BERLIN. Der Konflikt zwischen dem Berliner Senat und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft galt zuletzt als festgefahren. Warnstreiks während der Abiturprüfungen hatten den Streit über kleinere Klassen, bessere Arbeitsbedingungen und den Personalmangel an Schulen weiter verschärft. Nun haben sich beide Seiten auf ein Maßnahmenpaket verständigt, das Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher an Schulen entlasten soll. Der Senat stellt dafür zusätzliche Millionenbeträge in Aussicht – obwohl die Haushaltslage angespannt ist.

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen über die Arbeitsbedingungen an Berliner Schulen haben sich die Bildungsverwaltung und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf konkrete Entlastungsmaßnahmen verständigt. Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) und Vertreter der GEW Berlin unterzeichneten dazu im Roten Rathaus eine gemeinsame Vereinbarung. Das teilte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie mit.
Die Maßnahmen sollen schrittweise ab dem Schuljahr 2026/2027 umgesetzt werden. Nach Angaben der Bildungsverwaltung entstehen dafür zusätzliche Kosten von rund 32 Millionen Euro sowie ein zusätzlicher Personalbedarf von mehr als 300 Vollzeitstellen. Die Finanzierung könne im laufenden Haushaltsjahr aus dem Etat der Bildungsverwaltung sichergestellt werden. Für 2027 werde allerdings ein Nachtragshaushalt notwendig, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Senatsverwaltung und GEW.
Vorgesehen sind mehrere Maßnahmen zur Entlastung von Lehrkräften. Dazu gehört eine zusätzliche Entlastungsstunde für Lehrkräfte ab dem Schuljahr nach Vollendung des 63. Lebensjahres. Geplant sind außerdem neue Stellen für sogenannte Doppelsteckungen in der Schulanfangsphase sowie kleinere Lerngruppen an Schulen in sozial herausfordernden Lagen. Grundschulen sollen künftig einen unterrichtsfreien Tag für Lernentwicklungsgespräche erhalten.
Darüber hinaus ist für die Schuljahre 2026/2027 und 2027/2028 jeweils ein zusätzlicher Studientag zur digitalen Schulentwicklung vorgesehen. Lehrkräfte an Grundschulen und Primarstufen sollen zudem mehr Zeit für Klassenleitungsaufgaben bekommen. Gleichzeitig verständigten sich beide Seiten darauf, multiprofessionelle Teams über die bisherige Regelausstattung hinaus langfristig zu sichern.
Auch für Erzieherinnen und Erzieher im Ganztagsbereich sieht die Vereinbarung Veränderungen vor. Geplant sind zusätzliche Investitionen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie der Raumqualität im Ganztag. Koordinierende Erzieherinnen und Erzieher sollen stärker an fachlichen Entscheidungen beteiligt werden. Außerdem soll die bisherige Bezeichnung „ergänzende Förderung und Betreuung“ (eFöB) künftig durch „Bildung, Erziehung und Betreuung“ (BEB) ersetzt werden. Nach Darstellung der Beteiligten soll damit der Bildungsauftrag im Ganztag stärker sichtbar gemacht werden. Hinzu kommen allgemeine Regelungen für personelle Not- und Vertretungssituationen.
