BERLIN. Klassische Literatur gilt als Kernbestand des Deutschunterrichts. Doch immer mehr Schulen greifen zu vereinfachten Ausgaben. Die Cornelsen-Reihe „Einfach klassisch“, ursprünglich für Haupt-, Real- und Gesamtschulen entwickelt, wird inzwischen auch von Gymnasien bestellt. Der Verlag wirbt damit, ungeübten Leserinnen und Lesern den Zugang zu Goethe, Schiller oder Shakespeare zu erleichtern – während Wissenschaftler und Bildungsexperten vor möglichen Folgen für die Lesekompetenz warnen.

„O schwöre nicht beim Mond, dem wandelbaren, der immerfort in seiner Scheibe wechselt, damit nicht wandelbar dein Lieben sei!“ – mit diesen berühmten Versen aus Shakespeares „Romeo und Julia“ bewirbt der Cornelsen-Verlag seine Reihe „Einfach klassisch“. Die Ausgabe richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten haben, literarische Originaltexte zu verstehen. Der Verlag formuliert das auf seiner Website so: „Sie möchten Ihre Klasse an Shakespeare, Goethe oder Schiller heranführen, doch die Originaltexte sorgen bei einigen Ihrer Lernenden für Verständnisschwierigkeiten und Frustration?“
Die Lösung, die Cornelsen anbietet, sind bearbeitete Klassiker. „Mit behutsamen Kürzungen und sprachlichen Vereinfachungen erleichtert die Reihe Einfach klassisch weniger geübten Leserinnen und Lesern ab Klasse 8 den Zugang zu bekannten Klassikern der Literatur – und steigert nachhaltig ihre Lesemotivation“, heißt es in der Verlagsbeschreibung.
Die Reihe existiert seit 2003 und wurde ursprünglich für Haupt-, Real- und Gesamtschulen konzipiert. Inzwischen greifen jedoch auch Gymnasien darauf zurück. Der Verlag bestätigt gegenüber der Frankfurter Rundschau, dass „immer mehr Gymnasien Bücher dieser Reihe bestellen“. Hauptabnehmer seien weiterhin Gesamt- und Mittelschulen, doch auch an Gymnasien wächst die Nachfrage.
Die didaktische Idee hinter dem Angebot beschreibt Cornelsen ausführlich. Ziel sei es, klassische Texte zugänglicher zu machen, ohne sie vollständig zu ersetzen. „Einfach klassisch verschafft ungeübten Leserinnen und Lesern ab Klasse 8 die Teilhabe an klassischer Literatur – mit behutsam gekürzten und sprachlich entlasteten Texten im modernen Layout, die so nah wie möglich am Original bleiben“, schreibt der Verlag.
Als zentrale Merkmale nennt Cornelsen unter anderem „gekürzte und lesefreundlich gestaltete Texte“, die „die Angst vor klassischer Literatur nehmen und die Lesemotivation stärken“. Ergänzt würden die Texte durch „Wortschatzerklärungen, Infoboxen und Bildmaterial“, die den literarischen Text „entlasten und einen einfachen Einstieg in die Lektüre ermöglichen“. Auch das Layout sei bewusst angepasst worden: „Ein leseförderliches Layout, basale Verständnis- sowie vertiefende Nachdenkfragen sichern das Textverständnis und fördern das literarische Lernen.“
Darüber hinaus verweist der Verlag auf digitale Ergänzungen. „Zusätzliche Hörtexte in der Cornelsen Lernen App bieten zusammenfassende Einstiege zu Kapiteln oder Akten und lassen ausgewählte Textpassagen lebendig werden.“
Der Ansatz richtet sich ausdrücklich an ungeübte Leserinnen und Leser. Die „sprachlich entlasteten Texte“ seien „ideal für den Unterricht in stark heterogenen Klassen“. Begleitmaterialien sollen den Zugang zusätzlich erleichtern. „Worterklärungen, Infokästen, Übersichten sowie verständnissichernde Fragen zu jedem Kapitel unterstützen den Leseprozess“, heißt es in der Produktbeschreibung.
