BERLIN. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der KMK will die frühkindliche Bildung stärker in ein datenbasiertes Steuerungssystem einbinden. Entwicklungsverläufe sollen systematisch erfasst, Qualität vergleichbar gemacht und Ressourcen gezielter verteilt werden. Was in der Schule zunehmend etabliert wird, soll nun auch für Kitas gelten – inklusive Monitoring, standardisierter Verfahren und verbindlicher Datennutzung. Doch genau hier beginnt das Problem: Frühkindliche Bildung folgt anderen Logiken als Unterricht. Sie entsteht in Beziehungen, in offenen Situationen, im Umgang mit Vielfalt. Die Frage ist deshalb nicht nur, wie mehr Daten gewonnen werden können – sondern was dabei verloren geht.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz fordert eine deutlich systematischere Nutzung von Daten auf allen Ebenen des Bildungssystems. Sie sieht auch in der frühkindlichen Bildung ein bislang nur teilweise erschlossenes Feld datengestützter Steuerung. Bereits der Ausgangspunkt ist programmatisch formuliert:
„Eine systematische Nutzung valider Daten auf den verschiedenen Ebenen des Systems der Frühen Bildung kann entscheidend zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität beitragen.“
Zugleich diagnostiziert die SWK strukturelle Defizite. Vorhandene Datensätze seien zwar umfangreich, würden aber bislang nicht ausreichend genutzt: „Diese sind jedoch bislang nur unzureichend aufeinander abgestimmt, sodass ihr Analysepotenzial nicht voll ausgeschöpft werden kann.“
Die Kommission verbindet diese Diagnose mit einer klaren steuerungspolitischen Perspektive. Daten sollen nicht nur beschreiben, sondern gezielt zur Ressourcensteuerung eingesetzt werden: „Verlässliche Daten schaffen eine Grundlage dafür, politische Initiativen zur Qualitätsverbesserung und die Ressourcenzuweisung auf Landes- und kommunaler Ebene passgenau auf die identifizierten Bedarfe abzustimmen.“
Damit wird frühkindliche Bildung ausdrücklich in eine Logik überführt, die aus dem schulischen Bereich zumindest ansatzweise (etwa in Gestalt der zentralen Vergleichsarbeiten VERA) bekannt ist: Daten als Grundlage für gezielte Interventionen im System.
„Das SWK-Gutachten zur datengestützten Entwicklung und Steuerung in Schulen und frühkindlicher Bildung setzt ein klares Signal: Frühkindliche Bildung soll stärker messbar, vergleichbar und steuerbar werden“
Ein zentraler Hebel ist aus Sicht der SWK der Aufbau eines umfassenden Überwachungssystems. So empfiehlt die Kommission „ein nationales, flächendeckendes beobachtungsbasiertes Monitoring der Prozess- und Interaktionsqualität in allen Kindertageseinrichtungen“. Dieses soll sich auf validierte Verfahren stützen und international erprobte Modelle aufgreifen. Gleichzeitig sollen bestehende Datenquellen systematisch weiterentwickelt und verknüpft werden. Ziel ist eine „solide Datenbasis für die Identifikation von (regionalen) Qualitätsentwicklungs- und Unterstützungsbedarfen“.
Auch auf der Ebene der einzelnen Einrichtungen fordert die SWK mehr Stringenz. So sollen „Verbindlichkeit interner Evaluationen“ erhöht und Ergebnisse „transparent an die Eltern kommunizieren“ werden. Qualitätsdaten sollen zudem gezielt für Steuerungsentscheidungen genutzt werden, etwa bei der Ressourcenverteilung.
Darüber hinaus sieht das Gutachten eine stärkere Standardisierung von Verfahren vor. So sollen „Verfahren zur Erfassung des Entwicklungsstands, der kindlichen Interessen und Motivationen sowie zur Dokumentation der pädagogischen Arbeit […] auf eine überschaubare Zahl qualitätsgeprüfter Verfahren reduziert“ werden. Gleichzeitig wird betont, dass die erhobenen Daten verbindlich in pädagogische Prozesse übersetzt werden müssen: „Dokumentationen der pädagogischen Arbeit und Entwicklungsstandsdaten [sollen] zur Planung und Durchführung individueller pädagogischer Angebote verbindlich genutzt werden.“ Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Systematisierung von Übergängen. Die SWK regt an, die Weitergabe von Entwicklungsdaten zwischen Kita und Grundschule zu prüfen, um „eine anschlussfähige Bildung“ zu gewährleisten.
