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Die „eiserne Lady“ der Bildungspolitik: Eisenmann ist jetzt Präsidentin der KMK – und stellt als Erstes Englisch in der Grundschule infrage

STUTTGART. Kritiker bezeichnen sie als „Rambo“ – selbst einem heftigen Krach mit ihrem Ministerpräsidenten, dem Grünen Winfried Kretschmann, geht sie nicht aus dem Weg. Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann (CDU) gilt als streitbar und durchsetzungsstark. Jetzt übernimmt die „eiserne Lady“ für ein Jahr den Vorsitz der Kultusministerkonferenz (KMK). Ein Satz lässt die Richtung, die sie vorzugeben gedenkt, erkennen: „Auch einer leserlichen Handschrift messe ich große Bedeutung zu“ – sie will zurück zu den Grundlagen! Englisch in der Grundschule könnte dem zum Opfer fallen.

Liegt aktuell mit dem Grundschulverband im Clinch: Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Liegt aktuell mit dem Grundschulverband im Clinch: Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Wenn man eines nicht tun sollte, dann ist es, Susanne Eisenmann (CDU) zu unterschätzen. Die baden-württembergische Kultusministerin gilt als konfliktbereit, entscheidungsfreudig und durchsetzungsfähig. Das mussten auch einige Politiker in der grün-schwarzen Landesregierung erst lernen. Seit fast acht Monaten schwingt die 52-Jährige das bildungspolitische Zepter im Ländle. Zum Jahresbeginn hat sie turnusgemäß die Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz übernommen. Eisenmann steht damit den Ressortchefs der Länder vor. Es ist ein Amt, das Baden-Württemberg nur alle 16 Jahre zukommt.

Damit nimmt nicht nur die Terminfülle der Ministerin erheblich zu. Eisenmann will die berufliche Bildung bundesweit pushen. Dazu zählt etwa die Frage, wie sich die Schulen auf das Megathema Digitalisierung vorbereiten können, das in der Arbeitswelt eine immer größere Rolle spielt – oder auch, wie Schüler bei der Berufswahl unterstützt oder wie Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden können. «Der direkte Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung ist für manche Jugendliche immer noch mit großen Schwierigkeiten verbunden», sagte die Ministerin nach ihrer Wahl zur Präsidentin im Dezember.

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Eisenmann studierte Germanistik, Linguistik und Politikwissenschaft und promovierte in Germanistik. Von 1991 bis 2005 leitete sie das Büro von Günther Oettinger, der damals Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag war und später Ministerpräsident wurde. Verheiratet ist Eisenmann mit dessen früherem Sprecher Christoph Dahl. Von 2005 bis zur Kür zur Ministerin im Mai 2016 war sie Schulbürgermeisterin in Stuttgart. Dort erwies sich die CDU-Politikerin als Pragmatikerin ohne ideologische Scheuklappen. Anders als für viele Parteikollegen waren für sie etwa die Ganztagsschule und die Gemeinschaftsschule – eigentlich ein Projekt von Grünen und SPD – kein rotes Tuch.

Paukenschlag

Als Ministerin sorgte Eisenmann am Ende der grün-schwarzen Verhandlungen über den Landesetat 2017 für einen Paukenschlag. Sie erklärte öffentlich, den Ausbau der Ganztagsschule und der Inklusion, also der Einbeziehung behinderter Kinder in den regulären Schulunterricht, im kommenden Schuljahr auf Eis legen zu wollen, weil Lehrerstellen fehlten. Beides sind vornehmlich grüne Projekte, die auch im gemeinsamen Koalitionsvertrag festgeschrieben sind. Letztlich hatte sie Erfolg und bekam mehr Geld. Doch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) reagierte verärgert und machte in seinem Kabinett klar, dass sich so ein Vorgehen nicht wiederholen dürfe.

In den vergangenen Wochen knirsche es mächtig in Eisenmanns Verhältnis zu den Grünen und auch zu den schulpolitischen Verbänden. Die Grünen zweifelten zeitweise an der Koalitionstreue der Ministerin – etwa, weil sie den Ausbau des Informatikunterrichts zunächst auf die Gymnasien beschränken will. Eisenmann kündigte an, dass die Grundschulen wieder mehr Wert auf richtige Rechtschreibung legen müssten und wandte sich damit gegen die Methode „Schreiben nach Hören“.

