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Schulministerin fordert von Lehrkräften: Antisemitismus unter Schülern nachgehen!

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DÜSSELDORF. Ein Code auf dem T-Shirt, ein abfälliger Witz, die Gleichsetzung von Israels Krieg gegen die Hamas mit dem Holocaust: Jeder antisemitischen Haltung und Äußerung sei mit Nachdruck nachzugehen, fordert die NRW-Schulministerin von den Lehrkräften. Neue digitale Werkzeuge sollen ihnen helfen, Antisemitismus im Schulalltag aufspüren und bekämpfen zu können.

“Gesamtgesellschaftliche Bedrohung”: Dorothee Feller, Schulministerin von Nordrhein-Westfalen. Foto: Land NRW / Martin Gotz

Ein rechtsextremer Code auf dem T-Shirt, ein menschenverachtender Witz, ein Schimpfwort: Israel- und Judenfeindlichkeit hat auf Schulhöfen und in Klassenzimmern zugenommen. Nordrhein-Westfalen gibt Lehrkräften deshalb mehr Rüstzeug an die Hand, um Formen des Antisemitismus in Schulen zu erkennen und klar darauf zu reagieren.

Dafür hat das Schulministerium zusammen mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und der Antisemitismus-Beratungsstelle Sabra die digitale Plattform «Amudim» (hebräisch: Grundpfeiler) entwickelt. Sie solle nicht nur helfen, antisemitische Codes zu entschlüsseln, sondern auch geschichtliche Hintergründe zu verstehen und aktuelle Facetten des Judenhasses besser zu erkennen, sagte Schulministerin Dorothee Feller (CDU) in Düsseldorf.

Mehr antisemitische Vorfälle

Für das Jahr 2024 habe die Recherche- und Informationsstelle Rias NRW insgesamt 940 antisemitische Vorfälle registriert, im Schnitt etwa 18 pro Woche, sagte Feller. Das seien 42 Prozent mehr als im Jahr davor. «Antisemitismus ist wieder eine gesamtgesellschaftliche Bedrohung geworden.» Rias registriere Vorfälle auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Gedenkorten und auch in Schulen. «Wir dulden in unseren Schulen und auf unseren Schulhöfen keinen Antisemitismus», so Feller. Jeder antisemitischen Haltung und Äußerung sei mit Nachdruck nachzugehen.

Wie sollen Lehrkräfte zum Beispiel reagieren, wenn Schülerinnen oder Schüler Israels Handeln mit dem Nationalsozialismus gleichsetzen oder Israel das Existenzrecht absprechen? Die Lehrkräfte erhalten über die neue Plattform Zugang zu Fakten und historischen Hintergründen, müssen Kurzaufgaben lösen und bekommen Einladungen zur vertiefenden Reflexion, um Gelerntes fest im Kopf zu verankern.

Mit kompakten Texten, der Erklärung komplexer Sachverhalte in einfacher Sprache sowie Bildern und Grafiken werden sie auf mögliche Alltagssituationen an Schulen vorbereitet. Das Unterrichtsmaterial zeigt auch, welche Codes und Symbole zum Beispiel völkisch-rassistischen Antisemitismus verraten.

Vorfälle werden oft bagatellisiert

«Antisemitische Vorfälle werden nicht immer als solche erkannt», sagte Bert Römgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. «Sie werden teilweise bagatellisiert, falsch eingeordnet oder aus Unsicherheit nicht konsequent bearbeitet.» Vielerorts reichten Fortbildungsangebote nicht mehr aus. Hier setze die neue digitale Lernplattform an.

Ein besonderer Fokus liege auf den Phänomenen, die im Schulalltag häufig als klein oder randständig wahrgenommen würden wie etwa vermeintliche Witze, Codes oder stereotype Zuschreibungen, so Römgens.