Damit zeichnet das Gutachten das Bild eines zukünftig stärker integrierten, datenbasierten Systems frühkindlicher Bildung, in dem Beobachtung, Dokumentation und Steuerung enger miteinander verzahnt sind als bislang. Gleichzeitig verweist die SWK selbst auf die Besonderheiten des Feldes. Frühkindliche Bildung sei durch einen „ganzheitlichen“ Bildungsauftrag geprägt und unterscheide sich strukturell vom Schulsystem. Dennoch hält sie daran fest, dass Daten auch hier ein „hohes Potenzial“ entfalten können.
Genau an diesem Punkt setzen die Einwände aus Praxis und Stiftungsarbeit an. Anette Stein, Direktorin des Programms Bildung und Next Generation der Bertelsmann Stiftung, beschreibt auf Linkedin die Stoßrichtung des Papiers so: „Das SWK-Gutachten zur datengestützten Entwicklung und Steuerung in Schulen und frühkindlicher Bildung setzt ein klares Signal: Frühkindliche Bildung soll stärker messbar, vergleichbar und steuerbar werden. Hier zeigt sich ein grundlegendes Spannungsfeld.“
Dieses ergibt sich aus der Eigenlogik frühkindlicher Bildung. Stein betont:
„Gelingende pädagogische Prozessqualität kann nur begrenzt in Standards und die verbindliche Nutzung von Verfahren übersetzt werden. Pädagogisches Handeln braucht nicht nur datenbasierte Umsetzungskompetenz: Es ist reflexive Praxis unter Unsicherheit.“
Während die SWK auf Standardisierung und Vergleichbarkeit zielt, hebt Stein die Situationsgebundenheit pädagogischen Handelns hervor: „Professionelles pädagogisches Handeln orientiert sich am einzelnen Kind, ist damit beziehungs- und situationsgebunden und berücksichtigt den Lebenskontext.“
Die Differenz ist grundlegend. Die SWK denkt Steuerung vom System her, Stein argumentiert vom pädagogischen Prozess aus. Entsprechend verschiebt sich auch die Funktion von Daten. Sie seien ein mögliches Instrument, aber nicht der Kern professionellen Handelns: „Standardisierte Diagnostik kann hier sinnvoll ergänzen, ersetzt aber nicht den ganzheitlichen Blick auf das einzelne Kind in seiner Lebenswelt.“
Noch deutlicher formuliert Maike Hoeft, Fachberatung der Stadt Dorsten mit jahrzehntelanger wissenschaftlicher und praktischer Erfahrung, die Grenzen standardisierter Verfahren. Sie verweist auf die Bedingungen, unter denen Daten erhoben werden: „Das ist ja bei der Kompetenzmessung genau der Punkt, dass ein sehr künstliches Setting geschaffen wird. Der gesamte Einfluss, der von drumherum kommt, fällt weg. Das wird dem Kind nicht gerecht.“
„Gelingende Bildungsprozesse entstehen halt nicht durch Standardisierung, sondern durch eine vertrauensvolle Beziehungsarbeit“
Damit wird ein blinder Fleck der im Gutachten angelegten Logik sichtbar. Standardisierte Daten beruhen auf kontrollierten Bedingungen – frühkindliche Bildungsprozesse hingegen entstehen gerade im offenen, situativen Kontext. Hinzu kommt ein strukturelles Problem von Normierung: „Kompetenzorientierung kann nicht neutral sein, weil es immer eine Normgruppe gibt“, so Hoeft. Vor dem Hintergrund wachsender Heterogenität in Kitas eine problematische Vereinfachung: „Wir orientieren uns immer an einer sehr selektiven Norm.“
Die Konsequenz betrifft den Kern pädagogischer Qualität selbst. Hoeft beschreibt ihn nicht als Ergebnis von Messung, sondern von Interaktion: „Gelingende Bildungsprozesse entstehen halt nicht durch Standardisierung, sondern durch eine vertrauensvolle Beziehungsarbeit, durch Interaktion und durch das Ausprobieren mit kompetenteren Gesprächspartnern.“
Damit verschiebt sich die Perspektive auf Steuerung grundlegend. Während die SWK davon ausgeht, dass bessere Daten zu besseren Entscheidungen im System führen, betonen Stein und Hoeft die Grenzen dieser Annahme. Qualität entsteht demnach nicht primär durch Steuerung, sondern durch professionelle Praxis unter komplexen Bedingungen.

