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Unser Kolumnist Leo Martin verrät Ihnen: Wie Sie sich vor schwierigen Eltern (und anderen Nervenkillern) innerlich wappnen können

DÜSSELDORF. Die Gemeinsamkeiten des Schuldienstes mit der Arbeit für einen Geheimdienst sind überschaubar – auf den ersten Blick jedenfalls. Und doch geht es hier wie da vor allem um eines: menschliche Beziehungen. Wie kann Kommunikation in der Schule gelingen, beispielsweise auf dem mitunter schwierigen Feld der Elternarbeit? Leo Martin hat tatsächlich lange für einen großen Geheimdienst gearbeitet. Heute schreibt der Experte in Sachen Miteinander Bücher. Darüber hinaus gibt er Kurse und hält Vorträge. Als News4teachers-Kolumnist gibt er Einblicke in das schwierige Metier der (beruflichen) Beziehungsarbeit, mitunter augenzwinkernd – und doch von höchstem praktischen Nutzen gerade für Lehrkräfte. In der heutigen Folge geht es darum, Ihre persönliche Widerstandskraft zu stärken. Überaus wichtig, wenn mal wieder ein schwieriges Elterngespräch ansteht.

DÜSSELDORF. Die Gemeinsamkeiten des Schuldienstes mit der Arbeit für einen Geheimdienst sind überschaubar – auf den ersten Blick jedenfalls. Und doch geht es hier wie da vor allem um eines: menschliche Beziehungen. Spätestens seit der Meta-Studie des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie wissen wir, dass der Lernerfolg eng mit dem Verhältnis zwischen Schülern und Lehrer verbunden ist. Doch wie kann Kommunikation in der Schule gelingen? Leo Martin hat tatsächlich lange für einen großen Geheimdienst gearbeitet. Heute schreibt der Experte in Sachen Miteinander Bücher. Darüber hinaus gibt er Kurse und hält Vorträge. Als neuer News4teachers-Kolumnist gibt er Ihnen in nächster Zeit immer wieder Einblicke in das schwierige Metier der (beruflichen) Beziehungsarbeit, mitunter augenzwinkernd – und doch von höchstem praktischen Nutzen. Die 007-Formel um Vertrauen aufzubauen – Vertrauen gewinnen und behalten! Das Wichtigste zuerst: Es heißt NIE „Kannst du mir vertrauen?“, sondern es heißt IMMER „Auf was kannst du vertrauen, wenn du es mit mir zu tun hast?“. Mein Name ist Leo Martin und ich war zehn Jahre lang für einen großen deutschen Geheimdienst im Einsatz. Mein Auftrag war es, im Milieu der Organisierten Kriminalität Vertrauensleute anzuwerben. Ich habe wildfremde Menschen, unter schwierigen Ausgangsbedingungen, in kürzester Zeit, dazu gebracht, mir zu vertrauen und langfristig mit dem Geheimdienst zu kooperieren. So kommen Sie mit anderen Menschen ganz einfach in Kontakt, bauen Vertrauen auf und punkten auf der Beziehungsebene: 001. Beziehen Sie Position Sie sollten eindeutig Position auf folgende Fragen beziehen: Für was stehe ich – und für was nicht? Was lasse ich mit mir machen – und was nicht? Wie will ich von anderen gesehen werden – und wie nicht? Diese Entscheidungen müssen Sie treffen! Das ist nicht ganz einfach, aber die Mühe lohnt sich! Je klarer Sie sich selbst sind, desto klarer ist auch das Bild, das Ihr Gegenüber von Ihnen bekommt. Er/Sie weiß, woran er/sie bei Ihnen ist. Womit er/sie rechnen kann – und womit nicht. Nur so geben Sie ihm/ihr die Sicherheit, seine/ihre