Technische Tests beginnen bald: Niedersachen bereitet Einsatz von Rechnern bei Klassenarbeiten und Klausuren vor

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HANNOVER. Das Land Niedersachsen will bei der Digitalisierung im Bereich Bildung Vorreiter sein. So sollen Tablet-Computer den Prüfungsalltag bald leichter machen. Auf den Einsatz bei Klassenarbeiten und Klausuren müssen die Schüler allerdings noch mindestens bis nächstes Jahr warten.

Tablet-Klassen werden zunehmend in Deutschland üblich sein. Foto: Brad Flickinger / flickr (CC BY 2.0)
Tablet-Klassen werden zunehmend in Deutschland üblich sein. Foto: Brad Flickinger / flickr (CC BY 2.0)

Niedersachsens Schüler müssen auf den Einsatz von Tablet-Computern bei Prüfungen noch warten. Als Hilfsmittel werde es die digitalen Geräte frühestens im kommenden Schuljahr 2018/2019 geben, hieß es aus dem Kultusministerium auf Nachfrage. Bei der Vorstellung des entsprechenden Erlassentwurfs im Mai stand allerdings auch der Einsatz im aktuellen Schuljahr im Raum. Es werde angestrebt, dass die Regelungen 2017/2018 greifen können, hieß es damals. Nun kommen die digitalen Helfer also nicht vor den nächsten Sommerferien.

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Mittlerweile sei die Anhörung der betroffenen Verbände aber erfolgreich abgeschlossen, sagte ein Ministeriumssprecher. «Nun finden technische Tests bezüglich des im Erlass vorgesehenen Prüfungsmodus statt», berichtete er zum aktuellen Stand. Zudem würden geeignete Apps wie Wörterbücher durch Fachexperten geprüft. «Wenn die Belastungstests positiv verlaufen, kann der Erlass in Kraft gesetzt werden», so der Sprecher.

Dass vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen vor dem Einsatz genau festgelegt werden, fordert der Philologenverband. «Wir brauchen klare Regeln, weil es in Prüfungen um individuelle Leistungen geht», sagte der Vorsitzende des Verbandes in Niedersachsen, Horst Audritz. «Aufgrund der erbrachten Leistung werden schließlich Qualifikationen vergeben», betonte er. Der Einzug digitaler Medien in die Klassenzimmer sei nicht mehr aufzuhalten. «Umso wichtiger ist aber der sinnvolle Einsatz», so Audritz.

Ähnlich sieht das auch die Gewerkschaft Wissenschaft und Erziehung (GEW). «Smartphones oder Tablets sind selbstverständlicher Teil des Alltags bei Schülern und können auch in Prüfungen in den höheren Klassen durchaus praktikabel sein», sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. «Allerdings haben wir eine starke soziale Spaltung in der Gesellschaft, die in den Schulen abgebildet wird.» Es müsse deshalb sichergestellt werden, dass alle den gleichen Zugang zu digitalen Medien bekommen. Pooth verwies auch auf wissenschaftliche Erkenntnisse, nach denen der Einsatz digitaler Medien im Unterricht keinerlei Lerneffekt habe. «Vielmehr bergen sie sogar einen Suchtfaktor», sagte die GEW-Vorsitzende. Vom Einsatz bei Prüfungen ist dieser Effekt allerdings wohl nicht zu erwarten. dpa

 

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1 KOMMENTAR

  1. Wer bezahlt eigentlich die Tablets? Wer unterhält das dafür erforderliche Netzwerk? Kann man es bei Prüfungen so abschalten, dass der restliche Unterricht davon nicht betroffen ist? Android-Geräte werden nach kurzer Zeit nicht mehr aktualisiert, Apple-Geräte sind deutlich teurer. Der Prüfungsmodus in iPads ließ sich unter iOS 10 sehr leicht umgehen.

    Mit vernünftigem Internet an Schulen haben Tablets gewisse Vorteile für gute Schüler, große Nachteile für schwache Schüler. Es gilt das Prinzip “Gute Schüler werden besser, schwache Schüler (noch) schwächer”. Ohne vernünftiges Internet machen Tablets an Schulen überhaupt keinen Sinn. Für Lehrer sind Tablets allerdings ganz praktisch, weil sie wesentlich leichter sind als Notebooks. Allerdings müssen sie sich leicht und schnell mit dem Beamer verbinden können. Apple TV oder ein äquivalentes Gerät auf Android-Basis bietet sich an. Das alles ist allerdings mit Kosten verbunden, die im Zweifel keine Kommune stemmen kann. Den Eltern kann man ein schnell 500€ teures Tablet aus meiner Sicht nicht zumuten, zumal es allerspätestens nach fünf Jahren (Apple) oder drei Jahren (Android) ersetzt werden muss. Erstens ist es dann technisch vollkommen überholt, zweitens macht der Akku dann nicht mehr mit.

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