Die politische Dimension dieser Differenz liegt auf der Hand. Die SWK formuliert ein Modell, in dem frühkindliche Bildung stärker in ein datenbasiertes Steuerungssystem integriert wird – mit Monitoring, Vergleichbarkeit und gezielter Ressourcenallokation. Die Gegenposition macht deutlich, dass genau diese Logik den Gegenstand verändern kann, den sie zu steuern versucht. Die offene Frage bleibt damit nicht, ob Daten genutzt werden sollen, sondern wie weit ihre Reichweite reicht – und wo die Grenzen eines Steuerungsanspruchs liegen, der auf Messbarkeit angewiesen ist.
Oder, wie Anette Stein es formuliert: „Die entscheidende Frage bleibt: Wie gelingt es, evidenzgestützte Ansätze mit einer beziehungsorientierten, zukunftsfähigen und lebenswelt- und kontextbezogenen Pädagogik wirksam zu verbinden?“ News4teachers
Hier lässt sich das vollständige SWK-Gutachten herunterladen.
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Schulische Bildung basiert natürlich ebenfalls auf Beziehung.
Alle hier vorgebrachten Argumente gegen vermeintliche Standardisierung, vermeintlich evidenzbasierte Steuerung und vermeintlich objektive Daten gelten in der Schule ebenso.
JEDE pädagogische Situation ist komplex und erfordert Handeln in Unsicherheit.
Wer die Komplexität reduzieren will, damit sie in eine Excel-Tabelle passt, die auch der Herr Schulrat und Ministerialbeamte versteht, ohne sein sein Büro zu verlassen, zeigt vor allem eins:
Er hat den Kern von Pädagogik nicht verstanden.
Der bildungs-industrielle Komplex freut sich – und genau aus dieser Ecke kommt der faule Zauber ja.
Die Praktiker winken ab und lächeln milde: Sie wissen ja, dass SIE es sind, die sämtliche Daten erheben und ggf. digitalisieren müssen – das Fußvolk im Feld betreibt quasi Feldforschung.
Schütze A.. meldet gehorsamst: 3 Feldhasen gesichtet, zufällig genau so viele, wie es normgerecht ist.
Nennt sich Principal-Agent-Problem. Aber ich möchte die geneigten Mitleser im KM, in der KMK und in der SWK nicht mit akademischen Kenntnissen überfordern.
Daher hier in einfacher Sprache:
Niemand, der vor Ort konkret handelt, wird sich selbst ans Messer liefern und für ihn nachteilige Daten übermitteln. Das wäre ja sehr dumm.
Wenn ihr also schon die totale Kontrolle, die reine Evidenz und den Goldstandard wissenschaftlicher Forschung darauf verwenden wollt, ein Spiegelei an die Wand zu nageln, dann müsstet ihr schon – Achtung, Triggerwarnung – eure klimatisierten Gleitzeit- und Homeoffice-„Arbeits“plätze verlassen und SELBST in die Schulen gehen, um dann ganz standardisiert einen Flohzirkus zu testen.
Und DAS wird natürlich nie passieren.
Pricinpal Agent 447 meldet: Fortschritte plangemäß eingeleitet, moderate, jedoch erkennbare Hetausforderungen verbleiben im Normalmaß.
Diese KI-Bilder sind schrecklich, was soll der Mist mit den riesigen Augen?? Ist das hier ein Manga? Kommt gleich Mila Superstar durch die Luft geflogen? Pika, Pika?
Warum nicht in die Nachbarschaft gucken und feststellen, dass das allein nicht reicht? Dänemark kombiniert die hier vorgeschlagene evidenzbasierte, datengestützte Steuerung der frühkindlichen Bildung mit einer verpflichtenden Kita‑Teilnahme in sozial benachteiligten “Quartieren”, die basically auf Sprach‑ und Integrationsförderung abzielt. Und genau diese Kombination (!) wird international als Best‑Practice‑Ansatz für Bildungsgerechtigkeit und frühe Intervention beschrieben.
Dänemarks Staat mischt sich massiv in das Leben seiner Bürger ein, natürlich mit den besten Absichten. Hier würden vermutlich viele protestieren, wenn es ähnlich wäre, und zwar von Links und von Rechts gleichermaßen. Der skandinavische Pragmatismus passt in keine hiesige Schublade.
Legen Sie sich mal als Frechlingskind oder Aufmuckereltern mit dem dänischen Staat in Form der Lehrer an – der Polizeiwagen steht in der Regel am gleichen Tag noch vorm Haus und die Polizisten im Wohnzimmer.
DEN Teil, den lassen “sie” immer weg, wenn von der dänischen hyggeligkeit in der Schule einer gesäuselt wird.
