WUPPERTAL. Nina von Grumbkow kennt Schule aus zwei Perspektiven: Sie war acht Jahre lang Gymnasiallehrerin und Oberstudienrätin, bevor sie 2023 ihr Beamtentum aufgab. Heute arbeitet sie freiberuflich als Transformationsbegleiterin und als Bildungsforscherin an der Universität Wuppertal im Kompetenzverbund lernen:digital. Dort untersucht sie, wie Schulen im digitalen Wandel lernen und sich weiterentwickeln können. Mit News4teachers spricht sie über Chancen, Überforderungen – und die Folgen fehlender systemischer Unterstützung.

News4teachers: Der Digitalpakt 2.0 steht vor der Tür. Haben Sie derzeit besonders viel damit zu tun?
Nina von Grumbkow: Der Digitalpakt 2.0 beschäftigt uns sehr – auch wenn ich mir gewünscht hätte, er würde finanziell zumindest dem Digitalpakt 1.0 nicht nachstehen. Jetzt ist es leider deutlich weniger Geld. Und außerdem geht es wieder hauptsächlich um Ausstattung und Technologie. Viel wichtiger wäre aber, dass zusätzlich stärker in den IT-Support, die Unterrichtsentwicklung und in Fortbildungen für Lehrkräfte investiert würde. Auch die Schülerschaft und die Eltern müssten einbezogen und fortgebildet werden.
“In vielen Schulen übernehmen motivierte Lehrkräfte den First-Level-Support für zum Teil über 1.000 Schülergeräte”
News4teachers: Also ein zentrales Manko: Ausstattung ohne zielgerichtete pädagogische Entwicklung?
Nina von Grumbkow: Genau. Der Digitalpakt 1.0 und auch Corona haben zwar dafür gesorgt, dass viele Schulen technologisch gut ausgestattet sind. Viele haben Tablets, Whiteboards, Lernmanagementsysteme, digitale Klassenbücher – die Organisation läuft vielerorts digital. Aber die Wartung, defekte Geräte, ein Ende von Updates etc. sind für Schulen ein dringendes Problem. Es fehlt massiv an Fortbildungen sowie an IT‑Support.
In vielen Schulen übernehmen motivierte Lehrkräfte den First-Level-Support für zum Teil über 1.000 Schülergeräte – und bekommen dafür, wenn sie Glück haben, eine geringe Entlastung. Das ist kaum zu bewältigen. Die Kommunikation mit dem Second-Level-Support, dem Schulträger, hakt auch mancherorts aufgrund von Personalmangel. Und: Es gibt weiterhin Schulen, vor allem in benachteiligten Lagen, die noch nicht ausreichend ausgestattet wurden. Besonders Gymnasien sind oft deutlich weiter.
News4teachers: Trotzdem gilt: Ohne Ausstattung geht es ja nicht. Technik ist die Basis.
Nina von Grumbkow: Das stimmt. Die Ausstattung ist das Fundament. Ohne sie geht natürlich gar nichts.
News4teachers: Sie sprechen Unterschiede zwischen Schulen an. Werden standortstarke Schulen besser bedient als Schulen in schwieriger Lage – womöglich, weil die Eltern mehr Druck machen?
Nina von Grumbkow: Es hat weniger mit „Elternpower“ zu tun, sondern vielmehr damit, dass benachteiligte Schulen in finanzschwachen Kommunen am wenigsten vom Digitalpakt 1.0 profitiert haben. Zudem ist ja auch die Beantragung des Geldes ein Bürokratiemonster. IT-Support fehlt überall, aber besonders dort. Der Aufwand für Schulen in herausfordernden Lagen ist größer, gleichzeitig haben sie jedoch weniger Entlastung und Unterstützung. Die meisten Schulen konnten zwar von der technologischen Grundausstattung profitieren – aber eben nicht alle gleichermaßen.
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News4teachers: Auf Ihrem LinkedIn-Profil schreiben Sie: „Ich unterstütze Schulen dabei, ihre Lernprozesse, Kulturen und Strukturen systemisch an die Anforderungen einer Gesellschaft im digitalen Wandel anzupassen.“ Was sind denn diese Anforderungen?
