BERLIN. Die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage unter Lehrkräften und Schulleitungen zeigen ein deutliches Bild: Die Empfehlungen des Bürgerrats Bildung und Lernen stoßen vielerorts in den Kollegien auf Unterstützung – allerdings mit Grenzen, insbesondere bei Vorschlägen zur Leistungsbewertung. Die Auswertung der Befragung, an der Anfang November 1.134 Personen teilnahmen (wozu News4teachers aufgerufen hatte), wurde auf der Abschlusskonferenz des Bürgerrats in Berlin vorgestellt. Der VBE begrüßt die Empfehlungen als wichtigen Impuls.

Im Mittelpunkt stehen Reformideen, die direkt in die Schul- und Unterrichtspraxis hineinwirken. Besonders hohe Zustimmung erzielen Vorschläge, die als alltagstauglich und praxisnah wahrgenommen werden: So bewerten 86 Prozent der Befragten die Empfehlung, digitales Lernen als sinnvolle Ergänzung des Unterrichts zu etablieren, positiv. Damit ist dies die Reformidee mit der größten Unterstützung. Auch demokratische Bildung findet breite Zustimmung: 86,6 Prozent der Teilnehmenden befürworten eine stärkere Verankerung von Partizipation und demokratischen Prozessen im Schulalltag. Noch deutlicher ist die Haltung in Förderschulen, wo die Zustimmung bei 97,9 Prozent liegt.
Ebenfalls weit vorn: die Wahlfreiheit im Ganztag. Mehr als 80 Prozent der Lehrkräfte und Schulleitungen sprechen sich dafür aus, dass Familien frei zwischen Ganztag und Halbtag wählen können.
Eine der überraschenden Erkenntnisse betrifft das Thema Hausaufgaben: Die Idee, diese durch sogenannte Vertiefungsstunden im Schulalltag zu ersetzen, trifft bei 63,8 Prozent der Befragten auf Zustimmung. Besonders offen zeigen sich hier Grund- und Förderschulen, während Gymnasien mit einer Zustimmung von etwas mehr als 50 Prozent zurückhaltender reagieren.
Während Grund- und Förderschulen Reformvorschlägen gegenüber mehrheitlich positiv eingestellt sind, reagieren Gymnasien und berufliche Schulen deutlich skeptischer
Deutliche Unterschiede zeigen sich bei Reformvorschlägen, die etablierte Strukturen der Leistungsbewertung berühren. Die Empfehlung, Noten erst ab Klasse 9 zu vergeben, wird von einer klaren Mehrheit (71 Prozent) abgelehnt. Besonders stark ist die Ablehnung in Gymnasien und beruflichen Schulen. Nur in Grundschulen ist die Zustimmung etwas höher, bleibt aber ebenfalls unter der Hälfte der Befragten.
Ähnlich kritisch sehen die Teilnehmenden die freie Wahl der Prüfungsform: 72 Prozent lehnen den Vorschlag ab. Beim selbstbestimmten Zeitpunkt von Leistungsnachweisen ergibt sich ein vergleichbares Bild – nur 36,4 Prozent der Befragten stimmen zu, 63,6 Prozent lehnen die Empfehlung ab.
Über alle abgefragten Dimensionen hinweg zeigt sich ein klares Muster: Während Grund- und Förderschulen Reformvorschlägen gegenüber mehrheitlich positiv eingestellt sind, reagieren Gymnasien und berufliche Schulen deutlich skeptischer. Große Unterschiede gibt es auch zwischen Lehrkräften und Schulleitungen. Schulleitungen sind fast durchweg reformoffener – etwa beim digitalen Lernen, der Schülerpartizipation oder der Idee selbstbestimmter Leistungszeitpunkte. So sprechen sich 54 Prozent der Schulleitungen dafür aus, Schülerinnen und Schüler über den Zeitpunkt von Leistungsnachweisen selbst entscheiden zu lassen. Unter Lehrkräften lehnt eine klare Mehrheit diesen Vorschlag ab.
In der zusammenfassenden Bewertung zeigt sich damit ein ambivalentes Bild: Hohe Zustimmung für Themen wie Digitalisierung, Demokratiebildung und Wahlfreiheit – deutliche Ablehnung bei Vorschlägen, die Bewertungsstrukturen oder Prüfungsformen grundlegend verändern würden. Die Ergebnisse lassen zudem erkennen, dass die Haltung zu Reformen stark vom jeweiligen Schulkontext geprägt ist.
