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„Aktion Handschreiben 2020“: Bundesbildungsministerium sichert Unterstützung zu

HEROLDSBERG. Die „Aktion Handschreiben 2020“ zur Förderung der Schreibmotorik erfährt politischen Beistand: „Wir wollen alles in die Wege leiten, um diese wichtige Initiative zu unterstützen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Stefan Müller bei seinem Besuch im Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, einem der Begründer der Aktion Handschreiben.

Schüler sollen eine gut lesbare, flüssige Handschrift erlernen.

Schüler sollen eine gut lesbare, flüssige Handschrift erlernen. Foto: StockSnap – pixabay.com – CC0 Creative Commons

„Die Grundkompetenz des Handschreibens bleibt auch im digitalen Zeitalter ein wichtiges Bildungsthema“, betonte Staatssekretär Müller und bestätigte, wie wichtig die Handschrift im Berufsalltag ist. Im Ministerium schreibe er sogar mehr als früher mit der Hand, was unter anderem auch an den dort üblichen Prozessen liege. Persönliche Anmerkungen auf Vermerken, die mehrere Ebenen durchlaufen müssten, seien ohne handschriftliche Notizen nicht denkbar.

Einfluss auf Bildungschancen
Die Entwicklung einer gut lesbaren, flüssigen Handschrift ist zwar auch weiterhin in den bundesweit geltenden Bildungsstandards vorgesehen, doch viele Kinder haben Probleme, diesem Anspruch zu genügen. Das lassen Ergebnisse von Umfragen unter Lehrkräften sowie Eltern zu den Schreibfähigkeiten von Schülerinnen und Schülern vermuten, die das Schreibmotorik Institut zusammen mit dem Deutschen Lehrerverband (DL) beziehungsweise dem Bundeselternrat durchgeführt hat. Nach Einschätzung der befragten Lehrkräfte haben die Hälfte der Jungen (51 Prozent) und ein Drittel der Mädchen (31 Prozent) Schwierigkeiten, eine lesbare und flüssige Handschrift zu entwickeln. Darauf wies Dr. Ing. Marianela Diaz Meyer, Leiterin des Schreibmotorik Instituts, im Gespräch mit Staatssekretär Müller hin und erläuterte die möglichen negativen Folgen: beeinträchtigte Bildungschancen. Demnach legen neurowissenschaftliche Erkenntnisse nahe, dass ein enger Zusammenhang zwischen motorischer und kognitiver Entwicklung bei Kindern existiert. Dieser Eindruck besteht auch bei fast allen der befragten Lehrerinnen und Lehrer. Sie vermuten ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den handschriftlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler und deren schulischen Leistungen.

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„Deshalb fördern wir den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis etwa durch das ‚International Symposium on Handwriting Skills‘“, so Diaz Meyer. In diesem Jahr liegt der inhaltliche Fokus des Symposiums, das am 10. November in Darmstadt stattfindet, auf den Folgen und Chancen der Digitalisierung im Zusammenhang mit der Handschrift. Bereits 2015 ermöglichte die Veranstaltung den Austausch zwischen Akteuren aus Wissenschaft, Bildung, Gesundheit und Politik aus acht europäischen Ländern. Auch das Symposium ist Teil der „Aktion Handschreiben 2020“, die das Schreibmotorik Institut in Kooperation mit dem Didacta Verband der Bildungswirtschaft 2016 ins Leben gerufen hat. Das Ziel der Initiative: die Voraussetzungen und Möglichkeiten zum Erlernen des Handschreibens in Kita und Schule sowie in den Familien zu Hause zu verbessern. „Ganz im Sinne des Institutsmottos“, sagte Diaz Meyer: „Kinder sollen bessere Chancen haben, eine ermüdungsfreie, schnelle und lesbare Handschrift zu entwickeln.“

Politische Unterstützung
Schon seit 2012 beschäftigt sich das gemeinnützige Schreibmotorik Institut mit dem Handschreiben. „Wir haben jahrelang intensivste Arbeit für eine wichtige Grundlage zur Frühförderung von Grundkompetenzen und die Vorbereitung auf das spätere Schreibenlernen der Schülerinnen und Schüler geleistet“, so Sebastian Schwanhäußer, Begründer und Vorstand des Instituts. Gegenüber Staatssekretär Müller betonte Schwanhäußer, dass er die Unterstützung der Politik erwartet: „Ich als Vater weiß, dass Schreibenlernen ein höchst komplexer Vorgang ist. Umso mehr setze ich mich dafür ein, dass beides, Forschung und Praxis des Schreibenlernens, für unsere Kinder weiterentwickelt wird. Das schließt auch die Entwicklung von Möglichkeiten ein, digitales Lernen und die Förderung der Motorik zu kombinieren. Umso wichtiger ist es, dass auch die Politik uns Aufmerksamkeit und Unterstützung gewährt.“ Beides soll die „Aktion Handschreiben 2020“ in Zukunft auch erhalten, wie der Parlamentarische Staatssekretär Müller versicherte. Er zeigte sich überrascht von „den aktuellen Forschungsergebnissen, der umfangreichen Arbeit des Instituts und der umfassenden Sensibilisierung der Öffentlichkeit“ und versprach: „Wir wollen alles in die Wege leiten, um diese wichtige Initiative zu unterstützen.“ Privat will Müller damit beginnen,  indem er schon einmal einige sehr einfache und praktische Tipps zur Verbesserung der Handschrift mit seiner Tochter ausprobiert. News4teachers

