HEIDELBERG. Die Konzepte für die Schule der Zukunft liegen längst auf dem Tisch. Bildungsforscher beschreiben seit Jahren, wie Unterricht individueller werden könnte, wie Schulen Kooperation stärken und Daten für die Schulentwicklung nutzen könnten. Doch warum verändert sich das System trotzdem so langsam? Ein aktuelles Interview mit dem Transformationsforscher Ekkehard Thümler in Spektrum der Wissenschaft richtet den Blick genau auf diese Frage. Seine Diagnose fällt recht düster aus: Das deutsche Schulsystem sei so stark auf Stabilität und Kontrolle ausgerichtet, dass die notwendige Schule der Zukunft „im Moment unerreichbar“ erscheine.

Ausgangspunkt des Gesprächs ist das Projekt „Schule neu denken“, in dem 17 Bildungsforscherinnen und -forscher für Spektrum der Wissenschaft ein umfassendes Zukunftsbild von Schule entworfen haben. Thümler sagt dazu: „Ich teile dieses Bild weitgehend. Für mich zeigt es aber vor allem auch, wie riesig die Herausforderung ist, vor der wir stehen. Denn das Schulsystem, das wir haben, unterscheidet sich ganz erheblich von dem Schulsystem, das wir in Zukunft brauchen.“
Die eigentliche Schwierigkeit liege nicht darin, Ziele zu formulieren. „Wir wissen, wo wir hinwollen; das Zielbild der Schule der Zukunft ist ja ziemlich klar umrissen“, sagt Thümler. „Entscheidend ist das Wie – wie kommen wir dahin?“ Genau daran seien Reformbemühungen in den vergangenen Jahrzehnten gescheitert.
Ekkehard Thümler muss es wissen: Er ist Senior Fellow am Centre for Social Investment (CSI) der Universität Heidelberg und Gründer des „New School Lab“, eines Think Tanks für die Transformation des Schulsystems. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich mit der Frage, wie sich tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen organisieren lassen – und warum sie häufig scheitern.
„Den Deutschen Schulpreis gibt es seit 2006, die breite Ausstrahlung bleibt aus“
Deutlich widerspricht der Wissenschaftler der Vorstellung, erfolgreiche Einzelschulen könnten den Wandel quasi automatisch in die Breite tragen. „Das erscheint mir nicht nur illusorisch, das ist illusorisch“, sagt er mit Blick auf Schulen, die etwa mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden. „Den gibt es seit 2006, die breite Ausstrahlung bleibt aus.“ Natürlich habe der Preis „eine gewisse Wirkung“, und es gebe „hier und da positive Entwicklungen“. Die Vorstellung jedoch, „dass das Herausheben von Positivbeispielen einen systemischen Wandel nach sich zieht“, sei „völlig unrealistisch“.
Die Ursache sieht Thümler in den Strukturen selbst. „Das deutsche Schulsystem ist durch und durch auf Stabilität und Kontrolle angelegt“, sagt er. „Unser Schulsystem ist ein sehr bürokratisches System, das in starkem Maße von der Verwaltung getragen und gesteuert wird.“ Bürokratie sei jedoch kein Innovationstreiber. „Deswegen tun wir uns hier so schwer mit Veränderungen.“
Hinzu komme die hierarchische Struktur. „Die Schulen sind die unselbstständigen Einheiten am unteren Ende der Nahrungskette“, sagt Thümler. Genau dort müsse Veränderung aber stattfinden. Als weiteres Problem nennt er die Aufteilung der Zuständigkeiten: „Für Pädagogik und Personal ist das Bundesland zuständig, für die Gebäude und Klos die Kommune.“ International zeige sich dagegen, „dass sich die Bündelung von Verantwortung vor Ort und in einer Hand bewährt“.
Thümler beschreibt diese Situation mit einem Begriff aus der Transformationsforschung: „Lock-in“. Gemeint sei ein Zustand, in dem ein System „so in seine eigene Logik eingesperrt“ sei, „so blockiert in den verfestigten Strukturen, dass es nicht mehr imstande ist, sich an seine Umwelt anzupassen, die sich ändert“. Die Folge: „Man kann dann die Ärmel hochkrempeln, wie man will. Es kommt dabei nur noch mehr Desselben heraus. Das ist genau die Situation der Bildung in Deutschland.“
Als Vergleich zieht Thümler die deutsche Automobilindustrie heran. „Wir haben eine große, stolze Automobilindustrie, die es nicht hinbekommen hat, diesen Umstieg zu vollziehen, und die sich aus ihrer extrem starken Erfolgsposition verdrängen ließ.“ In der Elektromobilität sei Deutschland „nicht mehr führend, sondern hinkt hinterher“. Daran lasse sich erkennen, „dass Systeme eine große Trägheit entwickeln können – selbst wenn die Zeichen der Zeit längst nicht mehr zu übersehen sind“.
Besonders kritisch äußert sich Thümler über die Art, wie Bildungsinnovation in Deutschland organisiert werde. „Die Wissenschaft entwickelt immer wieder ins Nichts“, sagt er. Innovation ende „regelmäßig am Ende jedes neu aufgelegten Programms, denn niemand ist da, der sie aufnimmt und weiterträgt“. Als Beispiel nennt er Bund-Länder-Programme wie SINUS zur Weiterentwicklung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts. Das Programm habe lange als Vorzeigeprojekt gegolten. „Aber davon ist nichts mehr da.“
Statt kurzfristiger Projekte fordert Thümler einen grundlegenden Perspektivwechsel. „Statt in Projekten sollten wir anfangen, in Missionen zu denken.“ Damit meint er langfristige gesellschaftliche Entwicklungsziele, an denen viele unterschiedliche Akteure über lange Zeiträume gemeinsam arbeiten.
„Statt dauerhafter Innovation organisieren wir sündhaft teure einstürzende Neubauten“
Zur Erklärung verweist er erneut auf die Energiewende. „Für diese reicht es nicht aus, Windräder in die Gegend zu stellen“, sagt er. Vielmehr müssten unterschiedliche Technologien entwickelt und miteinander verbunden werden: Netze, Speicher, Solar- und Windkraft. „Das sind sehr komplexe einzelne Teile, an denen viele verschiedene Beteiligte über lange Zeiträume arbeiten.“ Im Bildungsbereich passiere dagegen „genau das Gegenteil“. Statt dauerhafter Entwicklungsstrukturen gebe es befristete Projekte. „Die Finanzierung ist vorbei, alles bricht zusammen. Statt dauerhafter Innovation organisieren wir sündhaft teure einstürzende Neubauten.“
Auch die Rolle der Bildungsforschung bewertet Thümler kritisch. Zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und schulischer Praxis klaffe „eine Riesenlücke“. Deshalb fordert er neue Strukturen: „Zum Beispiel Innovationsagenturen, die imstande sind, die Ergebnisse aus der Bildungsforschung aufzunehmen, in die Praxis zu bringen sowie dauerhaft am Leben zu erhalten und weiterzuentwickeln.“
Thümler spricht sich zudem für strukturelle Veränderungen in der Schulträgerschaft aus. Das „sehr stark bürokratisch verfasste, planwirtschaftlich organisierte System“ müsse „strukturell verändert“ und „stärker privatwirtschaftlich organisiert“ werden. Dabei gehe es nicht zwingend um kommerzielle Modelle. Er verweist auf England, wo viele Schulen inzwischen von Non-Profit-Organisationen getragen würden, den sogenannten Academies. „Die besten Academies sind sehr viel handlungsfähiger und innovativer als herkömmliche Einzelschulen.“
Mehr Autonomie für einzelne Schulen allein hält Thümler dagegen nicht für ausreichend. „Transformation bedeutet, dass wir in sehr vielen Bereichen ganz grundlegende Dinge verändern und neu entwickeln müssen“, sagt er. Deshalb sei die Vorstellung unrealistisch, „dass aus Schulen mit höherer Autonomie eine Transformation heraus geschieht“.
Das Interview knüpft an das Projekt „Schule neu denken“ von Spektrum der Wissenschaft an, das bereits zuvor für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Darin entwarfen 17 Bildungsforscherinnen und -forscher auf Bitten des Magazins ein umfassendes Zukunftsbild von Schule. Beschrieben wird eine Schule, die als „lernende Organisation“ arbeitet, Kooperation stärkt, individuelle Förderung ausbaut und Daten systematisch für Schulentwicklung nutzt. Auch multiprofessionelle Teams, neue Arbeitszeitmodelle und eine veränderte Lehrkräftebildung gehören zu den zentralen Elementen.