In einem Rundschreiben erklärte Eisenmann den Grundschul-Lehrerinnen und Lehrern des Landes, dass künftig im Ländle „lautorientiertes Schreiben“ in den Anfangsklassen nicht mehr sein darf: Würde Kindern erlaubt, nach Gehör zu schreiben, führe dies häufig zu Fehlern in der Rechtschreibung: „Deshalb ist es aus meiner Sicht zwingend erforderlich, dass orthografische Fehler von Anfang an konsequent korrigiert werden“, ließ die forsche Ministerin die Lehrkräfte wissen. Und: „Auch dem Erlernen einer leserlichen Handschrift messe ich große Bedeutung bei.“ Mit dem gleichen Brief erklärte sie die Regelung aus dem gerade erst in Kraft getretenen Bildungsplan für hinfällig, wonach das Ziel beim Schreibenlernen ausgehend von der Druckschrift eine verbundene Schrift sein soll. Eisenmann stellte fest, es habe sich bei dieser verbundenen Schrift entweder um Lateinische Ausgangsschrift oder Vereinfachte Ausgangsschrift zu handeln.

Heftiger Widerspruch kam von der GEW sowie vom Grundschulverband, die die Arbeit von Grundschulkollegien herabgewürdigt sehen. Der Kritik entgegnete Eisenmann barsch: „Es gibt keine pädagogische Freiheit als subjektives Recht“, sagte Eisenmann der „Stuttgarter Zeitung“.  Es sei Aufgabe ihres Ressorts, Anweisungen zu geben, was wie vermittelt werden soll.

Englisch in der Grundschule abschaffen? Hitzige Diskussion um Eisenmanns Vorstoß – Philologen: Erst ab Klasse drei

In den vergangenen Tagen legte Eisenmann nach – und kündigte an, dass sie überprüfen wolle, ob und inwiefern Englisch- oder Französischunterricht für Grundschüler überhaupt sinnvoll sei. Seit dem Absturz baden-württembergischer Schüler in der jüngsten Vergleichsstudie IQB – es ging um Deutsch und Englisch – ist mächtig Feuer unter dem bildungspolitischen Dach der Landesregierung.

Dem „Mannheimer Morgen“ sagte Eisenmann: „Wir prüfen tatsächlich, inwiefern Englisch und entlang der Rheinschiene Französisch für alle Grundschüler sinnvoll sind.“ Die Überprüfung sei von Ministerpräsident Kretschmann angeregt worden. Hinterfragt werden solle, welche Erfolge damit erzielt würden, sagte Eisenmann den Zeitungen. Baden-Württemberg hatte als erstes Bundesland 2003 flächendeckend Englisch und entlang der Grenze Französisch an Grundschulen eingeführt. „Klar ist, dass möglicherweise frei werdende Ressourcen selbstverständlich in der Grundschule verbleiben würden“, so Eisenmann. Eine Entscheidung über eine Abschaffung des Fremdsprachenunterrichts sei aber noch nicht gefallen. Sie plane Gespräche mit Experten. Denkbar sei etwa auch, Englisch oder Französisch erst ab der dritten Klasse in den Lehrplan aufzunehmen. Im Frühjahr sollen erste Ergebnisse vorliegen.

„Respektlos“

Kritiker führen an, dass es Eisenmann an Feingefühl und Offenheit für Anregungen von außen fehle. Ihr Vorgänger im Amt des Kultusministers, Andreas Stoch (SPD), meint etwa: «Gegenüber der pädagogischen Freiheit der Lehrerschaft zeigt sich Frau Eisenmann respektlos, und wissenschaftlichen Sachverstand weist sie brüsk zurück.» Generell werde der Umgangsstil der Kultusministerin nicht als aufgeschlossen und dialogorientiert, sondern als ruppig und besserwisserisch empfunden. CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart attestiert ihr hingegen: «Sie geht beherzt an die Sache heran, sie verfolg konsequent ihren Weg, die Qualität in der Bildung zu steigern.»