Entscheidungen richtig zu treffen. Und das kennen Sie von sich selbst: In letzter Konsequenz entscheiden wir immer selbst und frei: Bin ich bereit, mich dir zu öffnen? Dich an mich ranzulassen? Auf deine Vorschläge einzugehen? Mir deine Angebote überhaupt anzuhören? Dir persönliche Information preiszugeben? Mich für dich einzusetzen? Oder verschließe ich meine innere Tür vor dir, ohne dir einen Ton dazu zu sagen? Für mich als Agent hieß das, z. B. zu entscheiden: Wer ist mein V-Mann für mich? Ein feiger Verräter – oder mein Ohr in der Organisation? Für Sie im Job heißt das, zu entscheiden: Wer ist mein Kollege/Mitarbeiter für mich? Ist er mir als Mensch wirklich wichtig – oder ist es nur die Arbeit, die er wegschafft? Für Sie im Verkauf heißt das, zu entscheiden: Wer ist mein Kunde für mich? Muss ich ihm etwas verkaufen, um meine Ziele zu erreichen – oder ist er es, wegen dem ich meinen Job überhaupt habe, und mein Job ist es, seine Probleme zu lösen? Beide Möglichkeiten sich zu entscheiden sind ok. Der erste Weg ist meistens der wirksamere. Auch wenn Sie Ihre Einstellung nicht in Worte fassen und formulieren, Ihr Gegenüber wird Ihre Haltung spüren. Mit jedem Blick, den Sie ihm/ihr zuwerfen, mit jeder Frage, die Sie ihm/ihr stellen und mit jedem Wort, das Sie nicht sagen! 002. Demonstrieren Sie hohen Selbstwert Es ist ein Unterschied, von wem Sie Anerkennung für Ihre Arbeit bekommen. Das Kompliment eines namenlosen Unbekannten wird weniger in Ihnen auslösen als das Kompliment eines Experten, Ihres Vorbildes oder eines Menschen, den Sie mögen. Deshalb: Demonstrieren Sie ERST hohen Selbstwert, bevor Sie den anderen DANN mit Anerkennung belohnen. Dazu müssen Sie Persönliches über sich preisgeben. Erzählen Sie Geschichten über sich, die zwischen den Zeilen positive Botschaften über Sie durchklingen lassen. Ohne dass es nach Angeberei oder Aufschneiderei klingt. Damit ist nicht gemeint, jedes kleinste private Detail vorbehaltlos in die Öffentlichkeit zu posaunen, sondern ganz bewusst festzulegen, welchen Teil meiner Persönlichkeit, meiner Interessen und Leidenschaften lasse ich sehen – und welchen nicht. Dabei geht es nicht zwangsläufig um Ihre größten Erfolge, Ihr Haus, Ihr Auto und Ihr Boot. Sie dürfen Ecken und Kanten zeigen! Erzählen Sie auch von dem Projekt, bei dem Sie mal richtig Lehrgeld bezahlt haben, dem Rückschlag und wie Sie wieder aufgestanden sind, der großen Enttäuschung und was Sie daraus gelernt haben, von einem peinlichen Moment und wie Sie der Situation entkommen sind. Achten Sie darauf, dass Ihre Geschichten und Themen den anderen interessieren. Bedenken Sie auch: Nichts wirkt attraktiver als emotionale Unabhängigkeit. Lassen Sie sich nicht von Negativstimmungen anderer runterziehen. Achten Sie darauf, was Sie zum Thema machen – und besonders auch, was nicht. Halten Sie sich von Krisen- und Negativthemen fern. Jammern Sie nicht. 003. Belohnen Sie Ihr Gegenüber durch Anerkennung Überlegen Sie sich vor jedem Treffen: Welches ehrliche und ernst gemeinte Kompliment kann ich meinem Gegenüber heute machen. Loben Sie eher Verhalten statt schöne Augen. Komplimente für ein bestimmtes VERHALTEN sind erstens leichter zu finden und haben zweitens die größte Wirkung. „Echt stark, wie ruhig du im Konflikt mit Peter geblieben bist!