„Spürbare Verbesserungen für die Beschäftigten erreicht man nicht mit immer neuen Streiks zu Lasten von Schülerinnen und Schülern sowie ihren Familien“
Bildungssenatorin Günther-Wünsch sprach von einem „klaren Signal“, dass Bildung für den Berliner Senat „auch in finanziell herausfordernden Zeiten höchste Priorität“ habe. Wörtlich erklärte sie: „Trotz angespannter Haushaltslage investieren wir gezielt in konkrete Entlastungen für Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher und schaffen damit bessere Bedingungen für Unterricht, Ganztag und pädagogische Arbeit an unseren Schulen.“ Zugleich verband sie die Einigung mit Kritik an den zurückliegenden Arbeitskämpfen. „Spürbare Verbesserungen für die Beschäftigten erreicht man nicht mit immer neuen Streiks zu Lasten von Schülerinnen und Schülern sowie ihren Familien, sondern durch ernsthafte Verhandlungen und die Bereitschaft, Verantwortung für tragfähige, finanzierbare und tatsächlich umsetzbare Lösungen zu übernehmen.“
Die GEW bewertet die Vereinbarung dagegen ausdrücklich als Ergebnis des gewerkschaftlichen Drucks der vergangenen Jahre. Der Berliner GEW-Vorsitzende Gökhan Akgün erklärte: „Dieses Entlastungspaket ist ein wichtiger Erfolg für die Beschäftigten an den Berliner Schulen. Es zeigt: Gewerkschaftlicher Druck, Zusammenhalt und die vielen Streiktage wirken.“ Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Gewerkschaft weitere Schritte fordert. „Für uns ist zugleich klar: Das ist ein wichtiger Einstieg, aber noch nicht das Ziel.“
Der Konflikt über die Belastungssituation an Berliner Schulen hatte sich zuletzt deutlich zugespitzt. Die GEW ließ seit Jahren immer wieder für einen sogenannten Tarifvertrag Gesundheitsschutz mit kleineren Klassen und weiteren verbindlichen Entlastungsregelungen streiken. Der Berliner Senat verweist bislang darauf, dass das Land als Mitglied der Tarifgemeinschaft der Länder keinen tarifpolitischen Alleingang unternehmen könne.
Im Mai 2025 war der Streit eskaliert, als die GEW einen dreitägigen Warnstreik während der Abiturprüfungen und der Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss organisierte (News4teachers berichtete). Die Bildungssenatorin warf der Gewerkschaft damals mangelndes Verantwortungsbewusstsein vor. Die GEW wiederum erklärte, nicht der Streik sei verantwortungslos, sondern die Verweigerungshaltung der Bildungsverwaltung. Erst nach einem Gespräch zwischen dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und der Gewerkschaft kündigte die GEW an, vorerst auf weitere Warnstreiks zu verzichten und neue Gespräche mit der Bildungsverwaltung aufzunehmen. News4teachers / mit Material der dpa
Beteiligung immer schwächer: GEW mobilisiert nur noch 2.000 Schulbeschäftigte zum Warnstreik









Ich finde die Maßnahmen alle durchaus richtig, aber ich finde sie in der Summe lächerlich gering. Die Meisten davon erreichen viele Einzelne gar nicht. Aber schön, dass die älteren Lehrer, die wegen ihres Alters nicht mehr verbeamtet wurden, wenigstens bald oder schon jetzt eine Abminderungsstunde mehr bekommen, wenn das auch kein Ausgleich ist, denn die verbeamteten älteren Lehrer bekommen das ja auch. Jetzt und in Zukunft.
Wenn man aus der Entlastung für alle eine Diskussion über angestellt/verbeamtet machen will, dann sollte man aber auch dazu sagen, dass die meisten in der Altersgruppe dann schon mal eine Verbeamtung ausgeschlagen haben. Abgesehen von den paar, die in relativ hohem Alter in den Beruf gekommen sind, dürften das nur sehr wenige sein. Warum man es bedauert, dass ältere verbeamteten Lehrkräfte nicht mehr Arbeit haben, bleibt rätselhaft. Welches Menschenbild steckt dahinter?
Man hätte sich auch einfach freuen können, dass nun alle Lehrkräfte im gehobenen Alter ein wenig Entlastung bekommen…
Ich glaube, dahinter steckt der Umstand, dass sich den angestellten Kollegen von der CDU ein verbesserter Nachteilsausgleich angekündigt worden war, zu dem auch Altersabminderung gehören sollte. Dass viele ältere eine Verbeamtung ausschlugen, entbehrt jeder Grundlage.
Welches Menschenbild steckt denn dahinter, Vorteile für sich selbst gerne zu nehmen und das Ungerechtigkeitsgefühl der anderen mit Neiddebatte abwürgen zu wollen? Wie wäre es umgekehrt? Dass nur angestellte Lehrer eine Abminderung bekommen, fänden Sie ja offensichtlich nicht in Ordnung. Die eigenen Vorteile hingegen sind für Sie ok.
