Bringt die GroKo endlich die digitale Revolution an die Schulen? Es könnte schnell gehen, wenn …

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BERLIN. 362 Mal tauchen im Koalitionsvertrag die Begriffe Bildung und Schule auf. Politiker loben das “Leuchtturmprojekt Bildung” in den höchsten Tönen. Die “Zeit” mutmaßt sogar, dass die große Koalition tatsächlich auch einmal etwas Großes vorhaben könnte. Dürfen wir auf blühende Bildungslandschaften hoffen? Unser Gastautor Markus Niederastroth, Digitalexperte und Oberstudienrat an einem Kölner Gymnasium, ist da skeptisch.

Lernen am Computer? In Deutschlands Schulen immer noch ein seltenes Bild. Foto: shutterstock
Lernen am Computer? In Deutschlands Schulen immer noch ein seltenes Bild. Foto: shutterstock

Ja, die GroKo plant Großes: 11 Milliarden Euro will sie in die Bildung investieren. Fünf Milliarden Euro davon sollen in die digitale Ausstattung der Schulen gehen. Das kann man als Erfolg werten – muss man aber nicht. Denn eigentlich realisiert die GroKo mit diesen fünf Milliarden Euro nur den Digitalpakt, den Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bereits im Herbst 2016 in Aussicht gestellt hatte. Doch wohin führt dieser Digitalpakt? Und wie schnell führt er dorthin?

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Eigentlich soll es doch schon diesen Sommer losgehen. Ende 2016 hatten die Länder beschlossen, beginnend mit dem Schuljahr 2018/2019 die Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ umzusetzen. Ab dann sollen die Schülerinnen und Schüler aller Schulformen systematisch und fächerübergreifend in digitalen Lernumgebungen lernen.

Womit werden die Schülerinnen und Schüler lernen?

Bis heute gibt es an den Schulen keine digitale Infrastruktur, die es zulassen würde, im Sinne der KMK-Strategie zu lernen. Zudem mangelt es an Geräten, mit denen die Schülerinnen und Schüler ab den Sommerferien in den digitalen Welten lernen können.

Natürlich haben die Schulen Computer – aber eben nicht genug. Schließlich sollen alle Schülerinnen und Schüler ab den Sommerferien fächerübergreifend in digitalen Lernumgebungen lernen können – immer und überall dort, wo Unterricht stattfindet. Das forderte die Kultusministerkonferenz bereits 2012. Doch das Geld für so viele Computer oder mobile Endgeräte ist bis heute in keinen Landeshaushalt eingestellt worden. Bis heute gibt es Schulen, an denen sich 20 bis 30 Kinder einen Computer teilen müssen, so die Bertelsmann Stiftung (Thorn, S., Behrens, J., Schmid, U. & Goertz, L. (2017). “Monitor Digitale Bildung. Digitales Lernen an Grundschulen.”).

Es ist ungewiss, ob das Geld für genügend Computer jemals zur Verfügung gestellt werden wird. Laut Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) kann sich kein Bundesland eine adäquate IT-Ausstattung für seine Schulen leisten.

Die Länder hoffen auf die Hilfe des Bundes und planen, das Kooperationsverbot abzuschaffen. Doch das kann dauern. Wer sich an die verschiedenen Föderalismusreformen erinnert, weiß, dass noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen wird, bis hier mit Ergebnissen gerechnet werden kann. Die politischen Gräben sind tief. Das zeigten die vergangenen Monate sehr deutlich: Während sich eine Bundesratsinitiative von sechs Bundesländern für eine Abschaffung des Kooperationsverbots aussprach, wollten die Landesfürsten Winfried Kretschmann und Armin Laschet daran festhalten (in: F.A.Z. vom 10. November 2017). Es wird viel Zeit brauchen, bis hier Einigkeit herrscht. Und bis dahin bleiben die Schulen unterversorgt.

Müssen wir so lange warten, bis das Kooperationsverbot fällt, und der Bund die Aufgaben übernimmt, die den Ländern und Kommunen zu teuer sind? Und wie lange wird es dann dauern, bis das Geld des Bundes die Schulen erreicht?

Schulen ans Netz brauchte damals fünf Jahre, um bundesweit alle Schulen mit Internetanschlüssen zu versorgen. Wenn es jetzt wieder so lange dauert, kommt die aktuelle Schülergeneration nicht mehr in den Genuss der digitalen Wohltaten.

Bring Your Own Device

Dabei müssten wir gar nicht warten. Wenn wir Bring Your Own Device einführen und die Schülerinnen und Schüler mit ihren eigenen, privaten Geräten lernen lassen würden, könnten wir mit der Umsetzung der Strategie der Kultusministerkonferenz pünktlich zum Sommer beginnen. Denn fast alle Schülerinnen und Schüler besitzen ein mobiles Endgerät. Entsprechende Lernumgebungen gibt es mittlerweile auch, sowohl beim Bund als auch bei den Ländern. Eigentlich könnte sofort losgelernt werden.

Einer verbindlichen Einführung von BYOD stehen zwar noch ein paar rechtliche Probleme entgegen. Aber danach könnte es losgehen.

Entweder… oder – oder gar nichts: Die Politik sitzt aus

Entweder die Bundesländer stellen den Schulen die Geräte zur Verfügung, mit denen die Schülerinnen und Schüler ab den Sommerferien lernen können, oder sie schaffen die rechtlichen Möglichkeiten dafür, dass die Schülerinnen und Schüler mit ihren eigenen Geräten lernen können, oder sie verschieben die Umsetzung der KMK-Strategie…

Doch die Politik entscheidet sich für keine dieser Alternativen. Stattdessen klopft sie sich selbstzufrieden auf die Schultern und bejubelt ihr zukünftiges, finanzielles Engagement bei der Digitalisierung der Schulen.

Wofür es bei näherer Betrachtung wenig Grund gibt. Es ist nicht erkennbar, dass die Maßnahmen der GroKo dazu führen werden, dass die KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ pünktlich umgesetzt werden kann. Ebenfalls ist nicht erkennbar, wie das aktuelle Maßnahmenpaket Lernende oder Lehrende auf den Sprung in die digitale Welt vorbereitet. Dies tun weder der Bund noch die Länder in einem nötigen Umfang.

