Start Aus den Verbänden Zur Erfassung der Arbeitszeit: GEW will Lehrkräften jetzt eigene App bereitstellen

Zur Erfassung der Arbeitszeit: GEW will Lehrkräften jetzt eigene App bereitstellen

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BERLIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin will zum Beginn des neuen Schuljahres ein eigenes digitales Instrument zur Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte vorstellen. Beschäftigte sollen damit ihre tatsächlich geleistete Arbeitszeit dokumentieren und so Ansprüche wegen unbezahlter Mehrarbeit systematisch geltend machen können. Die Ankündigung verschärft den Konflikt mit der Berliner Bildungsverwaltung, die bislang kein verbindliches Verfahren zur Arbeitszeiterfassung eingeführt hat.

„Wir schaffen jetzt konkrete Wege.“ (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Nach Angaben der Gewerkschaft soll die App den Lehrkräften ermöglichen, ihre Arbeitszeiten eigenständig zu erfassen und Überschreitungen der vorgesehenen Arbeitszeit nachvollziehbar zu dokumentieren. Wie das Tool genau funktioniert, soll auf einer Pressekonferenz am 18. August vorgestellt werden. Zugleich bereitet die GEW nach eigenen Angaben Musterverfahren vor, um Ansprüche ihrer Mitglieder rechtlich durchzusetzen.

„Die Senatsverwaltung kann das Thema nicht länger aussitzen. Wir schaffen jetzt konkrete Wege, damit Kolleg*innen ihre Arbeitszeit sichtbar machen und ihre Ansprüche geltend machen können. Wenn das Land Berlin keinen verbindlichen Weg zur Erfassung eröffnet, werden wir unseren Mitgliedern diese Möglichkeit geben“, erklärt Sven Dudkowiak, Leiter des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW Berlin.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist eine Arbeitszeitstudie der Universität Göttingen, die vor gut einem Jahr mit Unterstützung der GEW vorgestellt wurde. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Berliner Lehrkräfte im Durchschnitt rund 100 Stunden pro Jahr mehr arbeiten als der für Landesbeschäftigte vorgesehenen Jahresarbeitszeit entspricht. Nach Berechnungen der Studienautoren summiert sich die unbezahlte Mehrarbeit auf mehr als zwei Millionen Stunden jährlich; rechnerisch wären mehr als 1.300 zusätzliche Vollzeitstellen erforderlich, um sie auszugleichen.

Die Untersuchung zeigte außerdem, dass während der Unterrichtswochen rund 30 Prozent der vollzeitbeschäftigten Lehrkräfte regelmäßig die gesetzliche Arbeitsschutzgrenze von 48 Wochenstunden überschreiten. Insgesamt leisten den Ergebnissen zufolge 64 Prozent der Lehrkräfte mehr Arbeit als vorgesehen. Besonders betroffen sind neben Schulleitungen und Gymnasiallehrkräften auch Teilzeitbeschäftigte.

Die GEW wirft der Berliner Bildungsverwaltung vor, trotz dieser Ergebnisse bislang weder ein Pilotprojekt noch ein verbindliches Verfahren zur Arbeitszeiterfassung eingeführt zu haben. Bereits seit einigen Monaten stellt die Gewerkschaft ihren Mitgliedern ein Aufforderungsschreiben zur Verfügung, mit dem sie Ansprüche auf erfasste Mehrarbeit gegenüber dem Arbeitgeber anmelden können. Mit dem angekündigten Instrument zum Schuljahresbeginn soll nun auch die Dokumentation der Arbeitszeit erleichtert werden.

Parallel dazu läuft ein personalvertretungsrechtliches Verfahren. Nach Angaben der GEW hatte der von ihr geführte Personalrat der allgemeinbildenden Schulen in Tempelhof-Schöneberg einen Initiativantrag zur Einführung einer verbindlichen Arbeitszeiterfassung gestellt. Nachdem die Senatsverwaltung dem Antrag nicht gefolgt sei, werde die Angelegenheit nun vor der Einigungsstelle verhandelt.

Die Debatte reicht allerdings über Berlin hinaus. Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts verpflichten Arbeitgeber grundsätzlich dazu, Arbeitszeiten systematisch zu erfassen. Wie diese Vorgaben an Schulen umgesetzt werden sollen, ist bundesweit weiterhin offen. Bremen startet zum Schuljahresbeginn 2026/27 als erstes Bundesland ein Pilotprojekt zur digitalen Arbeitszeiterfassung an ausgewählten Schulen. News4teachers 

Arbeitszeit von Lehrkräften: Bremen erkennt als erstes Bundesland Erfassungspflicht ausdrücklich an – Pilotprojekt startet nach den Sommerferien

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16 Kommentare
Frederik März
13 Tage zuvor

Ich will keine App von der Gew, die im Zweifel meine Interessen als Beschäftigtem ignoriert zugunsten obskurer pädagogischer Statements. Ich will eine offizielle Erfassung, von der ich mir aber im Ergebnis nicht viel verspreche. Und das sollten die Kollegen auch nicht tun.