Ja, z.B. das Beamtenprivileg der unbegrenzten Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfalle. Sind angestellte Lehrer weniger krank oder weniger wert, dass sie das nicht bekommen? Welches Menschenbild rechtfertigt diesen Unterschied?
Warum ist dieser Studientag für die digitale Schulentwicklung lediglich bis 2028 vorgesehen? Denkt Frau Wünscher wirklich, danach sei die Digitalisierung für alle Zeiten fertig?
Und wird dieser Tag frei nach dem Ursprung digital von zu Hause aus begangen?
Danach regelt die KI alles und wir müssen nichts mehr neu lernen.
Berliner Lehrerin: „Pausen nutze ich meist für Konfliktgespräche“
Grundschulen in sozialen Brennpunkten in Berlin bekommen kleinere Klassen
Die EFöB heißt künftig BEB und alle sagen ohnehin weiter „Hort“. Irgendwie ist das bezeichend für diese „Entlastungen“. Dafür haben wir gestreikt?
Gut für die Hersteller von Briefpapier, Schildern u.dgl., die nun neue anfertigen können und daran verdienen. (Erinnert mich an die Umbenennung des Arbeitsamtes in Arbeitsagentur, womit sich alles verbessern sollte und im Wesentlichen nichts geändert hat.)
Was hat die GEW für eigentlich jene durchgesetzt, die sie für die Streiks braucht? Natürlich hat der Druck der angestellten UND streikenden Kollegen die Senatorin veranlasst zu verhandeln. Die Kritik, zur Unzeit gestreikt zu haben, ist einfach nur lächerlich. Nach Meinung der Senatorin sollten Lehrer wohl am besten in den Ferien streiken oder am Wochenende?! Eine größere Streikteilnahme hätte hingegen vielleicht doch zu mehr Veränderung (Entlastung) geführt. Man sieht ja nun, dass auch eine kleine, „nervige“ Anzahl von Streikteilnehmern Gespräche bewirkt. Das dürfen sich alle Streikbrecher vor Augen halten, die brav zur Arbeit gingen und jetzt auch über diese minimalen Änderungen wehklagen.
Ohne angestellte UND streikbereite Lehrer wird es allerdings überhaupt kein wirksames Druckmittel mehr geben. Was hat also die GEW für ihre angestellten Mitglieder speziell erreicht, die nicht in den Genuss all der Beamtenprivilegien kommen? Sehe ich das richtig: nichts?!
Ich weiß nicht, ich danke ja der GEW und der Senatorin für die Bereitschaft, die Lehrer zu entlasten, aber irgendwie ist das ja kaum etwas Spürbares, vor allem nicht für alle und nicht für alle sofort. Ich hätte mir etwas gewünscht, was wir alle sofort im Alltag bemerken. Nun hab ich das Gefühl, die GEW-Funktionäre wissen gar nicht, was uns Lehrern den Alltag erleichtern könnte. Sind die eigentlich noch Lehrer? Arbeiten die noch als Lehrer nebenher? Oder sind die nur noch Funktionäre, nachdem sie gewählt wurden? Dann liegt das wohl daran.
Ich fand sehr gut, dass die 5 Teilbereiche in Deutsch gestrichen wurden. Da habe ich nur Erleichterung wahrgenommen. Davon haben Deutschlehrer sofort alle etwas, wenngleich eher im nächsten Schuljahr, wenn man den Deutschunterricht dann im Voraus anders planen kann. Dafür kam das etwas spät. Aber es kam. Gott sei Dank. Was ich hätte nun weglassen können (um mich zu entlasten), konnte ich nicht weglassen, weil es in der Gemeinsamen Klassenarbeit aller 6. Klassen dann doch dran kam. Da gibt es noch Verbesserungspotenzial.