Besonders seit dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 habe die jüdische Gemeinde «unendlich viele Hilfeanrufe von Eltern, von Schülerinnen und Schülern erhalten». Gerade in emotional aufgeladenen Situationen fehle oft die analytische Grundlage, um zwischen legitimer politischer Kritik und antisemitischen Deutungsmustern zu unterscheiden

Viel Aufklärungsarbeit seit Hamas-Überfall auf Israel

Die Plattform «Amudim» reiht sich ein in zahlreiche Maßnahmen, mit denen das Land auf die zunehmende Zahl der antisemitischen Vorfälle nach dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel reagiert hat. Schon 2023 hatte das Land NRW Lehrkräften mehr Informationsmaterial zum Nahost-Konflikt und Antisemitismus zur Verfügung gestellt sowie Online-Seminare, Webinare und Projekte zum jüdischen Leben und zum Umgang mit Konflikten in der Schule angeboten.

Die Beratungsstelle Sabra hat zudem einen virtuellen Methodenkoffer gegen Antisemitismus mit Hintergrundinformationen und landesweiten Exkursionszielen entwickelt. Im Internet gibt es auf der Seite des Schulministeriums ebenfalls umfangreiche Hinweise zum Umgang mit Antisemitismus.

Nicht zuletzt bestehen an Schulen bei antisemitischen Vorfällen auch rechtliche Regelungen. So ist bei jedem Einzelfall zu prüfen, ob wegen der Schwere der Tat die Polizei oder der Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden muss. News4teachers / mit Material der dpa

Hier gibt es Materialien zur antisemitismuskritischen Bildungsarbeit.

Antisemitismus unter jungen Muslimen in Deutschland: “Viele Lehrkräfte fühlen sich mit dem Problem alleingelassen”

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Realist
8 Tage zuvor

So ist bei jedem Einzelfall zu prüfen, ob wegen der Schwere der Tat die Polizei oder der Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden muss.”

Lieber einmal zuviel als zuwenig anzeigen. Schulen müssen hier ein klares Signal zeigen!

Rainer Zufall
7 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Volle Zustimmung! Ressourcen müssen dann halt GESCHAFFEN werden, ein Mangel ist der Grund FÜR und kein Argument gegen die Forderung!

dickebank
7 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Welche Rechtsgrundlage gibt es denn für Schulen bzw. deren Lehrkräfte eine Anzeige zu erstatten.

Walter Hasenbrot
6 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Die rechtlichen Möglichkeiten dürften begrenzt sein. Da gerichtich entschieden wurde, dass eine Hitlergruß im Klassenraum nicht den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt, weil die Öffentlichkeit im juristischen Sinne fehle, dürfte das ähnlich bei antisemitischen Äußerungen im Klassenraum sein.

https://www.news4teachers.de/2026/01/hitlergruss-im-klassenraum-ist-keine-straftat-bildungsminister-will-das-aendern/

Es wäre wohl ohnehin besser, pädagogisch auf antisemitische Äußerungen im Klassenraum zu reagieren. Bei hartnäckigen und schweren Fällen wären auch Ordnungsamßnahmen angemessen.

dickebank
6 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Also mit Wattebällchen werfen. Und bei besonders gravierenden Fällen dürfen nach entsprechender Güterabwägung und Gefährdungsabschätzung auch Tampons geworfen werden.

Walter Hasenbrot
5 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Wenn Sie Pädagogik als Werfen mit Wattebällchen betrachten, haben Sie vielleicht den falschen Beruf gewählt.

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Ich habe mich ja auch nicht als Pädagogen bezeichnet, ich war SekI-Lehrkraft – und ich habe Fächer unterrichtet und war langjähriges Mitglied der Teilkonferenz Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen.

Btw wie wollen Sie den die Entlassung von der eigenen Schule umsetzen, wenn Sie dem Schulpflichtigen keinen Platz an einer Schule der gleichen Schulform in zumutbarer Entfernung zu seinem Wohnort anbieten können? Es hat doch Gründe, warum die Aufsicht auf mehrfacher Verhängung der Androhung von der Entlassung von der eigenen Schule besteht.

PS
Der Schulverweis gem. Schulgesetz NRW ist nichts Anderes als eine schriftliche Rüge – also ein Tadel, wie er früher einmal genannt worden ist.