“, hat mehr Kraft als: „Schöne Schuhe …“. Folgende Faustregel gilt: Eine positive Bemerkung bei jedem Treffen. Bei guten Freunden und Menschen, die wir mögen, fällt uns das relativ leicht. Unser Erfolg und unser Wohlfühlen hängt gelegentlich aber auch von Menschen ab, die es uns nicht von Haus aus einfach machen. Da kann es vorkommen, dass wir uns beim Negativdenken oder Abwerten ertappen. Hier wird es schon anspruchsvoller. Aber auch umso wichtiger. Suchen Sie auch in Konfliktsituationen an Ihrem Gegenüber mindestens einen Aspekt, den Sie aufrichtig respektieren und anerkennen können. Fokussieren Sie sich auf die Stärken Ihres Gegenübers. Trennen Sie strikt zwischen der Person und deren Verhalten/Angelegenheit. Schaffen Sie positive Erlebnisse. Überraschen Sie Ihr Gegenüber mit einer positiven Reaktion, mit der er/sie gerade am wenigsten gerechnet hätte. In solchen Situationen wirkt diese Empfehlung am stärksten und am nachhaltigsten. 004. Entscheiden Sie sich für eine wertschätzende Grundhaltung Es geht nicht um Kuschelkurs; es geht darum, Ziele zu erreichen! Aber Druck erzeugt immer Gegendruck. Auch in der Kommunikation. Es gilt der Grundsatz: Wenn Menschen dich mögen unterstützen sie dich, wenn nicht, suchen Sie nach Fehlern. Wenn es Ihnen gelingt, folgende Haltung zu leben, wirken Sie besonders attraktiv auf andere: • Ich kritisiere nicht negativ, verurteile nicht, werte nicht ab – ich gebe Feedback nicht um Dampf abzulassen, sondern um den anderen einen Schritt weiter zu bringen. • Ich lasse andere stets gut aussehen und immer ihr Gesicht wahren – erst recht in Konfliktsituationen. • Ich schaffe Win-win-Situationen: Andere Menschen profitieren von unserer Begegnung/Bekanntschaft/Beziehung – ohne dass ich dafür sofort eine Gegenleistung erwarte. • Ich übernehme Verantwortung – erst recht bei negativen Entscheidungen und Ergebnissen. • Ich treffe Entscheidungen und schöpfe dabei meinen Handlungsspielraum voll aus. • Ich fokussiere mich auf die Stärken anderer, nicht auf deren Schwächen. • Ich zeige Leidenschaft, Enthusiasmus und demonstriere stets Zuversicht. Diese Haltung einzunehmen fällt Ihnen besonders leicht, wenn Sie bedenken: Menschen treffen immer die beste ihnen zur Verfügung stehende Wahl. Ein negatives Verhalten wird erst aufgegeben, wenn ein besseres gefunden wurde. 005. Geben Sie Versprechen ab, von denen Sie genau wissen, dass Sie sie einhalten werden Achten Sie ganz besonders darauf, dass das, was Sie sagen und das, was Sie tun, ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Versprechen Sie nur Dinge, die Sie auch zu 100 Prozent einhalten können. Gut ist: „Das organisiere ich für dich!“, besser ist: „Das hast du bis morgen, 14 Uhr, auf deinem Schreibtisch!“. Ein ganz besonderer 007-Trick: Auch wenn Sie es sofort erledigen könnten, versprechen Sie es für später. So erlebt Ihr Gegenüber, Sie sind verbindlich und halten Ihre Versprechen ein. Er lernt: Was Sie zusagen, halten Sie auch ein. Davon profitieren Sie später! 