Von Null auf Hundert

Es ist zwar richtig, dass Lernende und Lehrende mit dem Computer umgehen können – bei den meisten reicht es für den Hausgebrauch – doch das genügt wieder nicht. Mit diesem rudimentären Anwenderwissen lässt sich die KMK-Strategie nicht in der gewünschten Qualität umsetzen. Denn die Bundesregierung plant Großes: Bis 2025 will sie im Bereich der digitalen Bildung im internationalen Vergleich zur Spitzengruppe der Länder aufschließen und dort Maßstäbe setzen (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 2016, S. 51). Die GroKo plant eine „Digitale Bildungsoffensive“ (Ein neuer Aufbruch für Europa. Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land, S. 39). Der Aktionsrat Bildung prognostiziert dem deutschen Bildungssystem epochale Veränderungen.

Solche Ziele lassen sich nicht mit dem üblichen Anwenderwissen erreichen. Deshalb sollen Lehrerinnen und Lehrer nun zusätzlich zu ihren Lehrbefähigungen auch noch „Medienexperten“ werden.

Lehrer sollen Medienexperten werden

Die umfänglichen Kompetenzen, über die Lehrerinnen und Lehrer in Bälde verfügen sollen, werden in der KMK-Strategie auf den Seiten 25 und 26 aufgelistet. Falls BYOD eingeführt wird, müssen die Lehrerinnen und Lehrer darüber hinaus auch noch den Umgang mit den mobilen Endgeräten ihrer Schülerinnen und Schüler lernen, um diese individuell fördern zu können. Sie müssen sich Kenntnisse in den diversen Microsoft-, Apple-, OpenOffice- und Linux-Produkten aneignen. Im Bereich der beruflichen Bildung sind darüber hinaus häufig umfassende Excel-, Outlook- und Access-Kenntnisse nötig. DATEV- oder SAP-Kenntnisse werden in Abhängigkeit vom Ausbildungsberuf genauso benötigt wie Programmierkenntnisse. Und weil im Unterricht auch mit Wikis gelernt werden soll, müssen die Lehrkräfte mindestens über rudimentäre HTML-Kenntnisse verfügen…

Dieses Wissen lässt sich nicht en passant, Learning by doing oder auf einer kurzen Fortbildung erwerben. Dieses Wissen ist deutlich umfänglicher und entspricht eigentlich einer weiteren Lehrbefähigung.

Einen Studiengang, der diese Kenntnisse vermittelt, gibt es aber bislang noch nicht. Jedoch gibt es Zertifikatskurse und Studiengänge, die viele Teilbereiche abdecken. Im „M.A. Bildung und Medien: eEducation“ an der FernUniversität in Hagen lernen z. B. nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, wie man in den digitalen Weiten lehrt und lernt.

Der Fokus dieses Studiengangs liegt allerdings auf dem Bereich der Erwachsenenbildung. Man lernt dort also nicht, wie man Kinder und Jugendliche in den digitalen Weiten erzieht. Auch fehlen beispielsweise Module zum Cybermobbing, Cyberstalking, Cybercrime oder Cyber-Grooming und den juristischen Grundlagen.

Was jedoch wichtig wäre. Denn die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer ist im vergangenen Jahr in irgendeiner Form z. B. mit Cybermobbing in Berührung gekommen, 10 Prozent sogar regelmäßig. Über 10 Prozent aller Schülerinnen und Schüler sind bereits Opfer von Cybermobbing geworden. 14 Prozent von ihnen betäubten ihren Schmerz danach mit Alkohol oder Tabletten. 20 Prozent von ihnen trugen sich mit Suizidgedanken (Bündnis gegen Cybermobbing, 2017, 86).

Diese Schülerinnen und Schüler dürfen nicht alleine gelassen werden. Hierfür braucht es nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, die das Herz am rechten Fleck haben. Sie sollten zudem auch über das entsprechende Fachwissen verfügen.

Zeit für Fortbildungen

Es stellt sich aber nicht nur die Frage, wo sich Lehrerinnen und Lehrer adäquat fortbilden können. Es stellt sich genauso die Frage, wann sie sich so umfänglich fortbilden dürfen, dass sie anschließend als „Medienexperten“ auf dem internationalen Parkett Maßstäbe setzen können.

Der Weg zum „Medienexperten“ ist lang und wird viel Zeit kosten. Zumal parallel zu diesem Fortbildungsmarathon auch noch diverse Fortbildungs-Altlasten abgearbeitet werden müssen:

So sollen Lehrerinnen und Lehrer beispielsweise seit geraumer Zeit lernen, wie sie ihre Schülerinnen und Schüler in Deutsch fördern können. Eine Aufgabe, die alle Lehrerinnen und Lehrer haben. Schließlich hat jeder dritte Schüler einen Migrationshintergrund.

Ebenfalls müssen sie sich bereits seit einem knappen Jahrzehnt im Bereich der Inklusion fortbilden. Womit die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer bis heute noch nicht begonnen hat (forsa, S. 21).

Von Lehrerinnen und Lehrern wird mittlerweile wirklich verlangt! Neben ihren Lehrbefähigungen sollen sie nun auch noch in den Bereichen Deutsch, Deutsch als Fremdsprache, Sonderpädagogik, eEducation oder Informatik zu Experten werden. Früher wurden solche Kompetenzen in einem Studium erworben und durch Prüfungen dokumentiert. Heute sollen Lehrerinnen und Lehrer das überwiegend in ihrer Freizeit lernen – ganz ohne Qualitätskontrolle.

Zeit für das Überarbeiten der Unterrichtsmaterialien

Für den Fall, dass es Lehrerinnen und Lehrern tatsächlich gelingen sollte, ihre sonderpädagogischen, sprachfördernden und digitalen Wissenslücken zu schließen, stellt sich als nächstes die Frage, wo sie die Zeit hernehmen werden, um dieses neue Wissen anzuwenden. So müssen sie beispielsweise ihre Unterrichtsmaterialien vollständig überarbeiten, weil diese nun digital, fächerübergreifend, sprachfördernd und inklusiv sein sollen. Schulbuchverlage bieten solche Materialien bislang noch nicht an – vielleicht, weil es diese eierlegende, pädagogische Wollmilchsau nicht gibt…

Weil die Schulbuchverlage solche Materialien nicht anbieten, müssen die Lehrerinnen und Lehrer solche Materialien eigentlich selber erstellen. Doch dafür fehlt ihnen die Zeit. Sie arbeiten heute bereits mehr als sie sollen und dürfen.

Im Wochendurchschnitt arbeiten Lehrerinnen und Lehrer 48 Stunden und 18 Minuten, so das Ergebnis einer Meta-Studie der Georg-August-Universität in Göttingen. Insgesamt wurden hier 20 Studien zur Arbeitszeiterfassung von Lehrerinnen und Lehrern ausgewertet.

