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Mit Idealismus an die Schule – und frustriert wieder hinaus! Woran der Seiteneinstieg in den Lehrerberuf häufig scheitert

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HAMBURG. Deutschlands Schulen öffnen sich immer stärker für Menschen ohne klassisches Lehramtsstudium. Der Lehrermangel zwingt die Länder dazu, neue Wege zu gehen – inzwischen unterrichtet an allgemeinbildenden Schulen bereits mehr als jede zehnte Lehrkraft ohne anerkannte Lehramtsprüfung. Gleichzeitig berichten viele Quer- und Seiteneinsteiger von chaotischen Strukturen, fehlender Vorbereitung und dem Gefühl, im Kollegium nicht wirklich dazuzugehören. Der Stifterverband warnt vor einer „De-Professionalisierung“ des Systems, wenn Berufswechsler ohne ausreichende Qualifizierung in die Klassen geschickt werden.

Praxisschock. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Als Magret Kindermann im Oktober 2020 ihre ersten Stunden als Lehrerin hielt, hatte sie genau zwei Tage hospitiert. Danach stand sie allein vor den Klassen. Die frühere Journalistin unterrichtete an einer Regelschule in Thüringen Deutsch und Ethik, zeitweise auch Englisch, Erdkunde – und sogar Mathematik. „Einmal musste ich sogar Mathematik machen – das war für mich wirklich schlimm“, berichtet sie im Gespräch mit der Zeit.

Kindermann gehört zu jener Gruppe von Berufswechslern, auf die das deutsche Schulsystem immer stärker angewiesen ist. Doch ihre Erfahrungen zeigen zugleich, wie improvisiert der Einstieg vielerorts organisiert wird. Stundenpläne hätten sich ständig geändert, Unterstützung habe oft gefehlt, erzählt sie. Besonders belastend sei die Atmosphäre an der Schule gewesen. „Hinzu kam, dass viele Lehrer die jugendlichen Schüler angeschrien haben, was mir das Gefühl gab, dass alle gereizt und überfordert waren.“

Die Zeit hat unter der Überschrift „Wir sind jetzt leider Queraussteiger“ drei ehemalige Quer- und Seiteneinsteiger porträtiert, die den Schuldienst wieder verlassen haben. Ihre Berichte ähneln sich auffällig: fehlende Vorbereitung, mangelnde Begleitung, hohe Belastung und das Gefühl, im System Schule nur geduldet zu sein. Die individuellen Erfahrungen verweisen damit auf ein strukturelles Problem, das mit dem wachsenden Lehrkräftemangel an Bedeutung gewinnt.

Denn die Zahl der Quer- und Seiteneinsteiger steigt seit Jahren deutlich an. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erhöhte sich ihr Anteil an allgemeinbildenden Schulen von 9,8 Prozent im Schuljahr 2022/2023 auf 10,5 Prozent im Schuljahr 2023/2024. Rund 77.600 der insgesamt 739.500 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen verfügten zuletzt über keine anerkannte Lehramtsprüfung. Zehn Jahre zuvor lag ihr Anteil erst bei 4,5 Prozent. An beruflichen Schulen unterrichteten zuletzt rund 20.550 Lehrkräfte ohne reguläre Lehramtsprüfung, ihr Anteil stieg binnen eines Jahres leicht von 16,4 auf 16,6 Prozent.

Gleichzeitig bleibt der Nachwuchs aus den Lehramtsstudiengängen begrenzt: Zwar schlossen 2023 rund 29.000 Studierende ein Lehramtsstudium mit Master oder Staatsexamen ab, im Zehnjahresvergleich entspricht das aber einem Rückgang um 12,6 Prozent.

Der Stifterverband beschreibt diese Entwicklung in einem aktuellen Policy Paper als grundlegenden Wandel des Systems. „Im Bundesdurchschnitt ist aktuell mehr als jede zehnte unbefristet neueingestellte Lehrkraft über einen Seiteneinstieg in den Beruf gekommen“, heißt es dort. Ohne „berufsadäquate Qualifizierungen und Begleitung“ sei eine „De-Professionalisierung“ des Lehrerberufs zu befürchten.