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9 Kommentare

  1. Und wieder einmal wird die Studie zitiert, zu der in Beiträgen aufgerufen wurde, die mit entsprechenden Überschriften die Personen angesprochen haben, die auf schlechte Handschriften schimpfen, und in der die Fragestellung mehr als suggestiv war und keinen Raum zu objektiven Äußerungen ließ.

    Von einer repräsentativen Umfrage kann da nicht die Rede sein.

  2. Wären die Ergebnisse der Befragungen zum Schriftspracherwerb durch gleichmäßig, flüssige Schreibformen anders ausgefallen,hätten Sie denselben Kommentar abgesetzt ? Wohl nicht! Der Widerstand gegen Brügelmann/Brinkmann nimmt weiter zu.

    • Wären die Ergebnisse der Befragung anders ausgefallen, wenn man die TeilnehmerInnen repräsentativ ausgesucht hätte und die Umfrage weniger suggestiv gewesen wäre?
      Sie kennen sich doch aus mit Erhebungen und wissen, wie man es nicht machen sollte.

      Im übrigen habe ich schon bei der Umfrage Kritik geäußert, als noch gar keine Ergebnisse publik waren. Diese wirklich schlecht erhobene Studie wird immer wieder zitiert, dadurch wird sie aber nicht besser.

      • Das wusste ich nicht,allerdings haben Sie die Kritik am zweiten Teil der Marburger-Studie nach 2004 auch nicht reflektiert.an muss sich eben auch die Einflussfaktoren ansehen,und weñn dann wichtige Gruppen herausfallen oder andere Einflussfaktoren bei kleinen Studien hinzutreten(Eltern Nachhilfe), so werden die Ergebnisse eben stark verändert und sind nicht mehr verwertbar.

        • steht ja aber nicht in der Marburger Studie, dass Sie persönlich die Nachhilfe sämtlicher SuS übernommen haben 🙂
          Bei dieser Umfrage habe ich selbst teilgenommen und selbst die Fragen gelesen und selbst an mehreren Stellen gesehen, in welchen Texten ein Link oder eine Werbung für diese Umfrage gesetzt wurde.
          Bei der Marbuerg Studie muss ich von dem ausgehen, was im Abschlussbericht steht, und bei einer wissenschaftlichen STudie gehe ich davon aus, dass dies a) vermerkt wird und b) bei den Endergebnissen bedacht wird. Und da sagt die Marburger Studie schon auch, dass die Fibel-Gruppe in Klasse 3+4 nicht den Lernzuwachs hatte, der zu erwarten war.
          Dies kann auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen sein und muss nicht allein am Wechel einer Lehrkraft oder dem Wegfall von Gruppen in der Studie liegen, sondern kann auch konzeptionell bedingt sein: Wer 2 Jahre lang nur Unterricht erhält, in dem abgeschrieben wird, muss die phonologischen Fähigkeiten, die zum eigenständigen Schreiben notwendig sind, dann in Klasse 3 noch erlernen und fällt in diesem Jahr entsprechend auf.

  3. Axel von Lintig

    Palim
    Bei der Marburger-Studie von 2002-2004 und von 2004-2006 fielen von den 3 Klassen der Lollipop-Gruppe die beiden besten Klassen von dreien durch Schwangerschaften heraus.Das hat das Endergebnis deutlich verändert.Außerdem würden 2004 die Zwischenergebnisse veröffentlicht.Deshalb kann man die Ergebnisse nach 2004 nicht mehr verwerten.
    Ich glaube nicht,dass man beim Erlernen des eigenständigen Schreibens ohne Wortdiktate und ohne strukturierte Diktate auskommt,die spezifische Schwerpunkte, wie die Endlauthärtung oder das irgendwie, ß nach langem Vokal im Vergleich zum ss nach einem kurzen Vokal behandeln.Allerdings erfordert das viel mehr Arbeit mit den Schülern.
    Anschreiben kann jeder,auch Kinder ,direkt nicht eigenständig schreiben können.

  4. Axel von Lintig

    Palim
    Übrigens setzt die Methode von Sommer-Stumpenhorst auf das Anschreiben von Texten,weshalb die Ergebnisse der Studie, wie auch die anderer Untersuchungen schlechte Ergebnisse lieferten.

  5. Axel von Lintig

    Abschreiben

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