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GEW Hessen: „Gute Bildung ist nur bei guten Arbeitsbedingungen möglich“

FRANKFURT/MAIN. Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) beurteilte den Start ins neue Schuljahr in seiner aktuellen Regierungserklärung als „außerordentlich gut gelungen“ – die GEW meint aber: Die ersten Rückmeldungen aus den Schulen vermitteln ein deutlich anderes Bild.

In einer Pressemmiteilung der Gewerkschaft heißt es: „Viele Stellen konnten nicht besetzt werden, dies gilt beispielsweise für Förderschullehrkräfte in Nordhessen und Grundschullehrkräfte in Frankfurt. Die Folge sind unbesetzte Klassenleitungen oder doppelte Klassenführung.

Die Probleme der letzten Schuljahre, die unter anderem dazu geführt haben, dass alleine im vergangenen Schuljahr 53 Schulen Überlastungsanzeigen beim Hessischen Kultusministerium gestellt haben, darunter 37 Grundschulen, haben weiterhin Bestand. Überlastungen entstehen durch ein gestiegenes Arbeitspensum angesichts zusätzlicher dienstlicher Aufgaben und durch fehlende räumliche und personelle Kapazitäten.“

Maike Wiedwald, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen, äußerte sich wie folgt: „Gute Schulbildung ist nur bei guten Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer möglich. Davon sind wir in Hessen angesichts vielfältiger Belastungen, von denen zahlreiche Überlastungsanzeigen von Schulkollegien zeugen, leider weit entfernt.“

Aus Sicht der GEW sind die Schulen personell und sächlich nicht hinreichend ausgestattet. Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich insbesondere aus der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, der Integration von Geflüchteten und anderen Seiteneinsteigerinnen und -einsteigern sowie dem Ausbau von Ganztagsangeboten.

Die Zuweisung von Stellen halte in der Grundunterrichtsversorgung nicht mit dem Anstieg der Schülerzahlen Schritt. Dies führe insbesondere in den Grundschulen zu größeren Klassen. So nehme die Schülerzahl in den Klassen 1 bis 4 von 207.850 auf 210.700 zu. Die durchschnittliche Klassengröße wächst daher auf über 20 Schüler.

Bei dem behaupteten Ausbau von Ganztagsschulen handelt es sich aus Sicht der GEW um eine Mogelpackung. Maike Wiedwald: „Der von der Landesregierung initiierte Pakt für den Nachmittag bietet lediglich eine nachmittägliche  Betreuung. Obwohl für die Eltern Beiträge in empfindlicher Höhe anfallen, wird so kein pädagogisch sinnvolles Ganztagsangebot gestaltet. Stattdessen müssen echte rhythmisierte Ganztagsschulen eingerichtet werden. Es ist mehr als bedauerlich, dass der Minister keine Daten zur Umsetzung des Paktes in den Kommunen vorlegen kann – oder will. So blieb eine aktuelle parlamentarische Anfrage zu diesem Thema leider inhaltlich gänzlich unbeantwortet.“

„Der Kultusminister hat in seiner Regierungserklärung viele lobende Worte für die Lehrkräfte in den Schulen gefunden. Wir erwarten jedoch mehr als nur warme Dankesworte“, so Maike Wied­­wald weiter.

„Es ist ausschließlich dem gewerkschaftlichen Engagement unserer Kolleginnen und Kollegen zu verdanken, dass sich die Regierung nun zumindest bei der Arbeitszeit bewegt. Dennoch wird die Arbeitszeit der hessischen Lehrkräfte auch nach der angekündigten marginalen Verkürzung um eine halbe Pflichtstunde immer noch zu den höchsten in der Bundesrepublik gehören.“

Zum Bericht: Unterricht für Flüchtlingskinder: Kultusminister Lorz verspricht mehr Lehrer

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