Die Empfehlungen des Stifterverbands lesen sich dabei stellenweise wie direkte Antworten auf die Erfahrungen der Betroffenen aus dem Zeit-Artikel. So fordert die Allianz für Lehrkräfte im Stifterverband verpflichtende Vorbereitungskurse vor dem ersten eigenverantwortlichen Unterricht, mindestens drei Monate Qualifizierung, Mentoringprogramme an Schulen und verbindliche Entlastungen während der berufsbegleitenden Ausbildung. Derzeit würden viele Berufswechsler „bereits am ersten Arbeitstag in der Schule vor einer Klasse“ stehen.

„Alle waren abgekämpft, müde und hatten keinerlei Kapazitäten, jemanden zusätzlich zu unterstützen“

Genau das beschreibt auch Linda M. aus Nordrhein-Westfalen. Die Volkswirtin und frühere Softwareentwicklerin begann 2023 über einen berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst für Quereinsteiger an einer Gesamtschule in Dortmund. Für die Einarbeitung seien „nur zwei Tage Zeit“ gewesen. Danach sollte sie mit 19 Wochenstunden Mathematik und Physik unterrichten. „Man steht sofort allein vor der Klasse“, sagt sie. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten selbst kaum noch Kraft gehabt: „Alle waren abgekämpft, müde und hatten keinerlei Kapazitäten, jemanden zusätzlich zu unterstützen.“

Der Stifterverband kritisiert ausdrücklich diese Form des unmittelbaren Unterrichtseinsatzes. Berufswechsler benötigten eine „praxisgeleitete Vorbereitung“, heißt es im Papier. Vorgeschlagen werden Hospitationen, begleitete Reflexionen und ein schrittweiser Aufbau eigener Unterrichtskonzepte. Zudem fordert die Allianz für Lehrkräfte spezielle Mentoringstrukturen. Schulen müssten den Seiteneinstieg als Teil ihrer Personalentwicklung verstehen und systematisch begleiten.

In der Praxis scheint davon vielerorts wenig angekommen zu sein. Linda M. berichtet von Klassen mit Gewaltproblemen, auf die sie kaum vorbereitet gewesen sei. „Als Lehrperson hätte man dafür eigentlich sozialpädagogische Kompetenzen gebraucht“, sagt sie. Fachliche Inhalte zu vermitteln, sei unter diesen Bedingungen oft kaum möglich gewesen.

„Als Quereinsteigerin war man für mich spürbar das schwarze Schaf“

Auch Jenny H. aus Chemnitz beschreibt den Schulalltag als permanenten Improvisationsmodus. Die Sozialpädagogin unterrichtete insgesamt dreieinhalb Jahre an öffentlichen und privaten Schulen. An einer ihrer ersten Schulen habe sie gefragt, was sie unterrichten solle. Die Antwort lautete laut Zeit-Dokumentation: „Schauen Sie einfach ins Klassenbuch, was noch fehlt.“

Besonders belastend sei das Gefühl gewesen, trotz umfangreicher Berufs- und Studienerfahrung als Lehrkraft zweiter Klasse behandelt zu werden. „Als Quereinsteigerin war man für mich spürbar das schwarze Schaf“, sagt sie. Viele klassische Lehrkräfte sähen Sozialpädagogen „nicht als vollwertige Lehrer an“.

Der Stifterverband greift auch diesen Punkt indirekt auf. Berufswechsler brächten häufig wertvolle Erfahrungen aus anderen Berufsfeldern mit, heißt es im Policy Paper – etwa Projektmanagement, technisches Wissen oder sozialpädagogische Kompetenzen. Schulen sollten diese Erfahrungen gezielt nutzen, beispielsweise für Berufsorientierung, Ganztagsangebote oder Schulentwicklung.

Tatsächlich beschreiben alle drei Porträtierten Situationen, in denen gerade ihre beruflichen Vorerfahrungen hilfreich gewesen seien. Magret Kindermann berichtet, viele Schülerinnen und Schüler hätten es geschätzt, dass sie „keine typische Lehrerin“ gewesen sei. Jenny H. verweist auf ihren sozialpädagogischen Blick auf Gruppendynamiken und schwierige Lebenslagen von Jugendlichen. Gleichzeitig zeigen ihre Schilderungen aber auch, wie stark das traditionelle Selbstverständnis vieler Kollegien weiterhin vom klassischen Lehramtsweg geprägt ist.