Zu den Leitideen zählt außerdem eine stärkere Orientierung an evidenzbasierter Schulentwicklung. Vergleichsstudien, Lernstandserhebungen und Feedbacksysteme sollen nicht mehr primär der Kontrolle dienen, sondern Schulen helfen, Unterricht gezielt weiterzuentwickeln. Zugleich betonen die beteiligten Forschenden die Bedeutung von Schulkultur, Teamarbeit und langfristiger Professionalisierung. Die Frage, wie sich ein solches Zukunftsbild tatsächlich umsetzen lässt, steht nun zunehmend im Mittelpunkt der Debatte. News4teachers
Hier geht es zum vollständigen Interview in Spektrum der Wissenschaft.









“In der Elektromobilität sei Deutschland „nicht mehr führend, sondern hinkt hinterher“.”
Scheinbar nicht jeder Teil von Deutschland:
“Der BMW iX3 ist „World Car of the Year 2026“
https://www.kapitalmarktexperten.de/bmw-aktie-preisgekroente-elektro-offensive/
https://www.chip.de/news/auto-fahrrad/wegen-seiner-e-autos-bmw-macht-auch-in-der-krise-milliarden_f16ad47f-f6d2-4723-ba25-0f35ec141d42.html
usw
35 Stunden Woche
Homeoffice
Frühe Rente
Gleitzeit
Bildungsurlaub 🙂
Meine Frau hat das alles!!
Ein Dinosaurier als Aufmacher. Sehr schön.
Ein Bild, das schon vor dem ersten Satz die Rollen sortiert: dort das Oldschool‑Fossil (wenigstens mit dicker Haut), hier die Bildungsforscher und Schulneudenker, also die Zukunft.
„Das deutsche Schulsystem ist durch und durch auf Stabilität und Kontrolle angelegt.“
Ja, furchtbar. Das muss sich unbedingt ändern.
Stabilität und Kontrolle – zwei Dinge, die in Schulen natürlich völlig fehl am Platz sind.
Aber gut, wer „Transformation“ im Titel trägt, sieht Ordnung vermutlich als Provokation.
„Die Konzepte für die Schule der Zukunft liegen längst auf dem Tisch.“
Hauptsache, sie liegen.
„Wir wissen, wo wir hinwollen; das Zielbild der Schule der Zukunft ist ja ziemlich klar umrissen.“
Dieses „Wir“ ist bemerkenswert.
Ein exklusiver Zirkel, der sich selbst zum Konsens erklärt.
Ein „Wir“, das wahrscheinlich nie unterrichtet hat, aber sehr genau weiß, wie Unterricht und Schule künftig auszusehen haben.
Ein „Wir“, das Visionen produziert, die vor allem eines sind: visionär.
„Zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und schulischer Praxis klaffe eine Riesenlücke.“
Lücke – nööö, eher ein Graben, würden zynische, wissenschaftsfeindliche Leistungsfetischisten munkeln.
Jede neue Theorie, jedes neue Modell, jeder neue visionäre „Paradigmenwechsel“ demonstriert, wie groß die Distanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit schon im neuen Normal (= Gegenwart) geworden ist.
Sind die Dinosaurier ausgestorben, weil sie die Transformation ihres Bildungssystem nicht geschaft haben?
Ich dachte immer es war ein Meteoriteneinschlag!
Das kleine Wir in der Schule – das große Wir im Think Tank?
Aber schön zu wissen, dass unser System stabil ist. Wo doch alles andere den Bach runtergeht!
Ja. Und die. Euen Projekte erst, die in die Schulen hineingetragen werden.
Läuft eben nicht mit Gießkanne. Ob ein Projekt funktioniert, hängt von so vielem ab. Angefangen mit dem Willen der Schulleitung, über die Zusammensetzung der SuS, teilweise Lage der Schule, Ausstattung und oft davon, ob sich eine Lehrkraft noch einen Job aufbinden muss. Und ja aufbinden muss, denn so etwas geht immer on top, oft gibt es dafür keine Stunden, keine Zeitfenster, kosten darf es sowieso nichts, Fortbildungen für Projekte dürfen aus Schulorganisationsgründen hat nicht oder nur eingeschränkt besucht werden. Es wäre die Haus schön, wenn dein vielen Wissenschaftler mal die Projekte nur in den Schulen direkt entwickelt und am besten schon mal eigene Ressourcen dafür mitbringen, dann hätten sie sicherlich auch die LuL auf ihrer Seite. Aber wenn alle zum Großteil des Schuljahres schon Limit fahren, dann besteht das große Bemühungen, die Spur zu halten, damit nicht alles an die Wand klatscht.
Und jop, ich habe Erfahrung mit Programmen, die die durchgeführt werden sollen, aus denen dann keine Konsequenzen folgen und die man dann eben einfach auch lassen könnte, weil außer einen Projekttag nichts mehr rum kommt. Das ist ziemlich nervig und irgendwann steckt man da keine Energie mehr rein. Einfach, weil man so oft festgestellt hat, dass es zu nichts führt.
Mich nerven diese Grabenkämpfe. Jedem Lehrer sollte klar sein, dass es nicht möglich ist, dass alle gleichzeitig an einem Thema arbeiten, alle das Thema gleichzeitig kapieren und alle gleichzeitig in der Lage sind sich zu diesem Thema überprüfen zu lassen. Diese Art von Unterricht ist Quatsch und muss geändert werden. Die Konsequenz kann aber auch nicht für alle sein, dass es dann für die Kinder die Schwierigkeiten haben heißt: alle Hürden wegzunehmen und keine Ansprüche mehr erfüllen zu müssen. Genauso ist es Unsinn zu meinen, offenerer Unterricht bedeutet keine Struktur oder Frontalunterricht ist böse. Frontale Erklärungen sind essenziell, egal ob sie vor der ganzen Lerngruppe oder nur einem kleinen Teil stattfinden. Ich kenne kein Konzept, das ernsthaft immer verlangt, Lernende müssen sich ein Thema komplett selbst erarbeiten bzw. dass dies von der Schule der Zukunft so verlangt wird. Je jünger die Kinder sind und je schlechter die Lernvoraussetzungen, desto mehr Struktur und enge Führung brauchen diese. Das heißt aber nicht, dass nicht andere Kinder selbständiger sein dürfen. Eine gute Schule kann beides unter einen Hut bringen, braucht dafür natürlich entsprechend Ressourcen und ein anderes System. Auch das Abschaffen von Noten heißt nicht, dass keine Leistung mehr verlangt wird bzw. dass keine Leistung mehr erlaubt ist. Im Gegenteil: Feste Bildungsstandards die gemessen werden und genau aufdecken, wo noch Defizite sind, die dann entsprechend aufgearbeitet werden und nicht: Klassenarbeit versemmelt, tja weiter im nächsten Thema. Ich habe in meinen 15 Jahren übrigens noch nie erlebt, dass eine schlechte Note mehr Leistungsbereitschaft gebracht hat. Genauso ist es Quatsch alles so hinzubiegen, dass alle auf einmal tolle Noten haben. Weg damit und ordentliche Datenerhebung, die dann auch Konsequenzen hat. Das ist nicht leicht. Im Grundschulbereich beispielsweise würde das bedeuten, dass Kinder mit motorischen Schwierigkeiten den Raum bräuchten, um ihre Schrift konsequent zu üben. Das bindet aber Ressourcen, da der Schreibvorgang überwacht werden muss. Genauso wenn das Mengenverständnis noch nicht da ist, macht es keinen Sinn mit den anderen Kindern weiter zu rechnen. Den Raum um das Mengenverständnis aufzubauen muss eine gute Schule leisten können, genauso wie das Kind zu fördern, das schon im Tausenderraum gut rechnen kann. Und genau das kann eine klassische Schule und unser Schulsystem im Moment überhaupt nicht leisten. Genau da braucht es Veränderung.
Draussen bei der Drachenhöhle
nahe dem alten Hexenbaum
trifft sich die Alchemistenriege
braut Tränke wie im Fiebertraum!
Heute Nacht ist’s endlich da,
Blei zu Gold,
Rezept hurra!
Der Transformator, dieser große,
hat den Denktank aufgefüllt
mit einer exquisiten Brühe,
über deren genaue Konsistenz
er sich lieber in Schweigen hüllt.
“Ach, Albion!” beschwöret er stattdessen laut,
“britischer Druidenkreis
mit Feuerungsrecht für Lehrenmeister,
dieses wirklich gute Modell
bringt uns alle sehr viel weiter!
Oh halt, stopp, hört lieber weg,
es liegt ja an ganz anderem, äh,
Stiftung-Förder-Heckemeck!”