Die Umfrage lief vom 1. bis 7. November 2025. Insgesamt nahmen über 1.100 Personen aus allen Schulformen teil, davon knapp 90 Prozent Lehrkräfte und gut 10 Prozent Schulleitungen. Die Zusammensetzung der Stichprobe bildet weitgehend die Struktur der Lehrkräfte in Deutschland ab. Die Auswertung gilt daher als statistisch valide, auch wenn sie nicht im engeren wissenschaftlichen Sinne repräsentativ ist.
„Durch die tiefe Beschäftigung mit Themen entstand oftmals ein progressiverer Blick, wobei die Empfehlungen den Positionen des VBE teilweise stark ähneln“
Im Anschluss an die Vorstellung der Ergebnisse begann in Berlin die zweitägige Abschlusskonferenz des Bürgerrats Bildung und Lernen unter dem Titel „Bildung, bitte!“. Mehr als 120 Mitglieder des Bürgerrats kommen dort mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Bildungspraxis zusammen – darunter OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher, der Bremer Bildungssenator Mark Rackles, die Jugendforscherin Nina Kolleck sowie Vertreterinnen und Vertreter von Bildungsverbänden und Schülerschaften. Gemeinsam beraten sie darüber, wie die in fünf Jahren erarbeiteten Empfehlungen in die Praxis gebracht werden können.
Für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) nimmt der stellvertretende Bundesvorsitzende Tomi Neckov teil. Er begrüßt den langjährigen Arbeitsprozess und die intensive, evidenzbasierte Auseinandersetzung mit dem Thema: „Nur weil jemand eine Schule besucht hat, macht einen das noch nicht zum Bildungsexperten. Der Bürgerrat hat es in vorbildlicher Weise geschafft, das eigene Erleben durch wissenschaftliche Studien und den Austausch verschiedener Meinungen so zu ergänzen, dass tragfähige Abstimmungsergebnisse zustande gekommen sind. Damit ist der Bürgerrat als solches ein erfolgreiches Modell und ein Partizipationskatalysator. Durch die tiefe Beschäftigung mit Themen entstand oftmals ein progressiverer Blick, wobei die Empfehlungen den Positionen des VBE teilweise stark ähneln.“
Dies gelte zum Beispiel für:
- Partizipation von Kindern und Jugendlichen,
- Relevanz des Sprachenlernens,
- individuelleres, lebensnahes Lernen,
- sinnvolle Ergänzung analoger und digitaler Lernmethoden und
- bessere Chancen für Jugendliche ohne Schulabschluss.
Neckov betont, wie wichtig der ergänzende Blick des Bürgerrates sei: „Die ausschließlich defizitorientierte Betrachtung des Bildungssystems bringt uns nicht weiter. Aber wenn der Bürgerrat sich als ‚Spiegel der Gesellschaft‘ damit beschäftigt und zu einem modernen Bildungsverständnis gekommen ist, macht das Mut. Am Ende wissen wir: Die Kinder von heute brauchen für ihren Alltag in der Zukunft Kompetenzen, die wir durch die Art, wie wir lehren und lernen, befördern müssen. Dazu gehört ganz eindeutig, sie frühestmöglich in Entscheidungsprozesse einzubinden – altersgerecht und alltagsnah.“ Zudem sieht er hier auch eine Möglichkeit, Selbstwirksamkeit zu erfahren: „Diese Schlüsselerfahrung braucht es unbedingt als Teil eines gesunden Aufwachsens von Kindern.“
Der Bürgerrat Bildung und Lernen, initiiert von der Montag Stiftung Denkwerkstatt, ist bundesweit einzigartig. Mehr als 700 zufällig ausgewählte Menschen – darunter auch Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren – haben seit 2021 gemeinsam beraten, wie ein gerechtes und zukunftsfähiges Bildungssystem aussehen sollte. Im Mittelpunkt stand dabei die Beteiligung möglichst vieler Perspektiven. Die Mitglieder des Bürgerrats diskutierten über frühkindliche Bildung, Schulstrukturen, Lernkulturen und Fragen der beruflichen Bildung. Die nun vorgelegten Empfehlungen reichen von stärkerer Partizipation über veränderte Lernformen bis hin zu strukturellen Fragen des Schulsystems.
