
Wie soll das Schulsystem der Zukunft in Sachsen-Anhalt aussehen? Die Diskussion wird vor der Landtagswahl im September kontrovers geführt.
Das Verfahren scheine dazu zu führen, dass von den Grundschulen tendenziell weniger Empfehlungen für das Gymnasium ausgesprochen würden und im Ergebnis auch weniger Kinder an die Gymnasien wechselten.
Laut der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage Lippmanns wechselten im Schuljahr 2024/25 genau 41,9 Prozent der Viertklässler von der Grundschule auf ein Gymnasium, ein Jahr später waren es nur noch 40,2 Prozent. Eine Empfehlung für das Gymnasium hatten demnach im Schuljahr 2024/25 exakt 36,2 Prozent der Viertklässler erhalten, im Schuljahr 2025/26 waren es 35 Prozent.
Mehr Schüler müssen sich die wenigen Lehrkräfte teilen
«Sachsen-Anhalt hat schon seit Jahren bundesweit den geringsten Anteil an Schülerinnen und Schülern, die eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben», so Bildungspolitiker Lippmann. Es sei kein Gewinn für das Land, wenn dieser Anteil systematisch weiter gedrückt werde. «Hinzu kommt, dass sich durch eine Verschiebung der Schülerströme weg von den Gymnasien dort die noch relativ gute Unterrichtsversorgung weiter verbessern wird, während sich an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen immer mehr Schülerinnen und Schüler die ohnehin schon viel zu wenigen Lehrkräfte teilen müssen.»
An den Gymnasien lag die Unterrichtsversorgung laut Bildungsministerium zuletzt bei 98 Prozent, an den Sekundarschulen bei 87,0 Prozent. Die Unterrichtsversorgung gibt an, wie viel von dem laut Lehrplan vorgesehenen Pflichtunterricht abgedeckt werden kann.
Das planen CDU und SPD
CDU und SPD wollen das Schulsystem nach der Landtagswahl umbauen. Im Entwurf des SPD-Wahlprogramms heißt es: «Ziel ist eine Schulstruktur, die alle Schulabschlüsse überall und für alle zugänglich macht. Mittelfristig streben wir ein System mit zwei weiterführenden Schulformen an: Gymnasium und Gemeinschaftsschule.»
Die CDU plant laut ihrem Regierungsprogramm-Entwurf eine neue Oberschule, die Sekundar- und Gemeinschaftsschule zusammenführen und profilieren soll. «Beide vergeben dieselben Abschlüsse der Sekundarstufe I», heißt es. «Wir werden die Vorteile von Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen berücksichtigen», heißt es unter der Überschrift «Das klügste Bildungssystem in Deutschland».
Bildungsminister Jan Riedel (CDU) sagte der «Mitteldeutschen Zeitung», der ursprüngliche Ansatz der Gemeinschaftsschule, starke Schüler in einer eigenen Oberstufe bis zum Abitur zu führen, habe sich nicht verwirklicht. «Deshalb wäre es sinnvoll, eine mittlere Schulform aus einem Guss anzubieten.»
AfD: Sekundarschule ist eine Fehlkonstruktion
Der bildungspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Hans-Thomas Tillschneider, erklärte: «Wenn eine Schulform unterschiedliche Abschlüsse vergibt, leidet zwangsläufig die Qualität der Abschlüsse. Daran ändern auch Oberschule und Gemeinschaftsschule nichts. Was wir brauchen, ist das, was die AfD-Fraktion seit Jahr und Tag fordert: Die Ausdifferenzierung der Sekundarschule in eine Hauptschule, wo der Hauptschulabschluss erworben werden kann, und eine Realschule, wo der Realschulabschluss erworben werden kann.»
Die AfD in Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als «gesichert rechtsextremistisch» geführt – sie strebt ein durchweg autoritäres Schulsystem an (News4teachers berichtete).
FDP: Strukturen müssen verständlicher werden
Die FDP hält das aktuelle System mit Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen «für viele Eltern und Schüler kaum noch durchschaubar und zugleich nicht erfolgreich genug», sagte der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Jörg Bernstein. Die FDP plädiere daher für eine klare und verständliche Grundstruktur mit Grundschulen und weiterführenden Schulen – einschließlich der Gymnasien.
