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Viele Schüler nach Übergang zur Hochschule überfordert – Ministerin will Abbrecherquoten senken

DÜSSELDORF. «Es reicht nicht, auf das perfekte Schulsystem zu warten. Wir müssen auch gucken, was wir für die Schüler tun können, die jetzt an den Hochschulen sind.», sagte NRW Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. Konkrete Zahlen liegen indes frühestens in fünf Jahren vor.

Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) fordert von den Hochschulen größere Anstrengungen, um die Studienabbrecher-Quote zu senken. Von zentraler Bedeutung sei passgenaue Unterstützung in der Eingangsphase des Studiums, sagte Schulze in Düsseldorf. Aus Befragungen sei bekannt, dass Defizite in Mathematik und Texterfassung die größten Probleme seien. «Wenn die Studierenden hier Unterstützung kriegen, kommen sie weiter – wenn nicht, brechen sie ab.»

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze will eine Änderung des Hochschulstatistikgesetzes. Foto: Gerd Seidel (Rob Irgendwer) / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Am erfolgreichsten seien Hochschulen, die nicht bloß Vor- und Zusatzkurse, sondern unterschiedliche Leistungsmodule innerhalb des regulären Studiums anbieten. «Mich ärgert die Haltung: “Die bringen nicht genug aus der Schule mit”», sagte die SPD-Politikerin. «Es reicht nicht, auf das perfekte Schulsystem zu warten. Wir müssen auch gucken, was wir für die Schüler tun können, die jetzt an den Hochschulen sind.»

Konkrete Zahlen über Studienabbrecher gebe es nicht, erläuterte die Ministerin. «Das scheitert derzeit am Datenschutz.» NRW habe daher auf Bundesebene eine Initiative zur Änderung des Hochschulstatistikgesetzes gestartet. Allerdings seien valide Zahlen nach einer Novellierung frühestens in fünf Jahren zu erwarten.

Anhaltspunkte gebe aber eine sogenannte Schwund-Statistik des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zum Absolventenjahrgang 2011. Demnach erwarb jeder Dritte, der in NRW ein Studium aufgenommen hatte, hier keinen Abschluss. Allerdings unterscheidet die Statistik nicht zwischen echten Abbrechern und solchen, die lediglich die Hochschule gewechselt haben – oder auch jenen, die das Fach gewechselt haben, aber weiterhin studieren.

«Wir brauchen belastbare Zahlen, müssen aber nicht drauf warten, um jetzt schon zu handeln», unterstrich Schulze. Aus Befragungen mit Freiwilligen und dem jetzt schon vorhandenen Zahlenmaterial ergäben sich bereits zahlreiche Anhaltspunkte.

Demnach hapert es vor allem in den Ingenieurwissenschaften sowie in Mathematik und Naturwissenschaften. Hier sind die «Schwund-Quoten» am höchsten. Fast jeder zweite, der in NRW ein Ingenieur-Studium an einer Universität aufnimmt, bringt es laut DZHW nicht zu Ende.

«Deshalb unterstützen wir kreative Methoden in der Lehre», sagte Schulze. Vorbildlich sei eine Initiative an der Fachhochschule Köln. «Die Einführung in die Werkstofftechnik im Maschinenbau galt als Killer-Vorlesung. Ganz viele sind nicht durchgekommen und mussten es mehrfach wiederholen.» Dann habe der Professor seine Methodik verändert und biete seine Vorlesung jetzt als kleinen Film an, den die Studierenden beliebig oft ansehen können.

Außerdem gebe es kurze Eingangstests, um die unterschiedlichen Voraussetzungen zu erfassen und kleine Seminare, um den Stoff intensiver aufzuarbeiten. «Er wollte die Abbrecherquoten um zehn Prozent senken und hat sie auf zehn Prozent gesenkt und dabei das Niveau noch erhöht», lobte Schulze.

NRW werde im nächsten Jahr mehr Mittel aus dem Hochschulpakt von Bund und Ländern für die Verbesserung des Studienerfolgs bereitstellen, kündigte Schulze an. «Ich stelle mir immer vor, das eigene Kind kommt an die Hochschule und der Professor sagt einfach: “Du hast eben nicht genug Mathe gelernt.” Das reicht nicht.»

