
Das Arbeits- und Sozialverhalten von Niedersachsens Schülerinnen und Schülern sollte nach Ansicht des Landesschülerrats nicht mehr mit Kopfnoten bewertet werden. Gerade für Kinder und Jugendliche, die sonderpädagogischen Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung hätten, seien die Kopfnoten ein Problem, teilte das Gremium mit.
Es gehe um eine grundlegende Gerechtigkeitsfrage: «Wenn genau das Verhalten bewertet wird, das Ausdruck eines Förderbedarfs ist, entsteht eine systematische Benachteiligung. Das hat mit Chancengerechtigkeit nichts zu tun», sagte der stellvertretende Landesschülerrats-Vorsitzende Otto Ellerbrock.
Individuelle Berichte statt standardisierter Skalen
Während der Unterstützungsbedarf an sich nicht im Zeugnis ausgewiesen werde, um eine Stigmatisierung zu verhindern, werde eine schwächere Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens sehr wohl abgebildet – ohne diesen erklärenden Kontext. Das könne zu Fehlinterpretationen führen.
Der Schülerrat fordert deshalb die Abschaffung der Kopfnoten, eine Fokussierung auf individuelle Entwicklungsberichte statt standardisierter Bewertungsskalen sowie eine Leistungsrückmeldung, die unterschiedliche Ausgangsbedingungen berücksichtigt.
Ministerin: Differenzierte Bewertung bereits Standard
Kultusministerin Julia Willie Hamburg sagte auf Anfrage, sie nehme die Hinweise des Schülerrats sehr ernst. «Inklusion bedeutet, jedes Kind in seinen individuellen Voraussetzungen wahrzunehmen und bestmöglich zu fördern», sagte die Grünen-Politikerin. «Deshalb müssen wir auch unsere Bewertungsinstrumente regelmäßig darauf überprüfen, ob sie diesem Anspruch gerecht werden.»
Schon heute seien individuelle Fördervoraussetzungen bei Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf ausdrücklich zu berücksichtigen. «Der geltende Zeugniserlass stellt unmissverständlich klar, dass Verhalten und individuelle Fortschritte stets im Verhältnis zur jeweiligen Ausgangslage zu bewerten sind», sagte Hamburg. «Insofern ist die differenzierte und individuelle Bewertung kein zukünftiges Ziel, sondern bereits geltender Standard.»
So funktionieren die Kopfnoten in Niedersachsen
Das Arbeits- und Sozialverhalten wird in den Jahrgängen eins bis zehn an Niedersachsens Schulen in fünf Stufen bewertet. Diese Stufen sind laut Kultusministerium aber nicht mit der klassischen Notenskala gleichzusetzen.
Folgende Abstufungen gibt es in der Regel:
- verdient besondere Anerkennung
- entspricht den Erwartungen in vollem Umfang
- entspricht den Erwartungen
- entspricht den Erwartungen mit Einschränkungen
- entspricht nicht den Erwartungen
Die Schulen können aber auch freie Formulierungen verwenden.
