Start Themenmonate Schule der Zukunft Kooperieren, reflektieren, Verantwortung übernehmen: So fördern Schulen Future Skills

Kooperieren, reflektieren, Verantwortung übernehmen: So fördern Schulen Future Skills

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DÜSSELDORF. Future Skills gelten als Schlüssel, um sich in einer sich wandelnden Welt erfolgreich zu bewähren und diese zu gestalten. Gleichzeitig bleibt im Schulalltag wenig Raum für zusätzliche Programme. Die Stundenpläne sind voll, die Anzahl an Zusatzaufgaben bereits immens und Lehrkollegien unter Druck. Doch internationale wie nationale Referenzrahmen zeigen: Future Skills sind kein Extra-Fach, sondern entstehen im Unterricht selbst. Wie das gelingen kann – dieser Frage widmet sich im Rahmen des Themenmonats „Schule der Zukunft“ eine dreiteilige Beitragsserie rund um die Zukunftskompetenzen. Zum Auftakt ein Überblick. 

Die Zukunft kann kommen! Symbolfoto: Shutterstock

Future Skills lassen sich auf Basis internationaler und europäischer Referenzrahmen als mehrdimensionale Handlungskompetenzen beschreiben. Der OECD Learning Compass 2030 versteht unter Zukunftskompetenzen das Zusammenspiel von Wissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Werten. Im Fokus steht das Konzept „Student Agency“: Lernende sollen die Fähigkeit und den Willen entwickeln, aus eigener Initiative zielgerichtet zu handeln – selbst aktiv zu werden, statt nur auf äußere Einwirkungen zu reagieren. Sie sollen Einfluss auf Menschen, Ereignisse und Umstände nehmen.

Für die Zukunft wichtige Kompetenzen

Auch der aktuelle Europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenz, kurz: DigComp 3.0, und die Bildungsministerkonferenz (BMK) mit ihrer Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ befassen sich mit für die Zukunft wichtigen Kompetenzen. „Kompetenzen für ein Leben in der digitalen Welt werden zur zentralen Voraussetzung für soziale Teilhabe, denn sie sind zwingend erforderlich für einen erfolgreichen Bildungs- und Berufsweg“, heißt es etwa von Seiten der BMK. Beide Veröffentlichungen betonen, dass digitale Kompetenzen über die Fähigkeit hinausgehen, technische Werkzeuge zu bedienen. Stattdessen verfügen digital kompetente Menschen über Wissen, Fähigkeiten und Haltungen, wie sich digitale Technologien selbstbewusst, kritisch und verantwortungsvoll nutzen lassen, etwa zum Lernen, so der Europäische Referenzrahmen.

Einig zeigen sich die drei Rahmenwerke darin, dass Zukunfts- beziehungsweise digitale Kompetenzen kein Zusatzprogramm für Schulen darstellen, sondern integraler Bestandteil fachlicher Lernprozesse sind. Die Dokumente betonen, dass diese Kompetenzen nicht isoliert entstehen, sondern in Lernarrangements, die Schülerinnen und Schüler dazu herausfordern, zu kooperieren, Probleme zu lösen, Verantwortung zu übernehmen und ihr Handeln zu reflektieren. Entscheidend ist somit nicht ein zusätzliches Unterrichtsfach, sondern die didaktische Gestaltung von Lernsettings.

„Jedes Fach beinhaltet spezifische Zugänge“

Die BMK formuliert diesen integrativen Anspruch ausdrücklich: „Jedes Fach beinhaltet spezifische Zugänge zu den Kompetenzen in der digitalen Welt durch seine Sach- und Handlungszugänge. Damit werden spezifische Fach-Kompetenzen erworben, aber auch grundlegende (fach-)spezifische Ausprägungen der Kompetenzen für die digitale Welt. Die Entwicklung der Kompetenzen findet auf diese Weise (analog zum Lesen und Schreiben) in vielfältigen Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten statt.“

Digitale Kompetenzen entwickeln Schüler*innen demnach im Fachunterricht selbst, wenn sie Aufgaben im Bereich der folgenden sechs Kompetenzbereiche erledigen:

  1. „Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren“,
  2. „Kommunizieren und Kooperieren“,
  3. „Produzieren und Präsentieren“,
  4. „Schützen und sicher Agieren“,
  5. „Problemlösen und Handeln“ sowie
  6. „Analysieren und Reflektieren“.

Entsprechung auf europäischer und internationaler Ebene

Diese Struktur findet auf europäischer Ebene im Referenzrahmen DigComp 3.0 eine inhaltliche Entsprechung. So fordert der Kompetenzbereich „Information Search, Evaluation and Management“, Informationsbedarfe zu artikulieren, geeignete Suchwerkzeuge auszuwählen und relevante von irrelevanten Inhalten zu unterscheiden.

Im Bereich „Communication and Collaboration“ sollen Schüler*innen lernen, digitale Kommunikationsformen situationsangemessen zu wählen, Beiträge anderer aufzugreifen und weiterzuentwickeln, ihre Kommunikation an Kontext und Zielgruppe anzupassen sowie Verhaltensnormen in digitalen Umgebungen zu beachten.

Der Kompetenzbereich „Content Creation“ verlangt, dass Lernende digitale Inhalte nicht nur technisch erstellen, sondern sie reflektieren, verantwortungsvoll und zielgerichtet weiterentwickeln können. Zentral dabei: das Verständnis für Urheberrecht und Lizenzen sowie die Fähigkeit, Quellen korrekt zu kennzeichnen und die Nutzung digitaler Werkzeuge – einschließlich KI-Systemen – transparent zu machen.