Nina von Grumbkow: Eine Gesellschaft im digitalen Wandel braucht neben einer starken digitalen Infrastruktur, vor allem gute Bildung in Medien- und Datenkompetenz sowie klare Regeln für Datenschutz und KI, damit Menschen sicher und selbstbestimmt mit Technologie umgehen können. Gleichzeitig muss sie soziale Teilhabe sichern, also dafür sorgen, dass niemand digital abgehängt wird, und den Wandel ethisch gestalten – etwa beim Schutz der Privatsphäre, beim Umgang mit Fake News und bei der Zukunft der Arbeit.
Deshalb ist auch die digitale Transformation an Schulen ein multidimensionaler Entwicklungsprozess. Und damit verbunden ist auch meine Arbeit als Bildungsforscherin im Projekt KoKon („Lehrkräftekooperation im Kontext digitaler Schulentwicklung“) im Projektverbund lernen:digital. Wir geben aktuell 20 Gymnasien und Gesamtschulen aus NRW, Bayern und Hamburg Feedback zu ihrer digitalen Schulentwicklung.
Wir erfassen dabei alle zentralen Dimensionen digitalisierungsbezogener Schulentwicklung, die sich in der internationalen Forschung als relevant erwiesen haben. Auf dieser Basis erstellen wir Schulporträts: datengestützte Instrumente, die Entwicklungsstände sichtbar machen. Dafür führen wir Interviews, befragen die gesamten Kollegien und analysieren über soziale Netzwerkanalysen die innerschulischen Interaktions- und Kooperationsstrukturen. Die Porträts zeigen den Schulen auf, welche vielversprechenden Schritte sie bereits unternommen haben – und wo Entwicklungsbedarf besteht. Steuergruppen und Schulleitungen können so gezielt priorisieren und Entwicklungsfelder angehen.
Ich habe zusätzlich Ausbildungen zur systemischen Beratung, zum Digital Instructor und Scrum Master absolviert. Systemisches Denken bedeutet, Schule als vernetztes Gesamtsystem zu betrachten, und das passt sehr gut zu digitaler Schulentwicklung. Scrum wiederum bietet Denk- und Haltungsmodelle für iterative, teamorientierte Schulentwicklungsarbeit: Medienkonzepte müssen lebendig sein und nicht nur ein niedergeschriebenes IT-Konzept, um Geld vom Schulträger zu bekommen, Lehrkräfte kontinuierlich fortgebildet werden, und die gesamte Schulgemeinschaft muss verstehen: Warum machen wir das? Was ist unsere Vision? Wo kann das Digitale das Analoge sinnvoll transformieren? Wo nicht?
Technologie ist nur eine Dimension. Dazu kommen unter anderem Unterrichtsentwicklung, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung sowie externe Kooperationen und Zusammenarbeit im Kollegium. Wenn wir digitalisierungsbezogene Schulentwicklung betrachten, müssen wir alle diese Dimensionen ganzheitlich betrachten.
“Fehler müssen als Lernanlässe verstanden werden. Einige Schulen tun das bereits – und das beeindruckt mich sehr”
News4teachers: Und in diesem Prozess beraten Sie Schulleitungen?
Nina von Grumbkow: Ja, ich zeige Schulleitungen, Digitalisierungsbeauftragten und Steuergruppen, was an ihrer Schule bereits gut läuft, wo noch Entwicklungsbedarf besteht und was mögliche Perspektiven sind. Viele Schulen haben seit der Corona-Pandemie Arbeitsgruppen für Digitalisierung gegründet oder bestehende Schulsteuergruppen neu ausgerichtet. Diese Gruppen berate ich bei einer ganzheitlichen Sicht auf Schulentwicklung.
Schulen müssen immer mehr zu lernenden Organisationen werden, das ist auch das Thema meiner Promotion. Jede Schule entwickelt sich unterschiedlich, hat eigene Herausforderungen. Und weil sich die Umwelt so schnell verändert, brauchen Schulen agile Strukturen. Schulentwicklung ist ein kontinuierlicher, iterativer Prozess: gemeinsam Konzepte erproben, Erfahrungen teilen, datenbasiert reflektieren, Ideen von außen aufnehmen. Fehler müssen als Lernanlässe verstanden werden. Einige Schulen tun das bereits – und das beeindruckt mich sehr.