447
4 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Wenn Sie Wattebällchen werfen als Pädagogik verstehen sind Sie zu einer Karriere im aktuellen Bildungssystem bestens geeignet.

Rainer Zufall
7 Tage zuvor

Zunächst begrüße ich es ausdrücklich, dass hier Hilfen und Plattformen vorgestellt werden. Die Aussage, jeder (!) Form von Antisemitismus nachzugehen ist richtig und steht meiner Meinung nach nicht zur Diskussion!

DASS die Zahl der Meldungen anstieg ist meiner Meinung ein Zeichen, dass dort eben NICHT ignoriert wird. Schulen können mehr leisten – mehr geht immer – wenn es sich ernöglicht, aber zwischen extremistischen Gruppen im Internet, Rattenfängern auf allen Seiten, Rechtsextremen in der Politik und Verbrecherbanden, die von der Auslöschung Israels phantasieren, würde ich doch ein wenig mehr Unterstützung für die Schulen wünschen, hinsichtlich der Haftung “sozialer” Medien, Fakenews, Polarisierung differenzierter Meinungen und … “Tauchclubs” -___-

Nick
7 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

“Für das Jahr 2024 habe die Recherche- und Informationsstelle Rias NRW insgesamt 940 antisemitische Vorfälle registriert, im Schnitt etwa 18 pro Woche, sagte Feller. Das seien 42 Prozent mehr als im Jahr davor.” Hier ist von NRW die Rede und in dem Bundesland spielt der Rechtsextremismus wie auch die AfD, im Gegensatz zum Osten, eine nur untergeordnete Rolle.

Auch in meiner Heinatstadt, einer Grossstadt im Westen von Deutschland, spielt das rechte Spektrum kaum eine Rolle. Aber hier begegnet man im Alltag auf der Strasse keine Mitbürger, die eine Kippa tragen. Auch hier werden jüdische Einrichtungen geschützt. Vor wem?

Die Wissenschaftlichen Dienst haben vor geraumer Zeit mit dem Begriff “Islamfaschismus” gearbeitet.
https://share.google/Z6V9J3poI84Uy4ccN

Aus meiner Sicht kann kein Linker für die islamofaschistische Hamas sein. Solche Ereignisse wie vor einem Monat in Leipzig-Connowitz war verstörend gewesen.

Rainer Zufall
7 Tage zuvor
Antwortet  Nick

“Hier ist von NRW die Rede und in dem Bundesland spielt der Rechtsextremismus wie auch die AfD, im Gegensatz zum Osten, eine nur untergeordnete Rolle.”
Na dann schreiben Sie doch dies den Jüdinnen und Juden in NRW, dass diese von einer rechtsextremen Bundesregierung weniger betroffen sind.
https://www1.wdr.de/nachrichten/rechtsextreme-taten-schulen-100.html

dickebank
7 Tage zuvor

Aber gerne doch. Kann man machen, wenn das Runschreiben der Bez.-Reg. im Umlauf ist, das darüber informiert, welche anderen Aufgaben so lange zurück gestellt werden können. Bis dahin muss der Kampf gegen antisemitische Taten warten oder von anderen Dienststellen des Landes verfolgt werden. Alles eine Frage von räumlicher und sachlicher Zuständigkeit. Mal sehen, was der Geschäftsverteilungsplan dazu sagt.

Beutelsbacher Konsens
7 Tage zuvor

Ich habe mir die AMUDIM-Module einmal angesehen und sie entsprechen nicht den Standards der politischen Bildung an deutschen Schulen oder dem Beutelsbacher Konsens. 

Das Modul zu israelbezogenem Antisemitismus propagiert den 3-D-Test
von Natan Sharansky. Als Sharansky den 3-D-Test im Jahr 2004 in Umlauf brachte,
war er Teil der israelischen Regierung. Man stelle sich vor, ein russischer
Minister wollte uns mit einem 3-D-Test belehren, unter welchen Bedingungen
Kritik an Russland „antislawisch” sei. Ein völlig absurder Gedanke! Zudem
war Sharansky immer ein Gegner von Verständigung und ein entschiedener Gegner
des Osloer Friedensprozesses. Ist das wirklich jemand, der uns erklären soll,
wie wir Israel kritisieren dürfen und wie nicht?