Bessere Lehre sicherzustellen, sei eine Führungsaufgabe der Hochschulen. Die werde etwa an der für ihr hohes Leistungsniveau bekannten RWTH Aachen vorbildlich wahrgenommen. «Professoren, die in ihren Seminaren hohe Durchfaller-Quoten haben, werden vom Rektorat einbestellt und müssen das erklären», berichtete Schulze. «Die tauchen nicht einfach unterhalb der Wahrnehmungsschwelle durch.» (Bettina Grönewald, dpa)

zum Bericht: Wanka plant Konzept für Wechsel von Studienabbrechern in Beruf
zum Bericht: Studie zeigt auf: MINT-Fächer bei Schülern zusehends unbeliebter

9 Kommentare

  1. Frau Schulze scheint die Möglichkeit, dass Schüler tatsächlich in der Schule zu wenig Mathe gelernt haben, einfach nicht für denkbar zu halten.

  2. Was denkt die sich eigentlich? Dass man jetzt auch die Hochschulen beliebig nach unten nivellieren muss, bis es alle schaffen?

    • man könnte auch Studiengänge erfinden, die keinerlei kognitive Fähigkeiten erfordern. so von der art genderstudies oder so …

      • Man könnte auch bei Wahlenl die bildungspolitischen Pläne stärker berücksichtigen und endlich die Parteien abstrafen, die seit Jahren und Jahrzehnten für die verrücktesten Reformen verantwortlich sind.
        Auch aus der GEW könnte man endlich austreten. Diese Gewerkschaft ist der Totengräber jeder vernünftigen und soliden Bildung.
        Auch diejenigen, die am lautesten nach mehr Geld für Bildung schreit, hat es noch lange nicht verdient gewählt zu werden. Viel wichtiger ist die Frage, für welche Bildungsmaßnahmen das Geld ausgegeben werden soll.

    • Sehr viel einfacher ist die Umbenennung der bisherigen Fachschulen zu (besonderen) Universitäten …

  3. das war absehbar bei dem bis zur Unkenntlichkeit zusammen gestrichenen matheleerplan und einer schülerschaft, die das denken häufig nach zwei Fehlschlägen, spätestens aber zwei minuten, einstellt. sogar in lks sind abstraktes denken oder gar beweise weitgehend obsolet geworden. die gtr bzw. cas-rechner tun ihr übriges.

  4. “Am erfolgreichsten seien Hochschulen, die nicht bloß Vor- und Zusatzkurse, sondern unterschiedliche Leistungsmodule innerhalb des regulären Studiums anbieten.”

    “Konkrete Zahlen über Studienabbrecher gebe es nicht, erläuterte die Ministerin. ‘Das scheitert derzeit am Datenschutz.'”

    Man beachte den Widerspruch. Sie weiß, wer am erfolgreichsten ist und warum – aber Zahlen hatte sie nicht ausgewertet.

    Wenn sie auch ohne Mathematik zu statistischen Ergebnissen kommt, kann man das Fach wirklich abschaffen.

    • unterschiedliche leistungsmodule wird es auch heute schon geben, weil nicht jeder student jede veranstaltung des studiengangs besuchen muss. problematisch wird es, wenn sie sich im schwierigkeitsgrad deutlich unterscheiden.

      beispielsweise kann man in nrw in ku (lk) sowi (lk) ma (gk) eng (mdl) oder in d (lk) ma (lk) ph (gk) ge (mdl) abitur machen. die fachlichen anforderungen sind immens verschieden. und ja, mathe als drittes fach ist sehr leicht.

  5. Ist das noch ein Wunder in diesem mittlerweile geistig degeneriertem Land? Wenn selbst Lehrkräfte, also das Korrektiv, eklatante Defizite aufweisen!

    Was soll man dann von den Schülern erwarten?

    Davon abgesehen, die ganzen Unterrichtsausfälle in Form von Krankheiten, Lehrveranstaltung, Weiterbildung während der Schulzeit!!! etc. etc.

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