News4teachers: Mit welchen Fragen kommen die Schulen konkret zu Ihnen?
Nina von Grumbkow: Die Schulen, die bei uns im Projekt teilnehmen, haben bereits viele Schritte angestoßen. Gleichzeitig stehen sie vor großen Herausforderungen: ob soziale Ungleichheit, Inklusion, Leistungsbewertungen oder das fünfte Abiturfach in NRW – und eben Digitalisierung und KI als riesige Querschnittsthemen obendrauf. Schulen müssen als lernende Organisationen sehr agil sein, um das alles bewältigen zu können.
Ein zentrales Problem ist: Schulen sind strukturell gar nicht für kooperative Entwicklungsarbeit ausgelegt. Asynchrone Stundenpläne erschweren feste Teamzeiten. Lehrkräfte sollen unterrichten, pädagogisch arbeiten, beraten – und übernehmen zusätzlich IT‑Aufgaben, für die Unternehmen interne und externe Fachkräfte hätten. Das überlastet.
“Die Entwicklung ist so schnell, dass Schulen kaum hinterherkommen”
News4teachers: Und jetzt kommt zusätzlich die KI – während mancherorts noch nicht mal die Digitalisierung vollzogen wurde. Ist das alles zu viel für Lehrkräfte?
Nina von Grumbkow: Die Entwicklung ist so schnell, dass Schulen kaum hinterherkommen. Ich war selbst bis Oktober 2023 Lehrerin und Digitalisierungsbeauftragte meiner Schule und habe die erste iPad-Welle miterlebt. Selbst mit viel Vorwissen war es anspruchsvoll. Im Unterricht hatte ich beispielsweise zunächst keine App, mit der ich die Bildschirme hätte überwachen können. Also musste ich durch den Raum gehen – um festzustellen, dass eine Schülerin eine Spiegel-App als Schminkspiegel nutzte. Jemand anderes bestellt sich bei Amazon Sportschuhe. Wiederum andere haben sich per Messenger Lösungen zugeschickt. All das ist viel komplexer als früher. Es gibt inzwischen Apps, mit denen Lehrkräfte das besser handeln können, aber auch da gibt es Schlupflöcher: Bluetooth aus – und das System greift nicht mehr.
Und das ist nur der Unterricht. Hinzu kommen massive Dauerbaustellen, die weit über Digitalisierung hinausgehen: Inklusion, Heterogenität, Sprachförderung, psychische Belastungen, Personalmangel, Demokratiebildung, Bürokratie… Viele Schulen sind zwar technologisch gut ausgestattet, aber die Wartung ist oft desolat. Gestern erzählte mir eine Lehrkraft, dass ihre Whiteboards nicht darauf ausgelegt seien, mehrmals täglich ein- und ausgeschaltet zu werden – die Knöpfe seien jetzt schon kaputt. WLAN bricht häufig weg, die Apps für das Classroom-Management funktionieren nicht zuverlässig. IT-Support ist kaum vorhanden. Unterstützung in Schul- und Unterrichtsentwicklung wird zu wenig mitgedacht.
Digitalisierung muss systemischer angegangen werden: Leitbild, Ziele, Pädagogik, Didaktik. Aber das bindet Ressourcen. Lehrkräfte müssen die digitale Welt verstehen – KI, TikTok, Sexting, Cybermobbing, Fake News. Die Kluft zwischen digitalen Lebenswelten von Lehrkräften und Schüler*innen wächst. Viele fühlen sich pädagogisch und medienbildnerisch nicht ausreichend vorbereitet. In NRW wird der Fortbildungsbedarf nicht systematisch erfasst. Statt kohärenter Programme dominieren isolierte Tagesworkshops. Schulen wünschen mehrphasige Reihen, Coachings und digital integrierte Fortbildungen. Wir brauchen eine attraktive, bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige Lehrerfortbildung – und wir sollten stärker von Best-Practice-Schulen lernen, wie denen des Deutschen Schulpreises. Hinzu kommen Herausforderungen im digitalen Sozialraum: Cybermobbing, Radikalisierung, frauenfeindliche Influencer-Netzwerke, Gewaltvideos in Klassengruppen – oft schon in Klasse 5 oder 6. Die digitale Welt ist gigantisch, und Schulen müssen all das mitdenken.