Nun zum 3-D-Test: Dämonisierung, Delegitimierung und Doppelstandards sind so weitläufige Begriffe, dass sie eine nüchterne, faktenbasierte Debatte unmöglich machen. 

Beispiel 1: Weltweit sind sich viele Wissenschaftler und Menschenrechtsorganisationen einig, dass Israel ein Apartheidregime installiert hat, das auf Segregation und unterschiedlichen Rechtssystemen basiert und palästinensische Menschen strukturell diskriminiert und gefährdet. Die Publikationen zu diesem Thema sind umfassend, die aufgelisteten Beispiele seitenlang. Man muss sich der Meinung dieser Wissenschaftler nicht anschließen, wenn aber Lehrkräfte gezwungen werden, den 3-D-Test des Verständigungsgegners Sharanski anzuwenden, könnte es sein, dass uninformierte Lehrkräfte den in der Wissenschaft weit verbreiteten Apartheidvorwurf als Dämonisierung interpretieren und als antisemitisch abtun.
Beispiel 2: Weltweit sind sich viele Wissenschaftler einig,
dass der politische Zionismus eine siedlerkoloniale Ideologie und Israel ein
siedlerkoloniales Projekt ist – was nicht abwegig scheint, wenn man einfach nur
die im Netz zugänglichen Protokolle der Zionistenkongresse, Herzls Tagebücher
oder Wladimir Jabotinskys Essay “Die eiserne Mauer (The iron Wall). Zur
Kolonisierung Palästinas” durchliest – Texte in denen ständig von
Kolonialisierung die Rede ist. Man kann sich auch fragen, warum die vom 2.
Zionistenkongress in Wien beschlossene Bank, die die Besiedelung Palästinas
finanzieren sollte, Jüdische Kolonialbank (Jewish Colonial Trust) hieß… Nun
sind aber Begriffe wie Kolonialismus und Siedlerkolonialismus negativ
kotnotiert. Menschen, die sich nicht genauer mit der Geschichte der
zionistischen Bewegung befasst haben, könnten darin eine
“Delegitimierung” Israels sehen. Schüler, die von Kolonialismus oder Siedlerkolonialismus sprechen, dürfte dafür von Lehrkräften als antisemitisch abgestempelt werden. 

Das Problem sollte inzwischen klar sein: Der 3-D-Test unterminiert die Wissenschaftsfreiheit, weil wissenschaftliche Erkenntnisse (Apartheid, Siedlerkolonialismus) tabuisiert werden. Dies beeinträchtigt selbstverständlich auch die Meinungsfreiheit. Wollen wir das?

Ich habe natürlich auch das BDS-Modul überflogen. Wie
erwartet, wird der Boykottaufruf mit dem nationalsozialistischen Slogan „Kauft
nicht bei Juden!“ verglichen: Sorry, aber dies ist eine Unverschämtheit
gegenüber den Opfern der nationalsozialistischen Rassenideologie. Hier werden
Menschen, die nur aufgrund ihres Jüdischseins verfolgt wurden, mit einem Staat
gleichgesetzt, dem von unzähligen namhaften Experten Kriegsverbrechen,
Apartheid und Völkermord vorgeworfen werden. Wohlgemerkt sprechen renommierte
israelische Wissenschaftler wie Raz Segal, Omer Bartov, Daniel Blatman und Amos
Goldberg sowie die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem von Genozid.
Andere prominente israelische NGOs wie Yesh Din, Breaking the Silence oder
Adalah sprechen von systemischer Unterdrückung, Apartheid, Landraub und
Menschenrechtsverletzungen.

