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Kolumne: War das ein Vorwurf? Frau Weh versucht sich bei der Elternarbeit in Diplomatie

DÜSSELDORF. Mit Spontanität gegenüber Eltern ist das so eine Sache im Lehrerberuf. Meist ist Zurückhaltung und Höflichkeit vernünftiger, aber man muss sich oftmals erst selbst davon überzeugen. Welche Stimmen dabei im Kopf streiten, legt  – gewohnt offen – unsere Autorin Frau Weh frei.

Drei Satzzeichen: Es wird ernst. Illu: By Skend (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Drei Satzzeichen: Es wird ernst. Illu: By Skend (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Eltern- Email:

Hallo Frau Weh,

eben ist Jannik mit fast 40 Fieber aus der Schule gekommen!!! Hat er denn nichts gesagt??

Grüße, Mutter von Jannik

Was ich lese:

Hallo Frau Weh,

mein Kind ist ganz schrecklich krank! Warum hast du nicht mitbekommen, dass es meinem Fleisch und Blut so schlecht geht, du blöde Kuh, häh? Erklär das jetzt mal!

Am liebsten keine Grüße, aber muss ja

Mutter von Jannik

Was ich spontan antworten möchte:

Hallo, Mutter von Jannik,

ist es nötig, ein Kind, das bereits beim Frühstück über Kopfschmerzen und Unwohlsein klagt, unbedingt in die Schule zu schicken, wenn man selber zu Hause ist? Muss das Kind an einem solchen Tag dann wirklich nach dem Unterricht noch in die OGS? Und bin ich tatsächlich die Schuldige an der Situation, weil ich mich, nachdem ich dem Kind einen nassen Waschlappen auf die Stirn legte, ihm etwas zu trinken brachte und ihm sagte, er solle mich informieren, wenn es schlimmer würde, wieder den 29 anderen Kindern in der Klasse zuwandte? Ehrlich?

Ach, pick mich doch am Bürzel! Grüße (muss ja) von der genervten Weh

Links oder rechts? Für immer mehr Eltern scheint es nur eine Richtung zu geben. Illustration: pixabay.de / (CC0 1.0)

Höflichkeit oder Klartext: Das ist in der Kommunikation mit Eltern oft die Frage. Illustration: pixabay.de / (CC0 1.0)

Was die Mutter (vermutlich) meint:

Hallo Frau Weh,

Jannik ist krank, ich mache mir Vorwürfe, dass ich ihn trotz Unwohlseins heute in die Schule geschickt habe Sorgen. Hätten Sie mich vielleicht benachrichtigen sollen, damit ich ihn hätte abholen können?

Grüße (ich hatte leider gerade situationsbedingt zu viel um die Ohren um noch freundlich oder lieb zu schreiben)

Mutter von Jannik

Was ich (natürlich) antworte:

Liebe Mutter von Jannik,

oje, der arme Kerl! Jannik klagte in der 3. Stunde über Kopfschmerzen, meinte aber, dass er durchhalten könne. Nach dem Unterricht ist er in die Pause geflitzt. Bestellen Sie ihm gute Besserung und liebe Grüße! Er soll sich gut erholen und schnell wieder gesund werden. Die Hausaufgaben gebe ich morgen Lisa mit.

Alles Gute!

Frau Weh

Nur zwei drei Gedanken dazu:

  1. Ein Hoch auf gesittete Schriftkultur!
  2. Der Einsatz mehrerer Satzschlusszeichen in Folge sollte verboten werden.
  3. Ich bin ganz entspannt, ich bin ganz entspannt, ich bin ganz entspannt, ich bin …
Die kleine My ist das digitale Ich von Frau Weh. (Foto: Privat)

Die kleine My ist das digitale Ich von Frau Weh. (Foto: Privat)

Witz, Charme und einen tiefen Blick in die Seele einer Grundschullehrerin erlaubt Frau Weh auf ihrem Blog “Kuschelpädagogik” und auf www.news4teachers.de. Frau Weh heißt im wahren Leben nicht Frau Weh, aber ihre Texte sind häufig so realitätsnah, dass sie lieber unter Pseudonym schreibt.

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Ein Kommentar

  1. „Ein Hoch auf gesittete Schriftkultur!“ Genau, das schafft Distanz. Immer professionell bleiben, Frau Weh!
    „Der Einsatz mehrerer Satzschlusszeichen in Folge sollte verboten werden.“ Das sollten auch Lehrer/Innen beherzigen!
    „Ich bin ganz entspannt, ich bin ganz entspannt, ich bin ganz entspannt, ich bin …“
    Was die Mutter denken könnte, ist deren Problem.
    Und: Sie haben alles richtig gemacht. ; – )

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