„Gerade im Umgang mit Originaltexten erwerben Schülerinnen und Schüler wichtige Kompetenzen“
In der Praxis greifen Lehrkräfte aus unterschiedlichen Gründen auf solche Ausgaben zurück. Eine Deutschlehrerin eines Berliner Gymnasiums berichtete gegenüber dem Tagesspiegel, dass mehrere Titel der Reihe im Deutscharchiv ihrer Schule als Klassensatz vorhanden seien, darunter „Nathan der Weise“, „Faust I“, „Frühlings Erwachen“, „Jugend ohne Gott“, „Kabale und Liebe“ und „Romeo und Julia“.
Sie selbst habe bereits mit der vereinfachten Version von Lessings „Nathan der Weise“ gearbeitet. Der Grund sei pragmatisch gewesen. „Vor allem aus Zeitgründen“ habe sie sich für die vereinfachte Ausgabe entschieden, sagte sie. Im Unterricht sei es ihr dabei vor allem um die Handlung gegangen und weniger um sprachliche Feinheiten. Für eine Redeanalyse hätte sie „unbedingt“ den Originaltext verwendet.
Scharfe Kritik kommt vom Philologenverband. „Gerade im Umgang mit Originaltexten erwerben Schülerinnen und Schüler wichtige Kompetenzen. Sie lernen, komplexe Texte zu erschließen, unbekannte Sprachstrukturen zu bewältigen und historische sowie kulturelle Kontexte zu verstehen. Diese Fähigkeiten sind nicht nur für den schulischen Erfolg, sondern auch für eine reflektierte Teilhabe an Gesellschaft und Kultur von Bedeutung“, konstatiert Volker Weigand, Vorsitzender des hessischen Landesverbands.
Klassiker der deutschen Literatur seien nicht nur Träger zeitloser Themen, sondern auch Ausdruck sprachlicher Kunst, historischer Denkweisen und ästhetischer Vielfalt. Vereinfachte Texte könnten zwar den Zugang erleichtern, würden jedoch nicht die originale Sprachgestaltung, die wesentlich zur Wirkung und Bedeutung literarischer Werke beiträgt, ersetzen. „Stilmittel, Mehrdeutigkeiten, Rhythmus und sprachliche Feinheiten gehen in Bearbeitungen häufig verloren. Damit wird ein zentraler Bildungsauftrag des Deutschunterrichts geschwächt: die Begegnung mit anspruchsvoller Sprache und literarischer Qualität“, so Weigand.
Zudem zeige die Unterrichtspraxis, dass Lernende bei entsprechender didaktischer Unterstützung – etwa durch Worterklärungen, Kontextualisierung oder gemeinsame Textarbeit – sehr wohl in der Lage seien, sich mit Originalen auseinanderzusetzen. Eine vorschnelle Vereinfachung birge die Gefahr, das Leistungsvermögen von Schülerinnen und Schülern zu unterschätzen und ihnen wertvolle Lernerfahrungen vorzuenthalten.
Weigand: „Klassische Literatur im Original zu lesen bedeutet, junge Menschen ernst zu nehmen und ihnen Zugang zu sprachlicher Tiefe und kulturellem Erbe zu ermöglichen. Vereinfachte Texte können allenfalls ergänzend eingesetzt werden, sollten jedoch nicht den Maßstab bilden. Der Deutschunterricht bleibt nur dann seinem Bildungsanspruch treu, wenn er Literatur als das vermittelt, was sie ist: Sprache in ihrer ganzen Komplexität und Ausdruckskraft.“
„Zusammenfassungen in vereinfachter Sprache, Schaubilder zum Text: das sind didaktische Möglichkeiten, damit Schüler Schiller und Goethe verstehen“
Befürworter verweisen dagegen auf die zunehmende Heterogenität in den Klassen. Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), sieht vereinfachte Texte zunächst als didaktisches Instrument. „Zusammenfassungen in vereinfachter Sprache, Schaubilder zum Text: das sind didaktische Möglichkeiten, damit Schüler Schiller und Goethe verstehen“, sagte sie gegenüber der Frankfurter Rundschau. Wenn dies mit einer Version der Reihe „Einfach klassisch“ erreicht werde, sei das zunächst „individuelle Förderung“. Gleichzeitig formuliert auch sie eine Grenze. „Aber es darf kein allgemeiner Trend werden, das Niveau für alle zu senken. Wir müssen die Spitzenkompetenzen bestehen lassen“, sagte Fleischmann. News4teachers
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Eine seltsame Koalition aus Schulbuchverlagen und Lehrkräften mit einem zweifelhaften und entkernten Bildungsbegriff. Welch ein fatales Selbstbewusstsein, die Hand an Klassiker zu legen.