“Transformation
und dreimal Hepp,
Hokuspokus Muschelsepp,
Reputation und freies Lernen,
das Bein vom Frosch und Förderungsschwärmen,
so werden wir den Stein der Weisen
hier schon bald erwerben!”
Er rührt im Kessel immer schneller
und die Worte werden schöner – und auch heller!
“Alle wissen doch wie’s geht,
einfach mal Hauruck und steht!
In meiner Zukunftsdenkfabrik
hab ich das alles astrologisch gesehen,
nun muss es aber, äh, Dingens,
gehen!”
“Ich sage ganz oft ‘Transformation’,
dies erweist mich als konform,
fehlt nur noch Klimabilderich,
da bin ich auf der neuesten Norm!”
Fuchs und Hase schaun verwundert
wie der Rührstab schneller kreist,
als der Hase sich (ganz untypisch)
rüber zu Meister Fuchsen neigt:
“Sag mal, Du listiger Fuchs,
Du weist ja wie es geht,
ich würde von Dir gerne wissen,
was da im Kessel neu entsteht!
Wird nun endlich, nach vielen Jahren,
die Weltenformel aufgedeckt,
strömt Gold gleich aus dem Kessel raus,
sag es mir!
Ich halts nicht aus!”
Der Fuchs, der blinzelt leise,
schaut sich um im Waldeskreise,
und spricht (da er schon müde ist)
zum Hasen
statt ihn aufzufressen
von was anderem als Essen:
“Schau mal Hase, es ist so,
das da vorne ist ein Floh,
der sitzt auf einem Hund
und labet sich ganz goldig rund,
schau mal wie lange das schon geht,
vom Gold hab ich noch nix gesehn,
müsste ich raten,
würde ichs wagen,
Dir nun zu sagen:
Das einzige an Gold – und auch am fetten Braten-
das dieser Kessel produziert,
das ist das was im Fürstenschlosse
heute abend der Transformator
selbst poliert!”
Der Hase (er fand den Kessel spannend)
ist wirklich aufrichtig entsetzt
und ruft mit piesiger Hasenstimme,
dass es in den Ohren fetzt:
“Du Alechimstenfeindschaftsböserich!
Du träumst zu wenig und denkst verquer!
Jetzt, gleich, jede Sekunde nun,
erscheint der Klumpen Gold zur Wehr,
verteidigt die Transformator-Ehr!”
Doch wie der Hase sich umblickt,
da ist der Fuchs schon weg,
und wie es so geht mut lauten Hasen
– so heisst es-
wirft er nun im Kessel besondere Blasen,
schmeiss nur noch genug Hasenpfoten rein,
dann wird der güldene Alchemistenhimmel
auf Erden schon bald unser sein!
Über Nacht war’s plötzlich da,
Stroh zu Gold, hurra hurra,
der Transformator, dieser große,
füllt die Teller mit warmer Soße.
Der Pürierstab immer schneller kreist,
geliefert wie bestellt zumeist.
Innovation und Transformation
im neuen Normal grinst man schon.
Die Kompetenz, frisch aufgeschäumt,
wird in Module eingeträumt.
Man rührt, man mixt, man standardisiert,
bis keiner mehr so recht kapiert.
Die Taskforce tagt im Morgenlicht,
man schreibt ein Paper, das viel verspricht.
Mit Leitbild, Roadmap, Change‑Papier
vernebelt man den Blick aufs Hier.
Es wird reformiert, gewandelt, neu gedacht,
bis auch der letzte Zweifler stumm gemacht.
Und wer fragt, ob das noch Bildung sei,
kriegt prompt Kompetenz in Stufe drei.
Und während alles im Wandel neu etikettiert,
wird still das Vertraute zu Brei pulverisiert.
Ein großer Plan, von Idealisten stolz erklärt,
der weit mehr verspricht, als er je gewährt.
Doch Schland ruft laut: „Wir schaffen’s leicht!“ –
Bildungsinitiative fünfunddreißig schon erreicht.
Homeoffice, wir kommen endlich 🙂
Macht doch endlich, ich komm nicht mit.
Wohin?
Alternativ:
“Ich geh kaputt, kommse mit?”
“Lücke – nööö, eher ein Graben, würden zynische, wissenschaftsfeindliche Leistungsfetischisten munkeln.”
Sie stimmen der Aussage also im Grunde zu.
Wie sehen Sie den Vorschlag der “Innovationsagenturen”, um den Graben zu überwinden?
Der Dino ist passend. Die einzige Änderung, die eingeführt wurde ist, dass das Leistungsprinzip mehr und mehr abgeschafft wurde.
Tyrannosaurus Rex:
– Kampfgewicht paar Tonnen, Körperfettanteil: Gering
– hat ökologisch gut was weggeschafft (angeblich hauptsächlich Aas, hiess es mal – aber sei es drum, Leistung stimmte jedenfalls)
– Zeit im Evolutionsring: Na, ein paar tausend Jährchen, keine schlechte Bilanz! Mehr als “Rom” plus “Pyramiden” zusammen. Not bad für ein wohl eher walnussgroßes 😉 Gehirn
– bis heute cool
– trotz fordernder Lern-Umgebung (gab ja noch dickere Raubfische im Teich) ist von Stress und Neurodivergenz wenig bekannt.
Würde es mich noch interessieren – ich wäre in “Team Tyrannosaurus”.
Der Wettbewerb ist hiermit eröffnet:
Was ist das Wappentier der “Bildung neuester Art”?
Vielleicht ein Plüsch-Glaruk mit LRS und Nachteilsausgleich in Mathe?
Ich wäre auch in Team Tyrannosaurus. Als Wappentier der “Bildung neuester Art” bin ich für SpongeBob Schwammkopf. Ein würdiger Repräsentant!
Sponge-Bob geht einer wertschöpfenden Arbeit als Fachkraft in einem knallharten Sektor (Gastronomie, Küche) nach und bleibt dennoch freundlich und ist ein guter Kerl zu seinen Kumpel-innen…ne, Sponge-Bob ist zu kapitalistisch.
Und ist dazu noch geistig gesund UND macht bescheiden in seinem Rahmen was aus seinem Leben…das ist ja geradezu ekelhaft!
Gesund?
Arbeitet?
Leistungsfähig?
Wiiiiieeeeda-lichstah Leistungsfetisch! Sponge-Bob könnte Stress und Druck erzeugen, würde man ihn als Symboltier nehmen!
Wie wäre es mit … einem Seestern ?
“PÄÄÄTRICK!”, das würde doch passen!
Also die Raubsaurier fraßen (wenn nicht gerade Aas) war vor allem die Kinder von Sauropoden. Passt zum Lehrerberuf 😉
‘Bürokratie ist kein Innovationstreiber’ – steht auf dem Plakat, in ganz großen Buchstaben. Die Energiewende setzt sich aus vielen Einzelentscheidungen, Förderregeln und…Bürokratie zusammen. Die deutsche Sozialversicherung war bei ihrer Gründung revolutionär und das Kaiserreich sicherlich nicht unbürokratisch. Jeder findet noch mehr Beispiele, wer so argumentiert, muss sich normalerweise gegen den Vorwurf ‘nicht evidenzbasiert’ wehren.
Wir haben ein hierarchisches, bürokratisches, planwirtschaftliches System, aber mehr Autonomie einzelner Schulen, ‘bei denen die Veränderungen stattfinden müssen’,ist es auch nicht? Deshalb also Academies, die viele Schulen bündeln? Das wäre nicht hierarchisch, nicht in ein System eingebunden? Gibt es also gute und schlechte Hierarchien, wobei die privat organisierten ‘gut’ sind? Auch wenn es nicht zwingend um kommerzielle Modelle geht, so geht es bei dieser Idee ebenso wenig zwingend um nichtkommerzielle. Wer bezahlt das eigentlich, wäre diese unglaublich innovative, privatwirtschaftlich organisierte Schule (für jedes Kind, inklusiv, fördernd…) billiger als eine echte Reform im bestehenden System? ‘Der Staat’ zahlt, dessen ‘bürokratisches System’, das sich meist selbst erhält, ersetzt werden soll?
Mission statt Reform, das ist eine Sprache, die Berufung und Überzeugung vor Überlegung setzt. Innovationsagenturen, die und ihre Trägerstruktur wären nicht bürokratisch, weil sie das Wort Innovation enthalten?
Widersprüche und halbgare Gedanken, wohin man sieht. Am Ende bleibt das Übliche ‘macht es einfach anders, so wie wir es am Ende gerne hätten’. Ganz zu schweigen davon, ob das wirklich der einzige Weg ist: ich warte auf die Roadmap, das Kanban-Board, was auch immer an Managementtools, das laufenden Schulbetrieb ebenso ermöglicht wie die Schulrevolution. Mit einer Chancengleichheit, die dem nahekommt, was unser bestehendes System, bei allen seinen Fehlern, immer noch ermöglicht.