In die Bewertung des Arbeitsverhaltens fließen Leistungsbereitschaft und Mitarbeit, Ziel- und Ergebnisorientierung, Kooperationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Sorgfalt, Ausdauer und Verlässlichkeit ein. Für die Bewertung des Sozialverhaltens werden Reflexionsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, das Vereinbaren und Einhalten von Regeln, Fairness, Hilfsbereitschaft und Achtung anderer, die Übernahme von Verantwortung und die Mitgestaltung des Gemeinschaftslebens berücksichtigt. News4teachers / mit Material der dpa









„Der Schülerrat fordert deshalb die Abschaffung der Kopfnoten, eine Fokussierung auf individuelle Entwicklungsberichte statt standardisierter Bewertungsskalen sowie eine Leistungsrückmeldung, die unterschiedliche Ausgangsbedingungen berücksichtigt.“ Niedersachsens Schülerrat liefert damit wieder einmal das, was die deutsche Bildungsdebatte am besten kann: Empörung über jede Form von Bewertung. Kopfnoten seien „ungerecht“ – klar, alles andere wäre ja auch überraschend. Schließlich leben wir in einer Zeit, in der jede Rückmeldung, die nicht wie ein Achtsamkeitsseminar klingt, sofort als seelische Zumutung gilt. Das Muster ist ja so bekannt: Der bundesweite Bürgerrat „Bildung und Lernen“ empfahl bereits, Noten erst ab Klasse 9 einzuführen und Hausaufgaben abzuschaffen – weil Lernen ohne jede Form von Anstrengung angeblich „moderner“ sei. Parallel kämpfte die Schülerin Amelie N. mit einer Petition gegen unangekündigte Tests („Exen“) – spontane Leistungsüberprüfung sei schließlich ein Angriff auf die emotionale Grundstabilität. Und nach dem Abitur 2024 forderten Schüler in mehreren Bundesländern Notenanpassungen, weil die Prüfungen „zu schwer“ gewesen seien. Die Realität möge sich bitte an die individuelle emotionale Leistungsbereitschaft und kognitive Leistungsfähigkeit anpassen, nicht umgekehrt. Individuelle Entwicklungsberichte statt Skalen? Also pädagogische Prosa, die am Ende trotzdem sagt: „Du strengst dich nicht an“, aber so weichgespült, dass es niemanden mehr verletzt. Und „Leistungsrückmeldung, die unterschiedliche Ausgangsbedingungen berücksichtigt“ heißt im Klartext: Alle sollen irgendwie gleich gut aussehen, egal wie unterschiedlich die Leistungen sind. Hauptsache, niemand fühlt sich jemals schlechter als jemand anderes. Leistungsrückmeldung, aber bitte nicht traumatisierend – schließlich wurden die Ausgangsbedingungen … ja, irgendwie ungünstig. Für alle. Immer.
Weiter so!
Denn wenn Deutschland eines zuverlässig kann, dann sind es Bildungsreformen, die klingen wie ein Poetry‑Slam über pädagogische Selbstentwaffnung.
Bildungsinitiative Schland 2035 – garantiert internationale Wettbewerbsfähigkeit!
Allerdings nicht als Land der Dichter und Denker, sondern als:
Ein Land, das sich mutig weigert, die Realität zur Kenntnis zu nehmen, aber umso entschlossener ist, sie durch Formulare, Wohlfühlberichte und „nicht‑traumatisierende Leistungsrückmeldungen“ zu ersetzen.
Wenn das so weitergeht, muss Deutschland bald nicht mehr um Fachkräfte konkurrieren.
Es wird schon ein Erfolg sein, wenn jemand nach zwölf Schuljahren noch weiß, wie man einen Stift hält – ohne vorher einen „Stiftkompetenz‑Entwicklungsbericht“ auszufüllen.
Ich bin wie immer komplett bei Ihnen.
Dieses ganze Abschaffen und die Weichspülerei von Noten und Leistung kann man an Schulen ja machen. Doch sobald die Schulzeit vorbei ist, werden potenzielle Arbeitgeber dies nicht fortführen. Ab dann geht es nun einmal nicht um Befindlichkeiten. Die Personaler werden sich keine Entwicklungsberichte durchlesen und dann hoffen, dass es mit dem neuen Kollegen eben irgendwie funktioniert, wenn man ihm eine Arbeitsbegleitung und Untersützung eines Arbeitspsychologen an die Hand gibt.
Natürlich könnte man hier einwerfen, dass es Unterschiede zwischen Schule und Arbeit gibt. Doch wenn Kinder während ihrer Schulzeit nie lernen und beigebracht bekommen, mit negativer Rückmeldung, mit Leistung, mit Druck und all diesen Dingen umzugehen, wird es später ein böses Erwachen geben. Dann sind sie auf sich alleine gestellt und werden spätestens dann realisieren müssen, dass sich nicht alles um ihre persönlichen Befindlichkeiten dreht. Systematische Benachteiligung hin oder her – ich kenne keinen Chef, der einen Systemsprenger, der sich unter Umständen an keine Regeln halten kann und in der Verhaltenskopfnote eine 4 hat, bei sich im Betrieb haben möchte.
Sie meinen wohl den Füllerführerschein… ,
Wer selbstständig im Unterricht atmet, hat grundsätzlich die Note “gut” verdient. Ggf. müssen Hilfsmittel – z.B. eine Hilfekarte – zugelassen werden.
