KIRCHBERG AN DER JAGST. Was macht die Schule der Zukunft aus? Neue Technik, ein modernisiertes Gebäude – oder ein radikal verändertes Verständnis von Lernen, Beziehung und Führung? Alexander Franz, Schulleiter der renommierten Schloss-Schule Kirchberg, einem privaten Gymnasium mit Internat in Baden-Württemberg, hat zehn Punkte ausgemacht, die für ein zukunftsweisendes Konzept stehen – und die er in einer vierteiligen Reihe auf News4teachers darlegt. Der Anspruch seiner Schule stand dabei Pate: „Im Zentrum steht die gezielte Erkennung und Förderung individueller Potenziale – im schulischen wie im außerschulischen Bereich“, so heißt es in der Selbstdarstellung.

Zehn Hebel für die Schule der Zukunft (1–3)
1. Warum der „Nürnberger Trichter“ ausgedient hat – und welche Rolle Lehrkräfte jetzt wirklich brauchen
Wir starten diese Serie mit dem Fundament aller Schulentwicklung: dem Verständnis davon, wie Lernen überhaupt funktioniert. Viele von uns tragen noch ein tief verankertes Bild in sich. Die Lehrkraft steht vorne, erklärt, strukturiert, „vermittelt“ Wissen – und die Schüler:innen nehmen es auf. Ein technisches, fast maschinenlogisches Modell. Das Problem: Dieses Bild widerspricht allem, was wir heute über das Gehirn wissen.
Die neurobiologische Realität zeigt, dass sich Lernen nicht übertragen lässt. Aus Sicht der Hirnforschung ist Lernen kein Übertragungsprozess, sondern ein Umbauprozess. Wissen entsteht nicht durch Zuhören, sondern durch aktive Verarbeitung im Gehirn der Lernenden. Neurobiologisch bedeutet Lernen eine Veränderung synaptischer Verbindungen sowie den Aufbau, die Stärkung oder Abschwächung neuronaler Netzwerke, abhängig von Aktivität, Emotion und Bedeutung. Der oft zitierte Grundsatz „neurons that fire together, wire together“ (Hebb, 1949) beschreibt genau diesen Mechanismus. Auch moderne Lernforschung bestätigt: Ohne eigene kognitive Aktivität entsteht kein tragfähiges Wissen (Zull, 2002; OECD, 2018). Merksatz: Wissen kann man nicht senden – nur konstruieren.
Der Nürnberger Trichter erweist sich damit als biologische Illusion. Das klassische Belehrungsmodell folgt der Logik Erklärung, Speicherung und Abruf. Doch das Gehirn arbeitet anders. Es filtert Informationen emotional über Amygdala und limbisches System, verknüpft Neues mit Vorwissen und lernt selektiv statt vollständig. Wenn Lernen nur aus Zuhören besteht, bleiben neuronale Aktivierungen oberflächlich und instabil. Genau deshalb zeigen Studien seit Jahren, dass reines Frontalhören geringe Lerngewinne erzeugt, während aktive Lernformen deutlich wirksamer sind (Hattie, 2012; Chi & Wylie, 2014). Merksatz: Wer nur zuhört, baut keine Netzwerke.
Wenn Lernen konstruiert werden muss, verändert sich zwangsläufig die Rolle der Lehrkraft. In einer Welt, in der Fakten jederzeit verfügbar sind, ist sie nicht mehr Wissensquelle, sondern Lernarchitekt:in. Diese Verschiebung ist gut belegt. Lernen ist situations- und kontextabhängig (Bransford et al., 2000), Selbstregulation und Feedback zählen zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren (Zimmerman, 2002; Hattie, 2012). Die Aufgaben der Lehrkraft verschieben sich fundamental. Lernumgebungen zu designen bedeutet, nicht Inhalte „durchzunehmen“, sondern Settings zu schaffen, die Denken erzwingen – etwa durch Problemorientierung, echte Fragestellungen sowie Anwendung, Transfer und Diskussion. Ziel ist kognitive Aktivierung, nicht Stoffabdeckung. Nicht erklären, was gedacht werden soll, sondern Anlässe zum Denken schaffen.

Ebenso zentral ist die Gestaltung von Beziehung. Lernen ist ohne emotionale Sicherheit kaum möglich. Stress, Angst und Bloßstellung blockieren den präfrontalen Cortex und damit genau jene Hirnareale, die wir für Lernen brauchen (LeDoux, 2000; Immordino-Yang, 2016). Eine tragfähige Lehrer-Schüler-Beziehung gehört zu den wirksamsten Faktoren für Lernerfolg (Hattie, 2012). Beziehung ist kein Add-on, sondern Voraussetzung. Hinzu kommt der Wechsel von Instruktion zu Coaching. Die Lehrkraft beobachtet, fragt nach, gibt Feedback und unterstützt Selbstregulation. Studien zum selbstregulierten Lernen zeigen, dass Lernende besonders dann profitieren, wenn Lehrkräfte Lernprozesse begleiten statt Lösungen vorzugeben (Zimmerman, 2002; OECD, 2018). Wer immer Lösungen liefert, verhindert Lernen.
Fazit des ersten Hebels: Lehren garantiert kein Lernen. Die zentrale Erkenntnis lautet, dass Lehren nicht automatisch Lernen bewirkt. Die Schule der Zukunft braucht keine Alleinunterhalter:innen an der Tafel, sondern Architekt:innen von Lernprozessen, die Bedingungen schaffen, unter denen Lernen überhaupt möglich wird. Merksatz zum Abschluss: Gute Lehrkräfte erklären nicht besser – sie ermöglichen besser.
2. Warum Angst dumm macht – und ohne Bindung keine Bildung entsteht
Hatten Sie schon einmal einen Blackout in einer Prüfung? Alles gelernt – und plötzlich ist der Kopf leer? Das ist kein persönliches Versagen. Das ist Neurobiologie. Und genau dieser Mechanismus entscheidet jeden Tag in tausenden Klassenzimmern, ob Lernen gelingt oder scheitert.
Unser Gehirn besitzt einen eingebauten Sicherheitsdienst: das limbische System, insbesondere die Amygdala. Ihre Aufgabe ist nicht Lernen, sondern Überleben. Sie bewertet jeden Reiz innerhalb von Millisekunden und entscheidet, ob eine Situation sicher oder gefährlich ist. Diese Bewertung passiert vor jedem bewussten Denken (LeDoux, 2000).
Registriert die Amygdala Gefahr – etwa durch Angst vor Blamage, soziale Abwertung, permanente Kontrolle oder Druck ohne Beziehung –, schaltet das Gehirn in den Überlebensmodus. Stresshormone werden ausgeschüttet, die Aktivität des präfrontalen Cortex sinkt, also genau jenes Bereichs, der für Denken, Planen und Verstehen zuständig ist. Das Ergebnis ist eindeutig: Unter Angst ist tiefes Lernen biologisch blockiert (LeDoux, 2000; Immordino-Yang, 2016). Merksatz: Angst schaltet Denken ab.
Fühlt sich ein Mensch dagegen sicher, respektiert, gesehen und zugehörig, öffnet die Amygdala den „Durchgang“. Informationen können in den Hippocampus gelangen, jenen Bereich, der für Lernen und Gedächtnisbildung zentral ist. Emotionale Sicherheit ist damit keine pädagogische Haltung, sondern eine neurobiologische Voraussetzung für Lernen (Immordino-Yang & Damasio, 2007). Merksatz: Sicherheit öffnet Lernfenster.
Aus dieser Logik folgt eine unbequeme Wahrheit: Ohne Beziehung keine Bildung. Eine Lehrkraft, die beschämt, einschüchtert oder Angst erzeugt, sorgt aktiv dafür, dass Lernen erschwert oder verhindert wird. Das ist keine Meinung, sondern empirisch belegt. Die Lehrer-Schüler-Beziehung zählt zu den wirksamsten Einflussfaktoren auf Lernen, mit Effektstärken, die deutlich über vielen didaktischen Methoden liegen (Hattie, 2012). Bindung wirkt dabei als Stresspuffer und Motivationsmotor (Ryan & Deci, 2000). Merksatz: Beziehung ist Lerninfrastruktur.
Wenn wir wollen, dass Kinder ihr kognitives Potenzial entfalten, muss Schule ein Ort psychologischer Sicherheit sein. Nicht, weil wir „verweichlichen“, sondern weil wir lernen wollen. Das bedeutet Fehler als Lernsignal statt als Bloßstellung zu verstehen, klare Erwartungen ohne Angstkultur zu formulieren, Verlässlichkeit statt Willkür zu bieten und Beziehung vor Bewertung zu setzen. Oder zugespitzt: Strenge ohne Beziehung ist neurobiologisch wirkungslos.
Fazit des zweiten Hebels: Keine Bildung ohne Bindung. Die Schule der Zukunft wird nicht zuerst digitaler oder moderner. Sie wird beziehungsfähiger. Angst senkt Denkfähigkeit, Sicherheit erhöht Lernbereitschaft und Bindung ermöglicht kognitive Tiefe. Der dritte Hebel lautet deshalb: Lernen beginnt nicht im Kopf – sondern im Gefühl von Sicherheit.
3. Was bleibt, wenn Google alles weiß? Warum Kompetenzen wichtiger sind als Antworten
Wir bilden Schüler:innen heute für Berufe aus, die es noch nicht gibt, um Technologien zu nutzen, die noch nicht erfunden wurden, und um Probleme zu lösen, von denen wir noch nicht wissen, dass sie entstehen werden. Diese oft zitierte Beschreibung der Zukunft, unter anderem von der OECD (2018), führt zu einer unbequemen Frage: Wie bereitet man Menschen auf das Unbekannte vor?
Sicher nicht, indem man Antworten auswendig lernt, die in Sekunden recherchierbar sind. Damit vollzieht sich ein grundlegender Wandel vom Wissensspeicher zur Kompetenzschmiede. Fachwissen bleibt wichtig, doch seine Haltbarkeit nimmt rapide ab. Gerade im technischen Bereich sprechen Studien von Wissenshalbwertszeiten von nur wenigen Jahren (OECD, 2019). Was dagegen überdauernd ist, sind Denkfähigkeiten, Problemlösekompetenz sowie soziale und kommunikative Fähigkeiten. Deshalb gelten die sogenannten „21st Century Skills“ international als Referenzrahmen für moderne Bildung, etwa bei der OECD oder dem World Economic Forum. Ein besonders anschlussfähiges Modell ist dabei das 4K-Modell. Merksatz: Wissen veraltet – Kompetenzen tragen.