Für die Initiatoren ist mit der Abschlusskonferenz der Prozess nicht beendet. Vielmehr gehe es nun darum, die Impulse des Bürgerrats in Politik und Praxis zu verankern. News4teachers
Hier lassen sich die vollständigen Ergebnisse der Umfrage herunterladen.









Ist das eine repräsentative Umfrage? Oder konnte jeder online abstimmen?
Die Umfrage ist nach streng wissenschaftlichen Kriterien nicht repräsentativ. Die Befragten stimmen aber in wesentlichen Eigenschaften mit der Grundgesamtheit überein (Anteil Grundschullehrkräfte in Deutschland: 25,8 %, Anteil Grundschullehrkräfte an der Umfrage: 26,9 Prozent – Anteil Gymnasiallehrkräfte in Deutschland: 21,1 %, Anteil Gymnasiallehrkräfte an der Umfrage: 23,9 %, Anteil Frauen an der Lehrerschaft der allgemeinbildenden Schulen in Deutschland: 73,1 %, Anteil Frauen an der Umfrage: 70,1 %). Die Umfrage kann deshalb als
statistisch valide gelten.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Repräsentativ? Natürlich nicht. Wenn nur die mitmachen, die mitmachen wollen, verzerrt das jedes Ergebnis. Kann man in der Pfeife rauchen.
Welche wissenschaftliche Studie kennen Sie denn, die auf zwang basiert ?
Wahrscheinlich meinen Sie aber eine zufällige Stichprobe, aber auch da kann man jederzeit nein sagen.
Das ist trotzdem anders. Es wird ja nach gewissen Kriterien vorgegangen. Bei wissenschaftlichen Studien kommt es somit sogar vor, dass Bereitwillige nicht teilnehmen dürfen oder ihre Antworten nicht berücksichtigt werden, weil sie den Kriterien nicht entsprechen oder man bereits genügend Menschen befragt hat, die den Kriterien entsprechen.
Wenn nur die mitmachen dürfen/wollen, deren Sichtweise nicht Ihrer eigenen widerspricht, ist das natürlich viel repräsentativer. Denn schließlich gilt für diese das Motto “Wir sind das Volk” und alle anderen sind nur das Ergebnis verzerrende Minderheitsmeinungen, die “man in der Pfeife rauchen” kann.
Es wäre noch zu erwähnen, dass bestimmte Reformideen in der Umfrage mit gewissen Voraussetzungen und Bedingungen verknüpft waren (digitales Lernen <-> Ausstattung und Finanzierung, Vertiefungsstunde <-> Resourcen, demokratische Grundwert <-> Räume, Resourcen, Zeiten, Fortbildungen, …). Nicht, dass das im Reformeifer vergessen wird.
Ganz allgemein verbesserte Arbeitsbedingungen zusammen mit wertschätzendem Gehalt.
Es sollte nicht sein, dass erst die Gerichte die Wertschätzung umsetzen und das teils nach Jahren.
Damit die Schere bei Akademikern nicht weiter auseinandergeht, wo viele 3 Tage gemütlich und warm im Homeoffice sitzen und dann noch 35-Stunden Woche genießen und Lehrer an 5 Tagen voll in Präsenz hinfahren, Stress haben, mehr Pendelzeit mitbringen und dann noch Ansteckungsgefahren vorfinden.
Daher:
4-Tage Woche
30 % Homeschooling, online-Unterricht Ausbau
DB&GK online
Gehalt um 17 % rauf
“Ich finde auch, dass die Kinder alle mehr zuhause sein sollten, dann muss ich mich nicht so viel mit ihnen herumplagen.”
Das sollten Sie, wenn Sie sich ehrlich machten, endlich mal dazuschreiben.
Ich würde Ihre Petition jedenfalls nicht unterschreiben, denn ich sehe das Verbesserungspotenzial ganz woanders.
Die “Realistin” schreibt doch unter jeden Artikel den gleichen Unsinn, egal ob es passt oder nicht. Sie mag halt keine Kinder und ist am Unterrichtserfolg nicht interessiert. Kinder brauchen Präsenzunterricht, Online-Unterricht ist durchgehend durch alle Klassenstufen von 1-13 deutlich weniger effizient. Das hat Corona eindeutig gezeigt. Aber sie träumt davon, faul auf der Terasse zu sitzen und Kaffee zu schlürfen, wenn sie etwas tut, was sie dann Unterricht nennen würde.
Freunde, es kann aber nicht sein, dass die Einen 34 Stunden Woche haben und wir über 41 in voller Präsenz.
