschau zur Kenntnis genommen und vielleicht durch einen Scholl-Latour Einordnung fanden, in jedes Kinderzimmer. Dabei werden sie wie durch ein Brennglas betrachtet und als persönliche Bedrohung wahrgenommen. Gesund ist das nicht, rational auch nicht.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Steißtrommler

Danke. Genau das. Und bei Eltern ist das inzwischen nicht viel anders. Das Smartphone als Opium fürs Volk – mit allen Nebenwirkungen.

potschemutschka
1 Monat zuvor

Da AD(H)S ja auch zu den psychischen Beeinträchtigungen zählt, verlinke ich mal diesen interessanten Artikel (bitte, bei Interesse am Thema, auch die Komentare darunter lesen):
Facharzt für Psychiatrie: “Man gibt bei ADHS nicht einfach so Medikamente”

Lachmöve
20 Tage zuvor

Nun gut, ich schaue hin und wieder ins Forum rein, schmunzele/ reagiere- selten/ werde nachdenklich…. viele schreiben/ antworten aufgrund ihrer Erfahrungswelt und die ist sehr unterschiedlich. Alles gut! Ich wiederhole jetzt nicht alles, worin die Gründe der momentanen Gesellschaft / des Bildungssystems gesehen werden. Was geht mir dabei durch den Kopf? Oh bin ich froh, heute nicht mehr Schüler zu sein. In jeder Generation treten Herausforderungen auf, die zu lösen sind. Es hilft niemanden, die ” Schuld” anderen zu geben, nein, man sollte handeln. Mein erster Schulleiter sagte, ich wäre Lehrer geworden , weil er seine Lehrerin so toll fand. Nun gut, mag jeder diese Aussage anders interpretieren, doch was sagt das aus….ein gutes Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist soooo wichtig, selbst strenge Lehrer werden rückblickend positiv gesehen. Was wir wirklich alle verinnerlichen sollten, jeder sollte bei sich- in kleinen Schritten- anfangen…..ganz nach Kant = “Kategorischer Imperativ “…dann können wir vielleicht wieder aufatmen.