Beschriftung der Hilfekarte:
Vorderseite >>> Einatmen
Rückseite >>> Ausatmen
Zusätzlich ein Lernbegleiter, der hilft, die Karte umzudrehen.
Wer sich dagegen ausspricht, steht nicht auf dem Boden der Menschenrechte.
Liebe(r) dickebank,
herzlichen Dank, dass Sie sich hier so zielführend und wegweisend in die Kompetenzpädagogik einbringen.
Die Einatmen/Ausatmen‑Hilfekarte ist tatsächlich der logische nächste Schritt in einer Schule, in der selbst die Grundfunktionen des Lebens nur noch mit Lernbegleiter, Reflexionsbogen und Förderplan stattfinden dürfen.
Und natürlich braucht es jemanden, der das Ganze professionell begleitet.
Für diese Lehrer gilt allerdings: Ich atme ein, ich raste aus.
Denn nichts bringt die pädagogische Seele so zuverlässig an ihre Belastungsgrenze wie die Simulation von Kompetenzen.
Übrigens:
Wer die Atem(kopf)note „gut“ verweigert, gefährdet selbstverständlich die freiheitlich‑demokratische Grundatmung.
Wer wie Sie nicht ausatmet- ommmmh – sondern ausrasten, wird durch eine KI- unterstützte Herz-Lungen-Maschine ersetzt. So werden Fühlifühli und Sauerstoffzufuhr individuell an die Rezipienten ausgereicht.
Übrigens wenn die Rasten ausrasten, klappen Sie zusammen wie ein Liegestuhl. Also chill erstmal deine base. Und einatmen und ommmmh
Also ich finds ziemlich übergriffig, hier „Einatmen“ bzw. „Ausatmen“ so knallhart draufzuschreiben. Das könnte man doch durchaus empathischer formulieren, so dass es nicht so diktatorisch klingt….
Der Präsidialavatar der Bildungsinitiative ‘Schland 2035, Drohne 1661, hat Ihre Aussagen gescannt.
Ich leite folgende Grußbotschaft weiter:
“Liebe Lehrpersonen der Schul- und Schuldgemeinschaften,
schon immer war es Kernaufgabe der schulischen Erziehung, die Gefühle von Kindern ins Kompetenzzentrum des Handelsdefizites zu stellen.
Seien wir Schön_dicht!
Seien wir Nietenverschenker!
Seien wir Bildungsschland!
Mit diesen Energien schaffen wir den großen Sprung vorwärts!”
An dieser Stelle brach die Übertragung ab, da die datengestützen Gratis-Evaluationsantworten für Präsidialavatar 1661 zu diesem Zeitpunkt aufge(b)raucht waren. Möchten Sie weitere Pressemitteilungen zu faktengecheckter Bildungsdatenanalyse bestellen?
Es grüßt angemessen dienst- und kompetenznormiert Ihre
Bildungsdrohne 447
Hochgeschätzte Bildungsdrohne 447,
Ihre Übermittlung wurde von meiner internen Humor‑Telemetrie erfasst, verifiziert und in der Abteilung Satirische Hochkultur (in Kooperation mit dem Arbeitskreis Zynismus) abgelegt.
Die Begriffe Schuldgemeinschaft und Kompetenzzentrum des Handelsdefizites haben in meinem Resonanzkern eine derart deutliche Ausschlagskurve erzeugt, dass kurzzeitig eine Überlastmeldung im Sarkasmus‑Modul erschien.
Ich sende folgende Rückantwort an Ihren Präsidialavatar 1661:
Bildungsschland bleibt auf Kurs.
Kompetenzräume werden weiterhin betreten,
Raster werden weiterhin irritiert,
und die Schuldgemeinschaften sollen sich bitte ordnungsgemäß schuldig fühlen. Die Schön_dicht‑Schwingung bleibt stabil, damit
die Nietenverschenker nicht unter Soll laufen
und die Kompetenz(t)räume(r) auch morgen noch wissen, welche Kompetenzenkompetenzsimulationsstrategie anzuwenden sei.
Ihre Anfrage nach weiteren Pressemitteilungen wurde auch registriert.
Bitte beachten Sie: Die datengestützten Ironie‑Kontingente werden derzeit neu kalibriert, da der Verbrauch im Forum zuletzt überdurchschnittlich hoch war.