Und dann noch 3 Tage schön gemütlich im Homeoffice im Eisregen.
Nein, da haben sich die Bedingungen einfach zu weit auseinanderverschoben
🙁
Ich dafür schon, ich sehe das Verbesserungspotential genau an den von Realistin gemachten Punkten!
Aber interessant wie man gleich als an Kindernhassende Faluenzerin gebrandmarkt wird, sobald man die Arbeitsbedingungen von Lehrer verbessern will….
Was das wohl über euch aussagt?!
Wer solche Verbesserungen fordert, kann keine echte Lehrkraft sein.
Die Bedingungen sind schlecht, aber durch Digitalisierung und Home Office werden sie nun einmal nicht besser.
Wer so tickt, kann doch keine Freude an der Arbeit mit Heranwachsenden haben. Die braucht man aber, um unseren Beruf gut zu machen.
Wer sich ausgerechnet über Präsenz beschwert, hat definitiv den falschen Beruf für sich gewählt und sollte sich diesbezüglich mal ehrlich machen.
Das ist keine Verbesserungen der Bedingungen, das ist Käse. Ich bin auch für weniger Arbeitszeit als jetzt (die läuft gerade mal wieder aus dem Ruder). Aber doch nicht mit Homeoffice. Weniger Stunden und weniger Verwaltung wären super.
Aber weniger Kontakt mit SuS ist doch Schwachsinnig, dann hätte ich ja nicht Lehrer werden sollen. VOn daher gerne tatsächlich konstruktive Vorschläge zur entlastung, aber nicht jedes mal den Scheiß mit zu Hause beliben und online Unterricht. Realistin ha sicher nie im Leben online unterrichtet, sonst würde sie so einen Kram nicht verzapfen. Sorry, aber langsam nervt das einfach.
Online-Unterricht ist der Weg zur signifikanten Senkung der Kosten im Bildungssystem.
Offshore sind die Kosten 50 bis 80 Prozent niedriger.
Realistin sollte ihren Nickname in Egoistin umändern – dieser wäre ehrlicher. Denn um Schüler geht es ihr – und ihren Upvotern? – bestenfalls nur sekundär, primär ist dagegen ihre eigene Bequemlichkeit.
Unabhängig davon, dass Sie mit ihren Beiträgen das Lehrerbild in der Öffentlichkeit weiter beschädigt bzw. negativ zementiert, ist sie relativ schnell durch eine KI ersetzbar, denn Pädagogik und Beziehungsarbeit mit Schülern scheint für sie entbehrlich zu sein.
Augen auf bei der Berufswahl?Im übrigen ging es um ein anderes Thema?Vielleicht sollten Sie den Job wechseln?Dauernde Unzufriedenheit und mangelnde Wertschätzung,gepaart mit Überlastung,führt zum Krankwerden.
Klar sind Schulleiter reformorientierter. Sie müssen ja auch jeden Quatsch, der von oben kommt durchsetzen. Umsetzen müssen wir Lehrkräfte das aber alles. Es ist unsere Mehrarbeit. Beispiel Testzeitpunkt selbst wählen: Ich kann dann jeden Test nur 1x schreiben lassen, danach sind die Inhalte bekannt. Ändert man den Test nicht, ist immer nur der erste Schüler im Nachteil. Unterschiedliche Testformate wären gar nicht vergleichbar. Schüler müssen lernen, sich auf eine Prüfung zu einem bestimmten Termin vorzubereiten. Das ist auch eine Kompetenz. Dieser Kuschelmodus, der immer weiter um sich greift, geht mir tierisch auf die Nerven und er schadet den Kindern. Wer nicht fördert und hohe Erwartungen hat, der lässt dir Kinder unter ihren Möglichkeiten. Wir haben eine Fürsorgepflicht und die beinhaltet auch, die Kinder zum Lernen zu bringen und nicht es ihnen maximal gemütlich zu machen.
An der Schule (Gym.) meiner Tochter gibt es für die Nachschreibenden auch immer die gleiche Klassenarbeit. Die machen sich schon heute nicht mehr die Arbeit, eine neue zu erstellen.
