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Stillsitzen gilt inzwischen als überholt – Kinder sollen zappeln und wippen dürfen

BREMERVÖRDE. „Setz dich richtig hin!“ Diese Aufforderung hat fast jeder schon einmal seiner Schulzeit gehört. Die eine richtige Sitzhaltung gibt es aber gar nicht, sagt Sprecherin Tanja Cordes von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) in Bremervörde. „Kinder haben einen hohen Bewegungsbedarf und sollten auch im Schulunterricht zappeln und wippen dürfen.“

Die eine richtige Sitzhaltugn gibt es nicht. Kinder sollen zappeln dürfen – sowohl in der Schule als auch bei den Hausaufgaben. Foto: Wokandapix – pixabay (CC0).

Fünf- bis neunjährige Kinder können Cordes zufolge in der Regel gerade mal fünf Minuten lang konzentriert stillsitzen. Dürfen sie sich bewegen, fördere das hingegen die Konzentrationsfähigkeit und Durchblutung, wie Erkenntnissen aus der Hirnforschung zeigen. Demnach geht eine rein kognitive Wissensvermittlung weniger tief als eine auch körperlich erlebte Erfahrung.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit bereits 2013 die Publikation „Unterricht in Bewegung“ veröffentlicht, die sich an Grundschulen richtet. Tanja Cordes weist zum Schuljahresanfang darauf hin, dass auch Eltern darauf aufmerksam gemacht werden müssten, dass bei den Hausaufgaben eigentlich alles erlaubt sein sollte. „Die Kinder sollten keinesfalls eine verkrampfte Haltung einnehmen.“ Gut sei laut Cordes vor allem die Kombination verschiedener Haltungen – beim Büffeln dürfen Kinder also sitzen, stehen und liegen. Jedes Kind sollte sich außerdem rund drei Stunden täglich bewegen, rät Cordes.

«Die Aufforderung, in der Schule still zu sitzen, ist eigentlich Quatsch.»

Sitzender Lebensstil hat Nachteile für Kinder

Insgesamt sitzen Schulkinder trotz allem verhältnismäßig viel – rund 70 Prozent ihrer wachen Zeit. Das ist das erschreckende Ergebnis einer Studie des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg. Demnach liegt bei Kindern und Jugendlichen die Sitzzeit wochentags bei rund 10,5 und am Wochenende bei mehr als 7,5 Stunden pro Tag. Wie die Studie außerdem herausstellt, steigen die Sitzzeiten der Kinder mit der Einschulung deutlich an. Insgesamt nahmen 4.385 Schüler aus Deutschland, Luxemburg und Österreich an der Studie teil. Die Fragebögen wurden überwiegend an Schulen verteilt und dort ausgefüllt.

Einen besonders innovativen Weg geht eine fünfte Klasse in Bremen. Seit Februar stehen in der Oberschule an der Ronzelenstraße Heimtrainer auf den die Schüler abwechselnd strampeln und lernen. „Ich finde es langweilig, auf dem Platz zu sitzen. Auf dem Ergometer kann ich mich auspowern. Ich kann mich hier besser konzentrieren“, sagt einer der Schüler gegenüber der dpa. Die Auswirkungen auf das Verhalten und die Leistungen der Bremer Schüler sollen wissenschaftlich untersucht werden. Eine Studierende der Universität Oldenburg wird Wolf zufolge ihre Masterarbeit über die Ergometer-Klasse schreiben. Zudem sei eine Zusammenarbeit mit der Universität Rostock geplant, um die Auswirkungen auf beeinträchtigte Kinder zu beleuchten.

Die Idee für sogenannte Ergometer-Klassen stammt aus Österreich. Der Wiener Sportwissenschaftler und Gymnasiallehrer Martin Jorde initiierte die erste Klasse 2007 an einem Wiener Gymnasium. Er stellte bei seinen Schülern positive Veränderungen in der Fitness, bei den Noten und im Sozialverhalten fest. Die erste deutsche Schule mit Ergometern im Klassenzimmer war ein Gymnasium im bayerischen Aschaffenburg. Seit vergangenem Jahr können Schüler dort während des Unterrichts Rad fahren. Die Bremer Schule ist nach Angaben des Projektleiters Harald Wolf die zweite in Deutschland, die Ergometer im Unterricht einsetzt. Agentur für Bildungsjournalismus / mit Material der dpa

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5 Kommentare

  1. Da können sich die Erziehungsverweigerer also auf die Schultern klopfen, dass sie ihren eigenen Kindern keine Grenzen aufgezeigt haben. Sich das sagen können sie sich das angesichts des Lärmpegels, den die Kinder veranstalten nicht mehr.

  2. Das war schon immer so. Von Natur aus will der Mensch vielleicht auch nichts arbeiten. Das Leben ist aber kein Wünschdirwas.

  3. Hier werden von Außenstehenden mal wieder Vorschläge für den Unterricht gemacht, obwohl diese immer nur einen Aspekt des Unterrichts unter Ausblendung aller anderen Aspekte betrachten.
    Dazu kommen recht abenteuerliche Unterrichtsversuche. Mal ein Zitat aus dem Artikel:
    „Die Idee für sogenannte Ergometer-Klassen stammt aus Österreich. Der Wiener Sportwissenschaftler und Gymnasiallehrer Martin Jorde initiierte die erste Klasse 2007 an einem Wiener Gymnasium. Er stellte bei seinen Schülern positive Veränderungen in der Fitness, bei den Noten und im Sozialverhalten fest.“

    Mal ganz im Ernst: Solche Publikationen sind schlicht unseriös, und das gleich aus zwei Gründen:
    1. Eine Klasse ist überhaupt kein Maßstab, zumal es keine Vergleichsgruppe gibt.
    2. Wenn der Jonde als „Sportwissenschaftler“ eine solche Klasse unterrichtet, dann habe ich immer soi im Hinterkopf, dass die Herren Wissenschaftler Publikationen brauchen. Dass Schüler in der Fitness besser wurden, kann ich ja glauben, bei den Noten fängt es schon an, da sollte man dann bitte die Sport-, Kunst- und Musiknoten bitteschön nicht in die Bewertung einbeziehen, die Sportnote insbesondere nicht. Und die positive Änderung im Sozialverhalten ist dann ja wohl eher eine subjektive Einschätzung…

  4. Wo saßen berühmte philosophen wenn sie über neue intellektuelle ideen diskutierten und reflektierten? Im Kafeehaus oder im Salon. Auf stühlen. Nicht auf spinningrädern. Der arme geschichtslehrer tut mir leid wenn er über fragen der verstrickung in politische systeme reflektieren will während die spinningrad fahrenden sportskanonen nur um ihren spprtaccount bemüht sind.

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