Das ist das Gegenteil von Bildungsgerechtigkeit, dann gibt es dann den “Original-Goethe” und den (Achtung: Ironie als Stilmittel) den “Prekariats-Goethe”. Natürlich kann kein Bildungsaufstieg ohne Mühe und Arbeit gelingen.
Wenn aus der Mathematik die Strukturen und Beweise herausgenommen werden, in Fremdsprachen mit zweisprachige Wörterbücher zulässig sind, kann man in Deutsch auch die sprachlich vereinfachten Ausgaben verwenden. Ich nenne das Chancengleichheit.
Mathematikunterricht ohne Beweise, am Gymnasium?! Niemals!
`Doch, zumindest wenn Sie sich an den Lehrplan von NRW streng halten.
Es wäre wohl an der Zeit, das Gymnasium in Gemeinschaftsschule umzubenennen.
Das ist ja genau das, was im Grunde viele Reformer möchten… Eine Schule für alle. Leider zieht diese Forderung auch das Niveau für alle herunter.
Wenn Sie bloß Quellen für solche Behauptungen hätten, aber die wären ja aus “dem Elfenbeinturm”… 🙁
Von der “einen Schule für alle” träumen GEW, Linke und SPD – abgesehen vom Gymnasium, was ja erhalten werden soll (Lobby leider zu groß für Ideologien). Dabei stützen sie sich auf Reformpädagogen, es gibt hier doch etliche Artikel darüber.
Was BW betrifft, sieht man ja, dass von über 300 Gemeinschaftsschulen gerade einmal 14 eine gymnasiale Oberstufe haben. In den jährlichen Vergleichsarbeiten schneiden sie landesweit Jahr für Jahr schlechter ab, als Realschulen und Gymnasien. Mit Einführung der GMS in BW stürzte mein Bundesland von den vorderen Plätzen im Bildungsranking kolossal nach hinten ab. All das fand leider in der Realität genau so statt. Den Elfenbeinturm sieht man von dort aus nur von weiter Ferne.
Ach eine Schule für alle, mit einer Ausnahme, dass es nicht alle betrifft – da machen die “Ideologiegetriebenen” plötzlich halt, interessant…
Was den zweiten Teil Ihres Kommentars betrifft, klingt das ganz schön danach, als wäre dies aus “dem Elfenbeinturm”.
Sie suchen sich doch nicht Aussagen von DENEN heraus, solange die Ihnen passen, und untergraben jene, die Ihrer Meinung nicht entsprechen? 😉
WENN Sie sich entschieden haben, ob Sie mit wissenschaftlichen Erhebungen – und damit sind definitionsgemäß ALLE gemeint – argeumentieren wollen, melden Sie sich gerne. Es gibt nicht wenig, was Ihre persönlichen Eindrücke stützt, aber es ist kein Buffett für Menschen, die von “dem Elfenbeinturm” phantasieren
Oder Volksschule
Ach was, Klassiker vereinfachen? Warum denn nicht. Wir haben uns doch längst daran gewöhnt, alles auf Kaugummi-Niveau runterzukochen: Physik ohne Formeln und ohne Berechnungen, Chemie ohne Reaktionsgleichungen und ohne Reaktionsmechanismen, Deutsch ohne Grammatik, und IQB-Abiaufgaben in Bio, die ein halbwegs wacher Neuntklässler im Vorbeigehen löst.
