LEIPZIG. Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland steigt erstmals seit Ende der Corona-Pandemie wieder an. Das aktuelle Deutsche Schulbarometer verweist auf eine problematische Entwicklung, die nach einer zwischenzeitlichen Entspannung erneut an Dynamik gewinnt – und macht zugleich deutlich, wie eng mentale Gesundheit mit Unterrichtsqualität, sozialer Herkunft und Partizipation im Schulalltag verknüpft ist. Von einem „Warnsignal“ ist die Rede.

Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler in Deutschland fühlt sich psychisch belastet. Das ist das Ergebnis des Deutschen Schulbarometers 2025/26, das die Robert Bosch Stiftung gemeinsam mit der Universität Leipzig vorgelegt hat. Im Vergleich zum Vorjahr ist damit ein Anstieg zu verzeichnen: 2024 lag der Anteil noch bei 21 Prozent. In der Pressemeldung wird diese Entwicklung ausdrücklich eingeordnet: „Auch wenn es dem Großteil der jungen Menschen in Deutschland gut geht, ist der erneute Anstieg der psychischen Belastung ein Warnsignal, das wir nicht ignorieren dürfen“, sagt Dr. Anna Gronostaj, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung.
Die Daten basieren auf einer repräsentativen Befragung von 1.507 Schülerinnen und Schülern im Alter von 8 bis 17 Jahren sowie deren Erziehungsberechtigten. Die Erhebung wurde zwischen dem 9. Mai und dem 3. Juni 2025 durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt. Die statistische Fehlertoleranz wird mit drei Prozentpunkten angegeben.
Auffällig ist die soziale Spreizung der Ergebnisse. Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Einkommen sind deutlich stärker betroffen. Laut Pressemeldung berichten 31 Prozent dieser Gruppe von psychischer Belastung. Gleichzeitig weisen sie überdurchschnittlich häufig ein geringes schulisches Wohlbefinden (29 Prozent) sowie eine niedrige Lebensqualität (36 Prozent) auf. Damit wird ein Zusammenhang sichtbar, der sich durch mehrere Befunde der Studie zieht: Soziale Lage, schulische Erfahrungen und psychische Gesundheit sind eng miteinander verbunden.
Ein Blick auf das schulische Wohlbefinden zeigt differenzierte Entwicklungen. Nach Angaben aus dem Deutschen Schulportal, das die Ergebnisse ausführlich aufbereitet, geben 16 Prozent der Befragten an, ein geringes Wohlbefinden in der Schule zu haben. 75 Prozent ordnen sich im mittleren Bereich ein, 8 Prozent berichten von einem hohen Wohlbefinden.
Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Situation leicht verbessert: 2024 lag der Anteil mit geringem Wohlbefinden noch bei 20 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass psychische Auffälligkeiten und schulisches Wohlbefinden eng korrelieren. So fühlt sich nahezu die Hälfte der Schülerinnen und Schüler mit psychischen Auffälligkeiten (43 Prozent) im Schulalltag seltener wohl.
„Wenn Lehrkräfte unterstützen und sie fordern, ohne zu überfordern, und zudem das Klassenklima gut ist, geht es Kindern besser“
Diese Zusammenhänge spiegeln sich auch in konkreten Erfahrungen im Unterricht. Das Deutsche Schulportal berichtet unter Bezug auf die Studie, dass zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler angeben, sich zumindest in einzelnen Unterrichtsstunden überfordert zu fühlen. Ein Drittel berichtet dagegen, keine Überforderung zu erleben. Besonders häufig stimmen die Befragten der Aussage zu, dass Lehrkräfte Inhalte erklären, die sie nicht verstehen. 61 Prozent sagen, dies komme in einigen Unterrichtsstunden vor, 7 Prozent erleben dies sogar in den meisten oder allen Stunden.