48 Stunden und 18 Minuten pro Woche sind mehr als der Dienstherr will. In § 3 Arbeitszeitgesetz sagt der Dienstherr das deutlich. Ab einer 48-Stunden-Woche nehmen die kognitive Leistung und Wachsamkeit ab, die Gesundheitsbelastung jedoch deutlich zu. Neben psychovegetativen treten auch muskulärskelettale Beschwerden auf.

Es ist Lehrerinnen und Lehrern nicht erlaubt, Raubbau an ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu betreiben. Nach § 34 Satz 1 BeamtStG haben sie sich zwar mit vollem persönlichem Einsatz ihrem Beruf zu widmen. Doch diese Verpflichtung zur vollen Hingabe an den Beruf gebietet den Lehrerinnen und Lehrern ebenfalls, ihre dienstliche Leistungsfähigkeit zu erhalten. Lehrinnen und Lehrer sind also verpflichtet, ihre Gesundheit zu erhalten, so der Kommentar zu § 34 Beamtenstatusgesetz (Lenders in: BeamtStG, § 34, Rn 636).

Lehrermangel behindert die Digitalisierung

Um den Lehrerinnen und Lehrern die Rückkehr zu normalen, ihrer Gesundheit zuträglichen Arbeitszeiten zu ermöglichen, und ihnen gleichzeitig Zeit für Fortbildungen und die Umsetzung der neu gewonnenen Erkenntnisse zu bieten, müsste die Educational Governance eigentlich die Arbeit auf mehr Schultern verteilen und neue Lehrerinnen und Lehrer zur Entlastung des Personals einstellen. Damit ließe sich sicherstellen, dass alle Lehrerinnen und Lehrer genügend Zeit für Fortbildungen und die Überarbeitung und Neukonzeptionierung ihres Unterrichtes erhalten.

Doch wegen des Lehrermangels kann die Educational Governance keine neuen Lehrerinnen und Lehrer einstellen. Es stehen einfach keine Lehrerinnen und Lehrer mehr auf der Straße.

Das Einstellen von Seiten- oder Quereinsteigern bringt zurzeit noch keine Zeitersparnis, sondern kostet die Schulen zunächst viel Zeit. Schließlich müssen sie diese neuen Kolleginnen und Kollegen über einen längeren Zeitraum coachen und begleiten.

Damit verhindert der Lehrermangel, dass die Educational Governance den Schulen Entlastung, Zeit für Fortbildung und die anschließende Neukonzeptionierung der Unterrichtsmaterialien und des Unterrichts verschaffen kann. Eine Lösung dieser Problematik ist nicht erkennbar. Der Lehrermangel wird auch noch die kommenden Jahre den Schulalltag beherrschen. Denn bereits heute studieren weniger angehende Lehrerinnen und Lehrer an den Universitäten, als morgen an den Schulen gebraucht werden.

Fazit

Die anfangs gestellte Frage „Digitalpakt – und nun?“ bleibt unbeantwortet. Bislang ist nur geklärt, dass die Schulen mit 5 Mrd. Euro beglückt werden sollen. Wann das Geld die Schulen erreichen wird, ist nicht bekannt. Ebenfalls ist nicht bekannt, ob die Schulen das Geld einfach so oder nur gegen eine Vorleistung erhalten werden, z. B. gegen ein Medienkonzept oder einen Medienentwicklungsplan. Auch ist nicht bekannt, was geschehen wird, wenn die Schulen das Geld, also die IT-Infrastruktur endlich erhalten haben.

Noch ist das Geld für die Schüler-Geräte nicht in den Haushalten der Länder eingestellt. BYOD ist noch nicht mit dem Schulrecht vereinbar. Es fehlt an Transparenz für Schulen, Lehrende, Lernende und Eltern.

Ferner ist nicht bekannt, wann Lehrende und Lernende im nötigen Umfang auf die Umsetzung der KMK-Strategie vorbereitet werden. Von einer bundesweiten Fortbildungsoffensive sind wir augenscheinlich noch weit entfernt.

Das einzige, was bekannt ist, ist, dass es in sechs Monaten losgehen soll. Und bis dahin muss die Educational Governance noch sehr viele Herausforderungen meistern…

Weiterführende Literatur

  • Niederastroth, M. (2018). Strategie der Kultusministerkonferenz “Bildung in der digitalen Welt”. Herausforderung für Educational Governance, Schulentwicklung und schulisches Qualitätsmanagement. Baden-Baden: Tectum Wissenschaftsverlag. ISBN 978-3-8288-4120-8
  • Lehrer-Online Themendossier „Die KMK-Strategie ‚Bildung in der digitalen Welt‘”

Didacta-Aussteller und Experten mahnen: Deutsche Schulen hinken bei Digitalisierung hinterher

 

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39 KOMMENTARE

  1. Klaus Zierer (Herausgeber der dt. Fassung der Hattie-Studie, Nachfolger von Hilbert Meyer an der Uni Oldenburg und heute Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg) schreibt im Spiegel unter dem Titel “Warum der Fokus auf das digitale Klassenzimmer Unfug ist” folgendes:

    “Digitalisierung ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Gerade der Bildungsbereich ist gefordert – weniger wegen der Chancen für das Lernen, als vielmehr wegen der Risiken für die Bildung. Schule ist der falsche Ort für Digitalisierung als Selbstzweck.”
    http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/digitales-klassenzimmer-die-schueler-muessen-wieder-in-den-mittelpunkt-a-1181900.html

    • Danke für Ihren Beitrag, Frau Pause! “Die digitale Revolution an den Schulen” halte auch ich für die unreflektierte Forderung von Leuten, die auf alles aufspringen, was in Politik und Gesellschaft als wichtige Zukunftsaufgabe gilt, dennoch aber nicht als “Selbstzweck” in die Schulen gehört.

      Wirtschaft und Gesellschaft über die Schulen auf die Sprünge helfen zu können, ist ein immer wieder reflexhaft anspringender Irrglaube, der nicht die überragend wichtige Allgemeinbildung des Nachwuchses im Auge hat, die allein Gewähr ist für die Bewältigung der Zukunftsaufgaben.