Und wenn man dann mal ein Lehrbuch aus den 1990ern aufschlägt – egal welches Fach – dann kommen jedem Oldschool-Lehrer die Tränen und den Schülern das pure Entsetzen. Bildungspolitik 2026: konsequente Nivellierung nach unten.
Mich erschreckt es, dass in den Deutscharbeiten meines Sohnes (Klasse 10, Realschule BW) Grammatik und Rechtschreibung keine echte Rolle mehr zu spielen scheinen. Überhaupt kommen die Lehrer weg von Aufsätzen, die Klassenarbeiten im Fach Deutsch gleichen mit Punktesystem und dem einfachen Beantworten von Fragen inzwischen eher den Arbeiten in den anderen Fächern.
“Mich erschreckt es, dass in den Deutscharbeiten meines Sohnes (Klasse 10, Realschule BW) Grammatik und Rechtschreibung keine echte Rolle mehr zu spielen scheinen.”
Tut mir leid, dass es bei Ihrem Sohn so schlecht läuft, aber warum schließen Sie von ihm auf das ganze Schulsystem?
Bei meinem Sohn läuft es gut, danke. Bei seiner Schwester, die inzwischen die gymnasiale Oberstufe besucht und zuvor ebenfalls den Realschulabschluss an einer Realschule machte, wars auch schon so. Sie selbst war damals überrascht, wie einfach die Prüfungen am Ende waren… Kein Wunder, es wird auch immer weniger verlangt.
Um nun auf das ganze Schulsystem zu schließen, muss ich mir nur den zugrundeliegenden Artikel durchlesen, den sie hier gerade ebenfalls kommentieren.
“Sie selbst war damals überrascht, wie einfach die Prüfungen am Ende waren… Kein Wunder, es wird auch immer weniger verlangt.”
Die einmalige (!) Erfahrung hat keinen logischen Zusammenhang zu Ihrer persönlichen Meinung XD
Und ich bin hier ausgesprochen nett! Lesen Sie beizeiten, was andere Lehrkräfe auf die Leistungen Ihrer Kinder geben. Vielleicht wollen Sie sich überlegen, beizeiten zu widersprechen, wenn Ihren eigenen Kindern völlig Inkompetenz und geschenkte Noten im Vergleich zu früher unterstellt werden…
Wer (wie ich) jedes Jahr in ZP und/oder Abi dabei ist sieht es halt.
Und *hört* es vor allem auf den begleitenden Pflichtkonferenzen und DBs:
Das Geschacher, die sprachlichen Unterstellungen, das Verdrehen der Wirklichkeit in immer gedrechselteren, ausgefeilteren Sprachtricks … meine Lieblingstaktik: Alle Formulierungen mit “wir/ihr”, “dem Kind” (sieh an, sieh an, aus 1,80 m -frühreifen Randalejungs mit Schluckspechtkompetenz und ‘Bachelor of Martial Arts’ werden auf einmal süße, kulleräugige “””Kinder””” 😀 ) und “verbauen/verweigern”.
Aber hey, ist natürlich ganz klar anekdotische Evidenz, die paar hundert Prüfungen…sowas kann doch so ein schlichter Lehrer garnicht beurteilen. Was man mit eigenen Augen und Ohren wahrnimmt wurde ja garnicht wissenschaftlich kontrolliert!
Das können nur Akademiker mit einem Fach… bevorzugt eines, das im Schulunterricht nicht relevant stattfindet.
Von daher sagt diese Bildungsdrohne:
“Die deutlichen Kompetenzsprünge, die sich in den boldungswissenschaftlich abgesicherten Evaluierungen zeigen bestätigen, dass wir uns auf den richtigen Weg gemacht haben.”
“Das Geschacher, die sprachlichen Unterstellungen, das Verdrehen der Wirklichkeit in immer gedrechselteren, ausgefeilteren Sprachtricks”
Warum tragen Sie das “jedes Jahr in ZP und/oder Abi” mit? Ich meine, wenn Sie das JAHRELANG nach eigener Aussage erdulden, ist da Ihre Haltung nicht ein Bestandteil des Problems?
Ehrlich?