Im Praxis-Check zeigen die vier Kompetenzen ihre besondere Relevanz. Kritisches Denken wird in Zeiten von Fake News, algorithmisch verstärkter Desinformation und KI-generierten Texten mit Halluzinationen zur Demokratie- und Überlebenskompetenz. Gemeint ist die Fähigkeit, Quellen zu prüfen, Argumente zu analysieren, Fakten von Meinungen zu unterscheiden und Unsicherheiten zu erkennen. Studien zeigen, dass kritisches Denken nicht durch Belehrung entsteht, sondern durch problemorientierte und diskursive Lernsettings (Kuhn, 1999; OECD, 2018). Wer nicht prüft, wird gesteuert.
Kreativität wird häufig missverstanden als künstlerische Begabung. Tatsächlich bezeichnet sie die Fähigkeit, neue und zugleich brauchbare Lösungen für komplexe Probleme zu entwickeln. Maschinen sind effizient, schnell und konsistent, doch was sie bislang nicht leisten, ist kontextsensibles, sinnstiftendes und divergentes Denken auf menschlicher Ebene (Amabile, 1996; Sawyer, 2012). Kreativität entsteht dort, wo Fehler erlaubt sind, Perspektiven gewechselt werden und Probleme offen bleiben dürfen. Merksatz: Kreativität braucht Freiheit – nicht Vorgaben.
Auch Kollaboration gewinnt an Bedeutung. Die großen Zukunftsfragen wie Klima, Energie, Gesundheit oder Gerechtigkeit sind zu komplex, um von Einzelnen gelöst zu werden. Dennoch ist Schule noch stark geprägt von Einzelarbeit, individueller Bewertung und einer Konkurrenzlogik. Dabei zeigen Studien eindeutig, dass gut gestaltete Kooperation tiefes Lernen, Transfer und Motivation fördert (Johnson & Johnson, 2009; OECD, 2017). Teamfähigkeit entsteht nicht zufällig, sondern muss gelernt, angeleitet und bewertet werden.
Schließlich ist Kommunikation entscheidend. Die beste Idee bleibt wirkungslos, wenn sie nicht verständlich formuliert, nicht adressatengerecht vermittelt und nicht dialogfähig ist. Kommunikation umfasst präzises Sprechen und Schreiben ebenso wie aktives Zuhören, konstruktives Feedback und die Fähigkeit zur Perspektivübernahme. Gerade in heterogenen, digitalen und interdisziplinären Kontexten ist diese Kompetenz zentral (Hattie, 2012; OECD, 2018). Was nicht kommuniziert wird, existiert nicht.
Das Fazit dieses dritten Hebels für die Schule der Zukunft lautet daher: Nicht mehr Wissen anhäufen, sondern Wissen anwenden, prüfen, teilen und weiterentwickeln. Für Schule bedeutet das weniger Stoffdurchlauf, dafür mehr Projekte, mehr offene Aufgaben und mehr echte Probleme. Oder zugespitzt: In einer Welt mit Google zählt nicht, was du weißt – sondern was du damit anfangen kannst. News4teachers
Hier geht es zum zweiten Teil der Reihe.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Schule der Zukunft”.









Natürlich viel Technik und mehr Flexibilisierung mit Homeofficephasen sowie SOL.
Zum Glück gibts mehr Tablets und Freiheit 🙂
Inwiefern mehr Freiheit durch Tablets? Bei mir hat sich damit nicht viel geändert, außer dass ich deutlich weniger kopieren muss.
“Die Aufgaben der Lehrkraft verschieben sich fundamental. Lernumgebungen zu designen bedeutet, nicht Inhalte „durchzunehmen“, sondern Settings zu schaffen, die Denken erzwingen – etwa durch Problemorientierung, echte Fragestellungen sowie Anwendung, Transfer und Diskussion. ”
Mensch, klingt das gut. Fast schon poetisch.
Nur kommen mir sofort wieder Fragen über Fragen zu den pädagogischen Schlagworten aus der Abteilung Hülsenfrucht.
Während hier von „Lernsettings“ geschwärmt wird, fragt man sich unweigerlich: Wo waren diese Lernsettings eigentlich, als Schüler noch in der Lage waren eigenes Wissen und Können anzuhäufen. Hatten die Schüler in Oldschool eigentlich auch Angst vor soviel Inhalten und Anforderungen?
An einem ganz normalen Gymnasium äußert sich die „fundamentale Verschiebung der Lehrerrolle“ meist nur noch darin, dass wieder drei Kolleginnen ausgefallen sind – und das einzige verlässliche Lernsetting der Vertretungsplan und die Reduzierdidaktik ist.
Und dann kommen die anderen Widersprüche.
1. „Denken erzwingen“ – aber ohne Inhalte durchzunehmen?Wenn der Lehrplan zunehmend inhaltslos wird und alles nur noch „kompetenzorientiert“ heißen darf, bleibt vom Denkstoff nicht viel übrig.
Ohne Inhalte gibt es nichts zu denken, nichts zu verstehen, nichts zu verknüpfen.
Die Oldschool-Lehrkraft, die das sagt, ist selbstverständlich „defizitorientiert“ oder „nicht innovativ genug“.
2. Problemorientierung – solange niemand ein Problem lösen mussNatürlich klingt es toll, „problemorientiert“ zu arbeiten.
Nur: Ohne Werkzeuge wird jedes Problem zur Wand.
Meist heißt es dann: „Die Kinder bringen ihre Kompetenzen schon mit.“
3. Transfer – von was zu was?Transfer ist anspruchsvoll. Aber wenn vorher nichts gelernt wurde, kann auch nichts übertragen werden.
Doch sobald man das erwähnt, heißt es: „Sie unterschätzen die Lernenden.“
Nein – ich nehme nur die Realität ernst.
4. Diskussion – über welches Wissen?Diskussionen sind wunderbar.
Nur basieren sie idealerweise auf Wissen, nicht auf „Ich hab da mal was auf TikTok gesehen“.
Im pädagogischen Idealismus gilt aber: Jede Meinung ist wertvoll. Auch wenn sie auf exakt nichts basiert????
5. Die Generation Daddelfix soll durch „Settings“ zum Denken gebracht werdenNatürlich. Ein bisschen Sitzkreis, ein paar Moderationskarten – und schon verwandelt sich die kaum vorhandene Aufmerksamkeitsspanne easy peasy in intrinsisch motiviertes tiefes fachliches Denken.
Diese Worthülsen funktionieren hervorragend in Leitbildern, Fortbildungen und auf den Hochglanzseiten privater Leuchtturm‑Gymnasien.
Nur im Unterrichtsalltag lösen sie sich zuverlässig in pädagogischen Nebel auf.
Zum Glück ist das Durchschnittsalter der Kollegien hoch und für 20 bis 25% der Lehrerschaft der Ruhestand in nicht allzu weiter Ferne.
Also muss die Sintflut nicht mehr so lange warten Und weil am anderen Ende immer weniger einsteigen, wird das Setting in der Gestaltung von Freistunden zu kreieren sein.
Sehr schön dargestellt. Und jetzt Bilder von Schule in der Realität, von Klassengrößen, von Vertretungsplänen. Moderner Unterricht in Gebäuden aus den Jahren 1975 bis 1995. Ich denke das dürften ca. 75% der Schullandschaft sein. In Klassengrößen meist über 20, in denen natürlich mindestens ein Autist, ein Schüler/in mit Depression, 5 mit sonderpädagogischem Förderbedarf sitzen und viele Eltern/Schüler die Lehrer und Schule eher als Feindbild denn als Möglichkeit sehen. Nur weiter schönreden und leugnen…klappt bestimmt…ich bin da ganz bei obigem Kommentar.
Ich fände lösungsorientiert sowieso besser als problemorientiert. Ich hatte ja lieber Lösungen und nicht noch mehr Probleme.
@Katze
1. „Denken erzwingen“ als Idee des Ausgangsartikels ist ja an sich schon reichlich perfide …
Gilt denn nicht mehr die andere Idee? … Also die Sache mit der gewaltfreien Erziehung? 😉
Zitat aus dem Artikel:
“Die Schule der Zukunft braucht keine Alleinunterhalter:innen an der Tafel, sondern Architekt:innen von Lernprozessen…”
Architekt – Wikipedia
WOW! Wenn man dann bei wikipedia liest, was ein Architekt ist und welche Ausbildung und Aufgaben er so hat und vor allem, wer im Team mit ihm arbeitet (Architekten sind auch keine Alleinunterhalter!)… na dann ….!
Meine Schüler wollen bei neuem Stoff gerne den Alleinunterhalter haben. Ist für sie auch bequemer.
Ich habe schon einige voll revolutionäre, neue und grandiose Reformen hinter mir.
Diese haben uns in die jetzige Situation geführt. Stimmen, die u.a. vorausgesagt haben, dass das so kommen werde, wurden mundtot gemacht durch Erlasse, Vorschriften, Versprechen an Eltern, Belächeln, Lustigmachen …..
Da vernetzt sich nix mehr.
Ohne Wissen kein Können.
Auch die Kompetenz “googeln” setzt Wissen voraus.
Aber zum Glück kann sich die eine KI mit einer anderen über Inhalte austauschen – denn die google-Kids von heute werden es nicht können.
Was auch gut ist, wenn “man” keine Kritiker mit Substanz haben will.
Ach, bei dem aktuellen “Sozial”verhalten brauchen wir an unserer Schule zur Umsetzung der Lösung aller Probleme (42 wäre die richtige Antwort) noch knapp 15 voll ausgebildete Schulsozialarbeiter:innen, 250 Schulbegleitungen (eigentlich werden ja die Kinder begleitet….. wenn das die EU rauskriegt, gnade uns hoffentlich das Schulamt) und da man auf uns verzichten können/wollen zu scheint, Eltern, die ihre Kinder rechtzeitig zu sozialverträglichen Menschen erziehen. Da das nichts wird, keine gute Idee mit LERNsettings…..
Ehrlich – ich könnte mich vor Lachen ausschütten bei diesen ganzen lustigen Ideen der aktiven Realitätsausblender:innen.
Ich lese hier nur kalten Kaffee, der sich unter den Stichworten Kompetenzorientierung und SOL subsummieren lässt. Das scheitert verlässlich seit 20 Jahren.
Buchempfehlung: Die Pädagogik der Privilegierten von Roland Reichenbach.
// Die Lehrkraft steht vorne, erklärt, strukturiert, „vermittelt“ Wissen – und die Schüler:innen nehmen es auf. Ein technisches, fast maschinenlogisches Modell. Das Problem: Dieses Bild widerspricht allem, was wir heute über das Gehirn wissen. //
Hattie sagt etwas anderes und auch meine eigenen Erfahrungen aus der Schulzeit sowie bei meinen Kindern besagen das Gegenteil. Ich habe zwei Kinder auf der selben Grundschule. Eines hatte (ist nun raus) eine Junglehrerin mit Wochenplan und ganz viel SOL, ein anderes hat die erfahrene “DDR-Lehrerin”: Druckschrift vs. Schreibschrift, Lapbook vs. Bankrutschen, Smartboard vs. Kreide, Gruppenarbeit vs. Direct Instruction, Arbeitsblättersammlung vs. Heftführung, Email vs. Hausaufgabenheft.