Und die Schulen sagen zu Recht: Dafür brauchen wir systemische Unterstützung, neue Prüfungsformate, überarbeitete Lehrpläne. Schulen brauchen ein Leitbild, das von der ganzen Schulgemeinde erarbeitet und dann in greifbare Teilziele übersetzt wird.
News4teachers: Weil diese Unterstützung fehlt, haben Sie dann den Schuldienst quittiert?
Nina von Grumbkow: Ich habe das System verlassen, weil ich gemerkt habe, dass ich Ideen, Möglichkeitsräume und Entwicklungsimpulse außerhalb des engen Korsetts aus Verordnungen, Bürokratie und strukturellen Hürden wirkungsvoller einbringen kann. Lehrkräfte tragen eine enorme Verantwortung, sollen Unterricht entwickeln, erziehen, begleiten – und stoßen zugleich an systemische Grenzen. Außerhalb der Schule kann ich meine Energie gezielter kanalisieren und Veränderungen initiieren.
“Ich kenne die Realität im Klassenzimmer – und das schützt davor, an Schulen vorbei zu beraten”
News4teachers: Der Ausstieg hatte Konsequenzen…
Nina von Grumbkow: Ich habe meine Verbeamtung aufgegeben – eine schwierige Entscheidung. Ich hatte eine A14‑Stelle, A15 war in Aussicht. In NRW gibt es kein Altersgeld – ich habe also finanziell sehr viel aufgegeben. Und das Projekt, in dem ich arbeite, läuft nächstes Jahr aus – danach muss ich mich neu bewerben.
Trotzdem war es für mich richtig. Ich kann außerhalb des Systems Schule wirksamer arbeiten. In der Bildungsforschung und Organisationsentwicklung kann ich meine Energie viel fokussierter einsetzen. Ich kenne die Realität im Klassenzimmer – und das schützt davor, an Schulen vorbei zu beraten. Viele, die heute über Schule urteilen, kennen sie von innen gar nicht.
News4teachers: Bei all den Problemen: Begegnen Ihnen auch Schulen, die die Chancen gerne nutzen?
Nina von Grumbkow: Ja, unbedingt! Viele Kollegien sind hochmotiviert. Die Lehrkräfte merken, wie sehr sie von digitalen Medien profitieren: Ich hatte als Englischlehrerin mein Englisch-E-Book, meinen Unterrichtsmanager, Noten, Stundenplan – alles auf einem Gerät. Viele sagen: Wir können uns Unterricht ohne digitale Unterstützung kaum noch vorstellen. Und es gab während und nach Corona eine bemerkenswerte kollegiale Solidarität: Lehrkräfte, die viel konnten, gaben Mikrofortbildungen. Referendarinnen und Referendare brachten Wissen aus dem Seminar mit. Viele engagieren sich weit über ihre Arbeitszeit hinaus.
Ich wünsche mir, dass Lehrkräfte nicht ständig stigmatisiert werden. Das Klischee der jammernden, engstirnigen Lehrkraft ist unfair – Klar, die gibt es auch zur Genüge. Aber die Überlastung hat auch systemische Ursachen. Und das führt zu einer Ermüdung – auch im Digitalisierungsbereich.
News4teachers: Verändert die Digitalisierung den Lehrberuf grundlegend?
Nina von Grumbkow: Ja, und auch das Lernen. Das ist eine riesige Chance. Viele Klassenzimmer sehen abgesehen von der technologischen Ausstattung heute noch aus wie in den 70-er Jahren. Digitalisierung ermöglicht aber Individualisierung, Feedback durch KI, selbstständiges Lernen, projektorientiertes Arbeiten. Räume werden sich verändern – hin zu Lernoasen, offenen Bereichen, projektorientiertem Arbeiten. Wenn KI sinnvoll genutzt wird, kann sie Lehrkräfte entlasten und individuelles Lernen stark unterstützen.
