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Der Fall Bivsi wirft Fragen auf: Welchen Sinn macht es, ein Kind aufs Gymnasium zu führen – und dann abzuschieben?

DUISBURG. Welchen Sinn macht es, ein in Deutschland geborenes Kind aufs Gymnasium zu führen – um es dann vor Ende der Schulzeit abzuschieben? Was hat Deutschland davon, eine gut integrierte Familie, die seit langen Jahren Steuern bezahlt, aus dem Land zu werfen? Der Fall von Bivsi R. (14), die am vergangenen Montag aus dem Unterricht heraus von Beamten der Ausländerbehörde geholt und mit ihren Eltern nach Nepal abgeschoben wurde, wirft Fragen auf. Das Mädchen hat gegenüber dem WDR in einem anrührenden Video-Interview berichtet, wie es die Situation erlebte.

Interview mit Bivsi

Die 14-jährige Bivsi ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Doch sie wurde mitten aus dem Unterricht an einem Duisburger Gymnasium rausgeholt und gemeinsam mit ihren Eltern nach Nepal abgeschoben. Wir haben mit ihr ein Skype-Video-Gespräch geführt:(Die Ganze Geschichte hier: https://goo.gl/VvG9TV)

Posted by WDR Lokalzeit aus Duisburg on Donnerstag, 1. Juni 2017

Unter Tränen sagte das Mädchen gegenüber der Lokalzeit Duisburg: „Ich konnte mich noch nicht mal von meinen Freunden und meiner Klasse verabschieden“. Sie sei nach Hause gefahren worden und habe mit ihrer Familie unter Zeitdruck packen müssen. Dann sei die Familie zum Flughafen gebracht und in ein Flugzeug nach Kathmandu gesteckt worden – sie habe sich dabei wie ein Schwerverbrecher gefühlt.

„Deutschland ist meine Heimat, ich kann fließend deutsch. Nepalesisch kann ich nicht so sprechen. Deshalb wird es hier schwer“, sagte die Gymnasiastin. Kontakt halte sie zu ihren Freunden in Deutschland über WhatsApp. Wieder weinte sie, als sie sagte, wie froh und stolz sie sei, so eine Klasse zu haben. „Ich danke denen sooooo sehr!“ 15 Jahre lang hatte die Familie in Deutschland gelebt. Bivsis Vater hatte als Sushi-Meister ein Restaurant betrieben. Ein Bruder von Bivsi studiert in Osnabrück – ihm droht ebenfalls die Abschiebung.

Ist das menschenwürdig? Gymnasiastin (14, in Deutschland geboren) wird aus der Klasse geholt, um sie abzuschieben – Mitschüler traumatisiert

„Rechtlich mag das ja stimmig sein, aber auch die Art und Weise ist ein Unding. Die Mitarbeiter der Ausländerbehörde haben Bivsi regelrecht rausgerupft“, sagt der Vorsitzende der Elternpflegschaft am Steinbart-Gymnasium in Duisburg, wo Bivsi zur Schule ging, gegenüber dem Portal „Der Westen“. Ihre Mitschüler nehme die Situation stark mit. „Ich habe den Verdacht, dass die Behörden besondere Härte bei Abschiebeverfahren zeigen wollen, nachdem jahrelang vieles zu lax gelaufen ist.“ Nur treffe es hier die Falschen. Die Elternpflegschaft will sich engagieren, dass die Familie zurückkehren kann, möchte politisch Druck machen – obwohl die Aussichten auf Erfolg gering seien. Es gehe auch darum, ein Zeichen zu setzen. „Es gibt sicher noch viele andere Kinder in Duisburg, die in einer vergleichbaren Lage wie Bivsi sind“, sagt der Elternsprecher. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

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6 Kommentare

  1. Diesen Abschiebefall verstehe ich auch nicht.
    Ansonsten möchte ich sagen, dass durchaus abgeschoben werden muss, vor allem Migranten, die unter falschen Angaben eingereist sind, ihre Pässe angeblich „auf der Flucht“ verloren haben, sich gegen eine Identifizierung stellen oder durch kriminelle Handlungen auffallen.
    Die gutmenschliche Tour „kein Mensch darf abgeschoben werden“ und gewalttätige Tumulte von Aktivisten gegen die Polizei, kann ich beim besten Willen nicht gutheißen. Im Gegenteil, diese Hooliganfreude an Gewalt und Randale für den angeblich guten Zweck finde ich furchtbar verlogen und abscheulich.

    • hennes

      Ohne einen Nachweis ihrer Herkunft kann man Menschen gar nicht abschieben.
      Wussten Sie das nicht oder erschließt es sich nicht Ihrem Horizont ?
      Dafür werden denen dann aber wegen einer mangelnden Bereitschaft an einer Kooperation die Leistungen zusammengestrichen.So müssen diese dann Billigjobs annehmen, die noch nicht einmal Harz IV-Empfänger annehmen.

    • Die Bemerkung „Wussten Sie das nicht oder erschließt es sich nicht Ihrem Horizont ?“ hätten Sie sich im eigenen Interesse bzw. dem Ihres Images bei den Lesern ersparen können. Die machen sich vermutlich lieber selbst ein Bild vom Wissen oder Horizont eines Diskutanten und finden arrogante, spitze Bemerkungen über ihn wenig sympathisch und überzeugend.
      Ein Einwanderungsgesetz für Menschen, die „für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen, Steuern zahlen und vollständig integriert sind“ oder sich für dies alles anstrengen möchten, finde ich auch überfällig.

      • Axel vonLintig

        F.H.
        Juristisch gesehen kann man Personen aus Deutschland nicht abschieben, die ihre Herkunft und Identität nicht preisgeben. Das ist leider so. Kein anderer Staat nimmt diese Personen uns ab und diese Personen können auch kein Asylverfahren mehr durchlaufen, und dann werfden die eben sofort abgeschoben, nachdem die Herkunft bekaqnnt ist.
        Ansonsten interessieren mich die Befindlichkeiten von anonymisierten Personen oder Personengruppen die hinter einem Pseudonym sich verbergen weniger.
        Es bleibt immer noch der Weg zum Psychlogen.

  2. Warum wurden diese Leute abgeschoben, wenn sie für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgten, Steuern zahlten und vollständig integriert waren.
    Mit einem Einwanderungsgesetz wäre das gar nicht möglich.

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