Überforderung ist dabei nicht gleichmäßig verteilt. Überdurchschnittlich häufig berichten Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, mit psychischen Auffälligkeiten sowie Kinder aus einkommensarmen Familien, dass sie in vielen oder allen Unterrichtsstunden überfordert sind. Gleichzeitig spielt auch Unterforderung eine Rolle. 36 Prozent der Befragten geben an, häufig keine Lust auf das Lernen in der Schule zu haben, 37 Prozent empfinden den Unterricht oft als langweilig, und 35 Prozent berichten, bei den Hausaufgaben aus Langeweile schnell die Motivation zu verlieren.
Die Studie verweist darauf, dass sowohl Überforderung als auch mangelnde kognitive Aktivierung negative Auswirkungen auf die psychische Verfassung haben können. Schülerinnen und Schüler mit psychischen Auffälligkeiten berichten häufiger von Langeweile als ihre unbelasteten Mitschülerinnen und Mitschüler. Unterschiede zeigen sich auch nach Alter und Geschlecht: Jüngere Kinder sowie Mädchen geben etwas seltener an, sich im Unterricht zu langweilen.
Ein zentrales Ergebnis betrifft die Bedeutung von Unterrichtsqualität und Beziehungsarbeit. „Unsere Studie zeigt, was hilft: Wenn Lehrkräfte unterstützen und sie fordern, ohne zu überfordern, und zudem das Klassenklima gut ist, geht es Kindern besser“, sagt Anna Gronostaj. In der Pressemeldung wird daraus eine weitergehende Schlussfolgerung gezogen: „Guter Unterricht fördert also nicht nur den Lernerfolg, sondern stärkt ganz direkt das Wohlbefinden der Kinder.“
Die Auswertungen zeigen, dass das schulische Wohlbefinden zu einem erheblichen Teil von unterrichtsbezogenen Faktoren abhängt. Nach Angaben der Autorinnen und Autoren lässt sich rund 60 Prozent des Wohlbefindens dadurch erklären, ob Schülerinnen und Schüler sich von ihren Lehrkräften unterstützt fühlen, die Anforderungen als angemessen erleben, ein positives Klassenklima wahrnehmen und sich selbst als leistungsfähig einschätzen.
Parallel dazu wird deutlich, wie stark Leistungsdruck den Schulalltag prägt. 61 Prozent der Schülerinnen und Schüler stimmen der Aussage zu, dass an ihrer Schule viel verlangt wird. 47 Prozent geben an, auch am Wochenende lernen zu müssen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Etwa jede fünfte Schülerin beziehungsweise jeder fünfte Schüler berichtet von Hausaufgaben, die kaum zu bewältigen sind, oder von unangekündigten Tests. Besonders ausgeprägt ist dieses Empfinden bei älteren Schülerinnen und Schülern sowie bei Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Auch Mädchen nehmen Leistungsdruck häufiger wahr als Jungen. Die parallel durchgeführte Elternbefragung bestätigt diesen Eindruck: Eltern von 14- bis 17-jährigen Mädchen berichten häufiger, dass ihre Kinder vor Prüfungen niedergeschlagen wirken oder von Angst sprechen.
Neben Leistungsanforderungen rückt die Studie ein weiteres Thema in den Fokus: Mobbing. Ein erheblicher Teil der Jugendlichen ist regelmäßig betroffen. Laut Pressemeldung wird „ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen […] mindestens einmal im Monat von Mitschüler:innen schikaniert, jede:r Zehnte sogar wöchentlich oder täglich“. Besonders betroffen sind 14-Jährige, von denen 38 Prozent entsprechende Erfahrungen berichten. Insgesamt geben 68 Prozent der Befragten an, im vergangenen Schuljahr keine Mobbingerfahrungen gemacht zu haben.
Die Auswertung zeigt zudem, dass Mobbing häufiger im direkten persönlichen Kontakt stattfindet als im digitalen Raum, auch wenn Cybermobbing in verschiedenen Formen präsent ist. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf Fortschritte bei der Prävention: Vier von fünf Schülerinnen und Schülern wissen nach eigenen Angaben, an wen sie sich im Fall von Mobbing wenden können.