Wie verantwortungs- oder gedankenlos muss man sein, um im fragilen Bildungsbereich disruptive Methoden zu fordern? Herr Transformationsforscher, wie sieht eine Transformation aus, wenn die laufende Funktion nicht beeinträchtigt werden darf? Welche Politiker gewinnen eine Wahl mit ‘die nächsten Jahre wird es keine Schulabschlüsse im klassischen Sinne geben, wir starten neu’?
Das mit dem privatwirtschaftlich darf man nicht falsch verstehen.
Man könnte dabei an private Unternehmen denken, die einen Bedarf sehen und eine gute Möglichkeit, diesen Bedarf durch ihre Tätigkeit zu decken. Hierbei wird dann mit eigenem Geld oder durch Kapitalgeber das ganze realisiert und ist entweder erfolgreich oder nicht. Sollte es nicht erfolgreich sein, verlieren die Geldgeber ihr Geld. Sie würden davor aber versuchen, alles so weit wie möglich zu optimieren und an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.
Hier hingegen haben wir aber erst mal einen Think Tank, der politische Entscheidungen beeinflussen möchte. Er finanziert sich aus Mitteln von den üblichen Industriestiftungen und zum Teil aus Mitteln der öffentlichen Hand, diese oft projektbezogen. Der Vorschlag dürfte darauf hinauslaufen, hauptsächlich öffentliche Gelder an eine NGO zu geben, die dann mehr oder weniger bürokratisch diese Transformation organisieren soll. Wollen wir raten, ob die Beamten und Bürokraten dafür dann abgebaut werden, oder ob die Bürokraten der NGO zusätzlich oben drauf kommen?
Die NGO gibt dann die Gelder zu einem Teil an private Unternehmen, aber zum Großteil an weitere NGOs die dann wieder Teilbereiche und Details bearbeiten. Über die kommen dann wieder Aufträge an private oder auch mal an Forschungsinstitute etc. Wenig Bürokratie? Naja, vermutlich zumindest bei der Auftragsvergabe, sonst ist das eher zu bezweifeln.
Wenn es nicht funktioniert? Dann fordern die beteiligten mehr Geld und bekommen es vermutlich, mit dem Argument der inzwischen noch mißlicheren Lage, genehmigt. Das Stammforschungsinstitut bekommt einen Forschungsauftrag um wissenschaftlich festzustellen warum das Konzept (zufälligerweise von ihnen selbst entwickelt) nicht funktioniert hat. Dann geht es munter weiter.
Ob das funktioniert oder nicht muss keinen interessieren. Die Beteiligten haben selber keine Aktien im Spiel und profitieren selbst bei Misserfolg. Durch das NGO Konstrukt ist das Steuergeld aus vielen Rechenschaftspflichten raus. Die “privatwirtschaftlichen” Bestandteile laufen alle mit Steuergeld und werden sicherlich keine Risiken tragen müssen. Alles wunderbar.
Das ist aber schön böse geschrieben.
Hier der Originaltext zu den Vorschlägen, offenbar ohne Bezahlschranke:
https://www.change-learning.de/2022/03/30/ein-booster-fuer-die-transformation-des-schulsystems/
Näheres zum Autor steht hier:
https://www.change-learning.de/blogger/dr-ekkehard-thuemler/
Dogmatischer missionarischer Transformationsglaube – ich finde, diese Leute sollten ihre Vision schon mal machen dürfen, aber auf eigenes Risiko und mit gründlicher Evaluation (nicht durch eigene Leute), bevor man “das System” ändert.
Ansonsten klingt und riecht alles sehr nach Odenwaldschule.
Doch zuerst, bevor die das alles machen:
Diese Zukunftstransformatoren mal im single player mode vor meinen 9er GK Englisch stellen, einfach mal zwei Monate (damit sie nicht auf dem Neuheitsbonus durchsurfen können) ganz schlicht stinknormal unterrichten.
Sonst nix.
Einfach nur Unterricht.
Mit allem was dazugehört, versteht sich (Aufsichtspflicht, Dokumentation, Anwesenheit vor allem)
Danach überprüfen:
– was die SuS aus der Zeit nich WISSEN
– Zahl der Papierkügelchen, die er/sie abbekommt
Vielleicht wäre es der Akzeptanz zuträglich, wenn Institute, die deutsche Schulen reformieren wollen nicht englisch benannt wären. Der Sinn erschließt sich mir nicht.
Uns schon: Die Wissenschaftssprache ist Englisch. Herzliche Grüße Die Redaktion
Das ist nur dann ein Argument gegen die deutsche Sprache, wenn Wissenschaft gemacht wird. Das sehe ich hier aber nicht.
Reicht ja auch, wenn die Betreiber es sehen – Sie müssen nicht Ihre Erlaubnis geben, geht zur Not auch ohne.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Und die sollten morgens die Nationalhymne singen, hilft an den Schulen ja auch (augenroll)
Also “Stabilität und Kontrolle” erlebe ich im Schullalltag eher nicht so. Das Problem ist das zu hohe Maß an Gleichmacherei, zu denen einen der Lehrplan bzw. das Prüfungssystem zwingt. Ich muss mehrmals im Jahr alle Schüler über den gleichen Stoff prüfen, egal ob das Vorwissen der Schüler den Lernerfolg ermöglich oder eben nicht. Und wir alle wissen, dass die nötigen Lernvoraussetzungen bei einigen nicht gegeben sind. Trotzdem ist es (inoffoziell, aber klar) erwünscht, dass auch diese Schüler durchkommen. Also legt man (für sich selber) einen inoffiziellen Lehrplan fest den man auch durchsetzen kann und für den Rest und findet man Mogeltricks, unterrichtet Lösungsschemata zum auswendiglernen (ohne Verständnis, denn das zu entwickeln dauert zu lang), mit denen die Schüler dann Fähigkeiten simmulieren können, die sich klar nicht haben.
Und genau da liegt das Problem.
Wenn das nicht geändert wird, wird sich nicht ändern.
Schön auf den Punkt gebracht. Lösungsschemata auswendig lernen war schon zu meiner Schulzeit das worauf es ankam, und sagen was die Lehrer hören wollen.
Das ist, was erlernt wird. Die Kinder von damals sind nun erwachsen und setzen fort was die Schule ihnen beigebracht hat. Es ist schon tragisch das diese Gesellschaft keinen Ausweg daraus findet.
Ich war auch eines dieser Kinder bei denen die Lernvoraussetzungen nicht gegeben waren, das freilich war kein Thema. So bin ich durch die Schule gekommen, habe aber lange gebraucht meine Themen zu verstehen, überhaupt zu erstmal zu begreifen was mit mir los ist. Ich bin noch traurig darüber. Heute, wenn ich die Schüler sehe mit den fehlenden Lernvorraussetzungen, ich erkenne sie schnell, dann sehe ich auch immer meine eigene Geschichte. Und leider läuft heute es weiter so wie damals schon.
Zu meiner Schulzeit konnte man in den meisten Fächern mit reinem Reproduzieren höchsten ne 3 erreichen, für ne 2 musste man dann Transferleistungen zeigen und zum Lösen der 1er-Bremsen benötigte man problemlösendes Denken.
Kann aber an anderen Schulen in anderen Bundesländer zu anderen Zeiten natürlich auch ganz anders gewesen sein.
Ach ja, irgendwas ist ja immer. …
Manchmal einfach, dass jemand nicht mitbekommen hat, dass sich bereits in den 80ern sehr vieles angefangen hat zu ändern.
Bereits zu meiner Schulzeit (s.o.) am Gym in SH war es nicht mehr so schlimm, wie Sie es beschreiben.
Und was die abweichenden Dispositionen bei S*S angeht, da gibt es inzwischen für alle einen Nachteilsausgleich. Das finde ich in vielen Fällen sogar hilfreich, aber Ihre Ausführungen teile ich nicht.
Schemata auswendig zu lernen ist sogar recht effektiv, wenn sich danach durch die Anwendung ein Verständnis entwickelt. Manchmal muss man erst das Scheme kennen und kapiert dann später was mach eigentlich macht. Das dürfte jeder Mathestudent selber erlebt haben.
Nur lässt der Lehrplan dafür leider selten Raum, so dass ich als Lehrer hier zu wenig nacharbeiten kann.
Fehlende Lernvoraussetzungen mein ich hier übrigens nicht negativ, sondern im Sinne von “nicht jeder kann (und soll) alles lernen”. Menschen sind unterschiedlich, nur lässt der Lehrplan diese Unterschiede kaum zum Tragen kommen.