Zu ihrem Privatleben hält sich Eisenmann, die von Freunden «Nanni» genannt wird, weitgehend bedeckt. Nur das lässt ihr Sprecher durchblicken: Sie geht regelmäßig joggen und liest gerne gute Bücher. Von Bettina Grachtrup, dpa

Gabriele Eisenmanns berufliche Vita
  • 1984 – 1988 Freie Mitarbeiterin „Eßlinger Zeitung“
  • 1988 – 1990 Assistentin am Lehrstuhl für Ältere Deutsche Philologie der Universität Stuttgart
  • 1991 – 2005 Büroleiterin des Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion
  • Baden-Württemberg Günther H. Oettinger MdL und Ministerpräsidenten
  • 1997 – 2012 Lehrbeauftragte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Stuttgart, Schwerpunkt: Kommunalwissenschaften
  • 2005 – 2016 Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport der Landeshauptstadt Stuttgart
  • seit Mai 2016 Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

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22 Kommentare

  1. Frau Eisenmann spricht vielen Eltern, aber auch Lehrern aus dem Herzen. Ich unterstütze sie voll und ganz.

    Es ist richtig, wenn sie sagt, die Grundschule soll Grundlagen vermitteln – Lesen, Schreiben, Rechnen. Unzweckmäßige Methoden sind das eine. Zeit ist das andere. Es mangelt vor allem auch an Zeit (Unterrichtszeit)! Mehr Deutsch, weniger Englisch unterstütze ich sehr!

    Englisch kann in Klasse 3 beginnen oder später sogar!

  2. Axel von Lintig

    Es macht wenig Sinn zu versuchen Kindern bereits ab der ersten oder zweiten Klasse Englisch oder Französisch zu vermitteln zu wollen, wenn sie die Laute der deutschen Sprache noch nicht sicher schreiben können. Das verwirrt diese noch mehr ,da im englischen bzw französischen die Laute vollkommen anders in die lateinischen Grapheme umgesetzt werden. Das ist erst frühestens ab der dritten oder vierten Klasse der Fall , wenn die deutschen Grapheme beherrscht werden.Der Beginn des Englischunterrichts sollte besser individuell vom Entwicklungsstand des Kindes ausgehend entschieden werden.

  3. Monika Niemann

    Englisch in der Grundschule? In den meisten Fällen „a waste of time“. Ich habe die Phase erlebt, wo wir als SEK I- Schule Schüller/innen aus den Grundschule bekamen, die kein Englisch, ein Jahr, zweiJjahre oder gar drei Jahre Englisch hatten, die bei Fachkräften Unterricht hatten oder eben bei fachfremd Unterrichtenden. Einige hatten richtig Vokabelhefte geführt, andere hatten überhaupt nicht geschrieben. Einige waren bereits im Kindergarten in BILI-Gruppen.
    Und diese bunte Mixtur bekamen wir geliefert, um festzustellen, dass nach 3 Monaten sich alles so zurechtgeruckelt hatte, dass wir 1. auf Grund der Leistungen überhaupt nicht mehr feststellen konnten, wer wie viel Englisch gehabt hatte 2. die Klassen in ihrem Leistungsvermögen sich kaum von denen vorheriger Schuljahre (ohne GS-Englisch) unterschieden und 3. dass diejenigen, die bereits zwei Jahre Englisch an der GS gehabt hatten, gar keinen Bock mehr auf Englisch hatten und somit bezüglich der Motivation für die Sprache sehr häufig hinter den Schülern und Schülerinnen vorheriger Jahre zurückblieben waren.

    • Ein Grund war, dass die Vorgaben für die Grundschulen sehr klar waren (NICHT schreiben!), die Vorgaben für die weiterführenden Schulen aber gar nicht angepasst wurden und die LuL dort davon ausgingen, die Kinder in der GS hätten in Klasse 3+4 den Stoff von 5+6 durchgearbeitet, entsprechend des Unterrichts und der Lehrwerke, die in 5+6 erfolgt waren.

      Ob die Bereitschaft, Englisch zu sprechen steigt, wenn SuS damit früher im Unterricht beginnen, kann ich nicht beurteilen.

      Ansonsten müssen eben die Curricula und Vorgaben besser aufeinander abgestimmt werden. Wenn in der GS keine Vokabeln geschreiben und abgetestet werden sollen, kann man ab Kl. 5 nicht erwarten, dass dies bereits erfolgt ist.
      Meiner Meinung nach liegt sehr viel Unmut an diesen nicht erfolgten Absprachen und Erwartungen, die nicht zueinander passen.

      • Ganz offensichtlich hat es aber auch Lehrkräfte an der Grundschule gegeben, die die Vorgabe „nicht schreiben“ für kompletten Unfug hielten und im Rahmen ihrer pädagogischen Freiheit _trotzdem_ Vokabelhefte führen ließen. Die meisten Lehrer an der Grundschule unterrichten Englisch fachfremd, genauer mit ihrem eigenen Touristenenglisch, das mal sehr gut oder auch katastrophal schlecht sein kann.