Aktuell gibt es knapp 50 Gemeinschaftsschulen, die Schülerinnen und Schülern das längere gemeinsame Lernen unabhängig vom angestrebten Schulabschluss ermöglichen sollen. Daneben gibt es aktuell rund 120 Sekundarschulen und fast 80 Gymnasien sowie 14 Gesamtschulen und knapp 100 Förderschulen.
Lippmann: «Es wird nur das Schild an der Eingangstür gewechselt»
Thomas Lippmann von den Linken sagte, mit der Verschmelzung von Sekundar- und Gemeinschaftsschulen zu einer neuen Oberschule ändere sich an der Realität in den Schulen nichts, es werde nur das Schild an der Eingangstür gewechselt. «Die CDU kommt hier ohne jegliches inhaltliches Konzept daher und verfolgt erkennbar allein das Ziel, die Gemeinschaftsschulen als vorsichtige Versuche für längeres gemeinsames Lernens aus der Schullandschaft zu eliminieren.»
Die Linke strebt laut ihrem Wahlprogramm an, die Sekundarschulen auf freiwilliger Basis in erweiterte Gemeinschaftsschulen umzuwandeln. Diese Schulen könnten ab dem Ende der 7. Klasse einen berufspraktischen Unterricht durch geeignete Ausbildungseinrichtungen für ganze Schulklassen anbieten. Außerdem könnten sie in einer neu zu gestaltenden Fachoberstufe den Erwerb der Fachhochschulreife als weitere Hochschulzugangsberechtigung neben dem Abitur ermöglichen. News4teachers / mit Material der dpa
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Seltsam, Bildungsexperten sprechen doch sonst immer vom “deutschen Schulsystem”, also so als ob es von Flensburg bis Freilassing das gleiche gäbe.
Trennung von Kindern so früh wie weltweit sonst nirgends (außer eben im deutschsprachigen Raum) – die gibt es von Flensburg bis Freilassing. Und das ist der Punkt, der kritisiert wird. Eigentlich nicht so schwer zu verstehen. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2024/12/das-ungerechteste-schulsystem-das-ich-kenne-warum-bildungsforscher-hattie-glaubt-dass-deutschland-ohne-bildungsreformen-nie-an-die-pisa-spitze-kommt/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
“Eigentlich nicht so schwer zu verstehen.”
Stimmt.
“Es muss allen Schülerinnen und Schülern die Chance geben, ihre Leistungen zu verbessern, nicht nur einem Bruchteil.“
Da scheint jemand zu glauben, dass man z.B. an Gemeinschaftsschulen, IGS, RS, RS+, HS, Mittelschule, Werkrealschule usw. seine Leistungen nicht verbessern könne,.
Gibt ja auch in DE Expert*innen die glauben, dass man Abitur nur am Gymnasium erwerben kann und da vielen Kindern nach der 4. Klasse einfach die Tür vor der Nase zugeschlagen wird.
Mal angenommen, ein Bundesland ändert nach einer Wahl sein Schulsystem und führt eine einheitliche Schule bis Klasse 10 ein mit einem Kurzzeit-Gymnasium obendrauf (nur noch Oberstufe).
Was hätte das für organisatorische Auswirkungen auf ganz Deutschland? Wie viele Fremdsprachen wird es wohl an der einheitlichen Schule geben? Was passiert bei einem Wechsel von diesem Bundesland in ein anderes? Freie Schulwahl mit dem Elternwillen? Braucht man dann noch 3-5 Schulabschlüsse: BBR, EBBR, MSA, FHR, AHR ? Und was würde passieren, wenn dieses Bundesland im innerdeutschen Ländervergleich weiter absackt?
Solange der Abstand zwischen der unteren und der oberen Schicht geringer wäre als in BL mit gegliedertem Schulsystem , würde man es vermutlich als Erfolg bei der Bildungsgerechtgkeit einstufen?
Wenn eine Gemeinschaftsschule gute Leistungen zeigt, schicken Eltern ihre Kinder gerne dahin. Wozu gegen Gymnasien zu kämpfen statt alle Gemenschaftsschulen besser zu machen?