Es gibt keine Parallelen zwischen unschuldigen jüdischen
Verfolgten in der NS-Zeit und der Politik Israels. Wer dies anders sieht, sagt
damit indirekt, dass Israels Vorgehen in Gaza und im Westjordanland “typisch
jüdische” sei.  Wie antisemitisch
kann man bitte sein?

Zugleich werden NGOs und Aktivisten, die sich für einen friedlichen
Boykott aussprechen, um die Würde des Menschen, Menschenrechte und das
Völkerrecht zu verteidigen, mit nationalsozialistischen Judenhassern
gleichgesetzt. Dann wäre also die jüdisch-israelische Sprach- und
Erziehungswissenschaftlerin Nurit Peled-Elhanan gleichzusetzen mit Joseph
Goebbels? – Für mich unfassbar. Das ist Holocaustverharmlosung!

Selbst wenn man BDS ablehnt, kann man diese Instrumentalisierung jüdischen Leids zum Schutz der israelischen Politik vor wirtschaftlichen und kulturellen Konsequenzen nicht gutheißen.

Ich frage mich daher, wer solche Programme initiiert, die
offensichtlich überwältigend und indoktrinierend sind. Den politischen
Entscheidern fehlt es am Fachwissen zum Thema, jedoch sollten sie sich andere
Informationskanäle suchen, die beratend einschreiten, ehe so ein
Überwältigungsprojekt ins Leben gerufen wird.

Nick
6 Tage zuvor

Die Betätigung für die Hamas ist in Deutschland seit November 2023 durch ein Verbot des Bundesinnenministeriums strafbar. Die Unterstützung, Finanzierung oder Verwendung von Kennzeichen der als terroristisch eingestuften Organisation wird nach dem Vereinsgesetz und dem Strafgesetzbuch (§ 86a StGB) verfolgt, einschließlich der Verwendung des roten Dreiecks und der Parole “From the river to the sea

Mia
6 Tage zuvor

“… Israel ein Apartheidregime installiert hat, das auf Segregation und unterschiedlichen Rechtssystemen basiert und palästinensische Menschen strukturell diskriminiert und gefährdet….” Sorry, das ist einfach nur Müll!

Beutelsbacher Konsens
5 Tage zuvor
Antwortet  Mia

Ich beziehe mich mit dieser Aussage auf sehr namhafte Quellen. David Ben Gurion hat 1967 vor einem israelischen Apartheidstaat gewarnt, Jitzak Rabin 1976, Ehud Barak 1999. Tamir Pardo, der ehemalige Leiter des israelischen Geheimdienstes Mossad sieht in Israels Besatzungspolitik ein Apartheid-Regime, Ami Ayalon, der ehemalige Direktor des israelischen Inlandsgeheimdienstes auch, Michael Ben-Yair, der ehemalige israelische Generalstaatsanwalt sowie Ilan Baruch und Alon Liel, die ehemaligen israelischen Botschafter ebenso. Politiker wie Desmond Tutu, Naledi Pandor, Jimmy Carter sprechen von Apartheid. Völkerrechtler wie John Dugard, Michael Falk, Michael Lynk, Francesca Albanese und auch Kai Ambos sprechen von Apartheid. Das IGH-Gutachten vom 19. Juli 2024 stellt fest, dass Israels Politik und Praxis im völkerrechtswidrig besetzten palästinensischen Gebiet gegen das Verbot rassistischer Diskriminierung und Segregation verstoßen. Und dann wären natürlich noch Menschenrechtsorganisationen zu nennen, wie die israelische Organisation Yesh Din (2020), Al Mezan (2021), B’Tselem (2021), Al-Haq (2022), Amnesty International (2022), Adalah (2023), Breaking the Silence, Human Rights Watch (2021). Hinzu kommen Historiker und Nahostexpert*innen wie Ilan Pappé, Avi Shlaim, Shlomo Sand, Raz Segal, Zachary Foster, Moshe Zuckermann, Petra Wild und viele, viele andere.

