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Bundesgericht: Kein Anspruch auf Ethik als Schulfach – Verbände sind dafür

LEIPZIG. Eltern haben keinen grundgesetzlichen Anspruch auf die Einführung eines Ethikunterrichts für ihre konfessionslosen Kinder. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Mittwoch auf die Klage einer dreifachen Mutter hin entschieden. Die 42-Jährige aus Freiburg im Breisgau kündigte nach der Urteilsverkündung an, vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ziehen zu wollen.

Die Klägerin hatte vom Land Baden-Württemberg verlangt, Ethik ab Klasse 1 als Alternative zum Religionsunterricht anzubieten. Ihre Kinder, die keinem christlichen Glauben anhängen, würden sonst benachteiligt. ÄHnlich sehen das auch die Verbände. „Bildungsgerechtigkeit muss in der Grundschule anfangen“, sagt der Vorsit­zende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Gerhard Brand. Dazu gehöre auch ein Ethikunterricht für alle Schüler, die nicht am Religionsunter­richt teilnehmen. Alle Kinder sollten möglichst früh eine optimale Bildung und Erziehung genießen dürfen. Bis heute warten die Grundschulen vergeb­lich auf den in der Koalitionsvereinbarung festgeschriebenen Ethikunterricht.

Grundschüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, bleiben nicht nur ohne alternative Bildungsangebote, sie sind für die Schulen auch eine echte Herausfor­derung, was die Beaufsichtigung betrifft. Denn auf der einen Seite hat man die ver­lässliche Grundschule, die verhindert, dass man Schüler in Randstunden vorzeitig nach Hause schicken darf, andererseits stehen den Schulen für „Nicht-Unterricht“ auch keine Lehrerstunden zur Verfügung.

Nicht einmal sinnvolle Stütz- und Förderkursstunden können alternativ für Grund­schüler angeboten werden, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. „Der von Grün-Rot vorgesehene Ethikunterricht ab der ersten Klasse für Kinder, die keinen Religionsunterricht besuchen, ist schlichtweg aus finanziellen Gründen noch nicht umgesetzt worden“, kritisiert VBE-Chef Brand.

Auch GEW-Landeschefin Doro Moritz fordert die zügige Einführung von Ethik-Unterricht an der Grundschule. «Wir brauchen eine Werteerziehung, eine Werteorientierung», sagte sie am Mittwoch dem Südwestrundfunk (SWR). Das Schulgesetz sehe vor, dass die Schüler zur Anerkennung der Werte und Ordnungsvorstellungen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu erziehen seien. nin mit dpa

4 Kommentare

  1. de facto ist “Reli” doch ein Ethikunterricht.
    Ich kenne keinen Kollegen, der seinen Schülern irgendwas Religiöses aufschwätzen würde. Könnte es sein, dass die Klägerin ein weitaus engeres Weltbild hat als sie es dem Religionsunterricht vorwirft?

    • Zu “Reinhard 17.04.14 – 16:18” – Ich war dieser Tage in einer bayerischen Grundschule und habe mich in einem Klassenzimmer umgesehen. Ich hätte da einiges entfernt, die religiöse Indoktrination ist in manchen Schulen schlimm.

      Vor einigen Jahren musste ich mir von einer Grundschullehrerin anhören, dass es schade sei, dass die Kinder keine Weihnachtslieder mehr singen können. Als Ingenieur und Physiker habe ich mich gefragt, in welcher gedanklichen Welt die Lehrerin lebt. Wie soll sie die Kinder auf unsere naturwissenschaftlich orientierte Welt vorbereiten?

  2. Fach „Ethik“ statt „Religion“!

    „Religion“ ist eine „Weltanschauung“. Und dazu hat das Bundesverfassungsgericht verfügt, dass der deutsche Staat „weltanschauungsneutral“ sein muss, da nur dann Deutschland eine „Heimstatt“ für alle sein kann, egal ob sie religiös oder nichtreligiös sind.

    Damit gehört das früher durch massiven Druck von Bischöfen in das Grundgesetz hineingepresste Fach Religion an öffentlichen Schulen zu den so genannten „verfassungswidrigen Verfassungsrechten“, zumal es in einem unüberbrückbaren Gegensatz zu Grundgesetz-Artikel 140 steht: „Es besteht keine Staatskirche“.

    Baden-Württemberg sollte eine Bundesratsinitiative starten mit dem Ziel, die verfassungswidrige Bevorzugung vom Religionsunterricht zu streichen und z.B. durch „Ethik-und Weltanschauungsunterricht“ zu ersetzen.

    Noch besser, schneller und für das immer mehr beschädigte Ansehen der Kirchen sehr hilfreich wäre es, wenn die Kirchen endlich der Nächstenliebe gemäß auf das völlig unchristliche Bestehen auf Bevorzugung von sich aus verzichten und Religionsunterricht nur noch in ihren Räumlichkeiten anböten!

    • Das ist Ihre Meinung, aber nicht meine.
      Auch Sie, Herr Moysich, sind ebenso wie Herr Datko überaus bekannt für Angriffe auf christliche Wertevorstellungen, auch wenn Sie vorgeben, in deren Sinn zu argumentiern.

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