News4teachers: Das klingt so, als könnten Sie sich doch vorstellen, irgendwann mal als Schulleiterin zu arbeiten…
Nina von Grumbkow: Der Zug ist abgefahren. News4teachers / Andrej Priboschek führte das Interview.
Hier geht es zu allen Beiträgen des Themenmonats “Digital lehren und lernen”.
News4teachers bleibt auf Rekordkurs – über zwei Millionen Leser*innen im dritten Monat in Folge









Bourdieu für die Oberstufe:
Der niedere Adel kann es sich leisten, habituell die unabhängige Denkerin zu geben, soziales und ökonomisches Kapital machen es möglich.
Und: Nie mehr Korrekturen von Klassenarbeiten, nie mehr Elterngespräche…
Sie ist jung genug, darauf kommt es an.
Außerdem wurde der “Adel” als gesellschaftlicher Stand schon in den Weimarer Republik abgeschafft. Nur noch ein Namensbestandteil:
“Am 11. August 1919 wurden mit der Weimarer Verfassung die Vorrechte des Adels abgeschafft. Die ehemaligen Adelsprädikate sind dadurch namensrechtlich Bestandteil des Familiennamens geworden.
…
Nach heutigem deutschem Protokoll stehen deutschen Adeligen keine Besonderheiten mehr in Anrede und Schriftverkehr zu. Dies ergibt sich aus dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes.”
https://de.wikipedia.org/wiki/Adelspr%C3%A4dikat
Gibt es nicht auch verarmten Adel?
Leider ist der Kommentar von Achin ziemlich daneben. Und leider haben alle, die auf den Daumen geklickt haben das nicht gemerkt.
Wir sehen, viel zu wenige kommen nach, einige springen ab.
Warum?
Schlechte Bezahlung
veraltete und verkrustete Arbeitsbedingungen 41 Std Woche, kein Homeoffice, keine 4 Tage Woche
und keine Anreize wie 13. Monatsgehalt, Bonus, Geld in Urlaubstage umwandeln ussw.
Warum gehen Lehrer mit 67 in Rente und Autobauer mit 60? und teils zu 100%?
versteht keiner!!!
Liebe Petra,
wir wünschen Dir und deiner Familie ein wunderschönes Wochenende 🙂
Du bist die Beste, kämpfst für verbesserte Arbeitsbedingungen an teils maroden Schulen und bist aktiv in der Digitalisierung. Hut ab, Madame!
Gehalt wird immer weniger, du siehst es im Vgl zu deinem Ehemann, und von 35 Stunden pro Woche bist du (noch) sehr weit entfernt. Gruß nach Lippe
ja, die Deputatssenkung runter auf 35 Std. pro Woche, also dann auf 4 Tage, macht wirklich Sinn und passt sich der IGmetall an.
Mein Mann und mein Sohnemann haben beide die 35 und da verstehe ich wirklich nicht, warum Lehrer 5 Tage mit 8 Stunden malochen müssen oder wollen?!
Homeoffice haben sie doch 0, also mal 1-2 Tage länger schlafen, nicht tanken und ohne Stress an den Arbeitsplatz.
Es wird dank KI und Robotik noch besser kommen:
In der “freien” Wirtschaft dann nur noch “Homeoffice” (= Beschäftigungstherapie) mit steuerlich subventionierten Löhnen (quasi ein verkapptes Grundeinkommen). Der “Industriestrompreis” (= Subventionierung / Sozialhilfe für Unternehmen) ist der erste Schritt.
Lehrern dagegen wird man eine “Arbeitspflicht” auferlegen, sie werden nicht in den Genuss der “Grundeinkommens” gelangen, da nicht automatisierbar.
Sogar Soldaten und Polizisten werden bald im Homeoffice sitzen (Palantir / KI-Überwachung / Drohnen) und nur “bei Bedarf” ausrücken…
ja, schau dir die Ref. Ausbildungsbezahlung an oder dein Einstieg. Gibt doch nur noch Nullrunden und sie haben nie was an der Arbeitszeit reduziert, die Erfassung wird geblockt und Homeoffice noch O 🙁
Für Frischis oder genalpha nichts.