Beim Matherad in der Grundschule lief das m.W.n. auch so…
Ist auch kaum nötig, Chemietest mit 2/3 Note fünf oder sechs (ja, vorher dreimal in unterschiedlicher Form geübt), Rückgabe, Besprechung, Fragen. In der übernächsten Woche gleicher Test, wieder 50% schlechter als vier. Nein, spezielle Nachschreibarbeiten braucht man höchstens noch aus juristischen Gründen, sicherlich nicht wegen der Gerechtigkeit.
Ne, die Arbeiten gibt es dann natürlich erst zurück, wenn alle geschrieben haben.
Bei solchen wiederholt schlechten Ergebnissen sollte man besser auch den eigenen Unterricht evaluieren – und nicht alles sofort auf die “Schüler” schieben.
Natürlich kann dies gut so sein – aber das wahrscheinlichere Ursachenmuster sieht gemäß Ockhams Knife oft anders aus.
Das ist nicht vergleichbar, oder?
Hey, aber netter Versuch!
Ich weiß leider nicht, wie z. B. die Alemannenschule Wutöschingen das mit ihren Gelingensnachweisen handhabt, aber ich könnte mir vorstellen, dass es da auch nicht für jeden gleich einen neuen gibt.
Nix da! Gibt’s bei mir / rrsp. bei uns nicht … da kann es eher passieren, dass die Nachschreibarbeit nicht so optimal auf die SuS zugeschnitten ist, da es in vielen Fächern schlicht nicht die “unendliche Masse an gleichgut geeigneten Materialien” gibt … was bei gestimmten SuS dazu führt, dass sie doch nicht mit der Haltung agieren ” den ersten Durchlauf schwänze ich mal, um schon mal zu sehen, was so gefordert wird” … und diejenigen, die tatsächlich leicht verschnupft oder unwohl sind motivueren sich dennoch, zum erdten angesetzten Termin zu erscheinen.
Und die tatsächlich Erkrankten bekommen auch die suboptimalen Klausuren – frei nach dem Motto: Selber schuld, warum werden diese auch krank bzw. was nicht unmittelbar das Leben gefährdet, ist auch keine Krankheit.
“Agere contra rationem tuam, ut fiat voluntas tua”
Mache ich auch so, ich bin doch nicht blöd. Vorher gibts die alten nicht zurück.
An der Schule meiner Kinder und an meiner Schule nicht. Und nun?
Das zeigt nur, dass es unterschiedlich gehandhabt wird. Mehr wollte ich auch nicht aufzeigen.
Und das ist repräsentativ, weil es an der Schule Ihrer Tochter so gehandhabt wird?
Nein, aber es ist offensichtlich machbar.
Ich hatte das letztens in einem Chemie-Test. Die SuS sollten einfach für ein paar Elemente ein paar Infos aus dem – ihnen vorliegenden – Perioidensystem herauslesen.
Die Nachschreiber bekamen einfach andere Elemente, das haben sie aber nicht gerafft. Statt zu lernen, wie man Infos abliest (!) haben sie offenbar die Lösungen des alten Tests gelernt und einfach sämtliche Angaben falsch beantwortet. Das muss man auch erstmal schaffen…
Ich habe denen die gleichen Mathe-Aufgaben wie beim Ersttermin in abgeänderter Reihenfolge und auf grünem statt weißen Kopierpapier gegeben. Allgemeiner Tenor:
“Sie sind voll fies, die Nachschreibarbeit war viel schwerer.”
Es gibt Momente, in denen der Beruf so richtig Spaß macht
Erheiternd auch Vokabeltests in A- und B-Versions für Nachbarn, nur andere Reihenfolge…
Absolute Zustimmung!!
Pauschalisierungen, die auch bei anderen immer weiter um sich greifen, gehen dagegen mir tierisch auf die Nerven. Für einen Akademiker sind diese sogar eine Schande – genauso wie die Bequemlichkeit, die bei Ihrem und vielen anderen Beiträgen durchscheint und die bei Schülern dagegen gerne abgelehnt wird.
Wer durchaus zurecht mehr Leistungsbereitschaft bei den Schülern einfordert, sollte mMn mit gutem Beispiel vorangehen – und sich sonst nicht wundern, wenn die Schüler einen durchaus durchschauen und nicht mehr respektieren.
Mehr Kooperation zwischen Lehrkräften würde übrigens einige Ihrer Argumente entwerten. Aber es gibt bestimmte Lehrertypen, die gerne glauben, dass nur sie selbst die Weisheit für sich gepachtet haben.