  2. „Die Berufswelt verändert sich gerade sehr stark“, sagt die Paderborner Professorin für Schulpädagogik, Birgit Eickelmann. Das gelte für Menschen, die in Büros arbeiteten, genauso wie für Arbeiter. Darauf müsse man die Schüler vorbereiten. „Nicht um die Wirtschaft zu fördern, sondern um Lebenschancen gerecht zu verteilen.“
    Quelle: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/digitalisierung-in-der-schule-lernen-fuer-eine-neue-welt-14534122.html

    • Warum muss man dann 12-16 jährige Schüler mit bereits dann schon veralteten Geräten arbeiten lassen, die 2 Jahre später Elektroschrott sind? Müsste man nicht vielmehr die Schüler in die Lage versetzen, sich schnell in neue Systeme einarbeiten zu können? Das ist fachlich wesentlich anspruchsvoller, hat aus Schülersicht weniger mit Spaß zu tun und aus wirtschaftlicher Sicht weniger mit Verkauf von Geräten. Man müsste dann den MINT-Unterricht wesentlich stärker intensivieren und auch theoretisieren.

      • @xxx
        Sehr richtig. Wenn ich immer schon lese, dass am Besten jeder Schüler mit einem Tablet ausgerüstet werden soll und dann, quasi automatisch, die Schüler “digital fit” seien, sträuben sich mir die Haare.

        Ein guter Informatikunterricht steht und fällt mit der Qualität des Informatiklehrers. Selbst mit relativ alten Computern (PCs, von mir aus sogar nur Raspberry Pis) und ganz ohne Tablets ließe sich ein guter Informatikunterricht gestalten.

        Wie wichtig Papier und Stifte sind, könnte man sehen, wenn die Schüler sich erst einmal mit Algorithmen beschäftigen würden, um von da ein Ergebnis “zum Anfassen” entwickeln zu können.

  3. brubbling hero
    Bei Ihren vorherigen schriftlichen Einlassungen sträubten sich meine Nackenhaare.
    Ein Vertreter der NRA tritt bei N4T auf !
    ” Wat soll der Quatsch?”
    Gelingt Ihre Kommunikation mit einer Übersetzungsmaschine.
    Schulen in Deutschland verfügen meist über nur veraltete Computer.
    Sie werden aber mit wenigen Ausnahmen, wie Herrn Höcke, nur sehr wenige Lehrer für einen Wehrkundeunterricht gewinnen.
    Sie sind 30 Jahre zu spät . Erich Mielkes DDR-Staat ist perdu.

    • Sie sind mir einfach zu ungebildet und unreflektiert, um weiter meine Zeit mit ihnen zu vergeuden. Antworten Sie bitte also zukünftig nicht mehr auf meine Beiträge, danke.

  4. Sie bleiben im Bewusstsein ein narzistischer Waffenliebhaber, der unreflektiert die Positionen der NRA vertritt und mit bösen und verallgemeinernden Unterstellungen seine Argumentation unterfüttert,
    sowie ein gestörtes Verhältnis zu validen Statistiken, zumindest im Bereich des Schusswaffengebrauches hat. Gerne arbeiten Sie auch mit der Herabsetzung des Vertreters anderer Positionen ( ungebildeter) und es obligt nicht Ihnen zu entscheiden , wer hier was auch immer schreibt.
    Ich gebe das Kompliment gerne an Sie zurück und wünsche Ihnen ein unfallfreies Wochenende.

  5. Ich kann der Diskussion hier nicht so richtig folgen… Nach Inklusion und „Sprachförderung für alle“ startet im Sommer das nächste pädagogische Großprojekt und alle schauen seelenruhig dabei zu, wie auch dieses Projekt vor die Wand gefahren wird. Wilma Pause und U. B. scheinen das Projekt sogar gänzlich abzulehnen.
    Diese generelle Ablehnung kann ich so überhaupt nicht nachvollziehen. In ihrem eigenen Unterricht setzen Kolleginnen und Kollegen die Einhaltung von Regeln nicht selten über einen ausgeklügelten Katalog von Strafen und (Sanktions-)Maßnahmen durch. Aber wenn es darum geht, Vorbild zu sein und selber Regeln einzuhalten, Weisungen und Erlasse des Dienstherren umzusetzen, dann verweigern sich diese Kolleginnen und Kollegen nicht selten mit fadenscheinigen, aber wohl formulierten Ausreden.
    Dabei wäre es viel ehrlicher und zielführender, den Dienstherren beim Wort zu nehmen, und darauf zu bestehen, dass er seine Aufgaben genauso ernst nimmt, wie er dies von uns fordert. Denn es gehört nicht nur zu seinen Aufgaben uns zu sagen, was wir machen sollen. Er muss uns zusätzlich auch ermöglichen dies zu tun – er muss uns mit den nötigen Ressourcen versorgen. Bei der Digitalisierung muss er beispielsweise den Schulen Computer und den Schülern mobile Endgeräte zur Verfügung stellen. Lehrer muss er fortbilden und ihnen die nötige Zeit geben, um das in den Fortbildungen Gelernte auch umzusetzen…
    Eintägige Fortbildungen reichen hier bestimmt nicht aus. Nur Scharlatane versprechen, dass sie Lehrer an einem oder an wenigen Tagen zu Medienexperten, Sonderpädagogen und/oder DaF-Experten fortbilden können. Einrichtungen, auch Universitäten (!!!), die solche Fortbildungen anbieten, disqualifizieren sich ex ante.
    Fortbildungen, die diesen Namen auch verdienen, und mit denen sich die epochalen Veränderungen erreichen lassen, die der Aktionsrat Bildung prognostiziert, kosten richtig viel Zeit. Das deutsche Bildungswesen braucht eine Fortbildungsoffensive. Mit den 5 Mrd. Euro für die deutsche Schullandschaft ist es nicht getan. Dieses Geld stellt bestenfalls eine magere Anschubfinanzierung dar.

    • Watt meinen’se, wie vile Kolleginnen und Kollegen von selbständigen Schulen mit einem Fortbildungsetat unter dem Haushaltsansatz einer KIleinstadt für Porti und dauerhafter Unterbesetzung erstens eine FoBi genehmigt und zweitens auch noch einschließlich der Fahrt- und sonstigen Nebenkosten erstattet bekommen.

      Und watt nich bezahlt wird, datt mache ich auch nicht – weder freiwillig, noch gezwungener Maßen.

      Warum sollen SuS bezgl. der Nutzung digitaler Medien fitter sein als die Experten, die das Regierungsnetz versuchen zu warten und gegen Hacker-Angriffe zu schützen. Dritte-Welt-Staaten wie die Bundesrepublik bedürfen eines längeren Zeitraumes und gewaltiger Unterstützung von außen, um auf den Stand von Schwellenländern gebracht zu werden.

      • Fortbildungen zur Digitalisierung der Schulen sind i.d.R. digital. Da braucht man keine Genehmigung oder Freistellung. Online kann jeder lernen, wenn er Zeit und Lust hat. Fahrt- und Nebenkosten entstehen nicht.
        Für den „M.A. Bildung und Medien: eEducation“ muss man kein einziges Mal nach Hagen fahren. Selbst die abschließende Verteidigung der Masterarbeit kann online erfolgen.

