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Begabtenförderung – KMK auf der Suche nach dem großen Wurf

BERLIN. Die Förderung sehr guter, wie sehr schwacher Schüler sind nach Ansicht der Kultusministerkonferenz zwei Seiten einer Medaille. Standen seit 2010 die leistungsschwachen Jugendlichen im Fokus, sollen nun auch die Hochbegabten ins Blickfeld treten. Das ist auch ein Anliegen von Bundesbildungsministerin Wanka, wie die Unterstützung des Bundes aussehen kann ist aber noch offen.

Jeder Lehrer kennt sie: Schüler, die als Zappelphilipp oder Nervensäge auffallen und sich langweilen. Womöglich steckt dahinter aber nicht unbedingt eine schlechte Kinderstube, sondern die Unterforderung eines Hochbegabten. Wie man die «kleinen Einsteins» entdecken, fordern und fördern kann, das interessiert nun zunehmend auch die Politik. Die 16 Kultusminister widmen dem zahlenmäßig nur schwer zu fassenden Kreis der leistungsstarken Schüler jetzt eine Strategie, die bereits existierende Länder-Konzepte zusammenführt.

Zwei Schüler vor einem Poster

Für Hochbegabte wird die Schule oft zur Qual. Nach dem Willen der KMK sollen sie bald besser gefördert werden. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Eine Förderung weniger begabter Schüler hatte sich die Kultusministerkonferenz (KMK) bereits 2010 auf die Fahne geschrieben. Das Ergebnis der Pisa-Vergleichsstudie 2013 gab den Ressortchefs auch durchaus recht: Die Leistungsschwächeren hatten sich im Vergleich zu 2009 und 2003 hierzulande verbessert, der Anteil von «Risikoschülern» mit nur geringen Kenntnissen nahm ab. Dagegen stagnierte die Anzahl der Schüler in den oberen Kompetenzstufen.

Hier setzen die Bildungsminister nun an. «Das eine tun und das andere nicht lassen», lautet das Motto von KMK-Präsidentin Brunhild Kurth (CDU), die dem Verdacht einer heimlichen Elitebildung entgehen will. Die sächsische Kultusministerin tritt seit Anfang ihrer Amtsperiode im Januar für die Belange begabter Schüler ein und kann jetzt die einhellige Unterstützung ihrer Kollegen für das «Überflieger»-Konzept als Erfolg verbuchen.

Zumal auch ein Sozialdemokrat wie Hamburgs Schulsenator Ties Rabe ihr zustimmt, dass eine besondere Förderung sehr guter wie auch sehr schwacher Schüler zwei Seiten einer Medaille sind. Beides sei «eng verwoben» und gewiss «kein Gegeneinander», betont der SPD-Mann. «Alle Länder fangen nicht bei Null an», sagt Kurth und verweist für ihr Land auf das Hochbegabten-Gymnasium St. Afra in Meißen. Rabe ergänzt, in Hamburg sei an jeder Schule ein Lehrer für Begabtenförderung zuständig.

Doch ein großer Wurf, eine bundesweite Vision für das Thema fehlte bisher. Das hat auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) registriert, die sich im föderalistischen System aus Schulfragen weitgehend heraushalten muss. «Jedes Kind soll maximale Bildungschancen haben – das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit, die mir ganz besonders am Herzen liegt», sagt sie. «Wir müssen uns deshalb stärker auch um die leistungsstarken und besonders begabten Schülerinnen und Schüler kümmern.» Für die Förderstrategie der Länder biete sie gern «Unterstützung» des Bundes an.

Auf dieses vage gehaltene Angebot wollen die Länder schon in Kürze zurückkommen und in den nächsten Monaten das Gespräch mit Wanka suchen. Dabei soll es nicht nur um wissenschaftliche Begleitung durch den Bund gehen, sondern auch um Geld, sagt Kurth. Sie sei «wild entschlossen», in ihrer Amtszeit als KMK-Chefin beim Bund etwas für die Begabtenförderung lockerzumachen. Die Sächsin sieht dafür im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Notwendigkeiten: «Deutschland hat keine Rohstoffe, wir haben nur Humankapital. Und wir sind Exportweltmeister. Damit das so bleibt, muss die deutsche Wirtschaft ihr Niveau halten. Dazu braucht es die Begabten.»

Wie könnte eine gezieltere, bessere Förderung leistungsstarker Schüler nun konkret aussehen? Die KMK-Strategie betont vor allem eine verstärkte «Diagnostik» – damit der Lehrer hinter dem Zappelphilipp eben doch den Hochbegabten erkennen kann. Außerdem soll es mehr schulexterne Beratungsstellen geben, und die Lernangebote für diese Zielgruppe sollen erweitert werden, ob in Extrakursen oder speziellen Camps. Frühere Einschulung und eine beschleunigte Schullaufbahn bis hin zum Überspringen von Klassen sollen ebenfalls zum Repertoire der Begabtenförderung gehören. (Werner Herpell, dpa )

• Förderstrategie der KMK für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler
• zum Bericht: Kultusminister wollen sich künftig mehr um die „Überflieger“ kümmern

2 Kommentare

  1. Diagnostik klingt nach weiterem Verwaltungsaufwand für die Lehrkräfte. Was ist eigentlich mit den nur guten oder „nur“ sehr guten, jedoch (noch) nicht hochbegabten Schülern? Die fallen (mal wieder) durchs Raster, von den „normalen“ Schülern ganz zu schweigen …

    Individuelle Förderung mit dem Ziel der Nivellierung auf niedrigem Niveau (ein Widerspruch in sich) scheint das ausgemachte Ziel der Bildungspolitik zu sein.

  2. Nee, ist doch wie in der Kfz-Werkstatt; Schüler reinholen, ans Diagnosegerät anschließen und der fehlerspeicher wird ausgelesen. Gemäß Checkliste die erforderlichen Wartungs- und Reparaturarbeiten durchführen, Materialbedarf und Arbeitseinheiten dokumentieren, anschließemnd Rechnungschreiben, Rechnungs-, Auftrags- und Diagnoseprotokoll-Zweitschrift zu den Unterlagen nehem und Schüler zur Abholung bereitstellen. Aus Servicegründen kann ja noch einer der Referendare (Azubis/Praktikanten) den Schüler schnell absaugen und durch die waschstraße schicken. Das gibt Pluspunkte bei den erziehungsberechtigten und sie werden weiteren nachwuchs gerne zur Pflege und Wartung überlassen.

    Bitte grundsätzlich nicht den Fehler machen und die anfallenden Arbeitseinheiten mit dem behördlich genehmigten Satz für die Mehrarbeitvergütung multiplizieren, Sie machen sich als qualifizierte fachkraft sonst lächerlich.

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