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Frage der Mitbestimmung. Hier zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. 74 Prozent der Schülerinnen und Schüler wünschen sich mehr Einfluss auf Unterrichtsinhalte, Arbeitsformen und Bewertungsmaßstäbe. Gleichzeitig berichten viele, dass sie tatsächlich kaum Möglichkeiten haben, den Unterricht mitzugestalten. In der Pressemeldung heißt es dazu: „Während drei Viertel der Schüler:innen mehr Einfluss auf Unterrichtsthemen oder Prüfungsformate wünschen, geben vier Fünftel an, hier kaum mitreden zu können.“
Informationen aus dem Deutschen Schulportal verdeutlichen diese Lücke. Demnach kann etwa die Hälfte der Befragten bei der Auswahl von Unterrichtsinhalten oder Materialien gar nicht mitbestimmen, knapp ein Drittel nur in geringem Umfang. Etwas mehr Einfluss haben Schülerinnen und Schüler bei der Gestaltung von Klassenregeln: Hier geben 34 Prozent an, in größerem Maß beteiligt zu sein.
Gleichzeitig zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Partizipation und Wohlbefinden. Schülerinnen und Schüler, die mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten wahrnehmen, berichten deutlich häufiger von einem hohen schulischen Wohlbefinden. Umgekehrt geben nur 17 Prozent derjenigen mit geringem Wohlbefinden an, bei Klassenregeln viel mitentscheiden zu können. In der Gruppe mit hohem Wohlbefinden liegt dieser Anteil deutlich höher.
„Echte Partizipation ist kein ‚Nice-to-have’ – sie ist Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule“
Auch hier verweist die Studie auf unterschiedliche Perspektiven. In einer früheren Befragung des Schulbarometers hielten 55 Prozent der Lehrkräfte die bestehenden Mitbestimmungsmöglichkeiten für ausreichend. Die aktuelle Erhebung legt nahe, dass Schülerinnen und Schüler dies anders einschätzen. Anna Gronostaj formuliert dazu: „Wenn Schüler:innen gehört werden wollen, Lehrkräfte aber keinen Bedarf sehen, brauchen wir dringend einen Dialog zwischen den Beteiligten. Echte Partizipation ist kein ‚Nice-to-have’ – sie ist Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule.“
Studienleiter Prof. Julian Schmitz von der Universität Leipzig betont zudem die Bedeutung von Mitbestimmung für die Lebensqualität: „Kinder und Jugendliche, die eine geringere Lebensqualität haben, können weniger mitbestimmen, möchten aber häufig mehr mitbestimmen als die Kinder und Jugendlichen, die ein höheres Wohlbefinden haben.“ Daraus lasse sich schließen, dass Beteiligung ein bislang nicht ausgeschöpfter Ansatzpunkt zur Stärkung psychischer Gesundheit sein könnte. News4teachers / mit Material der dpa
Hier lässt sich die komplette Studie herunterladen.
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Wenn immer mehr Schüler in psychische Krisen stürzen – und Lehrkräfte hilflos zusehen müssen









Ja, dank überlanger Unterrichtstage müssen die Schüler auch am Wochende lernen. Mich würden auch Mal die Fächer interessieren, in denen die Schüler am wenigsten verstehen.
„Während drei Viertel der Schüler:innen mehr Einfluss auf Unterrichtsthemen oder Prüfungsformate wünschen, geben vier Fünftel an, hier kaum mitreden zu können“
Erinnert mich an ein Bundesland, in dem die Forderung des Landesschülerats nach einem Verbot von unangeküdigten Leistungsnachweisen von der zuständigen Bildungsminsterin zurückgewiesen wurde.
Mir ist das wumpe. Von mir aus sollen die SuS komplett über Inhalt und Form von Themen und Prüfungsformaten entscheiden. Sie müssen dabei dann halt selbst im Auge behalten, was prüfungsrelevant ist. Ich hab kein Problem damit, die Stochastik in 11/12 komplett wegzulassen, weil die SuS das so bestimmt haben. Ich glaub nur, dass die meisten SuS dann ein Problem haben werden, wenn im Zentralabi Stochastik geprüft wird. Gleiches gilt für: „Ich bin am Gym, es überfordert mich, ich will weniger Inhalte lernen müssen“. Gern doch, gleiche Konsequenz.