Autobauer mit 60 ohne (nennenswerten) Abzug ist leicht zu erklären: Sie fangen mit 16 ihre Ausbildung an und arbeiten an die 45 Jahre. Lehrer sind erst ungefähr 10 Jahre später fertig und erreichen die 45 Jahre niemals.
30 Stunden pro Woche müssen die Zukunft sein. Dann können sich beide Elternteile besser um die Kindererziehung kümmern.
Passt gut zu Forderungen aus der Wirtschaft, die wieder zurück zu (mindestens) 40 Arbeitsstunden pro Woche möchte.
Und weil sich die Umwelt so schnell verändert, brauchen Schulen agile Strukturen. Schulentwicklung ist ein kontinuierlicher, iterativer Prozess: gemeinsam Konzepte erproben, Erfahrungen teilen, datenbasiert reflektieren, Ideen von außen aufnehmen. Fehler müssen als Lernanlässe verstanden werden.
Aus der Perspektive von Frau von Grumbkow ist diese Sichtweise völlig richtig, zumal sie das System Schule verlassen hat. Für Lehrkräfte ist es aber hoch-problematisch:
Schulen sind keine kleinen Teile von Computerprogrammen, die man agil entwickelt. Es geht bei Schulentwicklung nicht darum, mal ein paar Wochen kleine Arbeitsprodukte abzuliefern, sondern um große Veränderungen. Und dabei sind Lehrkräfte auch keine Programmierer, deren Job diese Entwicklung ist, sondern wir machen es nebenbei!
Ich möchte doch Stunden, Kontexte und ganze Unterrichtseinheiten optimieren, was meist über Jahre läuft. Und dennoch muss man auch gute Stunden an die nächste Lerngruppe anpassen. Ehrlich gesagt möchte ich da so wenig Veränderungen von außen wie möglich.
Wir hatten Einheiten digitalisiert und in ein System eingepflegt. Dann hieß es plötzlich, das Systeme könne aus bestimmten Gründen nicht mehr verwendet werden. Also alles platt gemacht, viel Arbeit für die Tonne, und alles neu in ein anderes System eingepflegt. Spätestens beim dritten großen Umsturzt hat man als Lehrkraft keinen Bock mehr. Denn wir haben andere Dinge zu tun, als ständig Unterrichtseinheiten in irgendwelche neuen Online-Systeme einzupflegen. Es mag sein, dass Frau von Grumbkow das von außen betrachtet und als tolle Lernanlässe ansieht, dem kann ich mich nicht anschließen, weil es meine Arbeit ist, die in die Tonne geht. – So verliert man die Unterstützung im eigentlich motivierten Kollegium.
“Und weil sich die Umwelt so schnell verändert, brauchen Schulen agile Strukturen.”
Spannend finde ich es, nochmals auf diesen Punkt genauer einzugehen:
Sind schulische Bildung und Wissensvermittlung so egal, dass man sie bei jedem Windstoß umwerfen und neu aufbauen sollte? Oder haben wir es mit so grundlegenden Prozessen zu tun, dass man sie auf ein solides Fundament setzen sollte?
Gerade in einer sich schnell verändernden Umwelt benötigen Kinder und Jugendliche Stabilität. Sie brauchen solide Grundlagen und Methoden, um ihr Wissensnetz immer weiter zu erweitern. Ein paar kleine, verlorene “Kompetenz-Inselchen” ohne stabilen Unterbau bringen nichts.
Die Kluft zwischen digitalen Lebenswelten von Lehrkräften und Schüler*innen wächst. Viele fühlen sich pädagogisch und medienbildnerisch nicht ausreichend vorbereitet. In NRW wird der Fortbildungsbedarf nicht systematisch erfasst. Statt kohärenter Programme dominieren isolierte Tagesworkshops.
Wenn es für Lehrkräfte sinnvoll ist, ein sauberes Fundament zu bieten, warum sollte es für Schüler anders sein? Immer weniger Kinder können sinnentnehmend lesen, sich konzentrieren, vereinsamen, sind verängstigt.
Und was machen wir?
