Start Nachrichten Nobelpreisträger Nagel: Vom Punk-Café ins Lehrerzimmer, von dort an die Universität

Nobelpreisträger Nagel: Vom Punk-Café ins Lehrerzimmer, von dort an die Universität

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WÜRZBURG. Zwei deutsche und ein US-amerikanischer Forscher erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Medizin. Für ihre Entdeckungen auf dem Feld der Optogenetik werden Peter Hegemann (71) von der Humboldt-Universität Berlin, Georg Nagel (73) von der Uni Würzburg sowie der US-Forscher Karl Deisseroth (54) ausgezeichnet, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte. «Die Optogenetik bietet Möglichkeiten, das Gehirn auf eine Weise zu kartieren, von der wir früher nur träumen konnten», erläuterte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Per Svenningsson. Im einem Podcast erklärte Hegemann, warum er lieber scheitert, als den bequemen Weg zu gehen – und was junge Forscher von seiner unkonventionellen Karriere lernen könnten. Schwere Krankheit, Bastelset, Labor: Georg Nagels Weg führt von Kindheitstagen in Würzburg bis zum Nobelpreis für Medizin. Was prägte den zurückhaltenden Forscher?

„Strapazen und Misserfolge im Labor“: Nobelpreisträger Georg Nagel. Foto: Rudi Merkl / Universität Würzburg

Als Georg Nagel fünf Jahre alt ist, erkrankt er schwer. «Während meine Geschwister im benachbarten Österreich Skifahren waren, baute ich aus dem naturwissenschaftlichen Bastelset, das mir meine Eltern jedes Jahr zu Weihnachten schenkten, eine Dampfmaschine oder ein Radio», schreibt der Wissenschaftler anlässlich des Shaw Prize für Lebenswissenschaften und Medizin, den er 2020 erhält. «Meine Sommerferien verbrachte ich oft mit Operationen im Universitätsklinikum Würzburg, einer hübschen Stadt in Nordbayern.»

Und genau in dieser Stadt am Main lebt und arbeitet Nagel seit vielen Jahren, als er den Nobelpreis für Medizin erhält. Am Lehrstuhl für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik kennt man den 73-Jährigen bestens. Er gilt als neugierig, sympathisch, bescheiden, als jemand, der sich nicht selbst dafür auf die Schultern klopft, wenn er etwas erreicht hat.

Mathematik, Physik und Biologie haben es Nagel, der als ältestes von fünf Geschwistern im württembergischen Weingarten geboren wird, schon zu Schulzeiten angetan. Es folgt ein Biologiestudium an der Universität Konstanz. Ernst Bamberg, sein erster Dozent für Biophysik und späterer Direktor des Max-Planck-Instituts für Biophysik in Frankfurt/Main, wird sein Förderer.

In Konstanz gründet Nagel zu seinen Studienzeiten das «Café Chaos» mit, wie er anlässlich des Shaw Prize schrieb. In lokalen Quellen wird das «Café Chaos» als damaliger Treffpunkt der linken Szene in den 80er Jahren beschrieben. So fanden dort laut der Organisation «Belladonna» unter anderem feministische Treffen statt. Das Online-Magazin «Seemoz» nennt das Café in einem Atemzug mit besetzten Häusern und Punk-Konzerten.

Vom Lehrer in die Forschung

Nach seinem Diplom arbeitet Nagel zunächst als Lehrer an einem Schweizer Privatgymnasium. Eine weitere OP in Würzburg stoppt nach seinen Worten endlich «die Entzündung in meinen Knochen». Er lernt Drachenfliegen und unterrichtet weiter, bis «Ernst Bamberg mich einlud, mit ihm nach Frankfurt zu ziehen». Der Forscher wechselt – ohne zu zögern, wie er schreibt. Danach geht es für ihn beruflich auch fünf Jahre in die USA.

«In New York fand ich auch die Liebe meines Lebens, Anna, eine Gastprofessorin an der Columbia University aus Neapel, Italien.» Sie erkunden die Stadt per Fahrrad, und die Molekularbiologin hilft ihm, seinen biophysikalischen Ansatz in der Wissenschaft zu erweitern. 1996 Hochzeit in Dänemark, ein Kind wird geboren. «Unsere Tochter verlieh dem Leben einen neuen Sinn und glich einige der Strapazen und Misserfolge im Labor aus.»

2004 der Wechsel nach Würzburg als Professor für Molekulare Pflanzenphysiologie. Seit sieben Jahren ist Nagel am Institut für Physiologie im Herzen der Stadt tätig, wenn auch seit Ende Juni offiziell im Ruhestand.

Professor Dirk Becker vom Lehrstuhl für Botanik I hat nach Angaben der Uni Würzburg 20 Jahre mit Georg Nagel geforscht. Er schätze diesen als «sehr angenehmen und umgänglichen Kollegen mit vielen Ideen und wissenschaftlicher Kreativität. Ich freue mich sehr für ihn!», teilte Becker über die Uni mit. News4teachers / mit Material der dpa

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