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Aus dem Teufelskreis der Armut heraus: Kinderschutzbund will mit dem „Lernhaus“ Aufstiegschancen bieten

ESSEN. Sie helfen mit den Hausaufgaben oder bei den großen und kleinen Problemen des Lebens: Im Lernhaus in Essen finden Kinder aus sozial schwachen Familien einen Ansprechpartner. Doch oft ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder sind häufig von Armut betroffen. Foto: Natasha Chub-Afanasyeva / flickr (CC BY 2.0)

Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder sind häufig von Armut betroffen. Foto: Natasha Chub-Afanasyeva / flickr (CC BY 2.0)

Amina (Name geändert) möchte Ärztin werden, wenn sie groß ist. Doch die Chancen stehen nicht allzu gut. Die Zehnjährige kommt aus einer einkommensschwachen Familie, hat Schwierigkeiten in der Schule. Unterstützung bekommt sie dreimal pro Woche im Lernhaus in Essen. Gemeinsam mit ihren Freundinnen, die sie dort gefunden hat, macht Amina Hausaufgaben, übt für Arbeiten und spielt einfach. «Hier kann ich besser lernen, als Zuhause», sagt das Mädchen, deren Eltern aus dem Libanon stammen.

Seit der ersten Klasse kommt sie freiwillig in das Lernhaus. Der Essener Kinderschutzbund betreibt es mit ehrenamtlichen Helfern und durch Spenden. «Die Armut zeigt sich in vielen Belangen bei den Kindern», sagt Leiterin Franziska Engels. Materialien wie Papier und Stifte fehlten, und nicht selten seien Kinder im Winter zu dünn angezogen.

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Ohne das Lernhaus hätten Amina und die anderen Kinder sehr viel schlechtere Bildungschancen. Ein Kind müsse erst zwei Fünfen haben, damit es ein gesetzliches Recht auf Nachhilfe bekommt. Und dann müssten zunächst einmal Anträge gestellt und bewilligt werden, bevor es wirklich Zuschüsse für den Nachhilfeunterricht gebe, sagt Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes. Das könne dauern. Oft genug sei es dann schon zu spät, um die Versetzung ins nächste Schuljahr noch zu retten. Ist die Versetzung doch geschafft, erlösche der Anspruch gleich wieder. «Was macht das mit einem Kind, das erst aufgebaut und dann fallen gelassen wird?», fragt Hilgers.

Der Zusammenhang von Armut und schlechter Bildung sei deutlich, sagt Hilgers. Dafür müsse man nur die Armutsquote und die Pisa-Studie nebeneinander legen. «Was die Zukunftschancen für Deutschland betrifft, ist die Kinderarmut gefährlich», warnt er. So entstehe schnell ein Teufelskreis: Mehr als 90 Prozent der Kinder, die bei armen Eltern aufwachsen, würden später selber zu armen Eltern. In Nordrhein-Westfalen gelten 684.000 Kinder als arm – das entspricht einem Anteil von fast 30 Prozent der armen Kinder in Deutschland. Besonders das Ruhrgebiet sei betroffen, sagt Hilgers.

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«Kinderarmut ist vor allem als Ergebnis der Armut von Eltern zu begreifen», sagt Hayke Lanwert, Sprecherin des NRW-Familienministeriums. «An erster Stelle muss daher die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit als Armutsverursacher Nummer eins stehen und die Bekämpfung von prekären Arbeitsverhältnissen als zweiter Armutsverursacher.»

Doch die Länder hätten nur bedingt Einfluss auf die Kinderarmut, sagt Hilgers. Viele Stellschrauben lägen in der Kompetenz des Bundes. Und die Kommunen seien in der Verantwortung, persönliche Hilfe für von Armut betroffene Schüler sicherzustellen. Dafür stehe aber kaum genügend Geld zur Verfügung.

Lernhäuser wie das in Essen wollen mit ehrenamtlichem Engagement und der Unterstützung von Spendern ihren Beitrag leisten. Wenn ein Schüler einen Notensprung von einer Fünf auf eine Drei schaffe, motiviere das alle, mit der Arbeit weiterzumachen, sagt Leiterin Engels. «Und wenn wir Jugendliche haben, die Abitur machen, ist das für uns ein Erfolgserlebnis.» Eine Abiturientin, die jahrelang ins Lernhaus kam, hilft nun selbst als Ehrenamtliche mit. Von Helen Ahmad, dpa

Ein Kommentar

  1. Natürlich haben wir kein Geld für Bildung. Wir brauchen unsere Steuern schließlich um Zocker-Banken zu retten, die sind schließlich systemrelevant…der Nachwuchs eben nicht.

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