Spannend wirds, wenn dann ohne Ressourcen für individuelles, selbstorganisiertes Lernen Konflikte zwischen SuS, welche in einem Fach mehr wollen und den SuS, die bereits von den Minimalanforderungen überfordert sind, auftreten.
Diese Forderungen gehören an die Politik gestellt, nicht an die Schulen. Diese machen die Schulgesetze nicht, welche Partizipation regeln.
Ich fand es mal wieder putzig, weil die Minsterin dort von der gleichen Partei stammt, die bei uns im Bundesland aus der Opposition heraus wegen der übermäßigen psychischen Belastung der Sus seit längerem ein Verbot der unangekündigten Leistungsnachweise fordert.
Vermutlich sind die SuS dort einfach wesentlich “tougher” als bei uns.
Das sehe ich mittlerweile auch so. Warum sollen Lehrkäfte Bildung und anspruchsvolle Inhalte anbieten wie sauer Bier? Dann halt nicht.
Das ist der Weg.
Geliefertvwie bestellt.
Aber, aber, das Abitur ist doch auch ein Prüfungsformat, das dann auch auf den Prüfstand müsste. Da ist dann nichts mehr mit zentral und so…
Meinethalben auch das. Müssen sich die nachfolgenden Bildungseinrichtungen halt mit dem Problem auseinandersetzen, wie sie die Eignung der Bewerber für die von ihnen angebotenen (Aus)Bildungsgänge feststellen.
Klingt irgendwie nicht so, als ob das mein Problem wäre.
Ernten die Unis halt, was sie (im Schulsystem) gesäht haben.
Nix Neues, ich sach nur: “gesäht”.
Na gut, na gut, gesaatet!
Sie sind ein orthographischer “Saatist”.
naja ist ja auch alles zu viel…volle Klassenarbeiten, 5 Tage Präsenz, laute Klassen und Virengefahr. Mehr eigenverantwortliches Arbeiten, mehr Distanzunterricht bzw. Digitalunterricht und sowieso gleich 4 Tage Woche leben. Ganz wie die Eltern
Warum auch nicht ? 😀
Stimmt, definitiv wichtige Punkte
Distanzunterricht wird auch immer wichtiger, auf der didacta gab es massiv Stände darüber 🙂
und das teure Benzin, um überhaupt zur Schule / Arbeit zu kommen / fahren. Unglaublich
@Tanya
“Mehr eigenverantwortliches Arbeiten, mehr Distanzunterricht bzw. Digitalunterricht und sowieso gleich 4 Tage Woche leben. Ganz wie die Eltern
Warum auch nicht ? 🙂 ”
Und wenn man das alles hier bedenkt:
https://www1.wdr.de/nachrichten/klassenchat-probleme-mobbing-schule-100.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQKNjYyODU2ODM3OQABHhe8GeRgNi4pVKg71WvWwUQncoUs97ySQfJamYfeK46vjG69FcAyzw_MbsFO_aem_ft-Ni3-HJmWCFUqVkyvFTw
@Tanya, @Frieda, @Bienchen, @Peti …:
Warum auch nicht ? 😉
Danke für den Link. Zeigt sich eindrucksvoll, dass die Frage nach dem Wohlbefinden in der Schule vollkommen sinnlos für eventuelle Schlussfolgerungen ist, wenn nicht gleichzeitig die Gründe erfragt werden.
Ach ja , Stabilität, dieser Tage so wichtig. Ich befürchte ein paar Wochen noch, dann werden die Veränderungen aufgezwungen, der ökonomische Impact wird huge, wegsehen mit weit geschlossenen Augen, wie sonst, wird nicht helfen. Vielleicht eine Chance sich in der Schule und im Leben auf die einfachen und schönen Dinge zu besinnen.
Soll doch das Niveau noch weiter gesenkt werden. Aber dann bitte nicht über PISA jammern.
„Wenn Lehrkräfte unterstützen und sie fordern, ohne zu überfordern, und zudem das Klassenklima gut ist, geht es Kindern besser“ – ach was.