Der Konflikt reicht damit über organisatorische Fragen hinaus. Er berührt das professionelle Selbstverständnis von Schule. Der Seiteneinstieg sollte nicht nur als Notlösung verstanden werden, argumentiert der Stifterverband. Berufswechsel seien in anderen Bereichen längst normal, neue Perspektiven könnten Schulen bereichern. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass Quereinsteiger nicht bloß als schnelle Lückenfüller eingesetzt würden.

Davon scheint das System vielerorts noch entfernt zu sein. Die Länder haben sehr unterschiedliche Modelle entwickelt. Manche bieten mehrmonatige Vorbereitungskurse an, andere nur wenige Tage Einführung. In einigen Bundesländern existieren Mentorenprogramme, andernorts fehlt eine systematische Begleitung weitgehend. Einheitliche Qualitätsstandards gibt es bislang nicht.

Gerade diese Unterschiede entscheiden aber offenbar darüber, ob der Einstieg gelingt. Magret Kindermann erzählt, sie habe zeitweise zusätzlich an einer zweiten Schule gearbeitet. Dort sei „der Ton ganz anders“ gewesen. Kolleginnen und Kollegen hätten sie aktiv unterstützt. „Da habe ich gemerkt, wie viel vom Umfeld abhängt.“

Nach einem Jahr verließ sie den Schuldienst wieder. Heute arbeitet sie als Schriftstellerin und macht zusätzlich eine Ausbildung zur Erzieherin. Trotzdem glaubt sie weiterhin, dass Quereinsteiger eine wichtige Rolle spielen können. „Denn am Ende sind Quereinsteiger nicht da, um andere Lehrkräfte zu ärgern – sondern um zu helfen.“ News4teachers

Hier geht es zum Policy Paper des Stifterverbands. 

Ein Drittel der Seiteneinsteiger steigt schon im ersten Jahr wieder aus

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Ludwig
1 Tag zuvor

„Alle waren abgekämpft, müde und hatten keinerlei Kapazitäten, jemanden zusätzlich zu unterstützen“
Das stimmt schon. So ist Schule heute. Woran das wohl liegt?! Es liegt zum Teil auch an schwierigen Schülern und Elternhäusern, die nicht mit uns zusammenarbeiten, sondern gegen uns arbeiten; Schülern, die den Unterricht massiv stören und von ihren Eltern gesagt bekommen, zurückzuschlagen, wenn sie jemand haut oder beleidigt. Schüler anzuschreien, kommt schon vor. Leider übersieht die Seiteneinsteigerin, dass es oft das letzte Mittel ist, weil Ermahnungen und Gespräche nicht ernstgenommen werden und weil manche Kinder erst reagieren, wenn man als Lehrer ERKENNBAR sauer geworden ist. Sie kennen es nicht selten so von zu Hause!

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  Ludwig

Das Hinwegsetzen über Grenzen macht es den lehrkräften extrem schwer in allen Situationen und jederzeit angemessen reagieren zu können, zumal sie ja nicht nur berufliche belastungen zu tragen haben. Häufig ist es nur ein “kleiner Tropfen”, der ein Fass zum Überlaufen bringt. Dass ist ja das Vertrackte, da werden jahrelang auch gravierende Zwischenfälle geduldig und gutmütig gehandelt und plötzlich und unerwartet auf eine Kleinigkeit unerwartet heftig reagiert und es kommt zu einem Ausbruch.
“Jemanden zur Weißglut treiben”, ist eine Umschreibung dieses Phänomens.

Rosinen
16 Stunden zuvor
Antwortet  dickebank

Oder jemanden “fuchsteufelswild” zu machen. Schöne deutsche Sprache. Oder sagt man das inzwischen auch auf Englisch?

Ich_bin_neu_hier
1 Tag zuvor

“Als Magret Kindermann im Oktober 2020 ihre ersten Stunden als Lehrerin hielt, hatte sie genau zwei Tage hospitiert. Danach stand sie allein vor den Klassen.”

Das ist unfassbar.

ed840
20 Stunden zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

Was würden Sie davon halten, wenn eine junge Frau ohne Ausbildung /Studium etc. aber mit Englisch- Abitur den Englischunterricht in einer 7. und 8. Klasse einer Sekundarschule übernimmt und in zwei Schuljahren nicht ein einziges mal eine pädagogische Fachkraft bei ihr vorbeischaut?