Ja, der Lehrplan war damals alles.
Ich bin irgendwie durchgekommen. Weil ich mich anpassen konnte hat es meist für eine “3” gereicht, ich stand aber eigentlich völlig neben mir.
Also, es gab keine Strukturen für Kinder die psychisch auffällig waren, da musste man schon sehr auf den Putz hauen bis etwas passierte, aber es war dann keine Hilfe im eigentlichen Sinne.
Ich erinnere mich an eine Englischlehrerin aus den USA die in der 7. Klasse kurz da war, die hat mich mal angesprochen, mit ihren weit geöffenten Augen und ihrem stark geschminkten Gesicht, auf rauchen und Drogen und wollte wohl wissen wie es mir geht. Ich war aber viel zu misstrauisch und unsicher gegenüber Erwachsenen um zu erzählen. Aber bezeichnend das mir dieses Erlebnis so in Erinnerung geblieben ist, ich war überrascht und hatte vielleicht das Gefühl das sie lieb ist und mir hätte helfen können.
Ich stehe auf der Seite des Dinos: Er ist durchsetzungsfähig, weiß, was er will und behauptet sich erfolgreich in seinem Biotop. Was will man mehr?
Äh, nicht aussterben vielleicht, wenn das Biotop sich ändert?
Keine Sorge – für den T-Rex brauchte es Meteoriteneinschläge, um den kleinzukriegen.
Wollen wir den Vergleich zum heutigen Schulsystem WIRKLICH aufmachen ?:-D
Da reicht zum (teilweise) interventionswürdigen Zusammenbruch plus Heulanfälle schon die Smartphonewegnahme.
Was ist eigentlich so schlimm an Stabilität und Kontrolle im deutschen Bildungssystem? Ich möchte mir kein instabiles Bildungssystem vorstellen, in dem der Kontrollverlust vorherrscht!
Außerdem zeigt es eine (beinahe vorbildliche) Resilienz gegen äußere Einflüsse.
Eben, den lehrkräften kann es vollkommen egal sein, wer unter ihnen gerade Schulminister ist.
Was haben sich die vier Kontrollmächte wohl dabei gedacht?
Gute Frage!
Müssen Sie sich auch nicht vorstellen, potschemuka. Es existiert bereits in der Realität.
VR
Stagnation, zurückbleiben auf der Strecke.
Spitzenklasse im ursprünglichen Bereich, in sich ändernden Zeiten zu unflexibel, am Ende durch andere überflügelt.
Siehe China im 19./20. Jahrhundert, um mal ein anderes Beispiel zu nehmen :/
“Statt kurzfristiger Projekte fordert Thümler einen grundlegenden Perspektivwechsel. „Statt in Projekten sollten wir anfangen, in Missionen zu denken.“ Damit meint er langfristige gesellschaftliche Entwicklungsziele, an denen viele unterschiedliche Akteure über lange Zeiträume gemeinsam arbeiten”.
Hatten wir nicht nach PISA den “Paradigmenwechsel”? Manche sagen, wir sollten den “Visionen” folgen, andere meinen, die richtige “Haltung” sei entscheidend. Und jetzt auf einmal “Missionen”, ein neues, noch nicht verbrauchtes wolkiges Buzzword.
Und welche “Akteure” bestimmen “gemeinsam” die langfristigen gesellschaftlichen Ziele, die dann von einer privatisierten Bildungsindustrie mit den Innovations-agenturen verfolgt werden? Irgendwelche CEOs mit ihren Rendite-Vorgaben zugunsten internationaler Anleger? Der Vergleich mit der Autoindustrie ist so richtig zielführend. In Schweden gibt’s ja schon börsennotierte Privatschulunternehmen, so eine Art von “Bildungs-ALDI”. 🙂
Müssten in einer Demokratie nicht die legitimierten Institutionen über die gesellschaftlichen Ziele befinden, z.B. Parlamente?
“Vergleichsstudien, Lernstandserhebungen und Feedbacksysteme sollen nicht mehr primär der Kontrolle dienen, …”
Aha, mehr Privatisierung, aber Kontrolle ist unnötig, wenn die “Missionen” stimmen? Woher kommt denn die Idee der verbindlichen Qualitätsstandards, wenn nicht aus der Industrie? Und die muss man nicht kontrollieren? Das ist aber merkwürdig. Ich glaube, hier will jemand irgendwelche nicht genannten Ziele rhetorisch so verpacken, dass niemand sie mehr erkennt. Dazu passt, dass der Spektrum-Artikel hinter einer Bezahlschranke verborgen ist. Aber das erfährt man erst, nachdem (!) man den Cookies zugestimmt hat, um die 200 Partnerunternehmen mit Daten zu versorgen. Und schon sehe ich Reklame für den neuen Volvo XC60. Also: Es wird getrickst.
“Hatten wir nicht nach PISA den ‘Paradigmenwechsel’?”
Welchen denn? Es gab seit 2000 genau zwei Bildungsreformen in Deutschland, für die die Politik Geld in die Hand genommen hat: G8 (um junge Menschen schneller in den Job zu bekommen) und Ausbau des Ganztags (als preiswerte Nachmittagsbetreuung, um die Frauenerwerbsquote zu steigern) – Zusammenhang mit PISA-Erkenntnissen: null.
Das Schulsystem ist das gleiche, das Leistungsniveau ist das gleiche, mehr Chanchengerechtigkeit gibt’s immer noch nicht – seit über 25 Jahren.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Kompetenzorientierung in den Lehrplänen, zumindest NRW.
Nur weil man Kompetenzorientierung draufschreibt, ist noch keine drin. Die Lehrpläne quellen über. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2025/02/blitz-umfrage-zu-hatties-thesen-mit-ueberraschenden-ergebnissen-grosse-mehrheit-stimmt-zu-lehrplaene-sind-ueberfrachtet/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Zum Beispiel dadurch, dass neben den Inhalten auch noch die Kompetenzen dazugekommen sind. Das ist seit Beginn der Kompetenzorientierung in meinen Fächern immer ein gewisses Problem gewesen, dass neben den Inhalten, die unter den fachbezogenen Kompetenzen aufgelistet waren, auch noch weitere sich in anderen Kompetenzfeldern „verstecken“. Die Inhalte sind damit eigentlich (bis auf den Austausch von einzelnen Themen) unverändert geblieben.
Dennoch kann man nicht sagen, dass die Kompetenzorientierung in den Lehrplänen spurlos an Schulen vorbeigegangen wäre, denn natürlich haben sich auch Schulbücher verändert. Das Problem ist nur, das viele Kollegen hier auch beschreiben, dass ohne fachliches Wissen die gezielte Kompetenzförderung schwierig ist. Also beginnt man mit der Fachlichkeit und dann ist das Schuljahr zu Ende. In diesem Sinne quellen die Lehrpläne tatsächlich über.
Voll ins Schwarze getroffen:
“Also beginnt man mit der Fachlichkeit und dann ist das Schuljahr zu Ende.”
Oh doch: Die Bildungspläne wurden nach dem “Schock” umgebaut, statt inhaltlich klar vorgegebenen Themen und Wissensgebieten, die (altmodisch formuliert) in bestimmten Jahrgangsstufen “durchgenommen” werden mussten, wurde die Kompetenzorientierung als Stein der Weisen eingeführt. Bestimmte Kompetenzen sollten erworben werden, an welchem Thema das geschah, war fast egal, das wurde oftmals recht offen gelassen. Die Schüler sollen “Stricken lernen ohne Wolle”, das war damals eine sarkastische Bezeichnung der Aufgaben, die die Lehrkräfte zu erfüllen hätten. Somit konnte man sich in höheren Klassen nicht mehr sicher auf bestimmtes, feststehendes Vorwissen verlassen, weil man nicht genau wusste, an welchem Inhalt die mehr (oder weniger!) vorhandenen Kompetenzen erarbeitet wurden. Dieser Paradigmenwechsel hat sehr viel Wirbel ausgelöst, in den sog. Nullerjahren.
Vielleicht hat der Paradigmenwechsel nicht so sehr viel Geld gekostet, wobei die Kommissionen, die die früheren, klar formulierten Lehrpläne in die schickeren “Bildungspläne” umgestaltet und vernebelt haben, sicher teuer waren. Aber die Lehrkräfte hat das Ganze viel, sehr sehr viel Nervenkraft gekostet!!!