        • „Ganz offensichtlich hat es aber auch Lehrkräfte an der Grundschule gegeben, die die Vorgabe „nicht schreiben“ für kompletten Unfug hielten und im Rahmen ihrer pädagogischen Freiheit _trotzdem_ Vokabelhefte führen ließen.“
          Ja, und welche, die bei den Zusammekünften mit den Gymnasien mitschreiben und fragen, was sie denn bitte noch alles machen sollen, damit die Gymnasiallehrer alle ihre Wünsche erfüllt bekommen.
          Nur, dass die Hauptschullehrkräfte bei ähnlichen Treffen etwas anderes gefordert haben.

          „Die meisten Lehrer an der Grundschule unterrichten Englisch fachfremd, genauer mit ihrem eigenen Touristenenglisch, das mal sehr gut oder auch katastrophal schlecht sein kann.“
          Das kann ich nicht bestätigen, Englisch ist schon lange Studienfach auch für die Grundschule und in meinem BL gab es zwischendurch zusätzliche Qualifizierungsangebote (1 Jahr begleitend). Diejenigen, die es bei uns unterrichten, haben eine Ausbildung und damit übrigens auch fachdidaktische Qualifizierungen. Letztere erfolgte vermutlich auf Grundlage der damaligen Vorgaben: NICHT schreiben.
          Die Vorgabe wurde inzwischen geändert, jetzt ist es „abschreiben, aber nicht diktieren“.
          Die Arbeitsweise in Klasse 3 ist nicht mit der in Klasse 5 gleichzusetzen.

          • „Ja, und welche, die bei den Zusammekünften mit den Gymnasien mitschreiben und fragen, was sie denn bitte noch alles machen sollen, damit die Gymnasiallehrer alle ihre Wünsche erfüllt bekommen.
            Nur, dass die Hauptschullehrkräfte bei ähnlichen Treffen etwas anderes gefordert haben.“

            Gerade deshalb ist der Englischunterricht so wie er an der Grundschule durchgeführt wird, nutzlos. Wenigstens wurde (in Ihrem Bundesland) „nicht schreiben“ ersetzt durch „abschreiben, nicht diktieren“.

            Warum ist er nutzlos? Ganz einfach: Die Gymnasien haben nichts, worauf sie aufbauen können, müssen also von vorne anfangen. Dann kann man es auch gleich bleiben lassen. Für die Hauptschulklientel ist das viel zu hoch gegriffen, die Hauptschullehrer wollen eher halbwegs vorhandene Grundlagen in Schreiben, Lesen, Rechnen. Dann kann man den Englischunterricht auch für diese Schüler sein lassen. Bei den Realschulen ist es ein Zwischending mit derselben Konsequenz.

            Für ein Anglistikstudium, egal ob auf Sek II oder Magister/Master wurde zu meiner Studienzeit bereits die Kenntnis der Sprache vorausgesetzt. Wie ist das beim Grundschulfach Englisch? Gibt es Sprachkurse als verbindliche Lehrveranstaltungen? Ich würde sagen, nein, weil die drei Englischvokabeln der Grundschule sollte ein angehender Grundschullehrer eigentlich aus der eigenen Schulzeit mitbringen. Reine Literatur- und Sprachwissenschaftsveranstaltungen, selbst nur auf Sek II-Niveau, gehen weit über die Belange der Grundschule hinaus. Sie gehören aber für mich dazu, damit ein Lehrer weiß, in welchem größeren Zusammenhang das zu lehrende steht.

          • Die Frage nach den Voraussetzungen für ein Englischstudium kann ich nicht beantworten, ich habe es seinerzeit nicht studiert und kenne heutige Bedingungen nicht.

            So oder so ist es müßig, Studieninhalte mit Unterrichtsinhalten zu vergleichen. Das ist doch in anderen Fächern nicht anders.
            Weder Kafka noch Barth werden in der Grundschule unterrichtet, können aber durchaus Inhalt im Studium sein.
            Ebenso wie Sprachwissenschaften in Deutsch zwingend notwendig sind (siehe LRS-Debatte), sollten ähnliche Inhalte im Englischstudium aufgegriffen werden – gleich welcher Schulart.