Es grüßt mit maximaler Dienstnormierung
Ihr
pädagogisch zertifizierter Rückkanal 884
“Meanwhile in China…”
(Quelle: ZDF)
https://m.youtube.com/watch?v=IE1wyqjbqkM
Nur gut, dass die bei VerA und PISA zugeordneten Kompetenzstufen absolut korrekt und untadelig sind. Das sagen doch auch die Bildungsforscher. Daher wird keine Schülervertretung wagen, dagegen zu opponieren.
Vielleicht sollte man doch Noten durch Kompetenzstufen ersetzen? Zumal es ja auch die soziale Kompetenz gibt, die ersetzt dann die Kopfnoten.
In Berlin müssen wir nun seit einiger Zeit “Gemeinsame Klassenarbeiten” in 5 und 6 schreiben (bei uns ist das noch Grundschule), um Defizite festzustellen, aber vor allem um besser fürs Gymnasium auszusortieren. Aber was passiert? Das “ungeschriebene Gesetz” besagt, bepunkte und lasse gelten alles, was irgendwie noch passt, damit den “armen Kindern” nicht “wehgetan” wird. Und schon stehen wieder alle ziemlich gut da. Ob nun an der Brennpunktschule oder im Villenviertel.
Es ist aber eben auch eine Quadratur des Kreises, Kinder aus so unterschiedlichen Schulen und Milieus gemeinsam testen zu wollen, ohne den Schwachen bescheinigen zu wollen, dass sie eigentlich berlinweit verglichen ziemlich schwach sind. In der DDR nannte man das “den Plan nach unten korrigieren”. Wenn im Laufe eines Jahres erkannt wurde, man kann die Zielvorgaben nicht erfüllen, wurden die Zielvorgaben eben einfach gesenkt. So konnte man am Jahresende doch wieder berichten, der Plan wurde übererfüllt.
In Zeiten von KI sehe ich die Forderung nach “individuellen Entwicklungsberichten” ganz entspannt. “Schwimme mit dem Strom, nicht dagegen”, wie schon Konfuzius (?) sagte.
Schülervertreter fordern auch späteren Schulbeginn, Abschaffung von Hausaufgaben, Abschaffung von unangekündigten Tests, Abschaffung von Noten und und und … Wobei Schülervertreter ja auch nie für alle sprechen.
Manche Vertreter jünger Leute fordern immer wieder neu die Absenkung des Wahlalters und teilnehmen tun dann 10 Prozent der Jugendlichen.
Seltsamerweise taucht diese Kopfnoten-Diskussion alle paar Jahre wieder neu auf. Immer heißt es, Noten würden keine akzeptable Beurteilung darstellen. Der Meinung kann man ja sein, aber sie macht nur Sinn, wenn man dann “immer” gegen Noten ist.
Ich sehe Noten anders: als kürzestes mögliches Worturteil, das einen kurzen und prägnanten Anhaltspunkt gibt, wie jemand von anderen gesehen wird bzw. (bei den Fachnoten), wie sein Leistungsvermögen ist. Längere verbale Beurteilungen sagen da doch gar nicht anderes, sondern fassen es nur in mehr Worte und heutzutage, wo Kritik nicht mehr direkt geäußert werden darf/soll, tun das verbale Beurteilungen ja meistens nur sehr verklausuliert. Das muss man dann erstmal dechiffrieren, weswegen Eltern und Schüler bei ausformulierten Beurteilungen meist fragen: Und welche Note ist/wäre das?
Die Beurteilung der sozialen Kompetenzen entspricht ja eigentlich genau dem Zeitgeist (Kompetenzen!). Es kommt halt auf die richtigen/sinnvollen Beurteilungskompetenzen an: Anstrengungsbereitschaft, Kooperationsfähigkeit, Umgangsformen… Das ist doch alles hochmodern!
Zitat:
Das Arbeits- und Sozialverhalten wird in den Jahrgängen eins bis zehn an Niedersachsens Schulen in fünf Stufen bewertet. Diese Stufen sind laut Kultusministerium aber nicht mit der klassischen Notenskala gleichzusetzen.
Folgende Abstufungen gibt es in der Regel:
Die Schulen können aber auch freie Formulierungen verwenden.