Mir ist nicht ganz klar, warum man all die Reden, Aufsätze, Studien, Berichte, Gutachten und Bücher dieser und anderer Experten so einfach als Müll abtun kann. Da macht man es sich schon ein bisschen zu einfach.
Macht man sich die Mühe und liest beispielsweise in einen Amnesty-Bericht rein oder kauft sich das 2024 erschienene Buch des Götttinger Völkerrechtsprofessors Kai Ambos, wird man sehen, dass der Apartheidvorwurf nachvollziehbar ist.

Beutelsbacher Konsens
5 Tage zuvor
Antwortet  Mia

Liebe Mia, liebes Moderatorenteam, mein Text ist nicht als Provokation gedacht. Der Kampf gegen Antisemitismus ist mir wichtig und ich gehöre zu den Menschen, die widersprechen, wenn antijüdische Klischees verbreitet oder antisemitische Witze erzählt werden. Die oben AMUDIM-Module (NRW) sind aber im Kampf gegen Antisemitismus nicht zielführend, weil sie allein schon durch den darin propagierten 3-D-Test vorhandenes Wissen tabuisieren. Jugendliche, die TV-Sender aus anderen Ländern verfolgen, sind mit Begriffen wie Nakba, Naksa, Sabra und Schatila usw. erstaunlich vertraut. Sie wissen um den Apartheidvorwurf, das Verhalten israelischer Soldaten an Checkpoints und beim Besetzen von Häusern, sie wissen oft auch von den Misshandlungen der ohne Gerichtsverhandlung festgehaltenen Häftlinge – etwa in Sde Teiman. All das auszuklammern, macht Lehrkräfte nicht glaubwürdiger. Und nur glaubwürdige Lehrkräfte können dem Antisemitismus entgegenwirken.
Zum Thema Apartheid: Am 12. Januar 2021 hat die israelische (!) Menschenrechtsorganisation B’Tselem den Bericht „A regime of Jewish supremacy from the Jordan River tot he Mediterranen Sea: This is Apartheid“ veröffentlicht. Am 27. April 2021 legte Human Rights Watch mit „A threshold crossed. Israeli Authorities and the crimes of Apartheid and Persecution“ ebenfalls einen Bericht vor. Am 1. Februar 2022 folgte Amnesty International mit dem 277 Seiten langen Bericht „Israel’s Apartheid against Palestinians. Cruel domination and crime against humanity“. Alle drei sind online in englischer Sprache verfügbar und werden durch das IGH-Gutachten vom 19. Juli 2024 insofern bestätigt, dass dort ebenfalls israelische Segregation und Diskriminierung und Unterdrückung konstatiert werden. In Deutschland veröffentlichte Kai Ambos, Rechtsprofessor in Göttingen, 2024 das Buch „Apartheid in Palästina? Eine historisch-völkerrechtliche Untersuchung“, in welchem er zum Schluss kommt, dass der Vorwurf nachvollziehbar sei. Ich könnte noch andere aufzählen. 
Die Experten sprechen nicht von Apartheid, um Israel zu dämonisieren. Sie analysieren den Ist-Zustand und kommen zu dem Schluss, dass im von Israel völkerrechtswidrig besetzten Gebiet Apartheid herrscht, wie sie im Internationalen „Übereinkommen über die Beseitigung und Bestrafung des Verbrechens der Apartheid“ von 1973 definiert ist. 
Warum nicht in die Berichte reinlesen und schauen, welche israelischen Praktiken und Gesetze sie aufzählen, auf deren Grundlage das Urteil gefällt wird?

Bernd Brunnet
5 Tage zuvor

Der zunehmende Antisemitsmus ist virulent! Nur dass Schulleitungen dies gerne vertuschen, weil dies das Image stört! Lehrkräfte die darauf hinweisen, werden von fachlich-intellektuell überforderten Schulleitungen als auch der Schulaufsicht daran gehindert dagegen vorzugehen! Besonders dann wenn das Emblem der Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage am Eingang prangert! Muslimische Eltern und Schüler stellen Kollegen sofort in eine Ecke gestellt! Die Schulleitungen schützen niemanden, sondern setzen die Kollegen unter Druck!