            Welche anderen Inhalte in den verschiedenen Fächern in die Grundschule gehören und welche nicht, muss womöglich generell neu diskutiert werden. Mit PISA/VERA und der Umstellung der Curricula auf Kompetenzen wurden recht viele Inhalte der weiterführenden Schulen in die Grundschulen gesteckt, womöglich auch wegen der Aufhebung der Orientierungsstufe (Klasse 5+6) in Niedersachsen oder der Einführung des G8.

            Inhalte aus Klasse 3+4 wurden im selben Zug in Klasse 1+2 verortet, obwohl Kinder in diesem Alter etliches kognitiv wirklich nicht begreifen können.
            Manches kann man guten SuS als Exkurs anbieten, etliches sollte aber nicht grundsätzlich für alle vorausgesetzt werden.

            Außerdem vermisse ich eine Debatte darüber, inwieweit PISA-Anforderungen als genereller Bildungskanon gesetzt werden sollten.

            Beim Fach Englisch frage ich mich allerdings eher, ob es nicht von Vorteil sein kann, wenn Kinder frühzeitig mit fremden Sprachen in Berührung kommen.

          • Für Ihren letzten Absatz müssen Sie nur niederländisches oder belgisches Fernsehen einschalten. Dort wird alles fremdsprachliche untertitelt, was nicht für Vorkindergartenkinder ist. Disney-Zeichentrick wird z.B. schon untertitelt. Solange die Kinder halbwegs flüssig lesen können, kommen sie so in Kontakt zu anderen Sprachen und lernen Sie zu verstehen.

            ( Ja, ist so. Mein Opa, Niederländer, hatte in der Schule nie fremdsprachlichen Unterricht, verstand aber aufgrund des Fernsehens Englisch, Deutsch und Französisch. )

          • Ja, hier wurde früher auch NL-TV ausgestrahlt und darüber haben hier manche Englisch oder Niederländisch gelernt.

            Andererseits kenne ich Niederländer, die in der Schule erheblich mehr sprachlichen Unterricht hatten, als ich mir je hätte vorstellen können:
            6 Sprachen mit großen Anforderungen an Literatur, die zu erlesen war, um dem Unterricht folgen zu können.

          • Meine Eltern, auch Niederländer hatten in ihrer Schulzeit Niederländisch, Deutsch, Englisch und Französisch als Pflichtprogramm und jeden Tag mindestens bis zum Abendessen, oft auch noch danach mit Hausaufgaben zu tun. Zumindest bei mir in NRW ist das trotz Ganztag illusorisch, weil im Schnitt 60 Minuten Hausaufgaben pro Tag für halbwegs clevere Schüler (also solche, die an die gewählte Schulform auch gehören) schon viel sind. Sie wunderten sich schwer über die geringe Menge an Hausaufgaben, denen ich in meiner Schulzeit ausgesetzt war.

  4. Mir gefällt Frau Eisenmann. Ich bin ebenso wie sie der Meinung, dass die Methode „Lesen durch Schreiben“ abgeschafft werden sollte und der Englischunterricht in der Grundschule zumindest auf den Prüfstand gehört.
    Ich frage mich, welchen Vorteil es hat, „wenn Kinder frühzeitig mit fremden Sprachen in Berührung kommen“. Das ist für mich eine Behauptung, die zwar gut in den Ohren klingt, aber wenig sagt. Auf dieser Argumentationsschiene kann alles Mögliche in die Schulen reingedrückt werden, denen dann die Zeit für ihre Kernaufgaben immer knapper wird.
    Ich stimme sofawolf und xxx ausdrücklich zu: In der Grundschule ist das Erlernen der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen von überragender Bedeutung und wenn hier Abstriche aus Zeit- und Kraftgründen vorgenommen werden, damit anderes immer mehr die Lehrpläne füllt, geht das auf Kosten der Kernaufgaben.
    Auch die Lehrer beklagen doch, dass ihrer Hautaufgabe, dem Unterrichten mit seiner Vor- und Nachbereitung, immer mehr Zeit und Kraft entzögen würde durch das Anwachsen bürokratischer Aufgaben. Darum müssten sie doch Verständnis dafür haben, dass auch bei Kindern Zeit und Kraft begrenzt sind und nur für das Wesentliche zur Verfügung stehen sollte und nicht für ein vages „es könnte doch von Vorteil sein“. Dann könnte auch immer mehr Bürokratie für Lehrer von Vorteil sein. Von oben wird sie jedenfalls auch als gut und sinnvoll begründet.