Man präsentiert diese Binsenweisheit wieder so, als hätte man gerade das pädagogische Perpetuum mobile erfunden. Gleichzeitig ignoriert man konsequent, dass Lehrkräfte längst am Limit jonglieren – nicht, weil sie es nicht könnten, sondern weil das System ihnen eine Gruppe zusammenwürfelt, die in ihrer Heterogenität eher an eine Casting-Show erinnert als an eine Lerngruppe.
Also ignoriert man wieder den Elefanten im Klassenzimmer: Wie sollen Lehrkräfte nicht überfordern, wenn in weiterführenden Schulen weiterhin versucht wird, alle Kinder in dieselbe – etwa die gymnasiale – Schablone zu pressen, egal ob sie dafür gemacht sind oder nicht.
Wäre es nicht erheblich leichter, Kinder sinnvoll zu fordern, wenn sie an einer Schulart lernen dürften, die ihren Neigungen und Begabungen entspricht?
Stattdessen hält man stur an der Illusion fest, man könne alle über denselben Kamm scheren – und wundert sich dann über Stress, Druck und schlechte Stimmung.
Das System produziert die Probleme, über die es anschließend betroffen berichtet.
Die Kinder sind nicht das Problem – sie sind nur diejenigen, die es ausbaden müssen.
“Soziale Lage, schulische Erfahrungen und psychische Gesundheit sind eng miteinander verbunden.” – und jetzt denken wir noch einmal über Korrelation und Kausalität nach.
“…dass zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler angeben, sich zumindest in einzelnen Unterrichtsstunden überfordert zu fühlen. Ein Drittel berichtet dagegen, keine Überforderung zu erleben.” – definiere Überforderung. Der Zustand, zu einer Problemstellung nicht sofort eine Idee zu haben, nur unzureichende Mittel zu kennen? Das soll beim Prozess ‘Lernen’ mitunter vorkommen.
“..geben nur 17 Prozent derjenigen mit geringem Wohlbefinden an, bei Klassenregeln viel mitentscheiden zu können. In der Gruppe mit hohem Wohlbefinden liegt dieser Anteil deutlich höher.” – Ursache und Wirkung?
“Wenn Lehrkräfte unterstützen und sie fordern, ohne zu überfordern, und zudem das Klassenklima gut ist, geht es Kindern besser….Guter Unterricht fördert also nicht nur den Lernerfolg, … stärkt … Wohlbefinden der Kinder.” – Was ist guter Unterricht? Die Studie sagt nichts zu Förderung des Lernerfolgs, es heißt explizit ‘geht es den Kindern besser’. Das ist sicherlich positiv, aber nur ein Aspekt von Ergebnissen des Unterrichts.
Noch ein Allgemeinplatz gefällig? Akzeptanz von Schule primär als Ort von Lernen und -oh nein- eigener Arbeit auch durch die Lernenden ist Voraussetzung für den Lernerfolg.
Fast so schön wie “Echte Partizipation ist kein ‚Nice-to-have’ – sie ist Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule”.
‘”Anna Gronostaj formuliert dazu: ‘Wenn Schüler:innen gehört werden wollen, Lehrkräfte aber keinen Bedarf sehen, brauchen wir dringend einen Dialog zwischen den Beteiligten. Echte Partizipation ist kein ‚Nice-to-have’ – sie ist Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule.“’
Frau Gronostajs These mag sich auf den ersten Blick fortschrittlich anhören, als der Sicht der reflektierten Praxis bleiben leider jedoch nur Schlagwörter übrig. Gespräche zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen können notwendig nicht den gleichen Charakter haben wir zwischen Erwachsenen mit dem gleichen beruflichen Hintergrund. Frau Gronostaj ist keine Schulpädagogin, woher nimmt sie das Selbstbewusstsein so über einen anderen akademischen Beruf zu sprechen?
Man stelle sich eine aktive Lehrkraft auf einem Kongress für Angestellte bei Stiftungen vor, welche Thesen wie “Projektmanager*innen produzieren zu lange Texte” darböten…
Man sollte Langeweile nicht mit (inhaltlicher) Unterforderung gleichsetzen.