      • Fahrt- und Nebenkosten erübrigen sich, da die Ministerien natürlich Fortbildungen im digitalen Bereich über digitale Medien und Fernstudienmöglichkeiten eröffnen und landes- bzw. bundesweit kostenfrei zur Verfügung stellen werden. Oder?

        Das Problem, Fortbildungen wahrzunehmen angesichts dauerhafter Unterbesetzung, die noch nicht einmal den Kernunterricht gewährleistet, bleibt allerdings bestehen.

        • Fortbildungen nach Dienstschluss als Webinar oder Skype-Session? Hurraaaaahh. Man hat ja zuhause nichts besseres zu tun.

          • Wann ist Dienstschluss … und warum ist es nicht möglich, dies während der Unterrichtszeit zu machen – als Fortbildung oder SchiLF – ohne aber die Wegstrecke zu haben?
            Wenn ich zur Fortbildung FAHRE, muss ich ja auch den kompletten Tag ausgeplant werden, es sei denn, die FoBi ist, wie die verpflichtenden, vom Ministerium angesetzten Fachkonferenzen, am Nachmittag. (… das Verlesen der Curricula fände ich als Webinar erheblich angenehmer!)

            Und wenn es eine SchiLF mit Referenten gibt, muss der Referent bezahlt werden, einschließlich Reisekosten, und das Kollegium ebenfalls dafür Zeit zur Verfügung gestellt bekommen.

            Ebenso weiß ich, dass es Bundesländer gibt, die ihren Lehrkräften, wenn sie ein Fach erweitern, dafür Entlastungsstunden für diese Zeit gewähren. Dann gäbe es einen zeitlichen Ausgleich und die Fortbildung fände “nach Dienstschluss” in der Zeit statt, die man selbst dafür am besten geeignet findet.

            Warum muss die Digitalisierung und Flexibilisierung immer nur einseitig sein?
            Die Behörde wünscht, dass Lehrkräfte sich der Digitalisierung stellen.
            Was ist die Behörde bereit, selbst dafür zu tun?
            Wie erleichtert sie ihren Lehrkräften den Zugang?

  6. Wenn man mal vom „M.A. Bildung und Medien: eEducation“ der FernUniversität in Hagen absieht, welche Fortbildungen sind denn noch empfehlenswert? Wo kann ich Medienexperte werden?

    • Das ist eigentlich ganz einfach: Ersetzen Sie fachliche Unterrichtsinhalte durch inhaltsarmes Bling Bling, an deren Bearbeitung Ihre Schüler viel Spaß haben. Fertig ist mediengestützter Unterricht, aus dem die Schüler sogar kompetent herausgehen. Nur lernen tun sie nichts.

    • Schauen Sie doch mal hier:

      Informatikstudium Uni-Hamburg
      Informatikstudium Uni Augsburg
      Informatikstudium Uni Oldenburg
      Informatikstudium Uni Rostock
      Informatikstudium Uni Paderborn
      Informatikstudium Uni Freiburg
      Informatikstudium Uni Tübingen
      Informatikstudium Uni Freiburg
      Informatikstudium Uni Lübeck

      Wenn sie etwas googlen, werden sie bestimmt noch mehr finden.

      Warum glaubt eigentlich jeder, dass man seine Fächer studieren müsse, um es unterrichten zu können, aber gerade bei der Informatik solle ein Tageskurs reichen. Wenn ich sowas schon wieder lese, dann platzt mir der A… …, dann bin ich sehr ungehalten.

      • Sie dürfen nur nicht ein vollwertiges Informatikstudium mit Fortbildung in Mediendingen verwechseln oder identifizieren. Das tun Bildungspolitiker schon oft genug, wenn sie Informatik in Kindergärten, Grundschulen und der Sek I fordern. Über informationstechnologische Grundbildung sollte man als Lehrer durchaus Kenntnisse haben (das ist auch der Hauptinhalt des “Informatik”unterrichts in der Sek I), Programmieren in C oder Denken in Algorithmen wie in der (echten) Informatik ist dafür nicht erforderlich.

        Als harter Naturwissenschaftler sollte man auch ohne Fortbildung oder Studium “Informatik” in Sek I unterrichten können, folglich dürften dort auch Tageskurse reichen. Für echte Informatik reicht das natürlich nicht, genauso wenig wie in allen anderen Fächern, für die Zertifikatskurse Sek II eingerichtet wurden.

        • Ich habe mir “Strategie der Kultusministerkonferenz “Bildung in der digitalen Welt”” inzwischen einmal durchgelesen, besser überflogen, und muss sagen, dass der Artikel auf n4t an diesem vorbei geht, insofern möchte ich da auch meine Aussage etwas abschwächen.

          Was die KMK einfordert ist ja eigentlich, so würde ich es sehen, das Normalste der Welt für jeden Arbeitnehmer: im hier und jetzt anzukommen. Die KMK fordert, zusammengefasst, nichts anderes als dass moderne Lernmittel eingesetzt werden.

          Zumindest bei mir an der Schule ist das das Selbstverständlichste überhaupt. Natürlich wird z.B. in der KfZ-Mechanik den Auszubildenden auch der Umgang mit modernen Analysewerkzeugen beigebracht, erfolgt die Messung im Baubereich auch mit lasergesteuerten Messwerkzeugen, haben die Klassenräume neben einer Kreidetafen auch Smartboards, benutzt man als Lehrkraft Lernsoftware und läßt Schüler im Internet recherchieren.

          Ich frage mich, ehrlich gesagt, an welchen Schulen im Jahr 2018 so etwas nicht selbstverständlich ist.

      • Zum einen glaube ich nicht, dass alle Lehrer jetzt ein Informatik-Studium nachholen müssen.
        Zum anderen glaube ich nicht, dass es in den von Ihnen genannten Informatik-Studiengängen Module zum Cybermobbing, Cyberstalking, Cybercrime oder Cyber-Grooming und den juristischen Grundlagen gibt.

        • Informatikrecht und Cybercrime ist aber ein Teil in den (meisten) Informatikstudiengängen.

          Cybermobbing, Cyberstalking oder Cyber-Grooming braucht auch gar nicht Bestandteil eines Informatikstudiums (auch nicht auf Lehramt) zu sein, wenn nicht alle Formen des Mobbings, Stalkings oder Groomings Bestandteile der Lehrerausbildung werden. Ich weiß ja nicht was in ihrem Lehramtsstudium so ging, aber ich hatte diese Bereiche (also ohne Cyber vorne dran) nicht im Studium, aber dafür viele Veranstaltungen mit dem Inhalt wie viel besser doch alles mit Inklusion wird.