Die Leistungen der Schüler sind bei der erfahrenen Oldschool-Lehrerin durchweg besser. Schriftbild, Disziplin im Unterricht, Bindung zur Lehrkraft, Ergebnisse bei Wettbewerben, Klassenverband: alles besser. Wie Tag und Nacht.
// Auch Kollaboration gewinnt an Bedeutung. Die großen Zukunftsfragen wie Klima, Energie, Gesundheit oder Gerechtigkeit sind zu komplex, um von Einzelnen gelöst zu werden. //
Was für hanebüchene Allgemeinplätze. Diese Probleme sind vor allem zu komplex, um sie mit ein paar Kompetenzen und Google zu lösen. Dafür braucht es richtiges Wissen und beinharte Fähigkeiten.
Vor allem suggeriert der Text oben, dass es in den 70ern, 80ern, 90ern, 2000ern keine komplexen Probleme gegeben hätte. Ozonloch, atomare Bedrohung, Kalter Krieg, RAF,… Das alles waren reale Probleme dieser Zeit. Diese wurden gelöst – auch WEGEN des damals herrschenden Schulsystems, das auf direkte Instruktion, Hausaufgaben, Noten und Co. setzte. Vergleichen Sie mal das Heft eines Hauptschülers der 80er Jahre mit dem Heft eines Hauptschülers von heute… 40 Jahre voller Niveauabsenkungen und Kompetenzorientierungen werden im Nu sichtbar.
War damals alles super? Ganz sicher nicht. Wir brauchen keine reinen Drill- und Paukschulen mit körperlicher Erzüchtigung. Aber ein Twist Richtung Leistungsorientierung und Anheben des Niveaus täte dem heutigen Schulsystem gewiss gut.
Es wird der Tag kommen, an dem die Methoden der “Oldschool-Lehrerin” als pädagogisches Ei des Columbus verkauft werden, mit coolen, innovativen Bezeichnungen natürlich.
Wenn ein paar Schülerinnen bei Tiktok auf Oldschool 😉 paukerinnen abfahren würden, nähme es seinen olympianischerseits nicht aufhaltbaren Lauf.
Man könnte in Versuchung kommen…..ich hab da so ein paar Tiktok’junkies’……
Vielleicht mal mit einer Umfrage unter Schülern Ihrer Schule starten. Welche Lehrer sind die, die am meisten respektiert werden und warum.
Sorry, aber Um- und Abfragen sind Hobby des Olymps 😉 gerne weiter so.
Ein Lehrer müsste das eigentlich ohne dergleichen, in Zeh- und Fingerspitzen spüren……
Hättest du jetzt nicht auch noch Evaluation schreiben können. Ich hätte dann nämlich BINGO rufen können
Natürlich spüren das Lehrer in “Zeh- und Fingerspitzen” und auch Eltern, wenn sie den Kindern zuhören, was diese so für eine Meinung über bestimmte Lehrer äußern. 🙂 Das passt aber oft nicht zur “Meinung”.
Ich hab mir ja vorsichtshalber Schuhe mit Stahlkappen und Arbeitshandschuhe angezogen, schützt vor Hypersensibilität. Dickes Fell hilft auch. Ist wie beim Pflegepersonal, man darf die Sachen nicht so nah an sich heran lassen.
https://www.news4teachers.de/2026/02/schueler-verpruegelt-lehrer-schulleiter-wendet-sich-mit-brandbrief-an-die-elternschaft/
Heutzutage müssen Lehrkräfte Angst haben.
Ist auf dem Symbolbild schon die Schüler-Lehrer-Relation der “Schule der Zukunft” dargestellt? Das wäre echt toll!
Es ist zwar alles schon gesagt, nur nicht von jedem…
Schloss-Schule: Internatskosten 40T zzgl. Nebenkosten pro Jahr, jedes Jahr (Auslands)klassenfahrten, Klassenstärke 15-20 SchülerInnen
Hier schreibt ein Schulleiter aus extrem privilegierter Situation in manipulativer Weise. Ein Bild von ‘alter’ Schule, das wirklich niemand mehr vertritt wird mit vielen Zitaten und Fachbegriffen (wichtig, impliziert Kompetenz) widerlegt, als wäre so eine Schule die Sehnsucht aller Lehrkräfte. Beeindruckend, aber leider nicht im Detail: “Maschinen sind effizient, schnell und konsistent, doch was sie bislang nicht leisten, ist kontextsensibles, sinnstiftendes und divergentes Denken auf menschlicher Ebene (Amabile, 1996; Sawyer, 2012).” Aussagen über Fähigkeiten von Maschinen aus 30 bzw. 14 Jahre alten Artikeln? Da darf schon ein leiser Zweifel aufkommen, wir befinden uns im Jahr 3 nach ChatGPT…
“Nicht mehr Wissen anhäufen, sondern Wissen anwenden, prüfen, teilen und weiterentwickeln.” – Klingt gut, bedeutet nichts! Was heißt anhäufen? Ein nicht wertneutraler Begriff, bestimmt nicht ohne Absicht, ist Wissenserwerb dann komplett sinnlos oder nur bezüglich auswendig zu lernender Details? Fällt Newtons Gravitationsgesetz vom Himmel oder dürfen noch Informationen zum Sonnensystem vermittelt werden? Ist der Übergang von ‘göttlichem Willen’ als Ursache zu überall, auch im Himmel, geltenden Gesetzen ‘Wissen’ oder dessen Anwendung?
Mir gefällt ein Satz wirklich gut, er sollte auch hier beachtet werden: wer nicht prüft, wird gesteuert – man muss nicht jede Prämisse ungefragt hinnehmen.
Aus der Perspektive seiner Schule ein Bild von ‘Schule der Zukunft’ und eine neue Lehrerolle abzuleiten ist…nein, meine Meinung schreibe ich nicht explizit. Ich habe aber ein Angebot: ausprobieren, ein Schuljahr lang. An einer staatlichen Gesamtschule, meinetwegen Sozialindex 1, spielt keine Rolle, dafür dann Jahrgang 8. Alle 15-20 Lehrkräfte gestalten ihren Unterricht, jede Stunde, streng nach diesen Ideen – ohne andere Lerngruppen zu vernachlässigen. 32 SuS, davon 4 mit rudimentären Sprachkenntnissen, 3 LRS, 2 ADHS, 2 FS Lernen, 1 FS ESE, 2 mit 150+ Fehlstunden, 3-4 mit suchtartigem Digitalkonsum in der Schule (nachts im Bett sind es mehr), 1/3 aus alleinerziehenden Elternhäusern, 2 die ins Gymnasium gehören und hier als hochbegabt gelten (Mehrfachzuordnung möglich). Eine völlig normale Klasse, in der die meisten Familieneinkommen nicht das Schulgeld der Schloss-Schule erreichen. Immer noch sicher, kompetent über eine neue Lehrkraftrolle reden zu können? Meine Rolle ist es, alle so gut es geht zu einem Abschluss, Oberstufe oder Berufsausbildung zu bringen. Meine Rolle ist es, eine persönliche Vertrauensbeziehung aufzubauen. Als perfekte Unterrichtsmaschine unter der obersten Prämisse der 4K gelingt das nicht. Ein ‘Idealbild’ kann in der Realität keine neue Rolle definieren, denn diese Rolle muss ein Kompromiss sein.
Es wäre besser, die Amygdala mehr zu ignorieren und durch mehr Ratio zu ersetzen. Wer im Fluchtmodus ist, kann nicht denken. Wer im von der Amygdala ausgelösten Rudelmodus ist, kann nicht individuell denken, erst recht nicht losgelöst vom Gruppendruck.
Reaktion meiner SuS (Jg 11, MA) auf eine dreimonatige Phase flipped classroom, um mehr Zeit zur Problemlösung (phasenweise in „designter Lernumgebung“) in der Schule zu haben:
Gruppe 1, leistungsstark, ca. 5 Leute: tolles Modell, wir lernen selbstständig, aaaber: Bitte nicht mehr, weil uns die anderen am Abend vor dem Unterricht zunehmend unter Druck setzen, ihnen den Inhalt des Lernstoffs „in einfacher Sprache“ zusammenzufassen und rüberzuschicken“
Gruppe 2, mittlere Fähigkeiten, ca. 15 Leute: Bitte nicht mehr, das ist so anstrengend, wenn wir uns trotz des gegebenen (multimedialen) Materials den Stoff selbst erarbeiten müssen und das dauert auch viel länger zu Hause
Gruppe 3, extrem schwach in Mathe, ca 10 Leute: Bitte nicht mehr, wir kapieren überhaupt nix mehr
DAS ist die Realität.
Was mir an mehreren kritischen Kommentaren auffällt:
(1) Alexander Franz argumentiert mit wissenschaftlichen Evidenzen plus eigenen Erfahrungen. Die Kritik arbeitet nahezu ausschließlich mit eigenen Erfahrungen, die auf das Ganze hochskaliert werden. Da bin ich näher bei Franz.
(2) Franz konstruiert einen möglichen besseren Unterricht. Die Kritiker dekonstruieren, was ja bekanntlich immer einfacher ist. Sie beklagen die vorhandenen Mängel im Alltag, die die vorgetragenen Konzepte angeblich verunmöglichen und sonst…? Heißt die Antwort wirklich: „So wie wir das jetzt machen, ist es zwar sch…, aber besser geht es nun mal nicht“? Oder vielleicht auch im Hintergrund: „Ich stecke zu tief in der Alltagsmühle und reagiere nun mal aggressiv, wenn mir jemand vorschreiben will (was Franz nicht tut), wie ich es machen soll!“
(3) Außerdem sehe ich das, was Franz hier darstellt, als einen guten Versuch, einen gangbaren Weg für Unterricht und Schule für Gegenwart und Schule zu beschreiben. Die Kritiker zeigen nur ihre Haltung, diesen Weg nicht einschlagen zu wollen. Also? Was sind die Alternativen? Zurück zum guten Alten?