Am Wochenende lernen zu müssen ist ab einer gewissen Klassenstufe einfach normal. Aber es sollte natürlich noch Freizeit bleiben und nicht ständig das gesamte Wochenende fast nur gelernt werden müssen.
Nun ja, „das ganze Wochenende gelernt“… Meine 11er haben mal eine ganze Woche lang ein akribisches „Tagebuch“ geführt, wann und wie sie wo gelernt haben. Keiner, wirklich keiner, lernt:
– ohne das Handy (auf Empfang) neben sich liegen zu haben
– ans Handy zu gehen, wenn sich dieses meldet
– Musik unterschiedlichster Art laufen zu haben
– nebenbei auf Tiktok oder Insta zu scrollen.
Die „Interaktion“ mit dem Handy erfolgte durchschnittlich alle 1,4 Minuten. Das Verhältnis Lernzeit zu Handyzeit war ca. 1:2.
Meine SuS waren entsetzt, als ihnen bewusst geworden ist, dass sie eben nicht „den ganzen Nachmittag lernen“, sondern permanent am Handy sind, unterbrochen von kurzen „ich will was in meinen Schädel bekommen“ – Sequenzen.
Mir wäre etwas wohler, wenn man bei der Ausdeutung solcher Umfragen etwas zurückhaltender wäre. Das fängt bei gefühltem Mobbing an und reicht bis zur gefühlten psychischen Belastung. Dass daraus dann direkt ein „erneute[r] Anstieg der psychischen Belastung“ als „Warnsignal wird, ist vergleichbar mit einer Selbstdiagnose (durch Kinder) beim Arzt. Dies bedeutet sowohl in der einen Richtung, dass Kinder wissen, was „psychisch belastet“ heißt, als auch in der anderen Richtung, dass ein nicht Fühlen einer psychischen Belastung diese ausschließt.
Natürlich kann man argumentieren, dass auch eine gefühlte (und nicht diagnostizierte) psychische Belastung belastend ist, aber die Quelle des Gefühls bleibt im Nebel. Allein, dass Kinder den Begriff „psychisch belastet“ heute viel häufiger hören (man mag von Sensibilisierung sprechen), und das mutmaßlich vorwiegend von Erwachsenen, z.B. den Eltern, spricht evtl. eher für eine stärkere (gefühlte) psychische Belastung der Eltern/Erwachsenen, die sich dann auf die Kinder überträgt.
Das sehe ich genauso.
Vielleicht sollten gewisse Erwachsene einfach mal darüber nachdenken, ob es nicht besser wäre, für mehr Resilienz bei Kindern und Jugendlichen zu tun, als ihnen ständig einzureden zu versuchen, wie (psychisch) überlastet sie sind.
Wie soll es jungen Menschen gut gehen, wenn man ihnen ständig erzählt, wie schlecht es ihnen geht? Wie können sie zufrieden sein, wenn man ihnen andauernd sagt, dass sie ja alles mitbestimmen können sollten, wenn das doch gar nicht möglich ist?
Mehr “Du schaffst das! Wir unterstützen dich.” als “Das ist alles viel zu viel für dich. Kein Wunder, dass es dir so schlecht geht.”
Den Unterschied erleben wir jeden Tag in den Schulen. Die Kinder, deren Eltern erstere Attitüde an den Tag legen, sind viel widerstandsfähiger und zufriedener. Sie engagieren sich und erfahren Selbstwirksamkeit.
Jungen Menschen wird suggeriert, dass sie alles, was sie sich wünschen, auch bekommen sollten, ohne selbst etwas dafür tun zu müssen. Erwachsene hätten dafür zu sorgen.
Ich denke, dass ist gesellschaftlich betrachtet ein großes Problem, das in den Abgrund führt.
Inwieweit dieser Mechanismus der entscheidende ist, vermag ich auch nicht zu sagen, aber zumindest ist er eine Alternative zu: Die Kinder sind psychisch belastet, weil sie nicht genug mitbestimmen können.