  7. “Im Bereich der beruflichen Bildung sind darüber hinaus häufig umfassende Excel-, Outlook- und Access-Kenntnisse nötig. DATEV- oder SAP-Kenntnisse werden in Abhängigkeit vom Ausbildungsberuf genauso benötigt wie Programmierkenntnisse.”

    In der beruflichen (Aus-)Bildung würden gar keine Lehrkräfte eingestellt/eingesetzt werden, die nicht über die akademische Ausbildung in diesem Bereich verfügen, insbesondere nicht bei der Vermittlung von Wissen/Fähigkeiten in den Ausbildungsberufen.

    • Gehen Sie doch mal an eine berufliche Schule und erkundigen Sie sich dort, wie viele Kollegen über umfassende Excel-, Outlook-, Access-, DATEV-, SAP- und Programmier-Kenntnisse verfügen. Diese Kenntnisse gehören bis heute nicht zur Lehramtsausbildung.

      • Ich arbeite an einem Berufskolleg und ich versichere ihnen, dass die Lehrkräfte entsprechend ausgebildet sind. Wenn also eine Lehrkraft in dem informatischen Bereich ausbildet, dann hat diese Lehrkraft auch Informatik studiert und ich kann ihnen, aus eigener leidvoller Erfahrung, sagen, dass die Programmier- und Datenbankausbildung einen sehr großen Umfang im Studium einnimmt.

        Und das ist nicht nur bei Berufskollegs so, auch bei der Ausbildung von Informatiklehrern für den allgemeinbildenden Bereich ist es das Gleiche.

        Die DATEV- und SAP-Kenntnisse werden von Informatikern auch gar nicht benötigt (die Kenntnisse zur Kontrolle einer relationalem DBS sind jedoch Teil der Ausbildung u. auf der Ebene unterscheidet sich SAP nicht von Access – Stichwort: DB-Modelle; SQL), sondern Ausbildungsteil der für betriebswirtschaftlich relevante Inhalte verantwortliche Kollegen und sollte von diesen auch beherrscht werden (ähnlich dem dem Verhältnis des KfZler zu seinem Auslesegerät). An allgemeinbildenden Schulen ergibt die Ausbildung in DATEV und SAP überhaupt gar keinen Sinn.

        • Ich persönlich habe das auch am Berufskolleg unterrichtet. Ich musste mir alles im Selbststudium beibringen. Fortbildungen, die ich beantragt hatte, wurden nicht genehmigt.
          An diesem Berufskolleg verfügten auch bestenfalls 20 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer über die oben genannten Kompetenzen. Die deutliche Mehrheit verfügte nicht über solche Kompetenzen.
          Und ich kenne kein Berufskolleg, an dem es anders ausschauen würde.
          Schön, dass es bei Ihnen anders aussieht. Aber das ist nicht die Regel!

          • Tut mir leid, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich sie gerade richtig verstanden habe: sie haben gerade gesagt, dass an ihrer Schule Nichtinformatiker Informatiker ausgebildet haben? Habe ich das richtig verstanden?

            Noch weniger glauben kann ich das, da ich schon fast an jedem Berufskolleg in meinem Bundesland war (zwar dienstlich, aber nicht zum unterrichten) und dort genau die gleichen Voraussetzungen gegeben waren, also dass nur Leute in dem Bereich unterrichtet haben, den sie auch studiert (und gearbeitet/selber eine Berufsausbildung – als Voraussetzung für die Zulassung zum Studium) hatten.

  8. Ich bin kein Informatiker. Und ich habe auch keine Informatiker ausgebildet. Ich habe an einem kaufmännischen Berufskolleg Informationswirtschaft und Datenverarbeitung unterrichtet.
    Ich verfüge über wirtschaftswissenschaftliche Lehrbefähigungen. Weder in meinem Studium, noch in meinem Referendariat oder berufsbegleitend hat man mir die oben genannten Kompetenzen vermittelt.
    Und das geht der überwiegenden Mehrheit aller kaufmännischen Berufsschullehrer so. Es ist wirklich falsch zu glauben, wir Lehrer würden durch unsere Ausbildung über umfassende Excel-, Outlook-, Access-, DATEV-, SAP- und Programmier-Kenntnisse verfügen. Genauso wenig sind wir im Bereich Cybermobbing, Cyberstalking, Cybercrime oder Cyber-Grooming und den juristischen Grundlagen ausgebildet worden. Und HTML oder Programmieren hat uns auch niemand beigebracht.
    Ebenso falsch ist die Idee, dass nur Lehrer eingestellt werden, die über solche Kompetenzen verfügen. Es gibt eh zu wenig Lehrer. Wie wir gestern lesen konnten, verfügt in Sachsen nur noch jeder dritte neu eingestellte Lehrer über irgendein Lehramt. Dass es den Ländern hier nicht gelingt, genügend Kaufleute mit Lehrbefähigung und den oben beschriebenen Kompetenzen einzustellen, bedarf eigentlich keiner besonderen Erläuterung. Und damit verabschiede ich mich in die Nacht und ins Wochenende.

      • Nichts. Aber das verstehen die Damen und Herren Bildungspolitiker nicht. Informatik ist alles mit Computer.

        Inklusion und ihr positiver Beitrag zur Bildung hat auch nichts mit dem Schulfach Informatik zu tun. Allerdings muss sie heutzutage im pädagogisch-didaktischen Begleitstudium verankert sein, aber bitte sachlich und nicht ideologisch verklärt oder in Annas Worten “rechts außen”.

    • “Dass es den Ländern hier nicht gelingt, genügend Kaufleute mit Lehrbefähigung und den oben beschriebenen Kompetenzen einzustellen, bedarf eigentlich keiner besonderen Erläuterung.”

      Das wird auch zukünftig so bleiben, denn was sie beschreiben gehört nicht zur Ausbildung eines kaufmännischen Lehrer und das meine ich nicht, weil diese Ausbildung schlecht sei. Genauso könnte man sich beschweren warum Physik keine Ausbildungsbestandteil der Deutschlehrer ist.

      “Es ist wirklich falsch zu glauben, wir Lehrer würden durch unsere Ausbildung über umfassende Excel-, Outlook-, Access-, DATEV-, SAP- und Programmier-Kenntnisse verfügen. Genauso wenig sind wir im Bereich Cybermobbing, Cyberstalking, Cybercrime oder Cyber-Grooming und den juristischen Grundlagen ausgebildet worden. Und HTML oder Programmieren hat uns auch niemand beigebracht.”

