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Klimakrise, gesellschaftliche Spannungen, Zukunftsängste: Viele Schüler*innen erleben „multiple Krisen” und fühlen sich ohnmächtig. Selbstwirksamkeit – das Vertrauen, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können – ist ein zentraler Schlüssel, um von Ohnmacht zu Gestaltung zu gelangen. Fünf Methoden aus dem neuen „Methodenbuch für selbstwirksames Lernen” zeigen, wie Lehrkräfte diese Kompetenz fördern können.

Von Nora Hilbert, Valeria Pfeiffer und Judith Holle
Die Situation kennen viele Lehrkräfte: Eine Schülerin sitzt vor ihrer Projektarbeit und wartet auf Anweisungen. Ein Schüler fragt zum dritten Mal, ob seine Idee „richtig” ist. Die Klasse diskutiert hitzig über ein gesellschaftliches Thema, doch sobald die Lehrkraft den Raum verlässt, verstummt die Diskussion.
Was auf den ersten Blick wie mangelnde Motivation aussieht, ist meist ein Symptom: Junge Menschen haben oft nie gelernt, Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass viele Schüler*innen heute das Gefühl „multipler Krisen” erleben. Kein Wunder angesichts von Klimawandel, gesellschaftlichen Spannungen und einer rasanten Veränderung des Arbeitsmarktes durch Digitalisierung und KI. Die Anforderungen an Schule verändern sich damit grundlegend: Es geht nicht mehr nur um Wissensvermittlung, sondern darum, junge Menschen zu befähigen, mit Unsicherheit umzugehen und Gesellschaft mitzugestalten.
Selbstwirksamkeit als Schlüssel
Selbstwirksamkeit – das Vertrauen, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können – ist dabei ein zentraler Schlüssel. Doch wie lässt sich diese Kompetenz im Schulalltag fördern? Fünf praxiserprobte Methoden zeigen, wie Lehrkräfte mit wenig Aufwand viel bewirken können.
- „Überschrift für den Tag” – Aktivierung durch Perspektivwechsel
Zu Beginn einer Stunde formuliert jeder Schülerin einen Film- oder Buchtitel, der die eigene Stimmung beschreibt. „Wie bist du heute da – und wenn du Hauptdarsteller deines Films wärst, welchen Titel würdest du wählen?” Diese kreative Methode dauert nur zehn Minuten, holt aber alle ins Boot, schafft eine lockere Atmosphäre – und signalisiert von Anfang an: Hier geht es um euch.
2. „Perspektivwechsel-Diskussion” – Empathie entwickeln
Schülerinnen und Schüler schlüpfen bewusst in andere Rollen und argumentieren aus deren Sicht – selbst wenn diese nicht der eigenen Meinung entspricht. Ein Klimaaktivist argumentiert plötzlich aus Sicht eines Industrievertreters, eine Schülerin vertritt die Position einer Politikerin. Durch diesen Perspektivwechsel lernen die Jugendlichen, Argumente differenzierter zu betrachten und Empathie zu entwickeln. Besonders wirkungsvoll: Nach der ersten Diskussionsrunde wechseln alle erneut die Rollen.
- „Blick in den Spiegel” – Feedback geben und annehmen
Feedback zu geben und anzunehmen ist eine Schlüsselkompetenz. Eine Person setzt sich freiwillig mit dem Rücken zur Gruppe auf einen Stuhl. Die anderen geben konstruktives Feedback: Was schätzen wir an dir? Was könntest du anders machen? Die Person hört nur zu, ohne sich zu verteidigen. Anschließend dreht sie sich um und teilt mit, was angekommen ist. Diese Methode schafft einen geschützten Raum für ehrliche Rückmeldungen und fördert die Fähigkeit, Kritik anzunehmen.