“Standardisierte Verfahren”, “verbindliche Datennutzung”, “Datengewinnung”, “systematische Nutzung”, “datengestützte Steuerung”, “umfassendes Überwachungssystem”, “beobachtungsbasiertes Monitoring der Prozess- und Interaktionsqualität”, “Datenquellen systematisch weiterentwickeln und verknüpfen”, “Standardisierung von Verfahren”, “Systematisierung von Übergängen”, “messen”, “vergleichen”, “steuern”,…….
Kennenlernen, Beziehungsaufbau, Einfühlung, Verständigung, Spontanität, Phantasie, Kreativität, Neugier, Freude, Spaß, Traurigkeit, Ärger, Wut, Lärm, Harmonie, Konflikt, Überforderung, Erfüllung, Witz, Schalk, Himmelhochjauchzend, Zutodebetrübt, Auf und Ab, Hin und Her, Musik, Geschichten, Spiele, Lieder,
Abwechslung, Ruhe, Hektik, Gewusel, Konzentration, Entdeckerlust, Versunkenheit, Trennungsangst, Heimweh, Bauchweh, Müdigkeit, Langeweile, Aktivität, Bewegung, Toben, Springen, Rennen, Klettern, Freundschaft, Abneigung, Zuneigung, Individualität, Gemeinschaft, Durchsetzung, Rücksichtnahme…..
Finde den Fehler…..
Das ist doch gruselig. Als wären Kinder Objekt zum Vermessen und keine Individuen.
Es ist problematisch genug, dass Schule immer auch partiell ein Standardisierungsprogramm ist, das lässt sich aber nicht vermeiden. Wird die Vermessung und Normierung aber so in den Himmel gelobt, dann stimmt etwas mit dem Menschenbild nicht.
Dann wird Individualität offen als Störfaktor gesehen und nicht mehr die Normierung als notwendiges Problem.
Jetzt also die Kita auch nutzen, um die Kinder ordentlich zuzuballern?
Herr Gott, lasst die Kinder doch einfach mal Kinder sein! Wieso lernen die Politiker eigentlich nicht, dass das so nicht funktioniert. Seit diversen Jahren haben wir den umgekehrten Flynn-Effekt, das wird aber nicht dadurch besser, dass ich die Kinder immer weiter befülle, könnte man aus den letzten 30 Jahren gelernt haben, eigentlich.
Lasst die Kinder auf natürliche Art und Weise lernen über Try and Error und nicht auf diese unnatürliche Art und Weise, davon werden sie später noch genug haben.
Aber wenn wir Kinder den ganzen Tag in die Schule stecken…dann müssen die Unterschiede doch weggehen, die “Kompetenzen” steigen?
Ich habs: Ausweitung Ganztag bis 1800!
Da BINDUNG VOR BILDUNG steht und die Voraussetzung für erfolgreiche Bildung ist, bin ich für ein exaktes Monitoring der Eingewöhnung im U3- Bereich.
Kinder werden seit einigen Jahren ab ihrem ersten Geburtstag von Politik und Wirtschaft für Kita- fähig erklärt. Die jungen werdenden Eltern nehmen das häufig unbesorgt auf und suchen bereits nach dem positiven Schwangerschaftstest einen Platz in der Kita oder bei Tageseltern. Sie klären frühzeitig an ihrem Arbeitsplatz, dass die Hauptbezugsperson, häufig die Mutter, spätestens im zweiten Monat nach dem ersten Geburtstag und somit nach der Eingewöhnung des Kindes in der Betreuung zumindest in Teilzeit wieder regelmäßig arbeiten wird. Das ungeborene Kind hat zum Zeitpunkt dieser Klärungen erst die Größe eines Salzstreuers.
Der Verlauf des ersten Lebensjahres ist noch völlig unbekannt.
Sicher ist aber, dass der erste Geburtstag und somit die Eingewöhnung in die sogenannte „Fremdelphase“ fällt, die für die Entwicklung des Kindes bezüglich Bindung und Sicherheit eine elementare Rolle spielt. Diese dauert ungefähr von 9 bis 18 Monaten. In dieser Zeit entwickelt sich tiefes Vertrauen in die Eltern und andere Menschen… oder auch nicht.
Deshalb wäre es aus Sicht des Kinderschutzes, spätestens aber aus Sicht aller anderen Player, die auf Leistung durch gut gebildete Menschen setzen, wichtig, die Eingewöhnungsphase und die ersten sechs Monate des Kindes mit größter Wachsamkeit hinsichtlich der Bindung in der Kita zu begleiten.
Ein Monitoring könnte hier helfen, die tatsächliche Situation der Eingewöhnungskinder sichtbar zu machen.
Wie gut löst sich das Kind von der Person, die es morgens bringt?