Hier geht es nicht um wollen. Hier geht es um Grundbedingungen, die leider nicht gleich sind. Es wird aber behauptet, wenn man nur wolle, würde das überall funktionieren. Tut es nicht. Klassenstruktur, Klassengröße, Raumgröße, Tageszeit, sonstige Umstände, soziales Umfeld etc. Das alles spielt eine Rolle.In winzigen Räumen mit 30 Leuten, schwierig. Ich hätte noch nie in über 15 Jahren irgendeine Doppelstreckung. Experimente mit 4 Gruppen sind eine andere Nummer als mit 8 Gruppen. Da kann ich mir gaaaaaanz fest etwas anderes wünschen, da weiß ich auch, dass das mit 4 Gruppen definitiv besser zu betreuen sein wird. Ich weiß auch, dass ich bei 20 SuS pro SuS mehr Zeit haben werde. Und jetzt? Weiß ich doch alles, fände ich super. Und jetzt? Guten Morgen Realität! Guten Morgen kleiner Raum, guten Morgen 30 SuS, usw. Als wollten LuL das nicht, weil sie nichts ändern wollten. Harte Unterstellung. Ich glaube nicht, dass irgendein engagierter LuL kleine Klassen, tolle Räume, lernwillige SuS ablehnen würde oder unter diesen Bedingungen nicht bereit dazu wäre, neues auszuprobieren.
Kann es sein, dass die Erfahrungen des Kollegen nicht ganz mit den Erfahrungen von 99% der anderen übereinstimmen und deshalb nicht vergleichbar sind?
Er konstruiert einen Unterricht, der auf den Voraussetzungen in seiner Schule beruhen. Die sind aber nicht immer ganz so dolle.
Erstmal sollte sich “die Gesellschaft” darauf einigen, was Schule überhaupt leisten soll und wie das geschieht (gerne auch wissenschaftlich begleitet). Dann muss das schriftlich fixiert werden und (Achtung) die Voraussetzungen geschaffen werden. Erst dann wird umgesetzt. Dann bin ich auf offen für Veränderungen und warme Worte eines Eliteschulleiters.
„Im Zentrum steht die gezielte Erkennung und Förderung individueller Potenziale – im schulischen wie im außerschulischen Bereich“
…dazu das Symbolfoto… jepp, passt.
In einem LuS-Verhältnis 1:6 an einem gemütlichen kleinen Tisch – im direkten (Dauer-) Kontakt ist diese Vorstellung resp. Empfehlung kein Problem.
Das ergibt sich nach meiner völlig unbedeutenden Lehr-Erfahrung von mittlerweile über 30 Jahren (Achtung: anekdotische Evidenz) leider in quasi keiner Unterrichtssituation, die ich im Vollzeitjob mit Klassenstärken von mindestens 24 bis zuweilen 32 SuS erlebt habe.
Ich bis seit je her strikter Verfechter von angstfreien Lern- und Arbeitsatmosphären … was mir nach Rückmeldung diverser SuS-Generationen auch gut gelingt … nur dann sind die Rezeptionskanäle frei für halbwegs ungehinderten Daten- und Affektefluss … aber zu glauben, dass man in der gegebenen Situation von Unterricht diese schöne Vorstellung „einfach mal umsetzen könnte“ ist schlicht naiv.
Oha, allein das Bild bedient wieder alle Klischees. Sodenn, monatlich ca. 3500 EUR für Internierte, ca. 200 für die Heimschläfer. Angstfreies unterrichten garantiert, wenn Pappi im Maybach mit Anwalt vorfährt und dem Lernmanager die 6 seines Sprösslings unter die Beamtennase hält. Möge der gute Mann doch mal mit seinen Merksätzen in Berlin oder hier bei uns in den “Problemschulen” auftauchen (sie heißen natürlich im Bildungssprech anders, nämlich Perspektivschule für die Bereiche Prävention, Integration und emotional soziale Entwicklung.
Und diese realitätsfernen Spinner, nein, sorry, Visionär:innende, gehen mir wirklich immer dann besonders auf den S…, wenn sie auch noch mit Merksätzen daherkommen, nürnbergertrichtermäßig sozusagen, für uns ganz doofe. Und mit Gehirntheorien. Bei 86 Milliarden Nervenzellen und Billionen von Synapsen mit 100 zurzeit bekannten Neurotransmittern weiß man nur eins, dass man nämlich sehr sehr wenig weiß, und dies oft auch nur aus Tierversuchen oder sog. Studien oder Metastudien à la Hattie. Darum wird man auch für alles und jedes eine Quelle finden, die das Gewünschte belegt. Mit KI dann hübsch verpacken in Bildungssprech und dem gemeinen Pöbel (vulgo: Lehrer) an die Kreidetafel ballern. Sehet, was der Herr euch gegeben hat. Buch Franz, Vers 7. Allein das Bild des Herrn im Stile Dürers – bezeichnend herr-lich.
Sorry, musste mal sein, die seriösen Repliken sind weiter unten. Bleibt stabil, ihr prä-frontalen Nürnberger!
Perspektivschule – auch der Blick in den Abgrund bedarf einer Perspektive, die dramaturgisch stilsicher inszeniert sein muss. Musikalische Untermalung ist auch nicht schlecht.
Immobilien mit Potential halt…
Aber wie immer entscheidend sind drei Aspekte:
Lage,
Lage,
Lage.
Und der Brennpunkt ist zwar im Fokus, die Schulen aber weniger, am wenigsten die im Brennpunkt.
Deren Funktion als “melting pot” ist gestört, da das Verhältnis der Zuschlagstoffe nicht mehr stimmt. Die Zusammensetzung ist aber entscheidend für den (metallurgischen) Prozess.
Die Schmelztiegel funktionieren halt anders als Gymnasien als reine Scheideanstalten.
Hallo, die letzten 10 Jahre keine Nachrichten gelesen ???
Es fehlt an fast jeder Schule an Lehrkräften, an Sozialarbeitern, an funktionierendem Internet.
Bei diesen Wunschvorstellungen benötigt man pro Klasse mind. 2 Lehrkräfte, 2 Sozialarbeiter und 2 gut ausgebildete schulische Hilfskräfte UND Eltern die ihrem Erziehungsauftrag nachkommen.
Realität…. Im laufenden Unterricht eine Lehrerversorgung von 90%.
Wer das nicht versteht….jede 10. Stunde fällt jetzt schon aus.
Die Ministerien und zwar ALLE, des Bundes und der Länder haben es ja nicht einmal geschafft, ein seit 20 Jahren bekanntes Lehrkräftedefizit zu lösen.
Bis jetzt war fast jedes “Rumdocktern” am Bildungssystem ein Reinfall ( G8, Schreiben nach Hören, um nur 2 zu nennen)
Und versteht das endlich mal, das Smartphone hat die Schüler “verdummen” lassen und mit der KI wird das nicht besser.
Der Schulleiter eines renomierten Privatgymnasiums erklärt uns Brennpunktlehrern unsere Rolle – Genau mein Humor.
Ja, dasselbe dachte ich auch. Es fehlt noch ein Interview mit dem Leiter von Schloss Salem.
Auch ein Leiter von Schloss Salem hat pädagogisch etwas zu sagen – gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2026/01/paedagogik-bestseller-erschien-vor-20-jahren-warum-buebs-lob-der-disziplin-auch-heute-noch-aktuell-ist/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Die Frage dabei ist nur, ob diese Aussagen etwas mit der sumpfnahen pädagogischen Alltagssituation vieler LuL zu tun hat bzw. Relevanz aufweist?
…und tadaaaa….ich habe meine (berechtigten?!) Zweifel.
Hier lesen nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, hier lesen auch Schulleitungen, Schulträger, Bildungspolitiker*innen, Eltern und Schüler*innen mit. Und grundsätzlich gilt: Wer in dieser Gesellschaft irgendetwas zum Guten verändern möchte, sollte schon darlegen können, worin dieses Gute denn besteht. Sonst mäandern wir ziellos herum.
Dass Veränderungsbedarf besteht, das werden auch Sie nicht bestreiten – oder ist beruflich alles toll bei Ihnen?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Also wäre der Punkt:
Schuldgeld? Das haben die nämlich.
Dazu Internatsbereiche bei 3200 Euro/Monat? Das haben die auch.
Es ist so ein “Hin und Her” irgendwie.
Natürlich sollte man auch “andere Bereiche” und Schulen und Situationen ansehen. Aber an diese Eliteschule … Kommen wohl nur ansere Eliteschulen ran. Rein vom Clientel, den Bedingungen, den Privilegien und von den Ressourcen und Geldern. Das sollte man natürlich im Kopf behalten.
Daher wirken die “Tipps” hier allenfalls für viele wie Floskeln. Was es unter aktuellen Bedingungen auch sind.
Keine Lehrkraft wir absprechen, dass ein “10:1 S:L Teiler” besser ist als “32:1 S:L Teiler”. V. A. wenn man die “15 SuS” auch primär selbst aussuchen kann. Und man bei den “32 SuS” gar kein Mitspracherecht hat.
Rein rechnerisch wird auch jeder und jede zustimmen, dass 3200-4000 Euro/SuS im Monat als Ressource [Geld] besser ist als 1000 Euro/SuS im Monat.
Da “gehen” denke ich alle mit.
Genauso wie viele andere sinnvolle Sachen.
Nur der Unterschied HIER:
– Dieses Eliteinternat [Gymnasium] hat eben diese Bedingungen …
– “Reguläre” (Brennpunkt)Schulen eben nicht
Das ist etwas so wie … Wenn der Herr sagt: Wenn Sie zu wenig verdienen … Dann verdienen Sie doch einfach mal mehr.
Ist ja richtig … Nur nicht so einfach unsetzbar und realistisch. Haha.
“Schuldgeld? Das haben die nämlich.”
Schulgeld hat auch jede staatliche Schule: in Form von Steuergeld, das ihnen den Betrieb finanziert. Wir bezweifeln, dass private Ergänzungsschulen, die keine staatlichen Zuschüsse bekommen, mehr Geld aufwenden können als staatliche Schulen, wenn man deren Ausgabenposten (Lehrerbezüge, Ausstattung, Gebäude etc.) zusammenrechnet. Der deutsche Staat wendet im Schnitt rund 10.000 Euro pro Schüler und Jahr auf. Viel mehr kosten selbst teure Ergänzungsschulen nicht; und die müssen von diesem Schulgeld auch noch Steuern bezahlen. Ein Internat bietet eine 24-Stunden-Beschulung und -Betreuung samt Unterkunft und Verpflegung an – das lässt sich mit dem staatlichen Angebot nicht vergleichen.