4. „Handabdruck-Map” – Von der Ohnmacht zur Gestaltungskraft
Viele Schüler*innen fühlen sich angesichts globaler Krisen ohnmächtig. Die Handabdruck-Map zeigt konkrete Handlungsmöglichkeiten auf: Auf einem Blatt zeichnen sie ihre Hand und notieren ihre verschiedenen Rollen (Schülerin, Vereinsmitglied, Tochter), Wirkungsfelder (Schule, Nachbarschaft, Social Media) und mögliche Verbündete. So entsteht eine persönliche Landkarte struktureller Veränderungsmöglichkeiten. Statt nur individuell „nachhaltiger” zu leben, erkennen die Jugendlichen: Ich kann Rahmenbedingungen mitgestalten – für viele Menschen, nicht nur für mich selbst. Das Konzept wurde von Germanwatch entwickelt und stärkt gezielt die Selbstwirksamkeit.
5. „Scrum für Lernprojekte” – Selbstorganisation lernen
Aus der Softwareentwicklung in den Unterricht: Scrum strukturiert größere Lernprojekte in überschaubare „Sprints” von ein bis vier Wochen. Die Schüler*innen definieren selbst ihre Lernziele, visualisieren Aufgaben auf einem Kanban-Board („Zu erledigen”, „In Arbeit”, „Erledigt”) und treffen sich täglich für kurze Stand-up-Meetings: Was habe ich gestern geschafft? Was plane ich heute? Wo brauche ich Unterstützung? Am Ende jedes Sprints folgt eine Retrospektive: Was lief gut? Was können wir verbessern? Diese Methode fördert Selbstorganisation, Teamarbeit und kontinuierliche Reflexion – Kompetenzen, die weit über die Schule hinaus relevant sind.
Anschaulich und praxisnah
Alle fünf Methoden stammen aus unserem neu erschienenen „Methodenbuch für selbstwirksames Lernen” von beWirken. Wir haben über 50 Methoden zusammengetragen, die seit Jahren in Schulen und in der außerschulischen Bildungs- und Jugendbeteiligungsarbeit erprobt werden. Die gesammelten Methoden sind sortiert nach dem WIRT-Modell (Warm-up, Interaktion, Reflexion, Transfer) und haben eines gemeinsam: Sie ermöglichen echte Selbstwirksamkeitserfahrungen und schaffen Lernprozesse, in denen die Lernenden die Verantwortung für ihr Lernen mittragen und gestalten können. Lehrkräfte werden dabei nicht überflüssig, im Gegenteil: Ihre Rolle wandelt sich von der primären Wissensvermittlerin zur Lernbegleiterin, die Räume öffnet, Lernende coacht und Prozesse moderiert.
Das Besondere: Zu jeder Methode gibt es Hinweise auf Stolpersteine, Varianten für unterschiedliche Gruppengrößen und konkrete Tipps aus der Praxis. Viele Vorlagen stehen zusätzlich digital zum Download zur Verfügung – lizenziert unter Creative Commons, also frei nutzbar und anpassbar für den eigenen Unterricht. Eingebettet sind die Methoden in fundierte theoretische Grundlagen etwa zu zukunftsfähigem und sebstorganisiertem Lernen, Growth Mindset, Handlungs- und Gestaltungskompetenz. Mit dem Buch können auch die Lehrenden selbst auf Lernreise gehen, ihre Haltung reflektieren und sich weiterentwickeln.
„Dieses Buch ist mehr als eine Methodensammlung. Es ist ein visueller Werkzeugkasten für lebendiges, selbstwirksames Lernen. (…) Jedes Kapitel ist so anschaulich und praxisnah aufbereitet, dass man sofort Lust bekommt, es auszuprobieren“, sagt Leonie Feitenhansl, Lehrerin und Gründerin der Bildungsplattform Kunstundstunde, über das Buch. Es richtet sich an Lehrkräfte, die ihre Schülerinnen und Schüler stärken und dabei unterstützen möchten, eigenständiger und selbstwirksamer zu lernen.
Mehr Informationen und Bestellmöglichkeit:
https://bewirken.org/das-methodenbuch-fuer-selbstwirksames-lernen/
Dies ist eine Pressemitteilung / ein Advertorial der beWirken gGmbH.
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