Wie ist die Reaktion? (Schreien, Weinen, stiller Rückzug oder direkte Interaktion mit Kindern und nachträgliches Weinen, wenn die Bezugsperson nicht mehr da ist, oder völliges Fehlen einer „vermissenden Reaktion“)?
Hat das Kind eine feste, beim Ankommen anwesende Bezugsperson?
Wie ist die emotionale Interaktion?
Kann das Kind nach Bedarf ausruhen oder schlafen?
Schläft das Kind alleine ein? Braucht es dabei Hilfe? Weint es? Wie lange? Lässt es sich trösten?
Welchen Eindruck macht das Kind generell während der Eingewöhnung?
Und so weiter.
Eine ehrliche Abfrage über die emotionale Situation der U3- Eingewöhnung und eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern wäre extrem wichtig für die gesunde psychische Entwicklung.
Auch die Eltern sollten in das Monitoring eingebunden sein.
Wie verhält sich das Kind beim Abholen? Wie schläft es seitdem? Klammert es mehr oder ist es selbständiger geworden? Wie ist die Situation am Morgen? Was hat sich verändert? Gibt es Probleme? Was funktioniert gut?
Wer es ernst meint mit frühkindlicher Bildung, muss frühkindliche BiNdung ernst nehmen. Es müsste politisch und gesellschaftlich anders über das zweite Lebensjahr gesprochen werden, in dem beobachtet wird, ob die Betreuung dem Kind gut tut oder ob ein späterer Eintritt für das Kind besser wäre. Manche Kinder schaffen es mit 1,5 Jahren wesentlich besser als die Einjährigen und genau so kann man das andersherum beobachten.
Anhand der erhobenen Daten könnte offiziell anerkannt werden, wenn ein Kind noch nicht betreuungsfähig ist und einen späteren Eintrittstermin benötigt. Hier müsste, sollte man die sichere Bindung ernst nehmen und auf die Spätfolgen durch Brüche verzichten wollen, vieles geändert werden. Kita- Plätze müssten auch zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung stehen, Eltern bräuchten länger finanzielle Unterstützung, Arbeitgeber müssten noch flexibler sein.
Geht nicht?
Dann muss man eben mit großen Bildungsproblemen rechnen.
Ein Kind, das mit einem Jahr die Erfahrung gemacht hat, aus dem geborgenen, warmen Nest gestoßen und in einer fremden Umgebung abgegeben worden zu sein, wo es wochenlang nach Mama und Papa geweint hat, ohne dass diese zu ihm gekommen wären, interessiert sich nicht für Bildung. Es fühlt sich seit diesem Bruch verunsichert unter Menschen und hat das Vertrauen verloren. Entsprechend wird es sein Gehirn ausbilden. Keiner hört mich? Ich höre auch keinen.
Vielleicht entwickelt es auch eine Angsterkrankung, denn dieses lange, verzweifelte Weinen, das von fürsorglichen Erzieherinnen und Erziehern nicht mit dem Auftauchen der Eltern, sondern nur mit Ablenkung von Schmerz und Trauer beantwortet werden konnte, hinterlässt Spuren in Form von Trauma. Alles, mit was dieses Gefühl ablenkend beantwortet wurde, kann auch später zu einer Sucht durch Ablenkung führen und damit weg von Konzentration und Bildungschancen. Kinder lernen frühzeitig, sich ihrer Umgebung anzupassen, auch wenn sie den Bruch in der Bindung nicht verkraftet haben. Sie hören auf zu weinen und fügen sich ein. Die Eltern sind dann beruhigt, dass ihr Kind nach dem langen Geschrei endlich in der Kita angekommen ist.
Wenn wir uns als Gesellschaft leisten, Kinder vom elementaren Schmerz beim Fehlen der Eltern abzulenken, weil wir die Eltern beide in der Arbeit brauchen, leisten wir Bildung: die Bildung von Ablenkung von sehr schmerzhaften Gefühlen.
Ich bin sehr dafür, an dieser Stelle durch Monitoring im U3 Bereich für Klarheit und die Grundsteinlegung für erfolgreiche Bildung nach
geschützter Bindung zu sorgen.
Das geht wieder genau in die falsche Richtung. Wir brauchen weniger Daten und weniger Bürokratie, da wir gar nicht die Zeit und das Personal haben, diese ORDENTLICH zu erheben. Im schlimmsten Fall bekommen wir fehlerhafte/unrealistische Daten und ziehen daraus die falschen Schlussfolgerungen, die wir aber sowieso nicht mangels Personals umsetzen können.