Walter Hasenbrot
12 Tage zuvor
Antwortet  Frederik März

Manchen ist einfach nicht zu helfen.

Palim
13 Tage zuvor

Toll!
Bestimmt kann die GEW Berlin die App auch mit anderen Landesverbänden teilen.

Sinfonia
12 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Wir werden uns alle noch ärgern, wenn wir in Sachsen herauskommt, dass eigentlich viele nicht zu viel arbeiten und manche sogar zu wenig. Dann haben wir den Ausnahmen zu verdanken, dass die Daumenschrauben angezogen werden. Weil diese Ausnahmen immer am lautesten sind und immer unzufrieden.

Adriana
12 Tage zuvor
Antwortet  Sinfonia

Die Geister, die ich rief…
So in der Art wird es kommen.

Lennon
12 Tage zuvor
Antwortet  Sinfonia

Ich gehe so weit zu behaupten, dass einige sehr kleinlaut werden, wenn sie ehrlich erfassen, wann und wie viel sie tatsächlich arbeiten. Aber das sind bestimmt die Pappenheimer, die nach dem Augenaufschlagen die AZE starten und Abends nach dem Zähneputzen stoppen.
Das ist doch ein absehbarer Rohrkrepierer.

KrissKross
4 Tage zuvor
Antwortet  Lennon

Zeiterfassung ist auch an Schulen Pflicht – und daher nicht diskutierbar.

Palim
12 Tage zuvor
Antwortet  Sinfonia

Die Ausnahmen von was?

Vielleicht beschäftigen Sie sich mal mit der Studie aus Sachsen oder mit den anderen aus Göttingen.
Dann erklärt sich auch, warum es zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt.

Cauchy
13 Tage zuvor

Es wird, wie in jedem Unternehmen, Mitarbeiter geben, die Überstunden leisten, und andere, die das vertraglich vereinbarte Stundenpensum nicht erreichen. Diejenigen, die weniger arbeiten, werden zuerst identifiziert. Anschließend werden die Mitarbeiter, die Überstunden leisten, evaluiert. Die Performance wird nun messbar, und zwar durch das Vermeiden von Überstunden. Have Fun!

Rainer Zufall
12 Tage zuvor
Antwortet  Cauchy

Schulen sind keine Unternehmen.
Wäre das Forum ein Unternehmen, würden Sie für Ihren Beitrag abgemahnt XD

Fräulein Rottenmeier
7 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Warum? Ich verstehe Ihren Kommentar nicht.

Fräulein Rottenmeier
7 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Schulen sind Arbeitsstätten und unterscheiden sich dahingehend nur durch einen öffentlichen Arbeitgeber. Sie haben eine vertraglich festgelegte Arbeitszeit, die sie zum Teil selber verorten können. Wo ist das Problem?

Rainer Zufall
12 Tage zuvor

Und die App sagt mir dann, wie zu langsam ich arbeite und wann ich mit der Arbeit hätte aufhören sollen, um nur noch so viel wie notwendig zu leisten und zusätzliche (schöne!) Inhalte fallen zu lassen, damit Politiker*innen mich nach der Arbeitszeiterfassung nicht als faul oder ineffizient beschimpfen?
Kann es kaum erwarten

Fräulein Rottenmeier
7 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Nein, die App erfasst nur, die Interpretation können Sie anderen überlassen. Außerdem wissen Sie doch selber, ob Sie mit Ihrer Arbeitszeit zurechtkommen, oder nicht?

Sporack
6 Tage zuvor

Es gibt außer-unterrichtliche Tätigikeiten (Aufgaben), die man mal „in einem Rutsch“ machen müsste, dann stünde man aber für mehrere Wochen nicht für den Unterricht und dessen Zusammenhangstätigkeiten zur Verfügung; gerade weil man keine Labor-Betreuung bzw KuMu-Werkstätten-Assistenten oder IT-Betreuung verlässlich extern vergeben oder zusätzlich einstellen kann.

Fräulein Rottenmeier
6 Tage zuvor
Antwortet  Sporack

Ja, so ist das. Ein Grund, warum meine ToDo Liste unendlich lang ist (auch gespickt mit Aufgaben, die man auch in einem Rutsch machen könnte, aber auch zeitlichen Gründen in viele kleine Teilschritte aufgedröselt sind). Aber das ändert nichts an der AZE.
Vermutlich wäre meine Tag in etwas ein Dutzend verschiedene Tätigkeitsbereiche segmentiert (von Postkorb über Unterricht, Absprachen, Besprechungen, Abfragen, Anfragen, Elternberatung, Vorbereitungen/Nachbereitungen von xyz, Team, Dokumentation bis zum Kaffeekochen und Spülmaschine ausräumen, etc)…..plus die ganzen unvorhergesehenen Dinge, die so aufploppen….

Da bleibt für einenTätigkeit eben nur immer ein bisschen Zeit….
Das Geheimnis dabei ist, nicht durchzudrehen 😉