006. Verraten Sie kleine Geheimnisse über sich Geben Sie kleine positive Geheimnisse über sich preis. Liefern Sie so einen Vertrauensvorschuss und Vertrauensbeweise. Unterhalten Sie sich auch über das sachlich/beruflich notwendige Maß hinaus. Etablieren Sie kleine Rituale und Insiderthemen. Noch ein 007-Trick: Arrangieren Sie möglichst viele Treffen in möglichst kurzer Zeit. Jedes dieser Treffen braucht ein logisches Motiv. Verabreden Sie sich immer an unterschiedlichen Orten. Vom Treffpunkt aus wechseln Sie möglichst oft die Location. Das erzeugt eine besonders hohe gemeinsame „Erlebnisdichte“. Suchen und betonen Sie auch andere Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrer Zielperson! Gemeinsamkeiten erzeugen eine starke Verbindung. Achtung, verraten Sie aber niemals Geheimnisse von anderen! 007. Lösen Sie kleine Probleme für Ihr Gegenüber Lösen Sie kleine Probleme für Ihr Gegenüber. Hier ein vermittelter Kontakt, dort eine helfende Hand, da eine interessante Information, ein ehrliches Feedback oder ein Warnung vor einem Risiko. Der Alltag bietet dazu jeden Tag 100 Chancen, die nichts kosten. Wälzen Sie nicht erst das Für und Wider. Machen Sie es einfach und geben dem anderen dabei ein gutes Gefühl. Machen Sie das nicht mit dem Ziel, sofort eine Gegenleistung zu erwarten, gleich die Hand aufzuhalten, oder den anderen in Zugzwang oder eine Abhängigkeit zu bringen. Sondern mit dem Ziel, dem anderen ein positives Erlebnis zu verschaffen, das er mit Ihnen in Verbindung bringt. Vertrauen lässt sich nicht erzwingen, nicht erkaufen und nicht über rationale Argumente herbeireden. Es entsteht einzig und allein über Erfahrungen und Erlebnisse. Eine starke, vertrauensvolle Beziehung – Sie haben Ihr Ziel erreicht Erst wenn Ihr Gegenüber in die Beziehung investiert, haben Sie Ihr Ziel erreicht. Hält er Blickkontakt, hört er aufmerksam zu, nickt er bestätigend? Dann ist das ein guter Anfang, aber nicht genug! Achten Sie auf die Indikatoren von Investment: Ergreift er die Initiative, ruft er zurück, meldet er sich ab, beteiligt er sich aktiv am Gespräch, bringt er eigene Themen mit ein, zeigt er echte Emotion (Stolz, Leidenschaft, …) – ist er bereit, etwas für Sie zu tun? Dann haben Sie ihn. Gehen Sie sorgsam mit Ihrer neu gewonnenen Beziehung um! Vertrauen ist kein Status, der für immer bleibt, sondern ein Prozess, der ständig neu befeuert werden muss. Wenn Sie meine Empfehlungen beherzigen, werden Sie die Menschen um sich herum dazu bringen, in Sie zu investieren. Denn die Menschen in Ihrer Umgebung werden sich bei Ihnen wohlfühlen, weil Sie deren Grundbedürfnisse nach Sicherheit/Anerkennung/Liebe erfüllen. Die Energie, die Sie dafür einsetzen, erhalten Sie um ein Vielfaches zurück. Sie erhöhen Ihren Wirkungsgrad – ob beruflich oder privat. Sie werden zum Meister im Kontakten, im Aufbauen von Vertrauen und im Punkten auf der Beziehungsebene. So werden Sie auch wildfremde Menschen unter schwierigsten Bedingungen in einem Minimum an Zeit zu Ihren Verbündeten machen. Mit dieser Formel werden andere Menschen für Sie bis hart an ihre Grenzen gehen. In Ausnahmefällen vielleicht sogar ein Stück darüber hinaus – bis zum blinden Vertrauen. Sie haben Ihre Mission erfüllt! Willkommen im Team. Ihr Leo Martin