DienstnachVorschrift
1 Stunde zuvor
Antwortet  ed840

Das passiert häufiger; gerade in naturwissenschaftlichen Fächern (Bio, Chemie, Physik) in Sekundarschulen. Es gibt ja auch kaum eine andere Fachkraft an der Schule in diesen Fächern. Da geht es einfach nur darum, dass auf dem Papier Unterricht abgedeckt ist. Damit tut man aber weder der Lehrkraft noch den Schülern einen gefallen. Wechseln diese danach auf die Fachoberschule bekommen sie gerade in Mathe, Bio, Chemie, Physik (je nach Schwerpunkt) massive Probleme, weil ihnen die Grundlagen fehlen.

ed840
1 Stunde zuvor

Könnte ein Grund gewesen sein, warum die junge Frau dann nach den zwei Jahren doch noch ein Lehramtsstudium begonnen.

Ich_bin_neu_hier
1 Tag zuvor

“Schulen müssten den Seiteneinstieg als Teil ihrer Personalentwicklung verstehen und systematisch begleiten.”

Zu wenig Ressourcen im System – da ist doch klar, dass das so nicht funktioniert.

  1. Die Schulen haben so wenig personelle Ressourcen, dass Quereinsteiger dringend benötigt werden – wobei letztlich sogar die Gefahr einer (zumindest möglichen) De-Professionalisierung des Lehrerberufs in Kauf genommen wird.
  2. Dieser möglichen Deprofessionalisierung sollen jetzt wieder ausgerechnet die Schulen entgegenwirken, indem sie den Berufseinstieg der Quereinsteiger professionalisieren – ach ja, richtig, wir reden hier über Schulen, die ohnehin zu wenig personelle Ressourcen haben.
Achin
1 Tag zuvor

Idealismus ist schön und gut, aber Professionalität ist der Schlüssel zu einem gelungenen Erwerbsbiografie – auch für Lehrkräfte, warum wollte es in unserm Beruf anders sein?

Heinz
1 Tag zuvor

Linda M. berichtet von Klassen mit Gewaltproblemen, auf die sie kaum vorbereitet gewesen sei. „Als Lehrperson hätte man dafür eigentlich sozialpädagogische Kompetenzen gebraucht“, sagt sie. Fachliche Inhalte zu vermitteln, sei unter diesen Bedingungen oft kaum möglich gewesen.“

Ich denke das ist Alltag, und auch als richtig ausgebildete Lehrerin, hätte sie genau das gleiche Gefühl gehabt.

Bei uns an der Schule, muss ich sagen, werden Kollegen, die einen Quereinstieg machen, die auch wirklich gut sind, sehr kollegial aufgenommen. Erfahrungsgemäß sind bei uns aber im Schnitt ca. 1/3 davon eine absolute Vollkatastrophe. Und Vollkastastrophe ist dann auch wörtlich zu nehmen. Ein unfähiger Quereinsteiger ist bei uns in der Regel nochmal 5 Nummern schlimmer, als ein unfähiger ausgebildeter Kollege. Da muss man dann leider auch sagen, dass es bei diesen Leuten auch kaum Vorteile durch ihre Anwesenheit gibt. Der einzige Vorteil ist dann lediglich nur noch, dass man selbst weniger zusätzlichen Unterricht (getarnt als Vertretungsunterricht) erteilen muss. Einen Gewinn bringt dieses Drittel der Kollegen, für die Schüler nicht, und als Lehrer ist man im Hintergrund dann damit beschäftigt, die Katastrophe bei Eltern, Schülern, Schulleitung betreffend der eigenen Klasse zu managen.

Die zuerst erwähnten Quereinsteiger, die die gut sind, die, die ein gewisses Talent mitbringen, sind dafür für einen Außenstehenden von ausgebildeten Lehrern nicht zu unterscheiden, was die kollegialität im Kollegium angeht.

447
6 Stunden zuvor
Antwortet  Heinz

Entspricht exakt meiner Erfahrung.