“Wenn eine Gemeinschaftsschule gute Leistungen zeigt, schicken Eltern ihre Kinder gerne dahin.”
Nicht, wenn es sozialen Dünkel gibt – dann kann die Gemeinschaftsschule Leistungen zeigen, wie sie will. Siehe Hamburg: https://www.news4teachers.de/2024/08/zerschlagen-eltern-ein-funktionierendes-schulsystem-initiative-will-volksbegehren-zur-rueckkehr-zum-g9-abitur/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wenn alle Schulen Gemeinschaftsschulen werden, werden Eltern, denen es wichtig ist, trotzdem die Schulen aussuchen, die bessere Leistung erbringen. Ich selbst wechselte von der Brennpunktschule auf die andere trotz eines langen Fahrweges.
Woran bemessen Sie denn die Leistung einer Schule?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wie gut die Kinder den Schulstoff vermittelt bekommen, gefördert und motiviert werden und wie geht der weitere Ausbildungs- und Arbeitsweg von den Kindern, die diese Schule abgeschlossen haben (also, die Schule sollte die eigene Statistik führen).
“Wie gut die Kinder den Schulstoff vermittelt bekommen, gefördert und motiviert werden.”
Da müssten Sie geeignete Messreihen von der einen Schule und von der anderen Schule haben, um vergleichen zu können. Gibt es aber in der Regeln nicht. Keine Schule in Deutschland führt eine Statistik drüber, was mit ihren Absolvent*innen passiert – ist also Kaffeesatzleserei.
Wir vermuten mal, dass die einzige Grundlage, nach der Sie (und andere Eltern) die “Qualität” einer Schule beurteilen, die soziale Zusammensetzung ihrer Schülerschaft ist. Kann man Dünkel nennen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Man könnte gucken, wie viele Kinder Abitur geschafft haben, welche Noten haben die Kinder am Ende jeder Klasse, ob es schulische Aktivitäten gibt, wie zb eine Schulzeitung, Schachspiele usw; wie viele Kinder und mit welchen Resultaten an Olympiaden teilnehmen (in Sprachen, Mathematik, Physik usw) oder in bestimmten Wettbewerben, sozial aktiv sind usw.
Schulen könnten sehr wohl nachfragen, was die Absolventen nach der Schule unternommen haben.
“Wir vermuten mal, dass die einzige Grundlage, nach der Sie (und andere Eltern) die “Qualität” einer Schule beurteilen, die soziale Zusammensetzung ihrer Schülerschaft ist.” Kann sein. Als anikdotische Evidenz aus meinem Leben: 2 Gemeinschaftsschulen stehen neben einander. Eine hat sehr gute Leistungen, eine große Rate an Kindern schaffen es, gleich ein Studium zu beginnen. Die zweite Schule fordert die Schüler viel weniger mit dem erwarteten Resultat. Aber sozial sind die Schüler gleich. Zumindest leben im gleichen Gebiet, in Mehrfamilienhäusern…
“Man könnte gucken, wie viele Kinder Abitur geschafft haben” – wie “gucken” Sie das denn? Wie bekommen Sie heraus, wie viele Schüler zuvor abgegangen sind?
Klar können Sie sich die Liste der AGs geben lassen; über die Qualität der AGs, gar über die Qualität der Schule sagt das aber wenig aus. Wettbewerbe? Hängen in der Regel am Engagement einzelner Lehrkräfte.
Was ist überhaupt eine gute Schule – eine, die viele Schülerinnen und Schülern unter schwierigen Bedingungen zu Abschlüssen führt? Oder eine, die ihre Ansprüche (auch um den Preis, etliche Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu verlieren) besonders hoch hält? Eine die fördert? Oder eine die fordert?