Ex-Geheimagent, Bestseller-Autor und Führungskräfte-Coach: Leo Martin. Foto: privat

Der 007-Plan zur Stärkung Ihrer persönlichen Widerstandskraft

Es wird immer Menschen geben, mit deren Verhalten wir nicht klarkommen, die wir vielleicht auch nicht mögen. Daran wird sich nichts ändern, das gehört zum Gesamtpaket Mensch. Diese 007-Formel kann Ihnen helfen, mit Gefühlsterroristen, Nervenkillern und anderen Querulanten besser klarzukommen:

001. Lassen Sie Ihre negativen Gefühle zu!

Wann immer Ihnen jemand richtig auf die Nerven geht, kotzen Sie sich aus! Lassen Sie Ihren negativen Gefühlen freien Lauf. Aber, und das ist die einzige Bedingung: Nicht in Gesellschaft. Nur Sie und der Wald, in den Sie schreien. Sie und der Eimer, in den Sie sich auskotzen. Sie und der Boxsack. Sie und die Dartscheibe auf der das Foto klebt, das Sie mit Pfeilen durchlöchern. Seien Sie nicht politisch korrekt. Nutzen Sie die übelsten Kraftausdrücke, die Sie kennen: „Dieser verdammte Idiot, wenn ich den …“. Schreien Sie gern auch die Wand an. Ein kurzer Ausbruch wirkt wie ein Gewitterregen auf staubige Luft. Er reinigt Sie innerlich, dient Ihrer psychischen Hygiene und ist die notwendige Vorstufe für den nächsten Schritt. Nur wer keine Wut, keinen Groll oder Ärger mehr in sich trägt, wird die nötige Ruhe und Gelassenheit aufbringen um weiterzukommen.

002. Suchen Sie das Gute!

Niemand, absolut niemand, ist vollkommen unsympathisch. Niemand hat ausschließlich Seiten, die nerven. Nicht mal die größte Nervensäge. Jeder Mensch verfügt auch über positive Seiten. Man muss sie nur finden. Damit Sie auf der Suche nach dem Guten im Nervenkiller fündig werden, hilft es manchmal, einen kleinen Umweg zu gehen. Denken Sie zuerst an Menschen, die Sie sehr mögen, und überlegen Sie sich dann, welche Schwächen diese haben. Sie werden merken, dass Sie diesen Schwächen relativ tolerant begegnen können, weil es ein grundsätzliches Ja zu diesen Menschen gibt. Es wird also möglich sein, auch etwas Gutes an einer Nervensäge zu finden. Im beruflichen Kontext würde dies bedeuten, dass Sie zum Beispiel zuerst auf Ihre „Lieblinge“ schauen. Aus Gründen der Tarnung werden diese oft Leistungsträger genannt. Danach fragen Sie sich, welche Stärken der Gefühlsterrorist hat. Das führt in Ihrem Urteil zu mehr Ausgewogenheit, Objektivität und Neutralität.

003. Bleiben Sie immer locker und immer freundlich!

Wenn Sie in Anwesenheit anderer Menschen Ihrem ablehnenden Verhalten freien Lauf lassen, dann hat das noch nie mehr gebracht als Wunden, die schwer heilen. Das gilt auch für Querulanten, Nervenkiller und Gefühlsterroristen – für die einen mehr, für die anderen weniger. Deshalb können und dürfen Sie jederzeit ein „professionelles Pokerface“ aufsetzen. Damit Ihnen das gelingt, ist das Auskotzen im Eimer wichtig. Das Schreien im Wald. Das Boxen in den Sack und der Pfeil im Foto. Nur wenn Sie Groll, Wut und Ärger losgeworden sind, können Sie fair und gelassen sein. Schließlich fährt auch niemand mit vollem Magen Fünfer-Looping.

004. Trauen Sie sich ran – je enger, desto besser!

Manchmal ist es so. So komisch es klingen mag, je dichter Sie die unliebsame Nervensäge an sich heranholen, desto eher werden Sie in der Lage sein, Gemeinsamkeiten zu entdecken. Ihr Gegenüber hat dadurch mehr Gelegenheit, seine Meinung über Sie anzupassen. Das gilt natürlich umgekehrt genauso auch für Sie. Wenn Ihnen die Annäherung gelingt, können Sie dadurch souveräner mit der Situation umgehen. Dann ist viel gewonnen. Sie müssen ja nicht gleich heiraten.

005. Sehen Sie die Situation durch die Augen des anderen!

Was so einfach klingt, gehört zu den schwierigsten Übungen – das Wechseln der Perspektive. Aber sie ist es, die Sie zu den Motiven Ihres Gegenspielers führt. Sobald Sie diese durchschaut haben, bekommt sein Verhalten eine andere Bedeutung. Weil Sie jetzt wissen, warum er sich so verhält. Wenn Sie die Hintergründe seines Tuns durchschauen, beurteilen Sie die Taten anders. Und dann kann kein Gefühlsterrorist dieser Welt Sie mehr aus der Bahn werfen. Sie konzentrieren sich nicht auf sein Verhalten, sondern auf das, was dahintersteckt. Je leichter wir andere Perspektiven einnehmen können, umso weniger persönlich nehmen wir die Eigenarten unserer Mitmenschen. Und können entscheiden, ob wir eine Brücke bauen oder einreißen.