Ich hätte mir aber z.B. wirksam für alle sofort eine Reduzierung der obligatorischen Anzahl von Klassenarbeiten gewünscht. Beim neuen Übergangsverfahren nach der Grundschule zählen ja nur noch Deutsch, Mathe und Englisch. Nur aus diesen 3 Fächern wird ein „Faktor“ berechnet, der über eine Gymnasialempfehlung entscheidet. Dann reichen auch Klassenarbeiten in diesen 3 Fächern. Wieso dann weiterhin in NaWi und GeWi, deren Zeugnisnote nicht mitzählt (dass die nicht wichtig sei, entschieden die, die das neue Verfahren eingeführt haben!!!)?
Ich hätte mir außerdem gewünscht, die Zahl der Klassenarbeiten auch in Deutsch, Mathe und Englisch auf MINIMUM 1x pro Halbjahr zu senken (Minimum, es kann doch immer mehr machen, wer es schafft und will). Das entlastet wirklich. Man hetzt ja nur noch den Klassenarbeiten hinterher und vermittelt nur noch Stoff, der für eine Klassenarbeit taugt. Also eher keine Gruppenarbeit, ich komme nicht dazu, die kostet zu viel Zeit und die kann ich nicht als Klassenarbeit verwerten. Bei diesen Dingen würden also Deutsch-, Mathe-, Englisch-, NaWi- und GeWi-Lehrer allesamt sofort wirksam entlastet werden. Janz ville also, wie der Berliner sagt. Dit hamse aber nich jemacht! Hm.
Durch weniger Klassenarbeiten werden übrigens auch Schulleitungen in Berlin wirksam entlastet, die sich ja pro Klassenarbeit 3 Exemplare anschauen müssen, ob das alles so ok ist. Mein Vorschlag verringert das, ich sage mal einfach, um 50%.
Würde mir auch gefallen! Das wären Entlastungen sofort für viele, die sich im Alltag konkret bemerkbar machen!
Und für diese Erleichterungen, die Sie da nennen, müsste kein einziger Euro mehr ausgegeben werden!
Die Senatsverwaltung Berlin geht nach meinem Eindruck „grob fahrlässig“ mit den Schulleitungen um und muss sich deshalb nicht wundern, wenn sie immer größere Probleme hat, Interessenten für dieses Amt zu finden! Der Senatsverwaltung zum Glück ist Beamten „die Flucht in die Öffentlichkeit verwehrt“!
Also ich hätte es eine große Entlastung gefunden, wenn künftig die Erzieher/innen die Aufsicht in den Hofpausen übernommen hätten. Dann könnten Lehrer da Pause machen. Absurd? Ich kenne eine Schule, wo das genau so ist. Da ist dann jede Hofpause auch für die Lehrer mal eine kleine Verschnaufpause! Wir brauchen die dringend!
Gute Idee!
wann machen die Erzieher die Pause?
Während der Unterrichtsstunde der Lehrer.
Wenn die Kinder im Unterricht sind?
Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet, so sagt man doch in solchen Fällen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich verstehe ja, dass jede Seite nun das Ergebnis schönzureden versucht: Die einen sehen es als Ergebnis der Streiks, die anderen fanden die Streiks kontraproduktiv, sie hätten das alles sowieso gemacht. (?) Ich habe noch einen Spruch dazu: Wer’s glaubt, wird selig. Ich bin irgendwie so emotionslos, wenn ich das alles lese. Dafür haben wir gestreikt? Dafür habt ihr gestreikt, sagen nun „die anderen“? Es konnte vielleicht nicht mehr herauskommen, weil uns zu viele im Stich gelassen haben?
Komisch, Senatorin und GEW ringen um irgendwelche „großen“ Sachen, die sie nun meinen, gefunden zu haben: kein Unterricht bei den Feedbackgesprächen, ein zusätzlicher Studientag (also kein Unterricht), mehr Doppelsteckung bei den Jüngsten… Das feiern sie nun als „Entlastung“, aber das ist doch keine Entlastung. Die Arbeit wird doch nicht weniger dadurch! Die Ideen von @Friesennerz und @Walhai, die hätten auch entlastet! Bitte nochmal nachverhandeln!