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Kolumne: Oje, Frau Weh hatte in einer Schulpause einen Sportunfall

DÜSSELDORF. Zwischen der letzten Unterrichtsstunde und dem Kindergartenende fliege ich gerne im Fitnessstudio vorbei. Was für den Rücken tun. Und die Arme. Den Bauch! Ach, eine Rundumpackung. Es ist ein kleines Studio, sehr familiär geführt und nur für Damen. Ich bin – zumindest sportlich gesehen – jetzt bei den Damen angesiedelt.

Im Gegensatz zu den jungen Hüpfern, die enge Sportkleidung und deutlich mehr BummBumm-Kurse bevorzugen, fühle ich mich in diesem etwas gediegeneren Etablissement sehr wohl. Das Training dauert immer 30 Minuten (oder bei akuter Zeitnot gar nur 20) und deckt alle Problemzonen Hauptmuskelgruppen ab. Außerdem gibt es immer frisches Wasser und den ein oder anderen netten Schwatz. Das mag ich. Es findet sich sogar eine Aufhübschstation in der Umkleide, die mit Tüchlein, Deo- und Haarspray und dem ein oder anderen Schnickschnack ausgestattet ist. Reicht die Zeit zwischen zwei Tagespunkten mal nicht, um zu duschen, kann man sich zumindest schnell duftigfrisch sprühen. Das ist total Rokoko (und ein bisschen pfui, ich weiß), aber ehrlich, ich mach das nur ganz selten so!

Sport ist ja enorm wichtig! Physisch wie psychisch. Und überhaupt lassen sich – ist der Widerstand nur groß genug – viele negative Schwingungen ganz einfach wegpressen. Oder wegrudern. Meinetwegen auch wegbutterflyen. Wobei das jetzt im geschriebenen Zustand doch komisch aussieht. Ihr wisst, was ich meine. So langsam komme ich in ein Alter, in dem die verspannten Nackenmuskeln nicht mehr als Zeichen von Tüchtigkeit durchgehen, sondern langfristig zum Problem werden können. Und in diesem Bereich bin ich ja Minimalist: Bitte kein Problem mehr als unbedingt nötig, wir sind bereits gut ausgestattet! Also rudere ich und presse, ziehe und drücke, um das Gesamtpaket Weh möglichst ohne Ach zu behalten.

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Unsere Autorin liegt dank Haarspray- metaphorisch gesehen – am Boden. (Foto: enderstcall/Flickr CC BY 2.0)

Heute ist nun aber einer der Tage, an denen die Zeit tatsächlich knapp bemessen ist. Ich habe ein Luftloch zwischen einer Musikstunde bei den Viertklässlern und einem Elterngespräch, das gerade so einen kurzen Besuch des Fitnessstudios zulässt, aber nicht für einen Heimflug reicht. Natürlich könnte ich mich auch mit einer Packung Kekse ins Lehrerzimmer setzen, keine Frage. Aber … nein, da gibt es kein Aber, ich greife mir die Tasche, die allzeit bereit im Auto liegt, und jogge ins Studio. Ich kann dann ja nachher ausnahmsweise mal ordentlich drübersprühen, das passt schon. Allzu nah wollte ich den Eltern sowieso nicht kommen. Beschwingt absolviere ich meine Runden, drücke, presse, ziehe und fege wieder in die Umkleide. Raus aus den Plünnen, rein in die Plünnen … ach, vergessen, der Sprühnebel! Den Kopf schon im Pulli, greife ich blind nach der Flasche, schüttle selbige und …

ZISCHSCHSCHSCH … eiße!

Oh Gott, diese Schmerzen! Völlig orientierungslos hüpfe ich jaulend durch den Raum, stoße mich an offenen Spindtüren und verstehe die Welt nicht mehr. Habt ihr euch schonmal Haarspray in frisch enthaarte Achseln gesprüht? Alles klebt, alles schmerzt. Das kann nicht gesund sein. Mit rotem Kopf und schmerzverzerrtem Blick tauche ich aus meinem Pullover auf und schaue auf das Etikett der Flasche. Extra strong. Für die Dauerwellendamenstudio-Fraktion, der ich mich eben noch so fröhlich anzuschließen bereit war. Wie doof darf man eigentlich sein, wenn man Kinder unterrichten will?

Reichlich derangiert sitze ich wenig später dem Vater von Mia gegenüber. „Ist Ihnen nicht gut?“, fragt er besorgt, als ich entschuldigend seine zur Begrüßung ausgestreckte Hand ablehne. „Ach“, sage ich und bemühe mich, nicht allzu leidend zu klingen, „kleiner Sportunfall.“

Witz, Charme und einen tiefen Blick in die Seele einer Grundschullehrerin erlaubt Frau Weh auf ihrem Blog “Kuschelpädagogik” und auf www.news4teachers.de. Frau Weh heißt im wahren Leben nicht Frau Weh, aber ihre Texte sind häufig so realitätsnah, dass sie lieber unter Pseudonym schreibt.

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