“Schulen könnten sehr wohl nachfragen, was die Absolventen nach der Schule unternommen haben.” Ehrlich: Schulen haben genug mit ihren jetzigen Schülerinnen und Schülern zu tun. Eine weitergehende Analyse wäre Sache des Systems – nicht der einzelnen Schule.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Es gibt an fast jeder Schule einen “Tag der offenen Tür”, da kann man viel sehen und hören, wenn man will. Man kann sich mit Freunden, Bekannten und Verwandten unterhalten, man kann auch mal zu Pausenzeiten und am Nachmittag an der Schule entlangschlendern (Augen und Ohren offen), man kann nach Schulschluss mit den Öffis fahren und die Schüler beobachten …. Möglichkeiten gibt es sehr viele, wenn man möchte. Abraten würde ich von “Bwertungsportalen” … da landen oft nur Lobpreisungen oder Hasstiraden … durchschnittliche Eltern schreiben dort selten Kommentare (meine Erfahrungen).
Schade, dass Wettbewerbe nicht so beliebt hier sind. In meiner Zeiten haben solche Wettbewerbe einigen Schülern aus sozialbenachteiligten Familien gezeigt, dass sie doch etwas tolles erreichen können, halfen, unter ihren Mitschülern Respekt zu verdienen, und gaben eine Chance von sozialen Aufstieg.
Vielleicht ist eine gute Schule ein subjektiver Begriff. Für mich wäre es eine Schule, wo Lehrer Beziehungen mit Schülern aufbauen, sie positiv motivieren und gut fordern. Eine Schule, wo Kinder, die schon etwas können, einfach warten müssen, bis die anderen das auch lernen, oder wo der Stoff zu schnell oder zu langsam vermittelt wird unabhängig von der Mehrheit der Kinder, wäre keine gute Schule für mich. Wenn es viele Konflikte gibt, die für mich nicht normal vorkommen, aber die Schule sie als üblich für das Alter einstufen würde (wie auf dem Basis von Herkunft, Religion usw), wäre es keine gute Schule für mich. Wenn die Polizei regelmäßig zum Schulhof muss, wäre es keine Schule für mich.
Zu viele Ausfälle von Unterrichten (und das kommt auch in Gymnasien vor), wo es keine gute Vertretung gewährleistet wird, wäre keine gute Schule für mich. Usw.
Es gibt sehr gute Gemeinschaftsschulen in der Umgebung. Aber Gymnasien abzuschaffen, damit eine Art “Gerechtigkeit” zu schaffen, finde ich falsch. Besonders in Zeiten, wo auch ohne gymnasiale Empfehlung man sich beim Gymnasium anmelden darf. Aus der Klasse meines Kindes sind alle auf das Gymnasium aufgenommen worden, die wollten, auch mit keinem guten Zeugnis. Die Chance wurde jedem gegeben.
“Eine Schule, wo Kinder, die schon etwas können, einfach warten müssen, bis die anderen das auch lernen, oder wo der Stoff zu schnell oder zu langsam vermittelt wird unabhängig von der Mehrheit der Kinder, wäre keine gute Schule für mich.”
Ich glaube, dass die meisten Schule dann “nicht gut” sein können. Auch gerade an Gymnasien gibt es den Gleichschritt und keine Individualisierung. Dadurch könnte das eigene Kind in den unterschiedlichen Fächern immer auch mal unter- oder überfordert sein. Die Heterogenität an Gymnasien ist tatsächlich sehr stark, dadurch das (zumindest in NRW) die Eltern entscheiden können, auf welche Schule sie ihr Kind schicken.
Dieser Gleichschritt ist der große Nachteil unseres Schulsystems. Da hilft es auch nicht, wenn die Selektion stärker reglemtiert wird. Kinder sind unterschiedlich begabt oder interessiert. Vielleicht dann in Mathe unter- und in Deutsch überfordert.
Wie suchen sich Eltern eine Schule aus?
Wenn es mehrere Optionen gibt und sich für sein Kind interessiert, informiert man sich über diese.
Das beginnt schon früh, im Kindergartenalter, im Gespräch mit anderen Eltern. Über die Jahre sammelt man Erfahrungsberichte, tauscht sich aus, fragt nach:
Wie ist der große Bruder von Lara denn in der XY-Schule angekommen? … Ach, der hat schon wieder erst zur Dritten… Wieso fällt da so viel aus? … Lehrer dauernd krank, zu wenig Lehrer, viel Wechsel, viel Unruhe, schwierige Schüler… hmmm….
