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Schuljahresauftakt: NRW will beim inklusiven Unterricht und der gymnasialen Bildung umsteuern – zentrales Problem ist Lehrermangel

DÜSSELDORF. Die Schulpolitik in NRW steht vor vielen Baustellen. Die neue FDP-Ministerin Yvonne Gebauer will gewaltig umsteuern nach sieben Jahren Rot-Grün. Ein zentrales Problem ist der Lehrermangel.

Auf Schüler und Lehrer in Nordrhein-Westfalen kommen zahlreiche Veränderungen zu: Die neue Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) kündigte am Freitag an, nach sieben Jahren Rot-Grün nun bei großen Herausforderungen wie dem inklusiven Unterricht oder der gymnasialen Bildung umzusteuern. Die im Koalitionsvertrag mit der CDU zugesagte Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) werde 2019/20 kommen. Dringender Handlungsbedarf bestehe angesichts eines gravierenden Lehrermangels. Die Vorgängerregierung habe viele «völlig ungelöste Aufgaben» hinterlassen. Angesichts dieser geerbten Probleme «werden wir über Nacht keine Wunder vollbringen können.»

Schulministerin Yvonne Gebauer muss unbedingt mehr Lehrer für den Schuldienst in NRW gewinnen. (Foto: FDP)

PERSONAL: Von den insgesamt 160 000 Lehrerstellen in NRW waren gut 5400 neu für das am kommenden Mittwoch beginnende Schuljahr 2017/18 ausgeschrieben worden. Davon konnten aber 2139 nicht besetzt werden, 385 Verfahren sind noch «schwebend». Der Lehrermangel treffe vor allem Grundschulen, aber auch Förderschulen und Berufskollegs.

Um kurzfristig Lücken zu schließen, sollen mehr Seiteneinsteiger und vorübergehend auch Lehrer aus anderen Bereichen für die Grundschulen gewonnen werden, kündigte Gebauer an. Ab Anfang 2018 solle mit einer Kampagne gezielt um Lehrkräfte für Mangelfächer wie Mathe oder Naturwissenschaften geworben werden. Die schwarze-gelbe Koalition hat mehr Personal für die Schulen versprochen. Der genaue Bedarf müsse aber noch ermittelt werden, für Zahlen sei es zu früh, sagte die Schulministerin.

Allein für die INKLUSION braucht es laut Lehrerverband VBE und Gewerkschaft GEW rund 7000 zusätzliche Pädagogen. Rot-Grün sei es vor allem um Quote gegangen, kritisierte Gebauer in Düsseldorf. Im neuen Schuljahr werden bereits rund 43 Prozent der Kinder mit besonderem Förderbedarf an Regelschulen unterrichtet. Taktgeber solle künftig aber die bisher vernachlässigte Frage der Qualität sein, betonte Gebauer. Dazu werde ihr Ministerium zunächst an allen inklusiv arbeitenden Schulen erheben, wie es dort etwa bei Personal und pädagogischem Konzept aussehe. Ein flächendeckendes Angebot an Förderschulen soll erhalten bleiben. Dazu habe man auch die Mindestgrößenverordnung ausgesetzt. Einige Förderschulen, deren Aus schon beschlossen war, wurden noch «gerettet».

Das ungeliebte TURBO-ABITUR soll ab dem Schuljahr 2019/20 zur Ausnahme werden, das Abi nach neun Jahren Gymnasium (G9) die Regel für die derzeit rund 630 Gymnasien in NRW. Den Anfang machen 2019/20 die Schüler der Jahrgänge 5 und 6. Will eine Schule aber bei G8 bleiben, kann das die Schulkonferenz – also Schulleitung, Lehrer, Eltern/Schüler – Gebauer zufolge mit zwei-Drittel-Mehrheit beschließen. In den Landtag soll das erforderliche Gesetz Anfang 2018 eingebracht werden, bis zum Sommer muss es dann verabschiedet sein.

UNTERRICHTSAUSFALL: Die von Rot-Grün angegebene Zahl, dass 1,8 Prozent des Unterrichts ausfallen, zweifelt nicht nur die neue Schulministerin als zu gering an. Eine stichprobenartige Erhebung an nur zehn Schultagen sei ungenügend und werde lediglich für das nun beginnende Schuljahr zum Einsatz kommen. Danach solle der Ausfall lückenlos über das gesamte Schuljahr erfasst werden, um gezielt gegensteuern zu können.

SCHULLANDSCHAFT: In NRW gibt es derzeit rund 6000 Schulen. Die Zahl der Schüler wird im neuen Schuljahr leicht auf etwa 2 537 670 Jungen und Mädchen steigen. Von ihnen lernen noch 74 740 Kinder und Jugendliche an Förderschulen – ein Minus von 3,1 Prozent. Gymnasien – mit nun 530 870 Schülern – und Gesamtschulen (312 360 Schüler) verbuchen weiter Zuwächse. Realschulen (221 510 Schüler) und Hauptschulen (74 900 Schüler) verzeichnen dagegen Rückgänge. dpa

3 Kommentare

  1. ZITAT: “Ein flächendeckendes Angebot an Förderschulen soll erhalten bleiben. Dazu habe man auch die Mindestgrößenverordnung ausgesetzt. Einige Förderschulen, deren Aus schon beschlossen war, wurden noch «gerettet».”

    Sehr begrüßenswert !!! Danke.

  2. Die Verlage und Schulen stehen hier vor einem großen Problem:

    Es ist vollkommen unklar, wie viele der Gymnasien bei G8 bleiben und wie viele auf G9 zurückwechseln. Man kann nämlich davon ausgehen, dass es bis spätestens Ende des Jahres keine komplett ausgearbeiten Lehrpläne für die Sek I geben wird, auf deren Grundlage die Schulkonferenz begründend entscheiden kann. Ansonsten wird es eine emotionale Abstimmung durch Eltern, deren Kinder alle noch das Abitur nach G8 ablegen werden.

    Wie die jährlichen Buchreihen der Verlage aussehen werden, hängt von der Anzahl Schulen ab, die oder auch nicht wechseln. Den Schulkonferenzen kann man den Verbleib bei G8 nur empfehlen, so lange vom Ministerium keine vernünftig ausgearbeiteten Kernlehrpläne Sek I vorliegen. Sonst müssen die Lehrer in ein paar Jahren, z.B. nach der nächsten Wahl wieder ran.

  3. Wer in anderen Medien die Pressemitteilung des NRW-Schulministeriums liest, stellt fest, dass der zukünftige Lehrermangel in erster Linie GS, FöS und BK trifft. Bei den Lehrkräften mit Lehramt GY/GeS gibt es einen Überschuss. Deshalb soll, wer sich aus dieser Gruppe nach dem Ref für mind. zwei Jahre an einer GS einsetzen lässt eine Planstelle in seiner ursprünglichen Laufbahngruppe zugesagt bekommen. Ein Schelm der Schlechtes dabei denkt.

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