  5. Ingrid-Barbara Hoffmann

    Englisch/Französisch ab Klasse 1? Aber klar! Eine langatmige Erklärung warum und weshalb erspare ich mir hier, die Entscheidung, nach einer vierjährigen Erprobungsphase 2004 den „Frühen“ Fremdsprachunterricht landesweit einzuführen, wurde weder überstürzt noch unvorbereitet getroffen.
    Dass die meisten anderen Bundesländer damit erst in Klasse 3 begannen, lag damals und liegt auch heute weder an irgendwelchen lernpsychologischen Argumenten, sondern schlichtweg an strukturellen und organisatorischen Gesichtspunkten, z.B. fehlenden Lehrkräften.

    Dass Englisch in der Grundschule richtig, wichtig und erfolgreich ist, belegen zahlreiche Studien, nicht zuletzt auch die vom BIG- Kreis unter Führung der Universitäten Leipzig und Eichstätt durchgeführte Studie, in der zwar stichprobenartig, dafür aber zum ersten Mal bundesweit der Leistungsstand im Fach Englisch am Ende der Klasse 4 ermittelt wurde. Die Ergebnisse dieser Studie liegen sowohl dem Kultusministerium Baden- Württemberg als auch der Kultusministerkonferenz vor und sollten damit auch Frau Eisenmann zugängig sein.
    Die Ergebnisse der in Baden Württemberg „getesteten“ Schülerinnen und Schüler nach 4 Jahren Englisch im Vergleich mit denen anderer Bundesländer nach „nur“ 2 Jahren Fremdsprachenunterricht (Einführung in Klasse 3) zeigen in den primären Fertigkeiten durchaus Vorteile einer frühen Einführung.
    Daneben aber zeigen sie deutlich, besonders in den Fragebögen der befragten Lehrkräfte (und das nicht nur in Ba-Wü), deutlich, wo „der Hund begraben ist“.
    Nicht der Frühe Fremdsprachenunterricht sollte auf dem Prüfstand stehen, sondern seine Rahmenbedingungen.
    Das beste Rezept nützt nichts, ein Butterkuchen ist eben nur dann einer (undschmeckt auch so!), wenn darin Butter ist!
    Es genügt eben nicht, sich bei Einführung neuer Inhalte in den Unterricht mit einer Art „Anschubfinanzierung“ zufrieden zu geben, die Lehrkräfte kurz „anzubilden“, sie dann allein zu lassen und in der Folge selbst die anfänglich verpflichtende Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen zu stoppen.
    Fremdsprachenunterricht in der Grundschule ist ein Unterricht (kein Fach!!!) mit eigenen Anforderungen und eigener Didaktik. Er ist sehr „demanding“; erfordert neben hoher sprachlicher und fachlicher Kompetenz auch besondere Methodenkompetenz und – neben anderem – auch ausreichend medialen Einsatz.
    Grundschullehrer/innen verfügen im Allgemeinen über die nötige Methodenkompetenz, die aber allein genügt nicht. Sie muss gepaart sein mit ausreichender Fremdsprachenkompetenz. Ein Unterricht, der in Klasse 1 und 2 geprägt sein sollte von „Integration“, „Sprachbad“ und „Sprachhandeln“ und in dem auch in Klasse 3 und 4 Hören und Sprechen Vorrang haben sollten vor Lesen und Schreiben braucht Lehrkräfte, die über die für diesen Unterricht benötigte sprachliche Flexibilität verfügen. Solange noch nicht ausreichende Lehramtsanwärter mit entsprechender Fremdsprachen“ausbildung“ zur Verfügung stehen, benötigen wir deshalb eine Lehrerfortbildung, die sich nicht nur auf die Vermittlung von Songs and Rhymes beschränkt, gleich, ob wir die Fremdsprache in Klasse 1 oder 3 einführen.

    Das setzt aber (endlich) ein eindeutiges Bekenntnis zur Fremdsprache voraus; neben Lesen, Schreiben und Rechnen sollten wir sie im Jahr 2017 endlich als unabdingbare Kernkompetenz begreifen und entsprechend fordern und fördern – in Worten und Taten!