Aus Langeweile.
In LKs werde ich wenigstens mal gefordert und kann in Ansätzen das machen, wofür ich den Beruf ergriffen habe: Unterrichten und auch mal zwei Millimeter über den Lehrplan hinausspähen – weil es dort normalerweise viele SuS gibt, die auch SELBER Fragen haben, etwas machen wollen, etwas wissen wollen.
Kurzum:
Da findet noch sowas wie “Unterricht” statt. Dies macht mir Spaß.
Ausserdem sieht man die SuS öfter und kann daher ein vernünftiges pädagogisches Verhältnis zu ihnen aufbauen.
Das gleiche gilt für EKs.
Da viele LuL ungerne höhere/Sek-II-Kurse machen…gewinnen alle.
“Unterrichten und auch mal zwei Millimeter über den Lehrplan hinausspähen – weil es dort normalerweise viele SuS gibt, die auch SELBER Fragen haben, etwas machen wollen, etwas wissen wollen.”
… Hindert Sie irgendwer daran, diesen SuS etwas anzubieten? Entschuldigt Sie halt nicht davon, der GANZEN Klasse ein Angebot machen zu müssen – Arbeitsverweigerung ist bei Schüler*innen ungern gesehen, warum sollten Sie sich da zur Ausnahme machen?
Verstehe ich jetzt nicht…mache ich doch in diesen Kursen?
https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/joernruesen_deutschekultur
Das Beste aus: Idiocracy – Irrsinn stirbt nie
https://www.youtube.com/watch?v=L9N1I522t1Q
Ach ja, mein Lieblingsfilm. Vor den Osterferien ist der mal wieder fällig.
Das beste aus Idiocracy – finde den Fehler.
Bevor Sie antworten, ich HABE den Film 😀
“Der Ansatz richtet sich ausdrücklich an ungeübte Leserinnen und Leser.”
Ab Klasse 8? Herzlichen Glückwunsch.
Und in ein paar Jahren dann die Cartoon Version von Nathan der Weise mit Peppa in der Hauptrolle, damit die Teilhabe noch besser gewährleistet wird.
Für später zugewanderte SuS sind diese vereinfachten Ausgaben eine große Hilfe.
Ich war oft überrascht, dass die jeweiligen Deutschlehrer*innen die gar nicht kannten.
Nun ja, ist ein paar Jahre her; vielleicht lesen die jetzt alle…
Das mag sein. Nur werden die vereinfachten Ausgaben für alle Schüler des Kurses angeschafft.
Man sollte das einfach lassen und auf das Deckmäntelchen der “Bildung” und das mit den klassischen Werken verundene bildungsbürgerliche Image verzichten – machen wir uns ehrlich!
Man liest ja die Texte meist nicht gemeinsam in der Schule, sondern die Schüler sollen sie Zuhause lesen. Wenn sie dann KI bitten, ihnen den Text zusammenzufassen, ist das auch nicht viel besser
Mit dem Prompten erkennt man dann aber immerhin ein kleines bisschen Eigenleistung. Und man müsste überprüfen, ob die KI den Text korrekt zusammengefasst hat (in der Theorie jedenfalls).
Ein Unding. Goethe dreht sich im Grabe um.
Das glaube ich nicht. Ihm war bewusst, dass nur eine Minderheit mit seinen Werken substanziell etwas anfangen konnte. Wie schon geschrieben, man sollte Goethe und seinesgleichen in Frieden ruhen lassen, dies wäre die ehrlichere Variante.
Zu Goethes Zeiten gab es noch keine allgemeine Schulpflicht in DE.
Es gab noch nicht einmal Deutschland und in Weimar gab es weder das Nationaltheater noch das KZ Buchenwald. Und die Schulpflicht gegen Goethe einzutauschen, ist in meinen Augen ein schlechtes Geschäft.
“Schulpflicht gegen Goethe einzutauschen” … Nö, beides!
Übrigens … es wäre interessant zu wissen, ob China die gesammelten Goethe-Werke in einfacher Sprache übersetzt.