DienstnachVorschrift
1 Stunde zuvor
Antwortet  447

Sehe ich genauso. Zumal der Markt selbst bei den Quereinsteigern fast leer ist. Fast jeder, der Unterrichten schon mal überlegt hat, ist jetzt dabei oder raus. Das heißt, die meisten brauchbaren Quereinsteiger sind schon im System. Gelegentlich bekommen wir aber noch Bewerbungen von Quereinsteigern, die schon an anderen Schulen “gescheitert” sind. Viel seltener dafür von Quereinsteigern, die es zum ersten Mal versuchen.

Canishine
1 Tag zuvor

Man kann doch nicht ernsthaft glauben, dass man Menschen mit gutem Willen aber ohne gründliche Ausbildung und Vorbereitung in die Schulen schickt, darauf spekulierend, dass ein Kollegium das alles schon auffangen wird. Das ist entweder dilettantisch oder boshaft.

Realist
22 Stunden zuvor
Antwortet  Canishine

Tja, wie soll denn die “gründliche Ausbildung” und “Einarbeitung” stattfinden? Die Quer-/Seiten-/Umsteiger werden ja mit ihren Stunden auf die Unterrichtsversorgung angrechnet. Das heißt im Umkehrschluss, eine spezielle “Einarbeitung” und “Ausbildung” durch die Schulen ist gar nicht vorgesehen, da diese dafür keinerlei Anrechnung erhalten. Und “nebenbei” läuft es dann so, wie es aktuell läuft: Keiner hat Zeit dafür. Außer dem gelegentlichen Gespräch in der “Pause”…

Aber letztendlich ist es im Referendariat auch nicht viel anders.

Thomas
22 Stunden zuvor
Antwortet  Realist

forderst du nicht immer 4 Tage Woche und Homeoffice wie es die Ig metall macht?

PetraOWL
21 Stunden zuvor
Antwortet  Thomas

na ich auch, Freundchen 😀
Eure Peti aus dem schönen Lippe / NRW

Canishine
20 Stunden zuvor
Antwortet  Realist

„ist gar nicht vorgesehen“ Eben, genau das (nicht). Wie kommt „man“ (also diejenige, die sowas nicht vorsehen) nur darauf, dass dies keine, teils gravierenden, negativen Konsequenzen hätte?

Canishine
1 Tag zuvor

Hmm, Satzstruktur nochmal überdenken: Man kann doch nicht ernsthaft glauben, dass das gut geht.

Grillsportler
1 Tag zuvor

Viele klassische Lehrkräfte sähen Sozialpädagogen „nicht als vollwertige Lehrer an“.

Sie sind ja auch keine. Wenn ich mich – nach zwei Tagen Einarbeitung (s.o.) – in eine Metzgerei stelle, dann bin ich auch kein Metzger. Heißt natürlich nicht, dass man den Seiteneinsteigern nicht unterstützend und wertschätzend zur Seite stehen kann. Aber: Wer glaubt, mit minimaler Einarbeitung in der Schule zurechtzukommen, dem fliegt das im Klassenraum gehörig um die Ohren.

447
6 Stunden zuvor
Antwortet  Grillsportler

Ziehen wir es doch mal umgekehrt auf:

“Ach was, bissl Mitleid zeigen vormittags und nachmittags heisse Suppe verteilen kann doch jeder, ich werde jetzt ‘Quereinsteiger’ in der Sozialarbeit!”

Würde das gutgehen?
Natürlich NICHT!

Ein Sozialarbeiter ist so wenig als Lehrer geeignet wie ein Lehrer (nach ‘nem Monat rumhospitieren) als Sozialarbeiter geeignet wäre.

Die wirkliche Kernfrage ist aber:
Wenn das beim Vergleich mit jeder anderen Berufsgruppe SOFORT schon rein emotional und ohne nachdenken reflexhaft “klar ist” – wieso zieht die Nummer dann bei “Lehramt”?

Antwort: Durch jahrelanges Schlechtreden und Verwässern des Berufes.

DienstnachVorschrift
1 Stunde zuvor
Antwortet  Grillsportler

Es kommt auf den Bereich an. Im Berufsvorbereitungsjahr, wo viel mehr sozialpädagogische Arbeit gefordert ist und weniger fachliche Arbeit, sieht das anders aus. In anderen Bereichen steht aber das Fachliche an erster Stelle und dementsprechend sind sie dafür nicht ausgebildet.

