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Lehrer loben! Was der Elternrat für den Sprechtag empfiehlt

ORANIENBURG. Es kann um schlechte Noten gehen oder wenn das Kind ständig als Klassenclown auffällt: Müssen Eltern in die Lehrersprechstunde, geht es meist nicht um angenehme Themen. Entsprechend aufgeheizt kann die Stimmung bei solch einem Gespräch werden. «Eltern gehen deshalb besser immer mal wieder in die Sprechstunde, schon bevor es Probleme gibt», rät Ursula Walther, stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrats (BER), den Vätern und Müttern. Denn seien die Schwierigkeiten erst einmal da, könnten die Beteiligten nur noch schwer auf entspannter Ebene miteinander reden.

Lehrer sollten sich nicht wundern, wenn sie beim nächsten Sprechtag viel Lob zu hören bekommen. Foto: Rolf van Melis / pixelio.de

Lehrer sollten sich nicht wundern, wenn sie beim nächsten Sprechtag viel Lob zu hören bekommen. Foto: Rolf van Melis / pixelio.de

Auch für Lehrer interessant ist, was der BER Eltern für den Ablauf des Gesprächs empfiehlt. Wenn möglich, sollten sie mit einem Lob einsteigen. «Erzählen Sie, warum das Kind gerne in die Stunde geht», rät Walther. Das können auch kleine Dinge sein, etwa, wenn der Pädagoge morgens immer besonders schön eine Geschichte vorlese. Am besten machten sich Eltern eine Liste mit Punkten, die sie besprechen wollen. Denn im Gespräch gingen sonst viele Dinge unter. Bevor es um die individuelle Situation des Kindes geht, sollten Eltern die Chance nutzen, den Lehrer zu fragen: «Wie schätzen Sie die Klassensituation ein? Wie gut ist mein Kind integriert?» So ließen sich eigene Eindrücke abgleichen.

Eltern sollten sich auch vergewissern, dass der Lehrer ihr Kind zuordnen könne. «Ich habe es schon erlebt, dass der Lehrer das Kind mit einem anderen verwechselt hat», sagt Ursula Walther, stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrats (BER). Seine Kritik an einer schlechten Leistung sei in diesem Fall völlig unbegründet gewesen. Um sicherzugehen, dass Lehrer und Eltern über dasselbe Kind sprechen, sollten Eltern vorsichtshalber ein Foto mitnehmen. Beschleichet Mutter oder Vater dann das Gefühl, der Lehrer spreche gar nicht über das eigene Kind, lasse sich das Missverständnis mit einem Bild schnell aufklären.

Einen Richtwert, wie oft Eltern den Lehrer aufsuchen sollten, gibt es laut BER nicht. «Das hängt vom Kind und vom Fach ab. Das kann von zweimal im Jahr bis zehnmal im Jahr reichen», sagt Walther.   Damit das Gespräch auf Augenhöhe stattfindet, sollten auch Eltern Themen setzen. «Erzählen Sie Dinge von zu Hause, auch wenn der Lehrer nicht danach fragt», rät Walther. Denn er könne ein Kind besser beurteilen, wenn er wisse, dass die Familie beispielsweise wenig Geld hat, es Ärger mit Geschwistern oder einen Todesfall gibt.

Aus einer Emnid-Studie geht hervor, dass fast alle Eltern regelmäßig die Sprechstunde der Lehrer nutzen (90 Prozent). 84 Prozent haben dabei das Gefühl, dass die Lehrer an einer Zusammenarbeit mit den Eltern interessiert sind. Allerdings kritisiert knapp ein Drittel (32 Prozent), dass Lehrer den Eltern keine Fragen über ihr Kind stellen. JULIA KIRCHNER; dpa
(5.9.2012, aktualisiert am 6.9.)

Zum Bericht: „Eltern loben Lehrer – und schimpfen auf das Schulsystem“

Ein Kommentar

  1. Ehrlich gesagt, war ich mir vorher gar nicht darüber im Klaren, dass es dazu Studien gibt – „Empfehlungen zur Besuchsfrequenz der Sprechstunde“. Andererseits – umso besser. Je mehr auch die Eltern wissen, desto mehr kommt beim Gespräch heraus.

    War ein Zufallsfund bei der Recherche rund um „Sprechstundenverwaltung“ – also eher die andere Seite des Tisches. Unerwartet, aber interessant!

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