Hier ein kurzer Workshop zu BNE, da noch mal was zu Mobbbing, ein kleines Projekt zum Verfassungsschutz darf nicht fehlen, schnell noch etwas gesunde Ernährung, ein bisschen “queer” einbauen, Kids haben zu wenig Bewegung, also schnell noch ein bisschen Sport, den Rassismus nicht vergessen, aber dann sofort weiter zum Katastrophenschutz, an KI-Themen denken, aber Antisemitismus im Blick behalten, und natürlich mentale Gesundheit…
Statt agilem “Getrieben-Sein” wäre es doch sinnvoll, Schule und Schulentwickung mal wieder langfristig zu planen, Dinge gut zu durchdenken und dann sein schlüssiges Konzept zu fahren.
Zitat:
“Denn wir haben andere Dinge zu tun, als ständig Unterrichtseinheiten in irgendwelche neuen Online-Systeme einzupflegen.”
Die Folge davon, dass ich meinen gesamten Unterricht digital zur Verfügung gestellt habe war die, dass im Unterricht niemand mehr aufgepasst hat, das Lernen auf später (also nie) verschoben wurde und die SchülerInnen so schlecht waren wie nie zuvor.
Der einzige, der damit Arbeit hatte war ich. Genutzt haben es nicht mal 5 % und die lernen auch ohne diese digitale Hilfe gut.
“Also alles platt gemacht, viel Arbeit für die Tonne, und alles neu in ein anderes System eingepflegt. Spätestens beim dritten großen Umsturz hat man als Lehrkraft keinen Bock mehr.”
Das ist ein ernsthaftes Problem: Wie groß ist die Halbwertszeit der verwendeten Systeme?
Selbst beim agilen Software Projekt steht das Requirements-Engineering als Wekzeug parat.
Aber Anforderungserhebung als Methode des Requirements-Engineering (vgl UserStorys und Tasks, etc) ist nötig – ebenso wie beim Wasserfall-Modell oder beim V-Modell oder V-Modell eXtreme Tailoring – auch bei jeder gelingbaren Schulreform…
Bei einer agilen Projekt Bearbeitung steht eben nicht im Vordegrund “wir schmeißen immer alles um”, sondern “Wir machen stets ein Stücken weiter, achten aber darauf, dass das Projekt/Produkt weiterhin funktioniert”.
Agile Unterrichtsmaterialienerstellung ist so alt, wie es Unterricht gibt… das ist nichts Neues – nur die Digitalisierung erweckt den Anschein des Neuen (und häufig passt der digitale Werkzeugkasten einfach noch nicht.)
Es soll uns wohl suggeriert werden, das Lernen der “lernenden Organisation” hinge von der Digitalisierung ab. Das ist verständlich, wenn man bei “lernen:digital” arbeitet. Alle anderen aber werden möglicherweise denken, dass man auch anders vorgehen kann: Nicht die Bürokratie mit “Schulporträts, datengestützten Instrumenten” etc. digital bewältigen, sondern diese Bürokratie ABSCHAFFEN und den Schulen mehr Selbständigkeit geben, denn die höheren Bürokraten müssen gar nicht alles wissen. Diese “datengestützten” Dinge werden vermutlich zu einem Bürokratiemonster führen, zumal die digitalen Geräte selber auch noch viel Aufmerksamkeit erfordern, die dann woanders abgezogen wird. Man wird sich in “Arbeitsgruppen für Digitalisierung” immer mehr mit Problemen dieser Geräte beschäftigen müssen, z.B. unverständlichen Fehlermeldungen, Datenschutz, Datensicherheit etc. So als hätte man nicht schon genug zu tun.
Arbeitsgruppe Ölfarbe und Speckstein möge bitte zum PC 5 kommen …
Ich bin immer etwas skeptisch, wenn Ex-Lehrer uns sagen, wie wir arbeiten sollen. Warum haben sie es nicht selbst gemacht, als sie noch Lehrer waren?
Weil die Frau clever genetzwerkt hat.
Die Digitalisierung ist eh nur Geldmacherei. Computereinsatz im Informatikunterricht reicht.
Videoschnitt, Computergraphik und Perspektiv-Geometrie aber bitte fächerübergreifend 🙂
Ich liebe Menschen, die Hilfe anbieten. Was sich allerdings auch nicht von anderen politischen Entscheidungsträgern unterscheidet: ALLE DREHEN NUR AN EINER SCHRAUBE —- DEN Lehrkräften. Wenn ich schon höre, das MEDIENKONZEPTE lebendig sein sollten….