“Im Vergleich zu deutschen Bundesländern sind skandinavische Lehrpläne verschwindend kurz. Ein schwedisches Curriculum für eine Schulstufe umfasst oft nur wenige Dutzend Seiten und konzentriert sich auf Leitziele statt auf starre Stoffverteilungspläne.” Gerne hier nachlesen: https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen//KiTaFT_Stenger_2017-FruehlindlichesBildungssystemundBildungsforschunginSchweden.pdf
Prof. John Hattie zum Thema Lehrpläne: “Ich werde oft gefragt, wenn ich um die Welt reise, ob ich in Ausschüssen zur Reform des Lehrplans mitarbeiten würde, und ich habe eine feste Regel: Ich sage, ich komme gerne, solange dem Ausschuss erlaubt ist, die Hälfte des Lehrplans zu streichen. Ich weiß nicht, wie der deutsche Lehrplan aussieht, aber der australische Lehrplan ist ausgedruckt 3.500 Seiten lang. Das ist Unsinn. Der Lehrplan in Neuseeland war, als ich 2011 ging, für jedes Fach, für jede Jahrgangsstufe 39 Seiten lang. Heute ist er auf 76 Seiten angewachsen. Wir brauchen keinen Lehrplan mit 3.000 Seiten!”
Zum Vergleich: In NRW umfasst allein der Lehrplan “Fach Praktische Philosophie in der Primarstufe” 129 Seiten.
Hattie: “Wenn man sich die meisten Lehrpläne auf der Welt anschaut, dann sprechen sie alle von Kompetenzen oder Problemlösung. Aber was wird tatsächlich unterrichtet, was wird bewertet? Wissen.” Quelle: https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/john-hattie-weniger-lehrplan-mehr-leidenschaft/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wenn man die PISA-Ergebnisse von NZL genauer betrachtet und mit dem Schnitt der DE-16 vergleicht, fällt aber schon auf, das in NZL die SuS ohne Migrationshintergrund einen Kompetenzrückstand von fast einem Schuljahr auf die Pendants in DE-16 aufweisen.
Von Vergleichen mit Sachsen und Bayern mal ganz zu schweigen.
Ich kann Ihnen auf 20 Seiten einen Lehrplan aufschreiben, der (allein inhaltlich) so überfrachtet ist, dass keine Schule ihn wird erfüllen können. Und ich kann die KI bitten, einen Lehrplan zu entwerfen, der außer beim Lesen keinerlei Überforderungen hervorruft. Konzept- und Impulspapier des Ministeriums können auf vier Seiten beim Lesen der Leitlinien nur eine einzige Frage hinterlassen: Wie soll das gehen? Und ein hattie-halbierter Lehrplan könnte ja mal mit einer Anforderungsliste der Unis an Studienanfänger verglichen werden. Wahrscheinlich einigt man sich auf eine einzige Leitlinie: Sollten selbstständig Fähigkeiten und Kompetenzen erwerben können bzw. erworben haben. Problem gelöst.
Redaktion schrieb: ““Im Vergleich zu deutschen Bundesländern sind skandinavische Lehrpläne verschwindend kurz. Ein schwedisches Curriculum für eine Schulstufe umfasst oft nur wenige Dutzend Seiten und konzentriert sich auf Leitziele statt auf starre Stoffverteilungspläne.”
Alexander Brand, Bildungsjournalist und Lehrer, beschäftigt sich mit der Frage, wie Deutschland aus seiner Bildungskrise kommt. Für sein neues Buch „Die Bildungsweltmeister“, das am 26. Februar erscheint, war er sechs Monate lang auf Weltreise. […]
Brand gibt zu bedenken: „Länder wie Neuseeland, Finnland oder Schottland haben ihre Bildungspläne vor einiger Zeit sehr kompetenzorientiert formuliert und wenig Wert auf konkretes Fachwissen gelegt.“
Wie OECD-Daten zeigen, sinken die PISA-Leistungen der Kinder und Jugendlichen dort seit Jahren. „Davon sollten wir für die Zukunft und den Umgang mit KI an Schulen etwas lernen“, findet der Lehrer.
https://www.fr.de/panorama/passiert-ist-lehrer-warnt-vor-irrtum-an-deutschen-schulen-der-schon-neuseeland-zr-94183738.html?fbclid=IwY2xjawRwG8lleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEe57vcz3Z5tSdUvnFcI076QbRzzOfUqOKXQAjk45UNMoq9HTIXAi-DS1A5Jrg_aem_mjIoNdGvgEO6G-UZ3qeIoQ
Und Deutschland hat seine Lehrpläne nicht wirklich kompetenzorientiert formuliert – und die Leistungen sinken trotzdem. Offensichtlich gibt es noch andere Einflussfaktoren.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Stimmt.
In Neuseeland halten z.B. die Stichprobengestaltung und die Ergebnisse der SuS mit Migrationshintergrund den Gesamtschnitt bei PISA noch eingermaßen in Nähe des OECD-Schnitts.
Genauer betrachtet liegt NZL eigentlich schon unter dem OECD-Schnitt und die SuS ohne Migrationshintergrund, also die große Mehrheit, ca. 30 Pkt schlechter als die Pendants in DE-16.
Die Quoten an SuS, die sich an der Schule nicht wohl/fehl am Platz fühlten und /oder als Außenseiter / von Dingen ausgeschlossen waren in NZl auch erheblich höher als die Werte der DE-16.
Niemand hat behauptet, dass es die nicht gäbe.
Sie jedoch insinuierten, dass die nach PISA begonnene Ausrichtung in Richtung “Kompetenzorientierung” Verbesserungen gebracht hätte.
Nein, hat sie nicht. Nicht in Deutschland, nicht in Neuseeland, nicht in Finnland, nicht in Schottland – und nicht in Deutschland.
Prof. Harald Lesch z.B. bringt seine fundamentale Kritik an der Kompetenzorientierung in diesem YouTube-Klassiker sehr sehr klar zum Ausdruck (ab 1:40 Min.)
https://www.youtube.com/watch?v=-q0Sm8Kldn0
Kurz zusammengefasst: “Mit Kompetenzen kann man nicht viel anfangen. Man muss etwas k ö n n e n.”
“Sie jedoch insinuierten, dass die nach PISA begonnene Ausrichtung in Richtung ‘Kompetenzorientierung’ Verbesserungen gebracht hätte.”
Falsch. Wir behaupten, dass die angebliche Kompetenzorientierung bis heute nicht wirklich existiert – und haben das auch begründet.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Da stimme ich zu. Es ist aus meiner Sicht ja auch sinnvoll, übergeordnete Kompetenzen zu identifizieren und als Bildungsziele zu formulieren. Nur tat und tut man nach meinem Eindruck so, als wäre mit der Identifizierung und Formulierung der Kompetenzen schon alles getan. Nein, die Kinder müssen sie auch noch erlernen, nur geht das eben, wie viele Kollegen zurückmelden, in vielen Fällen nicht ohne solides Fachwissen und -können.
In der oberflächlichen Diskussion bekommt man jedoch den Eindruck, dass man nun Kompetenzen anstelle des schnöden Fachwissens entwickeln könnte. Eigentlich muss man sie aber zusätzlich zum und auf Basis von Fachwissen erwerben und da sind wir wieder bei den Ressourcen, besonders der Zeit.
Vielleicht kann man tatsächlich die Fachbasis in einigen Bereichen auf zentrale, besonders exemplarische etwas beschränken, aber nach meiner Einschätzung für meine Fächer ist der Spielraum da begrenzter als man Kompetenzlernzeit im Schuljahr benötigt.
Der ge(über)steigerte Wunsch nach der Entwicklung von Kompetenzen entsteht nach meiner Wahrnehmung aus dem Wunsch(traum), eine möglichst große Flexibilität bei den schnell veränderlichen Anforderung in der Realität und besonders der Arbeitswelt zu erzeugen und man verkauft es dann als 21st-century-skills. Nach meiner Einschätzung wird man aber einsehen müssen, dass junge Menschen Zeit brauchen, um sich zu entwickeln.
Keine Kompetenz ohne Leistung. Das widerspricht sich doch nicht.
Natürlich sind die kompetenzorientiert formuliert. In NRW kommt sonst die Qualitätsanalyse und berät die Fachschaft. Die werden dann mit Fortbildungen beglückt. In NRW steigt ja auch deshalb das Niveau … ähm Moment mal …
Deutschland gibt es im Bildungsbereich gar nicht.
So hat das QUALIS wenigstens Beschäftigung und kommt mal aus dem Paradies(er Weg) heraus ins rL.
Die Kompetenzorientierung der Lehrpläne halte ich für unsinnig, betrachtet aus der Perspektive eines Lehrers, der Unterricht planen soll. Es ist einfach illusorisch, alle Kompetenzen, und derer scheint es pro Fach mehr zu geben als Geschlechter in Berlin, bei der Unterrichtsgestaltung zu berücksichtigen. Da gibt es auch viel zu viel Beliebigkeit.