    Auch aus diesem Grund kann Frau Eisenmann nur dringend geraten werden, v o r jeglichem Eingriff in den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule ausreichend Expertenmeinung einzuholen. Die findet sie u.a. an den pädagogischen Hochschulen unseres Landes. Sollte sie darüber hinaus Gesprächsbedarf haben, z.B. zum Thema (fehlender) KMK – Bildungsstandards in den Fremdsprachen der Grundschule, stehen ihr auch gerne die Experten des oben erwähnten BIG Kreises zur Verfügung.

    • Warum belegen immer Studien, dass etwas sinnvoll ist und den Schülern nützt, was in der Praxis dann mehr schlecht als recht läuft? Was haben uns Aktionismus und Reformitis der Vergangenheit gebracht, die immer auf Studien und tollen Expertenmeinungen beruhten?
      Vielleicht sollten mehr Praxiswissen, Verstand und Vernunft regieren anstatt der vielgepriesenen Studienergebnisse und göttergleichen Expertenerkenntnisse.

      • Warum diese Studien den ganzen Unfug belegen? Weil Lehrstuhlanwärter oder Lehrstuhlinhaber ihre „wissenschaftliche“ Forschung ja irgewndwie belegen müssen. Mit welcher Qualifikation wird man Professor an einer pädagogischen Hochschule? Sicher nicht mit jahrelanger Erfahrung im Klassenzimmer!

        Deshalb gibt es besonders im Grundschulbereich eine Flut von Ideen. Bei einigen sollte man meinen, der Autor würde vor Scham im Boden versinken, aber keine Idee ist blöd genug, wenn es nur eine Studie gibt, die das belegt. Als Mathematiker kann ich bei den Anwertungen oft nur mit dem Kopf schütteln, da die Zahlen meist nicht valide sind. Das scheint bei der Untersuchung, die Frau Hoffmann da oben runterbetet, auch der Fall zu sein bzw. es werden hier nur die Argumente, die die eigene Position unterstützten, zur Kenntnis genommen.

        • @Küstenfuchs
          Danke für die Antwort! Was Sie schreiben, leuchtet mir sehr ein.
          Was ich immer noch nicht verstehen kann, ist die Tatsache, dass offenbar etliche Grundschullehrer(innen) ziemlich unbedarft auf das abfahren, was „Studie“ oder „Expertenmeinung“ genannt wird. Eigentlich müssten sie es besser wissen.

    • Danke für den Einblick.

  6. Gab es nicht neulich einen Vergleich der in den verschiedenen Klassenstufen zu erteilenden Unterrichtsstunden?
    War nicht BW eines der Länder, in denen die Kinder ohnehin mehr Unterricht erhalten?

    Gibt es auch Zahlen, wie viele Förderstunden den Schulen zur Verfügung gestellt werden?
    Wie sieht es mit der Vertretungsreserve aus?

    Geht es wirklich darum, Englisch als Fach in der GS auf den Prüfstand zu stellen?
    Liegt es an der Kritik des Philologenverbandes, denen die Fähigkeite, die Kinder in ihre Schulen mitbringen, nicht ausreichen, obwohl Lehrkräfte nach den Curricula der Grundschule unterrichten?
    (Für BW kann ich nicht sprechen, aber in meinem Bundesland wurden vor vielen Jahren die Förderstunden erstatzlos gestrichen, Vertretungsreserven gibt es nicht, Verlagerungsstunden auch so gut wie keine. Aber dafür sah ab diesem Jahr die Statistik der Unterrichtsversorgung hervorragend aus.)

    Warum werden den Grundschulen nicht die seit langem geforderten zusätzlichen Stunden zur Verfügung gestellt?

  7. Meiner Meinung nach sollte als erstes der Sportunterricht und Schwimmunterricht auf den Prüfstand. Klar ist es wichtig, sich sportlich zu betätigen (ebenso ist es heutzutage wichtig, eine Fremdsprache zu lernen) aber es gibt an Grundschulen ohnehin kaum qualifizierte Lehrkräfte und es fallen doch am ehesten Randstunden aus, also Englisch, Sport, Kunst.

    An der Schule meiner Kinder finden nur die Stunden 2-4 sicher statt. 1,5 und 6 fallen regelmäßig aus. Krankheit der Lehrer, Krankheit eines anderen Lehrers (und dadurch vertretungsbedarf) Schwangerschaft, Ausflüge Methodentraining, Lesewoche, Vorlesetag, Matheolympiade, oder Vorbereitungen für Festivitäten, marode Turnhalle, fehlende Einigung mit Busunternehmen…Sowohl Englisch als auch Sport hat ihn diesem Halbjahr vielleicht zwei mal stattgefunden.