Deshalb werden die auch immer bevorzugt befragt. Viele trauen sich auf einfach nicht, die wahren Zustände nach oben zu benennen. Eigenes Scheitern und so … ist natürlich Quatsch.
“Unterschiedliche Testformate wären gar nicht vergleichbar.”
… das Thema Inklusion fordert aber genau das.
Nämlich dass wenn Zeitverlängerung nicht hinreicht auch andere Formate anzubieten sind.
Eine der überraschenden Erkenntnisse betrifft das Thema Hausaufgaben: Die Idee, diese durch sogenannte Vertiefungsstunden im Schulalltag zu ersetzen, trifft bei 63,8 Prozent der Befragten auf Zustimmung. Besonders offen zeigen sich hier Grund- und Förderschulen, während Gymnasien mit einer Zustimmung von etwas mehr als 50 Prozent zurückhaltender reagieren.
Das könnte daran liegen, dass Grund- und Förderschulen vielleicht andere Betreuungsmöglichkeiten haben, die solche Vertierfungsstunden / Lernstunden ermöglichen. Oder vielleicht sind die Lehrkräfte dort einfach etwas idealistischer.
Aus der Gesamtschule kann man sagen, dass solche Lernzeiten gerade von denjenigen nicht vernünftig genutzt werden, die auch keine Hausaufgaben machen würden.
→ Es bringt also nicht viel.
Da für solche Stunden aber keine Unterrichtsvorbereitung benötigt wird, werden sie bei uns einfach als halbe Stunden gerechnet. So kann man den Stundenplan auch vollgeballert bekommen.
Wer sowieso arbeitet und auch zu Hause arbeiten würde, macht das auch in solchen Stunden, wäre aber zu Hause weniger gestört dabei…
Die Empfehlung, Noten erst ab Klasse 9 zu vergeben, wird von einer klaren Mehrheit (71 Prozent) abgelehnt. Besonders stark ist die Ablehnung in Gymnasien und beruflichen Schulen. Nur in Grundschulen ist die Zustimmung etwas höher, bleibt aber ebenfalls unter der Hälfte der Befragten.
Für Grundschullehrer ist es irrelevant, ab wann die weiterführenden Schulen Ziffernnoten geben, so wie für mich der Unterricht in Berufsschulen relativ egal ist und ich nicht um Besonderheiten der SuS dort weiß.
Wir vergeben Ziffernnoten erst in der 8. Klasse. Für viele Schüler ist das ein unsanftes Erwachen – aber die Kids haben noch Zeit sich aufzurappeln und am Ende der 9. Klasse den Hauptschulabschluss zu schaffen.
Wer sowas nicht kennt, mag es sogar in Ordnung finden, erst in Klasse 9 Noten zu vergeben und dann halt viele Jugendliche ohne Abschluss von der Schule zu entlassen…
Ähnlich kritisch sehen die Teilnehmenden die freie Wahl der Prüfungsform: 72 Prozent lehnen den Vorschlag ab. Beim selbstbestimmten Zeitpunkt von Leistungsnachweisen ergibt sich ein vergleichbares Bild – nur 36,4 Prozent der Befragten stimmen zu, 63,6 Prozent lehnen die Empfehlung ab.
Natürlich ist Lehrkräften klar, dass gerade die schwachen Schüler gerne eine tolle Prüfungsleistung wie einen Vortrag machen würden (zu Hause von ChatGPT erstellt), den sie so vor sich hinstammeln könnten. Warum eine böse Klassenarbeit schreiben? So ist es doch viel chilliger.
Gerne wird das von Schülerfeedback begleitet – mit Aussagen wie: “Du hattest Informationen!” oder “Du hast Begriffe verwendet.“…
Wenn man Klassenarbeiten zu selbstbestimmten Zeitpunkten schreiben lässt, kommt man aus dem Erstellen von Klassenarbeiten gar nicht mehr heraus. Schließlich kann man ja nicht immer die gleiche Klassenarbeit schreiben lassen, dennoch muss der Schwierigkeitsgrad gleich sein. Es ist doch jeder Lehrkraft klar, dass das nach rechtlichen Schritten schreit, wenn dabei nicht die gewünschte Note herauskommt…
Schulleitungen sind fast durchweg reformoffener – etwa beim digitalen Lernen, der Schülerpartizipation oder der Idee selbstbestimmter Leistungszeitpunkte. So sprechen sich 54 Prozent der Schulleitungen dafür aus, Schülerinnen und Schüler über den Zeitpunkt von Leistungsnachweisen selbst entscheiden zu lassen. Unter Lehrkräften lehnt eine klare Mehrheit diesen Vorschlag ab.
