Merz will Integrations-Preise verleihen. Und erntet Protest (“Wir sind das Stadtbild”)

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BERLIN. Der Talisman-Preis der Deutschlandstiftung Integration ehrt Menschen, die sich für Zusammenhalt engagieren. Laudator ist der Bundeskanzler. Beim Festakt kommt es zum Eklat: Junge Stipendiatinnen und Stipendiaten protestierten bei der Preisverleihung gegen Merz’ Stadtbild-Äußerung.

Doof gelaufen. Foto: Shutterstock / photocosmos 1

Aus Protest gegen die “Stadtbild”-Äußerung von Friedrich Merz haben rund 30 Menschen vor einer Rede des Kanzlers zum Thema Integration demonstrativ den Saal verlassen. Als Merz in Berlin bei der Verleihung des Talisman-Preises für gesellschaftlichen Zusammenhalt der Deutschlandstiftung Integration die Bühne betrat, gingen rund 30 Stipendiatinnen und Stipendiaten hinaus. Sie trugen Sticker mit der Aufschrift “Wir sind das Stadtbild” und positionierten sich im Eingangsbereich für ein Gruppenbild. Erst nach der gut 20-minütigen Rede nahmen sie ihre Plätze wieder ein.

Merz hatte Mitte Oktober bei einem Termin gesagt, die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, “aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen”. Erst eine Woche später wurde er konkreter: Probleme machten jene Migrant:innen, die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hätten, nicht arbeiteten und sich nicht an Regeln hielten.

Ehrung für engagierte Sportler:innen

Bei der Veranstaltung wurden Sportler:innen mit dem Talisman-Preis geehrt, die sich zum Thema von Sport und gesellschaftlichem Zusammenhalt engagieren. Veranstalter ist die Deutschlandstiftung Integration, deren Schirmherr Merz ist.

Der Kanzler lobte das Engagement der Anwesenden. “Sie sind Vorbilder für so viele junge Menschen, wie wir sagen, mit Migrationshintergrund”, sagte der Kanzler. “Sie zeigen, dass sich diese Anstrengung lohnt.”

Das Stipendien- und Mentoringprogramm der Deutschlandstiftung Integration richtet sich an begabte junge Menschen mit Migrationsbiografie im Alter von 18 bis 29 Jahren. Das zentrale Element des Programms ist die Mentoring-Partnerschaft. Allen Stipendiat:innen wird je ein Mentor oder eine Mentorin als Karriereberaterin und Türöffner zur Seite gestellt. Dabei setzt die Deutschlandstiftung Integration auf das Engagement erfahrener Akteurinnen und Akteure aus Politik, Wirtschaft, Medien, Kultur und Wissenschaft. News4teachers / mit Material der dpa

„Worte haben Wirkung“ – Schulleitungsverband kritisiert Kanzler Merz für seine Aussagen zum „Stadtbild“

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Unfassbar
1 Monat zuvor

Das war vermutlich eine geplante Aktion.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Merz ist der Schirmherr der Stiftung/gmbh/ggmbh, diese jungen Leute kriegen Geld von dieser Institution. Als Friedrich Merz würde ich die Förderwürdigkeit dieser Menschen mangels charakterlicher Eignung sehr infrage stellen.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Was bedeutet Mentoring- und Netzwerkstipendium konkret?

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Danke für den link. Es it also ein “ideelles Stipendienprogramm”. Heißt das, alle die dort tätig sind arbeiten ehrenamtlich und finanzieren sich selbst? Dann Chapeau!

Nnrif
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Nein, aber wir sind hier in westlichen Ländern, in denen Respekt gegenüber demokratisch gewählte Amtsinhaber noch etwas gilt. Kritik ist keine Einbahnstraße. Und das “Wie man sich in der Öffentlichkeit benimmt” gehört zur eigenen Integration dazu.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Nnrif

Ach ist wie bei Lehrkräften, Respekt der SuS muss man sich erst einmal verdienen.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Nnrif

“in denen Respekt gegenüber demokratisch gewählte Amtsinhaber noch etwas gilt.”
Bspw. durch das Verlassen des Raumes, anstatt Todesdrohungen zu verschicken, oder politische Gegner zu vergiften

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Ihre Empörung ist wohl vielmehr zum Einen ein Lob auf die freie Gesellschaft in Deutschland, zum Anderen eine Anerkennung des Verhaltens von Herrn Merz, der – nicht so wie hier – sich beschwert, dass ihn alle zu mögen haben ^^

JonasG
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Vor allem waren es sicher Personen, die selbst sehr weit weg vom Stadtbild im sicheren Speckgürtel wohnen. Ich erlebe in dieser Debatte sehr viel Doppelmoral.