China entdeckt den deutschen Klassiker – Erste Übersetzung von Goethes Gesamtwerk ins Chinesische
Sie übersetzen in “moderne” Sprache. Aber ob modern dasselbe ist wie einfache Sprache?
Solange wir im deutschsprachigen Raum keine verbindliche Sprachregelung finden, ob es nun “Kina” oder “Schina” ausgesprochen wird, müssen solche Details erst einmal außen vor gelasseen werden.
Da haben Sie wohl Recht. Bei Ukraine (ei) und Ukra-ine scheiden sich ja auch die Geister (letzteres ist richtig!) 🙂
Aber zum Angriffskrieg auf die Ukraine äußern Sie sich ausdrücklich nicht.
https://www.dw.com/de/ukraine-ukraine-krieg-russland-wolodymyr-selenskyj-charkiw-kyjiw-odessa-infrastruktur-drohnen-bahn/a-76258439
Wie würden Sie hier “Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung” betonen? (augenroll)
Schon wieder kein sachliches Argument und Sie müssen, wiederholt, das Leid der Ukrainer missbrauchen, um Ihr Unwissen zu verdecken? Es wird immer peinlicher?
Was wollen Sie von mir? Hohle Lippenbekenntnisse? Damit kann ich leider nicht dienen. Ich handele lieber und helfe echten Menschen im echten Leben und nicht mit Dummschwätzerei, wie Sie!
“Was wollen Sie von mir? Hohle Lippenbekenntnisse?”
Nach dem Sie sich JAHRELANG um auch nur ein enziges Wort der Anteilnahme drückte, wirken Sie diesbezüglich tatsächlich leer…
Hey, sogar der Bundeskanzler fand irgendwie die Zeit sich… Leser*innen der Berliner Zeitung zu widmen 😉
https://www.youtube.com/watch/u1do1XLyBpw?utm_source=app_share
Die “Bildungsinitiative ‘Schland 2026” spricht sich ausdrücklich für Teilhabe und Lesefreude und daher für vereinfachte Versionen aus.
Hier “Die Glocke” von Schiller in einfacher Sprache:
“Loch in Erde,
Messing rin,
Glocke fertig.
Bim, bim, bim.
Eignet sich schon für GS-Alter und hochbegabte Kita-Kinder. 🙂
Und ich dachte Bronze, nicht Messing.
Messing ist die Billigvariante – passend zum Bildungsniveau. 🙂
Wortzuzammensetzung aus
nie und wo.
Grammatikalisch korrekt wäre Ort vor Zeit – also wo-nie.
Nicht auszudenken, was Schiller Ihrer unterwürfigen, autoritätshörigen Art erwidern würde.
Nicht ohne Grund müssen Sie sich den Zitaten Toter bedienen – wer würde Ihnen nicht sofort widersprechen?
Schiller würde wohl folgendes zu Ihnen sagen:
„Wenn man für jeden Donner und Blitz, den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz, die Glocken müsst läuten im Land umher, es wär bald kein Mesner zu finden mehr.“ —( Friedrich Schiller , Wallensteins Lager
Sie wissen doch, ich liebe Zitate und finde immer das passende. 🙂 Sie sollten also Provokationen in diese Richtung lieber unterlassen, denn:
“Und auf den Schützen springt der Pfeil zurück.” (Schiller, Wilhelm Tell)
“Sie wissen doch, ich liebe Zitate und finde immer das passende.”
Praktisch, dass die Zitategeber stets tot sind und sich gegen Ihre Vereinnahmung nicht wehren können.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das hat es nun mal mit den meisten Zitaten so auf sich.
Er provozierte doch ganz bewusst eine Antwort? Oder wollte er mich , wieder einmal, zum Schweigen bringen? 🙂
Warum greifen Sie dem Rainerle schon wieder hilfreich unter die Arme? Warum erfolgt von Ihrer Seite niemals eine leichte Kritik z. B. an seinem ständigen Missbrauch des Leids der Ukrainer als Mittel der Provokation und anderen “Entgleisungen” dieses Herrn (die ich Ihnen gegenüber schon mehrfach direkt ansprach).