Aus o.g. Gründen wundert es mich, dass Schulleitungen, die ja selbst auch unterrichten, selbstbestimmten Zeitpunkte für Klassenarbeiten in Ordnung finden. Machen die sich keine Gedanken darüber, was das für ihre Lehrkräfte bedeutet?
Das sollte man schon relativieren! Eine Empfehlung, digitales Lernen als sinnvolle Ergänzung des Unterrichts zu etablieren, ist nicht innovativ, sondern auf der Hand liegend und unumgänglich.
Die Idee, Hausaufgaben abzuschaffen und durch Vertiefungsstunden zu ersetzen, ist auch nicht sonderlich innovativ (weil gerade in Zeiten von KI sehr naheliegend), setzt eigentlich einen verpflichtenden Ganztag voraus, was im Widerspruch zu der Wahlfreiheit des Ganztages steht.
Hier klebt auf einigen Belanglosigkeiten und Banalitäten das Label “Innovation”.
Nun weisen Sie doch nicht so miesepetrig auf die ganzen Widersprüche hin. Schließlich ist es Aufgabe der Lehrkräfte, dass Unmögliche möglich zu machen. Das erwartet die Gesellschaft schließlich schon immer von Ihnen. Schauen Sie in Ihr Schulgesetz, Abschnitt “Quadratur des Kreises”.
Jepp, mission impossible….
Jetzt sind wir schon wieder bei diesem ominösen „digitalem Lernen“…
Jetzt sein Sie doch nicht so. Die armen Firmen wollen ihre überteuerten Geräte doch auch an den Mann / die Frau bekommen. Da brauchen wir einfach “digitales Lernen”.
Da jedes Jahr ein neuer Jahrgang bspw. mit iPads startet, ist das ein unfassbar gutes Geschäftsmodell. Und dann sind die Kinder auch schon früh auf die Marke geprimed und wollen zu Weihnachten das passende iPhone etc.
digitales Lernen ist binäres Lernen …
lernt , lernt nicht , lernt , lernt nicht …
so war das schon zu Zeiten bevor es elektronische Datenverarbeitungsanlagen gab.
Man könnte also sagen, digitales Lernen gibt es seit es Menschen gibt 🙂
lernt , lernt nicht , lernt , lernt nicht …
“[…] während Gymnasien mit einer Zustimmung von etwas mehr als 50 Prozent zurückhaltender reagieren.”
Finde das nicht sonderlich überraschend und würde dem tendenziell zustimmen. Schüler:innen an Gymnasien, haben – als Bildungsgewinner:innen – weniger Probleme mit Hausis und können diese auch eher zum Wissenserwerb einsetzen.
Hier wäre eher die Frage danach, wie Gymnasiast*innen unterstützt werden können, die bspw. kein ruhiges Lernumfeld oder Unterstützung vorfinden
“Schüler:innen an Gymnasien, haben – als Bildungsgewinner:innen – weniger Probleme mit Hausis und können diese auch eher zum Wissenserwerb einsetzen.”
Schon mal mit Gymnasiallehrern gesprochen? Wenn das nicht gerade das “Frodo-Beutlin- Gymnasium” in Hobbingen ist, dann stimmt das schon lange nicht mehr.
Sehe ich auch so..
Das mit den Vertiefungsstunden anstatt Hausaufgaben wird bei uns schon umgesetzt. Grundsätzlich eine gute Idee. Wir haben aber keinerlei zusätzliche Lehrerstunden dafür bekommen. D.h. jeglicher anderer “Luxus” wie Förderstunden etc. fällt weg.
Alternative: Die Vertiefungsstunden werden von Erziehern des Ganztags betreut. Die können aber häufig nicht fachlich unterstützen.
“Schulleitungen sind laut aktueller Befragung deutlich reformoffener als Lehrkräfte, wenn es darum geht, dass Schülerinnen und Schüler selbst den Zeitpunkt von Leistungsnachweisen bestimmen dürfen. 54 % der Schulleitungen würden das zulassen – viele Lehrkräfte lehnen es dagegen ab.”
