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“Schüler vor Grenzverletzungen schützen”: Vertrauensleute kommen an Sportgymnasien

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ERFURT. Die Thüringer Sportgymnasien sollen den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor körperlicher, verbaler und psychischer Gewalt verstärken. An diesen Spezialschulen vertretene Sportfachverbände müssen dazu eigene Kinderschutzbeauftragte ernennen, wie das Bildungsministerium mitteilte. Trainer sind zu Fortbildungen zu den Themen Gewalt und sexualisierte Gewalt verpflichtet. Für den Umgang mit derartigen Vorfällen seien klare Meldewege und Zuständigkeiten festgelegt. Geregelt werde dies in einer novellierten Vereinbarung zwischen Ministerium und Landessportbund.

Kinderschutz soll verstärkt werden (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

In Thüringen gibt es Sportgymnasien in Jena, Erfurt und Oberhof. Hier erhalten sportlich talentierte Schüler eine leistungssportliche Ausbildung und können gleichzeitig den Regelschulabschluss oder das Abitur erwerben. Viele international erfolgreiche Thüringer Sportler wie Biathleten und Rodler haben an einem Sportgymnasium gelernt. Die Sportgymnasien sind aus dem Sportschulsystem der DDR hervorgegangen, das viele Sieger und Medaillengewinner bei internationalen Meisterschaften hervorgebracht hatte.

Seit 2011 regelt eine Vereinbarung zwischen Land und LSB die Abstimmung zwischen schulischer Bildung und leistungssportlicher Ausbildung an diesen Gymnasien und die Finanzierung des Trainereinsatzes.

Die neuen Regelungen stehen im Zusammenhang mit einer breiteren Kinderschutz-Offensive des organisierten Sports. Die Thüringer Sportjugend und der Landessportbund Thüringen betonen seit längerem, dass Schutzkonzepte „das Fundament eines sicheren und fairen Sports“ bildeten und insbesondere Kinder und Jugendliche vor Grenzverletzungen und Gewalt schützen sollten. Bis Anfang 2029 sollen deshalb alle Sportvereine und Sportverbände im Freistaat verpflichtend eigene Schutzkonzepte entwickeln und anwenden.

Nach Angaben der Thüringer Sportjugend gehören dazu unter anderem benannte Vertrauenspersonen für Verdachtsfälle, regelmäßige Schulungen, Interventions- und Beschwerdewege sowie Regelungen zum Einsatz erweiterter Führungszeugnisse. Zudem existieren bereits Ehrenkodizes für Trainer und Betreuer. Darin verpflichten sich die Unterzeichner, keinerlei physische, psychische oder sexualisierte Gewalt anzuwenden und bei Verdachtsfällen fachliche Hilfe einzuschalten.

Hintergrund der verschärften Schutzmaßnahmen sind bundesweite Debatten über Gewalt und Machtmissbrauch im Leistungssport. Die Deutsche Sportjugend sowie der Deutsche Olympische Sportbund haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Handreichungen und Schutzkonzepte zur Prävention psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt entwickelt. News4teachers / mit Material der dpa

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