Naja, es ist wie im realen Leben – “…manche sind eben gleicher …”
Mea culpa! Schon wieder ein Zitat eines Toten – George Orwell “Farm der Tiere” 🙂
Dass sie sich gegen die Vereinnahmung wehren würden, ist auch nur eine hypothetisch Annahme Ihrerseits.
Eine ernstgemeinte Frage:
Wer darf denn überhaupt noch, wann und wo Zitate von Personen verwenden, die nicht mehr unter den Lebenden weilen, sich also nicht gegen Vereinnahmung wehren können?
Gibt es dazu irgendwelche Regeln?
Wie hält es die Redaktion mit Zitaten?
Sie können zitieren, wen oder was sie wollen. Herzliche Grüße Die Redaktion
Welches Schiller-Zitat würde denn, Ihrer Meinung nach, auf mich passen?
„Wortschatzerklärungen, Infoboxen und Bildmaterial“ sind immer zu begrüßen, aber wieso sind Kinder am Gymnasium auch in Klasse 8 “ungeübt” im Lesen? Hatte man nichts mit (klassischer) Literatur die ersten 7 Jahren gehabt? Zumindest Gedichte hätte man genug lesen müssen.
“Für eine Redeanalyse hätte sie „unbedingt“ den Originaltext verwendet.”
Ich fände es spannend, was da verloren ging.
“Sie lernen, komplexe Texte zu erschließen, unbekannte Sprachstrukturen zu bewältigen und historische sowie kulturelle Kontexte zu verstehen.”
Oha, da hat jemand Glückliches das n4t-Forum nicht gelesen, da herrscht eine relativ klare Meinung zu solchen Texten https://www.news4teachers.de/2025/12/haftbefehl-im-unterricht-texte-spiegeln-mehrsprachigkeit-virtuos-sagen-erziehungswissenschaftler/
Ob Goethe noch an Gymnasien gelesen würde, wenn er der Haftbefehl seiner Zeit gewesen wäre? 😛
Auf jeden Fall spannend, was die Großen und Schlauen so behandeln dürfen.
Ob sich hier jene, die sich regelmäßig über geringe Leistungen, schlechte Lernvoraussetzungen und bildungsferne Elternhäuser dagegen aussprechen, vereinfachte bzw. wie im Artikel kombinierte Angebote zu machen, um die Schülerschaft zu erreichen?
“Warum denn nicht. Wir haben uns doch längst daran gewöhnt, alles auf Kaugummi-Niveau runterzukochen” Achja… Solche Weinerlichkeit wäre zu Goethes Zeit aus der Institution gejagt worden 😉
Warum so bourgeois-bildungsbürgerlich?
Bei kombinierten Angeboten könnte es doch zu Uuuuuunnnglaaaaiiiichhhheit kommen – wenn die einen sich anstrengen und mehr lernen, die anderen aber in der Pause die geaphic novel noch abfotographieren und der “KI” hochladen, diese möge “das zusammenfassen”.
Dann doch lieber gleich die einfache Version für alle.
Oder mal (ganz innovativ) umgekehrt:
Man lässt die SuS bei Lektüren einfach demokratisch abstimmen, was aus dem schulintern abgestimmten Kanon gewählt werden soll – und weist halt freundlich-transparent darauf hin, dass manches eben einfacher ist, dafür halt weniger aufs Abi vorbereitet. Und umgekehrt.
Entscheiden die SuS halt mehr mit, Bildungsdrohne gewinnt immer:
Hat der Kurs Bock und wählt was richtiges, macht der Unterricht halt mehr Freude – wird Stumpfotron gewählt spart man sich die Vorbereitung. So oder so: Passt doch.
Uuuuuund die SuS haben demokratisch mit über den Unterricht bestimmt.
Win-win-win.
“Warum so bourgeois-bildungsbürgerlich?”
Jaja, wenn Menschen im Forum mich mit wenigen Worten beschreiben müssten, wäre es garantiert diese! 😛
Umgekehrt: “Uuuuuunnnglaaaaiiiichhhheit” – und schon weiß man alles Wichtige über Sie…
“Dann doch lieber gleich die einfache Version für alle.”