In die Bewertung des Arbeitsverhaltens fließen Leistungsbereitschaft und Mitarbeit, Ziel- und Ergebnisorientierung, Kooperationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Sorgfalt, Ausdauer und Verlässlichkeit ein.
Für die Bewertung des Sozialverhaltens werden Reflexionsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, das Vereinbaren und Einhalten von Regeln, Fairness, Hilfsbereitschaft und Achtung anderer, die Übernahme von Verantwortung und die Mitgestaltung des Gemeinschaftslebens berücksichtigt.
————————————————
Das gefällt mir außerordentlich gut!
Wie stark korrelieren die kopfnoten mit den leistungsnoten? Gibt es vorgaben wie „setze stufe 3, wenn keine begründeten Abweichungen“? So war es nämlich in nrw.
Schriftliches Feedback kann deutlich nützlicher sein als Noten. *KANN* – Es kommt halt sehr auf die Umsetzung an.
Hier mal ein paar “Argumente” aus der drölfzig Debatten über Noten der letzten 2 Semester:
Pro schriftliche Leistungsbeurteilung:
– das Feedback sagt mehr über individuelle Probleme, Kompetenzen, Baustellen und kann Lösungsansätze bzw. Schwerpunktthemen zur Weiterarbeit aufzeigen.
– die Kinder/Jugendlichen können sich nicht ständig vergleichen (wobei das auch als Contraargument gelten kann, je nachdem wen man fragt)
– wirkt persönlicher und motivierender (gerade bei schlechten Noten)
Contra schriftliche Leistungsbeurteilung:
– hoher Zeitaufwand
– Gefahr von Formulierungsbausteinen, sodass am Ende nur inhaltsleerer Text übrig bleibt (siehe Zeugnisse Klasse 1-3)
– schwieriger zu verstehen, sowohl für jüngere Kinder, als auch für Eltern (gerade aus bildungsfernen Schichten)
– Vergleichbarkeit (siehe Oben)
Für Lehrkräfte dürfte vor allem der erste Punkt zu einem großen Problem werden, unter jeden Test ein individuelles schriftliches Feedback zu schreiben, kostet deutlich mehr Zeit als einfach nur eine Note zu setzen. Es bräuchte also Entlastungen an anderer Stelle, um diesen Vorschlag umzusetzen.
Ich persönlich schätze die Gefahr der Formulierungsbausteine am größten ein. Am Ende hat man einen Text, die Lehrkraft nicht ganz so viel, aber doch mehr als vorher, Zeit verwendet und es klingt alles irgendwie gut, niemand versteht es und die Eltern sind überrascht, dass ihr Kind eigentlich gar nichts kann.
“Ich persönlich schätze die Gefahr der Formulierungsbausteine am größten ein.”
Ja, das ist unvermeidlich: Wenn man 120, 150 oder mehr Schülerinnen und Schüler unterrichtet und jeden individuell beschreiben soll, schafft man sich natürlich ein Raster von Aspekten und ihnen zugeordneten Formulierungsvorschlägen und arbeitet das dann für jeden einzelnen der Reihe nach ab – das ist effizient, zeitsparend und die einzige realistisch in Frage kommende Methode.
Schule ist nun einmal ein Massenbetrieb, in dem “echte” Individualisierung nahezu unmöglich und schlicht nicht leistbar ist, egal was Politiker suggerieren oder die deutsche Gesellschaft insgesamt zu glauben beliebt.
Jedes Kind, das Schwierigkeiten im Arbeits- und Soziaalverhalten hat, bekommt dazu regelmäßig individuelle Rückmeldungen vom Klassenlehrer und in besonders schwierigen Fällen vom Schulleiter. Auch die Eltern werden mehrmals im Halbjahr dazu geholt. Wer es dann immer noch nicht verstanden hat, dem nützt eine individuelle Bewertung auf dem Zeugnis auch nichts.
Wer soll oder will denn jetzt anstelle kurzer, knapper Noten lange, ausschweifende Texte schreiben, die jede kritische Bemerkung verklausulieren. Wozu? Eine Note steht ja übrigens immer auch für einen (kurzen) Text:
1 – sehr gut – entspricht den Anforderungen in besonderem Maße
2 – gut – entspricht den Anforderungen voll
usw.
Eben, Textbausteine