Bevor wir daraus einen Vorwurf an die Kollegien machen, sollten wir ehrlich hinschauen: Weder die Lehrerausbildung noch der aktuelle Schulalltag sind auf selbstgesteuertes Lernen und flexible Leistungsformate vorbereitet. Selbstbestimmte Leistungszeitpunkte setzen voraus, dass Kinder und Jugendliche wirklich lernen, ihren Lernprozess zu planen, sich Ziele zu setzen und Verantwortung für ihren Lernweg zu übernehmen. Genau diese Kultur des offenen, selbstgesteuerten Lernens findet an vielen Schulen kaum statt – schlicht, weil dafür Zeit, Strukturen und oft auch Fortbildung fehlen.
Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Lehrkräfte zurückhaltend reagieren. Viele spüren vermutlich, dass die Idee pädagogisch sinnvoll sein könnte – aber unter den derzeitigen Rahmenbedingungen wirkt sie kaum umsetzbar. Wenn wir also ernsthaft über solche Reformen sprechen wollen, müssen wir zuerst das System verändern: Ausbildung, Stundenpläne, Klassengrößen, Unterstützung im Alltag. Erst dann können wir von Lehrkräften erwarten, mutig neue Wege in der Leistungsbewertung zu gehen.
Richtig. Das will auch erstmal gelernt sein – sich selbst steuern oder organisieren lernen die SuS heute leider nicht. Gerne heißt es ab Klasse 8 – jetzt müsst ihr die Vokabeln selbstständig lernen ohne das wir sie als Hausaufgabe aufgeben oder testen. Das geht selbst bei vielen guten SuS nach hinten los – glaube ich zumindest. Wenn man vorher alles aufgezeigt bekommt, wieso sollte da ein einfacher Satz auf einmal diese Kompetenz hinzaubern?
So sprechen sich 54 Prozent der Schulleitungen dafür aus, Schülerinnen und Schüler über den Zeitpunkt von Leistungsnachweisen selbst entscheiden zu lassen.
Ich hab das probiert – in einem Zeitfenster von zwei Wochen. Extrem schwierig. Zum einen braucht man dann viele verschiedene Tests, die selben man ja schlecht verwenden. Das Schreiben zieht sich dann zu lange hin, die Rückmeldung entsprechend auch. Zudem: was machen die Schüler, während immer 4-5 „Probe“ schreiben? Wie will man das am Gymnasium koordinieren, wo man oft ja nur 1-2 mal pro Woche in einer Klasse ist?
Vielleicht gibt es ja Lösungen, die praktikabel sind, dann gerne her damit.
Aber bei mir hat das nicht zu besseren Leistungen geführt. Nicht mal vereinzelt.
Genau das ist das Problem: Viele Lehrkräfte würden sich gern auf den Weg machen und in ihrem engen Handlungsspielraum einiges für ihre Schüler:innen umsetzen – so wie Sie mit dem flexiblen Prüfungszeitfenster. Aber der Rahmen ist so starr, dass solche Ideen fast zwangsläufig an Organisation, Stundentafeln und Korrekturzeiten scheitern. Eigentlich müsste sich zuerst die Struktur ändern, damit solche Ansätze nachhaltig funktionieren können.
Ein dickes Lob an Sie, dass Sie es trotzdem versucht haben – das zeigt, dass es noch viel Hoffnung gibt.
Ich finde es plausibel, dass am Gymnasium die frei Wahl der Prüfungszeitpunkte abgelehnt wird. Ich habe aktuell gut 160 Schülerinnen und Schüler mit Mathe. Wenn da jeder selbstständig den Prüfungszeitpunkt wählt und ich dann ggf. noch verschiedene Variationen der Prüfungen erstellen müsste, weiß ich wirklich nicht, wie das organisatorisch zu stemmen sein soll. Zumal man dann sicherlich auch noch daran arbeiten müsste beim einen oder anderen, dass der überhaupt die Prüfung ablegt und das nicht ewig vor sich herschiebt.
Das wäre dann im Prinzip nur mit Online Multiple Choice realisierbar. Damit lassen sich aber gerade die komplexeren Probleme der höhreren Jahrgangsstufen gar nicht abbilden.
Wer glaubt, mit offenem Lernen das Bildungssystem retten zu können, wirtschaftet es in Wirklichkeit weiter ab. Interessanterweise spielen Leistung und Bildungsniveau keine tragende Rolle mehr. So entfernt sich Schule immer weiter von der beruflichen Realität und ist der Einstieg für die Rutsche nach unten für Bildung, Wirtschaft und das politische System. Deutschland auf dem absteigenden Ast!