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Kretschmann an Eltern: „Dieses ständige Gemotze muss aufhören“

FREIBURG. In seiner Rede zum bundesweiten Gewerkschaftstag in Freiburg fordert Baden-Württembergs Ministerpräsident Eltern zum Umdenken auf. Lehrer sei ein schwieriger und wichtiger Job, trotzdem kriegten Lehrer von vielen Seiten Prügel. Angesichts von Protesten verteidigte er die vor Kurzem beschlossenen Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat Eltern an Deutschlands Schulen zu einem Miteinander mit den Lehrern aufgerufen. «Dieses ständige Gemotze muss aufhören», sagte Kretschmann zur Eröffnung des 28. bundesweiten Gewerkschaftstages der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Freiburg. Nötig sei eine Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Lehrern: «Eltern und Lehrer und Schule müssen an einem Strang ziehen, und zwar möglichst in dieselbe Richtung.» Nur so erhielten Schüler eine gute Bildung.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann forderte in seiner Rede die Eltern mit deutlichen Worten zu mehr konstruktiver Zusammenarbeit mit Lehrern auf. Foto: Die Grünen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann fand deutliche Worte für die Eltern. Foto: Die Grünen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Kretschmann, Ministerpräsident seit 2011, war früher selbst Lehrer. «Lehrerin oder Lehrer zu sein – das ist ein schwerer Job. Und es ist ein äußerst wichtiger Job», sagte Kretschmann: «Trotzdem kriegen Lehrer von vielen Seiten Prügel, nicht zuletzt von den Eltern.» Schüler könnten jedoch profitieren, wenn Eltern gemeinsam mit Lehrern agieren würden. Nötig sei ein Umdenken vieler Eltern. Lehrer benötigten mehr Respekt und Unterstützung von ihnen.

Kretschmann ist nach eigenen Angaben seit den frühen 1980er Jahren GEW-Mitglied. Seine Rede vor dem Gewerkschaftstag wurde von Protesten gegen die am Mittwoch vom Landtag in Stuttgart beschlossenen Studiengebühren für internationale Studenten unterbrochen. Die Gebühren seien richtig, sagte der Ministerpräsident. Es gebe keinen Grund, über sie nun erneut zu debattieren.

Großer Gewerkschaftstag in Freiburg: GEW-Chefin Tepe fordert „A13 für alle“ – und die Sanierung maroder Schulgebäude

Der GEW-Gewerkschaftstag findet alle vier Jahre statt, diesmal in Freiburg. 432 Delegierte aus ganz Deutschland beraten fünf Tage lang die deutsche Bildungs- und Gewerkschaftspolitik der nächsten vier Jahre. Die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe forderte Bund und Länder auf, für Bildung mehr Geld bereit zu stellen. Zudem benötigten Lehrer bessere und gerechtere Arbeitsbedingungen.

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, forderte mehr Geld für Bildung und für Lehrer. «Geld ist reichlich vorhanden. Nur häufig leider am falschen Ort», sagte er. Werde an der Bildung zu sehr gespart, gerate der soziale Friede in Gefahr. (dpa)

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4 Kommentare

  1. Naja, dass Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen müssen, und zwar in die gleiche Richtung, klingt schön, ist aber nichts weiter als eine Worthülse.

    Das Problem ist ja eben die Richtung. Es gibt durchaus Eltern in meinen Klassen, die die gleichen Vorstellungen von gutem Unterricht haben wie ich – aber es gibt eben auch die anderen, die das alles ganz anders sehen. Und diese unterschiedlichen Richtungen gibt es ja auch unter uns Lehrern …..

    In welche Richtung soll also gezogen werden? Oder besser: In wessen Richtung?

    • Küstenfuchs

      Die Eltern haben gefälligst den Mund zu halten, wenn es um die Bewertung von Unterricht geht (mit Ausnahme der ganz wenigen offensichtlichen Fehlleistungen). Ich sage dem Zahnarzt doch auch nicht, wie er zu Bohren hat oder dem Steuerberater, wie er die Erklärung zu erstellen hat.

      Das sollte man – ebenso wie Unterricht in der Schule – den Profis überlassen.

      Dann gibt es Gemecker über Noten: Im Ernst wurde ein Referendar an meiner Schule mal angegangen, warum es im Vokaltest so viele Sechsen gegeben habe. Da habe ich mich als Klassenlehrer dann mal in die Situation mit eingebracht und dem verunsicherten jungen Kollegen (die Antwort kennend) die Frage gestellt, wie viele Einsen es denn gab (20% der Klasse).
      Ein zugegeben krasses Beispiel, aber ähnliche Dinge kennt doch fast jeder Lehrer.

      Dann kommt das Gemecker über Sitzordnungen oder ob man nicht nachmittagelang den Klassenraum anmahlen könne, an ganz tollen Wettbewerben teilnehmen könne usw.usw.

  2. Ich finde es erstmal das richtige Signal, wenn sich jemand aus der Politik so deutlich hinter die Lehrer stellt und das öffentlich vertritt. Solche Worte sind – von Politikern gesprochen – normalerweise unpopulär , deswegen halte ich dies umso bemerkenswerter.

  3. @ ysnp,

    so gesehen stimme ich Ihnen zu! Das habe ich ja selbst immer wieder eingefordert. 🙂

    Danke für den Hinweis.

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