Ich glaube auch, dass es zu Problemen führt, dass Eltern heute anders erziehen als früher. Kinder dürfen viel früher und viel mehr selbst entscheiden. Das passt dann aber gar nicht mehr zu der recht autoritären Vorgehensweise in Schule. SuS können fast gar nichts selbst entscheiden: Stundenplan, Sitzordnung, Lehrplan – alles nicht diskutierbar – vielleicht noch die Sitzordnung. Das passt leider überhaupt nicht zu der bis dahin erfahrenen Lebenswelt der Kinder und ich kann verstehen, dass sie damit Probleme haben. Wenn es etwas mehr Wahlfreiheot gäbe und das in allen Bereichen, würde es eher passen. Nur leider ist Schule da nicht für ausgelegt – hoffentlich nur NOCH nicht.
Mehr Stress, mehr Druck, wenig Mitbestimmung: Warum sich die psychische Lage von Schülern wieder verschlechtert
Stimmt das nicht so auch: Mehr Stress, mehr Druck, wenig Mitbestimmung: Warum sich die psychische Lage von LEHERN wieder verschlechtert
Mir fehlt, dass ich mich als Lehrerin auch nicht wohl fühle und außerdem gestresst, wenn ich im Unterricht ständig unterbrochen werden, es andauernd Störungen gibt, Schüler Quatsch machen, von Tisch zu Tisch quatschen, sich gegenseitig (und mich) beleidigen, beschimpfen, sogar schlagen; Aufgaben nicht erledigen, weil sie keinen Bock haben oder keine Ahnung und dadurch nicht mitarbeiten können, sich permanent streiten und zanken, Materialien nicht dabei haben, die sie für den Unterricht brauchen; Hausaufgaben nicht erledigen und und und …
Darf ich als Lehrerin auch mehr mitbestimmen, was gelernt werden soll?
Habe ich als Lehrerin auch einen wertschätzenden und respektvollen Umgang mit mir?
Oh, ich möchte die Tippfehler entschuldigen. Z.B. “Habe ich als Lehrerin nicht auch einen Anspruch auf …” Aber ihr habt’s ja verstanden, denke ich. Danke!
“Wenn Lehrkräfte unterstützen und sie fordern, ohne zu überfordern, und zudem das Klassenklima gut ist, geht es Kindern besser”
Ich glaube, die sind da einer Sache auf der Spur….
Am SBBZ schätze ich mich glücklich, solch völlig frischen Input aufnehmen zu können, aber (die meisten) Regelschulen haben weder den Personalschlüssel noch die Rahmenbedingungen, um diese Erkenntnisse umsetzen zu können… 🙁
Tja, wie ich es immer wieder in anderen Beiträgen gesagt habe. Kinder werden an vollkommen falschen Schulen angemeldet und jahrelang dort gelassen. Diese Kinder machen in der Schule dann oft die ersten richtig negativen Erfahrungen in ihrem Leben, da man sie vorher gegen vieles geschützt hat.
Nicht alle Kinder können das psychisch dann vertragen. Und gerade im Inklusionsbereich ist dies einfach ein massives Problem, die Kinder erfahren jeden Tag, und jede Minute, dass sie nicht so gut sind, wie die anderen Kinder. In der Schule ist aber Leistung alles was zählt, damit lernen die Kinder, dass sie nichts können und nichts wert sind.
Schön, dass die Politiker mal wieder 5 Jahre lang nichts gemacht haben, weil man ja so schön alles auf Corona schieben konnte, obwohl es etliche Lehrer gab, die klar gesagt haben, dass diese Probleme nicht alleine durch Corona erklärbar sind und auch nicht erst seit dem gehäuft auftreten.
Ich finde solche Nachrichten schlimm. Als ob es heutzutage so wäre, dass “böse Lehrer” die “lieben Schüler” drangsalieren und schikanieren ( = mobben). Es ist doch eher so, dass für die armen Kinder alles super-susi-sanft und ohne Aufwand und Anstrengung dargereicht werden soll und sie danken es den Lehrer/innen, die das versuchen, noch nicht einmal, denn da geht es drunter und drüber im Unterricht, sodass kaum jemand etwas lernen kann. Man lernt heutzutage nicht wegen des (guten) Unterrichts, sondern trotz der Zustände, die da herrschen und weil Eltern bzw. Nachhilfeinstitute alles nacharbeiten.