Mit der Zeit bekommt man – wenn man interessiert ist, und das sind schon noch (knapp?) die meisten – einen guten Eindruck.
Am Ende der Grundschulzeit stellen sich die potenziellen Schulen in der Regel in der Grundschule vor.
Für die Eltern gibt es in der Regel Info-Veranstaltungen an aufnehmenden Schulen.
Die Lehrer der Grundschule kennen in der Regel die aufnehmenden Schulen, mitunter seit Jahrzehnten. Sie wissen genau, welche ihrer Schüler an welche Schule gehen und gegangen sind.
Die Eltern führen mit den Grundschullehrern verbindliche Gespräche zum Übertritt. Dabei wird natürlich nach Empfehlungen gefragt.
Man kann all das natürlich als „anekdotische Evidenz“ abtun.
Es handelt sich um keine doppelt randomisierte-Triple-Evidenz-Studie.
Es handelt sich um schlicht um die Grundlage von 99,9999 Prozent (das ist der exakte Wert) unserer Handlungen: unsere Erfahrungen.
… weshalb dann Gymnasien mit hoher Abschulungsquote einen Ruf wie Donnerhall genießen. Es wäre schon ehrlicher zu sagen, dass Eltern kaum eine Chance haben, die Qualität einer Schule von außen und vom Hörensagen zu beurteilen – weshalb dann auch Gerüchte eine wesentliche Rolle spielen. Gerne hier nachlesen: https://www.researchgate.net/publication/285343884_Vom_Horensagen_Die_Bedeutung_von_Geruchten_im_elterlichen_Diskurs_zur_Grundschuiwahl
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ja, nennen sie es Gerüchte. Anekdoten. Geschichten.
Berichte.
Schilderungen.
Gespräche.
Info-Abende.
Präsentationen.
Empfehlungen.
Ganz viel von alledem über Jahre.
Das ist normales, menschliches Miteinander.
Es ist meiner Meinung nach sehr anmaßend, das komplett als Dünkel abzuqualifizieren und dem so absolut gar keinen Wert beizumessen.
Der Ruf einer Schule hat zu 99,9 % etwas mit anekdotischer Evidenz, mit Gerüchten, mit Stadtteilgeflüster zu tun. Es gibt nahezu keine evidenzbasierten Gründe, warum eine Schule einen wie auch immer gearteten Ruf genießt.
Bei uns ist das so, dass wir in dem vermeintlichen Ruf stehen, anspruchsvollen Unterricht zu halten. Wir haben also auch Zulauf von Kindern, die aus bildungsaffinen Elternhäuser anderer Einzugsbereiche stammen. Diese Eltern wiederum festigen unseren Ruf und sorgen also auch dafür, dass sich nachfolgende Eltern für unsere Schule entscheiden. Das ist dann irgendwann ein kleiner Selbstläufer.
Wenn man das aber von „innen“ betrachtet, stellt man schnell fest, dass es DIE Unterschiede zwischen den Schulen im Stadtteil gar nicht gibt….wir unterrichten alle z.B. mit den denselben Lehrwerken, haben ähnliche Förder-und Forderprogramme, sind mit recht ähnlichen Ressourcen ausgestattet…..und auch unsere Veraergebnisse sind vergleichbar (also wirkliche Evidenz hier)…..aber das wissen auch interessierte Eltern eben nicht….können sie auch nicht wissen….
Gute Güte, ist die Erwartung einer “evidenzbasierten” Schulwahl durch Eltern nicht etwas… überzogen?
Was entscheiden Sie denn so evidenzbasiert in Ihrem Leben?
Vermutlich nicht so viel.
Zwischen dem Goldstandard und kompletter Ignoranz gibt es noch etwas, das nennt sich Lebenswelt.
Vielleicht haben wir Lehrer aber auch Praxiserfahrung, indem wir unsere Schüler von Klasse1 bis 13 beobachten? Vielleicht ist das mehr wert als so manche Statistik?
Es gibt auch die Kurzsichtigen, die nur bis 10 gucken können und die stark Breinträchtigten die sogar nur bis 4 sehen können.
