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Der vermeintliche Korruptionsfall um eine Berliner Lehrerin wird zur Justizposse

BERLIN. Der Fall einer Berliner Lehrerin, die einen Strafbefehl über 4000 Euro dafür bekam, dass sie ein Abschiedsgeschenk von Schülern annahm, wird immer mehr zur Posse. Wie der Berliner „tagesspiegel“ nun berichtet, ermittelte die Staatsanwaltschaft nicht nur gegen die Lehrerin – sondern allen Ernstes auch gegen die rund 50 Elternpaare, deren Kinder sich bei der Pädagogin bedanken wollten. „Mir ist völlig klar, dass man konsequent gegen Korruption vorgehen muss, aber dieser Fall ist ein klassisches Beispiel, wie mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Da passen die Maßstäbe doch nicht mehr richtig“, sagte ein Vater gegenüber der Zeitung.

Einen Strafbefel über 4000 Euro musste die Lehrerin akzeptieren. Foto: Carlo Schrodt / pixelio

Einen Strafbefel über 4000 Euro musste die Lehrerin akzeptieren. Foto: Carlo Schrodt / pixelio

Bei dem Geschenk – auch das ist nun bekannt geworden – handelte es sich um eine rund 200 Euro teure Skulptur, die die „Badenden“ von Loriot darstellt. Wie passend: In dem Cartoon begegnen sich in einer Hotelbadewanne zwei Herren („Herr Müller-Lüdenscheidt und Herr Dr. Klöbner“), die die Absurdität der Situation durch ihren förmlichen Umgang miteinander ins Grenzenlose steigern: „In meiner Badewanne pflege ich das Badewasser selbst einzulassen.“

Staatsanwälte scheinen mitunter ähnlich zu ticken, wie die Berliner Geschichte zeigt: Nicht nur, dass das Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsannahme gegen die Lehrerin erst eingestellt wurde, nachdem sie 4000 Euro gezahlt hatte. Die Staatsanwaltschaft Berlin eröffnete auch noch gegen rund 50 betroffene Eltern ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsgewährung – der gewährte Vorteil lag, auf die Verdächtigen umgerechnet, bei jeweils vier Euro.

Die Verfahren sind mittlerweile zwar wohl eingestellt worden, wie der „tagesspiegel“ zu berichten weiß. Offenbar ist selbst den Strafverfolgern mittlerweile klar, dass sich aus einem Abschiedsgeschenk kein Kapital schlagen lässt. (Doch Halt! Wie sieht’s denn aus mit Geschwisterkindern? Oder mit sonstigem Anhang, der von der Lehrerin womöglich künftig mit unverdienten Einsen und Zweien belohnt wird – hat das mal jemand überprüft?) Im Ernst: Wer sich von den Betroffenen schon einen Anwalt genommen hat, dürfte auf dreistelligen Kosten sitzen bleiben.

Den Fall juristisch ins Rollen gebracht hat offenbar der Vater eines der Schüler – selbst Schulleiter von Beruf. Auch eine Einladung zu einem „befriedenden Gespräch“ seitens der Senatsbildungsverwaltung konnte den Mann nicht davon abhalten, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. Lehrer in Berlin dürfen Geschenke nur in einem Wert von maximal 10 Euro annehmen, egal wie viel Schenker hinter dem Präsent stecken. Bei 50 Schülern wäre damit nicht mal was Selbstgebasteltes drin gewesen; auch der Materialwert zählt.

Der Fall hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt – und sogar eine Solidaritätsbewegung für die bestrafte Lehrerin hervorgebracht. Ein Münchner Internet-Unternehmer wollte im Netz für die Pädagogin sammeln. Aus der Aktion wird aber wohl nichts werden: Die Lehrerin dürfe das Geld ja gar nicht annehmen; sie könne deshalb erneut in juristische Schwierigkeiten kommen. Darauf wiesen der Zeitung zufolge die Berliner Justiz- und Bildungsbehörden hin – allerdings ohne zu erklären, was für ein Straftatbestand durch ein Geschenk von jemandem, der keinerlei Vorteil durch seine Gabe erreichen könnte, erfüllt werden sollte. Müssen künftig auch Freunde und Verwandte von Lehrern nach Weihnachten mit Ermittlungsverfahren rechnen? Hat schon etwas von Loriot, die Geschichte. News4teachers

Zum Bericht im „tagesspiegel“.

Hier geht es zu der Geschichte: Lehrerin nimmt Geschenk ihres Abi-Kurses an – und bekommt Strafbefehl über 4000 Euro

 

4 Kommentare

  1. Realsatire.
    Schade, dass man den Namen des Anzeigers nicht erfahren darf …

  2. … aber ein Herr Pofalla darf sich für treue Dienste in seiner Zeit als Regierungssprecher mit einem lukrativen Vorstandsposten bei der Bahn belohnen lassen. Pfui deibel!..

    • … und in welchem zeitraum war jetzt Ronald Profalle Pressesprecher, und vor allem welcher Regierung? – Habe ich da etwas nicht mitbekommen?

      • …Korrektur: natürlich war der unsägliche Herr Pofalla (Zitat: „Bosbach, ich kann deine Fresse nicht mehr sehen“) Bundesminister für besondere (?) Aufgaben“ und „Chef des Bundeskanzleramtes“, bevor er sich mit einem Vorstandsposten bei der Bahn für seine Dienste belohnen ließ…
        Trotzdem: pfui deibel!…

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