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Steinmeier behält Doktortitel – Uni urteilt: «Keine Täuschungsabsicht»

GIESSEN. Nach Plagiatsvorwürfen nahm die Uni Gießen die Doktorarbeit von SPD-Fraktionschef Steinmeier unter die Lupe. Das Urteil der Prüfer: Kein wissenschaftliches Fehlverhalten, kein Plagiat.

Hat sich gegen den Plagiatsvorwurf erfolgreich zur Wehr gesetzt: Frank-Walter Steinmeier. Foto: Stephan Roehl / Heinrich-Böll-Stiftung /  Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Hat sich gegen den Plagiatsvorwurf erfolgreich zur Wehr gesetzt: Frank-Walter Steinmeier. Foto: Stephan Roehl / Heinrich-Böll-Stiftung / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier behält seinen Doktortitel. Bei Überprüfung seiner Dissertation stellte die Universität Gießen weder wissenschaftliches Fehlverhalten noch eine Täuschungsabsicht fest, wie die Hochschule mitteilte. Das Prüfverfahren, ausgelöst durch Plagiatsvorwürfe des Dortmunder Wirtschaftswissenschaftlers Uwe Kamenz, wurde von der Universität eingestellt.

Es gebe zwar handwerkliche Schwächen wie Zitierfehler. Die Arbeit sei aber «originär Steinmeier», sagte der Vorsitzende der Untersuchungskommission, Wolf-Dietrich Walker. «Die Dissertation stellt in ihrem inhaltlichen Kern, der die eigentliche wissenschaftliche Leistung enthält, kein Plagiat dar.»

Auslöser war ein Bericht des Magazins «Focus» unter Berufung auf Kamenz. Dieser wollte in Steinmeiers Doktorarbeit «umfangreiche Plagiatsindizien» ausgemacht haben. Kamenz lehrt an der Fachhochschule Dortmund, betreibt zugleich von Münster aus ein eigenes Netzwerk zur Plagiatsjagd. Bei den Textvergleichen setzt er eine Computer-Software ein, die umstritten ist. Steinmeier hatte die Vorwürfe als «absurd» zurückgewiesen und die Uni Gießen um Überprüfung gebeten.

Steinmeier war 1991 mit seiner Doktorarbeit «Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit» promoviert worden. Bei der Überprüfung zog die Hochschule nicht nur die Berichte von Kamenz, sondern auch Angaben der Internetplattform «VroniPlag» heran. Außerdem wurden mehrere Stellungnahmen, auch von Steinmeier selbst, einbezogen.

Die Prüfer stießen den Angaben zufolge teilweise auf Zitierfehler. Es gehe um Passagen, die Steinmeier bereits zuvor veröffentlicht habe und die er in seiner Dissertation nicht an jeder Stelle explizit ausweise. Das sei aber keine Täuschung, denn der Autor «maße sich keine Urheberschaft für fremde Texte an, sondern gebe schlicht ältere eigene Gedanken und Texte wieder». Soweit von diesen Stellen ein Co-Autor betroffen sei, könne ebenfalls nicht von einer Täuschungsabsicht ausgegangen werden, da dieser an mehreren Stellen ausdrücklich erwähnt werde.

Steinmeier schrieb auf seiner facebook-Seite: «Ich freue mich sehr, dass die Universität Gießen heute die Vorwürfe gegen meine Doktorarbeit zurückgewiesen hat. Mein besonderer Dank gilt all denen, die mir in den letzten Wochen auf vielfältige Art ihre Sympathie und Unterstützung zugesichert haben.»

Mit Steinmeier war zum ersten Mal ein SPD-Spitzenpolitiker mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert worden. Dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der Ex-Vizepräsidentin des Europaparlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP) und Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) waren nach Plagiatsvorwürfen die Doktortitel aberkannt worden. Schavan klagt gegen die Entscheidung. Die Universität Bochum überprüft derzeit die Dissertation von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, mahnte «selbsternannte Plagiatsjäger zum verantwortlichen Handeln». Es dürfe keine Vorverurteilungen geben. Auch gehöre das Thema Qualitätssicherung von Promotionen weiter auf die politische Agenda. Die künftige große Koalition müsse sich für eine Vereinheitlichung zur Erlangung und Überprüfung von Doktorgraden einsetzen, ebenso für eine bessere Betreuung der Promovierenden. dpa

Zum Bericht: Gericht verhandelt im März über Schavans Doktortitel

 

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