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Männer in Kitas: «Vorurteile schwingen immer mit»

STUTTGART/FREIBURG. Die Klischees von Erziehern in Kitas schrecken viele Männer ab. Mehr als 96 von 100 Kita-Fachkräften im Land sind weiblich. Dabei sind Erzieher nicht nur für Jungs wichtig.

Ob Schülerhort oder Babykrippe: Fast immer kümmern sich Erzieherinnen um die Kinder. Männer in Kitas sind nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung. Nur 3,8 Prozent des Personals in den Kindertagesstätten Baden-Württembergs sind männlich, wie Zahlen des Stuttgarter Kultusministeriums zeigen. «Wir brauchen mehr Vielfalt in den Kitas», sagt Anna Buschmeyer vom Deutschen Jugendinstitut in München. Buschmeyer ist Referentin auf einer Fachtagung der Pädagogischen Hochschule (PH) Freiburg, die sich am Samstag mit der Rolle von Männern in Kitas beschäftigt.

«Jeder Mann, der sagt, er will Erzieher werden, wird erstmal komisch angeschaut», meint Buschmeyer. Der Erzieherberuf passe aus Sicht vieler nicht zum Bild vom harten Kerl. «Wir müssen klarmachen, dass das Klischee von der Kaffeetante einfach nicht stimmt.» Das schrecke viele Männer ab.

Was diese beiden wohl von einem "Kita-Platz-Sharing" halten? Foto: ianus / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Kinder betreuen gilt gemeinhin nicht als Aufgabe für harte Kerle. Foto: ianus / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Im fünfköpfigen Erzieher-Team der «Villa Rumpelpumpel», einer privaten Kita im Stuttgarter Westen, arbeiten gleich zwei Männer. «Das ist auf jeden Fall ein Mehrwert für die Kinder», sagt Kita-Leiter und Erzieher Moritz Hermann. Gerade wenn der Vater wenig Zeit für seine Kinder hat, könne ein männlicher Erzieher eine wichtige Bezugsperson sein. «Die Zeit, die Papa daheim nicht hat, kann ein Mann hier leisten.»

Hermann findet deshalb, dass nicht nur Jungs von Erziehern profitieren. Auch für Mädchen sei der alltägliche Umgang mit männlichen Bezugspersonen wichtig, vor allem wenn die Mutter alleinerziehend ist. «Damit die Kinder nicht nur das Bild von dem Mann im Kopf haben, der Mama sitzengelassen hat.»

Das Vorurteil der Pädophilie schwinge in der Debatte um männliche Erzieher aber immer mit, berichtet Hermann. «Wir müssen da enorme Vertrauensarbeit leisten.» Wichtig sei der direkte Kontakt mit den Eltern, um klarzumachen, dass ihr Kind in guten Händen ist.

Das bestätigt Expertin Buschmeyer: «Es gibt eine weit verbreitete Angst unter Eltern und Kolleginnen.» Oft werde die Regel aufgestellt, dass ein Erzieher nur bei offener Tür die Kinder wickeln darf. Für Männer gehöre deshalb viel Selbstvertrauen dazu, Erzieher zu werden.

Die Politik bemüht sich seit Jahren, mehr Männer für den Erzieherberuf zu begeistern. Beim Kultusministerium verweist man auf die neue, praxisintegrierte Form der Erzieherausbildung. Seit dem Schuljahr 2012/2013 lernen die angehenden Pädagogen in Berufsschule und Kita im Wechsel. «Im Vergleich zur traditionellen vollschulischen Ausbildung konnten wir den Männeranteil auf über 15 Prozent erhöhen», sagt Sprecherin Christine Sattler. Zudem verdienen die Erzieher nun während der Ausbildung Geld – im ersten Jahr rund 800 Euro.

Denn auch zu wenig Gehalt ist immer noch ein Grund, warum sich viele Männer gegen eine Ausbildung zum Erzieher entscheiden. «Jedem muss klar sein: Mit diesem Beruf werde ich nicht reich», sagt Buschmeyer. Das gelte aber auch für viele männlich dominierte Berufe, etwa im Handwerk. Für Erzieher Hermann spielt Geld deshalb auch nicht die entscheidende Rolle. Mit seinem Gehalt sei er zufrieden: «Ich komme super damit klar.» Simon Ribnitzky

Ein Kommentar

  1. Wie in anderen Berufen auch: eine Quote muss her!

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