Und so betrügt man sich oder seine Fachleiter aus der Not heraus halt selbst, die Werkzeug-Gebrauchs-Kompetenz “… kann den Bleistift richtig herum halten” etwa lernt der Schüler im Zweifel nicht in der Stunde zum Zeichnen eines Dreiecks, sondern beim Viereck. Oder so.
Für die Analyse des Unterrichterfolgs dagegen mögen Kompetenzen einen guten Leitfaden ergeben, aber das ist dann das Metier der Bildungsforscher.
“Deutschland gibt es im Bildungsbereich gar nicht.“
Kann man eigentlich kaum widersprechen, wenn man einen Blick auf die 16 Bundesländer wirft, mit ihren unterschiedlichen Schulgesetzen und Verordnungen, unterschiedlichen Sekundarschulen, Fächern, Lehrplänen, Bildungsabschlüssen usw. usw.
Und Deutschland hat seine Lehrpläne nicht wirklich kompetenzorientiert formuliert […]
Das kann ich nicht bestätigen, echt nicht. Unsere Lehrpläne sind voller Kompetenzen: Fachkompetenzen, Methodenkompetenzen, Soziale Kompetenzen, Selbstkompetenz usw. usw., selbstverständlich gewürzt mit Kompetenzniveaus und garniert mit Prozessen aller nichtjuristischer Couleur!
Wie sollten denn, Ihrer Meinung nach, Lehrpläne so richtig kompetenzorientiert formuliert werden? Und würden die Leistungen dadurch dan endlich steigen?
So würden die Leistungen steigen (meinen nicht nur wir): Erst fachliche Grundlagen legen – dann loslassen. Gerne hier nachlesen: http://www.news4teachers.de/2026/02/deeper-learning-warum-es-in-der-schule-der-zukunft-auf-ein-solides-fundament-aus-fachlichen-grundlagen-ankommt/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Hier steht wissenschaftlich im Jahre 2004: “Es geht um einen Paradigmenwechsel im Umgang mit der Mathematik”.
https://didaktik-der-mathematik.de/wp-content/uploads/2025/02/2004-04-30_Perspektiven-universitaere-Lehrerbildung.pdf
Frau Prediger sitzt heute in der SWK, ist also nicht unwichtig.
Bei anderen Fächern war das ähnlich, z.B. bei den Sprachen (weniger Grammatik) und bei Physik (weniger Formeln, mehr Alltags-Physik und gesellschaftliche Auswirkungen). Also ein Paradigmenwechsel wurde zumindest ernsthaft postuliert. Und dieser neue “Perspektivwechsel” wird ja auch nur postuliert. Was genau soll denn die neue Perspektive sein, etwa in Mathematik und Physik?
Gab es nicht Bundesländer, die auf Zweilgliedrigkeit umgestellt haben? I
In denen ein Teil der SuS dann Gymnasien besucht, der andere Teil dann Schulen an denen Kinder mit unterschiedlichen Begabungen mit- und voneinander lernen, ohne Druck von Noten oder unangekündigten Leistungsnachweisen etc., an denen jedes Kind individuell gefördert wird und von den Lernbegleitern die jeweils passenden Lernangebote erhält um das maximales Lern- und Leistungspotential auszuschöpfen. Dort gibt es für jedes Kind einen Lerncoach mit dem es Zielvereinbarungen trifft und in regelmäßigen Gesprächen in Fragen der individuellen Lernentwicklung beraten wird. usw. usw.
Also so extrem viel von dem verwirklicht sein müsste, was die Bildungsexperten als lernförderlich erachten.
Und die Ergebnisse sinken…trotzdem oder genau deswegen?
Schwer zu sagen, warum in Bundesländer mit solchen Schulsystemen die IQB-Ergebnisse bei der SuS aus der unteren und oberen Schicht und ohne / mit Migrationshintergrund signifikant schlechter ausfallen als in BL mit klarer Gliederung.
Von der Theorie her müssten SuS gerade an solchen Schulen eigentlich deutlich besser performen und der Einfluss des familiären Hintergrunds geringer sein.
Dazu müssten die Bedingungen sich nach “guter Schule” und nicht nach “kost’ weniger” richten.
Btw: Bei “heute” geht es gerade genau um das, was ich Ihnen vergeblich zu vermitteln versuche. Menschen mit Migrationshintergrund …
Müssten die denn nicht besonders stark von solchen Schulen proftieren?
Und stört es Sie nicht, wenn auch die SuS ohne Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig ohne ESA bleiben und neben den beiden genanten Gruppen auch SuS an Gymnasien bei IQB schlechter abschneiden als der DE-16-Schnitt?
Sie wollen es nicht verstehen, nicht wahr?
Das hat nichts mit “wollen” zu tun.
Ich kann Ihre Argumente einfach nicht nachvollziehen und halte mich deshalb lieber an empirische Daten und belegbare Fakten.
? Wenn man Äpfel und Birnen vergleicht.
Nix empirisch und belegbar.
Das sehen bekanntermaßen völlig anders als die Wissenschaftler, die diese Studien anfertigen und die Berichte erstellen.
Können Sie denn irgendeine Ihrer Behauptungen irgendwie belegen?
Zum Beispiel dass SuS mit Migrationshintergrund der 1. Generation aus Syrien die Ergebnisse dieser Gruppe negativ beeinflussen würden?
Äpfel und Birnen.
16 verschiedene Bundesländer, 16 verschiedene Systeme, 16 Bundesländer mit unterschiedlich großen Migrant*innengruppen …
Das ist Beleg genug.
“Sie wollen es nicht verstehen, “
Vielleicht war ich tatsächlich etwas begriffsstutzig.
Ich habe Ihren Post nochmal gelesen.
Geht es Ihnen gar nicht um den letzen Absatz, sondern um
“Dazu müssten die Bedingungen sich nach “guter Schule” und nicht nach “kost’ weniger” richten.” ?
Da könnte ich natürlich verstehen, wie es gemeint ist.
“was ich Ihnen vergeblich zu vermitteln versuche. “
Das liegt daran, dass Sie versuchen eine hohe Quote mit Argumenten zu vermitteln, die eigentlich eher für eine niedrige Quote sprechen würden.
Ich verstehe es einfach nicht. Man will eine Schule für alle, möglichst viele Schulformen beseitigen. Man will immer mehr Bürokratie wie z.B, die Schüler-ID mit einer kompletten, kleinteiligen digitalen Akte. Man ist gegen den Föderalismus und möchte am liebsten Privatschulen abschaffen, alles schön von Bürokraten zentral gesteuert. Heimunterricht darf keinesfalls als Alternative erlaubt werden.
Sprich, man will immer größere, zentralistische Strukturen.
Und dann? Bemängelt man die Behäbigkeit. Wie kann man so denken?
Kleine und zumindest in gewissem Umfang autonom agierende Einheiten schaffen Veränderungen. Zusammen mit der Wahlfreiheit und einem System das Anreize setzt. Wenn jemand erfolgreich einen Bedarf deckt und davon profitiert, werden andere Folgen. Wer etwas probiert, was in der Theorie toll klingt aber scheitert, wird nicht viele Nachahmer finden.
Zentral gesteuerte. überdimensionierte Systeme die in kurzer Zeit radikal verändert werden, haben sich doch niemals bewährt. Will man einen großen Sprung vorwärts für die Schulen?
“Sprich, man will immer größere, zentralistische Strukturen.” Wo steht das?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Zwischen den Zeilen?
“Deutlich widerspricht der Wissenschaftler der Vorstellung, erfolgreiche Einzelschulen könnten den Wandel quasi automatisch in die Breite tragen.”
“Mehr Autonomie für einzelne Schulen allein hält Thümler dagegen nicht für ausreichend.”
Dazu der Vergleich mit der Energiewende. Ein mehr als hochkomplexes System von nur schwer zu verbindenden Elementen. Das kann nun mal nicht durch den Markt und kleine Einheiten vollbracht werden.
Aber jeder kann natürlich selbst entscheiden, was er bei Lobby-Organisationen zwischen den Zeilen lesen will und was nicht.
Genau, Beispiel Energiewende: einer (der Staat) setzt den Rahmen, viele Akteure (nicht-staatlich) mischen mit. Ebenso das genannte Beispiel UK.
Was daran zentralistisch sein soll, erschließt sich uns nicht.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Individueller, offener und auch digitaler!!
4 Tage Woche, 1 Homeofficetag digital wie alle anderen.
Lehrer auch 35 Stunden Woche und gekoppelt an die IG Gewerkschaftsforderungen.
Warum ? Gleiches Recht für alle.