Privatschulen haben halt mehr Freiheiten, ökonomisch mit den Mitteln umzugehen, etwa indem sie die Arbeit arbeitsteilig organisieren und nicht für jede Tätigkeit eine voll ausgebildete, teure Lehrkraft einstellen. Multiprofessionalität eben.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich bin im uralten, klar gegliederten Frontalschulsystem groß geworden und habe mit ungeschminktem Wissen über meine vorhandenen und fehlenden Kompetenzen meine Abschlüsse abgelegt. Auch wenn ich, wie vermutlich die meisten Menschen, ein paar labile Seiten habe, die gelegentlich auch angesprungen sind, habe ich es doch gelernt zu lernen und zwar ohne beschönigende Anreize. Meine Amygdala oder wer auch immer in meinem Gehirn dafür zuständig ist, ist bis zum heutigen Tag in immer größer werdendem Ausmaß in der Lage, mich bei Laune und Lernbereitschaft zu halten, gerade wenn es um Inhalte geht, wo mein Innerer Schweinehund, der mittlerweile auch eine stattliche Größe hat, zurecht jaulend zu boykottieren versucht.
Das Leben abseits der Schule funktioniert häufig nicht intrinsisch oder wie auch immer freudig anregend, sondern knallhart fordernd.
Briefe von Behörden, Versicherungen und Gerichten sind nicht auf die angstfreie Freude am gemütlichen Ausfüllen mehrerer Seiten mit zum Teil schwer zu beantwortenden Fragen ausgerichtet, sondern auf einen reibungslosen Ablauf mit Frist und der Ankündigung, mögliche Leistungen bei fehlender Mitarbeit abzulehnen. Schulisch gesehen ist das eine glatte 6 und entscheidet darüber, ob Lebensmittel und Miete bezahlt werden oder nicht.
Ich kenne viele Menschen, die aus Angst vor den unausweichlichen Folgen solche Briefe gar nicht öffnen können und, wenn sie noch einigermaßen mitdenken können, Hilfe suchen.
Meine Amygdala, mein Innerer Schweinehund und ich sind es aus meiner wirklich altmodischen Schulzeit noch gewohnt, regelmäßig ein Blatt Papier zum Ausfüllen vor uns auf dem Tisch liegen zu haben mit dem Aufruf „Zeit läuft“. Meine Amygdala hat wohl damals schon begriffen, dass es jedesmal um meine Zukunft geht und ich mir hierbei eine Note abholen werde, die mir mein Zeugnis bestenfalls verschönern wird und schlechtestenfalls dazu führt, beim nächsten Papier im nächsten Fach dafür einen Ausgleich schaffen zu müssen. Mein Innerer Schweinehund wäre lieber spazieren gegangen, hat sich dann aber brav unter den Tisch gelegt.
Bei den nun politisch angedachten und in Ausarbeitung befindlichen Änderungen im sozialen Bereich kann ich nur davor warnen, innerhalb der Schulen eine Lernform aufzubauen, die in keiner Form geeignet ist, den tatsächlichen frontalen Anforderungen in der realen Welt standzuhalten. Menschen sind nicht angstfrei. Die Angst, einer nicht bewältigbaren Situation gegenüber stehen zu können ist im Menschen angelegt, um Kräfte für Lösungen zu mobilisieren. Menschen entwickeln häufig aus einer gewissen Not heraus neue Fähigkeiten, die sie im Nachhinein als positiv bewerten.
Auch ich kann mich nicht mehr an die Inhalte meiner in der Schulzeit geschriebenen Arbeiten erinnern. Ich kann aber, dem Inneren Schweinehund zum Trotz, jederzeit in den Papierkrieg ziehen. Im besten Fall verstehe ich auf Anhieb, was die Gegenseite von mir erwartet und liefere ab. In allen anderen Fällen erarbeite ich mir ohne große Lust das notwendige Wissen, um in dieser Spielvariante mir selbst oder anderen einen Vorteil oder existenzerhaltende Hilfen zu verschaffen.
Ich sehe nicht, an welcher Stelle sich eine Bereitschaft zum Verarbeiten von trockenem Verwaltungsstoff in einer Schule wie im Artikel beschrieben entwickeln soll. Ich bestätige nochmals: Bürokratie ist vorhanden, macht aber genau Null Spaß! Da hat mein Innerer Schweinehund völlig Recht.
Es macht auch keinen Sinn, wenn ein junger Mensch die wie oben beschrieben gestaltete Schule verlässt und hoch intrinsisch die Ungereimtheiten und Schwächen des derzeitigen Systems zu erkennen meint und dann am Bafög- Antrag scheitert. Völlig unmöglich wäre es, in Behörden jeden Menschen in seiner ganz besonderen Persönlichkeit zur Erwerbsminderungsrente begleiten zu müssen, statt einfach jedem dieselbe Aufgabe inklusive Fristen zu stellen.
Ich bin meiner damaligen, frontalen Schulzeit sehr dankbar, dass ich heute weiß, dass ich papierene und mittlerweile digitale Aufgaben lösen und damit wirtschaftliche Existenzen sichern kann. Das wird unter den Ideen der jetzigen Regierung und ihrer Nähe zur Wirtschaftsunion im Sommer wichtiger denn je. Und ja, Menschen haben Angst, vor allem vor diesen Folgen. Eine entsprechende Übung auf die reale Welt da draußen halte ich für notwendig. Und die lautet ganz klar: „Setze dich jetzt an diese Aufgabe, ob du Bock hast oder nicht! Zeit läuft! Und wenn du es vermasselst, wird es noch viel komplizierter und du musst um deine Existenz bangen.“ Alles andere halte ich für schädlich für die heranwachsende Generation.
„Setze dich jetzt an diese Aufgabe, ob du Bock hast oder nicht! Zeit läuft! Und wenn du es vermasselst, wird es noch viel komplizierter und du musst um deine Existenz bangen.“
Ich denke tatsächlich das dieser Satz in Deutschland in ähnlichen Varianten millionenfach internalisiert ist. Er sagt somit viel über die kollektive psychische Befindlichkeit der Biodeutschen. Getragen vom pädagogenhaften Glauben daran, dass dieser in die Köpfe eingepflanzte Glaubenssatz zu dem gewünschtem Ergebniss der zufriedenstellenden oder besseren Leistung führe. Was davon hängenbleibt ist: Dinge tun auf die man keinen Bock hat und bangen.
Ich habe den Eindruck, dass Sie meinen Beitrag nicht gelesen haben, sonst würden Sie nicht in dieser Form ausschließlich auf meinen zweitletzten Satz antworten.
Die kollektive psychische Befindlichkeit ist eben nicht auf die Erfordernisse unserer Realität eingestellt, die ganz trocken genau das einfordert: die schriftliche Antwort und Mitarbeit auf einen bestimmten behördlichen, gerichtlichen oder steuerrechtlichen Vorgang mit Fristsetzung.
Jedenfalls mich hat dieser Satz angesprochen. Es ist ein verinnerlichtes Verhältnis gegenüber der Obrigkeit, welche etwas einfordert, das fristgerecht zu erfüllen ist.
Es ist das Verhältnis gegenüber eines Sozialstaates, der im weltweiten Vergleich zu großen Teilen für den Wohlstand seiner Bürger sorgt. In Deutschland läuft nicht alles perfekt und ja, die überbordende Bürokratie ist ein Problem, an das sich keine Partei so wirklich ran traut. Aber ein solcher Staat funktioniert nur mit Regeln und einer Bevölkerung, die sich in weiten Teilen daran hält, da ansonsten das System zusammenbrechen würde. Dazu MUSS man eben auch mal Dinge einfordern oder man bricht dem Egoismus freie Bahn.
Viele internalisierte Glaubenssätze die während der eigenen Schulzeit geprägt wurden, werden mit dem Schulsystem unhinterfragt weitervererbt. So die im Artikel erwähnte Angstmacherei, welche natürlich mit Bindungs- und Beziehungssstörung korrespondiert.
Ganz genau. Und auch wenn ich manchmal wirklich gar keine Lust mehr darauf habe, schon wieder eine Stelle anzuschreiben und jede Menge Anlagen beizufügen, bin ich dankbar, dass bei uns nichts über Bestechung läuft. Ich hänge lieber noch weitere schwer zu beschaffende Dokumente an, als Kaffee, Blumen und einen Hunni beim Jobcenter vorbei zu bringen und zu hoffen, dass der Dame, dem Herrn dort meine Nase gefällt.
Und da dieser Satz von Seiten der Behörden, Gerichte, Versicherungen, Banken und Rententrägern alltäglich sind, habe ich ihn genau so geschrieben. Die „Obrigkeit“ erwartet Mitwirkung gegenüber einem Antragsteller und stellt üblicherweise Monatsfristen, damit auch sie die Anträge in angemessener Zeit bearbeiten kann. Das Finanzamt ist noch krasser, vor allem bei der Einkommensteuer. Da kann bei Fehlern oder Versäumnissen auch mit Haftstrafen gedroht werden.
So eine kleine Geschichtsarbeit in der Schule über eine eigentlich längst vergessene Epoche, für die man sich nicht vorbereitet hat und man nun eine schlechte Note fürchten muss, ist eine gute Möglichkeit für die Synapsen, Resilienz für das tägliche Szenario ein paar Jahre oder Jahrzehnte später zu bilden.
Es ist, als Tip für Sie persönlich, auch eine gute Übung für die tatsächliche Bürokratie, wenn man auch die längsten und langweiligsten Texte beispielsweise von der Rentenversicherung ganz und sorgfältig durchliest und sich nicht auf einzelne Sätze oder die Überschrift verlässt. Manchmal stehen Befristungen oder andere wichtige Hinweise auf Seite 2. Das Ganze ist auf langweiligem, braunem Ökopapier gedruckt und regt die Sinne nicht an, es durchzulesen. Schüler und Schülerinnen sollten mit diesen Herausforderungen klar kommen, wenn sie die Schule verlassen.
Sie glauben ernsthaft, dass Schülerinnen und Schüler Unsinniges in der Schule machen müssen, um sich auf langweilige Tätigkeiten später vorzubereiten?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Bitte definieren Sie “Unsinniges” und “langweilige Tätigkeiten, denn auch langweilige Tätigkeiten können durchaus sinnvoll und nützlich sein”! Danke!
Wir bezogen uns auf den Post von TaMU – steht drin. Herzliche Grüße Die Redaktion
… die nicht über „Unsinniges“ geschrieben hatte…
Wie kommen Sie bei meinen Ausführungen darauf, dass ich möchte, dass Schüler und Schülerinnen in der Schule Unsinniges lernen sollen? Ich finde die langweiligen und langwierigen Behördensachen sinnvoll, denn sie verhindern Korruption, behandeln alle Antragsteller gleich und sorgen mit den vielen Erhebungen für korrekte Zahlen.
Ich finde, man sollte in Schulen auch Leistung erwarten, wenn Aufgaben nicht extra auf Spannung getrimmt werden müssen, nur um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Es gibt Fächer, die sich mehr für Spannung eignen als andere, da sollten alle kognitiven Möglichkeiten angesprochen werden. In anderen Fächern glitzert es weniger.