      Das liegt daran, dass sie kaufmännischer Lehrer geworden sind und nicht Informatiklehrer, aber ich kann sie beruhigen: Autos zu reparieren oder Häuser zu bauen war ja war auch nicht Bestandteil meiner Ausbildung.

      “Ebenso falsch ist die Idee, dass nur Lehrer eingestellt werden, die über solche Kompetenzen verfügen. Es gibt eh zu wenig Lehrer. Wie wir gestern lesen konnten, verfügt in Sachsen nur noch jeder dritte neu eingestellte Lehrer über irgendein Lehramt.”

      Bei uns ist es das Gleiche, aber deshalb sind gefühlte 90% der eingestellten Lehrer Quereinsteiger bzw. Seiteneinsteiger mit einem zusätzlichen Lehrermaster.
      Es bleibt aber dabei, dass nur Leute als Lehrer eingestellt werden, die den Bereich, den sie unterrichten, auch studiert haben. Natürlich kann man bedauern, dass der Fokus auf der fachlichen Ebene liegt und dies auf Kosten der pädagogischen Anteile einer Lehrerausbildung geht, jedoch versucht man das durch eine recht intensive Betreuung auszugleichen oder nachzuholen.

      • „Das wird auch zukünftig so bleiben, denn was sie beschreiben gehört nicht zur Ausbildung eines kaufmännischen Lehrer und das meine ich nicht, weil diese Ausbildung schlecht sei. Genauso könnte man sich beschweren warum Physik keine Ausbildungsbestandteil der Deutschlehrer ist.“
        Sie liegen richtig, wenn Sie feststellen, dass dies nicht zur Ausbildung eines kaufmännischen Berufsschullehrers gehört. Aber Sie liegen falsch, wenn Sie so tun, als ob die Ausbildungsinhalte eines kaufmännischen Berufsschullehrers ordentlich auf den Berufsalltag vorbereiten würden. Richtig ist, dass die berufliche Ausbildung der Schülerinnen und Schüler immer größere IT-Bestandteile enthält, auf die die Lehrerinnen und Lehrer nicht vorbereitet worden sind. Genauso wie die Deutschlehrer nicht darauf vorbereitet worden sind, in Wikis zu lernen usw. Fakt ist, dass die Ausbildung der meisten Lehrer eben immer weniger auf die Anforderungen des Berufes vorbereiten, insbesondere wenn sie in Lernfeldern unterrichten. Und diese Defizite kann man nicht an einem Tag aufholen!
        Ihr Vergleich mit den zu reparierenden Autos oder den zu bauenden Häusern hinkt ganz kräftig. Denn natürlich gehört es nicht zu meinen und vermutlich auch nicht zu Ihren Aufgaben, Schüler dazu anzuleiten Häuser zu bauen. Aber es gehört zu meinen Aufgaben, mit ihnen kaufmännische Probleme mit dem Instrumentarium des Berufsfeldes, also mit dem PC zu lösen. Und dafür brauchen wir halt gegebenenfalls Excel-, Outlook-, Access-, DATEV-, SAP- und Programmier-Kenntnisse…
        Nur Ihre Informatiker haben damit weniger Probleme. Aber zum einen sind diese ja nun im Vergleich zu kaufmännischen Berufsschullehrern wirklich eine verschwindend kleine Minderheit. Und zum anderen sind auch die Informatiklehrer nicht auf alle Probleme ordentlich vorbereitet worden.
        Denn fast alle Lehrer sind in ihrer Ausbildung nicht mit Cybermobbing, Cyberstalking, Cybercrime oder Cyber-Grooming und den juristischen Grundlagen ausgebildet worden. Tatsächlich betrifft das aber immer mehr Lehrer, weil es immer mehr Schüler betrifft. Über 1,4 Millionen Schülerinnen und Schüler sind mittlerweile von Cybermobbing betroffen. Jeder fünfte Betroffene spielte mit dem Gedanken sich das Leben zu nehmen. Das sind bundesweit knapp 280.000 Schülerinnen und Schüler (Bündnis gegen Cybermobbing, 2017, S. 86, http://bgcmob.de/fileadmin/pdf/2016_05_02_Cybermobbing_2017End.pdf).
        Schönreden bringt hier wirklich nichts! Hier wird dringend Hilfe benötigt, z. B. durch adäquate Fortbildungen.

        • Schließe mich an und erweitere mal das Blickfeld:
          Bei der Digitalisierung geht es gar nicht um Informatikunterricht und auch nicht um berufliche Bildung, sonderen darum, dass SuS mit digitalen Medien lernen sollen, so wie es im obigen Artikel schon ausgeführt ist.

          Also zunächst ein Abverkauf von Interaktiven Whiteboards, bevor dann Touchscreens zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gesetzt werden.
          BYOD oder Tabletklassen mit entsprechender Infrastruktur in den Schulen, die meist kein W-Lan haben oder knapp mit Internetanschluss versorgt werden. In vielen Schulen wird es die Computer-Kabinette geben, die mit dem Geld des Konjunkturpaketes I oder II finanziert wurden – mit entsprechend alter Hardware (2008 oder 2010).
          Außerdem natürlich der Markt der digitalen Schulbücher, von dem sich die Verlage viel versprechen.

          Und es geht darum, auch jungen SuS den Umgang mit Medien zu vermitteln, da auch in Klasse 3+4, wenn SuS 9 oder 10 Jahre alt sind, bereits youtube und WhatsApp genutzt werden, das würde ich eher als soziale Fähigkeiten einschätzen, ganz zu schweigen von der Nutzung von Spielen mit FSK18 im Grundschulalter und der notwendigen Aufklärung und Prävention in dieser Hinsicht.
          Hinzu kommt, dass z.B. auch Rechtschreibkorrektur am PC oder Informationsbeschaffung via Internet in den Lehrplänen der Grundschulen stehen – also Technik als Werkzeug oder Hilfsmittel, als “Medium”, mit dem man umgehen lernen muss. Da wird das Nachschlagen in einem Lexikon eher durch die Suche im Internet erweitert oder abgelöst.
          Alles das betrifft also alle Lehrkräfte.

          Es hat in der Vergangenheit nicht funktioniert (Sprachlabor, Konjunkturpaket) und es wird auch in Zukunft nicht gelingen, Technik bzw. Medien in den Unterricht zu integrieren, wenn die Wartung weder durch externe Kräfte finanziert noch durch Träger kontrolliert wird oder aber Lehrkräfte mit entsprechenden Fähigkeiten mittels Entlastung hinsichtlich des Unterrichts dazu befähigt werden, sich um die Wartung zu kümmern.