“… geben 16 Prozent der Befragten an, ein geringes Wohlbefinden in der Schule zu haben. 75 Prozent ordnen sich im mittleren Bereich ein, 8 Prozent berichten von einem hohen Wohlbefinden.”
Das klingt doch völlig in Ordnung. Wie war das wohl vor ein paar Jahrzehnten? Bestimmt nicht besser.
Auch bei PISA wird abgefragt ob SuS sich an der Schule nicht wohl oder fehl am Platz fühlen .
Es gibt Länder, in denen ein eher geringer Prozentanteil mit “Ja” antwortet, aber auch welche in denen der Anteil relativ hoch ist.
Aber der Lockdown und die Masken waren doch schuld!!!!!!1111!!
POV: Der Ganztag tut den Kindern meiner Meinung nach nicht gut. Es sollte am Nachmittag nur freiwillige Angebote geben. Aber keine Unterricht mehr.
Es gibt tatsächlich Schülerinnen und Schüler, die haben 36-39 Stunden in der Woche. Das ist einfach zu viel. Insbesondere ab Jahrgang 7, findet man Schule einfach nicht toll. Da will man seinen eigene Interessen nachgehen.
Tja, wer 8 h und länger am Handy daddelt und nix lernt steht wahrlich irgendwann unter Druck, schläft schlecht und wird einsam. Dann der Stress durch Ganztag, also keine Rückzugsmöglichkeiten mehr. Das belastet. Der Druck durch Eltern und die Anforderungen der Schule sind dagegen gesunken
Beim Anschauen/ Lesen der Beiträge kamen mir folgende Gedanken….was ist nur los in unserer Bildungslandschaft / Gesellschaft….Schüler fühlen sich psychisch stark belastet, Lehrer sind Burnout gefährdet….der ” schwarze” Peter wird der Politik zugeschrieben….Nein, hört auf zu Jammern und handelt. Wie? Die Kinder sind so, weil wir ( die Erwachsenen- Eltern, Lehrer etc.) sie so erzogen haben bzw.es so vorleben. Natürlich ist die Bürokratie/ Nachweispflicht störend und sehr zeitintensiv….da muss die Politik ( Ministerium, Schulämter , Schulleitungen) endlich anfangen zu arbeiten und den Lehrern bessere Arbeitsbedingungen bieten. Aber: auch die Lehrerschaft muss sich ändern, denn auch sie sind nicht nur Lehrer, sondern auch ” Eltern”. Frage : mal ehrlich, wieviel Zeit nehmen sie sich für Ihre eigenen Kinder / Partner….für sich selbst? Warum schreibe ich das: ich kenne viele Lehrer, die ständig über die Schule/ die Schüler reden, ob beim Sport, in der Sauna etc. Abschalten und Resilienz aufbauen- Fehlanzeige. Ach so, nicht zu vergessen die vielen Telefonate mit Kollegen, um seinen Frust loszuwerden, natürlich nach der Arbeit. Vielleicht ohne es bewusst zu merken, stehen dann die Kollegen angespannt vor der Klasse, die Schüler merken das schon! Dann reicht schon eine ” falsche ” Verhaltensweise eines Schülers und dem Lehrer” platzt der Kragen”… etc. ein Teufelskreis! Ja, die Schule hat einen Bildungsauftrag, aber auch einen pädagogischen Auftrag, denn nicht ohne Grund wird in den neuen Lehrplänen von Kompetenzen gesprochen. Ich erinnere mich noch gut an den Beginn meiner Lehrerlaufbahn: ein Lehrer hat dafür zu sorgen ,physisch und psychisch gesund zu bleiben, denn dieser Beruf ist fordernd, wird ja auch gut bezahlt, oder? ……Nun gut, es gäbe noch so viel zu schreiben. FAZIT: Alle müssen ihre ” Hausaufgaben” machen, erst dann wird sich eine positive Entwicklung zeigen.