Ich fürchte, Schüler und Schülerinnen haben heute schon Schwierigkeiten mit Formularen und beizufügenden Unterlagen. Und wenn das dann alles nicht klappt und eine Leistung ausbleibt, wird auf den miesen Staat geschimpft und bei der nächsten Wahl entsprechend gewählt. Dabei hatten sie häufig einfach keinen Bock, sich mit diesen Trivialitäten auseinander zu setzen, bis es durch Schlamperei dann schiefgegangen ist.
Ich bekomme solche Szenen in meiner Umgebung durchaus mit.
“Eine kleine Geschichtsarbeit in der Schule über eine eigentlich längst vergessene Epoche, für die man sich nicht vorbereitet hat und man nun eine schlechte Note fürchten muss…”
… ist nicht unsinnig?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Sie sind also der Meinung, dass man aus Geschichte nichts lernen kann? Dass man dieses Fach als unsinnig streichen kann, oder wollen Sie nur bestimmte Teile des Geschichtsunterrichts streichen? Wenn ja, welche denn genau?
Natürlich nicht. Aber offensichtlich ist es nicht gelungen, beim Schüler irgendein Interesse für die Epoche zu wecken (was kein Wunder ist, wenn sie mit “eigentlich längst vergessen” eingeführt und dann vorgebetet wird). Dann macht “eine kleine Arbeit” darüber auch keinen Sinn, außer das zu bestätigen, was man auch schon vorher wusste: dass kein Interesse beim Schüler bestand.
Resultat: Der Schüler hat nichts gelernt – viel Aufwand der Lehrkraft für null Ertrag. Ergo unsinnig. Womit wir beim Beitrag oben wären.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Also wird für jeden SuS alles gestrichen, an dem er keine Interesse hat? Hmmm. Könnte dann auf sehr rudimentäre Bildung rauslaufen…und außerdem , woher soll der SuS denn wissen, dass er an etwas, was er noch nicht kennengelernt hat, kein Interesse haben wird? Gibt ja durchaus mal Überraschungen.
Genau da liegt der Kern der Verrottung:
“Hat es Spaaaaaaaaß gemacht???!?!” ist der schlimmste mögliche Maßstab für Bildung.
Und verlogen obendrein:
Jeder der mit Kinder zu tun hat (Schloss Salem wohl ausgenommen) weiß, wie eine ECHT FREIWILLIGE Entscheidung zwischen…
– der tollsten Geschichtsstunde der Welt, bildungsratszertifiziert am Freitag, Mittagszeit
und
– schulfrei, unbegrenzte Playstation-Zeit & Chipstüte/Schokolade
ausfallen würde.
Nämlich im Verhältnis 80-20 zu Gunsten von “””Spaß””””.
Kennen Sie den Unterschied zwischen Spaß und Freude? Herzliche Grüße Die Redaktion
Karneval naht. Und da hamma
Spaß anne Freud.
Alles gar nicht so kompliziert. Humor ist eben, wennman trotzdem lacht.
Allerdings.
Raten Sie mal, wie viele Kinder solche leicht zu verwechselnden Konzepte irgendwie differenzieren und reflektieren können.
Ich möchte da meine früheren Lehrer in Schutz nehmen. Niemand hat jemals ein Thema mit den Worten „eigentlich längst vergessen“ eingeführt. Das habe ich intrinsisch für mich selbst so empfunden, weil ich manchmal und in der achten Klasse öfters beinahe schmerzhaft keine Lust auf Schule hatte. Da waren aber nicht die Lehrer daran schuld, sondern meine eigene Unlust, jeden Tag unfreiwillig zur Schule gehen zu müssen. Ich war nicht gerne in der Schule, sorry. Ich gehe nicht gerne immer wieder freudig an einen verpflichtenden Ort, auch wenn es dort an und für sich nett ist. Sowas gibt’s. Und das, obwohl die Lehrer und Lehrerinnen toll waren, zumindest die meisten.
„ Resultat: Der Schüler hat nichts gelernt – viel Aufwand der Lehrkraft für null Ertrag. Ergo unsinnig.“
Bedeutet in letzter Konsequenz: es gibt keine Curricula und keine Standards für Abschlüsse mehr, da SuS nun mal unterschiedliche Interessen haben. Was für Schüler A Ihrer Definition nach unsinnig ist (und er sich deshalb nicht damit beschäftigen muss), ist für Schüler B hochspannend.
Keine allgemeingültigen Curricula, keine Standards für Abschlüsse mehr: Wo ist der Vorteil? Und woher weiß ich, dass ich nichts gelernt habe, bevor ich mich damit beschäftigt habe? Und, nicht ganz unwesentlich: vielleicht habe ich inhaltlich nicht viel gelernt, aber Softskills wie Durchhaltevermögen und Selbstmotivation trainiert?
Die Frage bleibt, was Schule leisten soll.
“Es gibt keine Curricula und keine Standards für Abschlüsse mehr” – in letzter Kompetenz: stimmt. Das fängt bei der Begrifflichkeit an (“Abschluss” – Lernen ist mit der Schule nicht abgeschlossen) und hört beim “Standard” auf. Schon jetzt interessieren sich immer weniger Unternehmen für Zeugnisse und immer mehr für eigene Eignungstests. Warum wohl? Weil Schulnoten immer weniger darüber aussagen, was junge Menschen von dem draufhaben, was sie benötigen, um im Beruf erfolgreich zu sein. Stichwort: 21st Century Skills.
Warum müssen junge Menschen, die beispielsweise einen Pflegeberuf ergreifen möchten, an Mathe-Standards vorbei? Andersherum: Warum vermittelt Schule soziales Lernen (was nicht nur für Sozialberufe unumgänglich ist) allenfalls nebenbei?
Schule vermittelt – selbst im besten Fall – allenfalls einen kleinen Ausschnitt von dem, was junge Menschen für ihr späteres Leben benötigen. Das gilt umso mehr im heuten Informationszeitalter, in dem niemand mehr auch nur die nächsten fünf Jahre überblicken kann. Wäre nicht schlecht, das mal realistisch zu sehen. Und vielleicht gar keine “Abschlüsse”, sondern Zeugnisse/Testate über erworbene Kompetenzen anzubieten. Dafür gibt es durchaus Modelle. Gerne hier nachlesen: https://deutsches-schulportal.de/konzepte/portfolio-dialogische-form-der-leistungsbeurteilung/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Warum müssen junge Menschen, die beispielsweise einen Pflegeberuf ergreifen möchten, an Mathe-Standards vorbei?
Zu welchem Zeitpunkt wissen junge Menschen, dass sie einen Pflegeberuf ergreifen möchten? Es gibt auch welche, die wollen Ärzte, Architketen und andere Berufe erlernen, in denen Mathestandards wichtig sind. Und es wird nicht sinnvoll sein, mit der Vermittlung der Kenntnisse zu warten, bis der letzte der Schüler weis, was er mal werden möchte.
Das gegliederte Schulsystem glaubt ja schon bei Zehnjährigen wissen zu können, wohin die Reise geht – mit 14, 15 sollte man dann tatsächlich wissen, wo die Neigungen eines Jugendlichen liegen. Wie viele junge Menschen scheitern an Standards, die sie nie und nimmer in späteren Berufen benötigen würden? Zur Erinnerung: Über 60.000 Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss und damit ohne Perspektive auf eine Ausbildung – jedes Jahr. Was für eine Vergeudung von Potenzial!
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Sie haben @Meiomeis nicht entkräftet.
Die Tatsache, dass so viele Kids die Schule ohne Abschluss verlassen, haben kaum mit Schule zu tun, sondern in der Regel mit ihren Problemen außerhalb. Nicht einmal die Sprachprobleme sind so bedeutend, denn Kids mit Migrationsgeschichte aus stabilen Verhältnissen haben kaum Probleme.
Außerdem wissen die wenigsten Kids mit 14-15, was genau sie später tun wollen. Bei uns wird BO sehr ernst genommen. Neigungen ändern sich noch. Neigungen entsprechen nicht immer deb tatsächlichen Kapazitäten.
Zwingen eine bestimmte Richtung einzuschlagen dürfen wir niemanden.
Zwar bin ich dagegen, Kids am Ende der vierten Klasse auf unterschiedliche nach vermeintlichem Leistungsvermögen auf unterschiedliche Schularten zu separieren, aber ich denke nicht, dass die Separierung dazu führt, dass 60.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen.
Die Schule – genauer: das Schulsystem – hat nichts damit zu tun, wenn so viele Schülerinnen und Schüler scheitern (in Mecklenburg-Vorpommern schon jeder zehnte)?
Dann hat die Bahn auch nichts mit unpünktlichen Zügen zu tun?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ach so, dann haben die Probleme, die sehr viele Kinder heutzutage außerhalb der Schule ansammeln, keinen Einfluss?
Das muss ich mal unserem Schulpädagogischen Team erzählen. Was werden die lachen.
Doch natürlich, aber das Schulsystem muss damit umgehen können. Es kann sich schließlich keine neue Kundschaft backen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Deshalb ja der Run auf Ersatzschulen und Privatschulen.
Genau! Und das Bahnpersonal muss mit den maroden Gleisanlagen, Weichen, Stellwerken, fehlendem Personal, ausfallenden Klimaanlagen, kaputten Bordtoiletten … nur richtig umgehen können. Die können sich auch keine neuen Kunden backen. Die Kunden steigen dann halt aufs Auto um (wer kann) und die Kunden des Bildungssystems steigen auf Privatschulen um (wenn sie können). So löst man Probleme, die aber nicht vom Bahnpersonal oder Schulpersonal an der Basis verursacht wurden.
Das Schulsystem muss dieses und jenes. Ja, wissen wir.
Die “Kundschaft” (die Bürger*innen dieses Staates) bestellt inzwischen Dinge, die das System gar nicht anbietet.
Wenn diese “Bestellungen” bedient werden sollen, muss man das System anpassen. Geschieht dieses nicht, dann können auch die “Bestellungen” nicht bedient werden. So weit, so richtig.
Es gibt allerdings einen großen Unterschied zur Wirtschaft: Die “Kundschaft” ist selbst “Geschäftsleitung”.
Das vergessen viele. Sie offensichtlich auch.
Die Schulsysteme sind (in Deutschland Plural!) staatlich, also müssen die Bürger*innen unseres Staates (“Kundschaft”) selbst dafür sorgen, dass sie dem entsprechen, was sie erwarten.
Entweder sie sorgen dafür, dass die Systeme umstrukturiert/umorganisiert werden oder sie sorgen für umfassende Gesellschaftsveränderungen, damit die Systeme arbeiten können.