Die politisch Verantwortlichen sagen gerne: Wir geben der Schule mehr FREIHEIT. Aber nur dort, wo sie sich nicht die Hände verbrennen wollen.
Der fehlende schulexterne Support krankt schon daran, dass die fähigen ITler keinen minderbezahlten Job bei der Stadt annehmen, sondern in die freie Wirtschaft gehen, wo sie für ihre Expertise wesentlich besser bezahlt werden.
Ansonsten lese ich aus dem Interview heraus, dass am Ende ohnehin mal wieder die Lehrkräfte gefragt sind und jenes Wundermittel präsentiert bekommen, das zu allen Themen aus allen Richtungen schallert: Fortbildungen.
Eltern sollen auch digital fortgebildet werden? Wann? Von wem? Frau von Grumbkow darf uns gerne mal in diverse Familien begleiten. Danach wird sie selbst merken, dass wir an komplett anderen Baustellen arbeiten. Sie hat am Ende auch nur den Blick auf wohl funktionierende Gymnasien.
Keine Angst, auch Gymnasien laufen nicht (mehr) rund. Eigentlich läuft nichts nirgends rund!
An diesem Beispiel kann man wunderbar erkennen, dass viel an der Realität vorbeigeht. Beherrschend die Faszination KI. Individualisiertes Lernen, Projektarbeit, Lernmaterial, freies Arbeiten, Lernoasen (umgeben von einer Bildungswüste) für Eremiten bedroht von Wassermangel und Wissenserosion oder Waldsterben? Die Sanierung von Schulgebäuden und insbesondere der maroden Schultoiletten kann man sich dich sparen, wenn gerade mal wieder bei Tiktok als Challenge deren Demolierung als oberstes Ziel propagiert wird! Offene Formen des Lernens schon mal an Anschläge gedacht auf Schulen? Erfurt oder Winnenden, von amerikanischen Verhältnissen erst gar nicht zu reden! Ach ja, manche erinnern sich an Corona-Zeiten und das seinerzeitige Lernen. Diese Generation hat zwar das Kopieren von Aufgaben gelernt nur nicht das Kapieren. Hält sie für einen Rechtschreibfehler, ohne die Rechtschreibung zu kennen, aber kann ja mal passieren, aus Fehlern kann man lernen. Demzufolge muss man erst Fehler machen, um daraus etwas lernen zu können! Ein einziger Satz von Kant steht dem entgegen: “Was ist Aufklärung? Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit!” Er fügt hinzu: ” Sapere aude!” Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Manche sind angesichts der eigenen Mutlosigkeit schon bedient!
Aber für die hält die KI bestimmt eine Lernoase in der eigenen Bildungswüste bereit! VR ist dann nicht mehr Virtually Reality, sondern nur noch Verlust der Realität!
Der Artikel klingt spannend, und ich würde mir Wünschen, Schule wäre so flexibel.
Was ich mir aber noch mehr Wünsche ist ein Büro, in dem ich in Ruhe mit SchülerInnen und Eltern sprechen kann, Zeit um all die vielen Ideen umzusetzen, eine Erfassung der Arbeitszeit, zB durch Ganztagsschule von 8-17 Uhr mit Pause, die eine solche ist, und Räumlichkeiten, die überhaupt projektorientiertes, digitales Lernen möglich macht.
Kostenpunkt: 10 Millionen für Schule allein. Wenn es mal langt.
Leider haben wir aber nur Geld für Panzer und Raketen.
Ganztagsschule von 8-17 : Nein. Denn dann ist Kind [TM] mit ÖPNV und 7 km Fahrtweg erst um 21 Uhr zuhause.
13 Uhr Schul- und Betreuungsschluss reicht, denn dann ist Kind [TM] bei 7 km Fahrtweg um 16 Uhr zuhause.
Vielleicht hilft ja ein Buch was ich gelesen habe?
https://shop.tredition.com/booktitle/Bildung_neu_denken/W-484-820-323
Die ganzen Vorstellungen und Diskussionen hatten wir bereits 1 : 1 vor 20 Jahren.
Also nichts Neues!