Wir sind das Stadtbild!! Aber liebe Tochter halte dich nachts von Bahnhöfen fern, komme zur Dunkelheit nach Hause und bleibe in unserer sicheren Vorstadt. Setze keinen Fuß nach Berlin Neukölln, Duisburg Marxloh oder Dortmund Nordstadt…..

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  JonasG

Wer braucht schon Bahnhöfe, wenn man einen Privatflieger besitzt 😉

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Es gibt ja einen Kandidaten für die Landtagsahl in “The Länd”, der von unerträglichen Zuständen in Innenstädten und Frauen, die Angst hätten nachts an Bahnhöfe zu gehen, geschrieben hat.

Den habe ich allerdings schon mal persönlich an einem Bahnsteig angetroffen, als er auf den ICE nach Berlin gewartet hat.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  ed840

Ja, Sie mögen die Grünen nicht.

Wenn Sie ihn jedoch an einem Bahnhof antrafen, stört dies jedoch wohl ein wenig den Whataboutism.
DASS Sie Begehnung erwähnen, ehrt imerhin Ihre Ehrlichkeit – Respekt 🙂

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sie wissen doch längst, dass Ihre plumpen Diffamierungsversuche bei mir nicht fruchten. Aber immer wieder amüsant zu lesen, wie tief Sie bereit sind zu gehen.

War übrigens eine nette Begegnung am Bahnsteig, nach der Biofachmesse, und ich bin realtiv sicher, dass der massive Absturz seiner Partei , besonders bei den Jungwählern, nicht unbedingt an ihm oder seiner Kollegin im Umweltministerium lag.

AvL
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

……oder einen Porsche fährt, da rauscht der Alltag so schnell an einem vorbei.

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  JonasG

Ich kann mich auch noch an die Aussage einer Politkerin zum Görlitzer Park in Kreuzberg erinnern.

Brennpunktschule
1 Monat zuvor

Es ist schon an vielen Stellen etwas dazu geschrieben worden.

Ein Eklat war es sicher nicht. Eher ein Zeichen, dass da vieles nicht verstanden wurde. Von den Stipendiaten.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Eine angemessene Reaktion, um die Union darauf zu stoßen, wer politisch verprellt wird, wenn populistisch gegen Migration gekeilt wird.
Angeblich interessiert sich die Regierung ja für gut ausgebildete Migrant:innen…

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Nur interessieren diese gut ausgebildeten Migranten sich blöderweise nicht wirklich für ‘Schland – so kann es gehen. 😀

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  447
Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Wie kommen Sie auf diese völlig falsche Annahme?

Es traf und kränkte diese Frauen, als störend im Stadtbild wahrgenommen zu werden – denn zwischen Migrations- und Fluchthintergrund sowie abgelaufenen Aufenthaltsrecht SIEHT nichtmal ein Herr Merz den Unterschied, polterte daher gegen alle.

“Wir sind das Stadtbild” lässt Sie glauben, diese Frauen interssieren sich “nicht wirklich”?

AvL
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Teile gut ausgebildeter und gut verdieneder Lehrpersonen interessieren sich blöderweise in Teilen nicht wirklich für eine Integration von Migranten in Deutschland – so kann es gehen.

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  AvL

Selbst wenn das das Ihre Erfahrung sein sollte, muss das aber nicht überall so sein.

In dem Bundesland, in dem ich wohne, scheint das ganz gut zu klappen.

Bei IQB-2024-Mathe schnitten z.B. die Schüler*innen mit Migrationshintergrund insgesamt schon besser ab als der Gesamtschnitt aller Schüler*innen in einigen anderen Bundesländern, die Schüler*innen mit Migrationshintergrund 2. Generation schnitten besser ab als die Schüler*innen ohne Migrationshintergrund in manch anderen Bundesländern.
Laut einer Studie der MLU-Halle waren die Sprachniveaus junger Geflüchteter signifikant besser als die der Pendants in anderen großen Bundwesländern und laut BA klappt auch die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders gut.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  ed840

“Bei IQB-2024-Mathe schnitten z.B. die Schüler*innen mit Migrationshintergrund insgesamt schon besser ab”
Wie erkennen Sie und Herr Merz diese am Stadtbild? Es wird Rassismus kritisiert, nichts anderes

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Es würde mich in der Tat nicht wundern, wenn Sie nicht wissen wofür IQB steht und wie diese Merkmale dort festgestellt werden. Sie brauchen aber gar nicht erst nach links oder Quellen fragen, ich werde Ihnen keine liefern.

Teile gut ausgebildeter und gut verdieneder Lehrpersonen interessieren sich blöderweise in Teilen nicht wirklich für eine Integration von Migranten

Wenn Sie das für Ihr Bundesland für zutreffend halten wollen, sei Ihnen das natürlich unbenommen.