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GEW zu Kultusministerin Kurth: „Fette Jahre“ hat es nie gegeben

LEIPZIG. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) pocht auf eine realistische Bewertung der Stellenzahl im sächsischen Schuldienst. „Die von Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) verkündeten Zahlen täuschen die Öffentlichkeit weiterhin über die wahre personelle Misere im Schulbereich hinweg“, erklärte GEW-Chefin Sabine Gerold. „Fette Jahre hat es vor allem für die sächsischen Lehrerinnen und Lehrer nie gegeben, die 20 Jahre mit Stellenabbau und Einkommensverzicht konfrontiert waren.“

Sabine Gerold von der GEW Sachsen sagt: "Fette Jahre hat es nie gegeben." Foto: GEW Sachsen

Sabine Gerold von der GEW Sachsen sagt: „Fette Jahre hat es nie gegeben.“ Foto: GEW Sachsen

Nach den Worten von Gerold bezieht sich der angebliche Stellenzuwachs auf vorherige Pläne zum Stellenabbau, wie er mittelfristig bis 2016 veranschlagt war. Danach sollten trotz wachsender Schülerzahl in den kommenden fünf Schuljahren 1359 Lehrerstellen abgebaut werden – von 27 595 Stellen im jetzt zu Ende gehenden Schuljahr auf nur noch 26 236 Stellen im Schuljahr 2016/17. Allein die Grundschulen hätten bis dahin 581 Stellen verloren.

„Diese Pläne waren angesichts der sich zuspitzenden Situation bei der Unterrichtsversorgung nicht haltbar, das musste selbst die Staatsregierung einsehen“, sagte Gerold. Nachdem man die Katastrophe jahrelang sehenden Auges finanzpolitisch befördert habe, werde nun hektisch, aber in der Substanz viel zu zögerlich korrigiert. „Stellenabbaupläne, die von Anfang an unrealistisch waren, nun zur Basis einer neuen, etwas weniger realitätsfernen Stellenentwicklung zu erklären, ist unredlich.“

Kurth hatte am Dienstag in ihrer Statistik einen Zuwachs an Stellen beschrieben. Demnach gibt es im neuen Schuljahr 2012/2013 exakt 27 231 Stellen, im folgenden Schuljahr sind es 27 433 und im Jahr darauf 27 686. Gerold zufolge geht das jetzige Schuljahr aber mit 27 595 Stellen zu Ende. „In den nächsten beiden Schuljahren werden es weniger sein. Der Stellenabbau ist also mitnichten vorbei.“ Erst im Schuljahr 2014/15 soll es wieder ganze 91 Stellen mehr als im jetzigen geben – bei weiter wachsender Schülerzahl.

Gerold sieht den Stellenplan noch nicht einmal wie von Kurth selbst beschrieben „auf Kante genäht“: „Er bedeutet vor allem für die Lehrer eine weiter steigende Belastung bei nach wie vor schlechter Bezahlung und neu hinzukommenden Aufgabenfeldern – und für die Schüler weniger schulische Angebote außerhalb des Unterrichts sowie größere Klassen und Kurse im Unterricht – also schlechtere Lernbedingungen.“ dpa

(18.07.2012)

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