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Verhandlungen über einen attraktiveren Lehrerberuf sind gescheitert – Sächsischer Lehrerverband fürchtet: Lehrermangel bleibt!

DRESDEN. Die Verhandlungen für ein Maßnahmenpaket zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs und Gestaltung des Generationenwechsels im Freistaat Sachsen sind heute Nachmittag in Dresden ohne Einigung zu Ende gegangen. Elf lange Verhandlungsrunden, die seit Juni dieses Jahres stattgefunden haben, bleiben somit ohne Ergebnis. „Es gab zuletzt unüberbrückbare Vorstellungen“, sagte Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) am Freitag.

Unterschiedliche Grundsatzpositionen von Gewerkschaften und Arbeitgebern konnten nicht überbrückt werden. Der Sächsische Lehrerverband (SLV) und seine Spitzengewerkschaft dbb sehen in der Erhöhung der Attraktivität des Lehrerberufs in Sachsen und der Entlastung von Lehrkräften den Schlüssel zur Lösung, während die Staatsregierung derartige Maßnahmen von einem „Beitrag“ der Beschäftigten abhängig gemacht habe, so heißt es in einer Pressemitteilung des SLV. Die Gewerkschaft dbb sprach von einem „schwarzen Tag“.

In den Verhandlungen haben die Vertreter der Staatsregierung laut SLV erwartet, dass die Lehrkräfte durch Arbeitszeiterhöhungen zur Minderung des Lehrermangels beitragen. Regelstundenmaß, Anrechnungstatbestände, Altersermäßigungen und die geminderte Unterrichtsverpflichtung in der gymnasialen Oberstufe (K6/K9) standen im Fokus. Die Vorstellungen der Staatsregierung zu einem „Beitrag“ der Lehrerinnen und Lehrer hätten bei den Altersermäßigungen sowie „K6/K9-Stunden“ konkrete Gestalt angenommen

Jens Weichelt, der am Verhandlungstisch saß, äußerte sich enttäuscht und wütend: „Wir reden über Lehrerinnen und Lehrer, die 30 Dienstjahre an weiterführenden Schulen, sogar 35 an Grundschulen vorweisen können. Ihnen gebührt eine besondere Wertschätzung. Im bundesweiten Vergleich haben Sie das sächsische Schulsystem auf Spitzenplätze geführt, hatten die höchste Pflichtstundenzahl und hielten bei der Bezahlung die Rote Laterne. Eine Generation, die mit jahrelanger unfreiwilliger Teilzeit Einkommensverluste und Rentenminderungen verkraften musste, soll nun in Zeiten des Lehrermangels erneut Opfer bringen. Das hat nichts mit Wertschätzung zu tun!“

Der Sächsische Lehrerverband hatte nach eigenen Angaben bereits im März 2016 seinen energischen Widerstand gegen unpopuläre Maßnahmen angekündigt und Jens Weichelt bekräftigt das nach den gescheiterten Verhandlungen: „Die Lehrerinnen und Lehrer haben den Lehrermangel nicht zu verantworten und werden dafür nicht die Zeche zahlen!“

Die von der Staatsregierung laut Pressemitteilung angebotenen „attraktivitätssteigernden Maßnahmen“ seien weit hinter den Forderungen des Sächsischen Lehrerverbandes zurückgeblieben, hätten den Lehrerberuf in Sachsen nicht wirklich attraktiver gemacht und würden somit für viele weitere Jahre dem Lehrermangel nicht wirksam begegnen, hieß es. „Das Eingangsamt A 13 für Oberschulen ist überfällig, sorgt für mehr Gerechtigkeit, stellt letztlich aber nur ca. 250 ausgebildete Lehrkräfte und die meisten Seiteneinsteiger besser.

Ohne eine bessere Bezahlstruktur für Schulleiter bleibt die Besetzung von offenen Schulleiterstellen weiterhin Illusion“, so die Mitteilung des SLV.

Die angeboten Beförderungsämter (Amtszulagen von 194 Euro Brutto bei Vollzeit, an Grundschulen 90 Euro) beträfen nur einen relativ kleinen Teil der Lehrkräfte (im Bereich der Oberschulen rund 20 Prozent, Grundschulen rund 18 Prozent und Förderschulen rund 15 Prozent). Die 100 Höhergruppierungsstellen für Berufsschullehrer bedeuteten in etwa 1,5 Stellen pro Berufliche Schule. „Besonders beschämend ist die Tatsache, dass die Vertreter der Sächsischen Staatsregierung die Gymnasiallehrer von sämtlichen attraktivitätssteigernden Maßnahmen ausschließen wollen. Das betrifft immerhin ein Viertel der sächsischen Lehrkräfte, die ebenfalls Höchstleistungen bringen und somit Wertschätzung erfahren müssen. Die Begründung, dass es momentan noch genügend Bewerber gäbe, ist blauäugig, denn auch dort können bestimmte Fächer nur noch mit Seiteneinsteigern besetzt werden.“  Auch ein Programm für Seiteneinsteiger habe in den Verhandlungen nicht geschnürt werden können.

„Mit der Demotivation verdienstvoller Lehrkräfte und unzureichenden Anreizen zur Gewinnung des Nachwuchses kann die sächsische Bildungsqualität nicht mehr gehalten werden und der Lehrermangel wird noch viele Jahre akut sein. Die Verantwortung trägt die Sächsische Staatsregierung.“, konstatierte SLV-Chef Weichelt. dpa

Ein Kommentar

  1. Furchtbar, es ging wieder nur ums Geld !

    Die haben immer noch nichts begriffen !

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