Dann liegt es aber nicht an den Schulen, sondern an unserer Gesellschaft. Woher kommt denn dieser soziale Dünkel?
Klassismus? Gerne hier nachlesen: https://www.schule-ohne-rassismus.org/themen/klassismus/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Und wie kann man diesen Klassismus in der Gesellschaft “beseitigen”?
Aufklärung. Und: Begegnungsräume schaffen. Wenn man allerdings schon die Kinder so früh trennt… sowas kommt von sowas. Herzliche Grüße Die Redaktion
Können, ja – aber wollen?
Wo stünden wir denn, wenn es niemanden gäbe, auf den wir herabschauen könnten
Naja, es kommt wohl darauf an, wie man von oben auf jemanden herabschaut. Es gibt ja die allseits erwünschte Variante: “Ich helfe dir, weil ich so empathisch bin und genau weiß, wie es dir (und Deinesgleichen) geht.” = “(Ich bin so gut und du schaffst es nicht ohne meine aufopferungsvolle moralische Unterstützung und du bedarfst meines Mitleids”).
Na klar, wohlwollend, ist doch selbstverständlich. Empathie ist ja so wichtig. Genauso wichtig ist es aber auch, die notwendige Distanz zu wahren und sich nicht gemein mit den Gemeinen zu machen. Sie verstehen:)
Ich sehe, wir verstehen uns. 🙂
Wie, es gibt ansatzweise so etwas wie ein West-Ost-Verständnis nach mehr als 35 Jahren. Es scheint doch noch Hoffnung aufzukommen.
Und strengt euch mal ein bischen mehr an, um den “Aufbau West” in Angriff zu nehmen. Wir wollen auch blühende Landschaften – allein schon aus ökologischen Gründen.
Sie meinen aber jetzt nicht die alten Römer und deren Klassismus:
“Odi profanum vulgus et arceo.”
Ja der alte Horaz, der fand auch man solle sich vom gemeinen Pöbel fernhalten.
Da sieht man mal wieder, dass Lateinisch Kenntnisse hilfreich sind.
Das ist nichts Neues. Längerer gemeinsamer Unterricht gelingt aber nur in kleineren Klassen und mit mehr Personal (wie z.B in Skandinavien). In 30er-Klassen kann ich nicht den zukünftigen Prof. Dr. zusammen mit dem Kind mit Förderbedarf unterrichten. Das sieht höchstens nach außen toll aus. Im Alltag werde ich den Kindern nicht gerecht.
“CDU und SPD wollen das Schulsystem nach der Landtagswahl umbauen.”
Dieser Satz ist gleich mehrfach interessant:
Die CDU kritisiert, dass die Gemeinschaftsschule ihr Ideal nicht erreicht hat, und will sie deshalb abschaffen. Die Logik dahinter: Wenn eine Reform scheitert, kehrt man nicht zur Ursachenanalyse zurück, sondern eliminiert den Reformversuch. Das ist Verwaltungshandeln, nicht Bildungspolitik.
Lehrermangel wird genannt, aber nicht als politisches Versagen analysiert.
Was in dieser Debatte systematisch ausgeblendet wird, ist die Frage nach dem Zweck von Bildung:
Egal was alle wollen – das Gymnasium als DIE Sortiermaschine nach der 4. Klasse, wird von niemanden in Frage gestellt…
“das Gymnasium als DIE Sortiermaschine nach der 4. Klasse”
Das stimmt doch so krass gar nicht. Man kann heute studieren, auch ohne je ein Gymnasium von innen gesehen zu haben.Die Hochschulzugangsberechtigungsquote liegt zwischen 50 und 60 %. Wie hoch soll sie denn noch steigen?
“Man kann heute studieren, auch ohne je ein Gymnasium von innen gesehen zu haben.” Tun nur leider kaum welche. Die Bildungsungleichheiten bleiben: https://www.news4teachers.de/2026/03/zugeschlagene-tuer-langzeitstudie-zeigt-stabile-bildungsungleichheit-von-der-fruehen-kindheit-bis-ins-erwachsenenalter/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Muss denn jeder studieren? Manche möchten das vielleicht gar nicht, manche können es auch gar nicht, auch wenn man sie noch so sehr individuell fördern würde. Ist der Mensch erst dann ein Mensch, wenn er einen akademischen Abschluss hat? Das ist auch eine Form von Klassismus!