          Ebenso benötigen Lehrkräfte Zeit für die Auseinandersetzung mit den Neuerungen sowie die Erarbeitung neuer Materialien und Ansätze, wenn sie sinnvoll eingesetzt sein sollen. Das ist ja im Artikel oben gut ausgeführt. Wie viele Lehrkräfte haben ein Interaktives Whiteboard in ihrer Klasse zur Verfügung und wie viele haben _interaktive_ Materialien erstellt, die einen Mehrwert bieten, statt das Gerät, wie einen Tageslichtprojektor oder einen Videorekorder früher, allein als “Bildgeber” einzusetzen? Wie viele Lehrkräfte haben Wissen, Können und Zeit, inhaltlich gute, didaktisch wertvolle und methodisch sinnvoll aufbereitet Materialien in der Software ihres Boardherstellers zusammenzustellen? (Warum gibt es kein einheitliches Format?)

          Dieser Mehraufwand ist vielen Lehrkräften längst bekannt, 2001-2006 gab es breit aufgelegte Kurse (Intel-Lernen für die Zukunft), die Auseinandersetzung mit PCs und Boards erfolgte meist kollegiumsintern).
          Da geht es auch nicht um die Produktvorführung am Nachmittag, sondern um Didaktik und Methodik, um Einsatz der Medien und ein Abwägen unterschiedlicher Möglichkeiten.

          “Die anfangs gestellte Frage „Digitalpakt – und nun?“ bleibt unbeantwortet.”
          Es ist zu einfach, Geld für Hardware zur Verfügung zu stellen, ohne die Didaktik in den Blick zu nehmen, damit die Wirtschaft glücklich ist, dann aber den Lehrkräften ohne Entlastung den Rest zu überlassen.

        • “Und dafür brauchen wir halt gegebenenfalls Excel-, Outlook-, Access-, DATEV-, SAP- und Programmier-Kenntnisse…”

          1. Nein, sie brauchen keine Programmierkenntnisse als Handelslehrer

          2. Aber wenn sie nicht mit Outlook oder Office umgehen können, dann ist das kein Fehler in der Lehrerausbildung, sondern dann haben sie schlicht 30 Jahre Menschheitsgeschichte verschlafen. Sowas wird heute einfach vorausgesetzt, genauso wie in vielen Berufen der Führerschein. So ein PC-Umgang ist eine Kulturtechnik, welche den Schülern spätestens in einer allgemeinbildenden Schule vermittelt werden (müßten) (und laut Lehrplänen, in dem BL wo ich studierte, ist das auch so).

          3. Zu SAP und DATEV hatte ich mich ja bereits ausgelassen

          “Aber zum einen sind diese ja nun im Vergleich zu kaufmännischen Berufsschullehrern wirklich eine verschwindend kleine Minderheit.”

          Sagt wer? Richtig ist, dass man diese Lehrer nicht einfach auf dem kleinen Dienstweg nachbestellen kann, aber dennoch sind diese in den technischen Berufskollegs ganz sicher keine “kleine Minderheit”.

          “Und zum anderen sind auch die Informatiklehrer nicht auf alle Probleme ordentlich vorbereitet worden.”

          Genauso viel oder wenig wie die Lehrer in ihren jeweils anderen Bereichen auch, aber Tatsache ist nun einmal, dass, zumindest ist es bei mir so, die Lehrer alle vom Fach sind.

          “Denn fast alle Lehrer sind in ihrer Ausbildung nicht mit Cybermobbing, Cyberstalking, Cybercrime oder Cyber-Grooming und den juristischen Grundlagen ausgebildet worden.”

          Ich hatte bereits etwas dazu geschrieben, deshalb jetzt noch einmal, aber nur als Stichworte:
          1. Informatikrecht und Cybercrime sind Bestandteile der Informatikstudiums. Andere Lehrer brauchen das auch gar nicht. Wenn Schüler in den Bereichen unterrichtet werden sollten, dann, wie in jedem anderen Fach auch, von Fachleuten und nicht von Halbgebildeten, die mehr Schaden als Nutzen anrichten.

          2. Das Ganze Mobbing, Grooming und Stalking ohne Cyber vorne dran ist auch kein Ausbildungsinhalt während des Lehramtsstudiums, obwohl das wesentlich öfter vorkommen dürfte als das mit dem Cyber vorne dran. Vielleicht sollte man sich da erst einmal in der Ausbildung darauf achten, aber das ist ja bestimmt zu old school, weil das Cyber im Namen fehlt…

          “Schönreden bringt hier wirklich nichts! Hier wird dringend Hilfe benötigt, z. B. durch adäquate Fortbildungen.”

          Wie gesagt, wer als Lehrer heute immer noch nicht mit Office (egal ob MS oder Open Source) oder mit einem Mailprogramm umgehen kann, der hat sich schon 30 Jahre lang nicht fortgebildet und wird es daher wohl auch die nächsten 30 nicht machen.

  9. Richtig, aber warum alles neu erfinden? Zum Thema: Zeit für das Überarbeiten der Unterrichtsmaterialien: Es gibt so großartige, vielfältige und unterschiedliche Angebote für die verschiedensten Fächer die man nutzen kann. Texte, Videos, Podcasts, interaktive Übungen, ….. .

    Ich stelle diese seit einiger Zeit für meine Kinder, Freunde und inzwischen viele andere zusammen: http://onlineuebung.de/
    Man muss nicht alles neu erfinden; man kann auf viele tolle Angebote zurückgreifen!

  10. Liebe Frau Hocks, wie gelingt es Ihnen in diesen Formaten SuS zugleich fachlich, inklusiv, medienpädagogisch und im Bereich der Sprache zu fördern? Können Texte, Videos oder Podcasts das überhaupt leisten? Haben Sie die eierlegende, pädagogische Wollmilchsau entdeckt?

  11. Nun sind fast drei Wochen vergangen und Nicole Hocks hat nicht geantwortet. Schade! Deshalb möchte ich die Frage für alle öffnen, die hier mitlesen: Kann mir jemand ganz konkret erklären, wie der Schulunterricht in Zukunft aussehen wird, wenn die SuS zugleich fachlich, inklusiv, medienpädagogisch und im Bereich der Sprache gefördert und die Lehr-Lern-Szenarien des Fachunterrichtes – so wie dies in der KMK-Strategie beschrieben wird – systematisch und fächerübergreifend in digitale Lernumgebungen eingebettet werden?

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