,”Für Pädagogik und Personal ist das Bundesland zuständig, für die Gebäude und Klos die Kommune.“ International zeige sich dagegen, „dass sich die Bündelung von Verantwortung vor Ort und in einer Hand bewährt”
Ich sehe so oft, dass bei armen Kommunen die Schüler durch die marode Infrastruktur benachteiligt werden, obwohl doch alle Kinder die gleichen Lernchancen haben sollten. Kein Schwimmunterricht, da die Halle geschlossen, marode Gebäude etc..Diese Aufteilung gehört abgeschafft.
“Auch die Rolle der Bildungsforschung bewertet Thümler kritisch. Zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und schulischer Praxis klaffe „eine Riesenlücke“. Deshalb fordert er neue Strukturen: „Zum Beispiel Innovationsagenturen, die imstande sind, die Ergebnisse aus der Bildungsforschung aufzunehmen, in die Praxis zu bringen sowie dauerhaft am Leben zu erhalten und weiterzuentwickeln.“”
Spannend! Im n4t-Fotum wird ja die Nähe zu den Menschen vor Ort regelmäßig beklagt, ob dies eine Annährung bieten könnte?
Habe da eine Ahnung, hoffe aber aufrichtig, da falsch zu liegen…
“Innovationagenturen” klingt wie “Akkreditierungsagenturen”. Die dort tätigen Leute werden dann die zweite oder dritte Wahl von Wissenschaftlern sein, die in der Wissenschaft eben nichts werden konnten. Haben wir nicht auch längst “Transfer-agenturen” oder so ähnlich? War da nicht war mit der “Deutschen Agentur für Transfer und Innovation” (DATI) ? Und jede Hochschule hat dann zusätzlich eine Transferstelle mit Leuten, die selber keine Wissenschaft betreiben, sondern eben nur Transfer. Eine neue Bürokratie?
“Die dort tätigen Leute werden dann die zweite oder dritte Wahl von Wissenschaftlern sein, die in der Wissenschaft eben nichts werden konnten.”
Ne, spült es dann ins Lehramt 😉
Aber Sie wollen lieber wissenschaftliche Erkenntnisse selber umsetzen? Gerne!
Ich befürchtets schon, Sie würden völlig ohne Belege und unprofessionell gegen Wissenschaft allgemein abätzen und diese als “den Leuchtturm” nicht in ihrer immensen Bedeutung wahrnehmen können 😀
Wer genau sitzt in diesen “Bildungsagenturen”?
Welche (ggf. Weisungs-) Rechte sollen die bekommen?
Ne Ahnung habe ich da auch, wie der “Bildungs”wissenschaft-(N)GO-Komplex sich das vorstellt…
Ich kann mich nicht erinnern, dass im Artikeln etwas von Weisungsrechten stand.
Was haben Sie sich dazu reingezogen? Könnten Sie Ihre Quelle bitte verlinken?
Weitgehend kann ich die Analyse nachvollziehen. Sie umfasst eben auch die Problematik, die hier im Forum schon häufig thematisiert worden ist: Schulen sind mit hohen Erwartungen konfrontiert, die Umsetzungen von Neuerungen und Ideen ist aber in der (Verwaltungs-)Realität mit vielen Schwierigkeiten bis Unmöglichkeiten, zumindest aber mit wenig Unterstützung verbunden. Dadurch werden eben das Elfenbeinturm-Gefühl, Frustrationen und Hilflosigkeit begünstigt. Schulpreise als Belege, dass es angeblich doch geht, wirken da teils kontraproduktiv.
„Bildungsforscher beschreiben seit Jahren, wie Unterricht individueller werden könnte, wie Schulen Kooperation stärken und Daten für die Schulentwicklung nutzen könnten. Doch warum verändert sich das System trotzdem so langsam?“
Hier wird in den Beiträgen zwar genannt, dass eine Änderung durch die Behörde erfolgen muss, letztlich müssen es aber Lehrkräfte umsetzen und tragen.
Die Politik achtet vor allem auf die Kosten. Eine Änderung erfolgt am ehesten dann, wenn Geld eingespart wird, wenn es ausreicht, die Aufgaben in die Schule zu geben, ohne Entlastung zu schaffen.
Genau deshalb heißt es dann auch so oft, die Lehrkräfte hätten/ müssten/ sollten…
Die Lehrkräfte müssten die Änderungen an die Realität der einzelnen Schule anpassen, eine Möglichkeit der Umsetzung unter gegebenen Mitteln finden und realisieren.
Aus Sicht einer Lehrkraft kann ich wahrnehmen, dass sich in den letzen 25 Jahren alles verändert hätte. Vieles wurde umgesetzt, anderes gestrichen.
Dazu kommt ein Lehrkräftemangel seit über 15 Jahren, der dazu führt, dass man sich immer irgendwie behilft, dass Zusatzangebote (DaZ, Förder) in Vertretung aufgeht und ersatzlos gestrichen ist – quasi jedes dieser 15 Jahre. Der auch dazu führt, dass die Stammlehrkräfte sich die außerunterrichtlichen Aufgaben teilen und stark belastet sind (aber Arbeitszeiterfassung wird nicht umgesetzt), dazu Abordnungen einbinden und Referendar:innen oder Quereinsteigende ausbilden – vor allem an den Schulen, die Lehrkräftemangel haben.
Die Artikel hier bei N4t greifen quasi ineinander.
Als Lehrkraft bin ich darauf bezogen, mir die Ausgangslage genau anzuschauen und dann differenzierte Wege zu entwickeln, die den Schüler:innen eine möglichst gute Weiterentwicklung bieten. Natürlich gibt es ein Ideal, aber am Ende wird nicht erwartet, dass dies jede und jeder erreicht, sondern dass man ein gutes Stück in die Richtung kommt.
Wenn nun „die Schule“ entwickelt werden soll, müsste man auch bei ihr eine vernünftige Bestandsaufnahme machen, DIE kann ich bisher nicht finden. Ja, es werden Leistungsmessungen von Schüler:innen durchgeführt, aber an keiner Stelle wird deren Bildungsbiographie oder die Ausstattung der Schule berücksichtigt.
Dann kommt man zu Schlüssen, dass Kinder im Durchschnitt zu wenig gelernt haben, müsste doch aber auch in den Blick nehmen, dass das Kind die sprachlichen/ motorischen/ emotionalen Schwächen aufgeholt hat, in einer neuen Kultur eingestiegen ist, die Beeinträchtigung kompensiert oder im zieldifferenten Unterricht vorangekommen oder zumindest Verstandenes automatisiert hat. Das ist übrigens Alltag in den Schulen, nennt sich Förderplanung und wird ständig evaluiert, auch mal mit dem Ergebnis, dass gesetzte Ziele nicht erreicht werden konnten.
Dann kommt man zu Schlüssen, was im Unterricht umgesetzt werden soll, weil keine Daten über die Ausstattung vorliegen. Sonst müsste man womöglich mal erkennen und bekennen, dass es nicht ausreicht, Lehrkräfte über Jahrzehnte zu überlasten und keine zusätzlichen Ressourcen in die Schulen zu geben. Das ist Alltag in den Schulen, viele Lehrkräfte arbeiten weit über das Soll, wer sich abgrenzt, muss Sachen liegen lassen.
Jeder Vorschlag von Forschenden muss also zwingend die Forderung nach besseren Ressourcen enthalten, da eine Umgestaltung noch mehr Arbeit bringt.
Unterricht ist erheblich individueller als noch vor 25 Jahren. Leider wird das offenbar nicht gesehen und anerkannt, ist aber Alltag in den Schulen und ein Grund dafür, warum Lehrkräfte stark belastet sind.
Mir wäre wichtig, dass man die Ausgangslage besser berücksichtigt und die vielen kleinen Schritte an den Schulen beachtet, selbst wenn sie winzig sind, sind sie notwendig auf dem Weg zum Ideal.
Vielleicht ist es auch ein ganz anderer Blickwinkel, eben nicht das Allgemeine, sondern ganz konkrete Schritte an einzelnen Schulen hin zu einer Verbesserung. Da fehlen Schnittstellen und Einsichten.
Ja, es könnte schneller gehen und mehr passieren, aber dann muss man alles, was genannt wurde, mit berücksichtigen. Es reicht nicht aus „hopp,hopp!“ zu rufen und sich an den Rand zu stellen, es müssten weit mehr Menschen mit anpacken.
Unterstützung durch Forschung kann helfen, wenn man denen, die sich längst auf den Weg gemacht haben, keine Knüppel zwischen die Beine steckt, keinen zentnerschweren Rucksack zusätzlich aufbürdet, sondern Wege eröffnet, wie es leichter gehen könnte – bei bestehenden Ressourcen.