Es geht nicht darum, ob jeder studieren “muss” (nein, muss nicht) – es geht darum, ob jeder junge Mensch mit entsprechendem Potenzial studieren kann. Nennt sich Chancengerechtigkeit.
Akademiker*innen werden übrigens auch benötigt. Stichwort Lehrkräftemangel.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Studere = lat. sich bemühen, nach etwas streben, eifrig betreiben.
Ja, muss jede/jeder. Ob es unbedingt an einer Hochschule sein muss, sei dahin gestellt.
Okay, Sie haben mich, wieder einmal, überzeugt. 🙂
Seltsam:
Da sprechen sich diverse Wissenschaftler und eine Gewerkschaft (GEW) für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit aus und fordern dabei eine Umbau des Schulwesens, jedoch ohne die zahlreichen kostenpflichtigen Privatschulen zu erwähnen.
Die ganze Diskussion wäre im Grunde völlig überflüssig, wenn es nicht dieses vordemokratische Schulsystem gäbe, in dem Kinder nach der vierten Klasse auf verschiedene Schularten sortiert werden. Die unterschiedlichen Schulformen wurden ursprünglich nicht aus pädagogischen oder bildungsdidaktischen Überlegungen heraus geschaffen, sondern um die Kinder aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen voneinander fernzuhalten. Wer heute noch behauptet, verschiedene Schulformen würden den Kindern und Jugendlichen je nach Begabung gerecht, vertritt einen völlig überholten statischen Begabungsbegriff. Der Stress, der oft schon in der dritten Klasse beginnt, ob es das Kind auf das „heilige“ Gymnasium schafft oder nicht, ist unnötig. Es sollte kein Recht auf eine bestimmte Schulform, sondern auf die bestmögliche Förderung eines jeden Kindes geben. Daher brauchen wir endlich ein inklusives Schulwesen, das dann auch ohne Abschulungen auskommt.
„ Die unterschiedlichen Schulformen wurden ursprünglich nicht aus pädagogischen oder bildungsdidaktischen Überlegungen heraus geschaffen, sondern um die Kinder aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen voneinander fernzuhalten.“
Dafür haben Sie sicher wissenschaftlich valide Belege?
Es gab nur zwei Schulformen, Volksschule und die höhere Lehranstalt. Erst im 19. Jahrhundert kam in Folge der zunehmenden Bedeutung der “Realien” – aka MINT-Fächer – für die Wirtschaft die Realschule dazu.
Das Schulwesen entsprach der damaligen Ständegesellschaft bzw. der Struktur des Militärs – Arbeiter/Mannschaften, Angestellte/Unteroffiziere und leitende Angestellte/Offiziere.
Ist das nun ein Mantra oder nur mantra-artig?
“…wenn es nicht dieses vordemokratische Schulsystem gäbe, in dem Kinder nach der vierten Klasse auf verschiedene Schularten sortiert werden.”
Sie irren: Die jetzige 4-jährige Grundschule wurde um 1920 herum eingeführt, nach der Kaiserzeit. Davor wurden die künftigen Gymnasiasten schon VORHER auf separate 3-jährige (private) “Vorschulen” geschickt, um dann mit 9 Jahren in die Sexta eines G9-Gymnasium überzugehen. Somit konnten sie mit 18 auch damals ihr Abitur haben. Die anderen gingen nicht in eine so bezeichnete “Grundschule”, sondern in die Volksschule. Aber dieses System wurde eben schon vor 100 Jahren abgeschafft, und die Weimarer Republik sollte man nicht “vordemokratisch” nennen.
Vier.
Für mich bitte vier.
Die klassischen vier.
Vier ist die Antwort.
Vier ist die Zahl.
Drei wäre zu wenig.
Die Zwei scheidet völlig aus.
Hatten wir nicht sogar mal vier?
Warum nur wurde das geändert?
Tipp: Der Philologenverband steckt (ausnahmsweise) nicht dahinter.