Unfassbar
1 Tag zuvor

Den Idealismus hatte ich innerhalb der ersten wenigen Wochen im eigenverantwortlichen Unterricht und spätestens nach der ersten Serie Klassenarbeiten abgelegt. Die immer dünner werdenden Lehrpläne taten und tun ihr Übriges.

Palim
13 Minuten zuvor
Antwortet  Unfassbar

Unsere Lehrpläne werden immer dicker,
es wird nichts gestrichen, es kommt immer mehr dazu.

Thomas
22 Stunden zuvor

Was zieht denn noch? Noch nicht mal der Beamtenstatus.
Weder 35 Std. Woche, noch Homeoffice oder Zulagen für Präsenz und Abendveranstaltungen!

Muxi
22 Stunden zuvor
Antwortet  Thomas

Sie dürfen nicht vergessen, dass es in der “freien Wirtschaft” nicht nur “Hasi” mit Homeoffice auf der Terrasse gibt, sondern sehr unterschiedliche Bedingungen.
Wenn man das (etwas depperte) Cherrypicking mal weglässt, dass sind Unkündbarkeit, ein ordentliches Gehalt auch ohne Verhandlungsgeschick mit Pensionsanspruch obendrauf durchaus starke (ökonomische) Argumente. Solche Bedingungen bekommt in der freien Wirtschaft bei weitem nicht jeder.
Und trotz allem Ärger mit dem System: Junge Menschen auf dem Weg ins Erwachsenenleben zu begleiten ist auch ein Wert an sich.

PetraOWL
21 Stunden zuvor
Antwortet  Muxi

ich bitte Sie, alleine die Lebenszeit. Mein Hasilein wird sich ab 62 in den Ruhestand verabschieden, Peti wird über 5 Jahre einfach weiter malochen.
Wenn man dann die 35 Stunden Woche und die 3 Homeofficetage miteinrechnet und dann noch die höheren Gehälter sowie Prämien ups. Also rein wirtschaftlich gesehen, geht das in vielerlei Hinsicht nach Hinten los. Und GenZ will Freiheit und flexibles Arbeiten. Das passt zum Präsenzjob Schule auch nicht oder noch nicht.
🙂 Eure Peti wünscht euch was, lasst den Kopf nicht hängen, auch wenn es schlecht aussieht 🙂

Muxi
19 Stunden zuvor
Antwortet  PetraOWL

Wie immer die Frage: Warum kündigen Sie nicht in der Schule und heuern bei der Firma von Hasilein an?
Warum lassen Sie sich die ganzen tollen Privilegien entgehen?

Teacher Andi
17 Stunden zuvor
Antwortet  Muxi

Glauben Sie doch den Schmarrn nicht, Petra provoziert nur mit ihren schrägen Kommentaren. Lustig, dass immer wieder welche darauf eingehen. Das genießt sie offensichtlich.

RSDWeng
12 Stunden zuvor
Antwortet  PetraOWL

Zu Ihren doch ungewöhnlichen, aber permanent wiederholten Ansichten: Die Berufswahl ist eine Sache der Intelligenz und der realistischen Selbsteinschätzung.

Schotti
17 Stunden zuvor
Antwortet  Muxi

Naja, Unkündbarkeit gibt es so ja gar nicht. Eine kleine Straftat reicht bereits aus und schon wird man entfernt. Man sollte nicht alles glauben, was die Bild Zeitung erzählt.

Ulla
22 Stunden zuvor

Wir unterstützen die Quereinsteiger, wo wir nur können. Anfangs bereiten wir den Unterricht im JGS-Team mit ihnen zusammen vor. Teilweise übernehmen wir sogar Korrekturen, weil die neuen Kollegen die Kriterien dafür nicht kennen. Aber mehr ist einfach nicht drin. Wir müssen ja auch noch unsere eigene Arbeit leisten.
Im Übrigen habe ich auch schon viel Überheblichkeit erlebt, nach dem Motto:”Ich helfe meinem Sohn immer bei den Hausaufgaben, der Job wird also easy für mich.” Das wurde allerdings gesagt, bevor derjenige erstmals vor der Klasse stand.