Im Kompetenzbereich „Safety, Wellbeing and Responsible Use“ geht es um den verantwortlichen Umgang mit digitalen Umgebungen. Lernende sollen Geräte, Daten und Privatsphäre schützen, Risiken digitaler Interaktionen erkennen und ihre eigene digitale Identität bewusst gestalten. Schließlich betont der Kompetenzbereich „Problem Identification and Solving “, dass Lernende digitale Technologien zur Problemlösung nutzen können sollen.

Von diesen Kompetenzansprüchen lässt sich eine direkte Verbindung zum OECD Learning Compass 2030 ziehen. Dieser betont ebenfalls die Verbindung von Fachwissen mit Zukunftskompetenzen, die es Lernenden ermöglichen, mit den komplexen Herausforderungen einer sich wandelnden Welt umzugehen. Demnach entsteht „Student Agency“ durch Lernsettings, in denen Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und deren Folgen reflektieren.

Tipps für die Unterrichtsgestaltung

Wie aber lassen sich die genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten im Schulalltag konkret fördern? Gemeinsam ist den Referenzrahmen, die Annahme, dass Lernende aktiv handeln, Probleme bearbeiten, kooperieren und Entscheidungen reflektieren müssen, um die entsprechenden Kompetenzen zu entwickeln. Übersetzt in die Unterrichtspraxis heißt das:

1. Lernprozesse so gestalten, dass Wissen angewendet wird

Zukunftskompetenzen entstehen, wenn Schülerinnen und Schüler Fachwissen nicht nur aufnehmen, sondern anwenden, übertragen und reflektieren. Aufgaben sollten daher nicht ausschließlich Reproduktion verlangen, sondern Analyse, Transfer und begründete Entscheidungen einfordern. Wenn Lernende ihr Wissen nutzen, um Probleme zu bearbeiten oder Fragestellungen zu beantworten, verbinden sie Fachkompetenz mit Handlungsfähigkeit.

2. Eigeninitiative und Mitgestaltung ermöglichen

Schulen fördern Zukunftskompetenzen, wenn sie Lernenden Gestaltungsspielräume eröffnen: eigene Fragestellungen entwickeln, Lösungswege planen, Arbeitsprozesse strukturieren, Ergebnisse reflektieren. Wer Entscheidungen trifft und Verantwortung für Lernprozesse übernimmt, entwickelt jene Eigeninitiative, die der OECD-Rahmen als „Student Agency“ beschreibt.

3. Kooperation systematisch verankern

Kooperative Lernformen stärken kommunikative und soziale Kompetenzen. Wenn Schülerinnen und Schüler gemeinsam digitale Produkte entwickeln, Rollen verteilen, Feedback geben und Konflikte konstruktiv lösen, entsteht Wissen im Austausch. Dabei lernen sie, Verantwortung zu teilen, Perspektiven einzubeziehen und respektvoll zu kommunizieren.

4. Digitale Werkzeuge reflektiert einsetzen

Digitale Medien sollten nicht Selbstzweck sein. Zukunftskompetenzen entwickeln sich dort, wo Lernende digitale Technologien bewusst auswählen, deren Nutzen und Grenzen abwägen und ihren Einsatz begründen. Recherche, Datenanalyse, digitale Präsentation oder kollaboratives Arbeiten bieten Gelegenheiten, Techniknutzung mit kritischem Denken zu verbinden.

5. Verantwortung und ethische Reflexion integrieren

Zukunftskompetenzen schließen Werthaltungen ein. Unterricht sollte daher Fragen zu Datenschutz, Urheberrecht, Transparenz, digitaler Identität oder gesellschaftlichen Auswirkungen technologischer Entwicklungen aufgreifen. Wenn Lernende Entscheidungen nicht nur treffen, sondern deren Folgen reflektieren, verbinden sie Wissen mit Verantwortung.

6. Offene Problemstellungen bearbeiten lassen

Komplexe, mehrdeutige Aufgaben fördern Analysefähigkeit und Entscheidungsvermögen. Wenn Schülerinnen und Schüler Probleme identifizieren, Lösungswege vergleichen, digitale Werkzeuge gezielt einsetzen und ihre Entscheidungen begründen, entwickeln sie genau jene Kompetenzen, die alle drei Rahmenwerke als zentral beschreiben.

7. Reflexion fest im Unterricht verankern

Regelmäßige Reflexionsphasen – etwa zu Arbeitsprozessen, Teamarbeit oder Mediennutzung – stärken metakognitive Kompetenzen. Lernende setzen sich mit ihren Strategien auseinander, bewerten ihre Ergebnisse und entwickeln ihre Kompetenzen weiter.

Ausblick: Fokus auf Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit

Schulen fördern Future Skills demnach, wenn sie fachliche Lernprozesse so anlegen, dass diese die Wissensvermittlung mit selbstständigem Denken, kooperativem Handeln, reflektierter Mediennutzung und verantwortlicher Entscheidungsfindung verknüpfen. Um greifbarer zu zeigen, wie sich diese Ansprüche im Schulalltag konkret umsetzen lassen, zoomt die Beitragsserie im nächsten Schritt in zwei zentrale Kompetenzfelder hinein: Teamfähigkeit sowie Kommunikationsfähigkeit. News4teachers

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Schule der Zukunft“.

Schule der Zukunft: Weg vom Prinzip der Auslese! Experten empfehlen radikalen Kurswechsel in der Bildung

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