Offensichtlich ist die “Kundschaft” aber gar nicht gewillt, aktiv zu werden, obwohl sie Bildung inzwischen als größtes Problemfeld ausgemacht hat.
Wo sind die Demos? Wo ist Bildung Thema Nr.1 im Wahlkampf?
Als “Geschäftsleitung” kann man sich nun einmal nicht zurücklehnen, sich selbst zur “Kundschaft” umbenennen und erwarten, dass andere machen.
Da gehen wir mit. Herzliche Grüße Die Redaktion
Schon jetzt interessieren sich immer weniger Unternehmen für Zeugnisse und immer mehr für eigene Eignungstests. Warum wohl? Weil Schulnoten immer weniger darüber aussagen, was junge Menschen von dem draufhaben, was sie benötigen, um im Beruf erfolgreich zu sein.
Vielleicht sind die Zeugnisse nicht mehr aussagekräftig, weil geschönt wird, dass sich die Balken biegen?! Gerade frisch in Zeugniskonferenzen erlebt.
Fehler sind doch wünschenswert, das habe ich gerade in dem neuen Aufmacher gelesen.
Die Person, die den Fehler begangen hat, sich nicht vorzubereiten, lernt aus der Konsequenz, die ihr Fehler hatte, hoffentlich, dass sie sich in Zukunft besser vorbereitet und sich dann nicht fürchten muss.
Und was hat das dann noch mit dem zu vermittelnden Inhalt – Geschichte – zu tun?
Um mal unseren Gastautor aus dem Beitrag oben zum Thema Angst als Motivation zu zitieren: “Registriert die Amygdala Gefahr – etwa durch Angst vor Blamage, soziale Abwertung, permanente Kontrolle oder Druck ohne Beziehung –, schaltet das Gehirn in den Überlebensmodus. Stresshormone werden ausgeschüttet, die Aktivität des präfrontalen Cortex sinkt, also genau jenes Bereichs, der für Denken, Planen und Verstehen zuständig ist. Das Ergebnis ist eindeutig: Unter Angst ist tiefes Lernen biologisch blockiert (LeDoux, 2000; Immordino-Yang, 2016). Merksatz: Angst schaltet Denken ab.”
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Bei Angststörungen kann man sich Hilfe holen. Das ist heutzutage kein Ding, wie ich aus beruflicher Erfahrung weiß.
Ganz ehrlich, ich bin inzwischen so weit, zu sagen, dass man jungen Menschen alles mögliche antrainiert.
Jungen Menschen wird suggeriert, dass sie ja nicht funktionieren können, weil ja immer irgendwas Schlimmes ist, das ihnen Angst macht.
Nehmen wir nur die “Modeerscheinung” ADHS-Diagnose.
Interessant ist doch, dass in allen Wohlstandsgesellschaften ähnliche Phänomene auftreten. Wohlstand (soziales Netz und doppelter Boden) sowie Freiheit (insbesondere die Freiheit, dumm zu handeln) können Gesellschaften kaputt machen.
Auch auf politischer Ebene ist das ein Problem, denn es kann keine absolute Erfüllung der eigenen Erwartungen geben.
Wir leiden unter gesellschaftlicher Wohlstandsverwahrlosung. Davon müssen wir weg. Statt “Du Arm*r, du kannst ja nichts dafür, denn …” muss es heißen “Hey komm, du schaffst das! Mach’ mal! Und wenn es etwas schwieriger ist, kriegst du auch Unterstützung dabei.”
Wenn jemand wirklich psychisch erkrankt ist, ist ein „hey komm, du schaffst es“ häufig eine Überforderung mit Folgen in den nachfolgenden Tagen und Wochen. Bei psychischen Verstimmungen, bei klar lokalisierbaren Ängsten wie Höhenangst oder der Angst vor anderen zu reden, kann es funktionieren.
ADHS ist eine schon lange bekannte und beobachtete meistens genetisch bedingte neurologische Störung im vorderen Stirnlappen, bei der der Botenstoff Dopamin nicht ausreichend weitergeleitet wird, was durch die neuere Forschung entdeckt und medikamentös behandelbar wurde. Die Bezeichnung „Modeerscheinung“ ist für viele Betroffene und ihre Familien sehr belastend, da viele sich weigern, sich oder ihr Kind überhaupt diagnostizieren zu lassen, um nicht abfällig belächelt zu werden.
Ich finde ebenfalls, dass Kindern und Jugendlichen häufig eher nahegelegt wird, sicher eventuell „unwohl“ mit etwas zu fühlen, statt sie zu ermutigen, ihre eigene Erfahrung zu machen und eine schwierige Situation eventuell sogar spannend zu finden. Ihr tägliches Leben ist aber von anstrengenden Erfahrungen geprägt und ich finde viele junge Menschen als sehr zäh und durchhaltefähig.
Erkrankungen würde ich aber niemals unterschätzen.
? Ich unterschätze keine Erkrankungen, sondern kritisiere unsere Gesellschaft.
Ganz ehrlich, ich bin inzwischen so weit, zu sagen, dass man jungen Menschen alles mögliche antrainiert.
Kann ich aus meinen Beobachtungen genauso bestätigen.
Wenn meine Amygdala permanent durch die Reaktion meiner Umgebung auf mein bloßes So-Sein, meine normalen Leistungen und auch mal auf meine Inkompetenz vor Angst durchdrehen würde, würde ich mir Hilfe suchen. So etwas ist behandlungsbedürftig.
Falsch! Der Lehrer lernt, dass er diesen Schüler in Zukunft nicht unter Druck setzen darf, damit dieser keine Angststörung entwickelt. Er wird also die Samthandschuhe anziehen, Kreide fressen und dem Schüler und den Elternviiiiel Honig ums M…. schmieren. (Sarkasmus)
Wenn man wie ich vor Kurzem in den Ruinen des Heidelberger Schlosses steht und ein paar jungen Leuten zuhört, wie sie bedauern, dass im Zweiten Weltkrieg so viel Zerstörung wie hier in Heidelberg geschehen ist, bin ich froh, lustlos in der achten Klasse mal irgendetwas über Erbfolgekriege Ende des 17. Jahrhunderts gelernt zu haben. Ich fand es peinlich, dass diese jungen, modernen und wahrscheinlich intelligenten jungen Menschen so selbstbewusst und dabei ahnungslos vom 2. Weltkrieg in Heidelberg faselten. Wahrscheinlich war das rein intrinsisch, zerstörte Gebäude erinnern einen nun einmal an Krieg. Da kann man schon mal durcheinander kommen…
“Dinge tun auf die man keinen Bock hat”
Nichts für ungut, aber so ist das Leben nun einmal auch.
Und wenn man das schon zuhause nicht mehr lernt, weil dort sämtliche Bedürfnisse immer sofort bedient werden und man nichts machen muss, worauf man keinen Bock hat, wird das Erwachsenenleben gar nicht schön, wenn man nicht einmal in der Schule den eigenen Schweinehund überwinden muss.
Überhaupt, die Vorstellung, dass alles immer so sein sollte, wie man sich es wünscht, ist Teil des Problems in allen reichen westlichen Industrieländern.
Wir sind nämlich gar nicht mehr da, wo wir zu unserer eigenen Schulzeit noch waren.
Ich bin niemand, die meint Heranwachsenden Angst einflößen zu müssen, damit sie lernen, sondern mache ihnen immer wieder klar, dass sie immer auf mich zukommen können, wenn irgendwas nicht rund läuft, wenn sie Fragen, Probleme etc. haben, die ihnen das Verstehen und Arbeiten unmöglich machen, … Und das funktioniert bei sehr vielen recht gut.
Aber raten Sie mal, was für Menschen das sind! Genau, solche, die wissen, dass es nicht immer nach Bock gehen kann.
“.. Ich bin niemand, die meint Heranwachsenden Angst einflößen zu müssen, damit sie lernen, .. “
Das wollen inzwischen wohl auch eher wenige und noch weniger würden es zugeben, wenn sie es wollen.
Viel wesentlicher ist das Innenverhältnis, die innrere Stimme, die viele nicht mal interpretieren können, als etwas das ihnen eingepflanzt wurde.
Kürzlich unterhielt ich mich mit einem Kind das bei Meisterschaften im Sport große Erfolge erzielt über etwas schulisches. ” Dafür ist er zu dumm ” sagt das Kind mir. Spannend, woher es wohl diese Botschaft hat, hm? Ja, das meine ich mit millionenfacher Internalisierung. Es hat sie natürlich von seinen Eltern, die ihrem Kind das vielleicht nicht direkt sagen, aber vermitteln, was ihnen selbst damals in der Schule vermittelt wurde.
Nichts für ungut, aber da ist doch nicht die Schule Ursache.
Vielleicht fühlen sich einige angetriggert? So viele Kommentare dazu.
Na ja, doch, sicher. Das, was den Eltern während ihrer eigenen Schulzeit vermittelt wurde geben sie nun weiter.
Nee, die geben weiter, was gesellschaftlich gerade Sache ist.
An meiner Schule haben die Kinder eher keine Angst vor schlechten Noten. Manchmal wünschen sich die Kolleg*innen das schon fast, weil d Kids so gechillt sind.
Die sind höchstens sauer, weil sie wegen Nichtstun dann doch mal eine schlechte Bewertung bekommen.
Insgesamt sind die da recht entspannt. Und dann sind da ja noch die Eltern, die uns dann richtig Stress machen, weil … irgendwas.
Nee sorry, aber Ihre Vorstellungen mögen auf irgendwelche Elite-Gymnasien zutreffen, ansonsten liegen Sie wirklich daneben.
Ganz genau. Ich bin auch da für ein paar Menschen um mich herum, die überfordert sind mit den vielen behördlichen Schreiben, die man bekommt, wenn das Leben durch Krankheit und Behinderung nicht mehr geradeaus läuft.
In fast jedem behördlichen Schreiben steht drin, dass man innerhalb einer bestimmten Frist irgendwelche Dinge zu tun hat, auf die man spontan bestimmt keine Lust hat und dass die Leistung versagt wird, wenn man nicht mitarbeitet.
Das ist doch ein gutes Beispiel für einen Lernprozess, der nicht nach dem Nürnberger Trichter erfolgt?
Und jetzt übertragen Sie bitte TaMus Beispiele auf schulische Anforderungen und schildern mal ein Beispiel ,wie das dann für Schüler abläuft.
Es braucht Disziplin, um notwendige Dinge zu tun, auf die man keine Lust hat. Das System funktioniert an dieser Stelle frontal. Das hört sich für mich eher nach Schule 1980 an und weniger nach dem, was im Artikel vorgeschlagen wird.
Entdeckendes Lernen also – was passiert, wenn ich mich nicht wie gewünscht verhalte.