006. Erkennen Sie die positive Absicht!

Hinter jedem Verhalten eines Gefühlsterroristen steckt eine positive Absicht. Menschen treffen immer die beste ihnen persönlich zur Verfügung stehende Wahl. Negatives Verhalten wird erst aufgegeben, wenn etwas Besseres gefunden ist. Geht Ihnen ein Querulant so richtig auf die Nerven, zeigt dies, dass er sich in diesem Augenblick gerade nicht besser zu helfen weiß. Versuchen Sie die positive Absicht hinter dem Verhalten herauszufinden. Alles, was Menschen tun, ist immer auf ein Ziel ausgerichtet, ob sie das nun bewusst oder unbewusst erreichen wollen. Sobald Sie dieses Ziel kennen, wissen Sie auch über die Motive Bescheid, die dahinterstecken. Oft „schreit“ ein unerfüllter Wunsch nach Liebe, Zuneigung, Wertschätzung in den Menschen, die uns als Gefühlsterroristen, Nervenkiller und Nervensägen verzweifeln lassen oder gar zur Weißglut bringen. Wenn es uns gelingt zu verinnerlichen, dass andere also nicht aus böser Absicht handeln, sondern dass jedem Verhalten eine positive Absicht zugrunde liegt, fällt es leichter, sich nicht mehr so aufzuregen. Auch nicht über Neunmalkluge, Nörgler, Miesmacher, Hochnäsige und so weiter.

007. Malen Sie Ihr Gegenüber blau an!

Meine absolute Lieblingsmethode. Bevor eine Nervensäge zum Nervenkiller wird, gehe ich in die mentale Offensive: In Gedanken male ich mein Gegenüber blau an. Von oben bis unten, ganz langsam, Strich für Strich mit einem breiten Pinsel, mit dickflüssiger königsblauer Farbe. Wenn ich damit fertig bin, ist alles wieder einigermaßen in Ordnung. Der Trick an dieser Methode ist so simpel wie genial. Wenn ich diese Methode einsetze, treffe ich gleichzeitig eine Entscheidung. Die Entscheidung, dass es mir sofort besser geht, sobald ich mit dem Anstreichen fertig bin. Klingt bescheuert. Aber funktioniert wunderbar. Auch mit allen anderen Farben. Testen!

Hier geht es zur Kolumne: Neuer News4teachers-Kolumnist: Was Sie als Lehrer von Ex-Geheimagent Leo Martin lernen können

 

Zur Person
Das aktuelle Buch von Leo Martin.

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Leo Martin hat Kriminalwissenschaften studiert und war zehn Jahre lang für einen großen deutschen Geheimdienst im Einsatz. Während dieser Zeit deckte er brisante Fälle der organisierten Kriminalität auf. Sein Spezialauftrag war das Anwerben und Führen von Informanten. Als Experte für unterbewusst ablaufende Denk- und Handlungsmuster brachte er fremde Menschen dazu, ihm zu vertrauen, ihr geheimstes Insiderwissen preiszugeben und langfristig mit dem Dienst zusammenzuarbeiten. Er hat Bücher geschrieben, die es bis auf die Bestseller-Liste des Spiegel geschafft haben. Sein aktuelles: „Ich stopp dich!: Gefühlsterroristen erkennen und ausschalten – Ein Ex-Agent im Einsatz gegen Nervenkiller“ (Ariston-Verlag, 14,99 Euro). Darüber hinaus gibt er Kurse und hält Vorträge – etwa auf dem Deutschen Schulleiterkongress im vergangenen März und auf SchulVerwaltung.de.

Kontakt: www.leo-martin.de

 

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