    Bevor irgendjemand irgendeinen Unterricht kritisiert, wäre ich ja dafür, dass man mal ausprobiert was passiert, wenn dieser tatsächlich stattfinden würde. So schlecht ist der Unterricht nicht, wenn er erteilt wird.

  8. @ Dina: Da hat wohl jeder so seine Erfahrungen. Im Gymnasium meiner Kinder fällt viel mehr Unterricht aus als in der Grundschule, in der ich unterrichte. In BaWü gibt es die verlässliche Grundschule. Wir schleppen uns mit Fieber und unter Antibiotika in die Schule. Denn wir können Kinder nicht später ankommen lassen, bzw. früher nach Hause schicken. Im Gymnasium ist dies üblich. Meine Kinder schauen jeden Abend auf den Vertretungsplan (steht online), in der Hoffnung auf Entfall, diese wird regelmäßig erfüllt.
    Aber hier stehen ja sowieso immer nur die Grundschulen am Pranger. Dass XXX, GriasDi u.a. die Abiturleistungen ihrer SuS kritisieren, d.h. gesunkenes Niveau, gestrichene Lerninhalte, zu gute Noten beklagen, interessiert wenig. Und wenn, dann ist das garantiert eine Folge von Reichen und Grundschulenglisch. Im Laufe von 8 Jahren gymnasialer Beschulung nie wieder wett zu machen.

  9. @ Dina,

    nein, ich wäre dagegen. Sport- und Schwimmunterricht sollen bleiben.

    Argumentieren will ich jetzt gar nicht unbedingt. Sie sehen es so und ich sehe es anders. 🙂 Jeder sollte schwimmen können. Jeder braucht neben geistiger Betätigung auch körperliche. Sport sollte jeden Tag sein!!! Englisch sollen die Kinder ja nicht nicht lernen, sondern später – und auch nur deshalb, weil man eben Prioritäten setzen muss und die Kinder nicht von morgens bis abends in der Schule sein sollen. Die Grundschule solle Grundlagen beibringen (Lesen, Schreiben, Rechnen). Dafür hat sie zu wenig Zeit, weil ihr zu viel anderes aufgebürdet worden ist. Meiner Meinung nach. Jetzt habe ich doch argumentiert, ich weiß. 😉

  10. Monika Niemann

    Es werden hier Studien angeführt, die angeblich das frühe Lernen von Fremdsprachen propagieren. Wenn man einmal etwas internationaler schaut, ist aber nur die halbe Wahrheit. Dieses immer zitierte komische „Zeitfenster“, dass sich angeblich schon frühezeitig schließen soll, existiert nicht. Ebenso gibt es eine Menge Studien, die anführen: „evidence on benefits is inconclusive bzw. nonexistent“. Das heißt, man hat keine wirklichen echten positiven Effekte feststellen können, wenn man den normalen frühen Fremdsprachen in europäischen Schulen zugrundelegt.
    Positive Effekte konnte man feststellen, wenn die komplette Umgebung eines Kindes sich in der Fremdsprache bewegt – da ist es umso einfacher zu lernen, je jünger das Kind ist – oder wenn der Kontakt mit der Zielsprache mehrfach am Tag für längere Zeit stattfindet. Zusätzlich ist ein fast optimales paradisisches Umfeld nötig: Eltern, die sich einbringen, Kontakte mit Muttersprachlern, Austauschprogramme, hoch ausgebildete Lehrkräfte, etc., pp.
    Zusätzlich wird attestiert, dass frühes Fremdsprachenlernen so etwas wie „cultural awareness“ fördert. Ob man für dieses magere Ergebnis wirklich alle Grundschüler/innen mit Englisch beglücken soll, ist für mich mehr als fraglich. Dass wir die paradiesischen Zustände nicht herstellen können, ist klar.
    Ich verweise noch einmal auf meine Erfahrungen (die von meinen Kollegen und Kolleginnen, die zu der Zeit unterrichtet haben, ausnahmslos teilen und die ich in einem Post weiter oben beschreiben habe) mit der Gruppe von Schülern und Schülerinnen, die auf einer Skala von Null bis Hundert die verschiedensten Vorkenntnisse mitbrachten und nach wenigen Monaten im Jahrgang Fünf nicht mehr auseinanderzuhalten waren.
    Wären die Stunden nicht für andere Dinge besser verwendbar?

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