Genau. Und unter dem Bescheid, dass eine Leistung wegen mangelnder Mitarbeit eingestellt wurde, steht noch nicht einmal ein Name, da das Schreiben elektronisch erstellt wurde. So unpersönlich und kühl sieht das aus auf dem graubraunen Ökopapier. Richtig gruselig. Und es wird auch noch so dargestellt, als habe der Antragsteller etwas gewollt und gar nicht das Amt. Das kann empfindliche Gemüter richtig durcheinander bringen.
Im Arbeitsleben muss ich auch Dinge tun, auf die ich keinen Bock habe oder die ich nicht kann. Deutschland ist generell ein Land der Bürokratie und Anträge, die Sinnhaftigkeit zu hinterfragen ist oft müßig. Was ich aber nicht tun muss ist bangen, denn meine schulische Bildung außerhalb einer privilegierten Privatschule hat mir genau diese Fähigkeiten vermittelt, auch unangenehme Dinge anzugehen und keine Angst zu haben, mich in etwas Neues einzufinden (und mich danach im Übrigen gut zu fühlen, wenn Themen erledigt sind). Im Gegensatz dazu habe ich junge Kollegen, die ganz viel reden wollen und ganz kreativ sind und gern einen Arbeitskreis bilden, aber leider immer andere Kollegen brauchen, um ihre Arbeit hinzukriegen, oder die KI um bunte Präsis bitten. Wenn das das Outcome dieser Lernformen ist…
Jede Gesellschaft braucht beides: die Kreativen und die, die das umsetzen. Also müssen wir beides -auch in Schule – anbieten. Dann gibt es einfach verschiedene Schulkonzepte. Hauptsache, es werden alle gleich gut ausgestattet. Das wäre für mich entscheidend und nicht, dass die dann nichts können und dafür Leute brauchen. Alle sollen gute Bedingungen zum Lernen bekommen: die einen frei und kreativ und die anderen strukturiert und instruiert – je nach Lerntyp.
Meinen Sie mit ” die Kreativen” Menschen, die im Konjunktiv, aus der Ferne, aus dem Elfenbeinturm … Forderungen/ Wünsche an andere formulieren? Oder meinen Sie Menschen, die selbst kreativ tätig werden und aus Sch …. Bonbons machen? Ich bevorzugen letztere! 🙂 Ideen haben, ist recht einfach – aber das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis. Bevor ich etwas von anderen fordere, sollte ich es selbst ausprobiert haben, nicht nur meine persönliche Meinung, denn schon Goethe sagte: ” Grau ist alles Theorie …. ” 🙂
Ich meine Menschen mit Visionen, wie in der Zukunft Lösungen für Probleme entstehen könnten. Auch, wenn sie diese nicht ohne Hilfe umsetzen können, sondern ein Team für diese brauchen, sind sie doch notwendig. Ohne Out-of-the-box- Denken kommen wir in der Zukunft nicht weiter.
Echte Kreativität ist mehr, als die meisten Menschen umgangssprachlich darunter verstehen:
Kreativität – Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik
Dem stimme ich zu.
Jede Aufgabe hat seine Schattenseiten, die nicht angenehm sind, müssen aber gemacht werden. Ärzte sollen viele Dokumente einfüllen, ein Projekt muss vor dem Vorstand verteidigt werden, manchmal mit viel Stress und Kampf. Werkzeug muss nach der Arbeit sauber gemacht werden. Sogar eine wunderschöne Lösung der Matheaufgabe muss klar beschrieben werden für die Rezensenten/Prüfer.
Wie einer der Professoren in meiner Uni zu sagen pflegte, “um ein Resultat zu bekommen, muss man oft einen gusseisernen Hintern haben”.
In der Regel stimmt es, meiner Meinung nach.
Vor allem “der” Aufgabe.
Ob das so stimmt, stimmig ist, hängt ja von ihrem Innenleben ab.
” .. Stress, Angst und Bloßstellung blockieren den präfrontalen Cortex und damit genau jene Hirnareale, die wir für Lernen brauchen (LeDoux, 2000; Immordino-Yang, 2016). Eine tragfähige Lehrer-Schüler-Beziehung gehört zu den wirksamsten Faktoren für Lernerfolg .. “
Damit sind Generationen von deutschen SuS umgegangen, die einen mit mehr die anderen mit weniger Leidensdruck. Und im späteren Leben setzt sich das so erlernte eben fort und wird weitervermittelt.
Schule der Spiegel der Gesellschaft und nicht umgekehrt die Ursache für die gesellschaftlichen Probleme.
„Setze dich jetzt an diese Aufgabe, ob du Bock hast oder nicht! Zeit läuft! Und wenn du es vermasselst, wird es noch viel komplizierter und du musst um deine Existenz bangen.“
So isses halt. Ich hab/hatte überhaupt keine Lust und kein Vergnügen daran, Arbeiten zu korrigieren, die Wohnung zu putzen, Wäsche zu waschen, meinen kleinen Kindern die Windeln zu wechseln, mich mit nervigen Schülereltern zu beschäftigen, Nazis in meiner Nachbarschaft zu haben und und und. Und trotzdem muss ich mich halt kümmern, sonst wird es immer komplizierter und geht sogar an meine Existenz.
” So isses halt.” Gell? Doch so ein Glaubenssatz den viele kennen. Ich glaube die Frage ist wie sehr belastet (mich) das.
Das Thema interessiert mich aus eigener Betroffenheit, soziale Ängste vor zahlreichen Situationen haben mein Leben lange Zeit bestimmt.
Ich dachte, meine Ängste von damals die z.B. dazu geführt haben das ich Referate grundsätzlich verweigerte, machten mich zu einem unakzeptablen Menschen der es einfach nicht kann. Ich trug negative Glaubenssätze (Selbstbeschimpfung) über mich und mein Leben mit mir herum, sie waren einfach da und ließen sich auch nicht mehr abstellen.
Wenn einen “das Leben auf die Reihe kriegen” zu sehr belastet, dann muss man sich Hilfe suchen.
Dass man das heutzutage kann, ist eine entscheidende Veränderung zu früher.
Wir haben an meiner Schule zig solcher Fälle.
Das krasseste Beispiel ist eine Person, die sich weder mündlich beteiligen, noch Referate/Präsentationen halten noch schriftlich geprüft werden kann. Alles ist attestiert.
Sie kann maximal zuhause etwas verfassen, was heutzutage wegen der KI-Nutzungs-Wahrscheinlichkeit keine wirkliche Option ist.
Eigentlich kann man einer solchen Person kaum Rückmeldung geben, weshalb sie überall Dreien erhält, weil niemand sich irgendwie etwas vorwerfen lassen will.
Sie sehen, es hat sich sehr viel verändert zu früher.
Diese Person kommt so vielleicht durch die Schulzeit. Doch nicht jede Herausforderung im späteren Leben kann durch ein ärztliches Attest ausgesessen werden.
Wenn Sie (vermutlich in der Pubertät?) soziale Ängste entwickelt haben, kann der Therapieansatz meiner Ansicht nach nicht sein, für alle SuS jegliche Anforderungen zu reduzieren. Im Regelfall ist inzwischen in solchen Fällen ein Psycholologe/Therapeut involviert, welcher in einem Gutachten Empfehlungen für konkret diesen Schüler bzgl. der Schule ausspricht und an welche sich die Kollegen auch halten (Nachteilsausgleiche und Co).
Die vollständige oder nahezu vollständige Vermeidung stresserzeugender Situationen führt meiner Erfahrung nach sehr schnell zu einer deutlichen Abnahme der Resilienz. Das wiederum führt dazu, dass sich die Angst vor diesen Situationen verstärkt – ein Teufelskreis.
Tja, es bedarf eines Gnadenhofes für die old-school Lehrkräfte der Boomerkohorten.
Wo sollen sie auch hin, wenn sie nicht einmal mehr in die Schule dürfen, um Angst und Schrecken zu verbreiten?
Vielleicht zum Finanzamt? Oder zur Agentur für Arbeit?
Aber da sind die Kunden älter, dann doch lieber Schule.
Die sehen nur älter aus, aber bei beiden Ämtern sind sie wieder wie Kinder, weil ja meistens etwas geprüft wird, auf das kein Mensch Lust hat. Also immer noch eine Option…
Ohja! Da fühlt man sich auch nur als Begleitperson (akademisch gebildet und Muttersprachler) manchmal ziemlich verar…t., bzw. Nicht für voll genommen. Gilt aber, zum Glück, nicht für alle dort Beschäftigten, aber, nach meinen Erfahrungen, für zu viele. Leider! Woran liegt es? Frust – wegen zu vieler schlechter Erfahrungen, Unkenntnis, Desinteresse, Dienst nach Vorschrift, Bürokratie Überarbeitung, … ? Wahrscheinlich eine ungute Mischung aus allem.
Man muss mit Spaß an die Sache rangehen. Auf jedem Bescheid steht, dass man die Angaben zur Niederschrift angeben kann. Das bedeutet, man behauptet nicht schreiben zu können. Also muss ein Behördenmitarbeiter ran. Der stellt dann ganz schnell beim Ausfüllen fest, dies und jenes trifft im vorliegenden Fall nicht zu. Besser als jede Ausfüllanleitung.
Am lustigsten dabei ist, wenn zu den Fragestellungen die nach dem höchsten Bildungsabschluss gehört. – Und man dann seinen Master oder vergleichbar angibt.
Coole Idee! 🙂 Dann werde ich jetzt wohl ab und zu meine Brille vergessen, das müsste auch schon helfen.
Die sollen mal zu mir in die Fortbildung, da lernt man das entspannte Wechseln auf “Spaß und Freude sind das Ziel von Schule.”
Einfach mal mitgehen.
Dann ist der Job auch wieder super.
Wo-wann-Dauer-Fahrtkosten und Fortbildungsspesen ? 😉 , geht auch online-Zuschaltung ohne Bildwiedergabe ? ……
Das geht alles diese Drohne ist total online! 🙂
Fortbildung ist wichtig.
Also geh mich fort mit die Bildung
Das Lehrerleben wäre ganz wunderbar, wenn wir alle an privaten Gymnasien mit Internat arbeiten würden.
Herzlichen Dank für den inspirierenden Beitrag. Ich habe mir erlaubt, den Abschnitt 3 für meine PH-Studierenden mit HiGen zu animieren.
Denken Sie, dass Menschen, die in 80-90 Jahren die Schule besucht haben, weniger Kompetenzen haben, um sich an die immer entwickelnden Systeme und Kenntnisse anzupassen? Kann die moderne Schule bessere Resultate erreichen?
In meiner Umgebung schaffen es Menschen hervorragend. Auch die noch ohne Komputer groß gewordene Bekannte benutzen die neuen Technologien, die für ihren Bereich wichtig sind.