Teacher Andi
20 Stunden zuvor

Die Regierung hat die Schulen kaputt gespart bzw. falsche Prioritäten gesetzt, zudem jahrzehntelang die Lehrer von oben herab behandelt und z.T. noch diffamiert …… was hat sie da erwartet? Jetzt bettelt sie um jeden Seiteneinsteiger, wohl wissend, dass sie damit nicht unbedingt qualitativ guten Unterricht garantieren kann. Ein fünfjähriges Studium mit 2 Jahren Ref. soll nun also in etwa gleichwertig sein wie ein paar Tage Hospitation? So weit sind wir nun gekommen, es war vorauszusehen, aber auch in anderen Bereichen ist diese weise Voraussicht abhanden gekommen, es wird streng nach Budget gewurstelt und viele tollen pädagogischen Ideen, teuer in der Umsetzung, verschwinden wieder in der Versenkung, statt dass man diese Resourcen in die Verbesserung bestehender Verhältnisse steckt.
Es ist zum Heulen, wir waren damals im Lehrerüberschuss zu finden, man hat uns behandelt wie den letzten Dr ….. naja, jedenfalls nicht auf Augenhöhe. Das hatte langfristig natürlich Folgen.
Die Schule in der heutigen Form (und damit meine ich nicht die Lerninhalte und Lehrmethoden/Digitalisierung) hat auf lange Sicht ausgedient, da sie so nicht mehr vernünftig aufrecht zu erhalten ist. schon alleine die Differenzierung in Angestellte und Beamte bei gleichem Arbeitsaufwand und weniger Gehalt/Privilegien ist schon ein Affront sondersgleichen. Wo gibt es so was in Deutschland, ohne dass dies enorme Proteste nach sich ziehen würde?
Für die gut ausgebildeten Lehrer fühlt sich das wie eine unglaubliche Farce an.

447
6 Stunden zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Jepp.

Wenn in einem vollreglementierten, streng hierarchischen System der Laden baden geht ist nur einer verantwortlich: Die Führung. Denn diese hätte ja alle Macht, das sofort zu ändern.

Genug Lehrer?
Hätte man haben können!

dieHoffnungstirbtzuletzt
3 Stunden zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Das gibt es in den meisten Firmen. Nennt sich dort Gender-Gap, Verhandlungsgeschick beim Gehalt oder einfach nur Vitamin-B. Zeigen Sie mir eine Firma, in der Gehälter öffentlich einsehbar und gerecht sind. Der Staat ist zumindest bemüht hier keine Unterschiede zu machen, von den “gerechten” Kriterien für die unterschiedliche Bezahlung mal abgesehen. Die Quereinsteiger sind aus meiner Sicht Fluch und Segen zugleich. Sie füllen die riesigen Lücken, die der Staat aus Kostengründen enstehen ließ. Wenn der Quereinsteiger nicht zufrieden ist mit den Bedingungen vor Ort, dann geht er. Und eben nicht am Ende des Schuljahres sondern sofort und das reißt dann neue Lücken. Die Arbeitsbedingungen werden seit Jahren schlechter in zunehmend verfallenden Gebäuden. Respekt und Gemeinschaft verabschieden sich immer mehr aus der Gesellschaft und Schule ist der größte Schmelztiegel für Heterogenität. Bildung ist eben nur auf dem Papier und in den Wahlreden wichtig, aber eigentlich nur ein Kostenfaktor der reduziert werden muss, weil nun mal kein Geld mehr da ist. Da schon, nur eben nicht da wo es in einer “Sozialen Marktwirtschaft” benötigt wird. An meiner Schule sind die Vertretungspläne meist zwei Seiten lang und wären ohne unsere Studenten und Quereinsteiger nicht mehr zu bewältigen. Studenten stehen ohne erstes Staatsexamen voll eingebunden in den Stundenplan eigenverantwortlich vor Klassen. Wenn möglich nicht in D,M oder E aber auch das kommt häufig vor. Und nächstes Jahr werden keine neuen Mittelschullehrer eingestellt. Man weiß aber noch nicht, ob die 2800 Studenten die in Bayern aushelfen, weiterhin zur Verfügung stehen…In den Kindergärten gibt es erstmals einen deutlichen Kinderrückgang für das Jahr 2026/2027. Das dauert aber noch zehn Jahre bis die weiterführenden Schulen davon profitieren werden. Die nächsten 10-15 Jahre werden allen Beteiligten in den Schulen viel Blut, Schweiß und Tränen abverlangen, unabhängig davon wer wo regiert.