Ich bin FÜR Inklusion und schütte nicht wöchentlich meinen Frust aus, dass Schüler*innen keine homogene Gruppen sind, was früher ignoriert und ggf. außerschulisch kompensiert werden musste.
“demokratisch abstimmen, was aus dem schulintern abgestimmten Kanon gewählt werden soll”
Wurde im Artikel nicht argumentiert, dass bestimmte Werke Goethes KONKRETE Inhalte vermitteln, sofern die Ausgabe unserer eigenen Schulzeit verwenden?
Ich glaube nicht, dass da Ihnen zugestimmt würde, IRGENDWAS auszuwählen, solange der Text fremd klingt und der Autor lange tot ist…
Oder meinten Sie mit “demokratisch”, in welcher Reihenfolge der feste Kanon gelesen werden soll? :/
Ne, damit meine ich, dass man aus den schulintern abgestimmten z.B. Lektüren die SuS für Lektüreunterricht FREI auswählen lässt. Demokratisch halt.
Beispiel: Utopie/Dystopie gibtbes X Beispiele, lässt man halt vorstellen, SuS wählen diejenige aus, die vertieft gelesen/behandelt usw. wird.
Demokratisch abstimmen unter wenigen Büchern, welche zur Auswahl gestellt wurden… Nun? Zwischen welchen Büchern Unserer Zeit dürfen die SuS von heute abstimmen? 😉
Machen Sie mir die Reihenplanung, sichern es per FK ab und schaffen das Material ran…dann unterrichte ich gerne auch “Gaunt’s Ghosts”.
Interessant, wie viele deutsche Literaten man in der Liste der “Klassiker der Weltliteratur” so findet. Nicht nur Goethe und Schiller sind weltbekannt. Wir waren mal als” Land der Dichter, Denker und Ingenieure” bekannt. Inzwischen kennt man wohl diese Namen und ihre Werke besser im Ausland als bei uns, nicht nur in China. 🙂
https://www.die-besten-aller-zeiten.de/buecher/kanon/klassiker-der-weltliteratur.html
Zitat aus dem link:
“Die Werke auf dieser Liste werden von Literaturkritikern als unersetzliche Teile der Weltliteratur anerkannt und spiegeln die menschliche Erfahrung in ihrer Vielfalt wider. Entdecken Sie die Meisterwerke, die nicht nur zu ihrer Zeit, sondern über Jahrhunderte hinweg relevant geblieben sind.”
Naja, “wir” brauchen diese Werke anscheinend nicht (mehr).
Goethe zu lesen war für mich damals in der 80ern schon eine Zumutung, ich habs dann einfach gelassen – wie so viele SchülerInnen seitdem.
Fehlt mir was? Nein.
Jo, dieser D-Lehrerin fehlte da doch etwas und auch dem Publikum (Publikumsjoker):
“Schlimmer geht’s nicht!” Deutsch-Lehrerin scheitert bei “Wer wird Millionär?” an Schiller-Frage
🙂 Hoffentlich haben ihre Schüler das nicht gesehen!
P.S.: Man hätte die Frage auch ohne Kenntnis des Schiller-Werkes lösen können, mit etwas Allgemeinwissen (Gießtechniken – aus Kunst- oder Werkunterricht, z. B. Kerzengießen …) und etwas logischem Denken.
Hier eine Idee, wie man Schillers “Glocke” den Schülern mal anders nahebringen kann:
https://www.bing.com/videos/riverview/relatedvideo?q=das+lied+der+glocke+Parodie+youtube&mid=2EAC9AEBDC03671E558C2EAC9AEBDC03671E558C&FORM=VIRE
Damit Sie später mal bei Quiz-Sendungen bestehen können. 🙂
Und wenn wir die Ausführungen der GEW zum Thema “Bildungsgleichheit”, “Chancengerechtigkeit” und “Grundschul-Abitur” einfach auch nicht lesen, fehlt uns dann was? Ich glaube nicht.
Neues Schulmotto: dabei sein ist alles!